Selbst als Erstsemester und blutigem Anfänger wird einem relativ rasch klar, daß man es mit dem Leib-Seele-Problem mit einem der ältesten und neben der Gottesfrage vielleicht sogar dem zentralsten Problem der Philosophie zu tun hat. Ein Problem, daß die Philosophie in ihrer mehr als 2.500 jährigen reflektierten Geschichte immer begleitet hat und nach wie vor einer Lösung harrt. Diese, sollte es eine geben, wird jedoch vermutlich nicht von philosophischer, sondern wahrscheinlich wieder einmal von naturwissenschaftlicher Seite zu erwarten sein.
Durch diese Proseminararbeit ist man also gezwungen seine ersten täppischen Schritte auf dem glatten und häufig frustrierendem Parkett der philosophischen Auseinandersetzung zu gehen. Dabei ist man zunächst von dem Gedanken beseelt sich mit irgendeiner Detailfrage des Dualismus auseinander zusetzen, um nur ja nicht noch mal das zu schreiben, was sowieso schon x-mal geschrieben wurde. Bei der ersten Sichtung der Literatur und Beschäftigung mit dem Thema geht einem jedoch auf, daß man ganz gut beraten wäre, zunächst einmal die Grundlagen halbwegs zu durchdringen, ehe man sich in Details verliert. Deshalb beschäftigt sich auch diese Arbeit ′nur′ mit einer Darstellung der wichtigsten dualistischen Positionen und den Schwächen in ihren Argumentationen.
Die Zielsetzung war ganz eindeutig das Verstehen der grundlegenden Unterschiede und dieses Verstehen schriftlich zu dokumentieren.
Da ich jedoch relativ optimistisch bin, daß das Leib-Seele-Problem in den nächsten ca. 4 Jahren meines Studiums nicht von der philosophischen Bühne verschwinden wird, besteht durchaus die berechtigte Hoffnung, sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals fundierter, detaillierter und hoffentlich auch qualifizierter mit diesem Thema auseinander zusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Dualismus
2.1 Allgemeine Grundlagen
2.2 Geschichtliche Entwicklung
2.3 Interaktionistischer (kartesischer) Dualismus
2.3.1 Position
2.3.2 Gegenargumente
2.4 Epiphänomenalismus
2.4.1 Position
2.4.2 Gegenargumente
2.5 Psychophysischer Parallelismus
2.5.1 Position
2.5.2 Gegenargumente
2.6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die grundlegenden Unterschiede zwischen den verschiedenen dualistischen Positionen im Leib-Seele-Problem zu verstehen und dieses Verständnis schriftlich zu dokumentieren.
- Grundlagen und geschichtliche Entwicklung des Dualismus
- Analyse des interaktionistischen (kartesischen) Dualismus
- Untersuchung des Epiphänomenalismus
- Darstellung des psychophysischen Parallelismus
- Kritische Reflexion der jeweiligen Argumente und Schwächen
Auszug aus dem Buch
2.3 Interaktionistischer (kartesischer) Dualismus
Der interaktionistische Dualismus ist untrennbar mit dem Namen Rene Descartes’ (1596 – 1650) verbunden. Ausgehend von seiner bekannten Grundthese cogito ergo sum zeigt Descartes, daß er notwendigerweise ein denkendes Wesen ist. Dabei versteht er unter Denken die gesamte Vielfalt unseres bewußten mentalen Lebens. Dieses Denken ist jedoch Träger von Eigenschaften die sich grundsätzlich von seinen körperlichen unterscheiden. Dies ergibt sich alleine bereits daraus, daß seinen mentalen Eigenschaften (res cogitans) keine körperliche Ausgedehntheit zukommt, jedoch seinem Körper sehr wohl (res extensa). Descartes wird somit zum Vertreter eines radikalen Substanzendualismus und widerlegt mittels seines metaphysischen Argumentes die psychophysische Identitätsthese. Vereinfacht dargestellt, schließt Descartes aus der Möglichkeit der Verschiedenheit von Körper und Geist, bereits auf deren tatsächliche Verschiedenheit.
Nachdem der erste Schritt getan und die Verschiedenheit von Körper und Geist erwiesen scheint, stellt sich natürlich die Frage nach der Beziehung dieser beiden unterschiedlichen Substanzen zueinander. Die Vertreter des interaktionistischen Dualismus verfechten die These einer gegenseitigen Wechselbeziehung zwischen der physischen und mentalen Welt. Begründet wird dies durch die Alltagserfahrung, nach der unsere Wünsche und Bedürfnisse unser Handeln zu wesentlichen Teilen zu bestimmen scheinen. So lässt uns beispielsweise der Wunsch nach einem bestimmten Musikstück zu einer CD greifen. Auch umgekehrt spricht viel dafür, daß Einflüsse aus der physischen Welt unsere Bewußtseinszustände mitbestimmt. Der Schmerz, den wir fühlen, wenn wir auf eine heiße Herdplatte greifen ist ein einfaches Beispiel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor führt in die Problematik des Leib-Seele-Problems ein und erläutert die Intention, sich in dieser Arbeit einen Überblick über die wichtigsten dualistischen Positionen zu verschaffen.
2. Dualismus: Dieses Kapitel liefert eine allgemeine Definition des Dualismus und skizziert die geschichtliche Entwicklung von der antiken Auffassung der Seele bis hin zur modernen, naturwissenschaftlich geprägten Sichtweise.
2.1 Allgemeine Grundlagen: Es wird die notwendige Unterscheidbarkeit zwischen physischen und mentalen Entitäten als Grundvoraussetzung für eine dualistische Position erläutert.
2.2 Geschichtliche Entwicklung: Das Kapitel zeichnet die historische Verschiebung der Betrachtung des Leib-Seele-Verhältnisses nach und beschreibt den wachsenden Rechtfertigungsdruck für das Konzept der Seele in der Neuzeit.
2.3 Interaktionistischer (kartesischer) Dualismus: Diese zentrale dualistische Position nach Descartes wird hinsichtlich ihrer Argumentation und des postulierten Einflusses von Geist auf Körper analysiert.
2.4 Epiphänomenalismus: Es wird eine dualistische Sichtweise untersucht, die zwar die Verschiedenheit von Geist und Körper annimmt, dem Bewusstsein jedoch keinen Einfluss auf die physische Welt zuschreibt.
2.5 Psychophysischer Parallelismus: Das Kapitel beleuchtet Ansätze wie die prästabilisierte Harmonie oder den Okkasionalismus, die eine Interaktion zwischen Geist und Körper vollständig ablehnen.
2.6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden kritischen Würdigung der dualistischen Positionen und der Auseinandersetzung mit der Involviertheit des Betrachters bei diesem Thema.
Schlüsselwörter
Leib-Seele-Problem, Dualismus, René Descartes, Interaktionismus, Epiphänomenalismus, Psychophysischer Parallelismus, Philosophie des Geistes, Bewusstsein, Materie, Substanzendualismus, Kausalität, freier Wille, Philosophie, Naturwissenschaften, Geist-Körper-Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem klassischen Leib-Seele-Problem in der Philosophie und bietet eine Übersicht über die wichtigsten dualistischen Positionen sowie deren argumentativen Schwächen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition des Dualismus, das kartesische Denken, der Epiphänomenalismus und verschiedene Formen des Parallelismus, stets im Kontext der Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die grundlegenden Unterschiede und Argumentationslinien der vorgestellten dualistischen Positionen fundiert zu verstehen und schriftlich darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Proseminararbeit, die auf einer Literaturanalyse der einschlägigen Fachliteratur und einer kritischen Auseinandersetzung mit den Argumentationen der verschiedenen Denker basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der allgemeinen Grundlagen und der geschichtlichen Entwicklung des Dualismus sowie in die detaillierte Darstellung und Kritik der drei Hauptpositionen: Interaktionismus, Epiphänomenalismus und Psychophysischer Parallelismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Leib-Seele-Problem, Dualismus, Interaktionismus, Geist-Körper-Beziehung und Bewusstsein.
Warum gilt der interaktionistische Dualismus als relativ attraktive Variante?
Laut Autor kommt er unserer Alltagserfahrung am nächsten und scheint zudem am ehesten die Entstehung eines freien Willens zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt Gott in den Theorien des Parallelismus?
Sowohl bei der prästabilisierten Harmonie als auch beim Okkasionalismus fungiert ein allmächtiges Wesen (Gott) als notwendige Hintergrundannahme, um die scheinbare Koordination oder Interaktion zwischen Körper und Geist zu erklären.
- Quote paper
- Thomas Götz (Author), 2002, Eine Übersicht über die wichtigsten dualistischen Positionen im Leib-Seele-Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9946