Geschichte, Politik und Wirtschaft Indiens


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

5 Seiten, Note: sehr gut


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INDIEN

Indien ist nach China das menschenreichste Land der Welt. Das starke Bevölkerungswachstum führt zu erheblichen sozialen und ökonomischen Problemen, wie Hunger, dem Anwachsen der Slums in den Großstädten und zu Umweltverschmutzung. In den 90er Jahren verschärften sich auch die ethnischen und religiösen Spannungen auf dem indischen Subkontinent.

Einwohner: 871,2 Mio. Fläche: 3,28 Mio. km² Einwohner/km²: durchschnittlich 271,3, aber bis zu 800 in Bengalen Lebenserwartung: 55 Jahre Alphabeten ab 15 Jahre: 36% (1980) Hauptstadt: Neu-Delhi Sprachen: Hindi, Englisch, 1500 Sonstige Religionen: Hindus (80%), Moslems (11%), Christen (2,4%), Sikhs, Buddhisten PKW/1000 Einw.: 1 Fernsehgeräte/1000 Einw. (1982): 3

Geographie:

Von den Hauptketten des Himalaya reicht das Land über dessen Vorberge, die Schwemmlandebene von Ganges und Brahmaputra und das Dekhanhochland bis zur Südspitze des Subkontinents. Das Klima ist im Süden tropisch, im Norden subtropisch, und wird vom Monsun bestimmt. Die stärksten Niederschläge der Erde herrschen in Assam, im Nordosten des Landes, wo es immergrüne Regenwälder, Monsunwälder, gibt. Der Nordwesten Indiens ist hingegen äußerst trocken, dort befindet sich die Wüste Thar.

Wichtigste Flüsse:

Ganges: 2700 km, vom Südhang des Himalaya bis zum Golf von Bengalen Godavari: 1445 km, vom Osthang des West-Ghats bis zum Golf von Bengalen Brahmaputra, Indus

Wichtigste Städte:

Bombay: 9,9 Mio., Delhi: 7,2 Mio. Kalkutta: 4,4 Mio. Bangalore: 4,2 Mio. Madras: 3,8 Mio. Geschichte:

In der Jungsteinzeit Indus-Kultur, eine der frühesten Hochkulturen der Welt; Um 1500 v.Chr. fielen kriegerische arische Nomadenvölker vom Nordwesten her ein, deren Dreiklassensystem zur Grundlage des indischen Kastensystems wurde. Im dritten und zweiten Jahrhundert v.Chr. entstand das erste indische Großreich, das unter König Aschoka seine größte Ausdehnung hatte. Im zwölften Jahrhundert wurde Indien islamisiert, das Sultanat Delhi wurde gegründet, im 16. Jahrhundert wurde die Kaiserdynastie der Moguln gegründet, zu dieser Zeit richteten auch die ersten Europäer Handelsniederlassungen auf indischem Boden ein. 1818 wurde Indien britische Kolonie. Vierzig Jahre später übernahm Großbritannien offiziell die Souveränität des Mogulreichs, und 1877 wurde Königin Viktoria "Kaiserin von Indien". Nach dem 1.Weltkrieg eröffnete Mahatma Gandhi seine Bewegung des passiven Widerstands. 1935 gab Großbritannien Indien parlamentarische Selbstverwaltung, 1947 erhielt Indien nach der Trennung vom islamischen Pakistan den Dominion-Status, und 1950 wurde es unabhängige Republik im Rahmen des Commonwealth. Indien verleibte sich Haiderabad und die portugiesische Enklave Goa ein. In den 60er Jahren gab es Grenzkonflikte mit China und später Pakistan, ausgelöst durch das Kaschmirproblem. 1971 schloss Indien mit der Sowjetunion einen Freundschafts- und Beistandspakt und unterstützte die Sezessionsbestrebung Ostpakistans, die nach dem militärischen Eingreifen Indiens zur Gründung des Staates Bangladesch führte. 1974 zündete Indien seine erste Atombombe.

Politik:

Staatsform: Parlamentarische Bundesrepublik (seit 1950) Parlament: Unterhaus, Oberhaus Mitglied des Commonwealth Indien ist in 25 Bundesstaaten und 7 Unionsterritorien gegliedert Von 1947 bis 1996 regierte mit zwei Unterbrechungen die Kongresspartei. 1992/93 kam es zu Religionsunruhen zwischen Hindus und Moslems. Bei den Parlamentswahlen 1996 wurde die rechtsnationale Hindu-Partei BJP zur stärksten politischen Kraft. Seit 1998 ist Atal Behari Vajpayee Premierminister.

Wirtschaft:

Währung: 1 Rupie = 100 Paise Dienstleistung: 41%, Industrie: 28%, Landwirtschaft: 31% BSP/Einw.: 310$, Inflationsrate: 6,7%, Arbeitslose: 70 Mio. Anteil der Landwirtschaft am BIP (1983): 36% Außenhandel in Mrd. $: Einfuhr: 14,2 Ausfuhr: 7,6 (1985)

Obwohl Indien eines der am stärksten industrialisierten Länder der Welt ist, ist die Landwirtschaft nach wie vor der entscheidende Faktor der Wirtschaft. Etwa 80% der Bevölkerung lebt auf dem Land, die Landwirtschaft stellt ihre Existenzgrundlage dar; durch die Bevölkerungsexplosion steigt auch der Bedarf an Nahrungsmitteln. Wichtigste Anbauprodukte sind Reis, Hirse, Zuckerrohr, Sesam, Erdnüsse und Bananen und Weizen, der vor allem im Staat Punjab angebaut wird. Weltweit ist Indien der viertgrößte Getreideerzeuger und liegt beim Hauptnahrungsmittel Reis an zweiter Stelle (115,8 Mio. t), er wird vor allem im Osten des Landes angebaut. Bei der exportorientierten Produktion von Tee (720 000t), Zuckerrohr (250,3 Mio. t) und Jute liegt Indien weltweit auf Spitzenplätzen. Daneben werden besonders Tabak, Kaffee, Baumwolle und Gewürze angebaut, auch Bodenschätze wie Eisen, Kohle und Bauxit werden gefördert. Die Erdölförderung deckt über zwei Drittel des Eigenbedarfs. In Indien werden mit 300 Mio. Tieren die weltweit meisten Rinder gehalten, die aus religiösen Gründen aber nur in einigen Landesteilen geschlachtet werden, dafür vor allem zur Butter- und Milcherzeugung genutzt werden. Neben der traditionellen Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte haben sich zahlreiche Industrien entwickelt, und Wasser- und Wärmekraftwerke wurden errichtet. Die Eisenbahnlinien und der Flugverkehr sind relativ gut ausgebaut, jedoch nur die Hälfte des Straßennetzes besteht aus befestigten Straßen. Traditionell ist die indische Wirtschaft zentralistisch durch Fünfjahrespläne organisiert. Während die ersten Fünfjahrespläne Schwergewicht auf die Entwicklung des Agrarsektors ("Grüne Revolution") und der Wasserversorgung/Bewässerung legten, wurde das Entwicklungsspektrum im IV. Fünfjahresplan beträchtlich erweitert: Zur Landwirtschaft kamen Industrie, Bergbau, Energieversorgung, Wohnungs- und Städtebau, Verkehr, Bildung und Forschung dazu. Vor allem sollte der Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden. Aber die Planziele wurden verfehlt: Das Armuts- und Bevölkerungsproblem wurde schlagartig verschärft durch den Flüchtlingszustrom aus Ost-Bengalen, und das industrielle Wachstum kam nicht in Gang. Auch der V. Fünfjahresplan von 1974-78, der ebenfalls die Armut beseitigen wollte, schlug aufgrund der Erdölkrise fehl. Auf Druck der Weltbank und des IWF öffnete die Regierung ab 1991 das Land für ausländische Mehrheitsbeteiligungen bei Joint- Ventures und leitete eine Privatisierung der verschuldeten Staatsbetriebe ein. Seit dem Zusammenbruch der UdSSR verlagerte sich der Außenhandel auf Geschäfte mit den USA und der EU. Indien erreichte 1992 bei der Industrieproduktion ein Wachstum von über 8%. Besonders der städtische Mittelstand profitiert von diesem Aufschwung, aber über 40% der Einwohner leben weiterhin unterhalb der Armutsgrenze. Ein Industrieschwerpunkt im Osten des Landes in Kalkutta, das durch seinen Hafen, die nahegelegenen Kohlebergwerke und die Teeplantagen des Hinterlandes begünstigt ist. Vor allem finden sich dort Juteweberein, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Elektroindustrie und chemische Industrie. An der Westküste begann die Industrialisierung in Bombay, für das besonders die Baumwollverarbeitung, aber auch der Leichtmaschinenbau und die Papierherstellung von Bedeutung sind. Außerdem ist Bombay das größte Raffineriezentrum. Insgesamt gesehen konzentriert sich die Industrie auf Großstädte, was dem ursprünglichen Konzept der Landesplanung eigentlich widerspricht, die eine breite Streuung in ländlichen Räumen vorsah.

Umweltverschmutzung:

Besonders die Entwaldung ist seit Indiens Unabhängigkeit ein großes Umweltproblem. Seit 1950 hat das Land die Hälfte seines Waldes verloren, jedes Jahr verwandelt sich ein Prozent der Landmasse in Wüste, sechs Milliarden Tonnen Humus werden weggeschwemmt, und an den einstmals grünen Hängen des Himalaya wächst unter 2000 Meter Höhe praktisch kein Baum mehr. Wenn weiter so abgeholzt wird wie bis jetzt, dann wird es in 20 bis 25 Jahren keinen einzigen Wald mehr geben in Indien. Jedes Jahr im Monsunsommer ertrinken Tausende Menschen in den Flutwellen reißender Ströme, die von keinen Wäldern mehr reguliert werden. 40% des kultivierbaren Bodens sind bereits unfruchtbar geworden, und das in einem Land, dessen Bevölkerung jährlich um 20 Millionen wächst. Die Ursachen der Entwaldung sind wachsender Landbedarf, aber vor allem hemmungslose Abholzorgien der Holzfirmen und die frei umherlaufenden 300 Mio. Rinder, die jede Aufforstungsaktion zunichte machen und mit ihren Hufen den Boden so fest trampeln, dass kein Wasser mehr aufgenommen werden kann. Eine Lösung des Problems wäre die Bepflanzung von stark beweideten Gebieten mit Bäumen, Sträuchern und Gras.

Aber auch der Ganges, der heilige Fluss der Hindus, wird massiv verschmutzt. Sechs Millionen Menschen kommen jährlich in die Stadt Varanasi, um im Ganges zu baden und sein Wasser zu trinken. Mitte der 80er Jahre ergoss sich nur wenige hundert Meter von den Badeplätzen der Gläubigen entfernt, die Kanalisation der Millionenstadt in den Fluss. Ebenfalls nicht weit lag das Manikarnika Ghat, wo 40 000 Leichen im Jahr verbrannt werden.

Halbverbrannte Leichen schwammen an den Badenden vorbei. Das Ganges-Wasser wimmelte von Bakterien, Zyaniden, Blei, Quecksilber, den Überresten menschlicher Exkremente und Leichen. Cholera- und Typhusbazillen reproduzierten sich milliardenfach. Kein Wunder ist es also, dass 98 Prozent der Einwohner an Durchfallerkrankungen litten und die Kindersterblichkeit eine der höchsten in Indien war.

Der Zustand des Ganges hatte die indische Regierung auf den Plan gerufen. Das 600- Millionen-Mark Projekt "Operation Ganges" sollte über eine Zeitspanne von fünfzehn Jahren den Ganges durch Dämme und Wiederaufforstung in den Bergen unter Kontrolle bringen.

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Details

Titel
Geschichte, Politik und Wirtschaft Indiens
Veranstaltung
Referat
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
5
Katalognummer
V99533
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indien Geografie, Umwelt und Wirtschaft (Schwerpunkt)
Arbeit zitieren
Tamara Erkinger (Autor), 1998, Geschichte, Politik und Wirtschaft Indiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99533

Kommentare

  • Gast am 15.11.2002

    Schüler.

    Eine befriedigende Arbeit!Aber was mich daran stört,es hätte in Englsich geschrieben werden müssen.

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