Schematherapie und Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy. Ein Vergleich der Therapieverfahren


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

2 Schematherapie
2.1 Behandlungsmethoden und Vorgehensweisen
2.1.1 Kognitive Techniken
2.1.2 Behaviorale Techniken
2.1.3 Emotionsfokussierte Techniken

3 Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy
3.1 Behandlungsmethoden und Vorgehensweisen
3.1.1 Prägende Bezugspersonen und Übertragungshypothesen
3.1.2 Der Kiesler-Kreis
3.1.3 Diszipliniert-persönliches Einlassen und interpersonelle Diskriminationsübung
3.1.4 Die Situationsanalyse

4 Gemeinsamkeiten der Therapieverfahren

5 Unterschiede der Therapieverfahren

6 Gegenüberstellung der Patientenskills

Literaturverzeichnis

Abstract

Bei der vorliegenden Studienarbeit werden, nach einer knappen Einführung in die Thematik, die Therapieverfahren Schematherapie und Cognitive Behavioral Ana- lysis System of Psychotherapy vorgestellt und zunächst allgemeine Gemeinsam- keiten und Unterschiede aufgezeigt und näher erläutert. Anschließend werden die Therapieverfahren im Hinblick auf die Patientenskills gegenübergestellt.

Personenbezogene Formulierungen sind genderneutral zu verstehen

1 Einleitung

Die Verhaltenstherapie ist eine psychologische Grundorientierung, die sich aus der Lerntheorie heraus entwickelte und eine Vielzahl an Therapieverfahren um- fasst, welche heutzutage bei der Behandlung von vielen psychischen Störungen die Methode der Wahl darstellen. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass gewisse Reaktionsmuster, welche gefühls-, gedanken-, verhaltens- oder körper- bezogen sein können, im Laufe des Lebens erlernt werden. Da angenommen wurde, dass alles was einmal gelernt wurde, auch wieder verlernt oder verändert werden kann, wurden bei der Behandlung lernpsychologische Strategien genutzt. Im Laufe der Zeit erweiterte sich die Verhaltenstherapie jedoch um kognitive The- rapiestrategien und auch Themen wie beispielsweise Achtsamkeit, Akzeptanz und Emotionsfokussierung fanden Einzug (Heidenreich & Michalak, 2013).

Es lassen sich nach Margraf verschiedene allgemeine Prinzipien definieren, auf welchen alle verhaltenstherapeutischen Behandlungsmethoden und Techniken basieren. So wird unter anderem danach gestrebt, die entsprechenden Methoden zu operationalisieren und empirisch zu überprüfen. Weiterhin ist die Verhaltens- therapie problem-, handlungs- und zielorientiert und setzt an den prädisponieren- den, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren einer psychischen Störung an (Margraf & Schneider, 2018). Zudem ist es das Ziel, dass Patienten ihre neu erlernten Strategien auch außerhalb des therapeutischen Settings, also im Alltag, anwenden können, weshalb die Verhaltenstherapie nicht nur auf das therapeuti- sche Setting begrenzt ist. Darüber hinaus ist sie transparent, um eine fortlaufende Weiterentwicklung bemüht und kann als „Hilfe zur Selbsthilfe“ angesehen werden, da in der Therapie Fertigkeiten zur eigenständigen Analyse und Problembewälti- gung geschult werden (Margraf & Schneider, 2018).

Mittlerweile lässt sich die Verhaltenstherapie in drei Phasen einteilen, wobei von der behavioralen Phase, der kognitiv-behavioralen Phase und der dritten Welle gesprochen werden kann. Letztere zeichnet sich insbesondere durch eine starke Betonung von Achtsamkeit und Akzeptanz aus (Heidenreich & Michalak, 2013). Zu der dritten Welle zählen unter anderem die Therapieformen Schematherapie und Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP), welche im Folgenden ausführlicher beschrieben und in Bezug auf die Gemeinsamkeiten, Un- terschiede und Patientenskills genauer untersucht werden.

2 Schematherapie

Die Schematherapie wurde von Jeffrey E. Young zunächst mit dem Ziel entwickelt, die kognitive Verhaltenstherapie zu erweitern. Mittlerweile finden sich in der Schematherapie Elemente aus humanistischen Verfahren, der Tiefenpsychologie, Transaktionsanalyse und Bindungstheorie sowie aus der kognitiven Verhaltens- therapie wieder (Jacob & Arntz, 2014). Geeignet ist diese Therapie für Störungs- bilder, welche ihren Ursprung in der Kindheit oder Jugend besitzen. So wird ange- nommen, dass Menschen besonders in ihrer Kindheit, aber auch im weiteren Ver- lauf ihres Lebens negative bzw. maladaptive Schemata entwickeln, welche zu psychischen Störungen führen können. Die Schematherapie umfasst sogenannte Schemata, Bewältigungsstrategien und verschiedene Modi und kann als Einzel,- Paar,- oder Gruppentherapie angewendet werden (Margraf & Schneider, 2018).

Schemata sind nach Young als überdauernde Grundannahmen bzw. Konzepte zu verstehen, die ein Mensch über sich selbst, Andere und die Welt besitzt und wel- che sich aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und physiologischen Empfin- dungen zusammensetzen. Sie entstehen in der Kindheit und Adoleszenz und zei- gen sich nur in ihrer aktivierten Form als Modus, weshalb sie nicht direkt von au- ßen beobachtbar sind (Roediger, 2011). Es gibt sowohl adaptive als auch mal- adaptive Schemata, wobei der Fokus der Schematherapie auf den frühen mal- adaptiven Schemata liegt, welche dysfunktional sind. Bedeutsam dabei sind fünf zentrale Grundbedürfnisse, wobei die Missachtung dieser entscheidend für die Entwicklung der frühen Schemata ist. So kann es beispielsweise durch eine Traumatisierung oder die schädigende Nichterfüllung von Bedürfnissen zu der Entwicklung eines maladaptiven Schemas kommen (Kienast, 2020). Wie in Tabelle 1 ersichtlich, postuliert Young insgesamt fünf Schemadomänen, welchen 18 unterschiedliche Schemata zugeordnet werden.

Wird ein maladaptives Schema aktiviert, kommt es zu negativen Emotionen, so fühlt sich eine Person beispielsweise einsam, wenn das Schema Verlassenheit aktiviert wird (Jacob & Arntz, 2014). Zum Umgang mit den aktivierten Schemata bzw. den negativen Emotionen, werden Bewältigungsmechanismen eingesetzt, wobei zwischen Vermeidung, Unterwerfung und Überkompensation unterschieden wird. Bei der Vermeidung wird versucht, die negativen Gefühle bzw. die Aktivie- rung des Schemas zu vermeiden, wobei Sedativa, wie zum Beispiel Alkohol und andere beruhigende Mittel eingesetzt oder soziale Situationen durch Rückzug vermieden werden. Unterwirft sich eine Person hingegen, ergibt sie sich dem Schema und verhält sich so, als entspräche dieses alternativlos der Wahrheit. Beispielsweise wird eine Person, welche diesen Bewältigungsmechanismus ein- setzt, es zulassen, schlecht behandelt oder missbraucht zu werden, obwohl es grundsätzlich möglich wäre, Grenzen zu ziehen (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016). Eine Person verhält sich bei der Überkompensation wiederum gegensätz- lich zu dem aktivierten Schema. Fühlt sie sich zum Beispiel hilflos oder bedroht, zeigt sie sich stattdessen aggressiv oder kontrollierend (Jacob & Arntz, 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkungen. Nach Jacob & Arntz, 2014, S. 6.

Ein Schema steht oftmals im Zusammenhang mit mehreren verschiedenen Verhal- tensweisen einer Person, welche sehr wechselhaft sein können. Diese werden als Schemamodi bezeichnet und sind folglich als die verschiedenen aktuell aktivierten Erlebenszustände einer Person zu verstehen, welche situativ und schnell wech- seln können, sowie das Denken und Handeln in der jeweiligen Situation beeinflus- sen. Schemata sind dementsprechend die Eigenschaften, die diesen Modi zu- grunde liegen (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016). Um besser mit diesen Modi arbeiten zu können, wurde das Modus-Modell bzw. das Schema-Modus-Modell entwickelt (Roediger, 2016). Hiernach werden vier verschiedene Modus- kategorien unterschieden:

1. Kindmodi (verletzbares, wütendes, impulsives und glückliches Kind)
2. Dysfunktionale Elternmodi (strafend/wertend oder fordernd)
3. Dysfunktionale Bewältigungsmodi (Unterwerfung, Vermeidung, Überkompensation)
4. Modus des gesunden Erwachsenen

Die Kindmodi zeigen sich, wenn eine Person intensive, negative, belastende oder überwältigende Gefühle erlebt. Sie entwickeln sich durch die nicht ausreichende Erfüllung der kindlichen Grundbedürfnisse, insbesondere der Bindungsbedürfnisse und sind objektiv gesehen Situationsunangemessen (Faßbinder, Schweiger & Ja- cob, 2016). Hierzu zählen Emotionen wie Angst, Wut, Trotz, Trauer oder Verzweif- lung (Jacob & Arntz, 2014). Die dysfunktionalen Elternmodi sind als nach innen und außen gerichtete Bewertungen zu betrachten und treten in Form von Selbst- hass und Selbstabwertung auf, oder zeigen sich, indem sich eine Person selbst stark unter Druck setzt oder übertriebene Anforderungen an sich selbst stellt. Der Modus des gesunden Erwachsenen umfasst wiederum funktionales Erleben und Verhalten sowie ein angemessenes emotionales Erleben (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016). Die Schematherapie verfolgt verschiedene Ziele, so sollen kindliche Modi versorgt, elterliche Modi bekämpft, Bewältigungsmodi hinterfragt und der Modus des gesunden Erwachsenen gestärkt werden (Kienast, 2020).

2.1 Behandlungsmethoden und Vorgehensweisen

Zu Beginn der Behandlung wird mit dem Patienten ein Moduskonzept erstellt, aus welchem sich die spezifischen Behandlungsziele für die einzelnen Modustypen ableiten lassen. Die Schematherapie nutzt dabei kognitive, behaviorale und auch emotionsfokussierte Methoden. Zudem liegt der therapeutischen Beziehung das Konzept der „begrenzten elterlichen Fürsorge“ zugrunde, wobei der Therapeut Zuwendung spendet aber auch dysfunktionalen Anteilen Grenzen setzt (Jacob & Arntz, 2014).

2.1.1 Kognitive Techniken

Mittels kognitiver Techniken werden in der Schematherapie die Schemata und Modi eines Patienten auf kognitiver Ebene hinterfragt. Dabei ist der Einsatz einer spezifischen kognitiven Technik abhängig von dem aktuell vorherrschenden Mo- dus des Patienten sowie von den Modi, welche für das Problemverhalten von Be- deutung sind (Jacob & Arntz, 2014). So finden kognitive Techniken ihren Einsatz bei der Psychoedukation von Schemata und Modi sowie deren Entstehungsbedin- gungen, aber auch bei der Informationsvermittlung zu Grundbedürfnissen von Kindern und Emotionen (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016). Weiterhin werden dysfunktionale Überzeugungen erarbeitet, schemakongruente Denkfehler disku- tiert, Vor- und Nachteile von Bewältigungsmodi besprochen und es wird die Gül- tigkeit von Schemata und Modi mittels Pro-und-Contra-Listen aufgezeigt (Jacob & Arntz, 2014).

2.1.2 Behaviorale Techniken

Verhaltensorientierte Techniken werden angewendet, um dafür zu sorgen, dass sich der Patient öfter im gesunden Erwachsenenmodus befindet. Hierfür werden zum Beispiel Rollenspiele, Hausaufgaben, Expositionsübungen, Verhaltensexpe- rimente, das Skills-Training oder Entspannungstechniken eingesetzt. So kann dys- funktionales Verhalten unterbrochen und Verhaltensexzesse und -defizite bearbei- tet werden (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016).

2.1.3 Emotionsfokussierte Techniken

Durch den Einsatz von emotionsfokussierten Techniken lernen die Patienten, Emotionen wie beispielsweise Trauer oder Wut auszuhalten und auszudrücken und auf die damit verbundenen Bedürfnisse zu achten. Außerdem sollen unange- messene Emotionen abgebaut und angemessene, adaptive Emotionen gestärkt werden (Jacob & Arntz, 2014). Hierfür werden Stuhldialoge, Rollenspiele mit bio- grafischen Figuren und das imaginative Überschreiben eingesetzt. Im Rahmen der Stuhlarbeit werden die verschiedenen Modi auf unterschiedlichen Stühlen präsen- tiert und Dialoge zwischen den verschiedenen Modi durchgeführt, wobei auch die damit zusammenhängenden aktivierten Affekte besprochen werden (Faßbinder, Schweiger & Jacob, 2016). Bei der Übung des imaginativen Überschreibens wird eine imaginierte, meist traumatische Situation dahingehend verändert, dass die Bedürfnisse des Kindes, welches vorher nicht angemessen versorgt wurde, be- friedigt werden. So werden Emotionen wie Scham oder Schuld zum Beispiel durch Sicherheit, Schutz und Trost ersetzt (Jacob & Arntz, 2014).

3 Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy

Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) ist ein psy- chotherapeutisches Konzept, welches von James McCullough, speziell zur Be- handlung chronisch depressiver Patienten, entwickelt wurde. So werden kognitive, verhaltensorientierte, interpersonelle und psychodynamische Theorien und Tech- niken bei der CBASP-Therapie vereint.

Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass chronisch Depressive Defizite hinsicht- lich der kognitiv-emotionalen Entwicklung besitzen, welche sich durch traumatisie- rende, interpersonelle Erfahrungen entwickeln wie beispielsweise frühe Verlust- oder Missbrauchserfahrungen (Berking & Rief, 2012). Zudem zeigen chronisch depressive Patienten häufig Schwierigkeiten in interpersonellen Situationen, da durch die bestehenden Defizite die Wahrnehmung der Patienten „von der Realität bzw. Umwelt entkoppelt“ ist. So werden die Reaktionen von Mitmenschen fehlin- terpretiert und es kann nicht adäquat auf die Umwelt reagiert werden, was wiede- rum ein korrigierendes positives Lernen erschwert (Berking & Rief, 2012).

Im Mittelpunkt der Therapie steht dabei das interpersonelle Lernen. Zur Modifikati- on von Erleben und Verhalten wird die Aufmerksamkeit des Patienten auf die Konsequenzen seines dysfunktionalen Verhaltens gelenkt und durch die Rück- meldungen des Therapeuten, hinsichtlich seiner Reaktion auf das gezeigte Verhalten, können ungünstige Strategien aufgezeigt werden (Kienast, 2020). Der Thera- peut zeigt sich dem Patienten gegenüber transparent sowie nicht-abstinent und erarbeitet gemeinsam mit ihm proaktiv Übertragungsphänomene, welche aufgrund dysfunktionaler Beziehungserfahrungen entstanden sind und versucht, diese im Verlauf der Therapie aufzulösen (Heidenreich & Michalak, 2013).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Schematherapie und Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy. Ein Vergleich der Therapieverfahren
Hochschule
Medical School Hamburg
Veranstaltung
Verhaltenstherapeutische Interventionen
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V994288
ISBN (eBook)
9783346360311
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schematherapie, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, Therapieverfahren, Verhaltenstherapie, Klinische Psychologie
Arbeit zitieren
Juliet Hillerns (Autor), 2020, Schematherapie und Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy. Ein Vergleich der Therapieverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994288

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