Persönlichkeitspsychologie. Persönlichkeitseigenschaften, State-Trait-Debatte, PEN-Modell und Sensation Seeking


Einsendeaufgabe, 2020

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Aufgabe A1

2 Aufgabe A2

3 Aufgabe A3

4 Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die PEN-Typen nach Eysenck

Tabelle 2: Die Sensation Seeking Skala (SSS) nach Zuckerman

Abkürzungsverzeichnis

AC Assessment Center

EPP Eysenck Personality Profiler

EPQ Eysenck Personality Questionnaire

MBTI Myers-Briggs-Typenindikator

SSS Sensation Seeking Skala

STAI State-Trait-Angstinventar

Einleitung

Für die hier vorliegende Einsendeaufgabe wurde Alternative A aus dem vorgegebenen Themenkatalog gewählt. In Aufgabe A1 wird zunächst erläutert, was die differentielle Psychologie unter Persönlichkeitseigenschaften versteht. Darauf aufbauend wird auf die sogenannte State-Trait-Debatte eingegangen und anhand zweier alltagsnaher Beispiele erläutert, weshalb die Unterscheidung in „State“ und „Trait“ von Bedeutung ist. Dieser Unterschied wird abschließend vor dem Hintergrund des Einsatzes in Assessment Center Verfahren diskutiert.

Aufgabe A2 befasst sich mit dem persönlichkeitspsychologischen Ansatz von Eysenck. Es wird aufgezeigt; welche Persönlichkeitstypen Eysenck in seinem Modell identifiziert hat und welche Bedeutung dieses Modell auch heute noch hat. Im zweiten Teil von Aufgabe A2 wird eine aktuelle und in der praktischen Personalarbeit verbreitete Persönlichkeitstypologie vorgestellt und deren Anwendbarkeit im Bereich der Aus- und Weiterbildung erläutert.

Schließlich wird in der letzten Teilaufgabe A3 der von Zuckerman geprägte Begriff des „Sensation Seekings“ vorgestellt. Es wird auf die „Sensation Seeking Skala“ (SSS) eingegangen und eine Person, die auf dieser Skala hohe Werte aufzeigt, charakterisiert. Die abschließende Diskussion befasst sich damit, welchen praktischen Nutzen dieses Konzept haben könnte.

1 Aufgabe A1

Persönlichkeitseigenschaften in der differentiellen Psychologie

„Gegenstand der Psychologie ist das Erleben, Verhalten und Handeln des Menschen"(Hussy et al., 2013, S.2). Ziel der Allgemeinen Psychologie ist es, Ähnlichkeiten im menschlichen Erleben, Verhalten und Handeln, zu erklären und herauszuarbeiten und möglicherweise vorherzusagen oder gar zu verändern(Hussy et al., 2013, S.3). Allerdings unterscheiden sich Individuen auch untereinander. So gibt es beispielsweise aufgeschlossenere, extravertierte Menschen, wohingegen andere eher ruhiger und zurückhaltender, also introvertierter, sind. Hier setzt die Differentielle Psychologie an, welche sich wissenschaftlich mit den Unterschieden im menschlichen Erleben und Verhalten – also mit Persönlichkeitsunterschieden – befasst(Asendorpf, 2019, S.2)und mittels qualitativer oder quantitativer Methoden untersucht, in welchen Persönlichkeitsmerkmalen Menschen sich voneinander unterscheiden.Rauthmann(2016, S.2)differenziert in seiner Definition für die Differentielle und Persönlichkeitspsychologie in eine interindividuelle und eine intraindividuelle Sichtweise. Während erstere die biologischen, psychologischen und sozio-kulturellen Strukturen und Prozessen zwischen unterschiedlichen Personen erforscht, befasst sich zweitere mit eben diesen Strukturen und Prozessen innerhalb ein und derselben Person über die Zeit und/ oder über verschiedene Situationen hinweg.

Zur Beschreibung von Persönlichkeit haben sich in der Wissenschaft verschiedene Persönlichkeitstheorien und Paradigmen entwickelt. Eine allgemein anerkannte und eindeutige Definition des Begriffs der Persönlichkeit gibt es allerdings bis dato in der Psychologie nicht(Raab et al., 2016, S.167). Die Auseinandersetzung mit, sowie die Beschreibung und Interpretation von Persönlichkeit nimmt gerade auch in der sogenannten Alltagspsychologie einen prominenten Platz einnimmt. Laut Becker (2014, S.19) entspricht das alltagspsychologische Verständnis von Persönlichkeit am ehesten den eigenschaftstheoretischen Ansätzen, bzw. dem Eigenschaftsparadigma. Diese stellen die traditionelle Herangehensweise der Persönlichkeitspsychologie dar und bemühen sich um ein umfassendes Beschreibungssystem der menschlichen Persönlichkeit(Becker, 2014, S.53). Im Folgenden wird auf den eigenschaftstheoretischen Ansatz, sowie auf die Definition von Persönlichkeitseigenschaften näher eingegangen.

Im Eigenschaftsparadigma wird von zwei Grundannahmen für Persönlichkeitseigenschaften ausgegangen. Zum einen wird unterstellt, dass es sich bei Persönlichkeitseigenschaften um Dispositionen handelt, die einer gewissen zeitlichen Stabilität unterliegen und zum anderen wird davon ausgegangen, dass diese Stabilität auch situationsunabhängig auftritt(Becker, 2014, S.39). In jedem Fall zeigt sich in ihnen, wie auf bestimmte Reize reagiert wird. Da Persönlichkeitseigenschaften, auch Traits genannt, hypothetische Konstrukte sind, lassen sie sich nicht direkt, sondern ausschließlich aus der wiederholten Beobachtung oder Messung von Verhalten, erschließen(Becker, 2014, S.11). Im Gegensatz zu den sogenannten Persönlichkeitstypen, welche als diskrete Kategorien betrachtet werden, werden die beobachteten bzw. gemessenen Persönlichkeitseigenschaften auf einer kontinuierlich verlaufenden Skala zwischen zwei Ausprägungen angeordnet(Becker, 2014, S.39). Das mitunter berühmteste Modell hierfür ist das von Costa und McCrae entwickelte Fünf-Faktoren-Modell - die Big Five. Hiermit hat sich eine anerkannte, weitverbreitete und allgemeingültige Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften in ihren individuellen Unterschieden etabliert(John et al., 1999). Dieses Modell ist bis heute in der praktischen Anwendung bei der Untersuchung und Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften sehr weit verbreitet.

Die State-Trait-Debatte in der Differentiellen Psychologie

Der Trait-Begriff in der Differentiellen Psychologie ist in erster Linie auf den US-amerikanischen Psychologen Gordon Allport (1897 – 1967) zurückzuführen. Als einer der Begründer der Eigenschaftstheoretischen Psychologie, definierte er den Trait Begriff aus einer essentialistisch-kausalen Betrachtungsweise heraus. Ein Trait war für ihn „ein neurophysiologisches verankertes Merkmal, das gewisse Regelmäßigkeiten im Erleben und Verhalten hervorbrachte“(Rauthmann, 2016, 18, 19). Bestimmte konkret beobachtbare Verhaltensweisen werden in Kategorien zusammengefasst, womit sich die Erwartung verbindet, dass sich eine Person auch weiterhin diesen wahrgenommenen Eigenschaften gemäß verhält. Solche Eigenschaften werden auch als Traits bezeichnet. Man versteht darunter breite und zeitlich stabile Dispositionen zu bestimmten Verhaltensweisen, die konsistent in verschiedenen Situationen auftreten. Dabei sind die Eigenschaften latente Dimensionen, die aus wiederholten Verhaltens- und Erlebensäußerungen erschlossen werden. Da es sich bei den Dimensionen nicht um physisch greifbare Gebilde, sondern um aus Sichtbarem erschlossene und konstruierte Konzepte handelt, spricht man auch von Konstrukten. Personen unterscheiden sich hierbei in der Ausprägungsstärke der allgemeinen Eigenschaft, was sich in interindividuellen Unterschieden niederschlägt(Becker, 2014, S.19).

Im Vergleich zu den stabilen Persönlichkeitsdimensionen existieren auch momentane Zustände der Gestimmtheit, die als States bezeichnet werden. Es handelt sich hierbei um ein subjektives, bewusst erlebtes Muster von bestimmten Gefühlen, das von einer Erregung des autonomen Nervensystems oder von kognitiven Prozessen begleitet wird. Im Vergleich zu einer Eigenschaft ist ein Zustand eher ein vorübergehendes Phänomen(Becker, 2014, S.20).

Die Diskussion darüber, ob es sich bei einem gezeigten Verhalten um zeitlich stabilen Persönlichkeitseigenschaften (Traits) oder um situativ variierenden Zustände (States) handelt, hat sich unter dem Begriff der „State-Trait-Debatte“ etabliert. In der State-Trait-Debatte geht es um die Unterscheidung von Eigenschaft und Zustand und um die Auseinandersetzung mit der Fragestellung, ob sich Verhalten aus einer Abfolge intraindividueller Eigenschaften oder aus situationsabhängigen Umständen ergibt. Besonders eindrucksvoll wurde dies in dem 1971 von Zimbardo et al.(Zimbardo, 2020)durchgeführten „Stanford Prison Experiment“ aufgezeigt. Hier wurde eine Gruppe von Studierenden der Stanford Universität in einem Scheingefängnis entweder der Rolle der Gefängniswärter oder der Gefangenen, mit dem Auftrag, den Gefängnisbetrieb reibungslos aufrecht zu erhalten, zugeordnet. Zur Überraschung der Forscher stellte sich rasch heraus, dass das Verhalten der Versuchsteilnehmer übermäßig stark von der jeweiligen Rolle beeinflusst wurde. So stark, dass das Experiment drohte außer Kontrolle zu geraten und nach wenigen Tagen abgebrochen werden musste (Becker, 2014, S.12).

Erläuterung der State-Trait- Debatte anhand zweier Alltagsbeispiele

Zur Veranschaulichung der State-Trait-Debatte – zu Deutsch auch Person-Situations-Debatte – werden im Folgenden zwei alltagsnahe Beispiele herangezogen. Die Unterscheidung von Eigenschaft und Zustand kann etwa am Beispiel der Angst gut erläutert werden. Angst kann sowohl eine grundsätzliche Persönlichkeitseigenschaft sein wie auch ein momentaner Zustand. So kann eine normalerweise extravertierte, aufgeschlossene Person in bestimmten Situationen auch durchaus ängstliches Verhalten aufzeigen. Treten zum Beispiel während eines Fluges starke Turbulenzen auf, so kann dies einen momentanen Zustand der Angst hervorrufen – in diesem Fall ist die Angst dann ein State. Hat eine Person jedoch grundsätzlich Angst davor vor Flugreisen anzutreten oder, abstrahierter formuliert, Angst davor sich in Situationen zu begeben, die sich außerhalb der persönlichen Kontrolle befinden, so ist die Angst eine situationsunabhängig auftretende Eigenschaft und damit also ein Trait.

Forschungsarbeiten zum Thema Angst und Ängstlichkeit wurden stark durch das, von dem US-amerikanischen Psychologen Charles D. Spielberger (1927 – 2013) in den 1970er Jahren entwickelten, Modell des State-Trait-Angstinventars (STAI) beeinflusst. Er hatte damit ein Testverfahren entwickelt, welches die Unterscheidung von aktuellen Angst-Zuständen (State) und habituellen Angst-Dispositionen (Trait) ermöglichte(Becker, 2014, S.119).

Ein anderes Beispiel anhand dessen die State-Trait-Debatte im Alltag sichtbar wird, ist die Nervosität. So kann eine bestimmte Situation, beispielsweise ein Bewerbungsgespräch, in grundsätzlich ruhigen und gelassenen Personen starke Nervosität auslösen. Die Situation beeinflusst dann das Verhalten der Person, obwohl dies nicht mit ihren grundsätzlichen Persönlichkeitseigenschaften übereinstimmt.

Diese zwei Beispiele stehen exemplarisch für die, in verschiedenen psychologischen Disziplinen verankerte, State-Trait-Debatte.

Bedeutung der Unterscheidung von State und Trait in Assessment Center Verfahren

Im letzten Teil der Aufgabe A1 wird abschließend die Bedeutung der Unterscheidung von Trait und State vor dem Hintergrund des Einsatzes in sogenannten Assessment Center (AC) Verfahren diskutiert. Das auch im Deutschen gebräuchliche, englischstämmige Wort, Assessment Center bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Beurteilungszentrum“ oder „Bewertungszentrum“. Die Bewertung bzw. Beurteilung steht also im Mittelpunkt - im Zentrum - des Verfahrens. Assessment Center werden in erster Linie „als individuelles Instrument zur Selbsterkenntnis, als Ausgangspunkt von Mitarbeiter- und Führungskräftetrainings, als Instrument zur Entwicklung von Anreizsystemen und als Kriterium der Karriereplanung“ eingesetzt(Becker, 2014, S.31). Meist kommen in AC-Verfahren simulierte Situationen aus dem Arbeitsalltag, Gruppendiskussionen, Rollenspiele und ähnliches zum Einsatz, um über die Beobachtung des Verhaltens der jeweiligen Personen auf deren Persönlichkeitseigenschaften, auf deren Traits, zu schließen und daraus resultierend die am besten geeignete Person für die zu besetzende Stelle zu evaluieren.

Offensichtlicher bzw. direkter erschlossen werden können während des AC-Prozesses die States der jeweiligen Personen. Das Verhalten in und die Reaktionen auf bestimmte Situationen oder Problemstellungen kommen direkt während des Verfahrens unmittelbar zum Vorschein und können von den geschulten Beobachtern jeweils situationsbezogen direkt bewertet werden. Es sind auch primär die State-Eigenschaften, auf die in AC-Verfahren geschlossen werden soll. Zeigen AC-Teilnehmer dann bestimmte Verhaltensweisen konsistent in verschiedenen Situationen, so kann daraus auch auf deren Traits geschlossen werden. Die Kenntnis des Unterschieds von Trait und State ist bei der Konzeption eines AC und bei der Beobachtung und der Bewertung der Teilnehmer also von großer Bedeutung, um die Ergebnisse richtig interpretieren zu können.

Als Kritikpunkt wird AC-Verfahren immer wieder eine gewisse Übungsanfälligkeit bzw. Trainierbarkeit nachgesagt. Diese wurde auch in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen, unter anderem in einer im Jahr 2001 von Kelbetz und Schuler durchgeführten Studie zur Trainierbarkeit von AC-Leistungen. Kelbetz und Schuler fanden in ihrer Studie allerdings auch Unterschiede in der Trainierbarkeit von verschiedenen Dimensionen, die während eines AC-Verfahrens angesprochen und getestet werden. So sind etwa „Trait-nah konzipierte Dimensionen wie Leistungsmotivation oder analytische Fähigkeiten (…) weniger übungsanfällig als verhaltensorientierte Dimensionen“(Kelbetz & Schuler, 2002, S.4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeitspsychologie. Persönlichkeitseigenschaften, State-Trait-Debatte, PEN-Modell und Sensation Seeking
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V994366
ISBN (eBook)
9783346359940
ISBN (Buch)
9783346359957
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitseigenschaften, State-Trait-Debatte, PEN-Modell, Sensation Seeking
Arbeit zitieren
Alexa Hüni (Autor), 2020, Persönlichkeitspsychologie. Persönlichkeitseigenschaften, State-Trait-Debatte, PEN-Modell und Sensation Seeking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994366

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