Umweltschutz auf Gran Canaria und den Kanarischen Inseln


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
13 Seiten, Note: unbenotet

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Gliederung

I. Vorwort

II. Definition und Abgrenzung des Begriffs Umweltschutz

III. Waldgesellschaften Teneriffas und Fuerteventuras
1. Lorbeer- und Heidebuschwälder
2. Kanarische Kiefernwälder

IV. Landwirtschaftliche Nutzung auf den Ostkanaren

V. Waldbrände auf den westlichen Kanaren

VI. ,,Fischerei" auf Gran Canaria

VII. Bewässerung auf Lanzarote und Fuerteventura

VIII. Wasser und Tourismus auf Gran Canaria

IX. Strände auf den Kanarischen Inseln

X. Schlußbemerkung

Anhang: Literaturliste

I. Vorwort

Meine Ausführungen zum Thema ,,Umweltschutz auf Gran Canaria und den Kanarischen Inseln" sind unter erschwerten Bedingungen zustande gekommen. Für jemanden, der des Spanischen nicht mächtig ist, grenzte die Literatursuche meist an ein Glückspiel. Sofern in Büchereien überhaupt Literatur zu weitläufig ähnlichen Themen vorhanden war, konnte man damit rechnen, diese in spanischer Sprache verfaßt vorzufinden.

Nur durch einen glücklichen Zufall konnte ich überhaupt an deutschsprachige Literatur zu diesem Thema gelangen.

Enttäuschenderweise fanden sich im Internet ebenso wenig aussagekräftige Informationen, wie bei einer Nachfrage bei der Europäischen Union.

Zwar sollte man meinen, daß der Umweltschutz auch ein europäisches Anliegen ist (Agenda 21), doch mußte ich feststellen, daß auch hier noch große Lücken klaffen. Dennoch habe ich versucht - zwar nur punktuell und soweit durch deutschsprachige Literatur vorhanden - einige Aspekte des Umweltschutzes auf den Kanarischen Inseln zu behandeln. Im Folgenden greife ich verschiedene Themen auf, und versuche so ein möglichst breites Spektrum abzudecken. Dabei konnte ich leider keine, die gesamten Kanaren vergleichenden Beobachtungen bearbeiten, da mir die nötige Literatur fehlte.

II. Definition und Abgrenzung des Begriffs Umweltschutz

Der Schülerduden Ökologie versteht unter Umweltschutz den 1970 geprägten ,,..Begriff für die auf Umweltforschung und Umweltschutzrecht basierende Gesamtheit der Maßnahmen, die dazu dienen, die natürliche Lebensgrundlage von Pflanzen, Tieren und Menschen zu erhalten bzw. ein gestörtes ökologisches Gleichgewicht wieder auszugleichen. Im engeren Sinne versteht man unter Umweltschutz den Schutz vor negativen Auswirkungen, die von der ökonomischen Tätigkeit des Menschen, seinen technischen Einrichtungen und sonstigen zivilisatorischen Begebenheiten ausgehen, wobei die Umweltvorsorge effektiver und billiger ist als nachträgliche Maßnahmen des technischen Umweltschutzes.." (Schülerduden, 1988, 321ff).

Allgemeine Reglementierungen werden entweder von Seiten des Staates oder im Rahmen der EU-Gesetzgebung (gegebenenfalls auch durch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP) veranlaßt. Selten kommt es vor, daß private Organisationen aktiv in den Gesetzgebungsprozess mit eingreifen können.

III. Waldgesellschaften Teneriffas und Fuerteventuras

1. Lorbeer- und Heidebuschwälder

Die immergrünen Lorbeer- und Heidebuschwälder mit ihren Degradationsstufen und Ersatzgesellschaften sind an der Nordabdachung der Inseln Teneriffa und Fuerteventura in den Höhen zwischen 400/500 m und 1200/1300 m verbreitet, während sie an der klimatisch bedingt trockeneren Südseite lediglich auf eng begrenzten Standorten anzutreffen sind. Dabei nehmen Lorbeerwälder in engerem Sinn infolge der fortschreitenden Waldzerstörung nur noch weniger als 10 % ihres ursprünglichen bzw. potenziellen Wuchsraumes ein. Auf der Nachbarinsel Gran Canaria ist das Areal sogar auf weniger als 1 % der ursprünglichen Verbreitung geschrumpft.

Die immergrünen Laubwälder mit Feuchtwaldcharakter treten in verschiedenen ökologischen Gruppierungen auf. Epipyhtenreiche Lorbeerwälder mit Wuchshöhen bis 12 m sind am Kamm des AnagaGebirges verbreitet. Die typischen Lorbeerwälder in den Hanglagen der Nordseite haben eine hallenartige Struktur und können an günstigen Standorten über 20 m Wuchshöhe erreichen. Sonst sind gerade diese Wälder durch Niederwaldwirtschaft weithin in niederwüchsige Heidebuschwälder umgewandelt worden (Niederwaldwirtschaft: forstwirtschaftliche Bezeichnung für die Bewirtschaftung eines Laubwald, bei dem sich der Baumbestand durch Austrieb aus Stöcken und Wurzeln der alle 10-30 Jahre gefällten Bäume erneuert).

Die geoökologischen Grundbedingungen der Lorbeer- und Heidebuschwaldstufe stellen die Steuerungsfaktoren für die Prozesse der chemischen Verwitterung und Bodenentwicklung dar, die in der semihumiden Stufe der immergrünen Laubwälder ihr Optimum infolge einer günstigen Kombination der hygrischen und thermischen Voraussetzungen erreichen. Da die ursprünglich dichte Waldbedeckung gleichzeitig die Bodenerhaltung begünstigt, sind in dieser Höhenstufe über älteren Ausgangsgestein auch Paleoböden oder deren Umlagerungsprodukte in weiter Verbreitung anzutreffen.

Fortgeschrittene Degradationsstadien des hochwüchsigen Lorbeerwaldes können jedoch nur noch geringen Schutz gegenüber der Bodenaustrocknung und -abspülung bieten.

2. Kanarische Kiefernwälder

Die Kanarischen Kiefernwälder beherrschen den oberen Abschnitt der nordseitigen Waldstufe zwischen etwa 1200/1300 m und der oberen Wald- bzw. Baumgrenze bei 2000/2150 m, wobei die untere Grenze gegen die Stufe der Lorbeer- und Heidebuschwälder standörtlich erheblich variieren kann.

Auf der Südseite der Insel nehmen die Kiefern die gesamte heutige Waldstufe zwischen 800/1000 m und 2200/2350 m ein.

Die mit Kanarenkiefern bestockten Flächen nehmen ca. 330 km2 ein, wovon ca. 1/3 auf Aufforstungsflächen entfällt.

Die naturnahen Kiefernbestände erreichen gewöhnlich 15 bis 20 m Höhe. Sie bestehen aus Bäumen aller Altersklassen und zeigen eine gute Verjüngung. Gerade bei älteren Bäumen sind Feuerspuren an der Stammbasis verbreitet. Die Kanarenkiefer besitzt die Fähigkeit zu Stamm- und Stockausschlägen nach Brandschäden. Auch die Samenkeimung wird durch vorangegangene Hitzewirkung begünstigt.

Der Holzbedarf für Bauzwecke, Wasserleitungen, Geräte, Schnitzwerk und Feuerung, die Gewinnung von Harz, Pech und Holzkohle, die früher im großen Umfang betriebene Ziegen/Waldweide sowie das bis in die Gegenwart übliche ,,Schneiteln" (das Abschneiden von Zweigen und Ästen zur Brennstoffgewinnung) der Bäume, das Sammeln von abgefallenen Zweigen und Nadelstreu haben auch den Kanarenwäldern stark zugesetzt. Ausgedehnte Waldflächen besonders auf der Nordseite der Inseln wurden erst durch Aufforstungsarbeiten der Nachkriegszeit wieder neu bestockt und weisen demnach eine relativ gleichförmige Bestandesstruktur auf.

,,Die quasinatürliche und anthropogene Morphodynamik tritt insgesamt weniger augenfällig in Erscheinung als in der immergrünen Laubwaldstufe, da die morphologische Aktivität in der Kiefernwaldstufe schon von Natur aus größer ist als dort." (HÖLLERMANN, 1991, 226) Dennoch sind die Auswirkungen der menschlichen Tätigkeit durchaus beachtlich. In der nordseitigen Kiefernwaldstufe war den Aufforstungen der Nachkriegszeit eine großflächige Entwaldung ausgedehnter Hangpartien vorausgegangen. Die weite Verbreitung gekappter Bodenprofile und Kolluvien mag dort größtenteils auf die zeitweilige Freistellung des Untergrundes zurückgehen. Auch die Wiederaufforstungsarbeiten in der oberen Kiefernwaldstufe waren mit erheblichen Materialverlagerungen verbunden. Touristische Beanspruchungen der Kiefernwälder, Streunutzung und früher auch die Kleintierbeweidung (vgl. Lorbeerwälder) haben zur Bodenverdichtung und Erhöhung des Oberflächenabflusses beigetragen. ,,Wege und Straßen bieten bevorzugte Ansätze sowohl für eine quasinatürlich gesteigerte Wasserwirkung wie für die Auslösung gravitativer Absitzungen." (HÖLLERMANN, 1991, 227).

Bei den Aufforstungen seit dem letzten Weltkrieg wurden außer der vorherrschenden Kanarenkiefer (ca. 80% der Aufforstungsfläche) noch weitere standortfremde Kiefernarten mit in die Pflanzung eingebracht.

Neben den sogenannten Feuertypen wurde auch Pinus radiata eingebracht. Die Pflanzungen dieser Art sind gewöhnlich dichtständig, tief herab beastet, fast ohne krautigen Unterwuchs, jedoch mit stark entwickelter Streuauflage aus leicht brennbaren abgestorbenen Nadeln und Zweigen versehen. Bei Waldbränden kommt es demnach zu einem hohen Anteil an Totalschäden mit sich anschließender Brache.

Demzufolge sollte bei der Wiederaufforstung von Flächen darauf geachtet werden, daß weder Nichtfeuertypen angepflanzt, noch bodenverdichtendes Gerät eingesetzt wird, um die natürliche Vegetation wieder herzustellen.

IV. Landwirtschaftliche Nutzung auf den Ostkanaren (Lanzarote und Fuerteventura)

Die agrarische Landnutzung auf den Ostkanaren mit Schwergewicht auf dem winterlichen Regenfeldbau und der Kleintierhaltung hat sich seit der vorspanischen Zeit zunächst nur wenig verändert. Wegen der eingeschränkten Produktionsbedingungen und des geringen Anteils der Landwirtschaft am Handel wechselte der Anbau der Feldfrüchte nicht so stark und häufig wie auf den Hauptinseln, wo überwiegend exportorientierte Produkte angebaut werden. Sowohl klimatische (Niederschläge) als auch gesellschaftliche (sog. ,,senorios" = Feudalherren) Voraussetzungen waren wirtschaftlichen Innovationen eher hemmend gegenübergestellt.

Erst seit dem 17. und 18. Jahrhundert werden Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung aufgrund von Maßnahmen und Rechtsstreitigkeiten der Feudalherren und Vulkanausbrüchen auf Lanzarote und Fuerteventura deutlich.

In Zentrallanzarote werden Weinreben und Fruchtbäume auf 1 bis 2,5 m mächtigen Basaltlapillidecken kultiviert. Die durch Trockenmauern gegen Wind geschützten Pflanzen wachsen in engständigen Gruben und erreichen mit ihren Wurzeln den unterlagernden nährstoffreichen Boden.

Dieser ,,enarenado natural" steht die ,,enarenado artificial", einer künstlichen Aufbringung einer 10 bis 15 cm mächtigen Lapilliauflage gegenüber. Hier werden Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Mais,... kultiviert.

Eine weitere Anbaumethode, sogenannte ,,Jable"-Kulturen (frz: ,,sable" = Sand) in Verbindung mit Karbonatsanden, wirken wasserkonservierend und sind vor allem mit Melonen, Kürbissen, Tomaten und Gurken bestellt.

Während sich die ländliche Kulturlandschaft Lanzarotes trotz Flächenaufgaben durch Dynamik, Innovation und effektiver Konzentration auszeichnet, scheint die landwirtschaftliche Nutzung auf Fuertevertura eher zerstückelt und veraltet. Die früher sehr ausgedehnten Flächen des traditionellen Trockenfeldbaus und Sturzfeldbaus werden immer weniger genutzt und die aufwendigen Einrichtungen der Wassersammlung und -konservierung sowie die Abgrenzung der Trockenfelder und Ackerwasserrinnen verfallen zusehends. Oasenartig findet man zwar in einigen Tälern Felder an Brunnen, doch durch das Versiegen und Versalzen diverser Brunnen erleidet die Bewässerungswirtschaft immer wieder Schaden. Zudem führt der Anbau von bewässerungsintensiven Hauptexportkulturen wie Tomaten teilweise zu konkurrenz- und preisbedingten Schwierigkeiten.

Neben dem Feldbau spielt nach wie vor die Kleintierhaltung und Produktion von Ziegenkäse eine große Rolle auf den Ostkanaren. Fuerteventura verfügt über den größten Tierbestand mit einer Dichte von ca. 35 Stück Kleinvieh pro km2. Die Auswirkungen auf die Vegetationsdecke und die Bodenerosion sind unverkennbar.

Lanzarote weist einen absolut und relativ geringeren Kleintierbesatz mit einer Dichte von 5,5 Stück pro km2 auf; zugleich ist dort der Weidegang stärker geregelt und besser beaufsichtigt.

Die völlig unterschiedliche landwirtschaftliche Entwicklung beider Inseln innerhalb der letzten 300 Jahre zeigt deutlich, wie groß der Einfluß des Menschen auf seine Umwelt ist. Einer seit langem desolaten Landwirtschaft auf Fuerteventura mit überholten Anbaumethoden, anthropogen verstärkter Bodenversalzung und die Bodenerosionsprozesse fördernder, unkontrollierter Beweidung steht auf Lanzarote ein optimal den extremen Umweltbedingungen angepaßter Anbau mit bodenkonservierender Wirkung und höherem Vegetationsgrad aufgrund gut kontrollierter Beweidung gegenüber.

V. Waldbrände auf den westlichen Kanaren

In den 1980ern und zu Beginn der 1990er Jahre waren die Westkanaren wiederholt von ausgedehnten Wald- und Buschbränden betroffen.

Die lokalen Medien sprachen von ,,ökologischen Katastrophen", die über die Vegetationszerstörung und unmittelbare wirtschaftliche Schäden hinaus eine gesteigerte Bodenabtragung und Verschlechterung des ohnehin angespannten Wasserhaushaltes erwarten ließen. Die Zahlen sprechen für eine in jüngerer Zeit erheblich gesteigerte Feuerhäufigkeit, erklärbar durch ein erhöhtes Maß fahrlässiger oder beabsichtigter Einwirkungen des Menschen.

Tagesperiodisch setzten die meisten Brände während der Nachmittagsstunden zwischen 13 und 17 Uhr ein. ABB.2 S.10. Daß die Ursachen der zeitlichen Verteilung nicht zufällig sind, wird dabei deutlich, daß unproportional viele Brände an Sonn- und Feiertagen bzw. an den Tagen vorher oder nachher aufflammen.

,,Die weitverbreiteten und genetisch fixierten Feueranpassungsmechanismen der Pflanzen in den betroffenen Vegetationsformationen und alte Holzkohlenhorizonte in den Wald- und Gehölzstufen aus Zeiten vor der menschlichen Besiedelung der Kanaren lassen jedoch keinen Zweifel daran, daß Wald- und Buschbrände auch ohne menschliches Zutun seit langem eine Rolle gespielt haben müssen." (HÖLLERMANN, 1995, 11f). Hartlaub- und Koniferenbestände der subtropischen Winterregengebiete benötigen als ökologischen Faktor diese Waldbrände, da das Feuer als wirksamer, für manche Ökosysteme notwendiger Selektions- und Regelfaktor im Rahmen des räumlich differenzierten Landschaftshaushaltes und seiner zeitlichen Entwicklung zu verstehen ist. (nach HÖLLERMANN, 1995, 7) Wo die normale biologische Remineralisierung durch das sommertrockene Klima beeinträchtigt wird, bewirken Brände einen beschleunigten Stoff- und Energieumsatz im Ökosystem. Daß dabei ein durch menschlichen Einfluß begründetes Übermaß an Feuerwirkung der Landschaftsdegradation Vorschub leisten kann, liegt auf der Hand. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß nach Bränden die Bodenbedeckung schon bald den zuvor gegebenen Grad erreicht oder sogar übertrifft, während die Wiederherstellung der Vegetationsstruktur ca. ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt. Der zeitliche Ablauf der Regeneration ist natürlich standortabhängig, Kanarenkiefern überwinden aber mit ihrer Befähigung zu Sproßausschlägen die Feuerschäden gewöhnlich in wenigen Jahren. Dennoch sind Regelungen, wie das Verbot des Wildcamping auf Gran Canaria zu begrüßen. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor für Waldbrände - nämlich Grundstücksspekulationen - muß aber von Seiten der spanischen Regierung zukünftig besser unter Kontrolle gebracht werden.

VI. ,,Fischerei" auf Gran Canaria

Seit der Frühzeit wird im Atlantik und im Mittelmeer gefischt. Das Meer von Mauretanien und Senegal um die Elfenbeinküste bis Kongo zählt als eines der biologisch produktivsten Gewässer zu den zehn fischreichsten Gebieten der Erde.

Um dieses und andere Ökosysteme zu bewahren werden neben Wasserreinhaltungsmaßnahmen auch international gültige Fischereiabkommen geschlossen.

Doch leider treten nicht alle Nationen solchen Abkommen bei. Im Gegenteil profitieren viele arme Länder und Entwicklungsländer von diesen Zuständen. Länder wie Honduras, Panama, Belize, Grenadien,.. verteilen großzügig Fischfanglizenzen gegen Devisen an Länder wie die USA, Japan oder Europäische Staaten. Die unter sogenannter Billigflagge fahrenden Hochseekähne mit ihren bis zu 100km langen Fangnetzen fischen dann ohne jegliche Reglementierung oder Kontrolle. Gerade die Thunfischbestände haben darunter sehr zu leiden. Die allein 350 Piratenschiffe an der afrikanischen Küste (von den ca. 1200 weltweit Geschätzten) haben ihr Hauptportal zu Europa im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria. Sie werden hier nicht nur geduldet, sondern sind sogar sehr willkommen, da wichtige Arbeitsplätze in der weggefallenen insularen Fischerei durch die Weiterbeschäftigung in vorhandenen Wartungsdocks kompensiert werden kann.

Da auch die Kanaren zur EU gehören (,,Regionen in äußerster Randlage") - wenngleich die gemeinsame Fischereipolitik hier nicht gilt - und sich alle Gebiete der EU der nachhaltigen Entwicklung nicht erst seit der Agenda 21 verpflichtet haben, sollte man eigentlich meinen, daß von Rechtswegen hierzu entscheidende Schritte eingeleitet werden sollten. Zwar ist die Meldung darüber, daß Passagier- und Autofähren künftig mit Walortungssystemen ausgestattet werden sollen, um zu vermeiden, daß Kollisionen zwischen Fähren und den Wasserbewohnern stattfinden zu begrüßen, doch ist dies nur ein kleiner Schritt in Richtung effektivem Gewässerschutz mit den darin lebenden Tieren.

VII. Bewässerung auf Lanzarote und Fuerteventura

Die Anlage von Stauseen und Bewässerungsbecken zur Gewinnung von Nutzwasser für die Bevölkerung bzw. Bewässerung für den Feldbau war besonders vor dem Bau der großen Meerwasserentsalzungsanlagen von großer Bedeutung. Der Bedarf an Trink- und Nutzwasser für die Bevölkerung und den explodierenden Tourismus kann heute durch diese Entsalzungsanlagen weitgehend gedeckt werden. Die Landwirtschaft ist jedoch zum großen Teil noch auf das in Brunnen, Stauseen und Becken gewonnene Wasser zur Bewässerung ihrer Kulturen angewiesen.

Während auf Lanzarote die künstliche Bewässerung gegenwärtig infolge des überwiegenden ,,enarenado" und ,,jable"-Anbaus kaum eine Rolle spielt, entwickelte sich auf Fuerteventura innerhalb der letzten Jahrzehnte ein exportorientierter Tomatenanbau. Dieser beschränkt sich überwiegend auf mittelgroße, nicht terassierte Felder im Süden und Zentralteil der Insel. Neben saisonal wechselnden Exportschwierigkeiten zwingt auch die schlechte Qualität des Bewässerungswassers (bei 5 von 8 Wasserproben werden teilweise extrem hohe Salzgehalte festgestellt), die eine zunehmende Versalzung der ohnehin meist mit ausgeprägter saliner Phase behafteten Böden zur Folge hat, zum häufigen Wechsel oder Verlust von Nutzfläche. Zu diesen ungünstigen natürlich und anthropogen bedingten Faktoren kommt noch eine relativ geringe Bodenfruchtbarkeit (KAK<20mval) der meisten zu Verhärtung im Kalk- oder Tonanreicherungshorizont neigenden Böden dazu.

Zu hohe Salzgehalte des Bewässerungswassers, oft verbunden mit nicht ausreichender

Auswaschung der Salze, führen ebenso wie die Anlage von nur mit Erdwällen abgedichteten Staubecken zu einer fortgeschrittenen Entwicklung der Salz- und Natriumböden, selbst an klimatisch und topographisch nicht typischen Standorten.

VIII. Wasser und Tourismus auf Gran Canaria

Die wirtschaftliche Entwicklung Gran Canarias war schon früh geprägt von den spanischen Kolonialisten. Vom Zuckerrohr, Wein bis hin zu Tabak wurde möglichst günstig auf den Kanaren produziert und gehandelt. Auch Farbstoff, wie der von der Cochenille-Laus stammende rötliche Saft und die kleinen ,,la enana" genannten Bananen waren früher wichtige Geldquellen für die Kanarischen Inseln.

Erst als nach dem 1.Weltkrieg der amerikanische und afrikanische Markt (speziell Bananen und exotische Früchte) stärker erschlossen wurde, spürte man auch auf Gran Canaria die stärker werdende Konkurrenz.

Gleichzeitig konnte aber nach dem 2.Weltkrieg ein neuer wirtschaftlicher Zweig, nämlich der Tourismus langsam auf die Kanaren übergreifen: von 20000 Urlaubern 1955 über 2 Millionen 1988 auf ca. 1,6 Millionen heute. So wichtig die Deviseneinkünfte und das Beschäftigungspotential einerseits für die Kanaren sind, so gravierend können andererseits die Nachteile der touristischen Inwertsetzung sein.

Nicht nur wegen dem Flächenverbrauch durch Hotelanlagen und der Versiegelung durch Straßen und anderer Flächen entstehen Probleme wie die Verringerung von Naherholungsflächen oder den verstärkten Oberflächenabfluß nach Starkregenereignissen. Durch die Bevölkerungsexplosion zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Bau- und Brennmaterial knapp, weswegen man sich mit Hölzern aus den umliegenden Wäldern versorgte. Da aber gerade die Kiefernbestände im Wasserhaushalt der Inseln eine tragende Säule darstellen, da sie den auftretenden Nebel aus der Luft filtern, das Kondenswasser somit über die Stämme an den Boden abgeben und damit ins Grundwasser, legte man den Grundstock für ein kommendes Problem.

Die enorm gestiegene Bevölkerung verbraucht mehr Trinkwasser und nicht effektive Bewässerungsmethoden oder bewässerungsintensive Kulturen wie Tomaten oder Bananen verschlingen kostbares Trinkwasser. Dazu kommen dann gerade in jüngerer Zeit noch sehr viele Touristen, die an heimische Verbrauchsgewohnheiten anknüpfen. Nicht nur, daß die Versorgungsinfrastruktur enorme Kosten verursacht, sondern auch v.a. die teure Entsorgung und Klärung des Brauchwassers führen oft dazu, daß jenes Brauchwasser unbemerkt in Flüsse oder direkt ins Meer abgeleitet wird.

Ein weiterer Kostenfaktor sind die Meerwasserentalzungsanlagen, die v.a. große Mengen an Energie verschlingen, aber durch die Versalzung der Tiefbrunnen zur Versorgung der Menschen nötig werden.

Perspektivisch kann zum Tourismus noch nicht viel gesagt werden. Die Diskussionen gehen von einer Begrenzung der Touristen bis zu einer weiteren Erschließung der Inseln. Da aber bereits heute Tanklastschiffe Trinkwasser vom Festland auf die Kanaren bringen müssen, um die Grundversorgung zu sichern, läßt die zweite Alternative als eher utopisch erscheinen. Gerade dem Wandel hin zum Qualitätstourismus oder dem nachhaltigem Tourismus muß wohl die Zukunft eingeräumt werden. Es bleibt nicht nur zu hoffen, sondern ist auch erstrebenswert, daß damit auch eine Entwicklung hin zum Umweltschutz und dem Schutz und der Wahrung der Ressourcen einhergeht.

IX. Strände an den Kanaren

Die privaten Stiftung FEEE (Foundation for Environmental Education in Europe) verlieh zum ersten Mal 1985 eine sogenannte ,,blaue Flagge" an Frankreich. Die Auszeichnung ,,blaue Flagge" stellt eine Art Gütesiegel (nicht zu vergleichen mit dem ,,Blauen Engel" in Deutschland) für Strände und Strandbereiche dar. Sie wird jeweils für ein Jahr für den jeweiligen Strand in Europa verliehen. Bei Mißbrauch droht eine mindestens zweijährige Sperre bei der nächsten Vergabe.

Zum Zeitpunkt der ersten Vergaben waren als Kriterien lediglich das Wegräumen des Mülls und keine sichtbaren Verschmutzungen des Wassers nötig. Mit der Zeit allerdings haben sich die Vergabekriterien verschärft: seit 1992 ist die europäische Badewasserdirektive aus dem Jahr 1976 obligatorisch, und ab diesem Jahr sind Aspekte wie kommunale Umweltpolitik und die Umsetzung der Agenda 21 verpflichtend.

Die wichtigsten Kriterien:

- durch Analysen bestätigtes sauberes Wasser
- Umwelterziehung der Strandbesucher
- tägliche Strandreinigung und Müllabfuhr
- Rettungsdienst
- leichter und sicherer Zugang zum Strand, speziell für Rollstuhlfahrer
- Notarzt vor Ort und schnelle Transportmöglichkeit zu einem Krankenhaus
- Verbot des Wildcampings
- Beschilderung und Einhaltung der gültigen Küstenvorschriften
- vorhandenes Trinkwasser
- sanitäre Einrichtungen (öffentliche Duschen, WC)
- Einschränkung des Kfz-Verkehrs
- Tierverbot

Zur Überprüfung der Wasserqualität haben sich seit 1987 die Wasserprobenentnahmestellen in Spanien fast verdreifacht, was auch anderen Forschungseinrichtungen zugute kommt. Zudem legt die private Organisation großen Wert auf die Sensibilisierung der Bevölkerung für Umweltfragen im Rahmen von Workshops und in den Schulen.

Als vielleicht größten Verdienst kann sich FEEE anrechnen, daß die UN mit ihrem Umweltprogramm PNUMA sogar plant - unter Ausbau der Bedingungen für die Zuteilung - das Konzept der ,,blauen Flagge" weltweit zu übernehmen.

Für die Saison 2000 sind folgende Strände auf den Kanaren mit dem Prädikat ,,Blaue Flagge" ausgezeichnet worden:

Fuerteventura

- Tuineje: Gran Tarajal
- Pájara: Matorral

Gran Canaria

- Las Palmas: Las Canteras
- Telde: Melenara
- S. Bartolomé de Tirajana: El Inglés, Mas Palomas, Las Burras

Lanzarote

- Arrecife : El Reducto
- Tías : Grande, Pila de la Barilla, Matagorda
- Yaiza: Blanca
- Haría: La Garita-Arrieta
- Teguise: Las Cucharas

La Palma

- Brena Baja: Los Cancajos
- Los llanos de Aridane : Puerto Naos

Tenerife

- Santa Cruz de Tenerife : Las Teresitas
- Arona : Las Vistas
- Adeje : Las amércas, Fanabe
- Santiago del Teide : La Arena
- Los Realejos: El Socorro
- Puerto de la Cruz: Playa Jardín

X. Schlußbemerkung

Es bleibt zu hoffen, daß angesichts der weltweiten Entfaltung des Umweltbewußtseins eine Wende herbeigeführt werden kann.

Immer mehr setzt sich die Überzeugung durch, daß das Leben der Menschen ohne gesunde - wenn schon nicht völlig natürliche , so doch weitgehend naturnahe - Umwelt nicht möglich ist und auch nicht mehr lebenswert wäre. Es gilt daher, möglichst unberührte Teile der Natur zu bewahren, für die Erholung und Gesunderhaltung des Menschen zu konservieren. Natur- und Umweltschutz war ursprünglich das Anliegen romantischer Naturschwärmerei, betrieben von einem relativ kleinen Kreis von Pflanzen- und Tierliebhabern, aber auch von Jägern, Anglern und Fischern, die sich Reservate für ihre Beute (Wälder, saubere Gewässer) wünschten.

Wie in anderen Einflußphären des Menschen sind jedoch keine einseitigen Maßnahmen - weder absolute Abriegelung der Reservate noch völliger Verzicht auf deren Nutzung - erforderlich und aus ökonomischen Gründen auch nicht immer vertretbar. So ist für die zukünftige Entwicklung der Menschheit eine Synthese von Ökonomie und

Ökologie unumgänglich. Dafür müßte sich in allen Bevölkerungsschichten mehr und mehr ein Umweltbewußtsein entwickeln, Umweltbildung und Umwelterziehung im Unterricht der Schulen und Universitäten zunehmend an Bedeutung und Umfang gewinnen. Staatliche Umweltpolitik findet weltweit in Verordnungen und Maßnahmen der Ministerien gesetzlichen Ausdruck und führt folgerichtig auch zu entsprechenden Forschungseinrichtungen (z.B. Feldstationen). In steigendem Maße entwickeln sich auch internationale Vereinbarungen zum Schutze der Welt für Mensch und Natur auf dem gesamten Erdball, bei deren Umsetzung und strafrechtlicher Verfolgung aber noch große Bemühungen unternommen werden müssen.

Literaturliste:

GRAVETTE, Andy. (19982 ): "Kanarische Inseln". Könemann. Köln.

HÖLLERMANN, Peter (Hrsg.). (1991): ,,Studien zur Physischen Geographie und zum

Landnutzungspotential der östlichen Kanarischen Inseln". Franz Steiner. Stuttgart.

HÖLLERMANN, Peter. (1982): ,,Studien zur aktuellen Morphodynamik und Geoökologie der Kanareninseln Teneriffa und Fuerteventura". (=Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Band 34). Vandenhoeck und Rupprecht. Göttingen.

HÖLLERMANN, Peter. (1995): ,,Wald- und Buschbrände auf den westlichen Kanarischen

Inseln - ihre geoökologischen und geomorphologischen Auswirkungen". (=Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Band 46). Vandenhoeck und Rupprecht. Göttingen. o.A.. (1988): ,,Die Ökologie". (=Schülerduden). Meyer Lexikonverlag. Mannheim. o.A.. (1997): ,,Gran Canaria - Fuerteventura - Lanzarote". HB Verlagsgesellschaft. Hamburg. RÄDECKE, Karl-Arnulf. (19983 ): ,,Gran Canaria". DuMont Buchverlag. Köln.

Briefverkehr mit Prof. i.R. Dr. Peter Höllermann, Bonn

Pressemitteilungen ,,Frankenpost" vom August/ September 2000. Pressemitteilungen ,,Greenpeace" vom August/ September 2000. http://europa.eu.int diverse Seiten www.europal.eu.int diverse Seiten www.greenpeace.de diverse Seiten www.spanien.com diverse Seiten www.spanien-abc.com diverse Seiten

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Details

Titel
Umweltschutz auf Gran Canaria und den Kanarischen Inseln
Hochschule
Universität Regensburg
Veranstaltung
Hauptseminar Prof. Ehrig - Ökologie der Kanaren
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V99527
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit soll einen Einstieg in das Themengebiet bieten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Behandlung des komplexen Themas
Schlagworte
Umweltschutz, Gran, Canaria, Kanarischen, Inseln, Hauptseminar, Prof, Ehrig, Kanaren
Arbeit zitieren
Thomas Kraus (Autor), 2001, Umweltschutz auf Gran Canaria und den Kanarischen Inseln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99527

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