Erfüllung durch Dematerialisierung in der ökonomischen Glücksforschung

Medienpsychologische Betrachtung der Minimalismusbewegung durch die fünf Säulen der Identität


Seminararbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Arbeit

2 Definitionen und Abgrenzungen
2.1 Minimalismus und der „Cult of Less“
2.2 Die fünf Säulen der Identität
2.3 Digitalisierung klassischer Medien
2.4 Ökonomische Glücksforschung

3 Dematerialisierung zur Identitätsbildung als Streben nach Glück
3.1 Reduzierung materieller Werte
3.2 Zufriedenheitssteigerung durch Minimalismus

4 Schlussbetrachtung
4.1 Fazit
4.2 Ausblick

5 Student-Consulting-Transfer
5.1 Beschreibung welzenbachs GmbH
5.2 IST – Analyse
5.3 Handlungsempfehlung

Literaturverzeichnis:

Monographien:

Sammelwerke:

Journals:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2-1: Die fünf Säulen der Identität

Abb. 2-2: Glücksformel nach Daniel Kahneman

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Im heutigen Deutschland, das geprägt ist von einem bisher ungekannten Wohlstand und beinahe unbegrenzten Möglichkeiten der Vernetzung und Kommunikation, entwickelt sich eine Bevölkerungsgruppe, die scheinbar ganz bewusst auf diesen Wohlstand verzichtet. Die Minimalismus-Bewegung ist bestrebt, den eigenen, materiellen Besitz und weitere soziale- und Umweltfaktoren auf ein Minimum zu reduzieren. Die Anhänger wollen sich ausschließlich mit den Dingen umgeben, die tatsächlich nötig sind, und allen selbst definierten Ballast aus dem eigenen Leben entfernen. Das Ziel scheint ein glücklicheres, zufriedeneres und freies Leben zu sein.

Bemerkenswert ist die Ambivalenz zwischen dem Reduzieren des materiellen Besitzes auf der einen und der Verschiebung desselben in eine Art digitalen Besitz auf der anderen Seite. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit gerade das Loslösen von Besitz die Zufriedenheit des Einzelnen steigern kann.

Dieses Phänomen soll in der vorliegenden Arbeit medienpsychologisch, unter Zuhilfenahme der fünf Säulen der Identität nach Petzold und der ökonomischen Glücks-forschung, betrachtet werden.

1.2 Zielsetzung

Bei der Betrachtung des eben genannten Phänomens stellt sich unweigerlich die Frage, welche Voraussetzungen für diese Bevölkerungsgruppe erfüllt sein müssen und welcher positive Effekt durch ihr Bestreben, mit wenig oder keinem Besitz glücklicher und zufriedener zu sein, erzielt werden soll. Um dieser Fragestellung nachzugehen, werden zwei Modelle genutzt und die Ergebnisse miteinander verflochten. Zum einen werden die fünf Säulen der Identität nach H.G. Petzold verwendet, um die Veränderungen in der Persönlichkeit der Minimalisten festzustellen. Zum anderen werden Aspekte und Forschungsergebnisse ökonomischer Glücksforschung, mit dem Ziel der Definition und Bewertung der Zufriedenheit, zu Rate gezogen.

Zusammenfassend soll in der vorliegenden Arbeit folgende Forschungsfrage beantwortet werden: Unter welchen Voraussetzungen verändert sich die Identitätssäule „materielle Sicherheit“ nach H.G. Petzold bei Dematerialisierung in Bezug auf das Streben nach Glück?

1.3 Gang der Arbeit

Am Beginn stehen die Definition und die Erläuterung der relevanten Begriffe und der verwendeten Modelle. Die ausgewählten Aspekte der Minimalismus-Bewegung werden dann auf die „Identitätssäule materieller Besitz“ nach Petzold und im Hinblick auf die ökonomische Glücksforschung angewandt und diskutiert. Anschließend folgt eine Zusammenführung beider Aspekte und, bezogen auf die Forschungsfrage, eine Bewertung. Die vorliegende Arbeit schließt mit einem Student-Consulting-Teil, der die gewonnenen Erkenntnisse auf das betriebliche Umfeld der Werbeagentur welzenbachs GmbH anwendet.

2 Definitionen und Abgrenzungen

2.1 Minimalismus und der „Cult of Less“

Eine neue Lebensphilosophie erreicht Deutschland: Minimalismus oder der „Cult of Less“. Menschen beginnen, ihre materiellen Besitztümer deutlich zu reduzieren, bzw. verzichten gänzlich auf physischen und/oder analogen Besitz. Sie leben überwiegend mit technischem Gerät, wie dem Smartphone und einem Laptop, nutzen digitale Medien, und verfügen nur über wenige weitere Besitztümer.1

Unter Ausnutzung der Möglichkeiten des Internets als dem heute am meisten genutzten Kommunikations- und Informationsmedium formiert sich eine stetig wachsende Gruppe bekennender Minimalisten, die ihre Erfahrungen primär über diesen Kanal aus-tauschen.2 Durch die Trennung von physischem Besitz verspricht man sich vor allem mehr Freiheit, sowohl persönlich und lokal, als auch in finanzieller Hinsicht, ferner mehr Flexibilität sowie mehr Zeit, Ordnung und ein gesteigertes Bewusstsein für das eigene Leben.3

Weniger Dinge um sich zu haben, die die eigene Aufmerksamkeit fordern könnten und eine Reduktion der Auswahlmöglichkeiten sind hier die primären Triebkräfte.4 Diese These unterstützt auch der Soziologe Harald Welzer in seinem Buch „Trans-formationsdesign: Wege in eine zukunftsfähige Moderne“. Er stellt fest, dass wenig zu besitzen, auf viele Menschen befreiend wirke, da sich das Gefühl einstelle, dass man eigentlich nichts zu verlieren hat.5 Grundsätzlich wurde bereits durch eine Vielzahl von Studien bewiesen, dass Materialismus, also der Fokus auf materielle, physische Besitztümer sowie Statussymbole, die Zufriedenheit nicht signifikant steigern kann.6

Der „Cult of Less“ entstammt ursprünglich der Website des Amerikaners Kelly Sutton, der auf diesem Wege, nachdem er sich längere Zeit im Ausland aufgehalten und dabei bemerkt hatte, dass er viele seiner Besitztümer gar nicht vermisste bzw. benötigte, seine überzähligen Güter mit großem Medieninteresse verkaufte. Inspiriert wurde er durch das Buch von Thimothy Ferriss „The 4-Hour Work Week“.7

Es existieren im übrigen zahlreiche Blogs und Ratgeber, die Menschen bei ihren Vorhaben, Minimalisten zu werden, unterstützen und den Erfahrungsaustausch innerhalb dieser Gruppen fördern.8

Minimalismus bedeutet nicht nur, dass die betreffende Person sich von dem Großteil ihrer materiellen Besitztümer trennt, also minimalistisch lebt, sondern er beinhaltet in vielen Fällen auch die Tatsache, dass sich die betreffende Person weiterhin, oder sogar verstärkt, in der digitalen Welt bewegt. Die Mediennutzung sowie die Aufbewahrung von Inhalten bis hin zu einem Großteil des Alltags (einschließlich der Arbeitswelt und der sozialen Kontakte) werden ins Digitale verschoben.9 Diese digitalen Güter substituieren den materiellen Besitz. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Anhänger des Minimalismus kein einziges haptisches Buch besitzt, aber über eine große Sammlung von E-Books verfügt, auf die er jederzeit über seine technischen Endgeräte zugreifen kann.

Für den Minimalismus als solchen existieren keine festen Regeln, dafür zeigt er sich in verschiedensten Ausprägungen. Jeder Anhänger dieser Lebensweise definiert seinen ganz persönlichen Schwerpunkt. So kann der eine seinen gesamten Besitz und seine Wohnung aufgeben und sich für ein Leben als Weltbürger, auch digitaler Nomade genannt,10 entscheiden. Ein anderer schärft lediglich sein Bewusstsein für die materiellen Dinge seines Alltags und vermeidet die Verschwendung von Ressourcen.11 Darüber hinaus kann sich der Minimalismus auch auf andere Lebensbereiche, weg von physischem Besitz, ausdehnen. Selbst soziale Kontakte, die nicht zum Wohlbefinden eines Individuums beitragen, werden gelöst.

Als Vertreterin der reinen Lehre dieser Lebensweise lässt sich die japanische Bestsellerautorin und Lebensberaterin Marie Kondo heranziehen, weil sie ihre Ansicht so deutlich und nachvollziehbar darstellt. Sie gibt vor, jeden Bestandteil des eigenen Lebens entweder physisch oder imaginär in die Hand zu nehmen und sich dabei zu fragen, ob er Glück und Zufriedenheit bietet oder nicht. Fällt die Antwort negativ aus, ist dieser Aspekt des Lebens sofort auszusortieren.12

Der Ausdruck „Cult of Less“ wird häufig als Oberbegriff für alle Ausprägungen des Minimalismus verwendet. Er geht zwar auf Kelly Sutton zurück, der aber nicht der erste öffentlich auftretende Minimalist war, sondern lediglich der Erste, dem ein größeres Medieninteresse zuteil wurde. In der vorliegenden Arbeit beschreibt der „Cult of Less“ jedoch nur den Aspekt des physischen Minimalismus.

2.2 Die fünf Säulen der Identität

Was den Menschen ausmacht, ist seine Identität. Das Streben nach einer erfüllten Persönlichkeit beschert Menschen Zufriedenheit. Eine Annäherung an die Bausteine, aus denen sich das menschliche Wesen zusammensetzt bzw. die das Individuum als solches ausmachen, liefert Hilarion G. Petzold.

Er begründete als Psychologe das Verfahren der integrativen Therapie und ist Mitbegründer des renommierten Fritz-Perls-Institut für Integrative Therapie und Kreativitätsförderung in Hückeswagen. Petzold zeichnet sich insbesondere durch die Nutzung verschiedener methodischer Ansätze wie beispielsweise der Leibtherapie und der aktiven Psychoanalyse aus. Im Zentrum seines Werkes stehen die fünf Säulen der Identität. Mit dieser Theorie widmet er sich der Frage der menschlichen Identitäts-bildung. Er verfolgt das Ziel, Störungen in der Identitätsbildung zu beheben und somit den psychologischen Heilungsprozess zu fördern.13 Petzold hebt insbesondere den Nutzen hervor, den die fünf Säulen der Identität bieten, um einen Eindruck von der psychischen Stabilität eines Menschen zu erhalten und gleichfalls detaillierte Informationen über verschiedene Bereiche der menschlichen Persönlichkeit zu geben.14

Die Identität wird, bildlich gesprochen, von den fünf Säulen getragen und setzt sich aus zwei verschiedenen, aber zusammenhängenden Perspektiven zusammen: der „fremd-attributiven Identifizierung“ und der „selbstattributiven Identifizierung“,15 also der „Selbstzuschreibung (Identifikation)“ und der „Fremdzuschreibung (Identifizierung)“.16

Die erste Säule beschreibt die Leiblichkeit. Sie bezieht sich primär auf die Gesundheit, aber auch auf Psyche und Seele. Petzold zählt auch die Fremdwahrnehmung des Körpers zu diesem Bereich. Denn die Wahrnehmung des Körpers durch Andere hat eine hohe Bedeutung für die Identität.

Als zweite Säule gelten die sozialen Beziehungen bzw. das Netzwerk des Individuums. Auch hier unterscheidet er, wie in der ersten Säule, zwischen selbst- oder fremd-zuschreibenden Gesichtspunkten. So kann beispielsweise eine Mutter die Erziehung ihres Kindes persönlich anders empfinden als ihre kinderlose Freundin und somit eine andere Entwicklung innerhalb dieser Säule erleben.

Die dritte Säule umfasst Arbeit, Leistung und Freizeit. Selbstverwirklichung durch Handeln und Gestalten steht hier im Vordergrund. Insbesondere in Kulturen, in denen dem Beruf eine hohe Bedeutung beigemessen wird, gewinnt diese Säule an Wichtigkeit.

Es zeigen sich aber insbesondere in solchen Kulturkreisen Dissonanzen innerhalb dieser Säule, wenn die Arbeitswelt immer mehr Raum innerhalb der Freizeit einnimmt und es so zu Ungleichgewichten und Belastungen kommen kann.17

Die vierte und für die vorliegende Arbeit bedeutendste Säule umfasst die materiellen Sicherheiten. Das Wegfallen dieser Säule, die insbesondere „Geld, Wohnung und Kleidung“18 umfasst, kann sich als massive Belastung für die Identität erweisen,19 denn insbesondere ökonomische Sicherheit und Unabhängigkeit haben einen hohen Stellenwert innerhalb der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Diese Säule wird oft durch Erfahrungen aus der Kindheit geprägt, die die Haltung zum Materialismus determinieren können. Sie hat einen erheblichen Einfluss auf das persönliche Gleich-gewicht, weil sie Existenzängste auslösen kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass die anderen Säulen negativ beeinflusst werden, wenn das Streben nach materieller Sicherheit einen zu großen Raum einnimmt.20

Die letzte Säule umfasst die Werte und Normen. Sie hat eine hohe Bedeutung, denn tendenziell sind viele Menschen mit Fragen der Religion und Sinnsuche befasst.

Darüber hinaus scheinen Menschen Werte und Normen zu benötigen und befassen sich regelmäßig mit Sinnfragen, um daraus Kraft zu schöpfen und Orientierung zu gewinnen.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Die fünf Säulen der Identität Quelle: Eigene Darstellung nach: H. G. Petzold (2012)

2.3 Digitalisierung klassischer Medien

Klassische Medien verlagern ihr Dasein immer stärker in den digitalen Raum. Aus physischen Medien wie CDs oder Büchern werden Musik-Streaming-Dienste und E-Books. Diese digitalen Angebote sind nunmehr für jeden an jedem Ort erreich- und nutzbar.

Dieser „Digitale Darwinismus“22 wird durch die voranschreitende Vernetzung von Menschen, Produkten und Services getrieben. Stets entstehen neue Lösungskonzepte und Innovationen, die eine ständige Bedrohung für althergebrachte Geschäftsmodelle bedeuten, aber auch ein ähnlich großes Chancenpotential für all jene Anbieter dar-stellen, die flexibel genug sind, ihr Geschäftsmodell den aktuellen Entwicklungen anzupassen. Die Notwendigkeit von digitaler Transformation verliert nicht an Bedeutung.23

[...]


1 Vgl. Stampfl, N., S. (2015).

2 Vgl. Hummel, K. (2016) und Brzoska, M. (2014).

3 Vgl. Ryan, L., Dziurawiec, S. (2001) und Albers, M. (2013).

4 Vgl. Hummel, K. (2016).

5 Vgl. Sommer, B., Welzer, H. (2014), S. 111 ff.

6 Vgl. Ryan L., Dziurawiec S. (2001), S. 185-197.

7 Vgl. http://cultofless-blog.tumblr.com/post/182833987/is-it-possible-to-own-nothing [04.08.2016].

8 Vgl. http://www.minimalismus-leben.de, http://www.einfachbewusst.de, http://www.schlichtheit.com usw. [04.08.2016].

9 Vgl. Stampfl, N., S. (2015) und Schulz, B. (2011).

10 Vgl. McLuhan, M. (2001), S. 309.

11 Vgl. Stampfl, N., S. (2015).

12 Vgl. https://konmari.com/ [05.08.2016].

13 Vgl. Stumm, G., Pritz, A., Gumhalter, P., Nemeskeri, N., Voracek, M. (2005) S. 368–371.

14 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 520.

15 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 520.

16 Vgl. Leitner, A. (2011), S. 146.

17 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 522-523.

18 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 523.

19 Vgl. Leitner, A. (2011), S. 150-151.

20 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 524.

21 Vgl. Petzold, H.G. (2012), S. 524-525.

22 Vgl. Kreutzer, R.T., Land, K, (2016), S. 10.

23 Vgl. Kreutzer, R.T., Land, K, (2016), S. 10.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Erfüllung durch Dematerialisierung in der ökonomischen Glücksforschung
Untertitel
Medienpsychologische Betrachtung der Minimalismusbewegung durch die fünf Säulen der Identität
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V994014
ISBN (eBook)
9783346359513
ISBN (Buch)
9783346359520
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erfüllung, dematerialisierung, glücksforschung, medienpsychologische, betrachtung, minimalismusbewegung, säulen, identität
Arbeit zitieren
Judith Wester (Autor:in), 2016, Erfüllung durch Dematerialisierung in der ökonomischen Glücksforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994014

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