Humoristische Beiträge zur Gesundheitsförderung

Zum Zusammenhang und zum Potential von Humor für das Kohärenzgefühl


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesundheitsmodell nach Antonovsky
2.1. Das Modell der Salutogenese
2.2. Das Kohärenzgefühl
2.2.1. Gefühl von Verstehbarkeit
2.2.2. Gefühl von Handhabbarkeit oder Bewältigbarkeit
2.2.3. Gefühl von Sinnhaftigkeit oder Bedeutsamkeit
2.2.4. weitere Aspekte des Kohärenzgefühls

3. Zum Zusammenhang von Humor und Kohärenzgefühl
3.1. Erklärungsansätze und Theorien
3.2. Humor als Coping-Stil
3.2.1. Problemfokussiertes Coping
3.2.2. Emotionsfokussiertes Coping
3.2.2.1. ...im Alltag
3.2.2.2. ...in der (philosophischen) Literatur
3.2.2.3. Der Fall Kristina Vogt - im wörtlichen Sinn
3.2.3. Zwischenfazit
3.3. Studien- und Forschungsergebnisse
3.3.1. Psychologische Dimensionen
3.3.2. Physische Dimensionen
3.3.3. Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen

4. Fazit

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bischofberger, I. (2008a). Humor - ein Pflegekonzept im Aufwind. In I. Bischofberger (Hrsg.), Das kann ja heiter werden. (2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auf-lage). (S. 27-86). Bern: Hans Huber, 53.

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Gesundheitsförderung im Schulsport" wurde unter anderem das Modell und Gesundheitskonzept der Salutogenese von Aaron Antonovsky vorgestellt. Im Mittelpunkt der Betrachtung von Gesundheit steht dabei das Kohärenzgefühl. Grob umschrieben folgt das Konstrukt des Kohärenzgefühls der Idee einer Weltanschauung, einer allgemeinen Grundhaltung, die mit einem subjektiv erlebten Gefühl der Stimmigkeit, Sinnhaftigkeit und Bewältigbarkeit einhergeht (vgl. Bengel et al., 2002, 29 f.) - oder eben auch nicht. Innerhalb dieses Gesundheitsmodells von Antonovsky ist das Kohärenzgefühl ausschlaggebend für den subjektiv erlebten Gesundheitszustand, negiert jedoch gleichzeitig nicht die pathologische Relevanz in Bezug auf Gesundheit.

Zur Relevanz des Themas: Allgemein wird angenommen, dass Lachen die beste Medizin sei. Es gibt zahlreiche weitere Redensarten, die dem Lachen und Humor eine positive Auswirkung auf das Wohlbefinden - und damit auch auf die Gesundheit - unterstellen. Um dem Mythos der positiven Wirkungen von Humor auf die Gesundheit differenzierter gerecht zu werden, möchte ich mich näher mit dem Thema befassen, auf Grundlage von Theorien und Konzepten in Bezug auf Humor. Das Lachen soll dabei als „Symptom des Humors" nur am Rande in Betracht gezogen werden; der Schwerpunkt meiner Arbeit gilt der Auseinandersetzung mit einer der Ursachen des Lachens: dem Humor! Das Ziel der Arbeit ist es, eine Aussage über das Potential von Humor, im Rahmen einer Gesundheitsförderung treffen zu können. Wie werden in den wissenschaftlichen Teildisziplinen Zusammenhänge und Wirkungen zwischen dem Konzept des Kohärenzgefühls und Konzepten von Humor dargestellt? Gibt es eventuell empirische Befunde diesbezüglich?

Geschehen soll dies anhand folgender Fragestellung: Kann Humor auf theoretischkonzeptioneller - oder sogar auf empirischer Basis - einen Beitrag dazu leisten, im Sinne des Kohärenzgefühls, eine gewisse Weltanschauung oder Einstellung zum Leben auszuprägen, und hat er dadurch das Potential Gesundheit zu fördern, zu erhalten oder Krankheit im Rahmen des salutogenetischen Modells abzuwenden? Der Versuch der Beantwortung der hier aufgeworfenen Fragestellungen stellt das Kernanliegen meiner Arbeit dar. Damit verbunden ist die Darstellung der Zusammenhänge des Konzepts des Kohärenzgefühls (Kapitel 2) als Einflussfaktor auf Gesundheit im Sinne Antonovskys, sowie der Konzeptionen, Funktionen und Arten von Humor (Kapitel 3).

2. Gesundheitsmodell nach Antonovsky

Im Folgenden soll das Konstrukt des Kohärenzgefühls als Teilkonzept des salutogenetischen Gesundheitsmodells von Antonovsky näher erläutert und differenziert werden, um dessen Bedeutung für den Erhalt, den Ausbau oder die Entstehung von Gesundheit einschätzen zu können. Dies geschieht auch, um sich im folgenden Kapitel 3 mit dem Potential von Humor, auf Grundlage des hier dargestellten Verständnisses des Kohärenzgefühls, dezidiert befassen zu können.

2.1. Das Modell der Salutogenese

Das Kohärenzgefühl steht im Mittelpunkt des salutogenetischen Konzepts von Antonovsky (vgl. Bengel et al., 2002, S. 28). Der salutogenetische Ansatz zur Erklärung von Gesundheit und Krankheit beinhaltet dabei die Betrachtungsweise, dass alle Menschen mehr oder weniger gesund, beziehungsweise krank sind. Damit sagt er, dass Gesundheit kein passiver Gleichgewichtszustand ist, sondern vielmehr ein „[...] labiles, aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen" (Bengel et al., 2002, S. 25). Das Bemühen für die Gesundheit und das Ankämpfen gegen die Krankheit ist also ein andauernder, nie ganz abgeschlossener Prozess. In Konsequenz ist nach seinem Verständnis weder 100%ige Gesundheit, noch Krankheit erreichbar. Antonovsky siedelt die Zustände Gesundheit und Krankheit also auf einem Kontinuum an, was dem klassischen, eher dichotomisch geprägten Verständnis, gegenüber steht, dieses jedoch nicht komplett ausschließt. Vielmehr ist Antonovskys Konzept als komplementär anzusehen - es geht über die reine Bekämpfung von Krankheiten hinaus, indem es das ganze System, in dem eine Person lebt, betrachtet (und nicht nur das eigene System; den Organismus). Dadurch rücken die Stärkung von persönlichen Ressourcen und eine generelle Widerstandsfähigkeit mehr in den Fokus. Dieser ganzheitlichere Ansatz zur Erklärung von Gesundheit und Krankheit ist damit gleichzeitig Kritik an einer „einseitigen Orientierung der Forschung an schädigenden Lebensbedingungen und krankmachenden Faktoren" (Bengel et. al., 2002, S. 26 f.).

2.2. Das Kohärenzgefühl

Um einem ganzheitlicheren Gesundheitsverständnis gerecht zu werden, modelliert Antonovsky das Konstrukt des Kohärenzgefühls. Darunter versteht er „eine allgemeine Grundhaltung eines Individuums gegenüber der Welt und dem eigenen Leben" (Bengel et al., 2002, S. 28). Die Termini Weltanschauung, Haltung oder Einstellung beschreiben meines Erachtens ebenso gut den Kerngedanken Antonovskys. Auch die Etymologie des Wortes Kohärenz führt in die gleiche Richtung, wenn man dessen Bedeutung (Zusammenhang, Stimmigkeit) entsprechend einer Weltanschauung oder einer Haltung gegenüber der eigenen Existenz interpretiert. Antonovsky differenziert das Kohärenzgefühl in drei wesentliche subjektiv-emotionale Komponenten:

2.2.1. Gefühl von Verstehbarkeit

Das Gefühl der Verstehbarkeit beschreibt die Erwartungen und Fähigkeiten von Menschen, bestimmte Stimuli - und auch neue und unerwartete Situationen - als geordnete, konsistente und strukturierte Informationen zu verarbeiten. Die äußeren Reize (Stimuli) werden somit nicht als chaotisch, willkürlich und zufällig wahrgenommen, sie sind also nicht unerklärlich und damit in gewissem Maße verständlich. Verstehbarkeit bezeichnet nach Antonovsky also ein kognitives Verarbeitungsmuster (vgl. Bengel et al., 2002, S. 29).

2.2.2. Gefühl von Handhabbarkeit oder Bewältigbarkeit

Dieser Annahme liegt die innere Einstellung und Überzeugung von Menschen zu Grunde, dass Situationen lösbar und zu bewältigen sind. Antonovsky definiert das Gefühl von Handhabbarkeit als das „Ausmaß, in dem wahrnimmt, dass man eigene Ressourcen zur Verfügung hat, um den Anforderungen zu begegnen" (Bengel et al., 2002, S. 29: zitiert nach Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 35). Allerdings sind auch der Glaube an die Hilfe von anderen Personen oder „höheren Mächten" zur Bewältigung von schwierigen Situationen mit in das Konzept der Bewältigbarkeit eingeschlossen. Somit handelt es sich hierbei um ein kognitiv-emotionales Verarbeitungsmuster (vgl. Bengel et al., 2002, S. 29).

2.2.3. Gefühl von Sinnhaftigkeit oder Bedeutsamkeit

Diese Dimension beschreibt das Ausmaß der persönlichen emotionalen Sinnhaftigkeitserfahrung der eigenen Existenz. Damit einher geht nach Antonovsky die Einstellung, dass „wenigstens einige, der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, dass man Energie in sie investiert, [...] dass sie eher willkommene Herausforderungen sind, als Lasten [...]" (Bengel et al., S. 30, zitiert nach Antonovsky, Übersetzung durch Franke, 1997, S. 36). Diese motivationale Komponente ist nach Antonovsky die wichtigste, da ohne eine subjektiv erlebte Sinnhaftigkeit auch die anderen Komponenten des Kohärenzgefühls keine hohen Wert erreichen können (vgl. Bengel et al., 2002, S. 31).

2.2.4. Weitere Aspekte des Kohärenzgefühls

Diese drei Teildimensionen zusammenfassend definiert Antonovsky das Kohärenzgefühl als eine Art globale Orientierung des Menschen, die das Ausmaß eines dezidierten Vertrauens ausdrückt, inneren und äußeren Einflüssen gerecht werden zu können. Diese Orientierung impliziert das Vertrauen - oder den Glauben - an die eigenen Ressourcen zur Bewältigung und an das eigene Engagement. In Folge führt dies dazu, flexibel auf Anforderungen reagieren zu können. Mit etwa 30 Jahren sei das Kohärenzgefühl nur noch geringfügig veränderbar, allenfalls durch die radikale Veränderung sozialer und kultureller Lebensbedingungen (vgl. Hintner, 2014, S. 15). Die Entstehung des Kohärenzgefühls folgt dabei den Prinzipien von Assimilation und Akkommodation; einerseits beeinflussen äußere Einflüsse die innere Einstellung, andererseits bewirkt die innere Einstellung, dass vertraute Erfahrungswelten aufgesucht werden, die die innere Einstellung dementsprechend bestätigen (vgl. Bengel et al., 2002, S. 31). Abschließend sei noch einmal erwähnt, dass gewisse pathologische Zustände und ihre Folgen (Extrembeispiele: Krebs, Verletzungen, Krieg, ... ) nicht durch ein ausgeprägtes Kohärenzgefühl beseitigt werden können, jedoch setzt die salutogenetische Fragestellung genau dort an, indem sie nach den Gründen und Verarbeitungsmustern fragt, wieso manche Menschen, trotz ihres pathologischen Zustands, gesünder sind als andere, wieso manche Menschen schneller gesund werden als andere, die alle unter denselben krankmachenden Bedingungen leiden.

3. Zum Zusammenhang von Humor und Kohärenzgefühl

„Humor ist, was man nicht mehr hat, sobald man ihn definiert“ (Rudolf Presber - 1868-1935 - deutscher Journalist, Dichter, Dramatiker)

Im vorherigen Kapitel wurde der Versuch unternommen, das Thema Gesundheit aus salutogenetischer Sicht, mit seinen inhärenten Erklärungsmustern, zu verdeutlichen. In diesem Kapitel soll der Bezug zum Thema Humor und dessen Erscheinungsformen hergestellt werden, indem wissenschaftliche Theorien und Ergebnisse herangezogen werden, um der Frage des Potentials von Humor für die Gesundheit nachzugehen.

3.1. Erklärungsansätze und Theorien

Es gibt zahlreiche, jedoch keine einheitlichen Definitionen von Humor im wissenschaftlichen Diskurs. Humor wird als Zustand (state), aber auch als überdauernde Charaktereigenschaft (trait) definiert.

Humor wird definiert als personale Ressource, als individuelles Merkmal, über das alle Menschen verfügen (vgl. Drews, S. 29, 2010, zitiert nach Rißland & Gruntz-Stoll, 2009) und weist damit ähnliche Erklärungs- und Wirkungsansätze wie das Modell der Salutogenese auf, das eben diese personalen Ressourcen als Widerstandsfähigkeit bezeichnet. Eine Humorkompetenz kann dementsprechend das eigene Handlungsrepertoire erweitern, sowohl in humorproduzierenden als auch in rezeptiven Zusammenhängen.

Humor wird definiert als Lebensstil oder Haltung, die einer „ [...] ethisch positiv motivierten Intentionalität entspringt. Öffentlich über sich selbst lachen können wirkt wiederum im Sozialen als Ängste abbauend" und lädt zur Interaktion und Kommunikation auf gleicher Hierarchieebene ein (vgl. Drews, 2010, S. 29, zitiert nach Gürtler, 2005, S. 12). Das Kohärenzgefühl ist ebenfalls als Haltung beschreibbar, und der erwähnte Abbau von Ängsten kann möglicherweise dazu beitragen, dass Gefühl der Handhabbarkeit in interaktiven und kommunikativen Situationen zu stärken. Durch ein angstfreieres Auftreten in kommunikativen Situationen kann flexibler reagiert werden, und es erlaubt, aus gewohnten statischeren Kommunikationsmustern auszubrechen. Humor ermöglicht im Sinne der Bewältigbarkeit des Kohärenzgefühls eine Erweiterung und einen Ausbau des Handlungsvermögens und des Handlungsspielraums (vgl. Drews, 2010, S. 54). Diese soziale Dimension - und auch Definition - von Humor wird nachfolgend dargestellt:

Humor wird definiert als multidimensionales Konstrukt (vgl. Drews, 2010, S. 52) und hat in sozialen - und damit zwischenmenschlichen - Situationen eine moderierende oder abmildernde Funktion. Das Vermeiden von peinlichen Situationen und die Entschärfung von unangenehmen Situationen gehen zum Beispiel damit einher. Die Fähigkeit in dem beschrieben Kontext auf eine Humor-Ressource zurückgreifen zu können, kann dafür sorgen, Akzeptanz erfahren. Dadurch wird einen Beitrag zu einem Gefühl der Handhabbarkeit geleistet. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass Humor auch in Formen mit negativen Wirkungen auf den Empfänger auftritt, in Form von Spott und Hohn, obgleich diesen Formen von Humor eine eigene Funktion, nämlich die Sanktionierung der Nicht-Einhaltung gesellschaftlicher und sozialer Normen, zugewiesen wird (vgl. Baumgartner, 2016, S. 61 zitiert nach Billig, 2005, S.201 f.). Andernorts unterscheidet Baumgartner (2016: S. 37 f., nach Martin et al., 2003) dabei verschiedene Humorstile in sozialen Situationen zum Zwecke

- des Erleichterns sozialer Beziehungen,
- der Verringerung zwischenmenschlicher Spannungen,
- der sozialen Beliebtheit,
- der Konfliktvermeidung.

Bei Zugrundelegung eines Gesundheitsverständnisses, das die sozialen Bedürfnisse und Bedingungen von Menschen berücksichtigt, wird deutlich, in welchen Bereichen Humor das Potential besitzt, Gesundheit zu fördern oder zu ermöglichen. Analog Antonovskys Fokussierung des ganzen Systems, in dem der Mensch lebt, können mit denen von Baumgartner angeführten Zielsetzungen humorvollen Handelns positive Einflüsse auf das Selbstvertrauen und auf das Gefühl der Selbstwirksamkeit nicht ausgeschlossen werden! Auch die Klassifizierung eines selbstförderlichen Humors durch Baumgartner (2016: S. 37) ordnet den Humor im Bereich von Förderung einer positiven Lebenseinstellung und Verarbeitungsmustern an. Folglich kann...

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Humoristische Beiträge zur Gesundheitsförderung
Untertitel
Zum Zusammenhang und zum Potential von Humor für das Kohärenzgefühl
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Gesundheitsförderung im Schulsport
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V994342
ISBN (eBook)
9783346360069
ISBN (Buch)
9783346360076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Humor, Gesundheit, Coping, Ironie, Kohärenzgefühl, Salutogenese, Antonovsky, Gesundheitsmodel
Arbeit zitieren
Gero-Sebastian Stemberg (Autor), 2019, Humoristische Beiträge zur Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994342

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