Generationenübergreifende Nutzung von Smartphones als innovative Universalgeräte anhand der Diffusionstheorie von Everett M. Rogers

Eine Analyse


Hausarbeit, 2020

43 Seiten, Note: 1

Anne Fruk (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diffusionstheorie von Everett M. Rogers

3. Smartphone, das innovative Universalgerät

4. Studien
4.1. ARD/ZDF-Onlinestudie
4.2. ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends
4.3. JIM-Studie
4.4. FIM-Studie
4.5. Bitkom: Smartphone-Markt
4.6. Zusammenfassung

5. Fazit

6. Abbildungsverzeichnis

7. Literaturangaben

1. Einleitung

„Smartphones sind für viele Senioren unverzichtbar.“ Diese Aussage ist die Überschrift einer Pressemitteilung des Branchenverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., kurz Bitkom, aus dem Mai 2016. In einer repräsentativen Umfrage zum deutschen Smartphonemarkt stellte sich heraus, dass viele Senioren das Smartphone als „eine große Erleichterung im Alltag“ bezeichnen (vgl. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Smartphones-sind-fuer-viele-Senioren-unverzichtbar.html, zuletzt abgerufen: 28.09.2020). Nichtsdestotrotz wird die ältere Generation in Bezug auf digitale Medien in Studien oft nur wenig beachtet. Durch die sich wandelnde Altersstruktur in Deutschland mit einer immer älterwerdenden Gesellschaft benötigt es eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage „Gibt es eine altersspezifische Mediennutzung?“ (vgl. Beck/Rosenstock/Schubert).

Offensichtlich erlangt das Smartphone eine generationenübergreifende Beachtung. Als Musterbeispiel für eine weitverbreitete Mediennutzung soll das innovative Universalgerät durch diese Hausarbeit leiten. Die Mediennutzung ist jedoch ein vielfach diskutiertes Feld, das mit unterschiedlichen Medienkompetenzmodellen beschrieben werden kann. Der kontroverse Begriff „Digital Natives“, der durch die Schriften von Marc Prensky etabliert wurde, bezeichnet beispielsweise die Generationenzugehörigkeit als Ursache der unterschiedlichen Medienkompetenz.

In der vorliegenden Arbeit soll der Umgang mit digitalen Medien anhand der Diffusionstheorie von Everett M. Rogers beleuchtet werden. Diese besagt, dass das Erlernen von neuen Medien nicht allein vom Alter bestimmt wird, sondern von der Summe aller Eigenschaften, die eine Person mit sich bringt, sowie von den Eigenschaften der Innovation selbst (vgl. Kirchhoff/Harney). Da Rogers Theorie als Ausgangspunkt der Arbeit dient, erfolgt zu Beginn eine genaue Beschreibung Selbiger. Nach einer kurzen Darstellung des innovativen Mediums Smartphone, werden unterschiedliche medienspezifische Studien hinsichtlich der Nutzung des mobilen Endgeräts in der deutschen Bevölkerung herangezogen. In einer anschließenden Zusammenfassung sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, ob es eine altersspezifische Mediennutzung gibt. Das abschließende Fazit bietet Raum, um die Erkenntnisse zu reflektieren und neue Fragen zu dem zukünftigen Nutzungsverhalten aufzustellen.

2. Diffusionstheorie von Everett M. Rogers

Bei der Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Mediennutzung erscheint häufig die Generationenhypothese, mit der Personen nach ihrem Alter kategorisiert werden. Eine hierzu kritisch zu beleuchtende Position stammt von Marc Prensky, der die Bezeichnung „Digital Natives“ entworfen hat. „Digital Natives“ bezieht sich auf „native speakers“ und meint die Altersgruppe, die ganz natürlich mit der digitalen Sprache der Computer, Videospiele und dem Internet aufgewachsen ist. Als Gegenpol setzt er die „Digital Immigrants“, denen er durch den späteren Umgang mit der Technologie einen umständlicheren Lernprozess bezüglich des Umgangs mit digitalen Medien zuspricht (vgl. Prensky, S.1f.).

Durch die altersbedingte Trennung von „Digital Natives“ und „Digital Immigrants“, steht Prenskys Theorie stark in der Kritik und in den Sozialwissenschaften werden diverse andere Medienkompetenzmodelle angewandt, wie beispielsweise die Diffusionstheorie von Everett M. Rogers. Diese kann ohne Einschränkungen bezüglich der Generationenzugehörigkeit auf den Umgang mit technischen Neuheiten angewendet werden. Besonders aufschlussreich ist Rogers Theorie, da sie nicht nur das Individuum und seine Mediennutzung und –kompetenz behandelt, sondern auch die Eigenschaften der Agierenden, wie zum Beispiel persönliche Merkmale, die das Handeln und Denken beeinflussen. Ebenso werden die Eigenschaften der Innovation mit in die Theorie einbezogen. Hierzu zählen zum Beispiel die Vorteile der Nutzung, die Komplexität der Innovation und die Möglichkeit des Ausprobierens und Beobachtens (vgl. Kirchhoff/Harney, S.48f.).

Die Streuung der neuen Medien und deren Kompetenzerwerb entwickeln sich in diversen Personengruppen deutlich verschieden. Anhand von unterschiedlichen Forschungsprojekten aus diversen Studienbereichen, unter anderem aus der Agrar- und der Sozialwissenschaft, hat Rogers ein Standard-Modell entwickelt, um das menschliche Verhalten in Bezug auf die Übernahme von Innovationen darzustellen. Rogers unterscheidet hierzu in fünf Nutzertypen: Innovatoren, frühe Übernehmer, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Nachzügler (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Rogers, S. 281.

Rogers legt einen Mittelwert fest ( ̅x) und mithilfe einer fixen Standardabweichung (sd) unterteilt er in die einzelnen Kategorien. Auch wenn die Übergänge der Kategorien fließend sind, betont Rogers, dass es wichtige Unterschiede gibt. Die Innovatoren bezeichnet er als risikofreudig und setzt voraus, dass sie über eine finanziellen Absicherung und Kenntnisse über komplexe Technologien verfügen. Diese Gruppe hat die bedeutsame Rolle, die Innovationen in das gesellschaftliche System aufzunehmen. Die Kategorie der frühen Übernehmer ist im Gegensatz zu den Innovatoren mehr in das soziale System integriert und nimmt eine Vorbildfunktion für andere Mitglieder der Gesellschaft ein. Die frühe Mehrheit übernimmt Innovationen noch vor dem Durchschnitt, wägt jedoch die Vor- und Nachteile der Innovation stärker ab als die beiden vorangehenden Kategorien. Die späte Mehrheit ist eher skeptisch gegenüber Neuem und oft ist der Druck von dem Umfeld notwendig, um diese Gruppe von einer Innovation zu überzeugen. Die Nachzügler vertreten konservative Werte und sind oft isoliert in ihrer eigenen Welt, durch ihre begrenzten Ressourcen sind sie häufig misstrauisch gegenüber Innovationen (vgl. Rogers, S.279ff.).

Laut der Diffusionstheorie sind die Innovationen an keine Generation gebunden und somit für jeden grundsätzlich gleichermaßen zugängig. Rogers sieht im Umgang mit Medien viel mehr ein Zusammenspiel zwischen den Eigenschaften der Empfangenden und denen der Innovationen. Es lassen sich bei diesen Typen zwar Häufungen bei gewissen Altersgruppen erkennen, jedoch wird nicht davon ausgegangen, dass einer Generation bestimmte Fähigkeiten fehlen, sondern dass der Umgang mit den Medien sich zu anderen Zeiten und Lebensumständen ereignet. Des Weiteren spielen das soziale Umfeld und die damit verbundenen Zugzwänge eine Rolle. Dazu kommt, dass die Vorteile, die die Technologie mit sich bringt, die Verbreitung der Innovationen fördert. Dies bedeutet wiederum, dass die medialen Produkte fester Bestandteil der Gesellschaft und des sozialen Lebens werden. So wie sich die Mediennutzung mit den unterschiedlichen Lebensumständen wandelt, entwickeln sich gleichermaßen die medialen Neuheiten. Die meisten technologischen Neuheiten erfordern immer weniger technische Kompetenzen, da eine einfache Handhabung einen größer werdenden Kundenstamm verspricht (vgl. Kirchhoff/Harney, S.48ff.).

3. Smartphone, das innovative Universalgerät

Ein digitales Gerät, das als Innovation „ein Bündel von Einzelinnovationen“ in sich trägt, ist das Smartphone. Dieses vereint mehrere Funktionen und nimmt somit einen hohen Wert für viele Personen ein. Die Nutzung des Smartphones steigt mit der Anzahl derjenigen, die aktiv das digitale Angebot gestalten und regelmäßig in Gebrauch nehmen, sowie mit den vorteilhaften Möglichkeiten, über die das Medium verfügt (vgl. Kirchhoff/Harney, S.50f.).

In einer Studie von Renate Möller aus dem Jahr 2015 wird die Bedeutung des Smartphones für junge Erwachsene analysiert. Interessanterweise wird in dieser Arbeit das technische Gerät speziell als Leitmedium für Menschen zwischen 20 und 25 Jahren betrachtet. Die Befragung erbrachte Erkenntnisse über sowohl positive als auch negative Empfindungen gegenüber der Innovation Smartphone. Eine freudige Zustimmung erhält das Medium wegen seines vielfältigen Funktionsumfangs. Gleichzeitig wird mit ihm Stress verbunden, da eine permanente Bereitschaft zur Interaktion durch die scheinbare Dauernutzung erwartet wird (vgl. Möller, S.191f.).

Zuspruch verdient das digitale Endgerät, da es individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen ausgerichtet, das Leben in mancher Hinsicht deutlich erleichtern kann. Möller schreibt in ihrem Text von dem „Helfer in allen Lebenslagen“, einem „mobilen, persönlichen Verwaltungszentrum“ und der „Schaltzentrale jugendlicher Lebensführung“ (vgl. Möller, S. 192). Das Smartphone vereint mehrere analoge technische Geräte, deren Funktionen durch einen digitalen Code mobil auf dem Smartphone abgerufen werden können. Der Gebrauch führt außerdem zur Vermischung verschiedener Lebensbereiche, so werden darauf Informationen aus dem persönlichen Umfeld sowie aus dem öffentlichen Leben konsumiert. Ausschlaggebend ist auch die Mobilität, die das Endgerät mit sich bringt und somit zulässt, dass die grenzenlose Nutzung des Mediums an keinen Ort gebunden ist. Um die Handhabung auf die Bedürfnisse der Endverbraucher zuzuschneiden, bietet das Smartphone die Möglichkeit, diverse Applikationen mit spezifischen Funktionen auszuwählen (vgl. Möller, S. 192ff.).

Nicht zu unterschätzen gilt auch die emotionale Bindung, die durch den konstanten Umgang mit dem digitalen Medium entsteht. Als stetig bestehender Kommunikationskanal zwischen sämtlichen engen und weniger engen Kontakten, von denen vorausgesetzt wird, dass eine zügige Antwort erwartet werden kann, steigt seine soziale Bedeutung. Unabhängig von Zeit und Ort kann eine Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Gruppen erlebt werden. Die Nutzung des Smartphones hält Informationen bereit, gleichzeitig kann das Individuum sich präsentieren und bekommt von seinen Kontakten wiederum Reaktionen (vgl. Möller, S. 194f.).

Die Teilhabe an ständigen Interaktionen führt jedoch gleichzeitig zu dem bereits erwähnten Stress, der entsteht, da sich Einzelne zu Reaktionen verpflichtet fühlen. Das Gefühl, nichts versäumen zu wollen, fördert den Druck, erreichbar zu sein. Der Umgang mit dem digitalen Gerät kann mitunter störend für das analoge Leben empfunden werden. Sobald sich die Aufmerksamkeit zu stark auf das Smartphone konzentriert, kann der direkte Kontakt zu den anwesenden Mitmenschen beeinträchtigt werden. Mit Möllers Studie konnten ambivalente Empfindungen gegenüber dem Smartphone festgestellt werden. Jedoch erscheint das Endgerät als personalisiertes Werkzeug für die meisten als unverzichtbar, auch wenn der permanente Blick auf das Display für einige einen zu großen Stellenwert einnimmt (vgl. Möller, S. 196ff.).

4. Studien

Die Medienforschung konzentriert sich, wie im vorherigen Beispiel, oft stark auf Jugendliche und junge Erwachsene. Da jedoch ein Wandel in der Altersstruktur der deutschen Gesellschaft stattfindet, ergibt sich das Anliegen nach einer ganzheitlicheren Mediennutzungsforschung, um den Umgang der Rezipienten mit Medien generationenübergreifend genauer analysieren zu können (vgl. Beck/Rosenstock/Schubert, S. 7ff.).

4.1. ARD/ZDF-Onlinestudie

Eine oft zitierte Studie der Mediennutzung, die insbesondere die Internetnutzung beobachtet und als repräsentativ für die Bundesrepublik gilt, ist die ARD/ZDF-Onlinestudie. Hier werden Menschen in Deutschland ab dem Alter von 14 bis über 70 Jahren über ihren Gebrauch der klassischen und onlinebasierten Medien befragt. Da der ARD/ZDF-Medienkommission am Vergleich zu den Vorjahren gelegen ist, wird die Onlinestudie seit 1997 in regelmäßigen Abständen per Telefoninterviews durchgeführt.

Eine Tabelle zur Entwicklung der Internetnutzung ohne Gerätebezug lässt erkennen, dass zu Beginn der Datenerfassung als das Internet noch eine Innovation war, dieses zuerst am häufigsten von den 20-39 Jährigen genutzt wurde. Erst im Jahr 2003 als sich das Internet etabliert hatte, sind die Jugendlichen von 14-19 Jahre mit 92% Hauptnutzer geworden (vgl. Beisch/Koch/Schäfer, S. 375, s. Abb. 2).

Die aktuelle Studie von 2019 fand heraus, dass rund 90% der Befragten zumindest gelegentlich das Internet gebraucht. Vor allem hat die mediale Internetnutzung zugenommen, dazu zählen alle Sendungen, Videos und Podcasts, die über das Internet konsumiert werden. Es stellt sich heraus, dass bis zu einem Alter von 60 Jahren nahezu die gesamte Bevölkerung schon online war beziehungsweise ist. Der tägliche Gebrauch steigt weiter durch die Verbreitung des Smartphones und die damit verbunden Unterwegsnutzung. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14-29 Jahren nutzen das Internet zu rund 70% unterwegs. Mit steigendem Alter sinkt jedoch die Internetnutzung außer Haus, bei den 30-49 Jährigen sind es nur noch rund 48% der Befragten, bei den 50-69 Jährigen nur noch 22% und ab 70 Jahren lediglich 5% (vgl. Beisch/Koch/Schäfer, S. 374ff.; s. Abb. 3).

Betrachtet man die Auswertung bezüglich der Gerätenutzung genauer, fällt auf, dass das Smartphone direkt nach dem Fernseher das meistgenutzte elektronische Medium ist. Bei der jungen Bevölkerung nimmt das Smartphone einen höheren Stellenwert ein, wobei bei den Befragten ab 50 Jahren die Gerätepräferenz eindeutig auf dem Fernsehgerät liegt (vgl. Beisch/Koch/Schäfer, S. 384f.; s. Abb. 4).

Wie bereits im vorangehenden Kapitel erwähnt, gilt das Smartphone als Universalgerät. Besonders was das Internetangebot angeht, kommt es durchschnittlich am häufigsten in Einsatz. Neben dem Musik hören und den sozialen Medien werden auch Videos und weitere auditive Angebote über das Smartphone konsumiert (vgl. Beisch/Koch/Schäfer, S. 385f.; s. Abb. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beisch/Koch/Schäfer, S. 375.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Beisch/Koch/Schäfer, S. 377.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Beisch/Koch/Schäfer, S. 385.

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Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Generationenübergreifende Nutzung von Smartphones als innovative Universalgeräte anhand der Diffusionstheorie von Everett M. Rogers
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
43
Katalognummer
V994264
ISBN (eBook)
9783346365279
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Smartphone, Generationen, Mediennutzung, Diffusionstheorie, Everett M. Rogers, Medienkompetenz
Arbeit zitieren
Anne Fruk (Autor), 2020, Generationenübergreifende Nutzung von Smartphones als innovative Universalgeräte anhand der Diffusionstheorie von Everett M. Rogers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994264

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