Das politische Konzept Oswald Spenglers. Untersuchung am Beispiel seiner Schriften "Preußentum und Sozialismus" (1919) und "Jahre der Entscheidung" (1933)


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
32 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie und Werk Oswald Spenglers
1.1. Die Frühphase
1.2. Das Hauptwerk - ,,Der Untergang des Abendlandes"
1.3. Politisches Engagement für den ,,Neubau des deutschen Reiches"
1.4. Rückkehr zur Philosophie ,,Der Mensch und die Technik"
1.5. Spätphase und Tod

2. Die politischen Schriften
2.1. Preussentum und Sozialismus
2.2. Jahre der Entscheidung

3. Kontinuität und Brüche im politischen Konzept Oswald Spenglers
3.1. Oswald Spenglers zyklische Kulturkreistheorie
3.2. Die Vorstellung vom Preußentum
3.3. Der Sozialismusbegriff
3.4. Marxis mus und die ,,weisse Weltrevolution"
3.5. Die Internationale und die ,,farbige Weltrevolution"

4. Rassetheorien und Nationalsozialismus
4.1. Oswald Spengler - ein Rassist?
4.2. Das Verhältnis zum Nationalsozialismus

5. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Aus heutiger Perspektive stellt die Konservative Revolution, trotz einiger Wiederbelebungsversuche aus dem rechten Spektrum, im Vergleich zum Nationalsozialismus ein Randphänomen dar. Tatsächlich waren ihre Positionen und Personen, wie Arthur Moeller van den Bruck, Ernst Jünger, Hans Freyer, Werner Sombart oder Oswald Spengler, besonders in den Anfangsjahren der Weimarer Republik sehr populär und hochaktuell. Die vorliegende Hausarbeit will exemplarisch an der Person Oswald Spenglers die politischen Konzepte eines ,,Konservativen Revolutionärs" untersuchen, und der Frage nachgehen, ob und in welcher Hinsicht sich besagte Konzepte während der Existenz der Weimarer Demokratie, einem der bedeutendsten Feindbilder der Konservativen Revolution, verändert haben. Ein kurzer biographischer Abriß und ein Überblick über das Werk im ersten Kapitel der Hausarbeit soll eine Annäherung an Oswald Spengler ermöglichen. Das zweite Kapitel liefert Informationen über Bedeutung und Verbreitung der zu untersuchenden Schriften, ,,Preussentum und Sozialismus" von 1919 und ,,Jahre der Entscheidung" von 1933, und gibt deren Inhalt zusammengefaßt wieder. Kapitel drei wird die beiden Bücher Spenglers bezüglich der wichtigsten Kontinuitäten und Brüche in seinen politischen Konzeptionen vergleichen, im vierten Kapitel soll das Verhältnis des Autors zu Rassetheorien und zum Nationalsozialismus dargestellt werden, bevor die Ergebnisse im fünften Kapitel abschließend zusammengefaßt und gewertet werden.

Sowohl die Quellenlage - Publikationen und Nachlaß Oswald Spenglers und die zeitgenössische Kritik seines Werkes, als auch der Bestand an Forschungsliteratur über ihn, können insgesamt als gut bezeichnet werden.

Um Konzeption und Entwicklung des Denkens von Oswald Spengler erfassen zu können, sollen seine wichtigsten Schriften, ergänzt durch einige zeitgenössische Besprechungen1, herangezogen werden.

In der Forschungsliteratur über Konservativismus und die Konservative Revolution ist Oswald Spengler unterschiedlich aussagekräftig vertreten, hier ist die Monographie von Rolf Peter Sieferle2, trotz einiger fragwürdiger Bewertungen positiv hervorzuheben. Daneben dienen einige Biographien als Grundlage, die, unterschiedlich intensiv, auch die Schriften Spenglers untersuchen3.

1. Biographie und Werk Oswald Spenglers

1.1. Die Frühphase

Oswald Spengler wurde am 29. Mai 1880 in Blankenburg am Harz geboren. Offensichtlich unverstanden und vernachlässigt wuchs er mit drei jüngeren Schwestern in Blankenburg, Soest und ab 1891 in Halle auf4. Intensiv las er schon als Jugendlicher klassische und zeitgenössische Literatur, 1896/97 machte Spengler in Form von ,,Also sprach Zarathustra" Bekanntschaft mit Nietzsche, auf den er sich immer wieder beziehen sollte5. Insgesamt galt Spengler damals als zurückgezogen bis gehemmt, allerdings nicht unbedingt als Außenseiter6. Im Herbst 1899 legte Oswald Spengler sein Abitur ab, vom Militärdienst wurde er wegen eines Herzfehlers befreit7. Er entschied sich für die Laufbahn eines Oberlehrers und studierte in den folgenden Jahren in Halle, München und Berlin, wo sich der junge Spengler besonders von den Auftritten August Bebels im Reichstag beeindruckt zeigte8.

Nach der Dissertationsarbeit9, nach bestandenem Staatsexamen, dem Seminarjahr 1905 in Saarbrücken, und einem Probejahr in Düsseldorf10, trat Oswald Spengler 1908 eine Lehrerstelle in Hamburg an, wo er bei seinen Schülern als durchaus beliebter Lehrer galt.11 Im März 1911 zog Spengler nach München, das Erbe der 1910 verstorbenen Mutter sicherte ihm ein bescheidenes Auskommen, so quittierte er ein Jahr später den Schuldienst und führte fortan ein Leben als freier Schriftsteller12. Die avantgardistische Atmosphäre in München stieß ihn jedoch ab, er flüchtete in Selbstisolation und wurde von Depressionen und Selbstmordgedanken geplagt13.

1.2. Das Hauptwerk - ,,Der Untergang des Abendlandes"

Nach eigenem Bekunden löste die zweite Marokkokrise von 1911 bei Spengler einen Wendepunkt seines Denkens aus14, im gleichen Jahr begann Oswald Spengler die Vorarbeiten zu ,,Der Untergang des Abendlandes"15. Wie viele andere zeigte er sich vom Kriegsausbruch 1914 begeistert16, Spengler wurde jedoch nicht eingezogen17, schrieb weiter an dem Manuskript, das im April 1917 abgeschlossen war und ein Jahr später erschien18. Hiervon leitet sich zugleich ein Irrtum bezüglich der Rezeption von ,,Der Untergang des Abendlandes" ab: Spengler hatte den ersten Band im festen Glauben an den deutschen Sieg im 1. Weltkrieg geschrieben19, ein Hauptteil der Leser las ihn ab Ende 1918 allerdings in der Hoffnung, darin Wege aus der Katastrophe von militärischer Niederlage und Revolution zu finden. Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen, den auf über 1.200 Seiten ausgebreiteten, aus empirischen Befunden, Halbwahrheiten und abenteuerlichen Konstruktionen formierten Ansatz von Oswald Spengler wiederzugeben, den der Autor aus den verschiedensten Bereichen der Geschichtswissenschaften, der Kunstgeschichte, der Literaturwissenschaft und der Philosophie, aus Mathematik, Physik, Biologie und Musik zusammengetragen hat. Daher soll im folgenden nur der Kern des Denkens dargestellt werden, das Oswald Spengler im ersten und dem 1922 erschienenen zweiten Band entwickelte.20

Etwas unbescheiden behauptete Spengler von sich ,,die, gewissermaßen natürliche, von allen dunkel vorgefühlte Philosophie der Zeit" 21 gefunden zu haben. Nicht die Historia tripartita, die Periodisierung in alte, mittelalterliche und neue Geschichte, sondern die zyklische Abfolge von ,,Jugend, Aufstieg, Blütezeit, Verfall" 22 voneinander unabhängiger Hochkulturen, von denen er insgesamt acht identifiziert hat23, sei der eigentliche Motor der Geschichte. Alle diese Kulturen hätten sich unabhängig voneinander entwickelt, ihr jeweiliger Ausdruck sei genuin einzigartig24, zwischen den einzelnen Kulturen fände kein Austausch statt, ihre Entwicklungsgeschichte insgesamt verlaufe aber nach analogen, genau determinierten Phasen, von denen keine übersprungen oder konserviert werden könne. Auf diese Weise konstruierte Spengler Analo gien, besonders zwischen der Antike und dem Abendland, zu deren Verständnis er ein besonderes Erkenntnissystem, den ,,Physiognomischen Takt" 25 forderte, der die einzelnen Phasen einer jeden Hochkultur identifizieren könne und sie mit analogen Phasen der übrigen Hochkulturen komparabel mache.26 Das Abendland befinde sich gegenwärtig in einer Phase des Übergangs von der Kultur zur Zivilisation, der entscheidenden Dichotomie bei Spengler. ,,Kultur und Zivilisation - das ist der lebendige Leib eines Seelentums und seine Mumie." 27 Doch anders als Thomas Mann oder Werner Sombart28 erachtete Spengler die ,,Zivilisation als das unausweichliche Schicksal einer Kultur." 29 Ausgehend von der aktuellen Phase, in der sich das Abendland momentan befinde, sei es, in Analogie zu den früheren Hochkulturen überdies möglich, dessen weitere Zukunft vorherzusagen, sein Plädoyer gegen die moderne Massengesellschaft endet im zweiten Band, ,,Welthistorische Perspektiven", mit der Prophezeiung, daß am Ende der zivilisatorischen Zerfallsperiode Cäsaren über die Demokratie triumphieren werden30. Der Erfolg des Buches war spektakulär, ,,Der Untergang des Abendlandes" wurde eines der meist gelesenen Bücher der Weimarer Republik. Von vielen wurde es so enthusiastisch gefeiert, weil es sämtliche Stereotype der zeitgenössischen Zivilisationskritik aufnahm, und diese zu einer umfassenden Synthese verband, die zudem Orientierung für die durch die politischen Ereignisse Verunsicherten bot. Das, was ein Großteil der Leserschaft so begeistert aufnahm, die Zusammenfassung vieler, durch fortschreitende Verwissenschaftlichung immer unübersichtlicher werdender Einzeldisziplinen zu einem einzigen, schwindelerregenden Werk umfassender Gesellschaftskritik, wurde von den Wissenschaftlern selbst allerdings vielfach kritisiert.31

1.3. Politisches Engagement für den ,,Neubau des deutschen Reiches"

Die kurz nach Erscheinen des ersten Bandes von ,,Der Untergang des Abendlandes" erklärte militärische Niederlage Deutschlands, die Ausrufung der Republik und besonders die revolutionären Ereignisse in München erzeugten bei Spengler starke Abscheu, Gedanken die konstitutiv für die Abfassung seiner 1919 erschienenen, noch genauer zu besprechende Schrift ,,Preussentum und Sozialismus" waren.

Beide Schriften verschafften ihm großes Ansehen und den Zugang zur gehobenen Gesellschaft, er unterhielt bald vielfältige Kontakte zu konservativen Kreisen, er traf Arthur Moeller van den Bruck, Thomas Mann und die Nietzsche-Schwester Elisabeth Förster, Auftakt einer langjährigen Freundschaft32. Politisch engagierte sich Spengler 1922 und 1923 für den Chef der bayrischen Einwohnerwehren, den, im Vergleich zum Kreis um Ludendorff, gemäßigten Escherich33. In diesem Zusammenhang setzte er sich - erfolglos - für die Errichtung eines rechtskonservativen Pressekartells ein34. Im Ruhrkampf 1923 und bei den Ereignissen im Vorfeld des Hitler-Putsches entfaltete er nochmals politische Aktivitäten35, befand sich jedoch nicht im Zentrum der Ereignisse und verurteilte den politischen Aktionismus der Hitler-Bewegung deutlich36. In Spenglers 1924 erschienenem Buch ,,Neubau des deutschen Reiches" sind diese Jahre politischer Aktivität verarbeitet, es konnte jedoch nicht an die Erfolge der beiden früheren Veröffentlichungen anschließen.37 Enttäuscht über die Wirkungslosigkeit seines Credos und analog zur Stabilisierung der politische n Verhältnisse zog er sich 1924 wieder aus der Politik zurück.38

1.4. Der Mensch und die Technik

Die nach 1924 erfolgte erneute Hinwendung zu philosophischen Fragen drückte sich erst sieben Jahre später, 1931, in einer neuen Veröffentlichung, dem Buch ,,Der Mensch und die Technik. Beitrag zu einer Philosophie des Lebens", aus. Diese, aus einem im Mai 1931 gehaltenen Vortrag ausgearbeitete Schrift unterstrich mit einem stringent anthropologischen Ansatz Spenglers elitäres, antidemokratisches Weltbild. Der Autor ergänzte mit dem Blick auf die Frühgeschichte des Menschen die Logik seiner zyklischen Geschichtsphilosophie um eine frühe, universell-evolutionäre Phase.

Anthropologisch definierte Spengler das soziale Leben und die Herrschaftsverhältnisse der Menschen39, die auf das Volk insgesamt übergegangen seien40, und in der Zivilisation zu einer verhängnisvollen Dynamik führten: ,,Der Herr der Welt wird zum Sklaven der Maschine. (...)

Der gestürzte Sieger wird von dem rasenden Gespann zu Tode geschleift." 41 Degeneriert, müde und gesättigt würden sich die weißen Eliten von der Führung zu entfernen, die Massen würden perspektivlos ge gen ihr Los rebellieren, und die weißen Völker wären dabei, ihre Vormachtstellung zu verlieren42. Die ,,Farbigen" womit Spengler besonders Japan wegen seines rasanten technologischen Fortschritts meinte, würden die Technik allerdings nur einsetzen als ,,eine Waffe im Kampf gegen die faustische Zivilisation, eine Waffe wie ein Baumast im Walde, den man fortwirft, wenn er seinen Zweck erfüllt hat." 43 Die Botschaft in ,,Der Mensch und die Technik" ist eine eher pessimistische, von den Landsleuten forderte er trotzdem bedingungslose Aufopferung.44

1.4. Spätphase und Ende

Obwohl er gute Kontakte zu Papen oder Jung unterhielt, intervenierte Spengler nicht mehr realpolitisch, auch der seit 1925 bestehende enge Kontakt zu Gregor Strasser hatte keine öffentliche Parteinahme im Sinne der Nazis zur Folge, wie noch genauer gezeigt werden wird, war sein Verhältnis zum Nationalsozialismus durchaus ambivalent.

Trotz des Erfolges des 1932 erschienenen Buches ,,Jahre der Entscheidung" zog sich der an schweren Nierenkoliken leidende Oswald Spengler zusehends zurück. Er mied die Öffentlichkeit, an seiner Münchner Wohnung soll der Hinweis zu lesen gewesen sein. ,,Anmeldungen schriftlich. Pakete bei der Hausmeisterin abgeben" 45

Überraschend starb Oswald Spengler in der Nacht vom 7./8. Mai 1936 in seiner Wohnung in München an Herzversagen46.

2. Die Politischen Schriften Oswald Spenglers

2.1. Preussentum und Sozialismus

Die 1919 erschienene Schrift ging nach eigenem Bekunden47 aus Aufzeichnungen hervor, die der Autor für den zweiten Band von ,,Der Untergang des Abendlandes" vorgesehe n hatte.48 Spengler kündigte schon in der Einleitung eine Uminterpretation des populären Sozialismus- Begriffs - ,,Es gibtältere, stärkere, tiefere Züge in ihm als dessen Gesellschaftskritik" 49 - an, der mit preußischen Werten synthetisiert werden soll: ,,Altpreußischer Geist und sozialistische Gesinnung, die sich heute mit dem Hasse von Brüdern hassen, sind ein und dasselbe" 50.

Im ersten Kapitel ,,Die Revolution" diffamierte Spengler eben dieses Ereignis von 1918/19, ,,die sinnloseste Tat der deutschen Geschichte" 51. Die deutsche Revolution musste scheitern, weil sie nur ,,aus einer Theorie hervorgegangen", und dem deutschen Wesen völlig fremd sei.

Schuld an dieser Entwicklung sei das ,,Micheltum" 52, ein zentraler Begriff, den Spengler für die Diffamierung von Parlamentarismus und Demokratie einsetzte. Das Micheltum ,,ist englisches Wesen, aber in deutscher Karikatur." 53 Dem gegenüber stellte Spengler die nationalistische Formierung zu Kriegsbeginn als ,,deutsche sozialistische Revolution" 54, deren Hauptprotagonisten August Bebel und die SPD gewesen seien, die er in geradezu militaristischer Stigmatisierung für ihre preussischen Tugenden und ihre Disziplin.55 lobte. Im dritten Kapitel ,,Engländer und Preussen" konstruierte Spengler mit völkischen Topoi das schon angedeutete, entscheidende Gegensatzpaar: Auf der einen Seite der englische ,,Wikingergeist", auf der anderen der preußische ,,Ordensgeist" 56. Persönliche Unabhängigkeit, Selbstverantwortung, Selbstbestimmung, Entschlossenheit, Initiative sind Werte, die Spengler mit England verband, während das Preussische für überpersönliche Gemeinschaft, für Treue, Disziplin, selbstlose Entsagung und Selbstzucht stand57. Die Gegensätze hätten eine lange Geschichte, sie drückten sich pilosophisch58 und ökonomisch aus, wobei dem preussischen Element die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat entspräche, während dem englischen das freie Unternehmertum zuzuordne n wäre. Zuletzt drückte sich der Gegensatz auch politisch aus, der Parlamentarismus sei ,,ein spezifisch englisches Gewächs" 59, das sich allerdings bis jetzt ,,dem Festlande und schließlich der ganzen Welt" aufgedrängt60 habe, in Deutschland in Wahrheit aber nur ,,Unsinn oder Verrat" 61 sei.

Diese ,,zuletzt doch auch leiblichen Eigenschaften" 62 seien allerdings nicht zwangsläufig, überwunden werden müsse, daß Preußen ,,das innere England, den kapitalistisch- parlamentarischen Liberalismus" übernommen habe63, dann könne die Entscheidung im ,,gewaltigen Endkampf der beiden germanischen Ideen" ausgefochten werden.64

Die gerade erfolgte Konstruktion von preußischem Sozialismus und englischem Kapitalismus benutzte Spengler im vierten Kapitel zur Delegitimierung von Marx, Passagen, die vermuten lassen, daß er Marx nie gelesen hat: Der Kern des Marxschen Werkes liege darin, daß er ,,durch eine wahrhaft groteske Kombination den Instinktgegensatz der beiden germanischen Rassen auf den materiellen Gegensatz zweier Schichten" übertragen habe.65 Dieses ,,rein englische" 66 Denken von Marx, das die Arbeit verachte67 und in dem der Staat gar nicht vorkomme 68, könne keine Zukunft haben, prophezeit Spengler, ,,es bricht mit der schallenden Orgie seines Versuchs zur Wirklichkeit heute zusammen." 69 Im letzten Kapitel räumte Spengler auch der internationalen Arbeiterbewegung keine Zukunft ein, sie sei nur Verneinung70, denn die ,,echte Internationale ist nur durch den Sieg der Idee einer Rasseüber alle andern möglich und nicht durch die Auflösung aller Meinungen in eine farblose Masse." 71 Gerade in Russland sei der Bolschewismus nur ,,blutige Karikatur westlicher Probleme" 72.

Im abschließenden Schlußwort beschwor Spengler die historische Mission Deutschlands, die verwirklicht werden könne, wenn Preußentum und Sozialismus ,,zusammengeschmiedet" werden würden.73

1932 schrieb Spengler sicherlich nicht ganz unzutreffend, ,,von diesem Buche hat die nationale Bewegung ihren Ausgang genommen." 74 In ähnlichem Tenor notierte Ernst Jünger 1932 in einer Widmung von ,,Der Arbeiter" an Spengler: ,,Für Oswald Spengler, der im Anschluss an die deutsche Abrüstung die ersten neuen Waffen schmiedete." 75 Tatsächlich könnte ,,Preussentum und Sozialismus" als Ausformulierung der Dolchstoßlegende bezeichnet werden, die Spengler selbst argumentatorisch aufnahm.76 Worin liegt nun die Stärke dieser Schrift? Unter dem Eindruck von Niederlage und Revolution ging es Spengler vor allem darum, eine Neudefinition nationaler und völkischer Werte, eine Neuformulierung der historischen Mission Deutschlands zu erreichen: ,,es gilt, den deutschen Sozialismus von Marx zu befreien. Den deutschen, denn es gibt keinen anderen." 77

Wesentliches Element dieser Geschichtskonstruktion ist die simple Übernahme und Umdefinierung genuin marxistischer Begriffe, die Spengler in national- völkische Konnotationen uminterpretierte, dabei jedoch sehr vage bleibt78. Damit gelang es ihm, eine, keinen Widerspruch zulassende Botschaft zu verbreiten, die suggerierte, daß Deutschland die ersehnte Weltgeltung bevorstände, wenn nur die unabänderlichen historischen Wahrheiten akzeptiert und als Chancen erkannt und genutzt werden.

2.2. Jahre der Entscheidung

Vierzehn Jahre nach der Drucklegung seines ersten Buches erschien im August 1933 Spenglers letzte Veröffentlichung. Dieser Ausarbeitung eines 1929 in Hamburg unter dem Titel ,,Deutschland in Gefahr" gehaltenen Vortrags79 gab Spengler, mit Rücksicht auf die Anfang des Jahres an die Macht gelangte NS-Bewegung ,, um nicht Mißverständnisse zu erzeugen" 80 den endgültigen Titel. Gegenüber dem NS-System äußerte sich Spengler in der Einleitung positiv, in den einzelnen Kapiteln wird der Nationalsozialismus nicht mehr explizit erwähnt, manche Argumentationen sind aber durchaus als harsche Kritik an der NS- Bewegung zu verstehen. Hier sollte berücksichtigt werden, daß der inhaltliche Teil des Buches nach dem 30. Januar nicht überarbeitet wurde81.

Im ersten Kapitel, ,,Der politische Horizont" wiederholte Spengler zur Vermittlung der Lage Deutschlands und der Welt Fragmente seiner zyklischen Geschichtsphilosophie, um den Leser auf die zukünftigen Veränderungen einzustimmen. So sei die großartigste Geschichtsepoche der gesamten Weltgeschichte angebrochen82, die Phase, in der Cäsaren Politik machen würden83.

Im folgenden Kapitel, ,,Die Weltkriege und Weltmächte" sah Spengler die Welt im ,,Zeitalter der Weltkriege" 84, und er betonte einige Prinzipien seiner Zivilisationskritik, zu denen der Massencharakter der Nation85, die Vernachlässigung der Außenpolitik86, und die Dominanz der Wirtschaft über die Politik87 zu zählen sind. Spengler beschrie im Folgenden die Mächte, die fähig sein könnten ,,den Endkampf um die Herrschaft auf diesem Planeten zu führen".88 Unter den Mächten ,,großen Stils" 89 sei zuerst Rußland zu nennen, ,,der entscheidende Faktor für Europa seit 1812, (...) seit 1917 für die ganze Welt." 90 Rußland mit seinem enormen Potential sei durch die Revolution von Asien zurückerobert worden, im übrigen existiere gar kein echter Marxismus, sondern ,,ein tatarischer Absolutismus" 91. Einer militärischen Probe gehe Rußland aus dem Weg, dagegen betreibe es die wirksame ,,wirtschaftliche Vernichtung der Gegner durch den Handel und vor allem die Revolution." 92

Japan habe nach Spengler durch seine geographische Lage, seine militärische und wirtschaftliche Kraft ,,eine sehr starke Stellung" 93, Indien und China würden hingegen ,,nie wieder eine selbständige Rolle in der Welt der großen Mächte spielen" 94. Bezüglich der USA sei festzuhalten, daß der dortige oberflächliche Glanz und Reichtum nicht mit wirklichem Volkstum verwechselt werden dürfe95, doch Kolonialbesitzungen und eine starke Flotte machten die USA zu einem führenden Element der Weltpolitik96, und es könne nicht ausgeschlossen werden, daß die ,,geistig primitive, nur an Geld denkende Oberschicht" 97 fähig sei, einen wirklichen Staat aufzubauen, und für ihn ,,Gut und Blut" zu opfern"98.

England, die einst unbestrittene Weltmacht habe viel von seinerKraft verloren99, es fehle ,,die rassem äß ige Grundlage eines starken Bauerntums" 100. Als deutliches Zeichen seiner Schwäche habe England 1931 freiwillig auf die Vormachtstellung in den ehemaligen Kolonien verzichtet.101

Gegenüber den zitierten Mächten hätten die romanischen Länder Frankreich und Italien momentan ,,nur noch provinziale Bedeutung" 102, obwohl das Italien unter Mussolini noch nicht genau einzuschätzen sei103.

Dieser Ausgangssituation um den künftigen Kampf um die Macht zeige sich Deutschland schlecht gerüstet, das müsse sich ändern, appellierte Spengler, wenn Deutsche in diesem Kampf eine Rolle spielen wollten.104

In einem langen dritten Kapitel - ,,Die weisse Weltrevolution" - legte Spengler mit vielen Analogien zur Antike dar, daß der skizzierte Konflikt zwischen den Weltmächten von einem vertikal verlaufenden Konflikt innerhalb der weißen Gesellschaften durchkreuzt werde. Als Orientierungspunkt definierte Spengler den idealen, aber vergangenen Zustand der Kultur105, dem er Werte wie ,,Tradition, Zucht und Sitte" 106, Stolz, Ehre, Pflichterfüllung107, Besitz108, Luxus und Reichtum109 zuordnete.

Die weiße Weltrevolution habe gegen diese klassisch konservativen Werte mit ungeheuerlichem Erfolg und kaum absehbaren Folgen gesiegt110, der Weg ,,vom Liberalismus zum Bolschewismus" 111 habe die politischen Mächte zerstört. Anzeichen der sich vollziehenden Zivilisation seien ,,die schlechten Manieren aller Parlamente, (...) Jazz und Niggertänze als seelischer Ausdruck aller Kreise, die Dirnenbemalung der Frauen" 112 Mit solchen drastischen Bildern und der durchgängigen schwarz-weiß Zeichnung drückte Oswald Spengler in diesem Kapitel seine Feindschaft gegenüber jeglichen Merkmalen der Demokratie aus.

Der ,,geistige Mob, an der Spitze die Gescheiterten aller akademischen Berufe" 113 hat Spengler als die Schuldigen auserkoren, die den ,,Pöbel" 114, die in der ,,Großstadt" 115 gebildete ,,formlose Masse" 116 gegen die gesunden Schichten der Gesellscha ft aufhetzen würden. Das Ende der weissen Weltrevolution würde nach Spengler erst absehbar, wenn diese Offensive gestoppt sei und sich in eine Defensive verkehre.117 Als Leitwerte für den dagegen um Macht und Reich kämpfenden, zukünftigen Caesarismus stilisierte Spengler abschließend den ,,preußischen Stil" und ,,Charakter" 118, in dem Disziplin, Pflichterfüllung und Gefolstreue noch vorhanden seien. Werte, mit denen Deutschland ,,der Erzieher der weißen Welt, vielleicht ihr Retter" 119 werden könnte.

Im vierten und letzten Kapitel skizzierte Spengler ,,die farbige Weltrevolution", den ,,Rassenkampf" 120 als ,,die gr öß te aller Gefahren" 121. Parallel zur weißen Weltrevolution und in Analogie zu Barbareneinfällen in der Antike hätte sich im ersten Weltkrieg, , in den kolonisierten Ländern und besonders durch die wieder asiatisch gewordenen Mächte Ruß land und Japan der Rassenkampf entwickelt und gewinne nun schnell an Brisanz122. Das Motiv des Konfliktes sei überall das gleiche: ,,Der Haßgegen die weiße Rasse und der unbedingte Wille, sie zu vernichten." 123 Kriegführung, Politik und Wirtschaft hätten die Farbigen von den Weißen erlernt124, der Erste Weltkrieg hätte gezeigt, daß die weißen Völker besiegbar seien, weshalb das Kriegsende ein erster Triumph der farbigen Welt125 gewesen sei. Anschließend wurde die ultimativ größte Gefahr benannt: ,,Wie, wenn sich eines Tages Klassenkampf und Rassenkampf zusammenschließen, um mit der weißen Welt ein Ende zu machen?" 126 Der Ausgang dieses Konfliktes wie auch seine Formen seien nicht vorhersehbar, würden sich in der Vorform des Cäsarismus aber bald abzeichnen. Deutschland, so das abschließende, hoffnungsvolle Resümee habe durchaus Chancen, sich an entscheidender Stelle zu behaupten, weil es durch den langandauernden Provinzialismus einen unverbrauchten ,,Schatz von tüchtigem Blut, wie ihn kein anderes Land besitzt" innehabe127, und es ja der ,,kriegerische, preußische Geist" 128 sei, der zukünftig die Welt ,,als formgebende Macht" 129 bestimmen werde.

Der Erfolg von ,,Jahre der Entscheidung" übertraf alle Erwartungen, die Auflage des Mitte August erschienenen Werkes lag einen Monat später bei 60.000, und am 30. Oktober bereits bei 100.000 Exemplaren130.

3. Kontinuität und Brüche im politischen Konzept Oswald Spenglers

Nach der Darstellung des Gesamtwerkes und der inhaltlichen Wiedergabe der beiden im Zenrum dieser Untersuchung stehenden Schriften soll es jetzt darum gehen, die wesentlichen Aussagen in ,,Preussentum und Sozialismus" und in ,,Jahre der Entscheidung" miteinander in Beziehung zu setzen, um Konstanten und Veränderungen im Werk Oswald Spenglers feststellen zu können.

3.1. Oswald Spenglers zyklische Kulturkreistheorie

In der frühen Schrift, ,,Preussentum und Sozialismus", wie in der späten, ,,Jahre der Entscheidung" sind Elemente der in seinem Hauptwerk, ,,Der Untergang des Abendlandes" entwickelten konjekturalen Geschichtsauffassung zu finden. Sowohl in ,,Preussentum und Sozialismus" als auch in ,,Jahre der Entscheidung" spielt als Analogie zum Abendland lediglich die Antike eine Rolle, während andere Hochkulturen nur angedeutet werden131. In beiden Schriften benutzte Spengler seine Kulturkreistheorie, um festzustellen, daß das Abendland die Phase der Zivilisation erreicht habe132, und um dann die entscheidende Frage nach der nahen Zukunft zu stellen, die Frage, welche Art von Cäsaren die Welt beherrschen werden133.

,,Preussentum und Sozialismus" ist jedoch primär eine aktuell-politische Schrift, in der Oswald Spengler nur selten seine Analogien zu früheren Hochkulturen benutzte134, er untersuchte statt dessen hauptsächlich die jüngere (Geistes- und Kunst-) Geschichte Frankreichs, Spaniens und vor allem Englands und Preußens.

In der Spätschrift ,,Jahre der Entscheidung", kehrte Spengler, obwohl ebenfalls vorrangig politisch argumentierend, wieder stärker zu seinem Kulturkreissystem zurück. In jedem Kapitel tauchen Vergleiche mit der Antike auf, während die übrigen Hochkulturen fast unerwähnt bleiben135. Besonders im Kapitel ,,Die weisse Weltrevolution" wurden die Umbrüche in der Spätzeit der römischen Republik136, und im Kapitel ,,Die farbige Weltrevolution" die Barbarene infälle137 als Orientierung herangezogen, um die eigene Argumentation in der Logik seiner Kulturkreistheorie zu untermauern.

3.2. Die Vorstellung vom Preußentum

1919 benutzte Spengler den Begriff ,,Preußentum" als Synonym für ein Sammelsurium von konservativen Werten und Tugenden138. Der Begriff wurde in ,,Jahre der Entscheidung" ganz ähnlich besetzt, insgesamt allerdings deutlich sparsamer verwendet. Spengler bemühte den preußischen Stil und Charakter und die preußische Idee139, die ,, echt preußische Gefolgstreue" 140 und den ,,kriegerischen preußischen Geist" als formgebende Macht141, daneben bezog sich Spengler auf berühmte Preußen wie Friedrich II oder Bismarck, um seine konservativen Visionen mit Verweisen auf die genannten historischen Personen zu belegen. In dem Zusammenhang zeigt sich, wie selektiv Spengler historische Personen und Prozesse benutzte, und wie schwer es ihm letztlich fiel, für seine ultrakonservative Kritik noch ausreichend populäre Vorbilder zu stilisieren: Bei seinen Tiraden gegen die ,,kranke" Gesellschaft der Zivilisation142 erwähnte er Bismarck als den Bewahrer der alten kulturellen Ordnung143. Selbst Bismarck hatte aber bekanntlich die Notwendigkeit minimaler Sozialreformen für ein funktionierendes Staatssystem gesehen, ein Motiv, dessen Berechtigung Oswald Spengler an keiner Stelle eingeräumt hat, und das bei ihm verächtlich unter der Negativrubrik ,,Zivilisation" eingeordnet werden würde.

Friedrich II wurde für seinen preußischen Charakter gelobt, ,,der sich selbst diszipliniert", und den Friedrich selbst ,,in dem Wort vom ersten Diener seines Staates umschrieben hat." 144 Wohlbekannt dürften dem Autor die zeitweiligen Affinitäten Friedrich II zu den Ideen der Aufklärung gewesen sein, die Spengler immer wieder unisono als ,,Weltverbesserungstheorien" oder Vorformen des Bolschewismus abqualifiziert hat. Der preußische König dürfte deshalb kaum als Vertreter der skizzierten Idee von ,,Preußentum" gehandelt werden. Gerade diese Differenzierungen fehlen im Werk von Oswald Spengler insgesamt, sie würden sein durchgängiges schwarz-weiß Schema auflösen und kompliziertere Einsichten und Schlüsse erfordern.

So steht das ,,Preußentum" für die Stilisierung einer extrem elitären und antidemokratischen Ordnung, die das Wesen moderner Gesellschaften schroff ablehnt und dadurch nicht ansatzweise befähigt erscheint, adäquate Antworten auf die Anstöße der Gegenwart liefern zu können.

3.3. Der Sozialismusbegriff

Sozialismus war neben dem Preussentum 1919 für Spengler der zentrale Begriff, der die Paradigmen für das zukünftige, wiedererstarkte Deutschland liefern sollte145. Dabei wurde der Sozialismus, wie gezeigt, eben nicht in marxistischem Sinne aufgefaßt, sondern galt als Versuch, die Gesellschaft und besonders die Arbeiterschaft im völkischen Kontext zu disziplinieren146. 1933 ergänzte Spengler in ,,Jahre der Entscheidung" im Zusammenhang mit einer von ihm geforderten preußischen Erziehung nur mehr verächtlich, daß diese ,,meinetwegen sozialistisch" genannt werden könne - ,,was kommt auf Worte an!" 147 Den Sozialismus-Begriff, den Spengler 1919 entwickelt hatte, erwähnte er darin erneut, wobei er geradezu beleidigt ergänzte, daß er ,,ich möchte sagen: selbstverständlich - nicht verstanden worden" 148 sei.

Dieser Irrtum beruhe darauf, daß ,,die Flachköpfe (...)überall in der Welt den Sozialismus nicht als sittliche Lebensform, sondern als Wirtschaftssozialismus, als Arbeitersozialismus, als Massenideologie mit materialistischen Zielen" verstanden hätten.149 Die von Spengler vorgeschlagene Uminterpretation des Sozialismus-Begriffs, seine Synthese mit dem Preußentum, sei also auf Unverständnis gestoßen, das könnte der Grund sein, warum Spengler auf die weitere Verwendung des Wortes Sozialismus im positiven Sinne letztlich verzichtete. Hier bleibt anzumerken, daß die Übernahme des Begriffs ,,Sozialismus" in einen völkisch- nationalen Kontext keineswegs so erfolglos war, wie Spengler in ,,Jahre der Entscheidung" behauptete. Der ,,nationale Sozialismus" war nach 1919 ein viel beachteter Begriff geworden, dem 1933 der Durchbruch zur Macht gelang. Das Credo Spenglers wurde lediglich von der ,,falschen" Fraktion im Spektrum der völkischen Rechten aufgegriffen, ein wesentlicher Grund, warum Spengler sich 1933 nicht mehr darauf beziehen konnte, wenn er nicht in direkte Nähe der Nazis gerückt werden wollte. Daß Spengler in dieser Hinsicht innerha lb der völkischen Bewegung durchaus erfolgreich als Stichwortgeber fungierte, ist jedoch kaum von der Hand zu weisen.

3.4. Marxismus und die ,,weiße Weltrevolution"

In ,,Preussentum und Sozialismus" hatte Spengler 1919 verkündet: ,,Der Marxismus bricht mit der schallenden Orgie seines Versuchs zur Wirklichkeit heute zusammen" 150 Dem Marxismus räumte Spengler eine so geringe Bedeutung ein, weil Marx ,,rein englisch" dachte151, und dieser veralteten Variante des ,,inneren Englands", die Deutschland sowieso wesensfremd sei, der zukunftsträchtige, preußische Sozialismus entgegenstehe152. In ,,Jahre der Entscheidung" bewertete Spengler die Relevanz der ,,weissen Weltrevolution", der Durchsetzung von Ideen wie dem Marxismus weit gravierender. Die Klassifizierung nach ,,Wirtschaftsklassen" hätte sich durchgesetzt, und beherrsche momentan ,,das gesamte Denken, Sehen und Wollen der weißen Völker"153. Zwar seien die linken Pogramme angesichts des sich abzeichnenden Cäsarismus veraltet154, doch die ,,Diktatur der Arbeiterschaft gegenüber der Staatsleitung" hätte sich seit dem ersten Weltkrieg durchgesetzt, die Vernichtung sei vollzogen, ,,die Zukunft ist beinahe hoffnungslos" 155. Der Kern der Erklärung für die unterschiedliche Bewertung des Marxismus und des wesentlich erweiterten Begriffs ,,weisse Weltrevolution" in beiden Schriften dürfte in den unterschiedlichen politischen Motiven liegen, die Oswald Spengler bei der Abfassung jeweils bewegte.

1919 mußte es Oswald Spengler primär darum gehen, genuin konservative Werte neu zu bestimmen, was lag also näher, als den marxistischen Sozialismus für tot zu erklären und dafür den nationalen, den völkischen Sozialismus als das Projekt der Zukunft zu zeichnen. Für Konservative hatte sich der Zweck dieser Konstruktion Anfang der 30er Jahre überlebt. Die völkische Bewegung in Deutschland war reorganisiert, es mußte jetzt darum gehen, diese Bewegung in die Offensive zu führen und Deutschlands Weltmachtanspruch einzulösen. Dazu gehörte besonders die Benennung der inneren und äußeren Feinde, die Oswald Spengler seiner Leserschaft in ,,Jahre der Entscheidung" sehr konkret vor Augen führte156.

3.5. Die Internationale und die farbige Weltrevolution

In ,,Jahre der Entscheidung" stilisierte Spengler die ,,farbige Weltrevolution" als die ,,gr öß te aller Gefahren" 157, die das Abendland, die ,,weisse Welt" bedrohen würde. Alles, ,,was in den weißen Völkern noch an ,,Rasse" vorhanden ist, wird nötig sein, um ihr zu begegnen." 158 Rußland agiere beispielsweise durch ,,echt asiatische Diplomatie, die handelt statt zu verhandeln, von unten und hinten, durch Propaganda, Mord und Aufstand" 159, während der im Schwinden begriffene Bolschewismus160 von Rußland und der gesamten farbigen Welt nur als Mittel zur Durchsetzung von Machtinteressen benutzt wird161.

Die ,,weißen Herrenvölker" 162 hätten die Initiative aus der Hand gegeben: ,,Sie verhandeln heute, wo sie gestern befahlen, und werden morgen schmeicheln müssen, um verhandeln zu dürfen." 163

Bezüglich einer globalen Bedrohung Deutschlands und des Abendlandes kam Spengler in ,,Preussentum und Sozialismus" zu einem fast gegensätzlichen Ergebnis. Rußland sei zwar das ,,Versprechen einer kommenden Kultur" 164, wobei der ,,furchtbare, tiefe, urrussische Haßgegen den Westen, das Gift im eigenen Leibe" 165 zu Tage trete, trotzdem betonte Spengler, ,,wie bedeutungslos der Bolschewismus, diese blutige Karikatur westlicher Probleme, (...) für die große Weltfrage ist" 166. Ansätze der facettenreich geschilderten Bedrohung durch die ,,farbige Weltrevolution" finden sich in ,,Preussentum und Sozialismus" nicht, so spielten weder Japan noch Afrika oder Südamerika als ernstzunehmende zukünftige Mächte eine Rolle, auch die Bewertung, daß der erste Weltkrieg ein Triumph der ,,farbigen Welt" gewesen sei, fehlt gänzlich.

Die Gründe für die grundsätzlich verschiedene Bewertung in beiden Schriften dürften wiederum primär in der unterschiedlichen Zielrichtung der beiden Bücher gelegen haben, woran sich anschaulich zeigt, wie Oswald Spengler Weltbilder fast nach Belieben konstruierte, um damit die intendierte politische Botschaft zu transportieren. Entsprechend der oben dargelegten Bewertung Spenglers bezüglich Sozialismus und Marxismus, hatte das ursprüngliche Motiv einer zunächst erforderlichen inneren Formierung konservativer Kräfte von 1919 ihren Sinn erfüllt. Nach dem Wiedererstarken der völkischen Rechten konnte 1933 die erwähnte historische Mission Deutschlands erneut ins Auge gefaßt werden, wobei, ausgehend von dem formulierten Weltmachtanspruch Deutschlands von Spengler die skizzierten Mächte, im Sinne zukünftiger Gegner, ins Bewußtsein der Leserschaft gerückt werden sollten, wobei sich der Autor an einer realistischen Einschätzung der gegnerischen Potentiale versuchte.

4. Rassetheorien und Nationalsozialismus

4.1. Oswald Spengler - ein Rassist?

Wichtige Bedeutung bezüglich der Einordnung des Spenglerschen Werkes kommt der Frage zu, in welche Richtung die häufige Benutzung von Begriffen wie ,,Rasse" und ,,Blut" zu werten sind.

Schon in ,,Der Untergang des Abendlandes" hatte Oswald Spengler zwar die Existenz von Rassen bejaht167, sich an mehreren Stellen jedoch gegen die dominierende, biologistische Aufassung von Rasse gewandt168. Ähnlich argumentierte er in ,,Preussentum und Sozialismus", wo ausdrücklich von ,,Rasse im geistigen Sinne" 169 die Rede war. 1933 wandte Spengler sich erneut gegen den Gebrauch des Rasse-Begriffs in dem Sinne, ,,wie er heute unter Antisemiten in Europa und Amerika Mode ist" 170 , kurz darauf schrieb er aber: ,,In Afrika werden die Neger bei ihrer ungeheuren Fruchtbarkeit sich noch gewaltiger vermehren, seitdem die europäische Medizin dort ,,eingebrochen" ist und die starke Auslese durch Krankheiten verhindert." 171 Die im folgenden entwickelte Argumentation ließ Oswald Spengler als einen Befürworter der Euthanasie und eugenischer Maßna hmen erscheinen, so verhindere die Medizin ,,die natürliche Auslese und steigert dadurch den Rasseverfall" 172 . Anschließend intensivierte er diesen Diskurs173, der sich nun in deutlich biolo gistischer Argumentationsweise um ,,Rassereinheit" bemühte, indem eben doch physische Merkmale zur Identifizierung und Klassifizierung von Rassen herangezogen wurden174.

Obwohl in ,,Jahre der Entscheidung" die genannte Radikalisierung des Spenglerschen Rassebegriffs festzustellen ist, kann Oswald Spengler generell jedoch nicht zu den Verfechtern von darwinistisch-biologistischen Rassetheorien gezählt werden175. Oswald Spengler argumentierte jedoch nicht nur in der Logik von Rassen, weil derartige Begrifflichkeiten zu der Zeit unbestreitbar populär waren. Er vertrat vielmehr bewußt einen wohldurchdachten kulturellen Rassismus, der die Wertigkeit von Menschen eben nicht anhand von physischen Merkmalen sondern über deren kulturelle Eigenschaften definiert. Nach Spengler waren es die in Nationen ,,gezüchteten" und tradierten Werte die deren kulturelle Stufe bestimmen176, womit er somit ebenfalls eine Klassifizierung vornahm. So gleichen nicht nur die Begriffe des Spenglerschen kulturellen Rassismus denen von Vertretern des biologistischen Rassismus wie Eugen Dühring oder Alfred Rosenberg, auch das konstruierte Ergebnis führte in mancher Beziehung in eine ähnliche Richtung, nämlich zur Suggestion einer der deutschen Nation - qua edler Rasse - zustehenden und durchzusetzenden Führungsrolle in der Welt.

Wie dieser ambivalente, in der Weimarer Republik weniger verbreitete kulturelle Rassismus auf Anhänger des biologischen Rassismus wirkte, verdeutlicht ein Zitat Alfred Rosenbergs aus dem Jahre 1925: ,,In der Frage der Rasse ist Spengler ebenso zweideutig. Denn kaum hat er es mit merklichem Spott abgelehnt, rassische Triebe als bestimmende Elemente anzuerkennen, so spricht er ,,vom germanischen Weltempfinden", weist auf eine Menge ,,prachtvoller Menschen von Rasse" bei uns hin, spricht von einem Recht, das ,,aus Blut geboren" ist (...)." 177

Angemerkt sei, daß die oben zitierte Kritik Spenglers am Rasse-Begriff der Antisemiten bei näherer Untersuchung keinesfalls den Schluß zuläßt, daß der Autor selbst nicht antisemitisch argumentiert hätte. Im zweiten Band seines Hauptwerkes widmete Spengler speziell dem Judentum einige Seiten, er behauptete einen - seitens der Juden reichlich konstruiert anmutenden - gegenseitigen Haß zwischen Christen- und Judentum, der jedoch nicht auf Rasseunterschieden, sondern auf der fehlenden ,,Gleichzeitigkeit" beider Völker beruhe178. Spengler bediente sich althergebrachter antisemitischer Stereotype, wenn er anschließend von der gegenwärtigen Geschichtslosigkeit179, dem ,,landlosen und grenzenlosen" Charakter180 des abendländischen Judentums und seiner vernichtenden Wirkung auf die abendländische Kultur sprach181, und zudem suggerierte, daß das Judentum parasitär sei, da es vom ,,Leben seines Wirtsvolkes" beeinflußt werde182. Oswald Spengler lag es fern, wie andere Antisemiten etwa die Eliminierung des jüdischen Einflusses zu fordern, ausgehend von seiner deterministischen Geschichtsaufassung hatte er jedoch kein sonderlich abweichendes Ergebnis vorgesehen: Mit Fortschreiten der Zivilisation sei das Judentum, ,,diese magische Nation", im Begriff, ,,mit dem Ghetto und der Religion selbst zu verschwinden" 183.

4.2. Das Verhältnis zum Nationalsozialismus

Nach einigen, bereits oben erwähnten Bezügen Oswald Spenglers zum Nationalsozialismus - erinnert sei an seine in ,,Neubau des deutschen Reiches" formulierte Kritik an der NS- Bewegung - erscheint es sinnvoll, dieses Verhältnis vor einer abschließenden Bewertung genauer zu charakterisieren.

1932 soll Spengler zu seiner Schwester gesagt haben: ,,Hitler ist ein Dummkopf, aber die Bewegung mußman unterstützen" 184 . Im Juli des Jahres trafen sich beide zu einem längeren Gespräch, wonach Spengler darüber nachdachte Hitler zu beraten185. Wie fasziniert Spengler 1933 von der ,,Bewegung" selbst war, zeigt sich mehrfach in der Einleitung zu ,,Jahre der Entscheidung" . Spengler betonte ,,die elementare,überpersönliche Wucht" 186 und die ,,seelische Disziplin" 187 in der sich der Umsturz von 1933 vollzogen hatte, um dann zu folgern: ,,Das war preußisch durch und durch, wie der Aufbruch von 1914, der in einem Augenblick die Seelen verwandelte." 188 Leise Kritik klingt an, als Spengler anschließend bemerkte, daß das kein Sieg war, ,,denn die Gegner fehlten." 189 Im eigentlichen Text argumentierte Spengler, daß die aktuelle Gefahr darin bestünde, ,,daßman fortsetzt, was man bekämpfen möchte" 190, daß dies ,,das Zeitalter der Zwischenlösungen und Ü bergänge" sei191. Nicht Parteien gehöre die Zukunft, weil selbst im italienischen Faschismus der Gegensatz zwischen der ,,gegliederten Nation" und der ,,städtischen Masse" durch die ,,napoleonische Energie" Mussolinis nur unterdrückt, nicht aufgehoben sei192. Daß Oswald Spengler diese, vor 1933 verfaßten Formulierungen nicht zurücknahm, wurde tatsächlich als Affront gegen den Nationalsozialismus verstanden193. Der NS-Ideologe Alfred Baeumler schimpfte im Völkischen Beobachter, daß weder Hitler noch der Nationalsozialismus namentlich erwähnt würden194, der Schriftsteller Arthur Zweiniger kommt 1933 zu dem Schluß, daß Spengler gemäß seiner eigenen Philosophie eigentlich ein guter Nationalsozialist sein müßte, er die Zeichen der Zeit aber nicht erkennen würde195: ,,Es ist, als suche er zu vermeiden, daßjemand sein Preußentum im Nationalsozialismus wiedererkenne." 196

Der Autor selbst unterstrich, daß er nicht ,,für Monate oder das nächste Jahr, sondern für die Zukunft" 197 schreibe, und verwahrte sich gegen Instrumentalisierungsversuche der Nazis. Spengler schlug einen Vorschlag Goebbels aus, am ,,Tag von Potsdam" eine Rundfunkrede zu halten und so einen deutlichen Beitrag zur damit angestrebten Aussöhnung zwischen dem historischen, konservativen Preußen und dem Nationalsozialismus zu leisten.198 Im Oktober 1933 lehnte Spengler ein ähnliches Ansinnen, erneut ab199. Daraufhin gab Goebbels seine Vereinnahmungsversuche auf, und in der NS-Presseanweisung vom 5. Dezember 1933 wurde ein Spengler-Boykott angeordnet200.

Oswald Spengler hätte sich wahrscheinlich, entsprechend seinem selbstformuliertem Daseinswunsch ,,allmächtiger Günstling eines tüchtigen Herrschers im 18. Jahrhundert" 201 sein zu wollen, eine Kooperation mit den Nazis vorstellen können202, mit dem Angebot derselben, bloße Staffage zu sein, konnte und wollte er sich nicht anfreunden. Die ideologischen Affinitäten zum Nationalsozialismus, wie die vehemente Ablehnung demokratischer Prinzipien, und das radikale Plädoyer für den völkischen Nationalismus, für Militarismus und Führerdiktatur blieben trotzdem bestehen.

Als bei den Säuberungen des 30.Juni 1934, des sog. ,,Röhm-Putsches", politische Freunde Spenglers wie Georg Strasser und Edgar Jung ermordet wurden203, ging Spengler auf Distanz zum Nationalsozialismus, ein Schritt, der ideologisch von engen Freunden nicht nachvollzogen werden konnte204, und in seinen letzten, unveröffentlichten Fragmenten setzte er sich durchaus kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander205. Er schrieb von einer Barbarei, ,,die nicht die d(er) Germanen, sondern Kannibalen ist: Foltern, Morden, Gesetzlosigkeit, Raub." 206 Über die NSDAP ist von ihm folgende Bemerkung überliefert: ,,Wir wollten die Parteien los sein. Die schlimmste blieb." 207 Dieser späten Erkenntnis ließ Oswald Spengler allerdings keine nennenswerten Konsequenzen mehr folgen.

5. Zusammenfassung

Das in dieser Arbeit untersuchte politische Konzept Oswald Spenglers kann als durchaus beispielhaft für die Motive der völkischen Rechten während der Anfangs- und Endzeit der Weimarer Republik gelten. Wie dargestellt, versuchte Spengler sich 1919 erfolgreich daran, der desorientierten Rechten Leitwerte und politische Perspektiven zu vermitteln. 1932/33 wollte er sein politisches Spektrum einerseits vor falschen Orientierungen warnen, und bereitete es andererseits auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den inneren und äußeren Feinden vor. Dafür haben die wichtigsten Kategorien aus ,,Preussentum und Sozialismus" bis 1933 eine nicht unwesentliche Uminterpretation erfahren: ,,Preußen" als Synonym für die positiven konservativen Werte blieb weitgehend erhalten208, dagegen verzichtete Spengler 1933 auf die andere Hälfte seines visionären Begriffspaares, er gab die positive Interpretation des Sozialismusbegriffs auf. Aus den Begriffen ,,Marxismus" und ,,Internationale" von 1919 wurden in ,,Jahre der Entscheidung" die, aus den genannten Gründen wesentlich ausdifferenziertere ,,weisse" und ,,farbige Weltrevolution".

Ein breites Kontinuum im Werk Spenglers stellt dessen ultrakonservative Gesinnung dar, die ihn, fast schon pathologisch, jedes Anzeichen von Demokratie oder Pluralismus undifferenziert verdammen ließ, worin immer wieder seine politischen Ziele der Durchsetzung einer militaristischen, völkischen Diktatur deutlich wurden. Diese Haltung trieb ihn 1933, trotz inhaltlicher und persönlicher Differenzen, in bedenkliche Nähe zum Nationalsozialismus209.

Die Charakterisierung dieser Differenzen als deutliches Merkmal von Widerstand ge gen das NS-System210, geht am eigentlichen Problem vorbei. Männer wie Spengler müssen, trotz gegenteiliger Interpretationsversuche211, nach wie vor in die Verantwortung gestellt werden, daß ohne deren fortwährende antidemokratische und völkische Propaganda die Wahlerfolge der NSDAP und deren Durchbruch zur Macht kaum möglich gewesen wäre. In dieser selbstkritischen Logik hat Oswald Spengler bis zu seinem Tod nicht zu denken vermocht. So antwortete er auf eine Umfrage aus den USA bezüglich des Weltfriedens 1936 zwar skeptisch, jedoch ohne ein Wort über das NS-System zu verlieren212.

Quellen- und Literaturverzeichnis

gedruckte Quellen

- König, Eduard, Oswald Spengler's Der Untergang des Abendlandes, Langensalza 1921
- Scholz, Heinrich, Zum ,,Untergang" des Abendlandes, Berlin 1920
- Spengler, Oswald, Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, I. Band: Gestalt und Wirklichkeit, Wien 1918; II. Band: Welthistorische Perspektiven, München 1922
- ders., Preussentum und Sozialismus, München 1920
- ders., Neubau des Deutschen Reiches, München 1924
- ders., Der Mensch und die Technik. Beitrag zu einer Philosophie des Lebens, München 1931
- ders., Jahre der Entscheidung. I. Teil. Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, München 1933
- ders., Reden und Aufsätze, hrsg. v. Hildegard Kornhardt, München 1937
- Zweiniger, Arthur, Spengler im Dritten Reich. Eine Antwort auf Oswald Spenglers ,,Jahre der Entscheidung", Oldenburg 1933

Literatur

- Bussche, Raimund von dem, Konservativismus in der Weimarer Republik, Heidelberg 1998
- Felken, Detlef, Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktaur, München 1988
- Hausmann, Manfred, Im Spiegel der Erinnerung, Neukirchen-Vuyn 1974, S. 47-58
- Lenk, Kurt, Deutscher Konservatismus, Frankfurt/M, New York 1989
- Merlio, Gilbert, Oswald Spengler. Témoin de son temps, Stuttgart 1982
- Mohler, Armin, Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 2 Bde., Darmstadt 1989
- Müller, Johann Baptist, Der deutsche Sozialkonservativismus, in: Schumann, Hans - Gerd, Konservativismus, Königstein/Ts. 1984, S. 199-221
- Naeher, Jürgen, Oswald Spengler, Reinbek bei Hamburg 1984
Nolte, Ernst, Konservativismus und Nationalsozialismus, in: Schumann, Hans - Gerd, Konservativismus, Königstein/Ts. 1984, S. 244-261
- Sieferle, Rolf Peter, Die konservative Revolution. Fünf biograpische Skizzen, Frankfurt/M 1995
- Werth, Christoph H., Sozialismus und Nation. Die deutsche Ideologiediskussion zwischen 1918 und 1945, Opladen 1996

[...]


1 König, Eduard, Oswald Spengler's Der Untergang des Abendlandes, Langensalza 1921; Scholz, Heinrich, Zum ,,Untergang" des Abendlandes. Eine Auseinandersetzung mit Oswald Spengler, Berlin 1920; - Zweiniger, Arthur, Spengler im Dritten Reich. Eine Antwort auf Oswald Spenglers ,,Jahre der Entscheidung", Oldenburg 1933

2 Sieferle, Rolf Peter, Die Konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen, Frankfurt am Main 1995

3 Felken, Detlef, Oswald Spengler. Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktatur, München 1988; Koktanek, Anton Mirko, Oswald Spengler in seiner Zeit, München 1968; Naeher, Jürgen, Oswald Spengler, Reinbek bei Hamburg 1984

4 Koktanek, Spengler, S. 2-36

5 Felken, Spengler, S. 16ff; vgl. Lenk, Kurt, Deutscher Konservatismus; Frankfurt am Main, New York 1989

6 Koktanek, S. 18-26

7 Naeher, Spengler, S. 34

8 Ebd., S. 34-38; Felken, S. 18f

9 Das Thema der Arbeit lautete ,,Heraklit - eine Studieüber den energetischen Grundgedanken seiner Philosophie" vgl. Felken, Spengler, S. 18

10 Koktanek, Spengler, S. 83-95

11 Ebd., S. 95-100

12 Felken, Spengler, S. 26

13 Ebd., S. 25-30; vgl. Naeher, Spengler, S. 49f

14 Koktanek, Spengler, S. 136f; für das politische Denken dürfte der Ausgang der Reichstagswahlen von 1912 ebenfalls richtungsweisend gewesen sein, d. Verf.

15 Koktanek, Spengler, S. 140

16 Felken, Spengler, S. 39

17 Ebenda

18 Spengler, Oswald, Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, I. Band: Gestalt und Wirklichkeit, Wien 1918, hier: München 1919; vgl. Koktanek, Spengler, S. 148f

19 Spengler, Untergang, S. X

20 Spengler, Oswald, Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, II. Band: Welthistorische Perspektiven, München 1922; dieser Band konnte die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen

21 Spengler, Untergang, I. Bd., S. VII

22 Ebd., S. 36

23 Neben der antiken und der abendländischen Kultur ist das laut Spengler die ägyptische, arabische, babylonische, chinesische, indische und mexikanische Hochkultur; vgl. Spengler, Untergang, Bd. I, S. 74

24 Ebd., S. 215

25 Ebd., S. 163

26 Der Krieg von 1870/71 entspräche demnach dem 1. Punischen Krieg, der Weltkrieg wäre, analog zur Antike der 2. Punische Krieg, Preußen wäre das zukünftige Rom, England entspräche Karthago, vgl. ebd., S. 219

27 Ebd., S. 450

28 Vgl. Sieferle, Revolution, S. 93ff; in ,,Über die Lehre Spenglers" (1924) schrieb Thomas Mann über Oswald Spengler: ,,Was er verneint, indem er es prophezeit, er stellt es dar, er ist es selbst - die Zivilisation."; zit. nach: Bussche, Raimund von dem, Konservativismus in der Weimarer Republik. Die Politisierung der Unpolitischen, Heidelberg 1998

29 Ebd., S. 43

30 Spengler, Untergang, II. Band, S. 582f; ,,Der Cäsarismus wächst auf dem Boden der Demokratie, aber seine Wurzeln reichen tief in die Untergründe des Blutes und der Tradition hinab.", ebd., S. 583

31 Der Theologe Prof. Eduard König kritisierte den Pessimismus und das Fehlen der christlichen Religion als bestimmender Kategorie und fällte ein eher vernichtendes Gesamturteil, vgl. König, Eduard, Oswald Spengler's Der Untergang des Abendlandes, Langensalza 1921, S. 32f; der Philosophieprofessor Dr. Heinrich Scholz würdigte zwar den breiten Ansatz Spenglers, distanzierte sich jedoch von den Schlußfolgerungen, vgl. Scholz, Heinrich, Zum ,,Untergang" des Abendlandes, Berlin 1920; zu den Kritikern gehörten ebenso Franz Kafka, Thomas Mannn und Georg Lukács, vgl. Felken, Spengler, S. 84f

32 Koktanek, Spengler, S. 328

33 Koktanek, S. 299f; Felken, S. 137ff

34 Felken, S. 139ff; Koktanek, S. 301

35 Koktanek, S. 301ff; Felken, S. 141-151

36 Felken, S. 151f

37 Die Verwendung extremer Mittel wie Staatsstreich und Diktatur im Interesse der Beseitigung des demokratischen System sind für Spengler durchaus legitim, außerdem kritisierte Spengler den Nationalsozialismus, dem er Aktionismus, die Vernachlässigung außenpolitischer Fragen und mangelnden Sachverstand vorwarf, weil er ,,Realpolitik auf Rassegefühle aufbauen möchte." zit. nach: Spengler, Oswald, Neubau des Deutschen Reiches, München 1924; vgl. Bussche, Konservativismus, S.146

38 Felken, Spengler, S. 156

39 Spengler, Oswald, Der Mensch und die Technik. Beitrag zu einer Philosophie des Lebens, München 1931, S. 50

40 Ebd., S. 54

41 Ebd., S. 75

42 Ebd., S. 81ff

43 Ebd., S. 82f

44 Ebd., S. 89

45 Hausmann, Manfred, Im Spiegel der Erinnerung, Neukirchen Vluyn 1974, S. 53

46 Felken, Spengler, S. 237

47 Spengler; Preussentum, S. 3

48 Naeher, Spengler, S. 117

49 Spengler, Preussentum, S. 3

50 Ebd., S. 4

51 Ebd., S. 9

52 Ebd., S. 8

53 Ebenda

54 Ebd., S. 12

55 Ebenda

56 Ebd., S. 31

57 Ebenda

58 Ebd. S. 42

59 Ebd., S. 54

60 Ebd., S. 58

61 Ebenda

62 Ebd., S. 29

63 Ebd., S. 65f

64 Ebd., S. 68

65 Ebd., S. 69

66 Ebd., S.71

67 Ebd., S. 73

68 Ebd., S. 75

69 Ebd., S. 81

70 Ebd., S. 89

71 Ebd., S. 84

72 Ebd., S. 97

73 Ebd., S. 99

74 Zit. nach: Felken, Spengler, S. 95; vgl. Bussche, Konservativismus, S. 123

75 Zit. nach: Naeher, Spengler, S. 117

76 Spengler, Preussentum, S. 16

77 Spengler, Preussentum, S. 4

78 Vgl. Lenk, Konservatismus, S. 115

79 Spengler, Entscheidung, S. XI

80 Ebenda

81 Entscheidung, S. XI

82 Ebd., S. 1

83 Ebd., S. 14

84 Ebd., S. 16

85 Ebd., S. 26

86 Ebenda

87 Ebenda

88 Ebd., S, 41

89 Ebenda

90 Ebd., S. 43

91 Ebenda

92 Ebenda

93 Ebd., S. 46

94 Ebenda

95 Ebd., S. 48

96 Ebd., S. 49

97 Ebd., S. 51

98 Ebenda

99 Ebd., S. 52

100 Ebenda

101 Ebd., S. 53

102 Ebd., S. 54

103 Ebd., S. 55f

104 Ebd., S. 56f

105 Ebd., S. 63ff

106 Ebd., S. 63

107 Ebd., S. 67

108 Ebd., S. 70

109 Ebd., S. 73

110 Ebd., S. 104

111 Ebenda

112 Ebd., S. 68

113 Ebd., S. 89

114 Ebd., S. 79

115 Ebd., S. 62

116 Ebd., S. 63

117 Ebd., S. 130

118 Ebd., S. 138

119 Ebd., S. 146

120 Ebd., S. 147

121 Ebd., S. 146

122 Ebd., S. 150

123 Ebd., S. 156

124 Ebd., S. 148

125 Ebd., S. 150

126 Ebd., S. 164

127 Ebd., S. 163

128 Ebd., S. 165

129 Ebenda

130 Felken, Spengler, S. 219

131 Spengler, Preussentum, S. 22; ders., Entscheidung, S. 1448

132 Ders., Preussentum, S. 28; ders., Entscheidung, S. 12

133 Ders., Preussentum, S. 51; ders., Entscheidung, S. 14

134 ders., Entscheidun, S. 24f

135 ders., Entscheidung, S. 148, stellt eine der wenigen Ausnahmen dar, wo Spengler weitere Hochkulturen erwähnt

136 ders., Entscheidung, S. 59ff

137 Ebd., S. 148f

138 Vgl. S. ; vgl. Bussche, S. 145

139 Spengler, Entscheidung, S. 138f

140 Ebd., S. 145

141 Ebd., S. 165

142 Ebd., S. 84

143 Ebd., S. 85

144 Ebd., S. 138

145 Vgl. Lenk; Konservatismus, S. 143

146 Vgl. Müller, Johann Baptist, Der deutsche Sozialkonservatis mus, in: Schumann, Hans - Gerd (Hrsg.), Konservativismus, Königstein/Ts. 1984, S. 211

147 Spengler, Entscheidung, S. 163

148 Ebd., S. 135f

149 Ebd., S. 136

150 Spengler, Preussentum, S. 81

151 Ebd., S. 71

152 Ebd., S. 80

153 Spengler, Entscheidung, S. 64

154 Ebd., S. 132f

155 Ebd., S. 124

156 Auf dieses Motiv dürfte die ausführliche Nennung und Berurteilung führender Mächte im Kapitel ,,Die Weltkriege und Weltmächte" zurückzuführen sein. Abgesehen von England hatte eine Klassifizierung potentiell zukünftige r Feinde Deutschlands in ,,Preussentum und Sozialismus" keine Rolle gespielt, obwohl zumindest die USA durch ihren Eintritt in den Weltkrieg in diesem Kontext durchaus beachtenswert gewesen wären.

157 Spengler, Entscheidung, S. 146

158 Ebenda

159 Ebd, S. 153

160 Ebd., S. 152

161 Ebd., S. 154

162 Ebd., S. 151

163 Ebenda

164 Spengler, Preussentum, S. 92

165 Ebd., S. 94

166 Ebd., S. 97

167 Spengler, Untergang, S. 690

168 Ebd., S. 704 und 710

169 Ders., Preussentum, S. 22

170 Ders., Entscheidung, S. 157

171 Ebd., S. 159

172 Ebd., S. 160

173 Ebd., S. 160f

174 Ebenda

175 Insofern ist der Beurteilung bei Sieferle, Revolution, S. 43 zuzustimmen

176 Untergang, S. 775

177 Zit. nach: Merlio, Spengler, S. 888

178 Untergang, II. Bd. S. 390

179 Ebd., S. 393

180 Ebd., S. 395

181 Ebenda

182 Ebenda

183 Ebd., S. 399

184 Zit. nach: Sieferle, Revolution, S. 128; vgl. Felken, Spengler, S. 186

185 Felken, Spengler, S. 194

186 Spengler, Entscheidung, S. VIII

187 Ebenda

188 Ebenda

189 Ebenda

190 Ebd., S. 133

191 Ebenda

192 Ebd., S. 134

193 Felken, Spengler, S. 220

194 Ebenda

195 Zweiniger, Arthur, Spengler im Dritten Reich, Oldenburg 1933

196 Ebd., S. 17

197 Entscheidung, S. XI

198 Felken, Spengler, S. 192

199 Feklen, S. 222

200 Zit. nach: ebd., S. 222

201 Zit. nach: ebd., S. 224

202 Ebd., S. 223; vgl. Bussche, S. 146f

203 Koktanek, Spengler, S. 457f

204 Ebd., S. 459f

205 Felken, Spengler, S. 227ff

206 Zit. nach: ebenda

207 Zit. nach: Felken, Spengler, S. 229

208 Vgl. Bussche, S. 145

209 Vg. Nolte, Ernst, Konservativismus und Nationalsozialismus, in: Schumann, Hans - Gerd (Hrsg.), Konservativismus, Königstein/Ts. 1984, S. 244

210 Vgl. Sieferle, Revolution, S. 129

211 Oswald Spengler wird gerade wegen seiner partiellen Kritik am Nationalsozialismus und wegen seines kulturell orientierten Rassismuskonzepts gerne im Spektrum der ,,Neuen Rechten", beispielsweise in der Zeitung ,,Junge Freiheit" besprochen, und als rechte Leitfigur bemüht. Armin Mohler schrieb 1989: ,,Zweitens sollte das Buch eine Hilfe für die rechte Intelligenz in Deutschland sein." Vgl. Mohler, Revolution, Ergänzungsband, S. 7. Zur Person Mohlers und seiner revisionistischen Ansichten vgl. Heller, Friedrich Paul, Thule, Stuttgart 1998, S. 59ff

212 ,,Der Pazifismus wird ein Ideal bleiben, der Krieg eine Tatsache, und wenn die weißen Völker entschlossen sind, keinen mehr zu führen, werden die farbigen es tun und die Herrscher der Welt sein." zit. nach: Spengler, Reden und Aufsätze, S. 293. Oswald Spengler die Weitsicht zuzusprechen, schon früh erkannt zu haben, ,,was da heraufzog", ist sicherlich verfehlt, vgl. Sieferle, Revolution, S. 128

32 von 32 Seiten

Details

Titel
Das politische Konzept Oswald Spenglers. Untersuchung am Beispiel seiner Schriften "Preußentum und Sozialismus" (1919) und "Jahre der Entscheidung" (1933)
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
32
Katalognummer
V99583
ISBN (Buch)
9783640117680
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Oswald, Spenglers, Untersuchung, Beispiel, Schriften, Preußentum, Sozialismus, Jahre, Entscheidung, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Martin Cüppers (Autor), 1998, Das politische Konzept Oswald Spenglers. Untersuchung am Beispiel seiner Schriften "Preußentum und Sozialismus" (1919) und "Jahre der Entscheidung" (1933), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99583

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