Credit Default Swap. Wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Aspekte


Seminararbeit, 2021

31 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG

2. KREDITDERIVATE
2.1. Kredit und Kreditrisiko
2.2. Grundlagen derivativer Kreditinstrumente
2.3. Entstehung von Kreditderivaten und deren Markt
2.4. Die wichtigsten AusprAgungsformen von Kreditderivaten

3. CREDIT DEFAULT SWAP (CDS) - BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE ASPEKTE
3.1. Definition und Überblick
3.2. Marktteilnehmer
3.3. Credit Events
3.4. Physical Settlement vs Cash Settlement
3.5. Preisbestimmung (Bewertung) bei CDS
3.6. Einheitliche Rahmenbedingungen fUr den Handel mit CDS (ISDA- Standardverträge)
3.7. Die Leerverkaufsverordnung der EU (2012)

4. CREDIT DEFAULT SWAP - UNTERNEHMENSRECHTLICHE BEHANDLUNG
4.1. Gesetzliche Grundlagen fUr die unternehmensrechtliche Behandlung von Kreditderivaten
4.2. Bilanzierung des CDS als Garantie
4.2.1. Bilanzierung durch den Sicherungsnehmer
4.2.2. Bilanzierung durch den Sicherungsgeber
4.3. Bilanzierung des CDS als Option

5. CREDIT DEFAULT SWAP - STEUERRECHTLICHE BEHANDLUNG
5.1. Der CDS als Garantie - Steuerrechtliche Behandlung
5.2. Der CDS als Option - Steuerrechtliche Behandlung

6. FAZIT

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Der Credit Default Swap (CDS) stellt mittlerweile eines der bekanntesten Kreditderivate am Finanzmarkt dar. Mitverantwortlich für dessen Bekanntheit war unter anderem der Ausbruch der Finanzkrise 2008. Im Rahmen dieser Krise wurden Kreditausfallversicherungen oft in einem Atemzug mit den finanziellen Schwierigkeiten manch europäischer Staaten genannt.1 Aus dieser spannenden Ausgangslage heraus versucht diese Arbeit sowohl betriebswirtschaftliche als auch steuerrechtliche Aspekte des Credit Default Swap zu beleuchten. Der Fokus richtet sich zunächst auf Kreditderivate allgemein, zu deren Familie der CDS gehört. Es wird auf Kredite und das Kreditrisiko eingegangen, danach stellt die Arbeit die Grundlagen derivativer Kreditinstrumente vor. Anschließend wandert der Blick auf den stark wachsenden Markt derivatver Finanzprodukte und dessen Entstehung. Das zweite Kapitel endet mit einer Vorstellung der wichtigsten Ausprägungsformen von Kreditderivaten. Das dritte Kapitel widmet sich dem CDS selbst. Es werden zu Beginn die Marktteilnehmer vorgestellt und die einzelnen Credit Events näher erläutert. Der Unterscheidung von physischem und barem Ausgleich im Kreditfall folgt ein kurzer Blick zu den Möglichkeiten der Preisbestimmung beim CDS. Die für den Aufschwung des CDS mitverantwortlichen ISDA- Standardverträge werden in Kapitel 3.6 untersucht und im Anschluss wird auf die Leerverkaufsverordnung der EU aus dem Jahr 2012 eingegangen. Um die Überleitung zur steuerlichen Behandlung des CDS zu schaffen, werden in Kapitel 4 die unternehmensrechtlichen Grundsätze zur Bilanzierung von Kreditderivaten (im speziellen des CDS) vorgestellt. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf die maßgebliche Unterscheidung zwischen der Bilanzierung des CDS als Garantie bzw. als Option gelegt. Dieser Gliederung schließt sich das fünfte Kapitel an, in welchem weiterhin der Fokus auf die steuerrechtliche Behandlung des CDS als Garantie bzw als Option gelegt wird. Abschließend wird die Arbeit mit einem Fazit zu den wichtigsten ausgearbeiteten Aspekten abgerundet.

2 Kreditderivate

2.1. Kredit und Kreditrisiko

Als Kredit kann das Vertrauen in eine bestimmte Person bzw. Unternehmer (Kreditnehmer) gesehen werden, eine vom Kreditgeber zur Verfügung gestellte Leistung in einem gewissen Zeitpunkt wie vereinbart zurückzugeben. Für den Vertrauensvorschuss erhält der Kreditgeber naturgemäß eine Gegenleistung vom Kreditnehmer.2 Dieser Vertrauensvorschuss durch den Kreditgeber ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Es besteht die Möglichkeit, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen gar nicht oder nur zu einem gewissen Teil nachkommen kann. Die Recovery-Rate beschreibt dabei jenen Prozentsatz der nominalen Forderung, der noch erfüllt werden kann. Im unternehmerischen Bereich wird versucht dieses Kreditrisiko durch eine geeignete Risikopolitik zu minimieren.3 Wird dieses Kreditrisiko an Dritte weitergegeben, spricht man von einem Kreditrisikotransfer. Schon vor der Zeit der Kreditderivate gab es Möglichkeiten, dieses Risiko zu transferieren. Hier können die klassische Kreditversicherung und das Verfahren der Kreditsyndizierung erwähnt werden. Bei der Kreditsyndizierung wird ein Kredit auf mehrere Kreditgeber aufgeteilt. Einer oder mehrere Kreditgeber treten dabei als Konsortialführer auf, dh sie übernehmen die Organisation und Abwicklung des Kreditgeschäfts. Der Vorteil einer solchen Syndizierung liegt einerseits in der Aufteilung des Ausfallrisikos auf mehrere Gläubiger und andererseits in der Möglichkeit, sehr große Kredite zu vergeben.4

2.2. Grundlagen derivativer Kreditinstrumente

Es liegt einem Gläubiger nahe, sich gegen das eben erwähnte Ausfallrisiko zu schützen. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, dieses Risiko auf Dritte zu übertragen.5 Kreditderivate sind Produkte, welche zum Transfer des Kreditrisikos geeignet sind. Das Kreditrisiko wird dabei vom Sicherungsnehmer auf einen Sicherungsgeber übertragen. Die ursprüngliche Kreditbeziehung des Sicherungsnehmers wird dabei nicht verändert. Der Wert dieser derivativen Finanzkontrakte hängt von der Bonität des Kreditnehmers bzw. bei einer Anleihe von der Bonität des Emittenten ab. Es entsteht hier also die Möglichkeit, das Bonitätsrisiko vom originären Geschäft abzukoppeln. Die Risikokomponente wird folglich eigenständig handelbar. Die Wertentwicklung von Kreditderivaten ist somit nicht von Zins-, Preis- oder Wechselkursrisiken des Basisinstruments abhängig, wie dies bei klassischen derivativen Finanzinstrumenten der Fall ist, sondern an das Kreditrisiko des Basisinstruments geknüpft.6 Es liegt hier der Vergleich zu einer klassischen Garantie oder Versicherung nahe. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede, vor allem im Bereich der Abwicklung bei einem Kreditereignis, der Bilanzierung und dem Nachweis des Schadenfalls.7 Mithilfe eines Kreditderivates kann nur das Kreditrisiko isoliert und transferiert werden.8 Bei Kreditderivaten wird im Gegensatz zu einer klassischen Kreditversicherung der Kapitalmarkt in Anspruch genommen.9

Die Laufzeit eines Kreditderivats variiert zwischen ein und fünf Jahren, kann sich aber in manchen Fällen auch über die gesamte Laufzeit des Referenztitels erstrecken.10 Als Referenzaktivum bei einem Kreditderivat können einzeln identifizierte Anleihen und Kredite dienen. Allerdings beschränken sich Kreditderivate nicht auf einzelne Aktiva, auch Portfolios aus Kreditinstrumenten oder Indizes, welche ein Kollektiv von Kreditrisiken erfassen, kommen in Frage. Kreditderivate können somit das Kreditrisiko „ganz oder teilweise für die gesamte Laufzeit oder einen Laufzeitabschnitt der Kredite auch dann separieren und transferierbar machen, wenn die Kreditposition selbst völlig illiquide ist“.11 Zusammenfassend können drei Hauptgründe für den Einsatz derivativer Finanzinstrumente ausgemacht werden. Der Investor kann damit das Risikoprofil seines Portfolios einfach (geringe Transaktionskosten) und schnell anpassen. Das heißt, Derivate können zur Risikoabsicherung genutzt werden, oder aber zur gezielten Übernahme von Risiken bzw. können mit Derivaten Preisdifferenzen ausgenutzt werden.12

Eine erstmalige offizielle Erwähnung des Begriffs des Kreditderivates erfolgte 1992 auf der INTERNATIONAL SWAP DEALERS ASSOCIATION Konferenz. Dies war sogleich der Startschuss für OTC (Over the Counter)- Derivate, mit denen man Kreditrisiken transferieren konnte. Anfangs entwickelte sich der Markt für solche Derivate nur schleppend. Die Gründe dafür waren einerseits ein Mangel an akzeptierten Bewertungsmodellen, andererseits gab es Defizite bei der standardisierten Dokumentation sowie einer rechtlichen Regulierung.13

Eine Mischform aus Zins-Swap und festverzinslicher Anleihe bildete schon in den 1980er Jahren der sogenannte Asset-Swap. Dieser kann als Vorgänger heutiger Kreditderivate angesehen werden. 1991 gab Bankers Trust eine Collateralised Bond Obligation mit eingebauter Credit Default-Option aus und gilt seither als erster Anwender. Im Laufe der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts erlebte der Kreditderivatemarkt einen erheblichen Aufschwung, welcher auch mit der Asienkrise (1997) und der Russlandkrise (1998) in Verbindung gebracht wird. Alleine in einem Zeitraum von nur fünf Jahren (1997-2002) verzehnfachte sich das Volumen des Marktes für Kreditderivate.14 1999 veröffentlichte die ISDA erstmals ihre „Credit Derivatives Definitions“ und trug damit wesentlich zum rasanten Wachstum des Marktes bei, indem sie einheitliche Rahmenbedingungen für Verträge mit Kreditderivaten schuf.15

Selbst zu Beginn der Finanzkrise (2007) wurden CDS als Anhaltspunkte für Preisinformationen herangezogen. Allerdings stellte sich bald darauf heraus, dass der Handel und die Abwicklung der Kreditausfallversicherungen große Schwächen aufwies. Gerade der hauptsächlich außerbörsliche Handel (Over The Counter - OTC) dieser Instrumente machte es für die Regulatoren schwer festzustellen, in welchem Volumen die Marktteilnehmer in CDS Kontrakten involviert waren.16 Für deutsche Banken konnten erst Ende der 1990er Jahre beachtliche Volumina im Handel mit Kreditderivaten festgestellt werden. Allerdings gab es danach ein rasantes Wachstum. Im Herbst 2003 hatten die zehn aktivsten deutschen Institute einen Gesamtumfang im Bereich der Kreditderivate von EUR 566 Mrd. Der Credit Default

Swap dominierte hier mit einem Anteil von knapp 90%.17 Mittlerweile steht es beinahe jedem Anleihegläubiger eines international etablierten Emittenten offen, eine zumindest partielle Kreditversicherung abzuschließen.18

2.4. Die wichtigsten Ausprägungsformen von Kreditderivaten

- Credit Default Swap (CDS) (nähere Ausführungen in den folgenden Kapiteln)
- Total Return Swap (TRS) - Bei dieser Form überträgt der Sicherungsnehmer die gesamten wirtschaftlichen Erträge eines Referenztitels auf den Risikoübernehmer. Die Erträge (Zinszahlungen, Marktwertsteigerungen) leitet der Kreditrisikoverkäufer periodisch bzw. am Ende der Laufzeit an den Risikokäufer weiter. Bei Kursverlusten des Referenztitels hingegen erhält der Risikoverkäufer mögliche Marktwertminderungen und einen (variablen) Zinssatz, welcher den synthetischen Refinanzierungskosten entspricht. Der Total Return Swap schütz also „unabhängig vom Eintritt bestimmter Kreditereignisse gegen Wertminderung des Referenztitels“.19
- Credit Linked Notes (CLN) - Bei der CLN wird wie beim Credit Default Swap das Ausfallrisiko transferiert. Ein Kreditderivat wird mit einer Anleihe kombiniert. Der Investor übernimmt bei der Credit Linked Note gleich zwei Risiken. Zum einen das Ausfallrisiko des Emittenten der Anleihe, zum anderen auch das Ausfallrisiko eines Referenzkredits. Durch die Übernahme eines zusätzlichen Risikos erhält der Sicherungsgeber einen Renditeaufschlag. Der Vorteil einer Credit Linked Note liegt im Vergleich zu anderen Kreditderivaten in der Bilanzwirksamkeit. Manche Investoren sind nicht berechtigt, bilanzunwirksame Geschäfte zu tätigen. Für diese Gruppe bildet die Credit Linked Note eine Möglichkeit, am Kreditderivatemarkt teilzunehmen.20
- Credit Spread Option (CSO) - Mit einer Credit Spread Option ist es möglich, sich nicht nur gegen Kreditausfälle sondern auch gegen das Risiko einer Veränderung der Zinsspanne (Spread) abzusichern. Mit der CSO erhält der Erwerber das Recht zur Optionsausübung. Er hat nun die Möglichkeit den Credit Spread zu einem bestimmten Preis (Spread) zu kaufen (call) bzw. zu verkaufen (put). Für die Einräumung dieser

Optionsrechte zahlt der Erwerber dem Verkäufer eine Prämie.21 Solche Optionskontrakte können verschiedene Ausgestaltungsformen haben. Bei der europäischen Form ist die Ausübung nur zu Laufzeitende möglich, während die amerikanische Ausprägung die Ausübung jederzeit zulässt.22

Wurz teilt die Kreditderivate in solche im engeren Sinn und in hybride Produkte ein. Zur ersten Gruppe gehören der CDS, der TRS und die CSO. Die CLN ordnet Wurz der Gruppe der hybriden Produkte zu, denn hier wird eine Anleihe mit einem Kreditderivat verbunden.23

3, Credit Default Swap (CDS) - Betriebswirtschaftliche Aspekte

3.1. Definition und Überblick

Der CDS ist das populärste und meistgehandelte Kreditderivat weltweit.24 Gut zwei Drittel aller gehandelten Kreditderivate sind CDS.25 Bei einem Credit Default Swap wird das Ausfallrisiko eines Referenzschuldners vom Sicherungsnehmer („protection buyer“) an den Sicherungsgeber („protection seller“) übertragen. Als Referenzschuldner tritt normalerweise ein Staat oder ein größeres Unternehmen auf. Dieser Referenzschuldner wird allerdings in den meisten Fällen nicht selbst Vertragspartei des CDS.26 Der Sicherungsnehmer zahlt eine meist periodische Prämie an den Sicherungsgeber. Diese Prämie wird auch CDS-Spread genannt. Der Spread wird in Basispunkten der Nominale per annum ausgedrückt. Eine Prämie von 200 Basispunkten bedeutet bei einem Kontraktvolumen von 5 Millionen € eine jährliche Zahlung iHv EUR 100.000.27 Eine Leistung aus dem Credit Default Swap wird nur dann ausgelöst, wenn eines oder mehrere vorher festgelegt Kreditereignisse (Credit Events) stattfinden. Diese Leistung kann entweder die Form eines Barausgleichs annehmen oder aber in einer physischen Lieferung bestehen.28 Das Besondere am CDS ist, dass bei der Übertragung des Ausfallrisikos nicht der Kreditrückzahlungsanspruch an sich abgetreten wird, sondern nur das Ausfallrisiko getauscht wird. Wenn nur das Risiko übertragen wird, nicht aber der Anspruch selbst, spricht man von einer synthetischen Übertragung.29

Der Einsatz von CDS kann mehrere Beweggründe haben. Für das Geschäft der Kreditvergabe müssen Banken gewisse Mindestreserven halten. Diese Reserven tragen wenig zur Rendite der Banken bei und werden daher eher niedrig gehalten. Wird allerdings ein Kredit mit einem CDS abgesichert, ist dieser Kredit de facto risikolos. Daher muss für den abgesicherten Kredit keine Reserve zur Verfügung gestellt werden, womit der Ertrag der Bank steigt. Ein weiterer Grund für CDS kann Arbitrage sein. Geht es dem Unternehmen schlecht, fallen die Aktienkurse. Da allerdings gleichzeitig das Insolvenzrisiko des Unternehmens steigt, steigen auch die CDS- Kurse. So sichern Banken ua ihr Wertpapierportfolio gegen Verluste ab.30 Ein weiterer Vorteil für Banken ist, dass diese Kreditrisiken von Kunden verkaufen kann, ohne dafür das Einverständnis des Kunden zu benötigen.31

Als besonders gefährlich stuft Kreuzer den „Ugly CDS“ ein. Jeder CDS hat einen Marktwert und kann somit jederzeit an Dritte verkauft werden. Der Abschluss eines CDS erfordert nicht wirklich viel, es muss nur das Versprechen gegeben werden, bei einem Kreditereignis zu leisten. Oft wird zwischen einander vertrauten Unternehmen sogar auf eine bei Vertragsabschluss übliche Sicherheitsleistung verzichtet. Es ist somit möglich, für ein Kreditgeschäft mehrere CDS-Verträge einzugehen, die letztlich aber gar nichts mehr mit einer Kreditausfallversicherung zu tun haben. Im Endeffekt können somit zwei Parteien miteinander wetten, dass eine dritte Partei zahlungsunfähig wird, ohne mit dieser Dritten Partei in einem konkreten Vertrags- oder Kreditverhältnis zu stehen. Bei tatsächlichem Zahlungsausfall der Dritten Partei erhält der Sicherungsnehmer vom Sicherungsgeber eine Ausgleichszahlung, obwohl ihm kein realer Schaden entstanden ist. Der Spielraum für Spekulationen rund um den CDS ist somit ein sehr großer und gefährlicher.32

3.2. Marktteilnehmer

Der Kreditderivate-Markt ist ein Markt, welcher zumeist von hoch spezialisierten Teilnehmern genutzt wird. Unangefochten an der Spitze stehen die Banken. Sie bilden sowohl in der Rubrik der Sicherungsgeber als auch bei den Sicherungsnehmern die größte Gruppe. Auch Hedge Fonds nutzen das Potential von Kreditderivaten in besonderem Ausmaß. Alleine zwischen den Jahren 2004 und 2006 hat sich ihr Marktanteil verdoppelt und machte im Jahr 2006 insgesamt ein Drittel aus. Die vermehrte Einflussnahme von Hedge Fonds auf den Kreditderivate-Markt hatte einige Auswirkungen auf den gesamten Markt. So wurde die Liquidit ät des gesamten Marktes stark erhöht, zugleich nahm auch die Nachfrage nach höheren Kreditrisiken zu.33 Die Möglichkeit, das Kreditrisiko separat handeln zu können, bringt für die Banken entscheidende Vorteile mit sich. Große Banken, die viele Kredite an einzelne Großunternehmen vergeben, können dadurch das Ausfallrisiko absichern, verteilen und auslagern. Für kleine Banken, die keinen Zugang zu der guten Bonität internationaler Großkunden haben, ergibt sich die Möglichkeit, durch den Verkauf von CDS ihr Kreditportfolio breiter zu streuen. Auch hier wird das Risiko dadurch besser über den Kapitalmarkt verteilt, zusätzlich können dadurch Kreditausfälle besser verkraftet werden.34 Der CDS wird zumeist außerbörslich gehandelt, was einerseits den Vorteil der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringt, andererseits eine geringere Handelbarkeit und Transparenz der Kontrakte zur Folge hat.35

3.3. Credit Events

Wird ein CDS-Vertrag aufgesetzt, so werden in der Regel mehrere Kreditereignisse mit einbezogen, um den Ausfall des Referenzaktivums möglichst umfangreich abzusichern. Zur Bestimmung, ob ein bestimmtes Kreditereignis eingetreten ist, kann vereinbart werden, dass die Information über das Kreditereignis öffentlich verfügbar sein muss (Publicly Available Information). Ein Kreditereignis kann auch ausgelöst werden, wenn der Wertverlust des Nennwerts des Referenzaktivums einen gewissen Prozentsatz überschreitet.36

Die Höhe der Prämie, die der Sicherungsgeber zu leisten hat, hängt von der Definition der Kreditereignisse bei Vertragsschluss ab. Umso mehr Credit Events in den Vertrag mit einbezogen werden, desto höher wird naturgemäß die Prämie sein.37 Auch eine geringere Anzahl an Beschränkungen hinsichtlich der lieferbaren Titel (im Fall des Physical Settlements) hat einen höheren CDS-Spread zur Folge.38 Grundsätzlich definiert ein Kreditereignis den Auslöser für eine mögliche Kompensationszahlung. Als Credit Events für Kreditderivate kommen zunächst die gängigen Ereignisse wie die Insolvenz des Kreditnehmers, das Ausbleiben von Zinszahlungen oder das Erreichen einer bestimmten Ratingverschlechterung in Betracht. Weitere mögliche Credit Events sind allerdings auch Fusionen oder Restrukturierungsmaßnahmen. Die meisten Verträge über Kreditderivate stützen sich auf das ISDA Master Agreement. Diese Vereinbarung baut seit 2003 auf sechs sogenannten Trigger Events (Auslöser) auf:

- Die Insolvenz des Referenzschuldner
- Die vorzeitige Fälligkeit einer Verbindlichkeit (weil daraus ein Verzug mit anderen Pflichten aus der Referenzschuld entstehen kann)
- Verbindlichkeitsverzug - Hier kann wie bei der vorzeitigen Fälligkeit das Referenzaktivum vorzeitig fällig gestellt werden
- Nichtzahlung - Es werden keine Zins- und Tilgungszahlungen für eine oder mehrere Verbindlichkeiten nach Ablauf einer bestimmten Frist geleistet
- Nichtanerkennung/Zahlungseinstellung - Die Zahlung für Verbindlichkeiten staatlicher Schuldner wird eingestellt oder diese Verbindlichkeiten werden für ungültig erklärt
- Restrukturierung

Um mögliche Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, werden die Credit Events leicht überprüfbar und nicht zu breit definiert gehalten. Es ist durchaus möglich, dass das Kreditderivat aus einem Korb von Krediten besteht, dann kann sowohl der Ausfall eines einzigen Referenzschuldners oder eine Kombination von Tatbeständen als Auslöser vereinbart werden.39

[...]


1 Vgl Dornauer, Daniel/Mestel, Roland, Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von Swaps, ÖBA 2013, 541.

2 Vgl Praher, Kristin, Einsatz von Kreditderivaten in Unternehmen (2008) 5.

3 Vgl Maringer, Thomas, Kreditderivate - Flexible Gestaltung von Kreditrisiken im Portefeuille eines österreichischen Finanzdienstleistungsunternehmens: theoretische Implikationen und praktische Implementierung (2003) 46.

4 Vgl Maringer, Thomas , Kreditderivate - Flexible Gestaltung von Kreditrisiken im Portefeuille eines österreichischen Finanzdienstleistungsunternehmens: theoretische Implikationen und praktische Implementierung (2003) 60 ff.

5 Vgl Struffert, Ralf, Asset Backed Securities-transaktionen und Kreditderivate nach IFRS und HGB (2006) 9.

6 Vgl Wagner, Eva, Credit Default Swaps und Informationsgehalt (2009) 10.

7 Vgl Martin, Marcus/Reitz, Stefan/Wehn, Carsten, Kreditderivate und Kreditrisikomodelle: Eine mathematische Einführung (2014) 13.

8 Vgl Preidl, Gerald, Use of credit derivatives in bank risk management - an analysis of Austrian regional banks under Basel II (2009) 52.

9 Vgl Struffert, Ralf , Asset Backed Securities-transaktionen und Kreditderivate nach IFRS und HGB (2006) 10.

10 Vgl Rudolph, Bernd et al , Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 65.

11 Rudolph, Bernd et al , Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 65 f.

12 Vgl Kruse, Susanne, Aktien-, Zins- und Währungsderivate (2014) 72.

13 Vgl Hauser, Joachim, Kreditderivate: Grundlagen-Risiken-Aufsichtsrechtliche Behandlung (2013)

14 Vgl Rudolph, Bernd/Schafer Klaus, Derivative Finanzmarktinstrumente: Eine anwendungsbezogene Einführung in Märkte, Strategien und Bewertung (2010) 173 f.

15 Vgl Rudolph, Bernd et al, Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 67.

16 Vgl Cordes, Catherina/Thelesklaf, Josef/Syrowatka, Thomas, Apekte der Finanz- und Wirtschaftskrise, ÖBA 2010, 361.

17 Vgl Rudolph, Bernd et al, Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 68.

18 Vgl Knoll, Leonhard/Wenger, Ekkehard, Die sichere Anlage in Zeiten von Credit Default Swaps, CFOaktuell 2010, 176.

19 Rudolph, Bernd/Schafer, Klaus , Derivative Finanzmarktinstrumente: Eine anwendungsbezogene Einführung in Märkte, Strategien und Bewertung7, (2010) 178.

20 Vgl Praher, Kristin, Einsatz von Kreditderivaten in Unternehmen (2008) 38.

21 Vgl Rudolph, Bernd et al, Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 77.

22 Vgl Rudolph, Bernd et al , Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 18.

23 Vgl Wurz, Nadja, Credit Default Swaps (2007) 10.

24 Vgl Darakhchan, Nima, Kreditderivate mit Fokus auf CDS (2006) 12; Hull, John, Optionen, Futures und andere Derivate6 (2006) 610.

25 Vgl Hull, John , Optionen, Futures und andere Derivate6 (2006) 617.

26 Vgl Berger, Klaus-Peter in Rixecker, Roland/Sacker Jürgen, Münchener Kommentar zum BGB6 Rn 18 (2012).

27 Vgl Wagner, Eva , Kreditderivate im Fokus, CFOaktuell 2007, 203.

28 Vgl Norden, Lars , Kreditderivate: Zwischen Kapitalmarkt und bankbetrieblicher Verwendung (2004) 20 f.

29 Vgl Wittinghofer, Sandra, Fachbegriffe aus M & A und Corporate Finance - Credit Default Swap als Instrument zur Absicherung von Kreditrisiken, NJW 2010, 1125, 1125.

30 Vgl Kreuzer, Christian, Credit Default Swaps, CFOaktuell 2008, 232

31 Vgl Schiemert, Richard, Credit Default Swaps (2011) 11 f.

32 Vgl Kreuzer, Christian, Credit Default Swaps, CFOaktuell 2008, 232.

33 Vgl Wagner, Eva, Credit Default Swaps und Informationsgehalt (2009) 18.

34 Vgl Kreuzer, Christian, Credit Default Swaps, CFOaktuell 2008, 232.

35 Vgl Deutsche Bundesbank, Entwicklung, Aussagekraft und Regulierung des Marktes für Kreditausfall-Swaps, Monatsbericht Dezember 2010, 50.

36 Vgl Rudolph, Bernd/Schafer, Klaus , Derivative Finanzmarktinstrumente: Eine anwendungsbezogene Einführung in Märkte, Strategien und Bewertung (2010) 177.

37 Becker, Hans, Investition und Finanzierung5 (2012) 336.

38 Vgl Packer, Frank/Zhu, Haibin, Vertragsbedinungen und Preisfindung bei Credit Default Swaps, BIZ-Quartalsbericht März 2005, 99.

39 Vgl Rudolph, Bernd et al., Kreditrisikotransfer: Moderne Instrumente und Methoden2 (2012) 71.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Credit Default Swap. Wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Aspekte
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
2
Autor
Jahr
2021
Seiten
31
Katalognummer
V995074
ISBN (eBook)
9783346365422
ISBN (Buch)
9783346365439
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanz, finanzinstrument, credit default swap, cds, steuern, recht, aktien, finanzmarkt, Aktienbörse
Arbeit zitieren
Damir Pandur (Autor), 2021, Credit Default Swap. Wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995074

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