Bedingungen für Rechtsextremismus unter Jugendlichen in Ostdeutschland. Identifikation der Jugendkultur


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Rechtsextremismus?
2.1 Begriffserklärung und -abgrenzung
2.2 Rechtsextremismus und Jugend

3 Erklärungsansätze
3.1 Das Individualisierungstheorem
3.2 Die Theorie des autoritären Charakters

4 Auftreten von Rechtsextremismus in Ostdeutschland

5 Einflussfaktoren in der DDR
5.1 Erziehung und Jugend
5.2 Die Situation von Ausländern

6 Einflussfaktoren in Ostdeutschland nach der Wende
5.1 Das Beschäftigungsproblem
5.2 Propaganda rechtsextremistischer Parteien aus der BRD..

7 Fazit und Erkenntnisinteresse für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Zahlen rechtsextremistischer Gewalttaten in Deutschland steigen stetig an. Die Medien sind seit Jahren voll von Berichten über Angriffe auf Asylheime, neonazistische Aufmärsche und Wahlerfolge rechter Parteien. Spätestens seit dem Aufdecken der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ ist klar, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes zunehmend infrage gestellt wird. Rechtsextremismus ist somit in das Zentrum der öffentlichen Diskussion gerückt. Im Vergleich von West- und Ostdeutschland fällt dabei auf, dass rechtsextremistische Vorfälle in Ostdeutschland proportional gesehen deutlich häufiger vorkommen als in Westdeutschland. In allen fünf neuen Bundesländern ist die AFD stärker und radikaler als im Westen, allein in Sachsen war sie bei der Bundestagswahl 2017 die stärkste Kraft. Auch schlagen rechte Ressentiments in den neuen Ländern deutlich häufiger in Gewalt um. Darüber hinaus sind mehr als drei Viertel der rechtsextremistischen Gewalttäter Jugendliche. Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden die Frage nach den Bedingungen für Rechtsextremismus unter Jugendlichen in Ostdeutschland geklärt werden. Der Fokus liegt dabei auf Jugendlichen, wobei nicht vergessen werden darf, dass alle Bevölkerungsgruppen rechtsextremistisches Potential haben und sich Rechtsextremismus aus der Mitte der Gesellschaft speist. Es soll es vor allem um die historischen sowie aktuellen Umstände in Ostdeutschland gehen, welche zum verstärkten Auftreten rechtsextremistischer Taten führen können. Rechtsextremismus lässt sich als Jugendkultur identifizieren. Dort setzt die Soziale Arbeit an, indem sie präventiv mit Jugendlichen arbeitet. Um Rechtsextremismus unter Jugendlichen vorbeugen zu können, ist es wichtig die Ursachen zu kennen, welche mit dieser Arbeit geklärt werden sollen. Da Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor allem auf politischen und historischen Ursachen aufbaut, sollte die Soziale Arbeit präventiv politische und interkulturelle Bildungsarbeit leisten.

Eingangs wird das Phänomen des Rechtsextremismus allgemein, sowie speziell auf Jugend bezogen dargestellt. Daran anschließend werden zwei Erklärungsansätze vorgestellt, welche auf den Rechtsextremismus unter Jugendlichen in Ostdeutschland angewandt werden können. Es folgt eine kurze Skizzierung der Vorkommnisse rechtsextremistischer Taten unter Jugendlichen in Ostdeutschland, und anschließend einige ausgewählte Einflussfaktoren auf den jugendlichen Rechtsextremismus sowohl in der DDR als auch in Ostdeutschland nach der Wende. Die Arbeit schließt mit einem Fazit über die gewonnenen Erkenntnisse sowie das Interesse der Sozialen Arbeit daran.

2 Was ist Rechtsextremismus?

2.1 Begriffserklärung und -abgrenzung

Zu Beginn wird der Begriff Rechtsextremismus definiert und vom oft synonym verwandten Begriff Radikalisierung abgegrenzt, sowie einzelne Ideologieelemente erläutert. Rechtsextremismus in Deutschland setzt sich als Phänomen aus unterschiedlichen Ausprägungen rassistischer, chauvinistischer und antisemitischer Ideologien zusammen, wobei die Annahme herrscht, der Wert eines Menschen lasse sich über dessen Rasse, Nationalität oder Ethnie festlegen. Unter dem autoritären Staatsverständnis, welches den Staat mit der angestrebten ethnisch homogenen Bevölkerung als eine Einheit sieht, soll der Führer des Staates nach dem einheitlichen Willen der sogenannten „Volksgemeinschaft“ handeln (vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz 2018). Über die ideologische Ungleichheit hinaus akzeptieren Rechtsextremisten Gewalt als legitime Handlungsform um politische Ziele durchzusetzen und soziale Konflikte auszutragen. Um andere Menschen von ihrer Ideologie zu überzeugen, machen sie sich oft Verschwörungstheorien zunutze, die an Faschismus und den Nationalsozialismus anknüpfen (vgl. JUP Berlin 2015).

Während sich der Begriff Extremismus im wissenschaftlichen Kontext auf Demokratien bezieht, da Extremismus grundsätzlich als das Ablehnen der Werte und Regelungen eines demokratischen Verfassungsstaates zu verstehen ist, stellt Radikalisierung hingegen allgemein geltende Normen und Regeln infrage, die nicht zwingend auf politische Systeme bezogen sein müssen (vgl. Gaspar 2018, S. 35). Somit ist der Begriff „Rechtsradikalismus“ eine abgeschwächte Form des Rechtsextremismus, da er für die Bestrebungen gebraucht wird, die „mit nationalistischen, ethnozentrischen Denkmustern die politische und soziale Demokratie einschränken wollen“ (Engelbrecht 2008, S.19). „Neonazismus“ und „Neofaschismus“ wiederum sind nur eine Teilmenge des Rechtsextremismus, da diese durch besonders großen Fanatismus, sowie Traditionalismus und Militanz geprägt sind (vgl. Engelbrecht 2008, S.20). Im Folgenden wird der Begriff Rechtsextremismus als Oberbegriff verwendet.

2.2 Rechtsextremismus und Jugend

Da Jugendliche mit einer Mehrheit von über 75% den größten Anteil rechtsextremistischer Gewalttäter ausmachen, werden nun die Hintergründe dafür dargestellt. Neben dem geschlossenen rechtsextremistischen Weltbild gibt es auch den Rechtsextremismus, welcher durch bestimmte Verhaltensweisen geprägt ist und nicht direkt politisch zielgerichtet ist. Diese Form des Rechtsextremismus ist bewegungsförmig und wird vorrangig von Jugendlichen ausgelebt (vgl. Engelbrecht 2008, S.22). Jugendliche suchen häufig nach einer Form von Halt und einer kollektiven Identität, wodurch sie besonders anfällig für die Heilversprechen und die duale Weltsicht des Extremismus sind (vgl. Verfassungsschutz Sachsen 2014). Dieser Jugendkonflikthypothese zufolge liegen die Gründe für rechtsextremistische Taten dabei nicht zwingend in ideologischen Motiven, sondern innerhalb von Jugendsubkulturen. Dabei spielen Gruppenzwang, Männlichkeitsgefühl und Lust an Gewalt eine große Rolle. Die Jugendlichen gehören bestimmten Gruppierungen an, und führen ein von Partys und Drogen geprägtes Leben. Rechte Gewalt stellt dabei lediglich „eine Spielart der allgemeinen Jugendgewaltkriminalität mit typischen Konfliktkonstellationen in ihren Milieus“ (Logvinov 2017, S. 44f) dar. Die Jugendlichen führen die Taten innerhalb informeller Gruppen aus, agieren dabei kaum organisiert oder geplant, und fassen die Entschlüsse für Übergriffe spontan auf Feiern und bei Trinkgelagen (vgl. Engelbrecht 2008, S. 22f).

3 Erklärungsansätze

Es existieren verschiedene Erklärungstheorien für Rechtsextremismus, unter anderem soziologische, politologische sowie individualpsychologische Ansätze. Um die Hintergründe für Rechtsextremismus unter ostdeutschen Jugendlichen erklären zu können, sind der individualisierungstheoretische Ansatz und die Theorie vom autoritären Charakter von besonderer Bedeutung, und werden im Folgenden kurz dargestellt.

3.1 Das Individualisierungstheorem

Das Individualisierungstheorem nach Wilhelm Heitmeyer greift auf das soziologische Phänomen sogenannter „Individualisierungs-Schübe“ zurück, welche die sozialen Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung aufgrund der Industrialisierung thematisieren. Heitmeyer argumentiert dabei, dass diese Individualisierungs-Schübe sowie das Auflösen traditioneller Milieus gekoppelt mit Ideologieangeboten dazu führen, dass sich bei Jugendlichen rechtextreme Orientierungen entwickeln (vgl. Heitmeyer 1992, S.63). Heitmeyer sieht rechtsextremistische Orientierungen als eine Folge der Modernisierungs- und Individualisierungstendenzen. Im Zuge der Individualisierung wurden die Menschen aus den traditionellen Klassenstrukturen herausgelöst und sind auf sich selbst, sowie auf ihr eigenes Schicksal inklusive aller Chancen und Risiken gestellt (vgl. Engelbrecht 2008, S. 25f). Das durch die Individualisierung verursachte Auflösen von Traditionen sowie ein verstärktes Leistungsdenken lösen bei Jugendlichen Unsicherheiten und Konflikte aus, was sich in Orientierungslosigkeit, Vereinsamung und Hilflosigkeit äußert und auf die Jugendlichen bedrohlich wirkt. Heitmeyer zufolge löst dies die Suche nach Gewissheiten im Verhalten aus. Diese werden gefunden, indem Alltagserfahrungen so umgewandelt werden, dass sie an rechtsextremistische Einstellungen anschließen können. Dies geschieht bei der Suche nach Handlungssicherheiten, welche in den Stabilitätsversprechen rechtsextremistischer Konzepte gefunden werden, sowie das Umformen von Ohnmachtserfahrungen in die Akzeptanz von Gewalt, als auch die Suche nach Zugehörigkeit welche in rechtsextremistischen Gruppen durch das Überlegenheitsgefühl und die nationale Zugehörigkeit gegeben ist (vgl. Engelbrecht 2008, S.27).

3.2 Die Theorie des autoritären Charakters

Neben dem Individualisierungstheorem versucht auch die Theorie des autoritären Charakters, welche auf die Soziologen der Frankfurter Schule zurückgeht, Rechtsextremismus unter Jugendlichen zu erklären. Sie besagt, dass Menschen mit einer autoritären Persönlichkeit eher geschlossene rechtsextreme Ideologien aufweisen. Eine autoritäre Persönlichkeit ist dabei sowohl dadurch gekennzeichnet, dass sie sich Mächtigeren unterwirft als auch dadurch, dass sie ihre Überlegenheit Schwächeren gegenüber ausübt (vgl. Winkler 2001, S.51). Die Theoretiker gehen davon aus, dass ein autoritärer Charakter auf der Erziehung in einer vom Vater dominierten Familie beruht. Damit läge der Ursprung für Rechtsextremismus in der kindlichen Sozialisation, die durch ein autoritäres, vaterdominantes Familienmilieu und den daraus folgenden Vorurteilen gegenüber ethnischen Minderheiten sowie die Neigung zu körperlicher Gewalt geprägt ist. Diese Theorie hat vor allem für Rechtsextremismus in der DDR und damit den neuen Bundesländern größere Bedeutung, da dort ein autoritäres sozialistisches System, welches durch Disziplinierung und Bürokratisierung geprägt war, vorherrschte (vgl. Engelbrecht 2008, S.29f). Darüber hinaus besagt die Theorie, dass sich Menschen in Krisensituationen an Sicherheit bietende Instanzen wenden, welche dann im Zuge der Schutzsuche zu Autoritäten werden. Menschen wenden sich in Krisen also freiwillig an Autoritäten, wenn ihre Konfliktbewältigungspotentiale nicht ausreichen. Daraus ließe sich schließen, dass die Jugendlichen der DDR in der Krisensituation der Modernisierung und Individualisierung mit ihren angeeigneten Konfliktbewältigungspotentialen überfordert waren und folglich in rechtsextremistischen Gruppen nach Sicherheit und Orientierung suchten (vgl. Engelbrecht 2008, S.31).

4 Auftreten von jugendlichem Rechtsextremismus in Ostdeutschland

Bevor auf die verschiedenen Einflussfaktoren für das Auftreten von Rechtsextremismus unter Jugendlichen eingegangen wird, wird vorerst kurz das Vorkommnis rechtsextremistischer Taten in Ostdeutschland skizziert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bedingungen für Rechtsextremismus unter Jugendlichen in Ostdeutschland. Identifikation der Jugendkultur
Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V995046
ISBN (eBook)
9783346365934
ISBN (Buch)
9783346365941
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedingungen, rechtsextremismus, jugendlichen, ostdeutschland, identifikation, jugendkultur
Arbeit zitieren
Victoria Recht (Autor:in), 2020, Bedingungen für Rechtsextremismus unter Jugendlichen in Ostdeutschland. Identifikation der Jugendkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995046

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