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Die Rolle von Erziehung und natürlichen Anlagen in Parzivals Verhalten bei Wolfram von Eschenbach

Title: Die Rolle von Erziehung und natürlichen Anlagen in Parzivals Verhalten bei Wolfram von Eschenbach

Intermediate Diploma Thesis , 2002 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: Marianna Dreska (Author)

Pedagogy - General
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Das geistige Leben des Mittelalters ist mit untrennbaren Fäden an das Altertum gebunden. In den literarischen Studien des Schulunterrichts lernte man die lateinischen Autoren kennen, vor allem aber hatten antiken Ideen den Geist des Christentums schon in der Frühzeit befruchtet. Kunst und Wissenschaft des Mittelalters als die Grundlagen der Bildung sind das Erbe des klassischen Altertums. Selbstverständlich ist diese Wirkung auch an den literarischen Werken zu erkennen.
Die Entwicklung der sowohl lateinischen als auch volkssprachlichen Dichtung des Mittelalters muss aber im Zusammenhang mit den geistigen Erneuerungsbewegungen gesehen werden.1 Das neue Interesse, die Unterscheidung der Seelenkräfte und die Beschreibung der Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse wurde in diesen Dichtungen beschrieben. Dazu gehört auch der ,,Parzival" von Wolfram von Eschenbach. Der neue Gedanke, dass alle wahre Erkenntnis aus dem Inneren kommt, lässt sich in dieser Dichtung erkennen.

Im 12. Jahrhundert wurden die Minne-Lyrik und der Versroman zu den wichtigsten literarischen Gattungen. In Deutschland wurden meistens französische Vorlagen und Vorbilder überarbeitet. Abgesehen von dem ,,Nibelungenlied" sind alle großen deutschen Epen der Zeit um 1200 nach französischen Vorlagen gedichtet. Das höfische Epos wurde in dieser Zeit schon schriftlich aufgezeichnet.2

Obwohl die Klöster noch als Zentrum für Bildung und Kultur dominierten, gewann die Laienbildung eine größere Bedeutung. Der Eintritt der Laien in den Literaturprozess zog Veränderungen in der Literaturgesellschaft nach sich. Die Hauptschriften von Augustinus und anderen bedeutenden antiken Denkern, die Grundzüge ihrer Lehren waren den Gebildeten, wahrscheinlich auch Wolfram von Eschenbach, im 12. Jahrhundert allgemein zugänglich. Für Joachim Bumke gilt die Tatsache als gesichert, dass auch ,,Wolfram vielfachen Zugang zum Bildungsgut seiner Zeit hatte, auch zum lateinischen _...und_ dass er in der Lage war, mit solchem Material umzugehen".3 Von bewusster und systematisch angewandter Kenntnis durch Wolfram kann keine Rede sein, ,,aber die Grundgedanken der Augustinischen Theorien lebten in der Theologie des Augustinismus und im 12. und im beginnenden 13. Jahrhundert, und sie leben in den Grundzügen der katholischen Frömmigkeit Wolframs und seiner Zeit."4
Mit diesen Gedanken im Hintergrund möchte ich den ,,Parzival" von Wolfram von Eschenbach betrachten und analysieren [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Wolframs Parzival

II. 1. Kurze Zusammenfassung der Geschichte

III. Das Versäumnis der Gralsfrage und die Hintergründe

III. 1. Parzivals Kindheit

III. 2. Parzivals art

III.3. Parzivals tumpheit

III.4. Die Lehren

III.4.1. Herzeloyde

III.4.2. Gurnemanz

III.4.3. Trevrizent

IV. Waren die Lehren schuld an Parzivals Versagen?

IV.1. Lehrer und Lehren nach Augustinus

IV.2. Parzival oder die Lehren

V. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Versagen Parzivals bei der Gralsfrage vor dem Hintergrund seiner Erziehung und seiner natürlichen Anlagen. Ziel ist es, unter Einbeziehung augustinischer Lehren zu analysieren, inwieweit Parzivals Scheitern auf die ihm erteilten Lehren oder auf seine eigene Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen ist.

  • Analyse von Parzivals Kindheit und seiner tumpheit.
  • Untersuchung der pädagogischen Einflüsse durch Herzeloyde, Gurnemanz und Trevrizent.
  • Diskussion augustinischer Erkenntnistheorie im Kontext des Lernens.
  • Bewertung der Eigenverantwortung des Helden im Bildungsprozess.

Auszug aus dem Buch

IV. 1. Lehrer und Lehren nach Augustinus

Obwohl Augustinus keine konkrete theoretische Pädagogik niedergeschrieben hat, können wir seine Antworten auf die wichtigsten Fragen der Erziehung aus seinen Schriften und Bemerkungen rekonstruieren.

Das Thema „Lernen“ hat er explizit in seiner berühmten Schrift „De magistro“ ausdiskutiert, welche in der Fachliteratur auch als „Buch der Revolte“ bezeichnet wird. In dieser Schrift zerstört er gründlich die alte pädagogische Illusion, dass ein Mensch von einem anderen Menschen etwas lernen könne. Er tritt dieser Selbsttäuschung scharf entgegen.

Augustinus stellt damit seine berühmte „Illuminationslehre“ auf. Er behandelt die Frage, ob Worte geeignet sind, Menschen zu belehren. Dabei geht er davon aus, dass die Sprache dazu da sei, zu lehren und zu lernen. Wörter seien Zeichen und jedes Wortzeichen hat zwei Bestandteile: „Ton und Bedeutung“.

„... mit der Hilfe der Zeichen, die wir Wörter nennen, können wir; M. D. nichts erlernen, denn ... wir lernen eine bestimmte Sache niemals durch ihre wörtliche Bezeichnung kennen, sondern erfassen den Wert eines Wortes, das heißt die im Ton der Stimme verborgene Bedeutung erst dann, wenn die dadurch bezeichnete Sache bereits bekannt ist.“

Der Gehalt eines Wortes ist also die im Klang verborgene Bedeutung. Die Bedeutung kann man aber nicht aus dem Laut lernen, man muss sie schon vorher kennen, um das Wort zu verstehen. Das bedeutet aber: man kann die Rede des Lehrers nur verstehen, wenn man die Dinge, über die er spricht, schon vorher kennt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung verortet das Werk im mittelalterlichen Kontext und führt in die Fragestellung nach dem Zusammenspiel von Erziehung und innerem Erkenntnisprozess ein.

II. Wolframs Parzival: Hier erfolgt eine Einordnung des Epos und eine knappe Zusammenfassung der Lebensstationen Parzivals, um die Grundlage für die spätere Analyse zu schaffen.

III. Das Versäumnis der Gralsfrage und die Hintergründe: Dieses Kapitel untersucht die Ursachen für Parzivals Scheitern, insbesondere durch die Analyse seiner Kindheit, seiner Wesensart und der Einflüsse durch seine Lehrer.

IV. Waren die Lehren schuld an Parzivals Versagen?: Dieser Teil beleuchtet kritisch, ob die Erziehungsbemühungen der Lehrer oder Parzivals eigene Voraussetzungen für das Versagen verantwortlich sind, ergänzt durch Augustinus’ Lehren.

V. Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Notwendigkeit, dass jeder Mensch trotz Erziehung seinen eigenen Erkenntnisweg finden muss.

Schlüsselwörter

Parzival, Wolfram von Eschenbach, Mittelalter, Erziehung, Tumpheit, Gurnemanz, Gralsfrage, Augustinus, Illuminationstheorie, Erkenntnis, Bildung, Rittertum, Lernprozess, Selbstverantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Hausarbeit untersucht die Ursachen für Parzivals Versagen bei der Gralsfrage, indem sie das Verhältnis zwischen seiner Erziehung und seiner natürlichen Anlage analysiert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Erziehung und Bildung im Mittelalter, die Bedeutung der "Tumpheit" als Zustand sowie die kritische Reflexion des Lernens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Parzivals Scheitern eher auf die mangelhafte Anleitung durch seine Lehrer oder auf seine eigene Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes mit einer pädagogisch-philosophischen Perspektive verknüpft, insbesondere durch den Vergleich mit augustinischen Lehren.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Stationen Herzeloyde, Gurnemanz und Trevrizent und hinterfragt die Effektivität dieser Lehrer im Kontext der mittelalterlichen Pädagogik.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind Parzivals Art, die Tumpheit, das augustinische Verständnis von Lernen und der individuelle Bildungsweg.

Warum wird die Rolle der Mutter Herzeloyde so kritisch hinterfragt?

Sie hält Parzival künstlich in Unwissenheit, was einerseits seine natürliche Entwicklung hemmt, ihn aber andererseits vor gesellschaftlichen Einflüssen schützt, was Parzival später vor Herausforderungen bei der Anwendung erlernter Regeln stellt.

Welchen Stellenwert hat der Augustinus-Bezug in der Arbeit?

Die Einbeziehung von Augustinus dient dazu, das pädagogische Problem zu erörtern, ob ein Lehrer Wissen wirklich vermitteln kann oder ob Erkenntnis zwingend aus dem Inneren des Schülers kommen muss.

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Details

Title
Die Rolle von Erziehung und natürlichen Anlagen in Parzivals Verhalten bei Wolfram von Eschenbach
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Grade
1
Author
Marianna Dreska (Author)
Publication Year
2002
Pages
26
Catalog Number
V9957
ISBN (eBook)
9783638165327
Language
German
Tags
Rolle Erziehung Anlagen Parzivals Verhalten Wolfram Eschenbach Thema Parzival
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marianna Dreska (Author), 2002, Die Rolle von Erziehung und natürlichen Anlagen in Parzivals Verhalten bei Wolfram von Eschenbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9957
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