Zwischen Information und Interaktivität. Wie nutzt die "Welt online" die Möglichkeiten des Internet für ihr Informationskonzept?


Hausarbeit, 1999
22 Seiten, Note: 1-

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Inhaltsverzeichnis

0. Everybody's online - Vorwort

1. ,,Die Welt" - eine überregionale deutsche Tageszeitung
1.1. ,,Die Welt" in der deutschen Zeitungslandschaft
1.2. Das Gesicht der ,,Welt" - Inhalte, Strukturen, Gestaltung

2. Das Internet - ein neues Kommunikationsmedium
2.1. Spezifische Eigenschaften des Internet
2.1.1. Netzstruktur und Globalität
2.1.2. Multimedialität und Speicherplatz
2.1.3. Selektivität und Interaktivität
2.1.4. Aktualisierbarkeit und Kostenfaktor
2.2. Internet und Journalismus - neue Möglichkeiten
2.2.1. Publizieren weltweit
2.2.2. Potenzierte Informationsvielfalt
2.2.3. Die Zeitung reagiert
2.2.4. Online-news und ihr Preis

3. ,,WELT online" - eine wirkliche Online-Zeitung?
3.1. Der erste Eindruck - Erscheinungsbild von ,,WELT online"
3.2. Auf den zweiten Blick - die Nutzung des Online-Potentials
3.2.1. Die Welt spricht deutsch (?)
3.2.2. Informationsangebot garantiert ballastarm
3.2.3. Vom Nutzer zum Teilnehmer
3.2.4. Schnell und billig

4. Die Richtung stimmt - Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungen

0. Everybody's online - Vorwort

An diesem Medium scheint keiner mehr vorbeizukommen. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Internet vom geheimen Militärnetz zum Symbol der ,,Mediengesellschaft" und zur Leitfigur der Globalisierung am Ende des 20. Jahrhunderts entwickelt. Folgerichtig gibt es kaum noch gesellschaftlich relevante Institutionen in der westlichen Welt, die noch nicht im Internet vertreten sind.

Da das Internet ein Kommunikationsmedium darstellt, sollte es eigentlich in besonderem

Maße dazu geeignet sein, neue Dimensionen der Massenkommunikation und damit auch des Journalismus zu erschließen.

Gegenstand dieser Hausarbeit soll es sein, am konkreten Beispiel der überregionalen Tages- zeitung ,,Die Welt" zu prüfen, wie weit die neuen Möglichkeiten des Internet derzeit von den traditionellen Printzeitungen genutzt werden. Dazu ist als erstes das Profil des Printproduktes herauszuarbeiten. Im zweiten Schritt werden die spezifischen Eigenschaften des Internet auf ihre Brauchbarkeit im Pressejournalismus untersucht. Die daraus entstehenden Kriterien für eine Online-Zeitung können dann am Beispiel der Tageszeitung ,,Die Welt" und ihrem

Online-Pendant ,,WELT online" auf ihre Verwendung getestet werden. Zu beantworten ist daraufhin die Frage: In welchem Maße nutzt die Online-Zeitung ,,WELT online" die ihr im Internet zur Verfügung stehenden Möglichkeiten im Rahmen ihres Informationskonzeptes aus? Den Abschluß bilden schließlich eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Blick in die Zukunft.

1. ,,Die Welt" - eine überregionale deutsche Tageszeitung

1.1. ,,Die Welt" in der deutschen Zeitungslandschaft

Laut formaler Definition beschreibt der Begriff Zeitung publizistische Produkte, ,,die mindestens zweimal wöchentlich erscheinen, sich durch hohe Aktualität auszeichnen und in ihrer Bericht-erstattung universell angelegt sind."1

Eineüberregionale Tageszeitung zeichnet sich schließlich dadurch aus, daß sie ,,mehr als die Hälfte ihrer Auflage [...] außerhalb eines bestimmten lokal oder regional begrenzten Gebietes"2 absetzt. In Deutschland sind dies die ,,Deutsche Tagespost, ,,Frankfurter Allgemeine Zeitung", ,,Junge Welt", ,,Neues Deutschland", ,,taz" und ,,Die Welt". ,,Die Welt" bezeichnet sich selbst als ,,Unabhängige Tageszeitung für Deutschland". Sie ist eine der traditionsreichsten deutschen Tageszeitungen mit überregionaler Reichweite und hatte 1997 eine verkaufte Auflage von 216 800 Stück3. Zusammen mit fünf weiteren überregionalen Tageszeitungen übernimmt sie damit die Funktion einer landesweiten Bericht- erstattung über wichtige Ereignisse aus den gesellschaftlichen Teilsystemen Politik, Wirtschaft und Kultur und ist somit die Basis für eine unabhängige und glaubwürdige Presseberichterstattung in Deutschland.

Trotz ihrer deutschlandweiten Ausrichtung besitzt auch die ,,Welt" einen regionalen Schwerpunkt. Dieser befindet sich in Berlin und äußert sich im wesentlichen in einer ,,Hauptstadtseite" sowie einem eigenen ,,Berlin Feuilleton". Eine zweite Regionalausgabe gibt es außerdem für die Stadt Hamburg.

1.2. Das Gesicht der ,,Welt" - Inhalte, Strukturen, Gestaltung

Inhaltlich ist die ,,Welt" ganz klar auf die klassischen Themen überregionaler Tageszeitungen konzentriert. Es überwiegen die Themen Politik (national / international), Wirtschaft, Kultur und Sport. In ihrer Berichterstattung kann man die ,,Welt" als politisch eher konservativ bezeichnen, auch ihre Herkunft aus dem Axel-Springer-Verlag deutet dies bereits an. Die Stärken der ,,Welt" liegen in ihrem umfangreichen Wirtschaftsteil und den zahlreichen Kommentaren.4

Wie bei jeder anderen Tageszeitung auch, ist die innere Struktur der ,,Welt" weitestgehend festgelegt. Die zwei Kernteile der Zeitung umfassen 32 Seiten, die sich zu etwa je einem Drittel auf die Bereiche Politik (11 Seiten), Wirtschaft (12 Seiten) und Kultur / Sport / Wissenschaft (9 Seiten) aufteilen.5

Neben diesen täglich wiederkehrenden Basisteilen wird die ,,Welt" regelmäßig um weitere Teilblätter ergänzt, so zum Beispiel ein wöchentlicher Reiseteil, samstägliche Beilagen zu den Themen Literatur, Kunst, Auto, Beruf und Immobilien und unregelmäßig erscheinende Blätter zu speziellen Wirtschaftsthemen.

Das äußere Erscheinungsbild der ,,Welt" orientiert sich am klassischen angelsächsischen Stil. Nach einer Generalüberholung des Layouts im Herbst 1998 präsentiert sich die Zeitung jedoch aufgeräumter und moderner und folgt somit einem allgemeinen Trend der Branche, was auch der vermehrte Einsatz von Farbe bei Fotos und Grafiken zeigt. Der konsequente Einsatz der Farbe Blau bei Gestaltungselementen und eine einheitliche Symbolik garantieren einen hohen Wiedererkennungswert. Auffällig an der Neugestaltung ist die Integration von (sowohl grafischen als auch thematischen) Internet-Elementen. So werden zum Beispiel zur Kennzeichnung bestimmter Serien grafische Darstellungen in Form von Icons verwendet und auch Diagramme und Schaubilder werden an die Symbolik von Computerdarstellungen angelehnt. Auf der thematischen Ebene werden bei verschiedenen Artikeln Internet-Adressen angegeben, die auf ergänzende Informationen in der Online-Ausgabe der ,,Welt" oder in anderen Online-Angeboten verweisen. Schon in der Titelzeile der Zeitung sind die Themen des Tages des Online-Pendants aufgelistet und auch in der Inhaltsübersicht findet man die Rubrik ,,Online". Insgesamt ist also eine deutliche Anpassung an die computerorientierte Informationsvermittlung und die Verbildlichung von Inhalten zu erkennen.

2. Das Internet - ein neues Kommunikationsmedium

2.1. Spezifische Eigenschaften des Internet

Das Internet ist das Medium der Neuzeit. Darin sind sich (fast) alle einig, wie unter anderem die explosionsartige Entwicklung von Internet-Aktien an den Börsen oder eine ständig wachsende Zahl von Medien über das Internet zeigen.

Das Internet besitzt unbestritten ein großes Potential für die verschiedensten Anwendungs- bereiche. Um seine Möglichkeiten aber realistisch einschätzen und nutzen zu können, muß man sich vorher etwas genauer mit den speziellen Eigenschaften dieses Mediums auseinandersetzen. Dies wird auch zahlreich getan.6 Die wichtigsten Merkmale dieses Rechnernetzes möchte ich im folgenden kurz darstellen und dann im nächsten Abschnitt speziell auf ihre Auswirkungen auf den Journalismus im Internet eingehen.

2.1.1. Netzstruktur und Globalität

Die wichtigste und augenfälligste Eigenschaft des Internet ist seine Netzstruktur. Durch die Verbindung von Computern in allen Teilen der Erde mittels Telefon- oder Breitbandkabel entsteht eine weltumspannende Datenleitung (noch nicht sehr treffend auf den Namen ,,Datenautobahn" getauft), die mit Hilfe ausgeklügelter Steuerungssoftware eine Kommunikation zwischen allen angeschlossenen Rechnern möglich macht. Also besteht im Internet die Möglichkeit einer globalen Verfügbarkeit von Daten. Mittels diesen beiden Grundcharakteristika lassen sich nun alle Vorteile eines einzelnen Computers leicht auf das gesamte Netz übertragen.

2.1.2. Multimedialität und Speicherplatz

In den neunziger Jahren hat sich im Bereich der Computer vor allem ein Schlagwort durchgesetzt - Multimedia. Obwohl bis heute noch keine Einigung über die Definition dieses Begriffes besteht, läßt sich Multimedia doch vereinfacht beschreiben als die rechnergestützte Kombination von mindestens je einem diskreten Medium (z.B. Text) und digitalen kontinuierlichen Medium (z.B. Ton, Video)7. Diese Multimeddrnet, des World Wide Web (WWW).

Durch eine enorm gesteigerte Gestaltungsvielfalt, die höhere Intuitivität der Bedienung und leichtere Erfaßbarkeit von Informationen8 eröffnen sich hier verschiedene neue Anwendungsgebiete, vor allem auch im publizistischen Bereich. Allerdings stellen Video- und Audioinformationen enorm große Datenmengen dar. Auf dem lokalen Computer ist ihre Aufbewahrung kein Problem, da heute ausreichend große Speichermedien zur Verfügung stehen, die eine hohe Speicherkapazität des Internet gewährleisten. Da allerdings die Übertragungskapazität, bedingt durch die noch häufige Verwendung herkömmlicher Telefonkabel und die Überlastung aufgrund ständig steigender Nutzerzahlen, zur Zeit noch stark eingeschränkt ist, lassen sich diese Gestaltungsmittel noch nicht im erwünschten Umfang einsetzen. Dieser Mangel wird aber sicherlich in absehbarer Zeit behoben sein.

2.1.3. Selektivität und Interaktivität

Eng verbunden mit den Vorteilen der Multimedialität sind die neuen Nutzungs- und Rezeptionsmöglichkeiten im Internet9. Immer wieder genannte Stichworte sind hier die Selektivität und die Interaktivität. Allgemein bezeichnet Selektivität die Auswahlmöglichkeit des Nutzers aus einer Reihe von Angeboten. Wichtigster Gewährleister von Selektivität ist das sogenannte Hypertextprinzip. Bei einem Hypertext handelt es sich um ein Dokument, das in seiner Struktur nicht mehr linear ist. Vielmehr wird hier durch den Einsatz von ,,Links"10 die Wahl eines individuellen Weges durch die bereitgestellten Informationen ermöglicht, der zur gezielten Rezeption ganz bestimmter Inhalte genutzt werden kann. Weiterhin können diese Links dazu eingesetzt werden, auf Angebote außerhalb des Dokumentes hinzuweisen und diese dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Einen Schritt weiter geht die Interaktivität. Hier reagiert ein ,,menschliches Gegenüber" auf die Aktionen des Internet-Nutzers11 , im gebräuchlichsten Fall erfolgt also eine Kommunikation zwischen Personen via Internet. Dieser bedeutende Aspekt des Computernetzes ist allerdings bisher weitgehend vernachlässigt worden, was bedeutet, daß die Datenautobahn eigentlich nur eine Einbahnstraße ist.

2.1.4. Aktualisierbarkeit und Kostenfaktor

Durch die relativ problemlose Dateneingabe, die bei Computern möglich ist, können Informationen im Internet besonders schnell veröffentlicht werden. Es entfallen praktisch sämtliche Distributionsaufwendungen, abgesehen von der Speicherung der Daten auf einem Internet-Server. Das ermöglicht auch die hohe Aktualität und permanente Aktualisierbarkeit von Informationen im weltweiten Computernetz. Des weiteren sinkt natürlich auch der Kostenfaktor der Verbreitung um ein Vielfaches. Aber auch die Kosten auf der Nutzerseite sind relativ gering und werden, da sie eng an die Telefonpreise gekoppelt sind, vor allem in Deutschland weiter sinken. Auf der anderen Seite kann jedoch auch davon ausgegangen werden, daß sich die Kosten für die Nutzung einzelner Inhalte erhöhen werden, da sich die kostspieligen Investitionen im Internet auch für die Firmen früher oder später lohnen müssen. Beachtet man aber die enormen Vorteile des Internet, wird sicherlich ein recht günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis auf beiden Seiten bestehen bleiben.

2.2. Internet und Journalismus - neue Möglichkeiten

Wie im letzten Abschnitt gezeigt, besitzt das Internet eine Reihe von Eigenschaften, die sich in besonderem Maße dazu eignen, Kommunikation, und vor allem Massenkommunikation, zu verbessern. Dies wirft sofort die Frage auf, wie denn der Journalismus die neuen Möglichkeiten der multimedialen weltweiten Vernetzung für sich nutzen kann. Deshalb werde ich jetzt die einzelnen Merkmale des Internet auf ihre Auswirkungen auf journalistische Publikationen, speziell Online-Zeitungen, hin untersuchen.

2.2.1. Publizieren weltweit

Die weltweite Vernetzung von Rechnern und die daraus resultierende globale Verfügbarkeit von Daten ermöglichen es, jedes Internetangebot von jedem angeschlossenen Rechner aus zu nutzen. Dies bedeutet für eine Zeitung im Internet, daß sie ein viel größeres potentielles Publikum hat, als dies bei Printausgaben der Fall ist. Es kann also eine erhebliche Steigerung des Bekanntheitsgrades erfolgen. Bei der ungeheuer großen Anzahl von Angeboten im Internet muß sich allerdings der Anbieter sorgfältig darum bemühen, das Produkt bekannt zu machen. Eine Voraussetzung hierfür ist, daß die Internet-Adresse der Website in verschiedenen - internationalen12 - Suchmaschinen aufgelistet wird. Nur so ist gewährleistet, daß auch Nutzer, die das Angebot noch nicht kennen, gezielt darauf verwiesen werden. Da die Verkehrssprache im Internet, wie so oft, Englisch ist, sollte eine Online-Zeitung auch die Option enthalten, zumindest die wichtigsten Inhalte auf Englisch lesen zu können. Dies fördert die internationale Akzeptanz, macht sie wahrscheinlich sogar erst möglich.

2.2.2. Potenzierte Informationsvielfalt

Eine Vielfalt neuer Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich dem Journalismus mit der Multi- medialität des Internets an. Der Einsatz verschiedener Elemente, wie Video, Ton oder Grafik in Verbindung mit dem herkömmlichen Textkörper machen die Rezeption von Informationen interessanter, erschöpfender und nicht zuletzt leichter.13 Die Auswirkungen von Multimedia haben sich schon in den letzten Jahren im Bereich des Printjournalismus gezeigt (so z.B. im vermehrten Einsatz von Grafiken und Schaubildern). Jetzt besteht im Internet die Möglichkeit, ,,echtes" Multimedia für die Zeitungsgestaltung zu nutzen. Beispiele hierfür wären die Erstellung von Animationen zur Erklärung komplizierter Sachverhalte, die Unterstreichung von Textinformationen durch Videos oder auch das ,,Vorlesen" von Artikeln (z.B. für Blinde). Es muß jedoch auch angemerkt werden, daß gerade Zeitungen den Umgang mit solchen kontinuierlichen Medien erst noch lernen müssen. Hier haben Rundfunk und Fernsehen einen beachtlichen Vorsprung.14

Die hohe Speicherkapazität, die allein schon für den Einsatz multimedialer Elemente benötigt wird, kann darüber hinaus auch für andere Angebote von Nutzen sein. So können zum Beispiel Zeitungsartikel in großem Umfang archiviert werden, was gegenüber Printmedien eine beachtliche Menge Platz spart. Mit Hilfe von Datenbanksystemen kann auf diese Artikel dann komfortabel und selektiv zugegriffen werden. Dies stellt im übrigen, neben der obligato- rischen Werbung, eine der aussichtsreichsten Einnahmequellen für Online-Zeitungen dar, da der Nutzer für gezielt benötigte Informationen wohl eher zu zahlen bereit ist. Neben den Artikelarchiven lassen sich aber noch eine Vielzahl anderer Datenbanken produzieren. So können z.B. Börsenkurse, Veranstaltungstermine, Tarifübersichten, ja ganze Bestellkataloge im Internet zugänglich gemacht werden, was den Rahmen einer gedruckten Zeitung mehrfach sprengen würde. Dies eröffnet den Verlagen auch neue Betätigungsfelder außerhalb der Zeitungsproduktion. So bietet das Nachrichtenmagazin ,,Focus" in seiner Online-Ausgabe verschiedene Service-Datenbanken (z.B. zu Telefontarifen oder Mediadaten) an.15 Mit diesen Zusatzdiensten besteht für Online-Zeitungen somit die Möglichkeit, sich die Stellung eines kompetenten und umfassenden Informationsanbieters zu sichern.

2.2.3. Die Zeitung reagiert

Die Selektivität bei der Internetnutzung stellt für journalistische Produkte ein besonders wertvolles Mittel dar, sich dem Nutzer zu nähern. Im einfachsten Fall ist schon die Auswahl eines Menüpunktes ein selektiver Prozeß. Hier sollte man bei der Gestaltung der Online- Zeitung ansetzen. Eine übersichtliche Navigationsleiste ist ein unvermeidliches Hilfsmittel, um sich im Dschungel der Informationen nicht zu verirren. Die Gliederung des Angebots muß also so angelegt sein, daß die Nutzer sehr schnell die Struktur der Inhalte durchschauen und sie so optimal für sich nutzen können. Als nächster Schritt kann die konsequente Gestaltung von Artikeln als Hypertexte deren Rezeption vollständig verändern. Berichte können in unter- schiedlicher Weise aufgeteilt und verlinkt werden (z.B. nach Informationstiefe, Perspektive oder Chronologie), um so dem Nutzer die Wahl zu überlassen, welche Teile er lesen möchte und welche nicht. Die Krönung einer solchen Auswahlfreiheit stellen individuelle Zeitungen dar, die nach den Präferenzen des Nutzers zusammengestellt werden und somit schon auf der Produktionsstufe selektiert wurden.16

Ein weit schwierigeres Unterfangen stellt jedoch die Implementierung von Interaktion in Online-Zeitungen dar. Da Interaktion neben dem Nutzer noch mindestens ein zweites Individuum benötigt, stellt sich hier oft die Personal- und Zeitfrage in den Verlagen. Eine Möglichkeit, Interaktion unter Umgehung dieses Problems zu realisieren, sind Diskussions- foren über verschiedene Themen. Hier können die Nutzer untereinander kommunizieren und außer einem eventuellen Koordinator ist kein weiteres Personal nötig. Ein weiteres einfaches Interaktionsangebot ist die Bereitstellung von e-mail-Kontakt zur Zeitung oder den einzelnen Journalisten. Dies ist die konsequente Weiterentwicklung des Leserbriefservices und gibt dem Nutzer die Möglichkeit, Kommentare und Anmerkungen zum Angebot abzugeben. Hier muß allerdings auch darauf geachtet werden, daß eingehende e-mails auch beantwortet werden, sonst kann sich bei den Nutzern schnell Frustration und damit Abwendung vom Produkt einstellen. Insgesamt gesehen ist allerdings der Interaktivitätsaspekt des Internets auch bei Online-Zeitungen noch nicht zufriedenstellend einsetzbar.

2.2.4. Online-news und ihr Preis

Gerade für journalistische Produkte äußerst wichtig ist ihre Aktualität. Hier besitzt das Internet einen unschlagbaren Vorteil gegenüber gedruckten Zeitungen. Informationen können innerhalb kürzester Zeit online veröffentlicht werden und machen somit den Aktualitätsgrad von Online-Zeitungen konkurrenzfähig zu Rundfunk und Fernsehen. Diese permanente Aktualisierbarkeit von Online-Angeboten stellt die Redaktionen allerdings auch unter einen erheblichen Druck. Der Nutzer wird früher oder später eine hohe Aktualität von Online- Zeitungen erwarten und ihr Fehlen nicht mehr akzeptieren. Entlastung schaffen können hier automatische Aktualisierungsprogramme auf der Basis von News-Tickern, die schon heute vereinzelt eingesetzt werden.

Problematisch für Online-Zeitungen gestaltet sich zur Zeit noch der Kostenfaktor im Internet. Obwohl durch Online-Veröffentlichung hohe Kosteneinsparungen auf dem Gebiet des Druckes und der Verteilung erzielt werden, ist momentan trotzdem keine verlustfreie Internetpräsenz möglich. Der wichtigste Finanzierungsfaktor ist, wie gehabt, die Werbung.

Hier sind, nach der vorsichtigen Begutachtung des neuen Mediums, gesteigerte Ambitionen der Unternehmen zu erkennen, auch im Internet zu werben. Große Vorteile bietet dabei wieder die Multimedialität und Selektivität des Netzes. Aber allein durch Werbung läßt sich ein Internetprodukt meist nicht finanzieren. Zum Ausgleich der Kosten müßten also, wie bei der gedruckten Zeitung, Nutzungsgebühren erhoben werden. Diese wollen aber nur 35% der Nutzer von Online-Zeitungen wirklich bezahlen.17 Gründe dafür sind die Vielzahl kostenloser Konkurrenz-angebote, die noch hohen Zugangsgebühren zum Internet und die Tatsache, daß Online-Zeitungen bis jetzt nur als Ergänzung zu anderen Informationsquellen (Printzeitung, Rundfunk, Fernsehen) genutzt werden. Allerdings wird in Zukunft der Trend sicherlich zu

Nutzungs-gebühren führen, da sich kaum ein Verlag ein Verlustgeschäft im Internet erlauben kann und möchte.

3. ,,WELT online" - eine wirkliche Online-Zeitung?

Im Mai 1995 startete die ,,Welt" ihr Engagement im Internet18 und war somit die erste überregionale Tageszeitung in Deutschland, die sich dem neuen Kommunikationsmedium stellte. Heute ist die ,,WELT online" eine der meistbesuchten Online-Zeitungen und besitzt unter den Überregionalen die meisten Seitenaufrufe.19

Das Publikum der ,,WELT online" besteht zu 55% aus 19 - 30jährigen Personen, 89% aller Nutzer sind Männer. 74% der Nutzer mit abgeschlossener Ausbildung haben studiert, die größte Nutzergruppe stellen allerdings die Studenten mit 38% dar20 , es folgen die selbständigen Angestellten und Beamten. Entsprechend dichotom gestaltet sich die Einkommensverteilung.

62% der Befragten nutzen ,,WELT online" täglich, 30% immerhin 2 - 3mal in der Woche. Dabei sind es nicht vorrangig Leser der gedruckten ,,Welt", die das Online-Angebot nutzen. 35% der Personen lesen eine regionale Abonnement-Zeitung, erst danach folgen mit 21% die Leser des eigenen Printproduktes. Die Interessenverteilung liegt schwerpunktmäßig bei den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft (59% / 57% / 55%), Kultur, Medien und Sport folgen weit abgeschlagen.21

3.1. Der erste Eindruck - Erscheinungsbild von ,,WELT online"

Aus den oben genannten Daten läßt sich schlußfolgern, daß das Ziel von ,,WELT online", im Hinblick auf das Publikum, eine kompetente, aktuelle und ,,schnörkellose" Berichterstattung sein muß. Entsprechend präsentiert sich auch die Online-Zeitung22 . Im charakteristischen Blau des gedruckten Äquivalents gestaltet, ist die Homepage des Angebots klar in drei Teile untergliedert. Neben dem Hauptfenster mit den wichtigsten Themen des Tages23 befindet sich am linken Rand eine dynamische Navigationsleiste mit den Hauptrubriken der Online- Ausgabe und den Unterrubriken der gewählten Sparte. Über diesen beiden Fenstern ist ein dritter Frame positioniert, der neben Werbebannern auch das Logo von ,,WELT online" beinhaltet, welches gleichzeitig als ,,Home-Button"24 dient. Sowohl der linke als auch der obere Frame sind feststehend, das eigentliche Informationsangebot befindet sich jeweils im Hauptfenster. Diese klare Teilung des Bildschirms und die pragmatische Gestaltung vermitteln schon auf den ersten Blick das Konzept der Online-Zeitung: ,,Von Anfang an stand bei der Konzeption der praktische Nutzwert im Vordergrund, was zu einem konsequenten Verzicht auf grafisch aufwendige Stilmittel geführt hat, die letztlich den Zugriff verlangsamt hätten."25

3.2. Auf den zweiten Blick - die Nutzung des Online-Potentials

Im folgenden möchte ich anhand der im zweiten Kapitel entwickelten Möglichkeiten bei der Erstellung einer Online-Publikation analysieren, inwiefern die ,,WELT online" bemüht ist, diese Kapazitäten im Rahmen ihres Informationskonzeptes optimal einzusetzen. Als Forschungs-objekt dient hierfür die ,,WELT online"-Ausgabe vom 10.03.1999. Die Bewertungskriterien, noch einmal explizit aufgeführt, sind:

_ Globalität (Beachtung der weltweiten Vernetzung) _ Multimedialität (Einsatz multimedialer Elemente) _ hohe Speicherkapazität (Nutzung des Platzangebots) _ Selektivität (Benutzerführung)

_ Interaktivität (Einbeziehung des Kommunikationsaspektes) _ Aktualität / Aktualisierbarkeit (Überarbeitungsintervalle) _ Kosten (Preisgestaltung des Angebotes)

3.2.1. Die Welt spricht deutsch (?)

Um die globale Nutzung eines Internet-Angebotes zu erreichen, empfiehlt sich zum derzeitigen Zeitpunkt eine Eintragung in die etablierten Suchmaschinen für das Internet.

Folgerichtig sollte also ,,WELT online" als führende deutsche Tageszeitung auch dort zu finden sein. Bei der Überprüfung von drei deutschen (Yahoo! Dtl., Web.de, Lycos.de)26 und drei internationalen Suchmaschinen (Yahoo! Int., AltaVista, HotBot)27 war in fünf von sechs Fällen ein Eintrag für das Angebot vorhanden, so daß also potentielle Nutzer aus allen Teilen der Welt darauf aufmerksam werden konnten.28 Um allerdings die Inhalte einem internationalen Publikum auch vermitteln zu können, sollte zumindest der wesentliche Teil des Angebotes auch in englischer Sprache zur Verfügung stehen. Diesen Service bietet ,,WELT online" jedoch nicht. Dies ist insofern verwunderlich, als 35% aller Leser von ,,WELT online" gar nicht in Deutschland wohnen.29 Möglicherweise handelt es sich bei diesen Personen um deutsch-stämmige Aussiedler, die sich per Online-Zeitung über die Lage im Heimatland informieren wollen. Die Implementierung einer englischsprachigen Version der Zeitung wäre jedoch hilfreich bei der Positionierung im international geprägten Internet.

3.2.2. Informationsangebot garantiert ballastarm

Wie oben bereits zitiert, soll die Online-Ausgabe der ,,Welt" nach eigenen Angaben nicht durch den übermäßigen Einsatz grafischer Elemente in ihrer Ladezeit beeinträchtigt werden. Folglich sind auch kaum multimediale Gestaltungsmittel im Angebot zu finden. Auffällig ist dabei, daß sogar Fotos und Grafiken zu Texten, die in der Printausgabe zu finden waren, nicht mit übernommen wurden. Die gesamte Rubrik Inhalt enthält daher nur Textelemente, die farbliche Gestaltung wird ausnahmslos mit HTML-Code realisiert. Auch die Rubrik Börse verzichtet auf grafische Elemente. Damit beschränkt sie sich automatisch auf die Bereitstellung von Tabellen mit aktuellen Börsenkursen. Weiterführende Informationen, wie z.B. Diagramme sind hier nicht zu finden. Vereinzelten Einsatz finden Fotos in den Specials der Sparte Extras (so z.B. in Spielerporträts der deutschen Fußballnationalmannschaft zur Fußball-WM 1998), in einigen Exklusivberichten der ,,WELT online" (zu finden in der Rubrik WebWelt) sowie in den Welt-Brennpunkten. Als reine Gestaltungsmittel findet man Fotos nur in der Rubrik Abonnement. Überhaupt nicht eingesetzt werden Videos oder Tondokumente. Hier macht sich bemerkbar, daß die ,,WELT online" sich als sehr ,,zeitungsspezifisches" Informationsmedium versteht. Auch insgesamt kann zum Punkt Multimedialität resümiert werden, daß eine konsequente Linie der Aussparung solcher Elemente verfolgt wird. Für die Rezeption der Texte ist dies sicher sehr hilfreich. Jedoch könnte gerade Diagramme und Grafiken einige Sachverhalte besser veranschaulichen (wie sie ja in der Printausgabe der ,,Welt" täglich beweisen).

Das Angebot speicherintensiver Informationen ist bei der ,,WELT online" in seiner Breite relativ begrenzt. Neben dem obligatorischen Archiv aller bereits veröffentlichten Artikel, in dem diese nach Stichwort oder Datum (zur Zeit von 1995 - aktuell) ausgewählt werden können, existieren in der Rubrik Archiv zwar noch weitere Abfrageformulare30 . So wird noch ein Börsen-, ein Film- und ein Buch-Archiv angeboten. Alle diese Datenbankabfragen greifen jedoch wieder auf den Bestand der Artikeldatenbank zurück.31 Weitere eigenständige Datenbanken finden sich nur noch in der Rubrik Extras, wo verschiedene Ranglisten aus der Wirtschaft zur Informationssuche angeboten werden.

Darüber hinaus werden in der Rubrik Dokumentation ergänzende Ressourcen zu Artikeln aus der ,,Welt" bereitgestellt. So findet man dort Reden (z.B. die Rede des Bundespräsidenten Roman Herzog zur Eröffnung des Kulturstadtjahres 1999 in Weimar), Studien (z.B. über die Schädlichkeit von Handys) und andere Dokumente, die die Tagesberichterstattung ergänzen. Auf diese Ressourcen wird auch in der Printausgabe der Zeitung hingewiesen. Weitere Mehrwertdienste (wie z.B. Veranstaltungskalender) werden allerdings nicht angeboten. Damit beschränkt sich das Datenbankangebot auf die Archivierung und Ergänzung eigener Veröffentlichungen und ausgewählte Wirtschaftsdaten.

3.2.3. Vom Nutzer zum Teilnehmer

Beim Thema Selektivität fällt ein schon oft genanntes Problem von Online-Zeitungen auf: die theoretisch so schön klingenden Vorteile von Hypertexten werden nicht konsequent genug umgesetzt. Dies liegt natürlich in erheblichem Maße an dem mangelnden Zeitbudget in den Redaktionen. So findet man auch in der ,,WELT online" im aktuellen Teil (Rubrik Inhalt, Börse) nur aus der Printausgabe übernommene Artikel, die nicht nachträglich mit Links versehen wurden.32 Nur bei sehr wenigen Themenkomplexen finden sich am Ende der Artikel Sprungverweise zu verwandten Berichten.33 Auch Verweise auf externe Angebote findet man nur sehr vereinzelt, dann vor allem in den Berichten der Rubriken WebWelt und Dokumentation, die ja auch exklusiv für die Online-Zeitung produziert wurden. Ansonsten werden externe Links in verschiedenen Linksammlungen angeboten, die sich in den Rubriken Computerwelt und WebWelt befinden. Die insgesamt überzeugendste Umsetzung der durch Selektivität ermöglichten Integration verschiedener Informationstypen und -tiefen findet man in den Brennpunkten. Hier werden bestimmte Schwerpunktthemen (aktuell: Euro) in relativ großem Umfang dargestellt und durch die Verwendung von Tabellen, Datenbanken, externen Links, Grafiken und Daten zum Download34 komfortabel und vielfältig aufbereitet. Hier ist im Ansatz erkennbar, was alles möglich wäre, wenn die Potentiale des Internet konsequenter genutzt würden.35 Die Gestaltung der Navigationsleiste läßt jedoch kaum Wünsche offen. Sie ist während des gesamten Aufenthalts in der Online-Zeitung am linken Bildschirmrand zu sehen und garantiert jederzeit die Übersicht über die klar gegliederten Rubriken. Dabei weist auch sie, wie das gesamte Angebot der ,,WELT online" eine funktionale grafische Gestaltung auf.

Die interaktiven Elemente, die in der ,,WELT online" verwendet werden, beschränken sich auf das weitgehend übliche Repertoire. So sind an verschiedenen Stellen Links zu e-mail- Formularen integriert, die je nach Rubrik an die jeweilig verantwortlichen Personen adressiert sind. Diese können zum individuellen Feedback genutzt werden. Die Möglichkeit der direkten Adressierung bestimmter Journalisten besteht jedoch nicht. Für interaktive Dienste wurde bei ,,WELT online" die eigene Rubrik Forum eingerichtet. Diese enthält (zur Zeit sechs) Leserforen zu verschiedenen Themen. Ein interessanter Service ist die Möglichkeit, per e- mail ein Thema für ein neues Forum vorzuschlagen. Allerdings waren zum aktuellen Zeitpunkt die angebotenen Foren eher spärlich besucht (Positivrekord: 12 Personen, Negativrekord: eine Person). Das läßt darauf schließen, daß die Nutzer dieser Online-Zeitung augenscheinlich kein Interesse an diesen Angeboten haben. Darüber hinaus werden von Zeit zu Zeit Live-Foren angeboten, in denen eine kompetente Person Fragen zu einem speziellen Thema beantwortet. Das letzte solche Ereignis liegt allerdings bereits drei Monate zurück. Zur Zeit veranstaltet die ,,WELT online" auch eine Umfrageserie (,,Leserwahl WELT 2000"), in der über die wichtigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts abgestimmt werden kann. Diese Rankings werden dann sowohl in der ,,Welt" als auch in ,,WELT online" veröffentlicht.36 Auf der gleichen Interaktivitätsebene bewegt sich die ,,Frage der Woche" (Meinungsfrage), die recht schnell durch anklicken einer der Antwortvorgaben beantwortet und danach sofort das bisherige Ergebnis eingesehen werden kann.37 Ergänzt wird diese Rubrik schließlich durch ein e-mail-Formular, das zum Verfassen eines Leserbriefes verwendet werden kann. Insgesamt ist festzustellen, daß sich die ,,WELT online" um das Angebot interaktiver Dienste bemüht. Da jedoch noch nicht recht klar ist, welche Anwendungsbereiche auf diesem Gebiet für eine Online-Zeitung am sinnvollsten wären und das Publikum die bereits vorhandenen Möglichkeiten nicht intensiv nutzt, bleiben diese Anstrengungen zur Zeit eher nebensächlich.

3.2.4. Schnell und billig

Das Kriterium Aktualität ist für ,,WELT online", wie für jede Tageszeitung, ein sehr zentrales. Die Aktualisierung des Angebotes erfolgt hier täglich um 20 Uhr. Damit kommt die Online-Ausgabe schon am Abend vor der Printausgabe an die Öffentlichkeit, was den Aktualitäts-vorsprung des Internet ausnutzt und damit unterstreicht. Darüber hinaus sind jedoch bereits andere Möglichkeiten gebräuchlich, auf die die ,,WELT online" bisher verzichtet. So werden bei verschiedenen anderen Online-Zeitungen News-Ticker (z.B. von dpa oder Reuters) integriert, die laufend aktuelle Meldungen präsentieren. Diese findet man hier nicht. Auch die Kurse in der Rubrik Börse sind nur Schlußkurse des letzten Börsentags. Während die aktuellen Nachrichten ausnahmslos übernommene Printartikel darstellen, werden die Exklusivberichte für ,,WELT online" nicht regelmäßig aktualisiert. Hier wird nur alle paar Tage ein neuer Bericht ins Angebot gestellt. Allgemein besitzt die Online-Zeitung also die einer Tageszeitung gebotene Aktualität, könnte aber diese aber noch erhöhen, um das Potential des Internet besser zu nutzen.

Am Schluß der Analyse steht noch eine kurze Betrachtung des Kostenfaktors. Die ,,WELT online" nimmt für keines ihrer Angebote Nutzungsgebühren. Damit folgt sie dem bislang einhelligen Trend unter den Tageszeitungen. Auch die Werbung hält sich angenehm zurück.38 Sie findet sich ausschließlich im Fenster am oberen Bildschirmrand und verzögert den Ladevorgang nicht merklich. Wie lange sich jedoch die ,,WELT online" eine vollständig kostenfreie Online-Zeitung noch leistet, ist fraglich.

4. Die Richtung stimmt - Fazit und Ausblick

Eines kann man sagen: die ,,WELT online" wird ihrem eigenen Anspruch ganz gut gerecht. Das Angebot ist im Großen und Ganzen als Ergänzung zur gedruckten Ausgabe der ,,Welt" angelegt. Es enthält zwar auch eine Vielzahl aktueller Artikel aus der Printausgabe, bietet aber darüber hinaus ein breites Angebot an Hintergrundmaterial, das interessierte Nutzer gezielt zur Vertiefung der Zeitungsberichte nutzen können. Damit konzentriert sich die ,,WELT online" bewußt auf die Kompetenzen einer Zeitungsredaktion und überläßt vor allem den Einsatz multimedialer Elemente und das Anbieten breitgefächerter Serviceleistungen interessierten Konkurrenten. Im Rahmen des festgelegten Konzeptes allerdings werden die Möglichkeiten des Internet schon in großem Umfang genutzt. Angefangen bei der Veröffentlichung am Abend vor der Printausgabe über die benutzerfreundliche Darbietung der Informationen bis zu - zumindest angedeuteten - Einwirkungsmöglichkeiten des Nutzers verfolgt diese Online-Zeitung einen möglichen Weg, wie sich Tageszeitungen im Internet präsentieren können. Dabei gibt es natürlich auch noch einige Schwächen. Der größte Mangel ist wohl die noch nicht in ausreichendem Maße umgesetzte Möglichkeit der Hypertextgestaltung. Weiterhin sollte eine überregionale Tageszeitung auch ein Angebot für englischsprachige Nutzer bereithalten. Ein etwas weniger zaghafter Einsatz von Grafiken und Diagrammen würde schließlich das Informationsverständnis verbessern ohne dabei übermäßig Ressourcen zu verbrauchen.

Da das Internet ja praktisch noch in den Kinderschuhen steckt, wird die Entwicklung im Bereich der Online-Zeitung sicher noch einige Wendungen nehmen. Die wichtigsten Dinge, die bei neuen Konzepten dann zu überdenken sind, wären zum einen die Bereitstellung von mehr (qualifiziertem) Personal in den Online-Redaktionen, um die oben beschriebenen Mängel im Angebot beheben zu können, und damit verbunden eine neue Preisgestaltung.

Obwohl bis jetzt nur wenige Nutzer für eine Online-Zeitung zahlen würden, wird sich das in Zukunft, nach einer Eingewöhnungsphase, sicherlich ändern. Mit der für die nahe Zukunft erhofften Steigerung der Leitungskapazitäten im Internet werden auch die Einsatz- bedingungen für multimediale Komponenten und andere speicherintensive Daten verbessert. Die Online-Zeitungen können nur davon profitieren.

Ob eines Tages der allmorgendliche Gang zum Briefkasten Geschichte sein wird und man statt dessen die Tasse Kaffee vor dem Computermonitor genießt, ist zur Zeit Stoff unzähliger Diskussionen und fern jeder Klärung. Daß aber eine Kombination beider Medien durchaus sinnvoll ist, hat sich anhand des Beispiels von ,,Die Welt" und ,,WELT online" deutlich gezeigt.

5. Literaturverzeichnis

Flöper / Raue: Zeitung der Zukunft - Zukunft der Zeitung. Bilanz - Konzepte - Visionen. Bonn, 1995.

Fuchs-Heinritz, Werner et al. (Hrsg.): Lexikon zur Soziologie. 3., völlig neu bearb. und erw. Auflage, durchges. Nachdr. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994.

Meier, Klaus: Internet-Journalismus. Ein Leitfaden für ein neues Medium. Konstanz, 1998.

Neuberger et al.: ,,Die deutschen Tageszeitungen im World Wide Web. Redaktionen, Nutzer, Angebote." In: Media Perspektiven. Nr. 12 (1997). S. 652 - 662.

Polatschek, Klemens: ,,Tod der elektronischen Zeitung". in: Die Zeit. Nr. 30 (1996). URL: http://uranus.ecce-terram.de/zeit-archiv/1996/30/titel.txt.19960719.html

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.): Bericht der Bundesregierungüber die Lage der Medien in der Bundesrepublik Deutschland 1998. Bonn, 1998. S. 57 - 69, 149f.

Riefler, Katja: ,,Zeitungen Online. Was fasziniert Printmedien am weltweiten Computernetz?" in: Dermbach / Rühl / Theis-Berglmair (Hrsg.): Publizistik im vernetzten Zeitalter. Berufe - Formen - Strukturen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1998. S. 109 - 121.

Röper, Horst: ,,Zeitungsmarkt 1997: Leichte Steigerung der Konzentration". in: Media

Perspektiven. Nr. 7 (1997). S. 367 - 377.

Ruhrmann / Nieland: Interaktives Fernsehen. Entwicklung, Dimensionen, Fragen, Thesen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1997.

Tonnemacher / Neuberger (Hrsg.): Online - die Zukunft der Zeitung? Opladen: Westdt. Verlag, 1998.

Tonnemacher, Jan: ,,Multimedial, online und interaktiv: Die Zukunft des Journalismus?". in: Pfammatter, René (Hrsg.): Multi Media Mania. Reflexionen zu Aspekten Neuer Medien. Konstanz, 1998. S. 173 - 180.

Wagner, Franc: ,,Sind Printmedien im Internet Online-Medien?". in: Pfammatter, René

(Hrsg.): Multi Media Mania. Reflexionen zu Aspekten Neuer Medien. Konstanz, 1998. S. 191 - 211.

WELT online. (Online-Ausgabe der Tageszeitung ,,Die Welt"). Berlin: Axel-Springer-Verlag. URL: http://www.welt.de

6. Abbildungen

Abb.1: Homepage von ,,WELT online": Seriosität und Übersichtlichkeit

Abb.2: Suchmaske im Artikelarchiv: einfache Suchmöglichkeiten

Abb.3: Rubrik Brennpunkte: Integration verschiedener Präsentationsmittel

[...]


1 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (1998), S. 57

2 ebd., S. 66

3 Quelle: Röper (1997), S. 370 (Tabelle 3)

4 Wagner (1998), S. 199

5 Grundlage der Daten bilden folgende Ausgaben der ,,Welt": Nr. 55 (06.03.1999) - Nr. 58 (10.03.1999)

6 so z.B. bei Riefler (1998), Tonnemacher / Neuberger (1998) oder Wagner (1998), etwas kritischer bei Polatschek (1996)

7 vgl. Ruhrmann / Nieland (1997), S. 267

8 zumindest solange der Einsatz multimedialer Elemente nicht übertrieben wird

9 im folgenden soll der Begriff Internet vor allem das World Wide Web bezeichnen

10 Links sind Sprungbefehle, die besonders gekennzeichnet sind und zu anderen Stellen inner- oder außerhalb des aktuellen Dokumentes führen.

11 Soziale Interaktion, von der sich Interaktivität ableitet, bezeichnet ,,die durch Kommunikation [...] vermittelten wechselseitigen Beziehungen zwischen Personen und Gruppen und die daraus resultierende wechselseitige Beeinflussung ihrer Einstellungen, Erwartungen und Handlungen. [...]" (Fuchs-Heinritz et al. (1994), S. 308)

12 Ich gehe im folgenden davon aus, daß die Online-Zeitung darum bemüht ist, auch internationale Präsenz zu zeigen. Dies mag für lokale Tageszeitungen eher weniger wichtig sein, eine überregionale Tageszeitung hat daran aber sicherlich Interesse.

13 Ein überlegter Einsatz der unterschiedlichen Elemente ist jedoch gerade hier dringend geboten, damit der Nutzer nicht von Vielfalt und Dichte der Informationen erschlagen wird.

14 vgl. Tonnemacher / Neuberger (1998), S. 35

15 vgl. ebd. S. 36

16 Jedoch sollte hierbei die Funktion der Zeitung als Anbieter eines gemeinsamen Themenkanons für die Alltagskommunikation nicht unterschätzt werden. (siehe dazu auch ebd. S. 41)

17 Quelle: ebd. S. 192

18 Quelle: ebd. S. 91 (Fußnote 10)

19 Februar 1999: 844.867 Page Visits (Quelle: IVW. URL: http://www.ivw.de/data/index.html)

20 Zu beachten ist dabei der an sich hohe Anteil der Studenten unter den Internetnutzern, bedingt durch den kostenfreien Zugang zum Internet.

21 Quelle: Leserumfrage von ,,WELT online" im Frühjahr 1996 (http://www.welt.de/extra/umfrage/welcome.html)

22 siehe Abbildung 1 in Kapitel 6

23 respektive des Vortages, denn ,,WELT online" orientiert sich ja in seiner Berichterstattung

an der Printausgabe

24 mittels dieses ,,Home-Buttons" gelangt der Nutzer von allen Bereichen des Angebotes wieder zurück zur Startseite

25,,Neu bei uns". in: WELT online. 08.03.1999. (URL: http://www.welt.de)

26 URLs: http://www.yahoo.de, http://www.web.de, http://www.lycos.de

27 URLs: http://www.yahoo.com, http://www.altavista.com, http://www.hotbot.com

28 Nur bei Yahoo! International konnte die Seite nicht gefunden werden.

29 Quelle: Leserumfrage der ,,WELT online" im Frühjahr 1996 (http://www.welt.de/extra/umfrage/welcome.html)

30 siehe Abb.2 im Kapitel 6

31 So werden z.B. im Filmarchiv alle in der ,,WELT online" veröffentlichten Artikel zu einem bestimmten Filmtitel gesucht.

32 Die Übernahmequote aus der Printausgabe lag bei 31,4% (zum Vergleich siehe auch Wagner (1998), S. 199: 28,5%). Auffallend ist dabei jedoch, daß vor allem größere Berichte übernommen wurden und kleine Meldungen überhaupt nicht. Beachtet man also noch das Kriterium der Themenrelevanz, dürfte sich die Quote mindestens verdoppeln.

33 Im Beispiel war dies u.a. beim Aufmacherthema ,,Ärger in Union über Schipanskis PDSÄußerungen" der Fall. Hier wurden per Sprungverweis der Kommentar zum Thema und ein Interview mit Angela Merkel integriert.

34 Download bezeichnet das Speichern von Daten auf dem lokalen Rechner. So können sie auch genutzt werden, ohne ständig auf das Internet-Angebot zurückgreifen zu müssen.

35 siehe Abb.3 im Kapitel 6

36 Und wieder sind in der Printausgabe der ,,Welt" die Porträtfotos der Persönlichkeiten zu sehen, während in ,,WELT online" nur einige kurze Stichpunkte zur Bedeutung der Personen zu finden sind.

37 aktuelles Beispiel: Sind sie für die Abschaffung der Kernkraft in Deutschland? (ja / nein / Enthaltung)

38 Dies mag etwas kontraproduktiv erscheinen, da ja Werbung Aufmerksamkeit erregen soll. Auch hier ist jedoch auf ein gesundes Maß zu achten, da sonst leicht eine Überstrapazierung des Nutzers auftreten kann, die zur Abwendung vom Produkt führt.

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Details

Titel
Zwischen Information und Interaktivität. Wie nutzt die "Welt online" die Möglichkeiten des Internet für ihr Informationskonzept?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
TPS "Online-Journalismus"
Note
1-
Autor
Jahr
1999
Seiten
22
Katalognummer
V99404
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwischen, Information, Interaktivität, Welt, Möglichkeiten, Internet, Informationskonzept, Online-Journalismus
Arbeit zitieren
Sebastian Götte (Autor), 1999, Zwischen Information und Interaktivität. Wie nutzt die "Welt online" die Möglichkeiten des Internet für ihr Informationskonzept?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99404

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