Der Hauptmann von Kapernaum


Seminararbeit, 2000

34 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe

3 Sprachliche Analyse
3.1 allgemein
3.2 Anwendung

4 Quellenanalyse
4.1 allgemein
4.2 Anwendung

5 Gattungsanalyse
5.1 allgemein
5.2 Anwendung

6 Traditionsanalyse
6.1 allgemein
6.2 Anwendung

7 Kompositionsanalyse
7.1 allgemein
7.2 Anwendung

8 Theologische Würdigung
8.1 allgemein
8.2 Anwendung

9 Literaturverzeichnis
9.1 Quelle
9.2 Hilfsmittel
9.3 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der neutestamentlichen Ge- schichte „Der Hauptmann von Kapernaum“, die im Matthäusevangeli- um 8,5- 8,13 steht. An diesem Text werde ich exemplarisch das Arbei- ten mit neutestamentlichen Texten sowie die Anwendung der exegeti- schen Methoden aufzeigen. Diese Methoden dienen dem verantwor- tungsbewussten Umgang sowie dem sachgemäßen Verstehen neu- testamentlicher Texte.

Zuerst stelle ich den Inhalt dieser Geschichte vor, damit die nun folgenden Arbeitsschritte auch für die Menschen nachvollziehbar sind, die den Inhalt dieses Textes nicht genau kennen.

Nun folgen die sieben Exegeseschritte: die Sprachliche Analyse, die Quellenanalyse, die Gattungsanalyse, die Traditionsanalyse, die Kom- positionsanalyse, die theologische Würdigung und die Situations- analyse.

Jeden einzelnen Arbeitsschritt stelle ich zuerst allgemein vor. Damit möchte ich nicht nur die Bedeutung und die Funktion jedes Schrittes aufzeigen, sondern auch die Vorgehensweise, die Methode erläutern, die mit der Anwendung dieses Arbeitsschrittes auf einen beliebigen Text verbunden ist. Anschließend werde ich das allgemein Erläuterte auf meinen speziellen Text anwenden.

Den Abschluss meiner Hausarbeit bildet die Zusammenfassung, in der ich die wichtigsten Ergebnisse nochmals hervorhebe.

Zu diesem Themenbereich gibt es eine umfassende Literatur und deshalb stellt mein Literaturverzeichnis nur eine Auswahl, der mir zur Verfügung stehender Literatur dar. Bei meiner Hausarbeit habe ich vor allem mit den Büchern von Thomas Söding und von Klaus- Michael Bull gearbeitet. Dies liegt begründet in der leichten Verständlichkeit und in der übersichtlichen Gliederung der Bücher.

2 Inhaltsangabe

Die Geschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ handelt von der Hei- lung eines Knechtes des Hauptmanns in der Stadt Kapernaum. Kaper- naum ist ein galiläisches Fischerdorf an der nordwestlichen Küste des See Genezareths.1 Hier bittet der Hauptmann Jesus seinen gelähmten, unter Qualen stehenden Knecht zu heilen. Er lehnt jedoch das Angebot von Jesus direkt zu dem Leidenden zu gehen ab, da er meint, dass er die Anwesenheit Jesu in seinem Hause nicht wert sei. Jesus solle statt- dessen ein Wort sprechen, so dass sein Knecht wieder gesund werde. Diese Aussage begründet er mit einem Vergleich zwischen sich und Je- sus. Der Vergleich besagt, dass sie beide Menschen seien, die einer Ob- rigkeit unterstehen. Somit wird ein Wort von Jesus ausreichen um den Knecht zu heilen, genauso wie ein Wort von ihm ausreicht, um Soldaten einen Befehl zu geben, den diese sogleich befolgen. Jesus war von die- sem tiefen Glauben sehr überrascht und nahm dies zum Anlass für eine kurze Rede an die Menschen, die ihm nachgefolgt sind. In seiner Rede sagt er, dass nicht nur die „Kinder Israels“ in das Reich Gottes ge- langen, sondern dass jeder der gläubig ist diesen Ort erreichen kann. Die Ungläubigen werden, auch wenn sie Israeliten sind, in die Finster- nis ausgestoßen. Abschließend spricht Jesus zu dem Hauptmann, dass er hingehe und sich von seinem Geglaubten vergewissern solle. Und der Knecht wurde gesund.

3 Sprachliche Analyse

3.1 allgemein

Jeder Text weist eine bestimmte sprachliche Form auf. Da die Form und der Inhalt des Textes untrennbar miteinander verbunden sind, gibt die sprachliche Analyse Hinweise auf die inhaltlichen Aussagen des Textes. Sie stellt damit einen wichtigen exegetischen Arbeitsschritt dar, der Voraussetzungen für weitere Schritte, ist. Deshalb steht die sprachliche Analyse auch meistens am Anfang der Exegese. Die Untersuchung des Textes hinsichtlich der Form beschäftigt sich vor allem mit den folgen- den zwei Schwerpunkten: mit der Abgrenzung der Geschichte und mit der Struktur. Die Abgrenzung untersucht den Anfang und das Ende einer Geschichte. Dabei wird die Eingliederung des Textes in den Ge- samtkontext untersucht. Die Strukturanalyse beschäftigt sich mit dem inneren Gefüge eines Textes. Dabei erschließt sich aus der Analyse der internen Beziehungen, ob es sich um eine Textkohärenz oder eine Op- position handelt. Des weiteren wird der Text auf die nun folgenden E- benen hin untersucht: die Textebene, die Wortebene und die Satzebe- ne. 2 3

3.2 Anwendung

1. Abgrenzung der Geschichte

Die Geschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ wird am Anfang von der vorhergehenden Geschichte durch einen Ortswechsel und durch einen Personenwechsel abgetrennt. Somit präsentiert sich diese Ge- schichte aus dem Gesamtkontext als eine zusammengehörige Einheit. Beim Vergleich der vorherigen Geschichte mit dieser, ist festzustellen, dass beide das gleiche Thema, also Heilungs- oder Wundergeschichten behandeln. Also gehen die Argumentation und die Darstellung Jesus als Heiler, die in Kapitel 8 Vers 1 beginnen, weiter. Neben dem themati- schen Zusammenhang ist auch die Zeit, in der die Geschichten passie- ren dieselbe. So spielen sie sich im Verlauf eines bestimmten Tages ab. Weiter ist festzustellen, dass das Erzähltempus der beiden Geschichten gleich ist. Sie werden im Imperfekt erzählt. Im Gegensatz dazu kann jedoch ein Ortswechsel aufgezeigt werden. So spielt sich die vorherige Geschichte auf dem Abstieg von einem Berg ab („Als er aber vom Berge herabging...“) und die Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum er- eignet sich, als Jesus die Stadtgrenze von Kapernaum betreten hat („Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging...“). Wie oben im Text bereits erwähnt, ändern sich neben dem Ort auch die Personen. So handelt die vorherige Geschichte von zwei Personen, nämlich von Jesus und von einem Aussätzigen, der geheilt wird. Diese Geschichte jedoch erzählt von mehreren Personen, von Jesus, von einem Diener, der geheilt wird, von seinem Herrn, dem Hauptmann, der Jesus um die Heilung bittet sowie von einer Menschenmenge, zu denen Jesus im Anschluss spricht. Das Ende der Geschichte zu der folgenden Erzählung „Jesu im Haus des Petrus“ wird wiederum durch einen Ortswechsel und durch einen Personenwechsel abgegrenzt. Hier ist wiederum die Zeit die gleiche. Es ist nämlich immer noch derselbe Tag, jedoch schon später am Nachmit- tag. Auch das Erzähltempus, Imperfekt, und der Themenbereich Hei- lungs- oder Wundergeschichten sind dieselben. Der Themenbereich des Wirkens Jesus erstreckt sich von 8,1 bis 9,34. Ausschließlich durch den Ortswechsel, von der Stadtgrenze von Kapernaum hin zu Petrus Haus und durch die neue Personenkonstellation wird die Geschichte von dem Hauptmann abgegrenzt. In der folgenden Geschichte geht es um die Heilung der kranken Schwiegermutter von Petrus und um zu Jesus gebrachte Besessene, die er am Abend heilt.4

2. Struktur der Geschichte

Textebene

Die Geschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ (8,5- 8,13) lässt sich in neun Teile einteilen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Den Zusammenhalt und die Einheit des Textes wird vor allem durch die Konjunktionen wie „und“, „denn“ und „aber“ hergestellt. Diese wirken verbindend, so dass der Text als Einheit erscheint. Aber nicht nur durch die Konjunktionen, sondern auch durch den Rahmen, Dialog zwischen Jesus und dem Hauptmann, erscheint der Text als zusammenhängendes Gefüge. Es werden zwar innerhalb der Geschichte die Adressaten gewechselt, aber durch diesen Rahmen bildet die Geschichte trotzdem eine Einheit.5

Der Text wird durchzogen von drei Spannungsbögen. Der erste Span- nungsbogen verläuft von Vers 5 a bis 9, wo die Fernheilungsbitte des Hauptmanns ausgesprochen wird und es offen bleibt, wie Jesus letzt- endlich handeln wird. Der zweite Spannungsbogen befindet sich von Vers 10 bis 12, in denen das Schicksal der Israeliten von Jesus aufge- zeigt wird. Der letzte Spannungsbogen wird von Vers 13 gebildet, wo das Wort Gottes durch die Tat, also die Heilung bestätigt wird.

In diesem Text sind auch Wortfelder zu finden, die ein bestimmtes Me- tier darstellen. So sagt allein schon das Wort „Hauptmann“ einiges über die Situation aus, denn der Hauptmann ist ein Heide. Dieses Wort steht im Gegensatz zu den „Kindern des Reiches“, an die Jesus in der Rede sein Wort richtet. Ein weiterer zentraler Begriff ist das „Wort“. Der Hauptmann beschreibt dreimal mit einem Schluss vom Kleineren aufs Größere die Mächtigkeit und die Ausführung seiner Befehle. Damit drückt er die Mächtigkeit des Wort Gottes aus, denn wenn seine Befehle schon beachtet werden, wie müssen erst die Befehle von Gott in die Tat umgesetzt werden. Das Wort ist ein sehr bedeutendes Element in der Theologie.6

Satzebene

In diesem Text sind vor allem lange Sätze vorzufinden, die ausführlich die Situation beschreiben. Auffällig ist hierbei der große Anteil an wört- licher Rede, bzw. Dialog. Diese stammt von Jesus sowie von dem Hauptmann.7

Wortebene

Der Wortschatz des Textes ist einfach, so dass daraus geschlossen wer- den kann, dass die Geschichte eine Alltagssituation schildern soll und keine fiktive Abfolge. Anhand dieses Textes kann auch darauf hingewie- sen werden, dass der Synoptiker Matthäus den Ausdruck „Himmel- reich“ oder „Reich der Himmel“ verwendet und nicht wie die anderen Synoptiker den Ausdruck „Reich Gottes“ („... im Himmelreich zu Tisch sitzen.“).8

interne Beziehung

Die interne Beziehung dieses Textes ist die Opposition. Dies liegt be- gründet in dem Personen-, in dem Themen-, in dem Tempus- und in dem Stilwechsel. So handelt die Geschichte beginnend von Vers 5 bis 9 und der letzte Vers 13 von dem Dialog zwischen Jesus und dem Hauptmann. Dazwischen aber, von Vers 10 bis 12 wird die Rede von Jesus an die Israeliten, die ihm nachgefolgt sind, eingeschoben. Dies zeigt, dass der Text nicht einheitlich strukturiert ist, sondern dass ein Absatz existiert, in dem die bisherige Personenkonstellation aufgehoben ird. Daneben ändert sich aber auch das Thema. Dieser Absatz handelt nicht mehr von der Fernheilung eines Kranken, sondern von dem Glau- ben der israelitischen Bevölkerung. Auch das Tempus wechselt in die- sem besagten Abschnitt. So redet Jesus zu den Menschen im Futur. Er beschreibt also, was in der Zukunft mit den „Kindern des Reiches“ ge- schehen wird. Insgesamt gesehen wechselt sich auch der gesamte Stil. Jesus redet nun in einem drohenden Ton zu den Menschen. In zwei langen, ausgeschmückten Sätzen beschreibt er mit Hilfe von Metaphern wie „Finsternis“, „Heulen und Zähneklappern“ ausführlich die Situation der Israeliten im Himmelreich.9

Die interne Beziehung dieses Textes ist die Opposition. Dies liegt be- gründet in dem Personen-, in dem Themen-, in dem Tempus- und in dem Stilwechsel. So handelt die Geschichte beginnend von Vers 5 bis 9 und der letzte Vers 13 von dem Dialog zwischen Jesus und dem Hauptmann. Dazwischen aber, von Vers 10 bis 12 wird die Rede von Jesus an die Israeliten, die ihm nachgefolgt sind, eingeschoben. Dies zeigt, dass der Text nicht einheitlich strukturiert ist, sondern dass ein Absatz existiert, in dem die bisherige Personenkonstellation aufgehoben ird. Daneben ändert sich aber auch das Thema. Dieser Absatz handelt nicht mehr von der Fernheilung eines Kranken, sondern von dem Glau- ben der israelitischen Bevölkerung. Auch das Tempus wechselt in die- sem besagten Abschnitt. So redet Jesus zu den Menschen im Futur. Er beschreibt also, was in der Zukunft mit den „Kindern des Reiches“ ge- schehen wird. Insgesamt gesehen wechselt sich auch der gesamte Stil. Jesus redet nun in einem drohenden Ton zu den Menschen. In zwei langen, ausgeschmückten Sätzen beschreibt er mit Hilfe von Metaphern wie „Finsternis“, „Heulen und Zähneklappern“ ausführlich die Situation der Israeliten im Himmelreich.9

4 Quellenanalyse

4.1 allgemein

Die Quellenanalyse fragt nach der ältesten erreichbaren Grundform ei- nes Textes. Dabei spielt vor allem der synoptische Vergleich eine große Rolle, da die drei Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas weit- gehend parallel aufgebaut sind, d. h. sie verfügen über eine parallele Grobgliederung. Wichtig dabei ist die Zwei- Quellen- Theorie. Diese be- sagt, dass das Markusevangelium das älteste der drei Evangelien ist. Matthäus und Lukas haben nicht nur das Markusevangelium genutzt, sondern auch die Quelle Q. Diese bestand hauptsächlich aus Reden Je- sus und wird deshalb auch die Logienquelle (=Spruchquelle) genannt. Daneben haben Matthäus und Lukas aber jeweils für ihr Evangelium auch das Sondergut benutzt. Dieses Sondergut ist deshalb nur bei Mat- thäus oder nur bei Lukas vorzufinden. 10

4.2 Anwendung

Der Text, den Matthäus aus der Spruchquelle Q übernommen hat, ist auch bei Lukas 7,1 bis 7,10 im Anschluss an die Bergpredigt vorzufin- den. Dass der Text aus der Quelle Q stammt liegt darin begründet, dass sich der Text nicht bei Markus befindet, aber sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas. Diese Wundergeschichte ist auch in dem Johannes- evangelium wiederzufinden. Hier wird deshalb nicht nur ein synopti- scher Vergleich vollzogen, sondern auch ein Vergleich mit Johannes, der eine Sonderstellung innerhalb der Evangelien einnimmt. Bei Mat- thäus gewinnt die Heilungsgeschichte eine besondere Bedeutung in be- zug auf die Berufung der Heiden zum Christentum. Deshalb hat er in die Geschichte das Hinzuströmen der Völker von Osten und Westen (siehe Vers 11f) eingefügt. Bei Lukas steht dies zwar auch in Vers 13,28f, aber in einem anderen Zusammenhang. Dies geschieht aber in anderer Weise als bei Johannes (siehe Joh 4,46 bis 4,53), bei dem auch die Heilungsgeschichte vorzufinden ist. 11

Bei der Erzählung selbst hat sich Matthäus auf das Gespräch zwischen dem Hauptmann und Jesus konzentriert. Lukas dahingegen spricht zu- erst von Ältesten der Juden (siehe: Lk 7,3) und später im Text nochmals von Freunden (siehe: Lk 7,6), die der Hauptmann zu Jesus sendet. Die Vereinfachung der Handlung durch die Streichung der Gesandten, die bei Lukas auftreten, wurde sicherlich von dem matthäischen Redaktor vollzogen. Daraus ist nicht nur zu erkennen, dass die Wundergeschich- te einfacher, klarer strukturiert sein sollte, sondern auch, dass für Mat- thäus das unmittelbare Zusammentreffen und der Dialog zwischen Je- sus und dem Hauptmann sehr wichtig ist. Bei Johannes gibt es zwar die gleiche Personenkonstellation wie bei Matthäus, jedoch wird hier die Betonung nicht auf die Fernheilung gesetzt, sondern auf den Glauben eines Heiden bzw. eines nichtjüdischen Mannes.

Bei näherem Vergleichen mit Hilfe der Synopse können Unterschiede aufgezeigt werden. So spricht Matthäus von einem „gelähmten, unter Qualen leidenden Knecht“, Lukas von einem „todkranken Knecht“ und Johannes von einem „mit Fieber daniederliegenden Sohn“. Es variieren hier nicht nur die Beschreibungen der Krankheit, sondern auch die zu heilende Person. Dies liegt daran, dass die Bezeichnung des Gelähmten als „pais“ (griechisch) sowohl „Knecht“ wie auch „Sohn“ heißen kann. Daraus kann geschlossen werden, dass die zu heilende Person dem Hauptmann sehr viel bedeutet hat, denn zu seinem Sohn hat er ein in- niges Verhältnis. 12 In allen drei Evangelien folgt nun die Aussprache der Heilungsbitte. Jedoch wird diese bei Matthäus sowie bei Johannes direkt vom Hauptmann an Jesus gerichtet, wohingegen bei Lukas die Bitte durch die Ältesten und später nochmals durch Freunde über- bracht wird. Diese Ausschmückung führt dazu, dass der Lukastext ins- gesamt umfangreicher ist als der Matthäustext. Alle Personen haben ein

gläubiges Vertrauen zu Gott. Im Matthäus- und Lukastext wird der Glaube an die Macht Gottes dadurch symbolisiert, dass ein Schluss vom Kleinen auf das Größere gezogen wird. Dies bedeutet, dass wenn sie, also der Hauptmann bei Matthäus (siehe Mt 8,9) und die Freunde bei Lukas (siehe Lk 7,8) schon so eine Macht besitzen, welche Macht muss dann erst Jesus besitzen. Bei Johannes wird die Gläubigkeit an das Wort Jesu nicht mit Beispielen belegt. Die nun folgende Rede Jesu an die Israeliten ist nur bei Matthäus und Lukas vorzufinden, wobei die Rede bei Lukas ausführlicher ist. „Die Teilhabe der Heiden an der Got- tesgemeinschaft der Patriarchen (Lukas spricht von Propheten) im künf- tigen Gottesreich wird durch den Ausschluss des ungläubigen Israel scharf profiliert.“13 Lukas spricht dabei von dem „Reich Gottes“ (siehe Lk 7,29) und Matthäus von dem „Himmelreich“ (siehe Mt 8,11). Für die Israeliten ist es beschämend, dass ein Heide einen größeren Glauben hat als sie und am Abendmahl teilnehmen darf. Das Verfehlen des von Jesus gewiesenen Weges ist nämlich die für sie schlimmste Strafe. Im folgenden werden die Bilder „äußerste Finsternis“ und „Heulen und Zähneklappern“ (siehe Mt 8,12 und Lk 7,28) aufgezeigt, die für die Ver- dammnis und die Reaktion der Verdammten stehen. Das Drohwort an die Menschen, die Jesus nachgefolgt sind, ist jedoch nicht nur an die Juden gerichtet, sondern auch an die Gemeinde des Matthäus und viel- leicht auch an die des Lukas. Aufschluss darüber gibt die weitere Ver- wendung der Bilder in Vers 12 in den Versen 13,42 und 22,13 sowie in 24,51. Die Heilungsgeschichte endet mit der Feststellung der Heilung. Bei Matthäus und Lukas ist diese Feststellung nur einen halben Vers lang. Johannes hingegen legt einen Schwerpunkt auf die Feststellung der Heilung zu dem Zeitpunkt, als der Hauptmann und Jesus mitein- ander sprachen. Auch die spätere Gläubigkeit des heidnischen Haupt- manns ist nur für Johannes wichtig.

5 Gattungsanalyse

5.1 allgemein

Die Gattungsanalyse erschließt die Aussagerichtung eines Textes mit Hilfe der Zuordnung zu bestimmten Textsorten bzw. Textgattungen. Mit Hilfe der Gattungsanalyse können zwei entscheidende Schlussfolgerun- gen getroffen werden. Erstens kann die Form des Textes genauer be- stimmt werden, da eine Unterscheidung zwischen konventionellen und individuellen Abschnitten deutlich wird. Zweitens fällt es nun leichter Themen und Intentionen des Textes herauszufinden, da jede Gattung nur gewisse Interpretationen zulässt. Dabei werden die Texte in drei Sorten unterteilt: in die dikanischen, in die epideiktischen und die symbuleutischen Texte. Und drittes liefert diese Analyse Hinweise auf bestimmte geschichtliche und soziologische Situationen, in denen diese Geschichten entstanden sind. Dazu werden Überlegungen zur Veranke- rung der Geschichte im Leben der Urgemeinde angestrebt, die „Sitz im Leben“ genannt werden. Damit sollen typische Situationen aufgezeigt werden, in denen der Text verortet sein könnte. 14

5.2 Anwendung

Textsorte

Wundergeschichten, wie auch die Fernheilungswundergeschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ lassen sich nicht einfach einer bestimm- ten Gattung zuordnen, nur weil sie alle Wundergeschichten sind. Im Gegensatz dazu können z. B. Gebete oder Hymnen sofort der Gattung der epideiktischen Texte auf Grund der fast identischen Form und des Inhaltes zugeordnet werden. Bei den Wundergeschichten aber kann keine Einteilung nach der Gattung Wundergeschichte erfolgen, statt- dessen muss bei jeder einzelne Geschichte überprüft werden zu welcher

Gattung sie gehört. Bei vielen ist es sehr schwierig und nicht eindeutig festlegbar. Diese Erzählungen werden dann mehreren Gattungen zuge- ordnet. Die Schwierigkeiten, die bei den Wundergeschichten hinsicht- lich der Gattung auftreten, wurden auch bei Dibelius und McGinley thematisiert: „Auch bei M. Dibelius gibt es übrigens die Gattung Wun- dergeschichte nicht, und bestritten wurde sie auch in den Beiträgen von L. J. McGinley. Denn man kann ... nicht von einer einheitlichen Form reden ...“15 Auch Rudolf Pesch und Reinhard Kratz stellen in ih- rem Buch die Wundergeschichten als eine besondere Gattung dar: „macht sie zu einer besonderen ‚Gattung‘, die im Ringen um die Hei- denmission ihren ‚Sitz im Leben‘ hat.“16 Allgemein können die Wunder- geschichten in verschiedene Wundergeschichten wie die Rettungs-, Ge- schenk- oder Fernheilungswunder eingeteilt werden. Die Fernheilungs- wundergeschichten sind überwiegend symbolisch konstruierte Erzäh- lungen, die vor allem das Thema der Berechtigung der Heidenmission aufgreifen. Im Mittelpunkt steht bei ihnen der Glaube an das Wort Got- tes. Bei der hier vorliegenden Heilungsgeschichte kann gesagt werden, dass sie alle drei Gattungsarten miteinander verknüpft, wobei der epi- deiktische Teil des Textes ein leichtes Übergewicht hat. Diese Einteilung kann im einzelnen wie folgt begründet werden: Als symbuleutische (be- ratende) Textpassage, die den Leser oder Zuhörer zu einem bestimmten Handeln oder Unterlassen anregen sollen, kann die Rede von Jesus an die Nachfolgenden bezeichnet werden. In den Versen 8,10 bis 8,12 fin- det sich die symbuleutische Argumentation wieder mit der die Zuhörer, also die Nachfolgenden Jesu, zu einem bestimmten Handeln bewegt werden sollen. In dieser Mahnrede, die in eine Wundergeschichte einge- bunden ist, zeigt Jesus das nahende Schicksal der Israeliten auf. Da diese ungläubiger sind als Heiden, werden sie nicht am heiligen A- bendmahl im Himmelreich teilnehmen. Jesus möchte mit dieser Mahn- rede bewegen, dass die Israeliten, für die eigentlich das Himmelreich „prädestiniert“ ist, so leben, dass sie dieses später auch erreichen. Er kritisiert in dieser Rede also den Glauben der Israeliten vor allem an das Wort Gottes. Diese Aussage wird durch die Heilsaussage, dass sie später ins Himmelreich auffahren werden, begründet. Die Heilsaussage, die die Mahnrede unterstützt, ist auch sehr charakteristisch für symbu- leutische Texte. Ein Beispiel für die dikanische Textpassage ist allge- mein die erzählte Wundergeschichte. Mit Hilfe dieser Wundergeschichte begründet Jesus seine in der Mahnrede getroffene Entscheidung. Die Leser, also die Israeliten sowie die einzelnen Gemeinden sollen durch die Wundergeschichte die Aussage und die Entscheidung Jesu verste- hen bzw. nachvollziehen können. Diese dikanische Passage führt zur Entscheidung. Sie sollen entscheiden, ob die Ankündigung Jesu be- rechtigt ist oder nicht. Aber dieser Text fordert nicht direkt zur Ent- scheidung auf, sondern er führt langsam darauf hin. Dieser Prozess wird unterstützt durch die anschaulich und in jedem Schritt nachvoll- ziehbare Erzählung der Wundergeschichte. Die epideiktischen, also auf- zeigenden Textabschnitte fallen besonders ins Auge. Als Beispiel für die epideiktischen Abschnitte kann wiederum die Wundergeschichte die- nen. In ihr wird ja etwas geschildert und dargestellt und dies ist typisch für diese Textform. In der Wundergeschichte werden Personen vorge- stellt und eine Geschichte erzählt. Für diese Form ist der beschreibend, erzählende Stil charakteristisch, der ein Bild von etwas entstehen lässt. Mit Hilfe dieser Form, die so ein Bild erzeugt, dass gemeint werden kann, dass man selbst „dabei war“, sollen die Leser und Zuhörer sich in die Situation, die Jesus wiederfahren ist, hineinversetzen können. Gleichzeitig dient es zu der Verdeutlichung des ungewöhnlichen Glau- bens des heidnischen Hauptmanns an das Wort Gottes. Bei dieser Er- zählung entsteht ein realistisches und kein fiktives Bild, und dies ist wiederum sehr wichtig für die Akzeptanz der Geschichte. Die Leser sol- len nicht sagen, dass sich Jesus oder seine Schreiber die Geschichte ausgedacht haben, sondern, dass sie wirklich geschah. 17

„Sitz im Leben“

Der „Sitz im Leben“ beschreibt die soziologische Struktur. Dies bedeu- tet, dass hier die Kontaktsituationen, die zwischen dem Text und der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestehen, aufgezeigt werden. Nach Mei- nung der herkömmlichen Formgeschichte gab es nur einen Ort in der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Textes. Aber heute ist dieser Begriff erweitert worden. Dazu Berger: „...Es müßte aber, so meine ich, beson- ders wenn man Formgeschichte nicht auf mündliche Texte beschränkt, für jeden Text potentiell mehrere solcher Kontaktpunkte geben.“ 18 Die- se Schlussfolgerung erscheint auch plausibel, da es ja viele Möglichkei- ten der „Verortung“ gab, also wo die Erzählungen im kirchlichem Leben auftraten. Texterfahrungen können gemacht worden sein über die Schule, durch Lektüre, durch Zuhören eines mündlichen Vortrags, durch die Verschriftlichung der Texte oder durch das Vorlesen eines Textes. Es gibt also diverse mündliche und schriftliche Wirkungsge- schichten des Textes.

Allgemein gesprochen sind Wundererzählungen ja Mikroerzählungen, die die Primärerzählung auflockern sollen. Das heißt, dass durch die Wundererzählungen die Primärerzählung verdeutlicht wird. Die Theorie soll also durch praktische, realistische Erfahrungen nicht nur aufgelo- ckert, sondern auch veranschaulicht werden. Daraus können sehr gut die „Erzählorte“ geschlossen werden, da der Aufbau sowie der Inhalt der Wundergeschichte Aufschluss über die Leserschaft gibt. Diese Wunder- geschichte und überhaupt Wundergeschichten werden vor allem im Le- ben der „einfachen“ Leute erzählt worden sein. Sie ist keine Geschichte der Gelehrten, sondern eine die vor allem von den Menschen der Ge- meinde tradiert worden ist. Dies kann z. B. auf Festen, in Gemeinde- häusern und überhaupt bei Versammlungen von gläubigen Menschen geschehen sein. Aber auch auf christlichen Missionen, die der Werbung für das Evangelium dienten, wird die Erzählung eingesetzt worden sein, da sie leicht verständlich und von den Menschen nachvollziehbar ist. Diese Wundergeschichte könnte aber auch im Gottesdienst eingesetzt worden sein. Dort wird sie erzählt und dient einerseits zur Darstellung der Autorität Jesu und andererseits zur Darstellung der Kraft Jesu mit der er diese Wunder vollbringen kann. Texterfahrungen der schriftlichen Art werden erst später aufgetreten sein, da die „einfachen“ Menschen nicht der Schrift mächtig waren. Im Laufe der Zeit haben z. B. Schreiber Texterfahrungen hinsichtlich auch dieser Wundergeschichte gemacht, in dem sie die Geschichten aus den unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen und aufschrieben haben. 19

6 Traditionsanalyse

6.1 allgemein

Die Traditionsanalyse sucht wichtige Begriffe oder Wortfelder in einem Text heraus, die bedeutend für den theologischen, historischen und so- zialgeschichtlichen Zusammenhang sind. Das Auftreten dieser Wörter wird dann mit Hilfe der Konkordanz oder mit den Sachregister oder mit Hilfe von Parallelstellen innerhalb der Bibel verfolgt und aufgezeigt. Da- bei wird einerseits die Bedeutungsgeschichte (diachron) und anderer- seits das Ausmaß, die Bedeutung des Begriffes (synchron) untersucht. Der Arbeitsschritt lautet also: die Verweisstellen nachschlagen und an- schließend beschreiben in welchem Zusammenhang der Autor die Beg- riffe zuvor eingesetzt hat. Daraus wird auch deutlich, wie der Autor mit Traditionen umgeht, also ob er Begriffe übernimmt, sie verändert oder weglässt. Aus diesem Arbeitsschritt lassen sich die historischen und sozialen Sachverhalte klären. Also was geschah früher und welche typi- schen Situationen haben vorgeherrscht.

6.2 Anwendung

Zur Anwendung der Traditionsanalyse müssen in dieser Wunderge- schichte die Anwendung der Begriffe „Hauptmann“, „Kapernaum“, „Knecht“ und „Himmelreich“ nachgeschlagen und aufgezeigt werden. Diese Wörter sind Schlüsselbegriffe für das Verständnis und die Aussa- ge des Textes. Ebenso geben sie Auskunft über die Situation der Ge- schichte. Der Begriff „Hauptmann“ tritt zum ersten Mal bereits im vier- ten Buch Mose in Kapitel 14 Vers 4 auf. In dieser Geschichte wollten die aus Ägypten Ausgezogenen einen Hauptmann über sich setzen und nach Ägypten zurückkehren. Die Hauptmänner waren Leiter von Hee- ren (siehe 1 Sm 8,12 oder 2 Sm 5,8 oder 2 Kö 9,5). Sie waren keine gläubigen Leute, sondern nur Menschen, die Befehle empfangen haben und diese ohne Überprüfung der Achtung von Menschenrechten befolgt

haben. Ein Beispiel hierfür findet sich in 2 Sm 24,2, wo der König die Hauptleute aussendet um das Kriegsvolk zu zählen. Ein weiteres Kenn- zeichen der Hauptmänner im Alten Testament ist die Angst und die Un- gläubigkeit. So sind alle Hauptmänner aus Angst aus Jerusalem geflo- hen (siehe Jes 22,3). Auch befolgten die Hauptmänner nicht alle Befehle (siehe Jer 43,4). Die Hauptmänner sind also zusammenfassend Men- schen, die Befehle bekommen und sie ausführen. Sie sind keine gläubi- gen Menschen und haben keinen hohen Status in der Gesellschaft. Das ist auch der Grund, warum Matthäus ausgerechnet einen Haupt- mann erwählte, der eine Bitte an Jesus richtet. Es ist eine Provokation an die Israeliten, da der Hauptmann eine Heide und dazu noch einen unteren Status hat. Aber das ist egal, denn an ihm soll der ungeheure Glauben an das Wort Gottes gezeigt werden. In Matthäus selbst treten Hauptmännner nochmals in 27,54 auf. Auch hier zeigen sie einen Glauben an Gott, denn sie sprachen, als sie ein Erdbeben sahen: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Matthäus verändert also den im Alten Testament nicht positiven Begriff „Hauptmann“ in einen positiveren, in dem er die Gläubigkeit der Menschen in zwei Geschich- ten aufzeigt. Der Begriff „Kapernaum“ tritt erst im Neuen Testament auf. Da der Städtename nur bei Matthäus und Lukas auftaucht, stammt dieses Wissen aus der Logienquelle Q. Zum ersten Mal braucht Matthäus diesen Begriff in 4,13, als er erzählt, dass Jesus in Kaper- naum lebt. Die Stadt, die ein galiläisches Fischerdorf an der nordwestli- chen Küste des See Genezareth ist, bekommt eine besondere Bedeutung zugeschrieben, da Jesus in dieser Stadt wohnte, als er erstmals öffent- lich zu wirken begann. 20 In Lukas wird auch der Städtename wieder aufgegriffen mit der Bitte an Jesus die gleichen Taten zu tun, die er auch in Kapernaum vollbracht hat (siehe Lk 4,23). Der Begriff „Knecht“ kommt sehr häufig in der Bibel vor und tritt bereits im 1. Buch Mose in Kapitel 9 Vers 25 auf. Auch bei Matthäus treten Knechte häufig auf. Für die Wundergeschichte aber spielt es eine wichtige Rolle, dass der Geheilte ein Knecht ist. So treten nämlich überhaupt in Wunderge- schichten häufig unbekannte, nicht namentlich erwähnte Personen auf, wie hier der Knecht. Solche Personen treten kurz aus der Menge auf und verschwinden dann genauso schnell wieder. Dabei wird fast nie der Name, sondern nur die Berufsbezeichnung genannt. Auf die gesell- schaftliche Situation bezogen, kann dies bedeuten, dass Jesus nicht irgendwelche Menschen auf Grund ihres Status und Reichtums bevor- zugt; sondern dass für Jesus alle Menschen gleich sind, aber dass er sich auch vor allem den schwächeren Menschen zuwendet. 21 Die Be- zeichnung „Himmelreich“ ist ein Wort, das nur Matthäus verwendet. Da es also weder bei Markus noch bei Lukas auftaucht, stammt es aus dem Sondergut. Für Matthäus ist es charakteristisch, dass er den Aus- druck „Himmelreich“ anstatt „Gottesreich“ verwendet. Diese Aus- drucksweise erinnert dabei häufig an „jüdische bzw. semitische Aus- drucksweise, so daß man von ‚Synagogengriechisch‘ spricht.“22 Mat- thäus verwendet diesen Begriff häufig im Zusammenhang mit der Le- bensweise der gläubigen Menschen. So sagt er in Mt 20, dass wenn die Menschen so leben nicht in das Himmelreich gelangen können. In Kapi- tel 4 berichtet er, dass nur wer sich selbst erniedrigt auffahren wird, und diese Argumentation wird auch in Kapitel 23 fortgesetzt, als er da- von redet, dass ein Reicher niemals in den Himmel auffahren wird. Hieraus ist zu schließen, dass sich Matthäus intensiv mit den Lebens- einstellungen der Menschen beschäftigt. Provokativ beschreibt er in die- ser Wundergeschichte den ungeheuren Glauben eines Heiden. Damit will er die Israeliten zum Umdenken bzw. zu einem tieferen Glauben bewegen, da sie erschüttert sein müssten, dass Jesus diesen Glauben stärker findet als ihren.

7 Kompositionsanalyse

7.1 allgemein

Die Kompositionsanalyse beschäftigt sich hauptsächlich mit den Ein- griffen, die Verfasser an einem überliefertem Text vorgenommen haben. Dabei versucht die Kompositionsanalyse die Aussagetendenz einer gan- zen Schrift herauszufinden. Dies geschieht mit Hilfe der Analyse der Einzelstücke des Textes und mit Hilfe der anschließenden Erörterung der Beziehung dieser zu dem Gesamtwerk. Wichtige Vorraussetzungen für diese Schritte sind eine gute sprachliche Analyse sowie eine Gat- tungsanalyse. Bei diesem Schritt wird aber versucht auf drei Aspekte einzugehen. Es werden hierbei sowohl die Einzelelemente des Textes hinsichtlich ihrer Verbindung untereinander untersucht als auch die Einbindung des Textes in den Gesamtkontext sowie die Situation des Autors und seine Aussageabsicht. Dabei spielen thematische Einheiten sowie Sinneinheiten eine sehr große und wichtige Rolle. Daneben muss die Redaktions- oder Kompositionsanalyse zwischen Redaktion und Tradition unterscheiden. Unter einen Traditionstext würden z. B. Wehe- rufe und manche Seligpreisungen fallen. 23

7.2 Anwendung

Einzelelemente des Textes

Der Text stammt aus der Logienquelle Q. Das besagt, dass die Ge- schichte hinsichtlich der Verwendung des Traditionsgutes nur mit Lu- kas verglichen werden kann. Ein Vergleich mit Hilfe der Synopse zeigt, dass Matthäus einige überlieferte Elemente weggelassen hat. So fehlt bei Matthäus die Aufzählung der Gesandten, die der Hauptmann mit der Heilungsbitte an Jesus schickt. Bei ihm erfolgt ein direkter Dialog. Damit kann auch auf den Aussagewunsch Matthäus geschlossen wer- den, denn er stellt den unmittelbaren Dialog in den Vordergrund. Aber noch an einer anderen wichtigen Stelle hat Matthäus gekürzt. Dies ge- schieht bei der Rede Jesus an die nachfolgenden Menschen. Lukas be- schreibt viel ausführlicher und bildlicher. So beschränkt er sich nicht wie Matthäus auf die Aufzählung „viele werden kommen von Osten und Westen“, sondern er zählt alle Himmelsrichtungen auf. Hier kann ein anderer Umgang mit dem Traditionsgut aufgezeigt werden, denn Lukas ist bei dieser Wundergeschichte sehr ausführlich, was darauf schließen lässt, dass er wenig gekürzt hat und die Überlieferungen fast alle verschriftlicht hat. Lukas benutzt auch einen Spruch „die letzen werden die ersten sein“, den Matthäus hingegen komplett weglässt. Matthäus kürzt also insgesamt die Geschichte und setzt damit einen eigenen et- was anderen Schwerpunkt. Er setzt Wert darauf, dass das Wunder ein Objekt einer Bitte oder Ausführung eines Befehls ist und dies vermittelt konkret die Beziehungen zwischen einem „ich“ und einem „du“. Das Wesentliche ist für ihn also die heilvolle Begegnung Jesu mit den Heil- bedürftigen. Das bedeutet aber auch, dass die Personen austauschbar sind. So tritt immer Jesus und Kranke auf. Aber neben der Aufzeigung der Vollmacht Jesu wird hier die Theologie des Matthäus deutlich. Er legt nämlich einen besonderen Wert auf den Glauben des Hilfesuchen- den und betont dies in den Geschichten sehr. Hierbei lässt sich auch auf die Meinung Matthäus schließen, denn er geht davon aus, dass „das Heil nur auf dem Weg über die Erfüllung der Gesetzesvorschriften er- langt werden könnte.“24 Dies besagt, dass Matthäus einen intensiven Glauben fordert, der sich in einem christlichen Leben zeigt, das die Ge- setze von Gott beachtet und befolgt. Daher steckt hinter dieser Wunder- geschichte auch so eine Provokation, die zuerst nicht so deutlich wird. Denn es ist das schlimmste für einen Gläubigen, dass gesagt wird, er befolge nicht „Gottes Weg“.

Einfügung des Textes in den Gesamtkontext

Die Wundergeschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ ist eine von mehreren Wundergeschichten, die Matthäus von 8,1 bis 9,34 aufzählt.

Diese Geschichte ist also ein Teil von einem größeren Gesamtkontext, der das gleiche Thema hat: Aufzeigen der Taten Jesu als Beweis seiner Vollmacht. Die Geschichten dienen zum Beweis der Lehre von Jesus und zeigen die damit verbundenen Konsequenzen auf. Nach den ersten drei Wundergeschichten, deren Mitte die Hauptmannsgeschichte ist, folgt ein Summarium (siehe Mt 8,16f mit Verweis auf Jesaja 53,4). In diesem werden die Wundertaten „im Lichte des Gottesknechtsliedes ge- deutet“.25

Nun wird die Einfügung des Textes in einem weiteren Rahmen betrachtet. Das Matthäusevangelium gliedert sich folgt in vier Teile:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Sammlung von Wundergeschichten befindet sich in dem Abschnitt „Jesu Wirken in Galiläa“. Dieser Teil beginnt mit der Darstellung der Wirksamkeit Jesu, die in 4,12 bis 4,22 thematisiert wird. Dem folgt ein Summarium. Anschließend wird in 5,1 bis 7,29 die Bergpredigt erzählt, die Jesu Lehre in Vollmacht darstellt. In der Bergpredigt finden sich auch viele Seligpreisungen und Antithesen. Nun folgen die Wunderge- schichten, die nach der verkündeten Lehre und Darstellung der Voll- macht Jesu in der Bergpredigt die Worte in die Tat umsetzen. Nun folgt also das Wirken Jesu in Vollmacht. Das Ende der Wundergeschichten bildet die Reaktion auf die Heilung des Stummen in Kapitel 9. Diese Auseinandersetzungen werden in Kapitel 11 wieder aufgegriffen. Dazwi- schen sendet Jesus in Kapitel 10,5 bis 10,8 seine Jünger aus. Diese Wirksamkeit der Jünger setzt die Taten und die Lehre Jesu fort. In der folgenden Aussendungsrede erteilt Jesus den Jüngern ihre Anweisun- gen. Nun wird die Wundergeschichte von der Heilung des Stummen wieder aufgegriffen und der Unglaube und die Feindschaft der Juden wird thematisiert. Den Abschluss des Abschnittes, der das Wirken Jesu beschreibt, bildet die Gleichnisrede über das Reich Gottes in Kapitel 13. Die Wundergeschichten dienen also zum Beweis der Vollmacht Jesu, dabei ist es wichtig zu sagen, dass die Wunder niemals Jesus einen Vorteil verschaffen, sondern immer nur den Menschen. 26 27

Situation und Aussageabsicht des Autors

Das Matthäusevangelium entstand ungefähr in dem Zeitraum von 70 bis 110 in Syrien. Der Zeitraum kann einerseits durch das Wissen um die Tempelzerstörung in Jerusalem festgelegt werden, die im Jahre 70 war (siehe Mt 22,7) und andererseits dadurch, dass Ignatius das Mat- thäusevangelium kennt und dieser seine Texte um 110 (siehe Sm 1,1) schrieb. 28

Das Thema, welches Matthäus mit der Wundergeschichte anschneiden möchte, ist die Aufnahme in die Gemeinschaft Gottes durch Vergebung. Das bedeutet, dass durch diese Wundergeschichte Gottes vergebliches Handeln für die Menschen erfahrbar wird. Dabei wird jedoch das Wort „Vergebung“ nie benutzt. „Vergebung bedeutet einmal, dass Gott dem Menschen die Last seiner Schuld abnimmt. Darüber hinaus bedeutet Vergebung die Erneuerung der Gemeinschaft des gottentfremdeten

Menschen mit seinem himmlischen Vater, die von Gott ausgeht.“ 29 Die- ser Gedanke kann auch in der Wundergeschichte „Der Hauptmann von Kapernaum“ nachvollzogen werden, da in ihr Jesus aufzeigt wie gottent- fremdete Menschen „mit Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sit- zen“ (siehe Mt 8,11). Hieraus ist auch erkennbar, dass nicht die Men- schen, die seit je her zu den Gläubigen gezählt haben, wie die „Kinder des Reiches“ (siehe Mt 8, 12), automatisch ins Himmelreich gelangen, sondern sie müssen hierzu berufen werden. Und das Himmelreich, also das Heil, erlangen sie nur dann, wenn sie dem Ruf Gottes folgen. An- sonsten schließen sie sich selber aus. Mit diesem Wissen kann auf die damalige Situation damals geschlossen werden. Die „Kinder des Rei- ches“ waren sicher, dass allein durch die Zugehörigkeit zum Reich Got- tes sie automatisch das Himmelreich erreichen würden. Für sie war es selbstverständlich, dass nur sie dieses Heil erreichen würden und keine gottfremden Menschen oder Personengruppen, die seit je her Heiden waren wie z. B. die Hauptmänner. Sie akzeptieren die Erneuerung der Gemeinschaft durch Heiden, die eine Umkehr zu Gott vollzogen haben und gläubig geworden sind, nicht. Deshalb kommt es in der Gesell- schaft zu dieser Zeit zu heftigen Auseinandersetzungen. Dabei ruft ge- rade die vergebende Hinwendung Jesu zu den Sündern bei den „Ge- rechten“ Ablehnung hervor. Aber nicht nur die Gemeinde, sondern vor allem die „gesetzestreuen Pharisäer und Schriftgelehrten nehmen An- stoß an Jesus“.30 Sie können es nicht verstehen, dass Jesus sie mit Zöllner, Sündern und Heiden auf eine Stufe stellt. Sie führen ein wie sie meinen Gott wohlgefälliges Leben, aber Jesus behandelt alle Menschen gleich und räumt ihnen keine Sonderstellung ein. Aber bei Jesus Ver- halten geht es nicht um einen Verdienst, sondern um Gnade. Und das zeigt auch ein Manko der „Gerechten“ auf, denn mit ihrem Protest sym- bolisieren sie, dass sie ihre eigene Hauptforderung nach der Einhal- tung der Gesetze nicht befolgen, denn ein Gesetz ist es auch Gott und den Nächsten zu lieben. Sie verwickeln sich also damit selbst in Wie- dersprüche. Diese Wundergeschichte soll eine Provokation an die „Ge- rechten“ sein, denn es kommt nicht nur darauf an, dass man meint man gehe den richtigen, von Gott gewollten Weg und sei dies überhaupt für das Himmelreich prädestiniert, sondern es kommt einzig und allein auf den Glauben an. Und dabei ist es egal, wann und wodurch man zu der Umkehr zu Gott gelangt. Deshalb steht das Himmelreich auch für Heiden und Zöllner offen. Und dieses wird ja auch wieder in der Wun- dergeschichte ausgesagt. Hinter dieser Geschichte verbergen sich also mehrere Streitpunkte der Gesellschaft: Dürfen Heiden oder Zöllner auch in das Himmelreich gelangen? Ist es richtig, dass ein „Gerechter“ auf dieselbe Stufe gestellt wird wie ein Zöllner? Zählt ein lebenslanger Verdienst nichts? 31

8 Theologische Würdigung

8.1 allgemein

Die theologische Würdigung beschäftigt sich mit zwei Fragestellungen:

1. Wie wird in dem Text von Gott, von dem Menschen und von der Welt gesprochen? Hierbei wird untersucht, ob der Evangelist eine positive oder eher negative Einstellung besitzt und wie er die Positionen gegen- einander abgrenzt. 2. Welche Bedeutung spielt der Text im heutigen Glauben und im Leben? Dabei spielt die Rezipierbarkeit, also wie der Text heute verstanden wird eine sehr große Rolle. Bei dieser Frage ist deshalb die Grundeinstellung, ob der Text eher bildlich oder symbolisch verstanden wird, sehr wichtig. Auch birgt das nicht vorhandene Vorver- ständnis große Schwierigkeiten für das Verstehen des Textes. Bei dieser Frage wird aber auch versucht die Bedeutung die dieser Text heute noch für die heutige Gesellschaft haben kann, zu beantworten.

8.2 Anwendung

Sprechweise von Gott, von den Menschen und von der Welt

In der Wundergeschichte wird das Verhalten Gottes, welches durch das Handeln Jesus symbolisiert wird, als sehr positiv dargestellt. Das Prin- zip von Jesus Prinzip ist die Gnade und deshalb nimmt er alle Men- schen, wenn sie sich zu Gott bekehren, in die Gottesgemeinschaft auf. Dabei spielt es auch keine Rolle welches Leben und welchen Glauben sie vorher vertreten haben. Die Sprechweise von den Menschen ist ge- gensätzlich. Die sich für die „Gerechten“ haltenden Menschen kritisiert Matthäus durch die Sprache, da sie Unterschiede zwischen den Men- schen machen. Sie teilen die Menschen auf in die „Gerechten“ und in die „Ungerechten“. Sie sind dabei die „Gerechten“, die den Weg Gottes immer befolgt haben und die „Ungerechten“ sind Menschen, die nicht Gottes Weg befolgen. Aber unter ihnen gibt es auch Menschen wie den Hauptmann, die zur Umkehr und zur Zuwendung zu Gott bereit sind.

Aber die „Gerechten“ wollen sie nicht in ihre Gemeinschaft aufnehmen, auch wenn sie dabei die Gesetze Gottes missachten, denn sie sollen ja die Nächsten lieben wie sich selbst. Von den „Ungerechten“ hingegen wird sehr gut gesprochen, denn am Beispiel des gläubigen Hauptmanns wird gezeigt, dass diese Menschen auf Grund ihres tiefen Glaubens das Himmelreich erreichen können, auch wenn sie nicht immer nach Gott gelebt haben. Nach Matthäus braucht die Welt eine Person, die eine Brücke zwischen Gott und den Menschen schafft und diese Person ist Jesus. Durch die Begegnung mit Jesus merken die Menschen, dass sie ohne Gott nicht gesund sind und dass ihnen ihr selbstherrliches Leben keine Selbstverwirklichung und Freiheit bringt. Sie brauchen das Heil der Gemeinschaft mit Gott. Aber ohne diese Erkenntnis würden sie sich niemals Jesus und damit der Gemeinschaft Gottes anvertrauen. 32

Rezipierbarkeit und heutiges Verständnis des Textes

Es gibt ja zwei Arten von Wundern. Dies sind einmal die Wunder 1. Klasse, zu denen die Schöpfungsgeschichte oder die Auferstehungsge- schichte von Gott gehören und die Wunder 2. Klasse. Die Wunder 2. Klasse, zu denen auch die Wundergeschichten gehören, betreffen nicht alle Menschen wie die Wunder 1. Klasse. Damit möchte ich sagen, dass sich nicht alle Menschen mit einer Wundergeschichte identifizieren können oder sie auf sich und ihre Lebenssituation übertragen können, da sie ja immer nur eine gewisse Zielgruppe ansprechen.

Allgemein finde ich, dass Wundergeschichten nur symbolisch und nicht realistisch verstanden werden können. Die realistische Auslegung, die viele Evangelisten fordern, kann ich nicht nachvollziehen, da mir die Naturwissenschaft der Glaubwürdigkeit der Geschichten entgegenwirkt. Für mich sind die Wunder gleichzusetzen mit Mythen. Diese wurden von den Menschen tradiert und später von den Evangelisten wie Mat- thäus aufgeschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Wun- der tatsächlich geschehen ist, sondern dass es schöne Phantasievorstel- lungen der Menschen waren. Sie wollten damit Jesus und Gott eine be- sondere Macht geben. Dazu haben sie die Worte und die damit verbun- dene Lehre, die natürlich auch von einem tatkräftigen Einsatz für die Menschen begleitet waren, zu fantastischen, nicht nachahmbaren Wundergeschichten ausgeschmückt. Es steht ja außer Frage, dass Je- sus ein guter Mensch war und ungewöhnliche Taten für die Menschen sein Leben lang getan hat ohne Lohn und Ruhm dafür zu bekommen. Aber meiner Ansicht nach wurden diese Taten immer weiter ausge- schmückt, so dass sie nicht nur etwas besonderes waren, sondern auch für keinen anderen Menschen mehr nachahmbar. Die Taten waren zwar einmalig, aber durch die Ausschmückung der Geschichten zu Wundern gelangten sie in eine höhere Sphäre. Für mich ist es so wie mit Außerir- dischen. Niemand bezweifelt ihre Existenz, doch Geschichten über sie sind nicht nachvollziehbar und überprüfbar. Ich bezweifle auch nicht, dass es Jesus gegeben hat, sondern seine vollbrachten Wunderheilun- gen. Für mich ist dies absolut nicht vorstellbar. Meiner Meinung nach hat ein Mensch existiert, der unvergleichbare, nie zuvor begangene Ta- ten vollbracht hat und so unzählige Menschen zum Christentum ge- bracht hat. Er handelte dabei immer im Sinne der Menschen und be- rücksichtigte dabei vor allem die Schwächeren der Gemeinde. Diese gu- ten Werke wurden dann von den Menschen zu Wundergeschichten „aufgeplustert“, weil sie so an eine besondere und außergewöhnliche Macht glauben konnten. Denn wen beruhigt es nicht zu wissen, dass so ein mächtiger und Wunder vollbringender Mensch existiert?

Ich interpretiere die Wundergeschichten symbolisch. Das bedeutet, dass ich sie im übertragenen Sinne und wie Gleichnisse behandele. Diese symbolische Deutung unterscheide ich in zwei Teile: einerseits kann mit Hilfe der Wundergeschichten die damalige gesellschaftliche und soziolo- gische Situation sowie die Probleme und die Fragen der Menschen auf- gezeigt werden und andererseits haben diese Geschichten eine „überre- gionale“ Bedeutung im Sinne des menschlichen Verhaltens und Glau- bens, d. h. dass die theologischen Grundgedanken dargestellt werden. Aus der Geschichte entnehme ich, dass es in der damaligen gesell- schaftlichen Situation einen Protest zwischen den „Gerechten“ und den „Ungerechten gegeben hat. Dabei ging es um die Glaubensfrage. Kön- nen auch Menschen in das Himmelreich kommen, auch wenn sie nicht ein Leben lang gläubig gewesen sind oder einer Gesellschaftsschicht angehören, die seit jeher als Ungläubige verschrien wurden? Als Vergleich fällt mir dazu die Fabel ein. Auch hier werden gesellschaftliche Sachverhalte und Zustände thematisiert, die jeder versteht, aber deren wörtliche Bedeutung nicht nachvollziehbar sind. Denn wer kann sich schon vorstellen, dass eine Krähe Steine in den Krug wirft, damit sie später das Wasser trinken kann? Die Geschichte hat ohne Zweifel eine Bedeutung, aber die Handlung an sich ist unrealistisch. Dazu muss die Geschichte erst von dem Leser interpretiert werden.

Die „überregionale“ Bedeutung ist für mich die, die schon damals galt, aber auch heute noch immer aktuell ist. Es ist die Lehre von Jesus, die in der Wundertat bekräftigt werden soll. Diese Lehre kann auch aus dieser Wundergeschichte gezogen werden. Man soll sich ein Beispiel an der Gnade Jesu nehmen und nicht aus lauter Hass sagen: „Die sind nicht so wie wir“, nur weil sie nicht so lange dem Glauben an Gott an- gehören. Dieses Aufnehmen in eine Gemeinschaft ist aber nicht nur gleichzusetzen mit der Akzeptanz der Zugehörigkeit zu Gott, sondern hiermit können auch andere Gemeinschaften gemeint sein. Egal ob es ein Verein ist, Freundeskreise etc. man sollte auch andere Menschen aufnehmen, da man nicht nur das Prinzip „verdient oder nicht verdient“ anwenden soll, sondern das Prinzip der Gnade. Denn so besagt ja auch ein wichtiges Gebot Gottes, dass man seinen Nächsten so lieben soll wie sich selbst und das bedingt auch, dass man vergeben und verzeihen muss. Damit kann gemeint sein, dass Menschen einen Fremden in ihre Gemeinschaft aufnehmen auch wenn er vorher vielleicht nicht zu ihnen gehören wollte und sie verachtet hat. Aber im Laufe der Zeit hat er ge- merkt wie viel ihm diese Menschen doch bedeuten und nach dieser Ein- sicht möchte er sich ihnen anschließen. Aber jetzt reagieren sie mit Pro- test und Abneigung, da sie nicht verzeihen und „neu beginnen können“. Diese Geschichte beinhaltet auch eine Aussage an die Menschen, die mit dem Hauptmann vergleichbar sind. Diese Menschen sollen darin bestärkt werden zu erkennen, dass es nie zu spät ist umzukehren und einen anderen Weg einschlagen, den sie vorher vielleicht nicht „gese- hen“ oder „beachtet“ haben. Das sich dann alles zum Guten wenden kann, wird in dieser Geschichte bestätigt, denn Jesus lässt Gnade über ihn walten und nimmt ihn in die Gemeinschaft auf. Ein besonders gutes Beispiel für die Übertragbarkeit und immer noch großer Aktualität findet sich bei der Wundergeschichte „Die Sturmstillung“, die sich in Markus 6 befindet. Bei symbolischer Betrachtung der Wundergeschichte kann gesagt werden, dass Jesus unsere Lebensstürme bedroht. Als Gleichnis betrachtet kann das Schiff auch mit dem Kirchenschiff gleichgesetzt werden. Und dies bedeutet dann, dass Jesus die Stürme beherrscht, die das Schiff bedrohen. 33

9 Literaturverzeichnis

9.1 Quelle

1.) Deutsche Bibelgesellschaft: Die Bibel nach der Übersetzung von Martin Luther, Stuttgart 1985.

9.2 Hilfsmittel

1.) Calwer Verlag: Große Konkordanz zur Lutherbibel, Stuttgart 1979.
2.) Hainz, J./ Sand, A (Hrsg.): Münchner Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Düsseldorf 1997.
3.) Peisker, Carl Heinz: Neue Luther Evanglien- Synopse, Wuppertal/ Kassel 1998.

9.3 Sekundärliteratur

1.) Bee- Schroedter, Heike: Neutestamentliche Wundergeschichten im Spiegel vergangener und gegenwärtiger Rezeptionen. Historisch- exegetische und empirisch- entwicklungspsychologische Studien, Stuttgart 1998.
2.) Berger, Klaus: Einführung in die Formgeschichte (= UTB für Wis- senschaft, 1444), Tübingen 1987.
3.) Bull, Klaus- Michael: Bibelkunde des Neuen Testaments. Die ka- nonischen Schriften und die Apostolischen Väter. Überblicke- Themakapitel- Glossar, Neukirchen- Vluyn 1997.
4.) Bruce, F. F.: Illustrierter Bibel- Atlas, Jerusalem 1994.
5.) Conzelmann, Hans/ Lindemann, Andreas: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 1998.
6.) Delorme, Jean (Hrsg.): Zeichen und Gleichnisse. Evangelientext und semiotische Forschung. Für die Gruppe von Entrevernes, Düsseldorf 1979.
7.) Mahnke, Hermann: Lesen und Verstehen 2. Die biblische Botschaft im Überblick. Neues Testament, Göttingen 1992.
8.) Pesch, Rudolf/ Kratz, Reinhard: So liest man synoptisch. Anleitung und Kommentar zum Studium der synoptischen Evangelien, Frankfurt am Main 1976, Seite 77- 84.
9.) Schnackenburg, R.: die neue Echter Bibel. Kommentar zum Neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, Würzburg 1985.
10.) Söding, Thomas: Wege der Schriftauslegung. Methodenbuch zum Neuen Testament, Freiburg/ Basel/ Wien 1998.
11.) Wilcke, Hans- Alwin: Das Arbeiten mit neutestamentlichen Texten. Eine Einführung in die exegetischen Methoden, Essen 1993.

[...]


1 Bruce, F. F.: Illustrierter Bibel- Atlas, Jerusalem 1994, Seite 20-21.

2 Wilcke, Hans- Alwin: Das Arbeiten mit neutestamentlichen Texten. Eine Einführung in die exegetischen Methoden, Essen 1993, Seite 48- 70.

3 Söding, Thomas: Wege der Schriftauslegung. Methodenbuch zum Neuen Testament, Freiburg/ Basel/ Wien 1998, Seite 128- 155.

4 Conzelmann, H./ Lindemann, A.: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 1998, Seite 20-24.

5 Pesch, Rudolf/ Kratz, Reinhard: So liest man synoptisch. Anleitung und Kommentar zum Studium der synoptischen Evangelien, Seite 77-79.

6 Söding, Thomas, Seite 137-139.

7 Ebd. Seite 136-137.

8 Ebd. Seite 133-136.

9 Ebd. Seite 120-121.

10 Bull, Klaus- Michael: Bibelkunde des Neuen Testaments. Die kanonischen Schriften und die Apostolischen Väter. Überblicke- Themakapitel- Glossar, Neukirchen- Vluyn 1997, Seite 13-15.

11 Schnackenburg, R.: Die neue Echter Bibel. Kommentar zum Neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, Würzburg 1985, Seite 79.

12 Pesch, Rudolf/ Kratz, Reinhard, Seite 78.

13 Schnackenberg, R., Seite 80.

14 Söding, Thomas, Seite 155-156.

15 Berger, Thomas: Einführung in die Formgeschichte, Tübingen 1987, Seite 76.

16 Pesch, Rudolf/ Kratz, Reinhard, Seite 70.

17 Berger, Thomas, Seite 18f.

18 Berger, Thomas, Seite 158-159.

19 Söding, Thomas, Seite 165-169.

20 Bruce, F. F., Seite 20.

21 Delorme, Jean (Hrsg.): Zeichen und Gleichnisse. Evangelientext und semiotische Forschung. Für die Gruppe von Entrevernes, Düsseldorf 1979, Seite 162.

22 Conzelmann, H./Lindemann, A., Seite 331.

23 Wilcke, Hans- Alwin, Seite 86.

24 Conzelmann,H./ Lindemann, A., Seite 334.

25 Bull, Klaus- Michael, Seite 19.

26 Bull, Klaus- Michael, Seite 17-20.

27 Conzelmann, H. /Lindemann, A., Seite 326-337.

28 Ebd. Seite 331-332.

29 Mahnke, Hermann: Lesen und Verstehen 2. Die biblische Botschaft im Überblick. Neues Testament, Göttingen 1992, Seite 378.

30 Ebd. Seite 378.

31 Ebd. Seite 378-381.

32 Söding, Thomas, Seite 221-250.

33 Bee- Schroedter, Heike: Neutestamentliche Wundergeschichten im Spiegel vergangener und gegenwärtiger Rezeptionen. Historisch- exegetische und empirisch- entwicklungspsychologische Studien, Stuttgart 1998, Seite 65-110.

34 von 34 Seiten

Details

Titel
Der Hauptmann von Kapernaum
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Grundwissen Neues Testament
Autor
Jahr
2000
Seiten
34
Katalognummer
V99595
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hauptmann, Kapernaum, Grundwissen, Neues, Testament
Arbeit zitieren
Merle Umnirski (Autor), 2000, Der Hauptmann von Kapernaum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99595

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