Wie wichtig sind Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich? Analyse auf Basis der ersten und zweiten deutsche Bundesliga


Hausarbeit, 2019

108 Seiten, Note: 1,0


Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wer ist eigentlich Fan – Beschreibung der deutschen Fußball-Fankultur

3 Methodik

4 Bedeutung der Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich
4.1 Allgemeine Erkenntnisse
4.2 Fans in der ersten und zweiten Deutschen Bundesliga
4.3 Geisterspiele
4.4 Fans als Bestandteil des Fußballs

5 Zusammenfassung und Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Interesse an der Bundesliga von Frauen (l.) und Männern (r.) (vgl. ebd.)

Abbildung 2: Alter der Teilnehmenden (vgl. Anhang 3)

Abbildung 3: Gründe für den Stadionbesuch (vgl. Anhang 3.)

Abbildung 4: Bundesligaabbruch Saison 2019/20 (vgl. Anhang 3)

Abbildung 5: Wertschätzung seitens des DFB (vgl. Anhang 3)

1 Einleitung

Nachdem die Fußball-Bundesliga im März 2020 durch den Ausbruch des Coronavirus unterbrochen werden musste, folgte im Mai 2020 – ermöglicht durch ein Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) - der Restart der Bundesliga vor leeren Stadionrängen. Zum ersten Mal in der Historie der Bundesliga, standen der Erst- und Zweitliga-Meister, sowie Auf- und Absteiger erst Ende Juni fest. Auch die Übergabe der Meisterschale fand erstmals in der deutschen Fußball-Geschichte ohne Fans im Stadion statt. Die leeren Ränge hatten dabei nicht nur bei den Fans für Unmut gesorgt, auch Fußballspieler und -trainer äußerten sich teilweise kritisch zu den Geisterspielen. So sagte Alexander Schwolow, Torhüter des SC Freiburg, nach Abpfiff des ersten Geisterspiels: „Der Fußball lebt von den Fans und von den Menschen, die wir begeistern können. So fühlt es sich an wie ein besseres Testspiel. Das Aufwärmen hat sich angefühlt wie ein Training“ (Süddeutsche Zeitung 2020: Web). Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte vor Wiederaufnahme des Bundesligabetriebs zwar einerseits, dass er die Kritik der Fans an den Geisterspielen durchaus nachvollziehen könne, aber bekräftigte gleichzeitig auch: „Wenn wir die nächsten Monate nicht mehr spielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab“ (Focus 2020: Web).

Wie wichtig sind also Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich bezogen auf die erste und zweite deutsche Bundesliga? Dieser Forschungsfrage widmet sich die vorliegende Studienarbeit. Zur Beantwortung dieser wurde sowohl Literaturrecherche betrieben als auch eine Felduntersuchung durchgeführt. Im theoretischen Teil wird zuerst eine Beschreibung der deutschen Fußball-Fankultur erfolgen. Darauf aufbauend werden anschließend im zweiten Teil der Arbeit die Ergebnisse der Studie vorgestellt und unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert. Schließlich wird im Fazit eine Interpretation der Ergebnisse in Bezugnahme zur aktuellen Situation der Bundesliga erfolgen.1

2 Wer ist eigentlich Fan – Beschreibung der deutschen Fußball-Fankultur

Auf der ganzen Welt bezeichnen sich Menschen als Fans. Bei vielen Anhängern ist das Leben geprägt von der absoluten Unterstützung des eigenen Vereins. Um diesem ihre ganze Loyalität entgegen zu bringen, opfern sie viel Zeit und Geld. Fan zu werden ist eine bewusste Entscheidung, die häufig in jungen Jahren getroffen wird. Innerhalb der Fußball-Fankultur gibt es diverse Unterstützungsmöglichkeiten; oftmals finden sich Anhänger eines Vereins in Gruppen zusammen, zeigen Präsenz bei Heimspielen, fahren gemeinsam zu Auswärtsspielen und entwickeln Symbole und Rituale, welche die Zugehörigkeit zur Gruppe zum Ausdruck zu bringen (vgl. Institut für Fankultur (o. J.): Web).

Christoph Ruf widmet sich der Entwicklung der deutschen Fußball-Fankultur in seinem Buch „Kurven-Rebellen. Ultras – Eindrücke einer widersprüchlichen Szene“. Er stellt dar, dass die Stimmungslage der Fankurven innerhalb der deutschen Stadien von den späten Siebzigern bis in die Neunzigerjahre hinein von Hooligans geprägt war. Diese waren oftmals stark verbunden mit der rechten Szene in der jeweiligen Stadt. Die Hooligans haben durch die Entstehung der Ultra-Bewegung Mitte der Neunziger einen Bedeutungsverlust innerhalb der deutschen Fußball-Fankultur hinnehmen müssen (vgl. Ruf 2018: S. 138 f.). Zu diesem Zeitpunkt hat sich „Ultra“ zu einem feststehenden Begriff innerhalb der Fußball-Fankultur entwickelt (vgl. Ruf 2018: S. 15).

Als Ultra versteht sich, wer es zur Vollzeitbeschäftigung macht, Fan eines Vereins zu sein. Die Ultra-Szene in Deutschland ist - in Anlehnung an die italienische Fußball-Fankultur -Mitte der Neunzigerjahre entstanden. In Italien hatte sich schon in den frühen Sechzigerjahren eine farbenfrohere, kreativere und originellere Fußballkultur entwickelt. Die deutsche Fußball-Fanszene bestand spätestens ab Ende der Neunziger aus einer Vielzahl engagierter Jugendlicher, die über Transparente, Doppelstockhalter oder zentral gesteuerte Gesänge den Verein bei seinen Spielen unterstützte. Die Ultra-Bewegung wird auch heute noch als die größte jugendliche Subkultur innerhalb Deutschlands gesehen (vgl. Ruf 2018: S.14 ff.).

Derzeit wird in vielen deutschen Ultra-Szenen davon gesprochen, dass sich große Teile der Szene politisieren und zu Teilen klar links positionieren (vgl. Ruf 2018: S. 120 f.). Ruf zeichnet ein Bild, in dem Ultras in den großen Medien hauptsächlich als Stimmungsmacher oder Störenfriede wahrgenommen werden. Dass viele Ultra-Gruppen sich aber aktiv mit Thematiken wie Partizipation, Bürgerrechten und Diskriminierungsfreiheit auseinandersetzen und hierbei die Solidarität von Abertausenden erfahren, entgeht den bundesweiten Medien oftmals (vgl. Ruf 2018: S. 120 f.). Auch „unpolitische“ Gruppen äußern sich nun zu fußballpolitischen Themen mit Kampagnen „gegen den modernen Fußball“ oder „für fanfreundliche Anstoßzeiten“, aber die jahrelange Haltung, dass es im Fußball nicht um Politik geht, haftet der Szene weiterhin an (vgl. Ruf 2018: S. 120).

3 Methodik

Um die Bedeutung von Fans im Fußball quantitativ zu erforschen, wurde eine Studie mit dem Titel: „Wie wichtig sind Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich bezogen auf die erste und zweite deutsche Bundesliga?“ erstellt und durchgeführt.

Der Fragebogen war standardisiert und jede teilnehmende Person erhielt genau die gleichen Fragen. Dabei wurde der Fragebogen nicht subjektiv von der leitenden Person beeinflusst. Zuerst wurden die demographischen Daten der Teilnehmenden abgefragt. Daraufhin sollten die Befragten Angaben zu ihren eigenen Sportaktivitäten machen und im letzten Teil der Studie wurden die Teilnehmenden ausführlich zu den Fans in der ersten und zweiten deutschen Bundesliga befragt.

Die Feldstudie wurde online durchgeführt und war somit bundesweit abrufbar, um repräsentativ auf Deutschland schließen zu können. Sie erfolgte anonym und die Daten der Befragten wurden vertraulich behandelt. Den direkten Link zur Studie öffneten 1.621 Personen. An der Studie selbst nahmen 1.158 Personen teil – für die Auswertung wurden die ersten ausgefüllten 990 Fragebögen verwendet (vgl. Anhang 3). Vorab wurde angenommen, dass sich in Deutschland Personen jeden Alters für die erste und zweite deutsche Bundesliga interessieren. Dementsprechend waren alle Teilnehmenden zur Studie zugelassen. Für die Bearbeitung haben die Teilnehmer im Durchschnitt zwischen zwei und acht Minuten gebraucht (vgl. Anhang 2).

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt, um abschließend eine Theorie zur Forschungsfrage aufzustellen.

4 Bedeutung der Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich

4.1 Allgemeine Erkenntnisse

Fußball ist auch im Jahr 2020 die beliebteste Sportart in Deutschland. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse gaben 33,6 % der befragten Deutschen an, dass sie sich ganz besonders für Fußball interessieren (vgl. Statista 2020: Web). Dabei sind dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov zufolge von zehn Fußball-Fans in Deutschland sechs Männer und vier Frauen (Schneider 2019: Web). Dies spiegelt sich ebenfalls in der eigens durchgeführten Studie wider.

Von den 990 Teilnehmenden geben 76 % der Befragten an, dass sie sich für die Bundesliga interessieren, 14 % interessieren sich eher, 8 % eher nicht und 2 % interessieren sich nicht für die höchste deutsche Spielklasse. Verglichen dazu verteilt sich das Interesse für die zweite Bundesliga anders. 49 % geben an, dass sie sich für die zweite Bundesliga interessieren, 33 % interessieren sich eher, 15 % eher nicht und 3 % interessieren sich nicht für die zweite Bundesliga. Dabei waren von den Teilnehmenden 77 % männlich, 22 % weiblich und 1 % divers (vgl. Anhang 3). Aufgrund der niedrigen Anzahl diverser Teilnehmer wird in der Beschreibung der Ergebnisse hauptsächlich auf die Angaben männlicher und weiblicher Teilnehmenden eingegangen.

Die Studie zeigt deutlich, dass Frauen und Männer ein gleich stark ausgeprägtes Interesse an der Bundesliga haben. Von 214 Frauen, die teilgenommen haben, geben 164 an, dass sie sich für die Bundesliga interessieren. Von 767 Männern interessieren sich 589 für die Bundesliga (s. Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Interesse an der Bundesliga von Frauen (l.) und Männern (r.) (vgl. ebd.)

Auch bei dem Interesse an der zweiten Bundesliga zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. 46 % der Frauen geben an, dass sie sich für die zweite Bundesliga interessieren, 32 % interessieren sich eher, 19 % interessieren sich eher nicht und 3 % interessieren sich nicht für die die zweithöchste deutsche Spielklasse. Bei den männlichen Teilnehmenden antworteten 50 % mit ja, 34 % mit eher ja, 14 % mit eher nein und 2 % mit nein auf die Frage, ob sie sich für die zweite Bundesliga interessieren.

Die Studie war für Personen jeden Alters ausgewiesen. Das Altersspektrum dargestellt in Abbildung 2 veranschaulicht, dass es kaum Teilnehmende unter 18 Jahren gegeben hat. Mit knapp 20 % stammen die meisten Teilnehmenden aus der Altersgruppe 18-25; neben den unter 18-jährigen ist nur die Altersgruppe 46-50 mit unter 10 % vertreten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Alter der Teilnehmenden (vgl. Anhang 3)

Es zeigt sich, dass es bei den über 18-jährigen keine Altersgruppe gibt, in der sich die Befragten nicht für die Bundesliga oder die zweite Bundesliga interessieren (vgl. ebd.).

Eine breite Diversität der Teilnehmenden lässt sich auch aus dem jeweils höchsten Bildungsgrad ablesen: 2 % der Befragten haben einen Hauptschulabschluss, 6 % die mittlere Reife, 5 % die Fachhochschulreife, 22 % die allgemeine Hochschulreife, 16 % eine abgeschlossene Berufsausbildung, 17 % den Bachelor, 14 % den Master, 14 % das Diplom und 4 % eine Promotion. Aufgrund der aufgeschlüsselten Verteilung des jeweils höchsten Bildungsabschlusses der Teilnehmenden zeigt sich, dass das Interesse an der ersten und zweiten Bundesliga unabhängig vom Bildungsabschluss vorhanden ist. Diese Angaben spiegeln sich auch im aktuellen Beschäftigungsverhältnis der Befragten wider – hier war eine Mehrfachauswahl möglich: 57 % sind Vollzeitangestellt, 19 % sind Studierende, 10 % Teilzeitangestellt und 10 % Selbständige. Weitere Antworten der Befragten waren: Sonstiges (6 %), Auszubildende (2 %) und Schüler (1 %) (vgl. ebd.).

Für eine detaillierte Übersicht der geographischen Lage der Teilnehmenden wäre eine Abfrage der Postleitzahl sinnvoll gewesen.

Die Studie ergab außerdem, dass 24 % der Befragten aktives Mitglied in einem Sportverein, 35 % passives Mitglied, 8 % sowohl als auch und 33 % kein Mitglied sind.

4.2 Fans in der ersten und zweiten Deutschen Bundesliga

Von den 990 Befragten gaben 65 % an, dass sie Fan eines Vereins in der Bundesliga sind, 23 % sind Fans eines Vereins in der zweiten Bundesliga, 7 % von einem nationalen oder internationalen anderen Verein und lediglich 5 % sind kein Fan eines bestimmten Vereins. Zusammengerechnet bezeichnen sich folglich 95 % selbst als Fan eines Fußballvereins. Trotzdem sind mit 28 % nur ein geringer Teil der Befragten in einer offiziellen oder inoffiziellen Fangruppierung organisiert. Die Studienergebnisse machen deutlich, dass das Interesse der meisten Befragten an der ersten und zweiten Deutschen Bundesliga nicht auf einen Verein beschränkt ist. Auf die Frage, ob die Teilnehmenden ausschließlich Spiele ihres Vereins verfolgen, antworteten 85 % mit nein und 15 % mit ja (vgl. Anhang 3).

Dass sich 95 % der Befragten als Fans eines Vereins bezeichnen, wird auch in den Ergebnissen der Fragen zu Stadionbesuchen der Teilnehmenden bestätigt. 52 % gehen regelmäßig, 19 % eher regelmäßig, 19 % eher nicht regelmäßig und 10 % nicht ins Stadion. Da 72 % wegen eines bestimmten Vereins und 11 % eher wegen eines bestimmten Vereins ins Stadion gehen, verstärkt sich die Annahme, dass die Befragten aufgrund der Sympathie für einen Verein ins Stadion gehen (vgl. ebd.). Dies wird im weiteren Verlauf der Studie erneut bestätigt. Die Teilnehmenden sollten erläutern, warum sie ins Stadion gehen. 756 von 990 Befragten beantworten diese Frage. Von ihnen gehen 17 % wegen der sozialen Kontakte ins Stadion, 16 % wegen der Unterstützung des eigenen Vereins und 13 % aufgrund der Atmosphäre (s. Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gründe für den Stadionbesuch (vgl. Anhang 3.)

Des Weiteren sollte die Studie Ergebnisse darüber liefern, wie die Befragten Spiele der ersten und zweiten Bundesliga verfolgen. Die Befragten konnten bei dieser Frage mehrere Antworten auswählen. 972 Teilnehmende äußerten sich hierzu. Von ihnen gaben 64 % an, dass sie die erste und zweite Bundesliga über Stadionbesuche verfolgen, 56 % über Live-TV, 54 % über Live-Streaming, 45 % über Live-Ticker, 38 % über Highlights. 7 % haben die Frage mit Sonstigem beantwortet; hierbei geben die meisten an, dass sie die erste und zweite Bundesliga über Radioübertragung verfolgen (vgl. Anhang 2 & 3). Es ist anzunehmen, dass die 18 Personen, die sich zu dieser Frage nicht geäußert haben, die erste und zweite Bundesliga nicht verfolgen.

4.3 Geisterspiele

Aufgrund der andauernden Corona-Pandemie kam es in der Bundesligasaison 2019/20 ab dem 26. Spieltag zu Geisterspielen. Um die Resonanz auf diese näher analysieren zu können, wurden die Teilnehmenden zu ihrer Haltung gegenüber der Geisterspiele befragt. 34 % der Befragten stehen diesen negativ gegenüber, 35 % eher negativ, 22 % eher positiv, 9 % positiv. Damit ergibt sich, dass insgesamt 69 % der Teilnehmenden die Geisterspiele (eher) negativ betrachten.

Dies wirkt sich insbesondere auf das Fernseh-Erlebnis der Befragten aus. Nur 6 % sehen das Fernseh-Erlebnis während der Geisterspiele als positiv und 21 % als eher positiv. Dem gegenüber stehen 28 %, die das Fernseherlebnis als negativ und 43 % die es als eher negativ beschreiben. Bei dieser Frage machten 2 % keine Angaben (vgl. Anhang 2). Diese negative Haltung gegenüber Geisterspielen lässt vermuten, dass die Fans für die Befragten ein wichtiger Bestandteil des Fußballs sind.

Dies wird auch dadurch gestützt, dass die Atmosphäre für die Befragten ein zentraler Grund dafür ist, ins Stadion zu gehen (s. Abbildung 3). Um während der Geisterspiele die Stadionatmosphäre zu simulieren, haben sowohl der Pay-TV Sender Sky als auch der Streaming-Anbieter DAZN eine Übertragung der Bundesligaspiele mit eingespielten Fangesängen angeboten. Dieses Angebot wurde von den Befragten allerdings kaum genutzt. Nur 12 % geben an, dass sie die Übertragung mit der zusätzlichen Tonspur genutzt haben. 87 % nutzten dieses Angebot nicht und 1 % machte keine Angaben (vgl. Anhang 2).

Ein weniger einheitliches Bild zeigt sich bei der Frage, ob die Bundesligasaison 2019/20 hätte abgebrochen werden sollen, anstatt sie ohne Fans im Stadion fortzusetzen. 35 % haben die Frage mit ja beantwortet, 26 % mit eher ja, 21 % mit eher nein, 17 % mit nein und 1 % hat keine Angaben gemacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Bundesligaabbruch Saison 2019/20 (vgl. Anhang 3)

Hier zeigt sich, dass die Befragten - die zu einem Großteil selbst Fans der ersten und zweiten Deutschen Bundesliga sind – keine einheitliche Meinung haben. Zusammengefasst sind mit 61 % trotzdem mehr als die Hälfte (eher) für einen Bundesligaabbruch gewesen (vgl. ebd.).

Deutlicher wird die Haltung der Befragten gegenüber Geisterspielen bei der Frage, ob sie sich die deutsche Fußball-Bundesliga über die Corona-Pandemie hinaus ohne Fans im Stadion vorstellen können. Hier antworteten 70 % mit nein, 19 % mit eher nein und bloß 7 % mit eher ja und 4 % mit ja (vgl. ebd.).

4.4 Fans als Bestandteil des Fußballs

89 % der Teilnehmenden sehen Fans als einen elementaren Bestandteil im Fußball. Hinzukommen 7 %, die mit eher ja auf diese Frage geantwortet haben. Lediglich 4 % der Teilnehmenden sehen dies anders (vgl. Anhang 3).

Gleichzeitig sehen die Befragten das Problem, dass der Deutsche Fußball-Bund den Fans nicht genug Wertschätzung entgegenbringt. Zusammengerechnet sind 86 % (eher) der Meinung, dass es an der notwendigen Wertschätzung seitens des DFB mangelt. 8 % haben die Frage der Wertschätzung des DFB mit unentschieden beantwortet, 3 % mit eher ja, 2 % mit ja und 1 % hat keine Angaben gemacht (siehe Abbildung 5) (vgl. ebd).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Wertschätzung seitens des DFB (vgl. Anhang 3)

Für die Berücksichtigung von Faninteressen macht sich seit Beginn der Corona-Pandemie besonders die Initiative „Unser Fußball“ stark. Von den Befragten hatten 59 % zum Zeitpunkt der Studie Kenntnis von der Initiative; 41 % hatten nichts von der Initiative gehört. Teil der Initiative sind indes nur 22 % der Befragten. 64 % gaben an, dass sie nicht zu der Initiative gehören und 14 % machten keine Angaben (vgl. ebd.).

5 Zusammenfassung und Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein Großteil der Befragten für die deutsche Bundesliga interessiert. Hierbei wird deutlich, dass das Interesse an der Bundesliga höher ist als an der zweiten Bundesliga. Dass sich die Frauen, die an der Feldstudie teilgenommen haben, in gleichem Maße für Fußball interessieren wie die teilnehmenden Männer, bestätigt die Entwicklung der letzten Jahre. Der Fußball als letzte Männerdomäne beginnt sich weiter zu diversifizieren. Trotzdem haben weitaus mehr Männer als Frauen an der Studie teilgenommen. Es bleibt die Frage, ob aufgrund des Titels der Studie hauptsächlich Frauen teilgenommen haben, die ein grundsätzliches Interesse an dem Fußball-Sport haben. Weiterführend wäre interessant gewesen, ob die Ergebnisse, bei einer höheren Teilnahme von Frauen, die gleichen gewesen wären.

Die Studie macht außerdem deutlich, dass Fußball ein gesamtgesellschaftlicher Sport ist, der in allen Bildungsschichten, aber auch in allen Altersgruppen verfolgt wird. Obwohl wenig unter 18-jährige an der Studie teilgenommen haben, bleibt anzunehmen, dass auch hier das Interesse an der deutschen Bundesliga vorhanden ist.

Um sich der Beantwortung der Forschungsfrage zu nähern, ist es besonders interessant, dass mehr als die Hälfte der Befragten (eher) für einen Abbruch der Bundesligasaison 2019/20 gewesen wären. Hinzu kommt, dass sich ein Großteil der Befragten die deutsche Fußball-Bundesliga über die Corona-Pandemie hinaus nicht ohne Fans vorstellen kann. So zeigt die Studie deutlich, dass Fans für den Großteil der Befragten ein elementarer Bestandteil des Fußballs sind. Wichtig sind die Fans besonders für die Atmosphäre im Stadion, aber laut Ronny Blaschke ebenso für sportpolitische Positionierungen innerhalb der Fan-Kurven.

Die Mehrheit der Befragten bezeichnet sich selbst als Fan eines bestimmten – oftmals deutschen - Fußballvereins. Hier wäre es für die weiterführende Forschung interessant, welche Personen die Befragten als Fan bezeichnen. Viele der Teilnehmenden gehen trotz steigender Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs selbst ins Stadion, um ihren Verein zu unterstützen. Gleichzeitig sieht der Großteil von ihnen das Problem der mangelnden Wertschätzung durch Fußballverbände – speziell durch den DFB.

Da die Corona-Pandemie andauert und es weiter unklar ist, wie lange es bis zum Regulärbetrieb in den deutschen Stadien dauert, wäre es erforschenswert, inwieweit ein Gewöhnungseffekt an die Geisterspiele stattgefunden hat. Bezogen auf die aktuelle Entwicklung wäre es weiterführend interessant, wie die Befragten zur Rückkehr der Fans ins Stadion stehen. Da es in der aktuellen Saison inzwischen die ersten Spiele in der Bundesliga mit einer begrenzten Anzahl an Zuschauern im Stadion gegeben hat, wäre es außerdem erstrebenswert zu erfahren, wie die Befragten hierzu stehen.

Die Feldstudie hat bestätigt, dass es ein breites gesellschaftliches Interesse am deutschen Fußball gibt. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Attraktivität der Fernsehübertragungen durch die Geisterspiele abgenommen hat. Außerdem sind sich die Befragten einig, dass die Stadionatmosphäre nicht durch eingespielte Fangesänge simuliert werden kann, um das Produkt attraktiver zu machen. Es bleibt festzuhalten, dass Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich bezogen auf die erste und zweite deutsche Bundesliga elementar sind.

Literaturverzeichnis

Blaschke (2008): Versteckspieler: Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban 1. Aufl. Göttingen: Verlag die Werkstatt.

Focus Online (2020): BVB-Boss Watzke: Ohne Geisterspiele "säuft ganze Bundesliga ab". URL: https://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/coronakrise-bvb-boss-watzke-ohne-geisterspiele-saeuft-ganze-bundesliga-ab_id_11923922.html. (Abruf 09.08.2020).

Institut für Fankultur (o.J.): Institute of Fan Culture. URL: http://fankultur-institut.de/institute-of-fan-culture. (Abruf 09.08.2020).

Ruf, C. (2018): Kurven-Rebellen. Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene, 4. Aufl. Göttingen: Verlag Die Werkstatt.

Schneider, P. (2019): Fußball-Fans: Worin sich Frauen von Männern unterscheiden. URL: https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/brandindex-fussball-fans-worin-sich-frauen-von-maennern-unterscheiden/24193820.html. (Abruf 25.09.2020).

Statista (2020): Beliebteste Sportarten in Deutschland nach Interesse der Bevölkerung an dem Sport in den Jahren 2018 bis 2020. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171072/umfrage/sportarten-fuer-die-besonderes-interesse-besteht/. (Abruf 25.09.2020)

Süddeutsche Zeitung (2020): Stimmen zur Bundesliga. „Wir müssen uns alle ein bisschen anpassen“. URL: https://www.sueddeutsche.de/sport/stimmen-zur-bundesliga-wir-muessen-uns-alle-ein-bisschen-anpassen-1.4910093. (Abruf 09.08.2020)

Anhang

Anhang 1: Fragebogen

Demographische Angaben:

1. Wie alt bist du? (Zahlenfeld)

2. Welches Geschlecht hast du?
Männlich
Weiblich
Divers

3. Was ist der höchste Bildungsgrad, den du bis jetzt erlangt hast?
Hauptschulabschluss
Realabschluss / Mittlere Reife
Fachhochschulreife / Fachabitur
Allgemeine Hochschulreife / Abitur
Abgeschlossene Berufsausbildung
Bachelor
Master bzw. Magister
Diplom
Promotion

4. Bist du … (Mehrfachauswahl)
Schüler/in
Auszubildender
Studierender
Teilzeitangestellt
Vollzeitangestellt
Selbstständig
Sonstiges

Fragen zu Sportaktivitäten:

5. Treibst du in deiner Freizeit Sport?
Ja
Nein

6. Wenn ja: Was für Sport treibst du? (Mehrfachauswahl)
Fußball
Handball
Basketball
Schwimmen
Leichtathletik
Fitness
Sonstiges

7. Bist du Mitglied in einem Sportverein
Ja, aktives Mitglied
Ja, passives Mitglied
Sowohl als auch
Nein

Fragen zu Fans in der ersten und zweiten Deutschen Bundesliga

8. Interessierst du dich für die erste Deutsche Bundesliga
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

9. Interessierst du dich für die zweite Deutsche Bundesliga?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

10. Bist du Fan eines bestimmten Vereins?
Ja, in der Bundesliga
Ja, in der zweiten Bundesliga
Nein
Anderer Verein

11. Bist du Teil einer (offiziellen) Fangruppierung
Ja
Nein

12. Verfolgst du ausschließlich Spiele deines Vereins?
Ja
Nein

13. Verfolgst du Spiele anderer Vereine der ersten Bundesliga
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

14. Verfolgst du Spiele anderer Vereine der zweiten Bundesliga?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

15. Gehst du regelmäßig ins Stadion?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

16. Wenn ja: Gehst du wegen eines speziellen Vereins ins Stadion?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

17. Wenn ja: Begleitest du einen für dich speziellen Verein auch bei Auswärtsfahrten?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

18. Warum gehst du ins Stadion? (Textfrage)

19. Wie oft verfolgst du Spiele der ersten und zweiten Bundesliga im öffentlichen Raum?
Immer
Häufig
Selten
Nie

20. Wie oft verfolgst du Spiele der ersten und zweiten Bundesliga zu Hause?
Immer
Häufig
Selten
Nie

21. Verfolgst du Spiele der Bundesliga über … (Mehrfachauswahl)
Live-Ticker
Highlights
Live-TV
Live-Streaming
Stadion
Sonstiges

22. Wie stehst du zu den Geisterspielen in der Bundesliga aufgrund der Corona- Pandemie?
Positiv
Eher positiv
Eher negativ
Negativ

23. Warum stehst du (eher) positiv/negativ zu den Geisterspielen? (Textfrage)

24. Wie war dein Fernseh-Erlebnis der Geisterspiele nach der Corona-Pause?
Positiv
Eher positiv
Eher negativ
Negativ

25. Warum war dein Fernseh-Erlebnis (eher) positiv/negativ (Textfrage)

26. Hast du bei Sky/DAZN die Option der zusätzlichen Tonspur genutzt?
Ja
Nein

27. Hätte die aktuelle Bundesliga abgebrochen werden sollen, anstatt sie ohne Fans im Stadion fortzusetzen
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

28. Kannst du dir die deutsche Bundesliga über die Corona-Pandemie hinaus ohne Fans im Stadion vorstellen?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

29. Sind Fans für dich ein elementarer Bestandteil des Fußballs?
Ja
Eher ja
Eher nein
Nein

30. Hat die Corona-Krise dazu geführt, dass die Fans mehr Gehör gefunden haben?
Ja
Eher ja
Unentschieden
Eher nein
Nein

31. Bringt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Fans genug Wertschätzung entgegen?
Ja
Eher ja
Unentschieden
Eher nein
Nein

32. Hast du von der Initiative „Unser Fußball“ gehört?
Ja
Nein

33. Wenn ja: Bist du oder deine Fangruppe Teil der Initiative?
Ja
Nein

Anhang 2: Studienergebnisse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung personenspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

108 von 108 Seiten

Details

Titel
Wie wichtig sind Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich? Analyse auf Basis der ersten und zweiten deutsche Bundesliga
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
108
Katalognummer
V994782
ISBN (Buch)
9783346365606
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportjournalismus, Fußball, Bundesliga, Fans, Fußball-Fankultur
Arbeit zitieren
Josina Merle Anraad (Autor), 2019, Wie wichtig sind Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich? Analyse auf Basis der ersten und zweiten deutsche Bundesliga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994782

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wie wichtig sind Fans für das Produkt Fußball im Profi-Bereich? Analyse auf Basis der ersten und zweiten deutsche Bundesliga



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden