Das Potenzial der Bilderbücher zur Förderung des kreativen Schreibens am Beispiel des Bilderbuchs "Der Grüffelo"


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kreatives Schreiben
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Kreativität
2.1.2 Kreatives Schreiben
2.2 Bedeutung für den Deutschunterricht
2.3 Methoden

3. Das Bilderbuch Der Grüffelo
3.1 Inhalt
3.2 Aufbau

4. Unterrichtsentwurf
4.1 Grobe Planung der Unterrichtsreihe
4.2 Unterrichtssequenz Der Grüffelo
4.2.1 Didaktische Analyse
4.2.2 Zielsetzung der Unterrichtssequenz
4.2.3 Tabellarischer Verlaufsplan der Unterrichtssequenz

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lesen und Schreiben gehören zu den Schlüsselkompetenzen, die der Mensch benötigt, um sich im Alltag zu beteiligen und zu orientieren. Diese sind vorrangige Grundfertigkeiten, die einer erfolgreichen Schullaufbahn und Berufsausbildung zugrunde liegen. Heute spielt kreatives Schreiben nicht nur in der Schreibdidaktik der verschiedenen Schulfächer sondern auch an den Universitäten in verschiedenen Studiengängen sowie in diversen Berufsfeldern und der Wirtschaft eine wesentliche Rolle (vgl. Böttcher 2019a, 9). Daher wird in vielen Bereichen ein hohes Maß an Schreibfähigkeit verlangt.

Die Iglu-Studie im Dezember 2016 ergab, dass knapp 19 Prozent der Grundschüler funktionale Analphabeten sind. Zudem weist laut PISA-Studie die Schreib- und Lesekompetenz erhebliche Mängel auf. Daher besteht die Aufgabe des Deutschunterrichts vor allem darin, sprachliche Kompetenzen zu vermitteln, Kinder zu motivieren und durch das Lesen- und Schreibenlernen einen Zugang zu ihrer Umwelt zu schaffen.

Neue didaktische Ansätze zielen durch Entwicklung innovativer Methoden und Umstrukturierung des alten Deutschunterrichtes darauf ab, die Freude am Schreiben und an der kreativen sprachlichen Gestaltung zu wecken. Dies beginnt schon in der Grundschule. Um die Grundlagen der effektiven Weiterentwicklung des Schreibens zu schaffen, werden die neuen Formen des Schreibens bereits im Deutschunterricht der Grundschule eingeführt.

Viele Kinder haben Schwierigkeiten und Defizite beim Schreiben. Diese verursachen einerseits bestimmte Störungen, andererseits treten sie meist wegen des starken Leistungsdrucks oder Angst vor Kritik auf. Um diesen „Schreibblockaden“ und Problemen entgegen zu wirken, bietet kreatives Schreiben vielfältige Möglichkeiten.

Wegen ihrer vielfältigen Potenziale eignen sich Bilderbücher für den (Anfangs)Unterricht im Fach Deutsch der Grundschule an. Bilderbücher bieten den Kindern ersten Kontakt zum Medium Buch und ermöglichen ihnen einen ersten Zugang zu Literatur. Sie geben den Lesern durch das Zusammenspiel von Text und Bild genug Raum für Entdeckung und Interpretation. Außerdem lernen Kinder dadurch den Aufbau einer Geschichte und den schriftlichen Sprachstil kennen. Bilderbücher ermöglichen den kindlichen Lesern Erwerb und Entwicklung der Medienkompetenz und Herstellung einer Verbindung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache (Becker 2014; Schönauer-Schneider 2012).

Um das Schreiben in der Grundschule anzuregen bedarf es zunächst sogenannter Schreibanlässe. Diese können sehr vielfältig gestaltet sein. Wichtig dabei ist, dass sie die Fantasie der Kinder anregen und literarische Muster erkennbar machen. Daher eignen sich literarische Texte zu diesem Zweck besonders gut. Das Bilderbuch ist in der Kinderliteratur vor allem für den Anfangsunterricht besonders hervorzuheben (Vgl. Kretschmer 2010, 38).

Da kreatives Schreiben als eine Methode des Deutschunterrichts ein viel diskutiertes Thema und positiv bewertet ist, beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit mit der Umsetzung dieser Methode im Anfangsunterricht des Fachs Deutsch in der Grundschule. Dabei liegt der Fokus auf der Fragestellung „Welches Potenzial Bilderbücher zur Förderung kreativen Schreibens bieten“. Um die Frage beantworten zu können, werden zunächst die Begriffe „Kreativität“ und „kreatives Schreiben“ geklärt. Anschließend werden deren Bedeutung für den Deutschunterricht und die Methoden des kreativen Schreibens erörtert. Um die Fragestellung der Hausarbeit effektiver beantworten zu können, wird das Buch Der Grüffelo als konkretes Beispielmaterial im dritten Kapitel vorgestellt. Auf Grundlage des praktischen Teils und des ausgewählten Mediums wird im Anschluss eine Unterrichtsreihe mit inhaltlichem Bezug grob entworfen. Aus dieser wird eine Unterrichtsstunde mit dem Thema „Grüffelo“ konkret geplant. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem kreativen Schreiben. Zum Schluss wird die Fragestellung erneut diskutiert. Außerdem wird das Potenzial der Bilderbücher zur Einführung des kreativen Schreibens herausgearbeitet. Dies gilt als Fazit.

2. Kreatives Schreiben

2.1 Begriffsklärung

2.1.1 Kreativität

Kreativität ist eine Eigenschaft des menschlichen Denkens und Handels. Sie ermöglicht Menschen die biologisch vorbestimmte Natur durch eigenes Handeln und Beschaffung eigener Kultur zu ändern und zu ersetzten (vgl. Kruse 1997, 15; zit. n. Böttcher 2019a, 10).

Im gesellschaftlichen und globalen Kontext gehört Kreativität zu wesentlichen Merkmalen des Erfolgs. Kreativität ist jedoch ein schwer definierbarer Begriff. Laut dem Wörterbuch der Erziehung ist Kreativität die Bezeichnung sämtlicher Persönlichkeitszüge und gilt als eine Grundlage für produktive Leistung des Menschen (vgl. Wulf 1989, 347).

Kreativität lässt sich mit vielen weiteren Begriffen wie z. B. Innovativität, Spontanität, Fantasie, Produktivität und Inspiration in Verbindung bringen bzw. umschreiben. Dabei operieren eine Großzahl der Definitionen, Zielsetzungen sowie Merkmale des kreativen Schreibens mit diesen Begriffen (vgl. Böttcher 2019a, 10). Dabei werden diesem Begriff einige Definitionen zugeschrieben, die mehr oder weniger dem kreativen Schreiben entsprechen, diese werden im Folgenden kurz erwähnt.

Laut Pommerin ist Kreativität ein Persönlichkeitsmerkmal, das in jedem Menschen angelegt ist und kann somit bei allen Menschen gefördert werden (vgl. Pommerin 1996, 50; zit. n. ebd.).

Kreativität impliziert menschliches Denken und Handeln sowie deren Produkte. Wenn dieses Produkt oder der Weg, der dazu führt, neuartig und wertvoll ist, kann das Produkt als kreativ bezeichnet werden (vgl. Brodbeck 1995, 30; zit. n. ebd.).

Kreativ sein bedeutet also die Fähigkeit etwas Neues zu schaffen. Ein kreativer Mensch wächst über sich hinaus und beschreitet neue Wege. Kreativität bezieht sich jedoch nicht nur auf das neu geschaffene für die ganze Menschheit, sondern es ist auch ein individueller Prozess.

2.1.2 Kreatives Schreiben

Kreatives Schreiben bzw. kreativ-experimenteller Umgang mit der Sprache, ebenso wie dessen verschiedene Formen, sind in der Geschichte des Schreibens bis in die Antike zurückzuverfolgen (vgl. ebd. 11). Der Kreativitätsbegriff existiert schon seit den 70er-Jahren in der didaktischen Diskussion Deutschlands. Es gewann jedoch in den 80er-Jahren und über die weiteren Jahrzehnte sowohl in außerschulischen Bereichen als auch im schulischen Kontext an Popularität und entwickelte sich weiter (vgl. Spinner 1993, 17). Zu dieser besonderen Form des Schreibens gibt es in der Fachliteratur verschiedene Definitionen.

Schulte-Steinicke sieht das kreative Schreiben als eine Kulturtechnik, die in unserem Alltag verflochten ist. Alles, was über den mechanischen Akt des Schreibens hinausgeht zählt, laut Schulte-Steinicke zum kreativen Schreiben. Es handelt sich sowohl um Produktion neuer schriftlicher Inhalte als auch um alltägliche Verwendung der Schreibmittel (vgl. Schulte-Steinicke 1997, 42). Im Gegensatz dazu, hält Werder kreatives Schreiben für ein Mittel zur Entfaltung individueller Ausdrucksmöglichkeiten (vgl. Werder 1996, 23).

Der Schreibprozess ist dann kreativ, wenn das Produkt etwas Neuwertiges für das Individuum darstellt und ihm bei der Weoterentwicklung seiner Kommunikationsformen neue Zugänge öffnet. Kreatives Schreiben aktiviert die Fantasie und lässt damit etwas Neues entstehen (vgl. Spinner 1992, 21).

Kreatives Schreiben fördert Verständnis, Interpretation und Produktion von Texten. Diese Methode hat zweierlei Vorteile: Zum einen verschafft kreatives Schreiben dem eigenen kreativen Umgang mit Sprache einen stärkeren Stellenwert, zum anderem bietet es den Verfassern eine weitere Möglichkeit ihren Lernerfolg auf individuellere, kreative Weise zu entwickeln. Beim Verfassen eines produktiven Textes entwickelt der Autor seine Fähigkeiten weiter. Zudem greift er auf seine Erfahrungen zurück und bewertet sie.

Ein wichtiges Merkmal des kreativen Schreibens ist, dass es mehr als alle anderen Methoden persönliche Zugänge zum Schreiben schaffen kann. Damit entlastet es die Schüler*innen von dem Druck, den viele beim Schreiben erfahren (vgl. Spinner 1993, 21).

2.2 Bedeutung für den Deutschunterricht

Die Bildungsstandards und der Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen legen ein besonderes Augenmerk auf die Förderung sprachlicher Kompetenzen als einen wichtigen Baustein des Bildungsauftrags (vgl. KMK-Deutsch 2007, 6; Lehrplan NRW 2008, 23). Die Aufgabe des Deutschunterrichts in der Grundschule besteht darin, den Schüler*innen eine grundlegende sprachliche Bildung zu vermitteln, die ihnen in gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen handlungsfähiges Agieren ermöglicht (vgl. KMK-Deutsch 2007, 6).

Die Beherrschung der deutschen Sprache als Medium des Lernens liegt dem Schulerfolg und der weiteren Berufsausbildung zugrunde. Der Deutschunterricht zielt auf Ermutigung der Schüler*innen, auf das bewusste Sprachhandeln und dadurch auf das Erleben von Freude an der eigenen Textproduktion ab (vgl. KMK-Deutsch 2007, 7). Der Deutschunterricht der Grundschule dient der Entstehung der Grundlagen zur sprachlichen Kreativität und Ausdrucksfähigkeit (vgl. Lehrplan NRW 2008, 23).

Der komplexe Prozess der Textverfassung trägt zur sprachlich-geistigen Entwicklung der Schüler*innen bei, da sie einen Text langsam und überlegt schreiben. Sie können die Texte gemeinsam betrachten und sie ggf. erneut schreiben bzw. ergänzen (vgl. ebd.). Außerdem nehmen Schüler*innen durch das freie Schreiben die Schriftsprache nicht nur als ein Mittel zum Lernen, sondern auch als Werkzeug zum Kommunizieren und Festhalten von Gedanken und Gefühlen wahr.

In Bezug auf das Schreiben im Deutschunterricht müssen die Kompetenzerwartungen des Lehrplans sowie die individuellen Lernbedürfnisse der Schüler*innen gleichermaßen beachtet werden. Des Weiteren sind die individuellen und differenzierenden Lernangebote für deutschstämmige Kinder sowie Schüler*innen mit Deutsch als Zweitsprache zu bedenken. Lernarrangements mit offener Unterrichtsform und Freiarbeit können eine Mehrzahl dieser Aspekte abdecken. Solche Unterrichtspläne ermöglichen der Lehrkraft kreatives Schreiben, Schreibwerkstätten und Projekttage bzw. -wochen in den Unterricht zu integrieren. So entfaltet sich die Schreibfähigkeit jedes einzelnen Kindes. Außerdem entwickeln Schüler*innen dadurch individuelle Themenspektren.

Kreatives Schreiben ist also eine Effektive Methode des Deutschunterrichts, um das (literarische) Schreiben zu erlernen. Es fördert den Ausdrucks- und Mitteilungswillen der Kinder, indem es viele Möglichkeiten zum Schreibenlernen bietet.

2.3 Methoden

Ein wichtiger Bestandteil der Unterrichtsplanung ist die angemessene Methodenauswahl. Dabei ist der Unterrichtskontext im Zusammenspiel mit dem Ziel des Lernarrangements ein entscheidender Faktor. Kreatives Schreiben ermöglicht durch verschiedene Methoden, die zur Auswahl stehen, Schülergerechtigkeit und Lernorientierung. Diese kommen zum Einsatz, um die erwünschten allgemeinen und schriftlichen Kompetenzen durch Abbau von Schreibblockaden und Steigerung von Schreibmotivation zu vermitteln.

Um das freie Schreiben zu fördern, soll eine Verbindung zwischen dem bildhaften Denken und dem Schreibprozess hergestellt werden. Der Einsatz kreativer Schreibtechniken, die für kreatives Schreiben entwickelt wurden, dient zur Erreichung dieser Ziele im Deutschunterricht. Außerdem ermöglichen sie leistungsstarken sowie leistungsschwachen Kindern durch sinnhafte, ganzheitliche und individuelle Lernerfahrungen vielfältige Lernchancen. Dadurch wird eine Schreibhaltung geschaffen, die dem integrativen, fächerübergreifenden Lernen genügend Raum lässt (vgl. Böttcher 2019b, 21).

Die Methoden des kreativen Schreibens sind unter verschiedenen Aspekten zu kategorisieren. Im Folgenden wird die Klassifikation von Ingrid Böttcher in sechs Methodengruppen kurz vorgestellt, die für die Primar- und Sekundarstufe und den Unterricht in verschiedenen Fächern geeignet sind.

- Assoziatives Verfahren: Assoziative Verfahren basieren auf dem Fundus des Unterbewusstseins. Durch Vorgabe eines Leitfadens, eines Kernworts oder eines Themas sollen Gedanken, Vorstellungen, Ideen, Erinnerungen, Gerüche hervorgerufen und zum Schreiben benutzt werden. Alles, was die Schüler*innen schreiben ist möglich, erwünscht und erlaubt. Gleichzeitig sind assoziative Methoden auch strukturierend, denn sie geben bereits eine erste Gliederung für eine Idee oder einen Text vor (vgl. ebd. 24).
- Schreibspiele: Böttcher ordnet alle Formen von gemeinsamer Verfassung von Texten dieser Kategorie zu. Diese Technik soll den Einstieg in kreatives Schreiben erleichtern (vgl. ebd. 24).
- Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern: Kreatives Schreiben nach bestimmten Vorgaben arbeitet didaktisch und gezielt mit Grenzen und Spontanität. Diese lassen die Kreativität durch Begrenzungen und Anregungen entfalten und blühen. Diese Methode umschließt vier Typen von Vorgabemöglichkeiten:
- Inhaltliche Vorgaben (z. B. Thema, Satzanfang)
- Formale Kriterien (z. B. Akrostichon)
- Strukturelle Regeln (z. B. Elfchen)
- Literarische und textorientierte Muster (z. B. Rondell, Kurzroman)

Dieses Verfahren betont das Schreiben als Lerngegenstand. Im Vergleich zu assoziativen Verfahren verfügen Lernende durch diese Methode über neue Schreibtechniken und vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten (vgl. ebd. 25).

- Schreiben zu und nach (literarischen) Texten: Die Schreibtechniken dieser Gruppe sind produktions- und handlungsorientiert. Dadurch fördern sie gleichzeitig das kreative sowie das literarische Schreiben. Dabei werden (literarische) Texte als Anregung zum selbständigen Schreiben verwendet. Das kreative Schreiben beruht hier auf Imitation. Zum einen sind Regeln und Muster im Text vorgegeben, zum anderen regen die literarischen Texte den Schreiber dazu an, sich selbst in ähnlicher Weise auszudrücken, und auf fremde Wirklichkeiten und Perspektiven einzulassen.

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Details

Titel
Das Potenzial der Bilderbücher zur Förderung des kreativen Schreibens am Beispiel des Bilderbuchs "Der Grüffelo"
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V994963
ISBN (eBook)
9783346360458
ISBN (Buch)
9783346360465
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilderbuch, Literaturdidaktik, Sprachliche Grundbildung, Kreatives Schreiben, Der Grüffelo, Förderung des Schreibens, Schreibkompetenz, Grundschule
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Das Potenzial der Bilderbücher zur Förderung des kreativen Schreibens am Beispiel des Bilderbuchs "Der Grüffelo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994963

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