Der Tod im Werk von Gustav Klimt und Otto Dix


Akademische Arbeit, 2020

40 Seiten


Leseprobe

INHALT

Einleitung: Der Tod in der Kunst
Der Tod in verschiedenen Künsten
Der Maler und der Tod - eines der ewigen Themen in der europäischen Malerei
Todmotive in der Malerei des deutschsprachigen Raums
Epoche und Stil des Schaffens von Gustav Klimt und Otto Dix

Fragestellung: Welche Arten des Todes sind im Werk von Gustav Klimt und Otto Dix dargestellt und welchen Platz nimmt der Tod in ihrem Schaffen ein?

Hauptteil: Der Tod in den Werken von Otto Dix und Gustav Klimt

1. Biblische Motive des Todes in den Werken von Otto Dix und Gustav Klimt
1.1 Der Tod als Strafe für Sünden („Die sieben Todsünden“ von O.Dix):
1.2 Alttestamentliche Todesspur in moderner Metamorphose („Judith und Holofernes“, „Judith II“ von Gustav Klimt)

2. Der Tod als natürliches Ziel des Lebens
2.1 Der Alterungsprozess, der zum Tod führt („Die drei Lebensalter der Frau“ von Klimt; „Mutter und Eva“, „Tod und Leben“ von Dix)
2.2 Vergehen als Vorbote des Todes (das Fakultätsbild „Medizin“ von Klimt)
2.3 Der Tod in Werken von Otto Dix, die dem Genre der Vanitas zuzurechnen sind („Stilleben mit Witwenschleier“, „Stillleben mit Kalbskopf“, „Blühen und Vergehen“, „Und neues Leben blüht aus den Ruinen“ von Otto Dix)

3. Der Krieg als Träger des Tods
3.1 Der Erste Weltkrieg als der schlimmste in der bisherigen Geschichte der Menschheit („Der Krieg“, „Flandern“, „Triumph des Todes“ von O. Dix)
3.2 Der Krieg als Träger des Todes in der griechischen Mythologie („Pallas Athene“ von G. Klimt)

Schluss
Die Bedeutung und der Platz von Dix’ und Klimts Bearbeitungen des Todmotivs in der europäischen Malerei.

EINLEITUNG

Der Tod in verschiedenen Arten der Kunst.

Das Leben und der Tod sind untrennbare Grundformen unseres Seins. Ohne Leben gibt es keinen Tod, ohne Tod existiert kein Leben. Das Leben ist uns mehr oder weniger bekannt.

Wir wissen, was es vor unserer Geburt und dementsprechend unserem Leben gab, dafür gibt es normalerweise zahlreiche Zeugen und eine vieltausendjährige Geschichte. Der Tod ist dagegen ein ganz unbekanntes, unerklärbares Phänomen, über dessen Erfahrung nicht berichtet werden kann. Wir fassen den Tod nur als Ende unserer physischen Existenz auf. Jeder steht früher oder später, plötzlich oder in bewusster Erwartung dem Tod von Angesicht zu Angesicht gegenüber, aber was es hinter dem Gesicht des Todes gibt, weiß niemand. Die Menschheit wusste immer, was mit dem Körper nach dem Tod geschieht, aber ist dieser Schrecken vor einem verrottenden Körper einziges Ergebnis, einziger Sinn, einzige Folge des Lebens? Sind wir nur ein sterblicher Körper oder noch eine unerklärte Energie, die unseren Körper antreibt? Nach den Gesetzen der Physik hört Energie nicht auf zu existieren. Was geschieht mit der Energie des Menschen, die man Geist oder Seele nennt, nach dem Tod des Körpers? Diese Frage bleibt noch heute, in der Blütezeit der Quantenphysik und Nanotechnologie, ohne Antwort. Im Morgengrauen der Menschheit bildete der Versuch, diese und einige andere Fragen zu beantworten, die ganze menschliche Kultur: Religion, Wissenschaft, Kunst, Produktionsmethoden. In Les larmes d’Éros schreibt der französische Schriftsteller und Denker Georges Bataille, dass die Kultur selbst auf zwei miteinander verbundenen Aspekten beruht - dem Bewusstsein für Tod und Erotik. Er leitet dies von den ersten Kunstwerken ab - Höhlenmalereien, die genau diese beiden Aspekte gleichzeitig darstellen.1

Schon damals wurde der Tod ein kulturelles Naturphänomen, das heißt ein Naturphänomen, das durch menschliche Aktivitäten ritualisiert und sozialisiert wurde, so dass die zerstörerische Wirkung der Verwirklichung des Todes auf eine Person abgeschwächt wurde. Für diese Abschwächung schufen die Menschen primäre transzendentale Bilder der Welt mit Göttern, Geistern und dem Leben nach dem Tod, die zu Mythen und Religionen wurden - die ersten kulturell objektivierten negativen Erfahrungen des Todes und die Grundlagen der Kultur.

Kunst als integraler Bestandteil der Kultur in ihrem Ursprung stützte sich oft auf den Tod, wo nach der Idee von I. Kant die ästhetische Wahrnehmung mit Angst, Traurigkeit, Einsamkeit verbunden ist und dann das auf diese Weise wahrgenommene Kunstobjekt erhaben ist.2 Die Werke, in denen diese Erfahrungen verarbeitet wurden, basierten auf dem Konflikt und seiner Überwindung als Kampf gegen den Tod, aufgrund dessen Tod, Angst, Kampf, Verzweiflung und Einsamkeit selbst die Grundlage der Handlung wurden und sich manchmal als Helden verkörperten. Aus einer solchen Handlung ging ein Drama hervor, eine Tragödie, die sich genau auf diese Aspekte des menschlichen Lebens konzentrierte und sich zum ersten Mal im antiken Theater manifestierte. Nach der Theorie des antiken griechischen Philosophen Aristoteles erlebt der Zuschauer bei einer tragischen Aufführung eine Katharsis (Reinigung). Dies ist auf Empathie mit dem Schicksal des Helden zurückzuführen, einen tiefen emotionalen Schock, der durch den Tod des zentralen Charakters verursacht wird.

Durch die Darstellung des Todes versucht das Theater, den Tod zu erkennen und dadurch seinen zerstörerischen Einfluss zu verringern.

Aischylos, der etwa hundert Werke schuf, von denen nur sieben überlebten, gilt als Vater der griechischen Tragödie. Die anderen bedeutendsten Autoren griechischer Tragödien sind Euripides und Sophokles. Ihre Werke verlassen bis heute nicht die Theaterbühnen der ganzen Welt. Die Protagonisten der antiken griechischen Tragödien wurden zu Göttern und Halbgöttern, Königen und Königinnen, oft göttlichen Ursprungs. Helden sind immer Individuen mit außergewöhnlicher Geistesstärke, die sich dem Schicksal und höheren Mächten widersetzen. Die Grundlage des Konflikts ist der Wunsch, ihren eigenen Lebensweg zu wählen. Aber in der Konfrontation mit den Göttern ist der Held zur Niederlage verurteilt und stirbt infolgedessen am Ende des Werkes.

Das Thema und das Bild des Todes werden im Mittelalter besonders relevant und sogar zentral. In der Zeit des hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, während des Dreißigjährigen Krieges auf dem Territorium der deutschsprachigen Staaten, in der Zeit schrecklicher Seuchen und anderer Krankheiten herrschte überall der Tod. Als Ode an den Tod und an das Leben nach dem Tod hebt sich Die göttliche Komödie von Dante Alighieri von der gesamten mittelalterlichen Literatur ab. Sie besteht aus drei Teilen: der „Hölle“, dem „Fegefeuer“ und dem „Paradies“.

Das Bild des Todes taucht in den Werken von F. Villon ständig auf. Villon war arm, sein gesamtes Erwachsenenleben lang hatte er einen illegalen Lebensstil (er gehörte zu einer Bande professioneller Räuber und Mörder) und wusste, dass er früher oder später hingerichtet werden würde. Die ständige Erwartung eines bevorstehenden Todes spiegelt sich in seinen Gedichten wider.

„Ob Paris stirbt, ob Helene,
Mit Quallen naht das Sterben allen.
Er atmet schwer und röchelt, ja,
Am Herzen platzen ihm die Gallen,
Dann schwitzt er Schweiß, den Gott nur kann
Und niemand lindert seine Pein,
Und Kinder nicht, und nicht Verwandte
Und niemand möchte Zeuge sein, 3

Auf andere Weise löst Shakespeare das Problem des Todes. Die Helden seiner berühmten Tragödien betrachten die Unvermeidlichkeit des Todes nicht aus religiöser, sondern aus philosophischer Sicht. Einige, wie Hamlet, versuchen, das Geheimnis des Verlassens zu verstehen und ihre Angst vor dem Unbekannten zu überwinden. Andere, wie Romeo und Julia, sehen in ihrem eigenen Tod den einzigen Ausweg für sich. Die Haupttragödie des Todes ist laut Shakespeare, dass die Einzigartigkeit jedes Menschen in Vergessenheit gerät.

Seit dem 14. Jahrhundert taucht das Thema „Totentanz“ in Kunst und Literatur auf. Natürlich spielte bei der Entstehung dieser Allegorie die Pandemie des Schwarzen Todes, die Pest, die fast ganz Europa, viele Länder in Asien und Afrika, heimgesucht hat, eine große Rolle. Der Totentanz war ein bemerkenswertes Phänomen in der Literatur, Malerei, Skulptur und sogar in der mittelalterlichen Musik. Dieses Thema wurde noch später fortgesetzt. Weltbekannt

Der Türmer, der schaut zu mitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht:
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein Grab und ein anderes dann:
Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann,
in weißen und schleppenden Hemden.4

Das Thema des Totentanzes wurde auch in der Musik benutzt. Berühmt und beliebt sind Totentanz von Franz List und die Danse macabre von Camille Saint Saëns. Wenn man das Thema „Tod in der Musik“ berührt, ist es unmöglich, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart nicht zu erwähnen. Dieses göttliche Meisterwerk, das von der sterbenden Hand eines Genies geschrieben wurde, ist eine traurige, feierliche Hommage an den Tod, eine demütige Unterwerfung unter seine Macht und ein traurig sanfter Abschied vom Leben, der-niemanden gleichgültig lassen wird.5

Das sogenannte Adagio von Albinoni dringt mit seiner traurigen Melodie in die Tiefen der Seele und des Körpers ein und überflutet sie mit unendlichem Leid und Schmerz, der nur durch den Tod des nächsten Menschen verursacht werden kann. 6

Der Tod ist auch schon in der antiken Kunst in der Skulptur weit verbreitet. Die Statue „Laokoon und seine Söhne“, die einen schmerzhaften Untergang darstellt, der seit vielen Jahrhunderten die Vorstellungskraft des Publikums in Erstaunen versetzt. Die Skulptur ist dem schmerzhaften Tod gewidmet - der Priester und seine beiden Söhne werden von zwei Schlangen nach dem Befehl von Poseidon zu Tode erwürgt, weil der Priester seine Mitbürger vor dem Trojanischen Pferd gewarnt hatte. Dieses bekannte Werk (Beilage 1, Bild 1) befindet sich in den Vatikanischen Museen und stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Der Tod in Form von Skeletten, gefallenen Engeln und gesichtslosen alten Frauen ist in der Grabsteinskulptur seit langem weit verbreitet.

Der Maler und der Tod - eines der ewigen Themen in der Malerei

Die nächste bedeutende Periode in der Geschichte der Malerei ist das Mittelalter. In dieser dunklen Zeit war jede Richtung der Kunst mit Religion verbunden. In der europäischen Malerei wird das Bild des Todes direkt unter dem Einfluss christlicher Ideen geboren. Vielleicht ist das der Grund, warum in den meisten frühen Arbeiten zu diesem Thema die religiöse Interpretation des Phänomens der Sterblichkeit vorherrscht. Das Ableben des sterblichen Körpers wird vom Christentum als das Ende des irdischen Leidens und der Beginn einer neuen Existenz der Seele interpretiert. Das erste Bild einer Leiche mit der höchsten Bedeutung ist die Darstellung Christi am Kreuz. In der Malerei herrschen zu dieser Zeit vor allem Bilder von Jesus Christus und der Jungfrau Maria vor. So ist auf der Leinwand Beweinung Christi von Andrea Mantegna, einem italienischen Maler der ersten Renaissance (15. Jahrhundert), das Bild des Erretters dargestellt, der gerade vom Kreuz abgenommen und in ein Leichentuch gewickelt wurde. Der Tod seines Körpers war eine Befreiung von der Qual für ihn und wird zur Schwelle des ewigen Lebens des Manschens (Bild 2). Die Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts sowie die Literatur, Skulptur und Musik dieser Zeit widmeten sich dem Thema des „Totentanzes“, von dem oben schon die Rede gewesen ist.

Der ungezügelte Tod des Mittelalters wich im Barock dem Genre der Vanitas. Bemerkenswert in diesem Genre ist das niederländische Stillleben des 17. Jahrhunderts. Darin werden Objekte, die die Schönheit und Vielfalt der irdischen Welt darstellen, mit Details kontrastiert, die Assoziationen mit dem Triumph des Todes und seinem endgültigen Sieg über alles und jedes hervorrufen. Aus den Niederlanden verbreitete sich die Mode für diese Art von Malerei nach Flandern und Frankreich. Einer ihrer französischen Vertreter war Ph. de Champaigne. In seiner „Vanitas“ verwendete er die häufigsten Allegorien der Vanitas: eine Blume und eine Sanduhr verweisen auf die Vergänglichkeit des Lebens, ein Schädel symbolisiert den Tod (Bild 3).

Vertreter der Romantik des späten 18. und des 19. Jahrhunderts haben die Idee des Todes nicht übergangen. Im Tod fanden sie nicht nur das Schreckliche, sondern auch das geheimnisvoll Schöne. Oft erscheint auf ihren Leinwänden eine Friedhofslandschaft: ein Ort, an dem sich eine lebende Figur an der Grenze zwischen Leben und ewiger Ruhe befindet. Beispiele dafür sind Kaspar David Friedrichs Gemälde „Abtei im Eichwald“ und „Friedhof im Schnee“.

Ein auffälliger Vertreter der Romantik ist Eugène Delacroix. Der Tod in seinen Gemälden ist entweder zu naturalistisch oder trotzig erotisch mit den Elementen der Gotteslästerung (Bild 4).

Todmotive in der Malerei des deutschsprachigen Raums

Die deutsche Malerei nimmt ihren Anfang im späten Mittelalter, genauer im 15. Jahrhundert und ist eng mit der Religion verbunden. Den Hauptplatz in den Werken der meisten Künstler nahmen Altarkompositionen, wo verschiedene Szenen aus der Bibel geschildert wurden. Unter den Malern dieser Epoche kann man Stefan Lochner (1400-1451) nennen, der in seinen Werken auch das Thema des Todes oder der posthumen Existenz behandelt. Eins von diesen Werken ist Das Jüngste Gericht, das um 1435 entstand. Die Mitteltafel dieses Triptychons schildert Christus als Weltenrichter während des Geschehens am Jüngsten Tag nach der Apokalypse des Johannes. Christus auf dem doppelten Regenbogen sitzt und entscheidet, wer wohin gehen muss (Bild 5). Das Thema des Todes wurde auch von einem der bedeutendsten Vertreter der oberdeutschen Malerei der Spätgotik, Conrad Witz (1400-1446) behandelt. Witz stammt aus der Schweiz, unter seinen Werken mit Bibelszenen kann man auch „Die Kreuzigung“ finden (Bild 6). Der Kupferstecher Martin Schongauer (1445 -1491) hat im 15. Jahrhundert zahlreiche Darstellungen der Kreuzigung Christi geschaffen.

Der größte Maler der Renaissance war Albrecht Dürer (1471-1528). Wie andere Maler und Künstler seiner Epoche entnahm er der Bibel Themen und Motive für seine Werke. In den Jahren von 1496 bis 1498 schuf er 15 „apokalyptische“ Stiche, die sehr beliebt waren. Die berühmtesten von ihnen sind „Die vier apokalyptischen Reiter - Eroberung, Krieg, Hunger und Tod“ (Bild 7) und „Ritter, Tod und Teufel“ (Bild 8). Auf diesem Kupferstich sieht das Publikum den Albtraum des Todes mit einer Sanduhr in der Hand (die Sanduhr ist ein Symbol für die zeitliche Begrenzung des irdischen Lebens) und einem schweinsköpfigen Teufel. Aber die dritte Figur des Bildes - der Ritter - bleibt ruhig, hält die Zügel fest und lenkt das Pferd nach vorne. Seine Rüstung und sein Glaube schützen ihn vor Gefahren.

Eine Zeichnung von Dürer, die er mit Kohle auf bräunlichem Papier gemacht hat und die den zurückgeworfenen Kopf des toten Christi darstellt, betrachten einige Kunsthistoriker als das Selbstporträt des Künstlers. Dürer soll dieses Blatt nach einer schweren, fast tödlichen Krankheit gezeichnet haben, die er in dem Alter erlebte, in dem Christus starb (Bild 9).

Das Thema des Todes ist auch in den Werken der anderen großen Maler Lucas Cranach des Älteren und des Jüngeren stark präsent. Solche Werke wie „Die Kreuzigung Christi“, „Lucrezia“, „Judith und der Kopf von Holofernes“ und andere sind dafür die Bestätigung.

Nicht vielen Künstlern gelang es, den toten Leib Christi erfolgreich oder gekonnt darzustellen. Zu solchen Darstellungen gehört in erster Linie ein Gemälde des Künstlers Hans Holbein des Jüngeren (1497-1543), „Der Leichnam Christi im Grab“ (1521-22). Der große deutsche Maler malte das erste realistische Bild des toten Christi. Der Autor des Bildes zeigt den Körper so, wie er bei einem Menschen aussieht, die kürzlich gestorben ist. Er verschönert oder ergänzt ihn nicht. Der Leichnam Christi trägt die Spuren von Folter, Wunden und Blutergüssen. Viele von Holbeins Stichen sind außerdem dem Totentanz gewidmet.

Das Thema des Todes taucht unter deutschen Malern im Zeitalter der Romantik wieder auf. Caspar Friedrich (1774-1840), Vertreter der Romantik in Deutschland, erlangte schon zu Lebzeiten den Ruf eines düsteren und melancholischen Künstlers. Trotz des gewählten Genres (er war vor allem Landschaftsmaler) ging Friedrich oft auf das Thema des Todes ein und stellte eine große Anzahl von Friedhöfen, Bestattungen und Gräbern dar. Manchmal bestellte man dem Künstler sogar solche Leinwände.

Epoche und Stil des Schaffens von Gustav Klimt und Otto Dix

Das Thema des Todes verlässt die Maler in der Epoche des industriellen Aufschwungs in Deutschland und in Österreich nicht. Das Leben und die Tätigkeit solcher Künstler wie Max Klinger, Käthe Kollwitz, Heinrich Zille, Egon Schiele, Gustav Klimt, Otto Dix und anderer verlief in einer Zeit rasanter Veränderungen in allen Lebensbereichen in einem beispiellosen Rhythmus. Für unsere Analyse ist das Schaffen von zwei hervorragenden Malern gewählt, nämlich Gustav Klimt und Otto Dix.

Gustav Klimt. Der Name des Autors des weltberühmten „Kusses“ ist heute vielen gut bekannt. Noch zu seinen Lebzeiten wurde er als ein Künstler betrachtet, der seiner Zeit weit voraus war, und ein Großteil der Arbeiten, die während der Karriere des in Österreich geborenen Künstlers entstanden, wurde kontrovers angesehen. Es wurde unter anderem wegen der Erotik bestimmten Werke kritisiert. Obwohl sein Schaffen zu seiner Zeit nicht allgemein akzeptiert wurde, gelten manche seiner Werke heute als einige der wichtigsten und einflussreichsten Stücke, die aus Österreich stammen.

Am 14. Juli 1862 wurde Gustav Klimt als zweites von sieben Kindern eines Goldgraveurs im Wiener Vorort Baumgarten geboren. Zwei seiner Brüder widmeten sich später auch künstlerischen Berufen. 1876 schrieb sich der 14jährige Klimt an der Wiener Kunstgewerbeschule ein. Er wurde sofort wegen seines Talents und der Kunstformen bemerkt, die er schuf. Aus diesem Grund erhielt er während seines Studiums seinen ersten Auftrag, Kunst für die Öffentlichkeit zu schaffen. In den 1880er Jahren begannen Gustav Klimt, sein Bruder Ernst und Franz Matsch eine produktive Zusammenarbeit. Sie begannen in Theatern, Kirchen und in Museen zu arbeiten. Viele der Stücke, die sie schufen, wurden von Gönnern bestellt, die die Orte besuchten, für die sie Werke schufen. In dieser Zeit schuf Gustav Klimt auch ein Stück für das Burgtheater sowie das Kunsthistorische Museum in Wien. Die Sammlung von Allegorien, die er einreichte, wurde als kreatives und zeitloses Stück angesehen. Aufgrund dieser Arbeit wurde er beauftragt, ein zweites Stück für das Museum zu machen. Diese zweite Kollektion weist mehrere Merkmale auf, an denen er später festhielt, nämlich die Goldfarbe, den abstrakten Raum und die exotische Symbolik der weiblichen Figur. 1891 wurde Gustav Klimt Mitglied der Genossenschaft österreichischer Künstler. Im folgenden Jahr starben sowohl sein Bruder als auch sein Vater. In dieser Zeit beschloss er, in ein größeres Atelier zu ziehen, um mehr zu schaffen und mehr Raum für die Kunstformen zu haben, an denen er in Zukunft arbeiten wollte. 1893 wurden Gustav Klimt und Matsch beauftragt, die Decke im Gebäude der neu errichteten Universität mit Gemälden auszugestalten. Während dieser Zeit hatten beide Künstler einen Streit. Dies verlangsamte wiederum die Arbeit, da beide bei der Erstellung einen unterschiedlichen Ansatz verfolgten. Klimt und Matsch sollten im Rahmen dieses Auftrags der Universität die vier „Fakultäten“ Medizin, Philosophie, Theologie und Jurisprudenz darstellen. Klimts Entwürfe für die Philosophie, die Medizin und die Jurisprudenz wurden von den Fakultätsmitgliedern abgelehnt, obwohl „Philosophie“ bei der Pariser Weltausstellung 1900 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden war, während Matschs Gemälde Theologie akzeptiert wurde und sich bis heute in der Universität Wien befindet.

Aufgrund der Verachtung, die ihm vom Publikum seiner Heimatstadt entgegengebracht wurde, war Gustav Klimt der Ansicht, dass seine Arbeit und seine Popularität sich zum Schlimmsten wandten. 1897 gehörte er zu den Gründern der Secessionsbewegung. Diese Bewegung bestand aus jungen Künstlern, deren Arbeiten sie präsentierte. Sie wollte dem Wiener Publikum auch ausländische Kunstformen nahebringen. 1898 veranstaltete die Wiener Secession ihre erste Ausstellung, die etwa 57.000 Besucher anzog. Von dieser Zeit bis 1905 war Gustav Klimt eine zentrale Kraft und Führer dieser Bewegung; In diesem Jahrzehnt war es die beliebteste und bekannteste Kunstbewegung in Wien.

Nach dem Austritt aus der Secessionsbewegung im Jahr 1905 verfolgte Gustav Klimt einen neuen Ansatz, der in Wien weder von anderen Künstlern noch vom interessierten Publikum gut aufgenommen wurde. In dieser Zeit sind nackte Frauen ein Thema, zu dem Klimt immer wieder zurückkehrt, wie andere Künstler zu ihrem jeweiligen Lieblingsmotiv immer zurückgekehrt sind - man denke an das Selbstporträt bei Van Gogh oder an die Äpfel bei Cézanne. Viele von Klimts Frauen wurden in eindrucksvollen und erotischen Stellungen gemalt, die Sinnlichkeit und Sex betonten. Sie konfrontierten den Betrachter dreist mit ihrem Blick sowie ihrer Nacktheit. Sie waren kontroverse Bilder, appellierten aber an eine neue Empfindlichkeit, ein Fest der Sexualität, das gerade erst in einer Stadt und einer Gesellschaft auftauchte, die der Spielplatz eines anderen berühmten Österreichers, Sigmund Freuds, war. Im selben Jahr 1905 veröffentlichte Freud Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, ein Buch, das die Einstellung zum Sex zutiefst in Frage stellen sollte. Klimt wollte wie Freud die Sexualität an die Öffentlichkeit bringen. Er kreierte verschiedene Stücke, darunter „Danae“ und „Der Kuss“, die von Natur aus extrem erotisch und durch die byzantinische Kunst beeinflusst sind. Bis etwa 1914 nahmen sich viele der von ihm geschaffenen Stücke dieses sexuellen Problems an und wurden teilweise aufgrund ihrer grafischen Natur und teilweise aufgrund der Zeit, in der er lebte und arbeitete, nicht allgemein akzeptiert.

1911 reiste Gustav Klimt nach Florenz und Rom und kreierte mehrere Stücke. „Tod und Leben“, „Das Mädchen“ und „Die Braut“ gehören zu den Leinwänden, die er in den nächsten Jahren schuf. Außerhalb von Wien wurden diese Stücke etwas mehr akzeptiert, und zwar aufgrund der unterschiedlichen Kunstformen in Regionen außerhalb seiner Heimatstadt. Obwohl seine Arbeit noch grafischer Natur war und eine nicht traditionelle Herangehensweise an die Darstellung von Landschaft verfolgte, wurde ein Großteil der Arbeit, die er nur wenige Jahre vor seinem Tod schuf, außerhalb von Wien allgemein akzeptiert.

1918 erlitt Gustav Klimt in seiner Wohnung einen Schlaganfall und am 6. Februar dieses Jahres starb er an einer Lungenentzündung. Obwohl ein Großteil seiner Arbeit während seiner Karriere aufgrund seines sonderartigen Stils und seiner grafischen Darstellungen nicht akzeptiert wurde, wurde sein Schaffen nach seinem Tod weitaus mehr akzeptiert. Viele von seinen Werken, die er im Laufe seiner Karriere schuf, gelten als einige der einflussreichsten Stücke für die späteren Künstler.

Otto Dix

Der deutsche Künstler Wilhelm Heinrich Otto Dix wurde am 2.12.1891 in Untermhaus bei Gera geboren und lebte in der turbulentesten Zeit der modernen deutschen Geschichte, vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands nach seiner Niederlage. Die Ereignisse eines sich schnell verändernden Lebens speisten sein tief verwurzeltes Interesse an dunklen sozialen Kontexten und den menschlichen Typen, die sich in dieser Zeit aktualisieren ließen.

Als er noch 1910-1914 an der Kunstgewerbeschule in Dresden studierte, besuchte er häufig die Dresdner Kunstsammlungen und studierte die Meisterwerke der deutschen und italienischen Renaissance. 1912 sah er in Dresden eine Ausstellung von Vincent van Gogh, die ihn tief beeindruckte, ebenso wie die Werke der deutschen Expressionisten und der Futuristen. Bei dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Otto Dix freiwillig zum Kriegsdienst, wie mehrere junge Leute, die vom bevorstehenden Krieg begeistert wurden. Er war ein mutiger Soldat und wurde für seinen Dienst mehrmals ausgezeichnet. „Ich bin Inhaber des Kriegsverdienst-Kreuzes“, schrieb er in seinem militärischen Lebenslauf.7 Aber wegen seiner Aussagen über den Krieg und aufgrund seines Radierzyklus „Der Krieg“ und des Kriegstriptychons von 1929-1932 ist er zu den Pazifisten zu rechnen. Nach dem Krieg setzte er sein Studium an der Dresdner Akademie fort. 1919 gehörte Dix zu den Gründungsmitgliedern der „Dresdner Sezessionsgruppe 1919“. 1920 nahm er an der „Ersten Internationalen Dada-Messe“ in Berlin teil. In Düsseldorf, wo er 1922 sein Studium an der Akademie fortsetzte, schloss er sich dem Kreis um die Förderin und Galeristin Johanna Ey an und gehörte zur Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“. 1925 übersiedelte O. Dix nach Berlin und nahm an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim teil, nachdem er die „Berliner Sezession“ verlassen hatte. Die Künstler der Stilrichtung "Neue Sachlichkeit" versuchten, die Dinge ohne Idealisierung und Romantik so wahrzunehmen, wie sie wirklich waren. Ohne die abstrakte Kunst zu akzeptieren, lehnten die Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ auch den Naturalismus ab und versuchten, die künstlerische Sprache zu erneuern. Daher das Adjektiv „neu“. Eva Karcher erwähnt in ihrer Monografie zu Otto Dix, wie sich der Maler über die „Sachlichkeit“ äußerte: „Sachlich... wer ist das schon? [...] Natürlich, im Gegensatz zum Expressionismus und zum späteren abstrakten Stil ist die Welt des Gegensätzlichen etwas, das dem Tatsächlichen nahegerückt erscheint! Man könnte bei mir damals z.B. die starke Betonung des Stofflichen, des Materiellen sachlich gefunden haben. Das Stoffliche. [...] Für mich bleibt jedenfalls das Objekt das Primäre.» 8

1927 wurde Dix Professor an der Kunstakademie Dresden. Im Laufe der Zeit erarbeitete er mit der zunehmenden Erfahrung seine eigene realistische Maltechnik, mit deren Hilfe er die schlimmsten Seiten des menschlichen Lebens entblößte. Der ehemalige Schulleiter der Holzbildhauerschule Bischofsheim, Rudolf Schwarzer, erklärt diese Maltechnik, die auf einer alten Mischtechnik beruhe und in insgesamt neun Schichten so aufgetragen werde, dass eine beinahe plastische Wirkung erzielt werden könne. Unterschiedliche Farbschwerpunkte lägen auf jeder Schicht, und zusätzlich würden mit weißer Deckfarbe Hervorhebungen und Aufhellungen angebracht, um mit jeder Schicht eine größere Tiefenwirkung zu erzielen. 9

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Der Tod im Werk von Gustav Klimt und Otto Dix
Hochschule
Université de Picardie Jules Verne
Autor
Jahr
2020
Seiten
40
Katalognummer
V995136
ISBN (eBook)
9783346400888
ISBN (Buch)
9783346400895
Sprache
Deutsch
Schlagworte
werk, gustav, klimt, otto
Arbeit zitieren
Albina Goussova (Autor:in), 2020, Der Tod im Werk von Gustav Klimt und Otto Dix, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995136

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