Muskuläre Hypotonie - medizinische und heilpädagogische Aspekte


Hausarbeit, 2001

6 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

BESCHREIBUNG DER WICHTIGSTEN SYMPTOME EINES MUSKULÄR HYPOTONEN ERSCHEINUNGSBILDES UND BEGRIFFSDEFINITION

ERLÄUTERUNG DER NEUROPHYSIOLOGISCHEN GRUNDLAGE DER HYPOTONIE

THERAPIEANSÄTZE UNTER EINBEZIEHUNG DER PSYCHISCHEN ENTWICKLUNG

STELLUNGNAHME ZUR AUSSAGE, DASS DIE BEWEGUNG NICHT ERST DER

WAHRNEHMUNG FOLGE, SONDERN DASS SIE SCHON IMMER IM

WAHRNEHMUNGSAKT VORHANDEN SEI.

LITERATUR

Beschreibung der wichtigsten Symptome eines muskulär hypotonen Erscheinungsbildes und Begriffsdefinition

Unter muskulären Hypotonie versteht man einen verminderten Muskelgrundtonus. Dieser Tonus wird benötigt, um sich auch im Ruhezustand gegen die Schwerkraft aufrichten zu können. So fällt es den Betroffenen schwerer, für eine willkürliche Bewegung die optimale Spannung aufzubauen.

Die Betroffenen haben oft eine auffällig schlaffe Gesichtsmimik, besonders die Mundmotorik ist davon betroffen, so dass der Mund meist leicht geöffnet ist. Das allgemeine Bewegungsbild macht einen eher plumpen Eindruck, feinmotorische Aktivitäten fallen oft schwer.

Um die Hypotonie in der willkürlichen Bewegung auszugleichen, wirken die Betroffenen meist verkrampft, also hyperton. Zudem tritt oft eine Unsicherheit im Gleichgewicht auf.

Bei Säuglingen ist eine extreme Form der Hypotonie zu beschreiben: Diese Kinder werden als pflegeleicht, sehr zufrieden und ruhig beschrieben. Sie hängen schlaff auf dem Arm und schlafen eher viel. Diese Babys werden auch „floppy baby“ genannt.

„Die dritte Bedingung des normalen Bewegungsverlaufs ist einerseits die ständige Steuerung des Muskeltonus, anderseits ein hinreichend rascher und glatter Übergang vom einem zum andern motorischen Innervationssystem Die Kontrolle jeder geordneten Bewegung setzt die ständige Veränderung des Tonus voraus. (Lurija 1993, 255 Hervorhebungen im Original)

Erläuterung der neurophysiologischen Grundlage der Hypotonie

Die Hypotonie ist meist auf einen prenatalen, perinatalen oder postnatalen Sauerstoffmangel zurückzuführen, auch Gehirnblutungen können eine mögliche Ursache für die Störung im zentralen Nervensystem sein. Des weiteren kann auch die familiäre Disposition eine Rolle zu spielen.

Die Schädigung ist sowohl in den motorischen Zentren des Hirnstamms, dem Rückenmark als auch in den Basalganglien zu suchen.

„Eine Schädigung verschiedener Bereiche der Basaganglien kann zu Veränderungen der Körperhaltung, zu einem Anstieg oder Abfall des Muskeltonus ... führen“. (Kolb/Whishaw 1996, 51)

Durch ein komplexes Zusammenspiel dieser Hirnregionen werden die motorischen Nerven auch im Ruhezustand mit niedriger Frequenz ständig aktiviert, so das ein Grundtonus entsteht. Bei einer Hypotonie ist dieser Tonus vermindert.

Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes unter Berücksichtigung des kinästetischen Systems Ausgelöst durch die bereits oben erwähnte Tatsache, dass die Betroffenen einen herabgesezten Grundtonus haben, muss für jede willkürliche Bewegung diese Grundspannung willentlich erzeugt werden. Dies erfordert bei Hypotonie mehr Kraft, Anstrengung und eine höhere Motivation. Diese Motivation fehlt den Betroffenen aber häufig, so das Bewegungserfahrungen erst garnicht gemacht werden. Unser kinästetisches System ist aber gerade auf Informationen aus möglichst vielen Bewegunserfahrungn angewiesen.

Nur durch Druck und Zug auf unseren Muskeln, Gelenken und Sehnen erhält es genügen Informationen, um deutliche Rückmeldung über z.B. die Gelenkstellung und in Folge dessen über unseren Körper zu bekommen. Fehlen diese Rückmeldungen, so wird keine ausreichendes Körpergefühl entwickelt. Dieses Körpergefühl ist aber nun elementar für viele weiterführende Entwicklungsschritte, wie z.B. die Körperkoordination, den Aufbau eines Körperschemas und ein gut entwickeltes Körperimago. Da häufig auch die vestibuläre und taktile Wahrnehmung ebenfalls betroffen sind (es kommt dann zu Überempfindlichkeitsreaktionen), können auch in diesen Bereichen keine ausreichenden Erfahrungen gemacht werden.

Es ist aber nur im Zusammenspiel aller Sinnesmodalitäten möglich, eine ausreichende Körperspannung aufzubauen und variieren zu können.

Dies alles zeigt, welch weitreichende Konsequenzen eine nicht ausreichende Muskelspannung hat. Sie beeinflusst den gesamten Körper und beeinträchtigt auch die psychische Entwicklung eines Kindes stark.

Therapieansätze unter Einbeziehung der psychischen Entwicklung

Aufgrund der Misserfolge, die die Betroffenen, insbesondere Kinder, erleben, neigen sie dazu, schon im voraus große Unsicherheit vor neuen (Bewegungs)Situationen zu entwickeln. Sie trauen sich dann schon gleich weniger zu als sie wirklich in der Lage zu leisten sind.

Besonders für Kinder mit einer sehr guten kognitiven Leistungsfähigkeit ist es schwer, die Diskrepanz zwischen dem Wollen und dem Können auszuhalten. Diese Kinder neigen dazu, ihre motorischen Ziele zu hoch anzusetzen. Um diesem negativen Erfahrungen aus dem Weg zu gehen, entwickeln diese Kinder unterschiedliche Kompensationen: Die Palette reicht von Ablehnung, Verweigerung, Rückzug bis „Kasper“ oder Aggression.

Im allgemeinen ist es nicht möglich, die Hypotonie zu beseitigen. Wichtiger Ansatzpunkt bei der Therapie muß darum auch sein, dass den Kindern Möglichkeiten aufgezeigt werden mit ihrer Problematik so umzugehen, dass sie sich nicht negativ auf die Gesamtentwicklung auswirkt. Dem Kind soll Bewegung (wieder) Spaß machen, es soll spüren, dass sich die Anstrengung lohnt. Wie bei allen Therapien und Förderangeboten ist immer der Entwicklungsstand des Kindes Ausgangspunkt, und alle Angebote müssen diesem Entwicklungsstand individuell angepasst werden.

Den Kinder werden in verschiedensten Bewegunsformen Erlebnisse vermittelt, die ihnen den Unterschied zwischen Entspannung und Anspannung spüren lassen.

Damit werden ihnen immer neue Anpassungsreaktionen abverlangt. Die Bewegungsformen reichen von Springen, Hüpfen, Laufen bis hin zum Schaukeln, Rollen, Krabbeln und so weiter. All diese Bewegungen werden auf allen erdenklichen Untergründen und mit vielfältigen Materialien ausprobiert und variiert.

Dir Autorinnen des Artikels bedienen sich außerdem noch einiger therapieunterstützender Techniken, die auf der Ericksonschen Hypnotherapie, auf der konstruktivistischen/systemischen Psychotherapie und dem NLP basieren.

Therapieunterstützende Techniken nach H. Burr-Fulda und M. Ehmsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stellungnahme zur Aussage, dass die Bewegung nicht erst der Wahrnehmung folge, sondern dass sie schon immer im Wahrnehmungsakt vorhanden sei.

„Damit dieses kinästetische (propriozeptive) Feedback stattfinden kann, existieren enge Verbindungen zwischen motorischen und taktilen Primär- und Sekundärzonen; allein 20% der Zellen im primär motorischen Feld sind taktil und 20% der Zellen im primär taktilen Feld sind motorisch. (Dietel 1992, S. 34)

Dieser Satz, den Dietel in seiner Arbeit zitiert, zeigt deutlich, dass bereits hirnanatomisch Wahrnehmung und Bewegung nicht zu trennen sind. Auch Alexander R. Lurija schreibt in seiner Einführung in die Neuropsychologie, dass allgemein bekannt sei, dass die Wahrnehmung von Gegenständen nicht nur über mehrere Rezeptoren und über kooperierende Analysatoren geschieht, sondern dass sie auch stets aktive motorische Anteile aufweist. (Lurija1992, S. 96)

Und schaut man sich dann noch die Entwicklung eines Säuglings an, dessen erste Erfahrungen zu größten teil taktil-kinästhetischer und motorischer Art sind, (Piaget nennt diese Zeit ja auch die senso-motorische Phase), dann zeigt sich auch in der Entwicklungspsychologie ein enger Zusammenhang. Auch in der Rhythmik wird wird dieser Zusammenhang gesehen. Sabine Hoffmann Muischneek schreibt in ihrer Artikelserie, dass alle Wahrnehmungen mit Bewegungen, alle Bewegungen mit Wahrnehmungen verbunden sind und dass Wahrnehmung und Bewegung ein Ganzes bilden, das wir als Verhalten beobachten können. (Hoffmann Muischneek 3/94, kindergarten heute S. 32)

Wahrnehmen und Bewegen sind meiner Meinung nach nicht von einander zu trennen und auch nicht in irgend eine zeitliche Abfolge zu bringen, vielmehr existiert das eine nur 100 %ig im Zusammenspiel mit dem anderen.

Literatur

Dietel, B. (1992): Grundlagen neuropsychologischer Diagnostik. In: Deegener, G., Dietel, B., Kassel, H., Matthae, R., Nödl, H.: Neuropsychologische Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen. Handbuch zur TÜKI, S. 1-40. Weinheim: PVU Hoffmann Muischneek, S. (1994): Rhythmik - ein pädagogisches Arbeitsprinzip. Kindergarten heute 3/94

Kolb, B./Wishaw, I.Q. (1996): Neuropsychologie. 2. Auflage. Heidelberg, Berlin, Oxford: Spektrum Akademischer Verlag

Lurija, A.R. (1993): Das Gehirn in Aktion. Eine Einführung in die Neuropsychologie. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt

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Details

Titel
Muskuläre Hypotonie - medizinische und heilpädagogische Aspekte
Veranstaltung
Medizin
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V99409
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
heilpädagogische Grundlagen zur muskulären Hypotonie
Schlagworte
Muskuläre, Hypotonie, Aspekte, Medizin
Arbeit zitieren
Tanja Anderssohn (Autor), 2001, Muskuläre Hypotonie - medizinische und heilpädagogische Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99409

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