Entstehung und Entwicklung des Börsenwesens. Ein Überblick


Seminararbeit, 2020

19 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Ursprünge der Börse

3 Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund

4 Die Entstehung des modernen Börsenwesens

5 Entwicklung in Deutschland

6 Spekulationsblasen und ihre Auswirkungen
6.1 Die Tulpenblase von Holland
6.2 Der Südsee-Schwindel von Großbritannien
6.3 Der Börsencrash 1929 an der New Yorker Börse

7 Börse heute
7.1 Die Funktionen der Börse
7.2 Börsenarten

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis
9.1 Literatur
9.2 Weblinks
9.3 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung des Börsenwesens. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da mich persönlich die Börse und die Möglichkeiten, dort Geld zu verdienen, sehr stark interessiert.

Seit Jahrhunderten üben die Kapitalmärkte mit ihren eindrucksvollen Verdienstmöglichkeiten und ihren spektakulären Börsencrashs eine magische Anziehungskraft auf die Menschen aus. Viele Menschen assoziieren Börsen hauptsächlich nur mit Aktien und dem Aktienmarkt, aber es gibt so viel mehr: Verschiedenste Waren und Güter werden gehandelt, das Spektrum reicht über Aktien, Zinsen, Metalle, Rohstoffe, Währungen und Versicherungen. Es gibt den Anleihemarkt und die Terminbörsen. Der Zweck ist Kapitalgeber und Kapitalnehmer zusammenzubringen. Aber wo nahm das Ganze seinen Anfang?

Tauschgeschäfte gab es schon immer. Diese wurden im Mittelalter auf Märkten abgehalten und später auf Messen. Daraus entwickelte sich im 17. Jahrhundert die erste einfache Börse. Daher beschäftigt sich meine Arbeit zunächst mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im 16. und 17. Jahrhundert in Europa sowie mit der Gründung der ersten Handelsgesellschaft auf Aktienbasis, die als Auslöser für den modernen Börsenhandel gilt.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die verschiedenen Börsencrashs der vergangenen Jahrhunderte und wie sie zur Entwicklung des Börsenwesens beigetragen haben. An 3 Beispielen zeige ich auf, welche Auswirkungen diese Crashs auf die einzelnen Staaten und die globale Wirtschaft hatten. Auch die Gesetzgebung spielt hier eine Rolle und wurde bzw. musste auch stetig weiterentwickelt werden.

Im letzten Abschnitt gebe ich einen Überblick über die Börse von heute und erläutere ihre Funktionen und Arten, an denen man erkennen kann, dass sich die Börse seit dem 17. Jahrhundert stetig weiterentwickelt hat und im Zuge der Globalisierung weltweit das Wirtschaftsgeschehen bestimmt.

2 Historische Ursprünge der Börse

Historiker datieren die ersten Vorformen der heutigen Börse auf das 12. Jahrhundert zurück. Es gab noch keine festen Gebäude wie heutzutage, sondern die Handelsleute trafen sich auf bestimmten öffentlichen Plätzen, um zu handeln. In erster Linie wurden hier Waren gehandelt und getauscht, so dass man hier eher von einem einfachen Marktplatz sprechen kann. Aktien gab es zu dieser Zeit noch nicht. Im Laufe der Zeit nahm die Anzahl der Marktteilnehmer und des Warensortiments zu und es wurden auch Kaufleute aus großer Entfernung angezogen. So entstanden die ersten Messen. Die Messe diente vorrangig dem Austausch von Kaufmann zu Kaufmann. Im engen Zusammenhang mit den Messen entstanden dann die Börsen, die entweder die Funktion des Zahlungsverkehrs der Messen übernahmen oder sie aber auch als Markt ablösten. Die Börse ist nichts anderes als ein Ort, an dem Kauf- und Verkaufsangebote über Vermittler zusammengebracht werden und nach festgesetzten Regeln abgewickelt werden. Die belgische Stadt Brügge war 1409 Vorreiter für das erste Handelsgebäude; sie verlegte den Handel in das Haus der Familie „van der Beurse“, woher sich der Begriff „Börse“ ableitet. Im Lauf der Jahrzehnte folgten weitere Einrichtungen und im Jahr 1531 wurde das erste Gebäude in der Geschichte der Börse in Antwerpen rein für den Börsenhandel errichtet.1 Die beigefügte Übersicht zeigt die Gründungsjahre einiger europäischer Börsenplätze:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 175

3 Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund

Um zu verstehen, warum aus den Messen Börsen wurden und was zu ihrer Entstehung geführt hat, muss man sich zunächst einmal die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Frühen Neuzeit in Europa anschauen und warum die Handelsgesellschaften in Amsterdam und in Folge auch in London eine führende Position im damaligen Welthandel einnahmen.

Der europäische Welthandel erlebte im 15. und 16. Jahrhundert eine Blütezeit. Der internationale Warenaustauch gewann immer mehr an Bedeutung und es wurde immer wichtiger, auf bestimmte Nachfragen möglichst schnell zu reagieren. Europa war im ökomischen Aufbruch und die Händler nahmen viele gefahrvolle Reisen auf sich, sei es auf dem Land- oder Seeweg, um den Bedarfen nachzukommen. Trotz mancher Einbrüche und Rückschläge, sei es durch hohe Schiffsverlustquoten oder weit verbreitete Piraterie in den europäischen Gewässern, wuchsen die überseeischen Beziehungen und legten den Grundstein für einen immer größere Kreise ziehenden Welthandel.2

Im 16. Jahrhundert wurden in der Hauptsache Gewürze aus Asien, Getreide aus dem Ostseeraum und Edelmetalle aus Amerika nach Europa importiert. Dabei wurden z.B. nur ca. 45% der Pfeffereinfuhren über die Kaproute abgewickelt, der Rest kam über die traditionellen Seewege nach Europa.3 Neben Pfeffer von den Molukken waren Nelken, Muskatnüsse und Muskatblüten sehr begehrt. In China lernte Europa die Vorzüge des Tees kennen, im Gebiet des heutigen Jemen und auf Java stieß man auf Kaffee. Indische Baumwoll- und Seidentextilien waren sowohl in Europa, als auch in den amerikanischen Kolonien stark gefragt.4 Im Bereich der Textilherstellung hatten Italien und Spanien eine Vormachtstellung inne; Portugal war die beherrschende Macht im Handel mit Ostasien.

Die Eroberung der Ozeane und der Erfolg des Seehandels waren die Schlüsselelemente für die weltweiten Handelsbeziehungen. Der europäische Handel ging zurück und die Handelsbeziehungen mit Nord- und Südamerika sowie mit Asien festigten sich. Die Mittelmeerstaaten wie z.B. Italien oder Spanien verloren durch diese Verlagerung der Handelswege ihre Vormachtstellung im Bereich der Textilherstellung an England und die Niederlande. Sie sanken nun auf die Stufe von reinen Rohstofflieferanten ab.5 Dadurch verlagerte sich der ökonomische Schwerpunkt langsam aber sicher von den Mittelmeerstaaten zu den atlantischen Anliegerstaaten.

Der Handel mit Importgütern bekam immer größere Bedeutung und der Kapitalbedarf, um diesen Handel zu finanzieren, stieg.6 Im 16. Jahrhundert waren es in der Hauptsache große Familienunternehmen wie z.B. die Fugger, die nach dem Vorbild der Hanse freiwillig zusammenarbeiteten und zu den Trägern des Überseehandels gehörten. Nach und nach begannen aber auch kleine Händler in größerer Zahl am Seehandel teilzunehmen. Durch die hohen Risiken, die mit dem Seehandel verbunden waren, war es zur damaligen Zeit sinnvoller, Teileigner einer Anzahl von Schiffen zu sein, als Alleineigner eines einzelnen. Dies forcierte auch die Bildung von Interessengemeinschaften und Kapitalgesellschaften.7 Ab dem 17. Jahrhundert übernahmen neu gegründete Handelsgesellschaften, die auf Aktienbasis fungierten, die Vormachtstellung im Überseehandel.8

Voraussetzung für die Dominanz dieser Handelsgesellschaften in den Niederlanden und später auch in England waren neben der guten Kapitalversorgung auch die Vormachtstellung im Bereich des Massen- und Luxusgüterhandels. Sie verfügten über eine technische Dominanz im verarbeitenden Gewerbe sowie einen unbegrenzten Nachschub an Rohstoffen durch den Handel.9

4 Die Entstehung des modernen Börsenwesens

Um den steigenden Kapitalbedarf, der mit dem Ausbau der Handelsmarine verbunden war, decken zu können, begannen die Familiengesellschaften des 16. Jahrhunderts, die Kosten eines Schiffes und seiner Fracht auf eine große Zahl von Teilhabern auszuweiten. Im Allgemeinen führte ein Kreis von Hauptgesellschaftern das Schiff und kümmerte sich um den Verkauf der Fracht, während die Teilhaber Kapital und/oder Waren bereitstellten und am Gewinn bzw. Verlust beteiligt wurden.

Eine Erhöhung des Betriebskapitals war bei diesen Gesellschaften relativ einfach: entweder wurden die Gesellschafter zu weiteren Einlagen bewogen oder das Kapital wurde durch verzinsliche Einlagen von Außenstehenden hinzugeführt. Die Gesellschafter waren am Gesamtgewinn oder -verlust beteiligt, wohingegen die Kapitalgeber auf ihre Einlage fest vereinbarte Zinsen bekamen. Das Kapital wurde aber in den meisten Fällen nur für eine Fahrt gezeichnet. Beide Formen der Beteiligung an den Gesellschaften deuten bereits auf Aktien und Obligationen hin, die noch heute von Kapitalgesellschaften zur Kapitalbeschaffung benutzt werden. Nichtsdestotrotz waren diese „Aktiengesellschaften“ noch sehr primitiv organisiert.10

Die Handelskompanien des 17. Jahrhunderts – allen voran die niederländische Vereinigte Ostindische Kompanie, die 1602 gegründet wurde und ihre größte Filiale in Amsterdam hatte, gilt als erste Aktiengesellschaft moderner Prägung. Amsterdam entfaltete sich schnell zum zentralen Umschlagplatz für europäische Waren- und Kapitaltransfers und entwickelte die dazu nötigen Institutionen: 1598 wurde eine neue Versicherungskammer für die Seefahrt gegründet, die Börse und die Amsterdamer Girobank wurden 1609 eröffnet, 1614 eine spezielle Kreditbank und 1616 die neue Kornbörse.11

Die Vereinigte Ostindische Kompanie war die erste Gesellschaft, die das von Kapitalgebern eingebrachte Geld als dauerhaft ansah. Es konnte nicht zurückgefordert werden. Wollte ein Investor seine Einlage wieder zu Bargeld verwandeln, musste er seine Anteilsscheine an der Börse verkaufen. Je nach Kapitalbedarf gab die Kompanie auch weitere Anteilsscheine an der Börse aus. Die Gewinne wurden dann als Dividenden ausgeschüttet. Der Erfolg beflügelte weitere Anleger, der Preis der Aktie stieg und somit auch die Dividenden.12

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts etablierte sich London neben Amsterdam als Handelsmacht. Nach dem Amsterdamer Vorbild entstanden hier ebenfalls viele Handelsgesellschaften und mit dem Aufstieg Englands zur führenden See- und Kolonialmacht nahm auch der Handel mit Aktien und Obligationen zu. Ein weiterer Impulsgeber war die auf Aktienbasis gegründete Bank of England, die erstmals Banknoten ausgab, die nicht vollständig durch Edelmetallreserven gedeckt waren. Der lebhafte Handel mit Aktien und Obligationen beflügelte die englische Industrie und beendete damit die Vorherrschaft des Bankplatzes Amsterdam.13 Die industrielle Revolution, die im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm, war nur möglich, weil ihr eine finanzielle Revolution vorausgegangen war.

Die folgende Abbildung verdeutlicht die weitreichenden Börsenverbindungen der Städte Amsterdam und London um 1700:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 174

Im ausgehenden 17. Jahrhundert konnte man in Amsterdam sowie in London zu Beginn des 18. Jahrhunderts die gleichen Entwicklungen beobachten: mit den Handelsgesellschaften stieg die Zahl der Anlegewilligen und die Zahl der Börsenmakler stieg ebenfalls. Es gab Aktienübertragungen direkt zwischen Käufer und Verkäufer als auch gegenüber den Börsenmaklern. Termingeschäfte, bei denen Aktien zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis überschrieben wurden sowie ein Effektenkauf, bei dem ein kleiner Teil in Bar und der Rest durch Leihen gegen Sicherstellung durch die neu gekauften Aktien bezahlt wurde, sind ebenso zu finden wie die Höhen und Tiefen der zukünftigen Kursentwicklung, deren Kurse in zwei Handelszeitungen veröffentlicht wurden. Das amtliche Kursblatt der Londoner Börse datiert auf diese Zeit zurück.14

[...]


1 Vgl. https://www.godmode-trader.de/know-how/die-boerse-entstehungsgeschichte-und-bedeutung,3751100 [03.01.2020]

2 Vgl. Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 158-159

3 Vgl. Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 160

4 Vgl. Beelen, Die VOC, S.18

5 Vgl. Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 137

6 Vgl. Malanima, Wirtschaftsgeschichte, S.208

7 Vgl. Cipolla, Wirtschaftsgeschichte, S. 353

8 Vgl. Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 162

9 Vgl. North, Handel, S. 16

10 Vgl. Cipolla, Wirtschaftsgeschichte, S. 354

11 Vgl. Ufer, Welthandelszentrum Amsterdam, S. 40

12 Vgl. Cipolla, Wirtschaftsgeschichte, S. 355

13 Vgl. Mieck, Wirtschaftsgeschichte, S. 173

14 Vgl. Cipolla, Wirtschaftsgeschichte, S. 356

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Entwicklung des Börsenwesens. Ein Überblick
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V995390
ISBN (eBook)
9783346366214
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entstehung, entwicklung, börsenwesens, überblick
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Entstehung und Entwicklung des Börsenwesens. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995390

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Entstehung und Entwicklung des Börsenwesens. Ein Überblick



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden