Die vorliegende Hausarbeit vermittelt einen Überblick über zwei zentrale Konstrukte der Lernmotivationsforschung: die self-determination (Selbstbestimmung) und die self-efficacy (Selbstwirksamkeit). Während das Konstrukt Selbstbestimmung eingebettet ist in die gleichnamige Theorie (self-determination theory), die sich als Motivations- und Regulationstheorie begreift, ist self-efficacy ein zentrales Theorem, das maßgeblichen Anteil daran hat, Motivation und Lernen voneinander zu trennen und Lernprozesse mit behavioralen, motivationalen, kognitiven, sozialen Komponenten zu erklären. Der Begriff self-efficacy wurde entscheidend von Albert Bandura in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geprägt. Banduras Verdienst war es, die klassische Trias Reiz-Verbindung-Reaktion sowohl um eine kognitive Komponente als auch um eine soziale Komponente zu ergänzen. Weil Bandura sich, wie alle Behavioristen, in erster Linie mit positiven (z B Belohnung) und negativen (z B Bestrafung) Umwelteinflüssen auf das Individuum beschäftigt, kreist seine Theorie vor allem um extrinsische Motivatoren (lat extrinsecus "von außen her").
Die self-determiniation theory ist neben der Flow-Theorie und der Interessentheorie eine der drei einflussreichsten Erklärungsansätze zur intrinsischen Motivation (lat intrinsecus „inwendig“). Sie kann man durchaus als „neuhumanistisch“ bezeichnen, da sich das US-amerikanische Autorenteam Edward L. Deci und Richard. M. Ryan auf Theorien aus den späten 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stützt, unter anderem auf Abraham Maslows Bedürfnispyramide oder Carl R. Rogers’ Konzept der Selbstaktualisierung, auch wenn sich diese bisher nicht empirisch belegen ließen. In der vorliegenden Hausarbeit werden die beiden psychologischen Konstrukte Selbstbestimmung (self-determination) und Selbstwirksamkeit (self-efficacy) in ihrem jeweiligen Kontext vorgestellt und dann anhand von zwei neueren Studien zu jedem dieser beiden Konstrukte auf ihre Aktualität und Bedeutung überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Definitionen
2.1 Perceived self-efficacy nach Albert Bandura
2.1.1 Selbstwirksamkeit, Kontrolle und Kausalattribution
2.1.2 Abgrenzung der self-efficacy zu anderen Theorien
2.1.3 Wie Selbstwirksamkeit beeinflusst werden kann
2.2 Self-determination nach Deci und Ryan
2.2.1 Selbstbestimmung und der Begriff der Motivation
2.2.2. self-determination und der overjustification effect
2.2.3 Von der extrinsischen Motivation zu selbstbestimmten Handlungen
2.3 Vergleich der beiden Konzepte
3 Neuere Studien
3.1 Studie zum Mentoringkonzept
3.1.1 Gestaltung und Durchführung der Studie
3.1.2. Kritik und Einordnung der Studie
3.2 Studie zur akademischen Motivation
3.2.1 Gestaltung und Durchführung der Studie
3.2.2 Kritik und Einordnung der Studie
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit hat zum Ziel, die psychologischen Konstrukte der Selbstwirksamkeit nach Bandura und der Selbstbestimmung nach Deci und Ryan im Kontext der Lernmotivation zu beleuchten und deren Aktualität sowie Widersprüchlichkeiten anhand aktueller empirischer Studien zu analysieren.
- Grundlagen der sozial-kognitiven Theorie (Self-Efficacy)
- Self-Determination Theory (SDT) und intrinsische Motivation
- Vergleich der humanistischen und sozial-kognitiven Perspektive
- Analyse von Mentoring-Programmen in der Studieneingangsphase
- Akademische Motivation bei nicht-traditionellen Studierenden
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Wie Selbstwirksamkeit beeinflusst werden kann
Ob und mit welcher Zuversicht eine Person in einen Lernprozess einsteigt, darüber wiederum entscheiden nach Bandura vier Faktoren (in eben dieser Reihenfolge): 1. enactive mastery experiences (persönliche Erfolgserfahrungen/-erlebnisse), 2. vicarious experiences (Lernen am Modell/Stellvertreter-Erfahrungen), 3. verbal persuasion (verbaler Zuspruch durch andere) und 4. physiological and affective states/somatic indicators (Wahrnehmung physiologischer/körperlicher und emotionaler Zustände). Diese Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern stellt gleichermaßen eine Rangordnung der Einfluss-Intensität dar.
Alle vier Szenarien sollen an dieser Stelle kurz illustriert werden: 1. Ein Student, der selbst schon erfahren hat, dass er aus eigener Kraft, das heißt, mit eigener (Lern-) Leistung eine Prüfung mit einer guten Note gemeistert hat, besitzt eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung, wenn er in die nächste Prüfung geht – vorausgesetzt natürlich, er bereitet sich genauso gut wie bei der letzten Prüfung vor (alle anderen Variablen bleiben also unverändert). 2. Wenn der gleiche Student noch keine Prüfung mit „gut“ bestanden hat (vielleicht deshalb, weil er kürzlich erst mit dem Studium begonnen hat), aber weiß, dass ein Mentor/Tutor, der nur wenig älter ist und aus einer vergleichbaren sozio-ökonomischen Schicht stammt wie er, die selbe Prüfung mit einem guten Ergebnis geschafft hat, dann wird unser Beispiels-Student ebenfalls eine hohe, wenn auch nicht eine ganz so hohe Selbstwirksamkeitserwartung haben.
3. Wenn ein Student weder eigene Erfahrungen verinnerlichen konnte, noch Stellvertreter-Erfahrungen besitzt, könnte seine Selbstwirksamkeitserwartung dadurch gesteigert werden, dass seine Eltern oder ein Dozent ihm gut zureden und ihm sagen, dass er die Prüfung gut schaffen wird, weil er sich ja gut und gründlich darauf vorbereitet habe (immer unterstellt, er hat das auch getan) und 4. auch ein Student, der sich gesund ernährt hat, ausreichend getrunken und ausreichend geschlafen hat sowie positiv gestimmt ist (vielleicht weil er noch vor der Prüfung eine Entspannungsübung gemacht hat), wird eine signifikant höhere Selbstwirksamkeit aufweisen als ein Student, der übermüdet oder sogar leicht erkältet ist und mit negativen Gefühlen zur Prüfung kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Motivationsforschung und grenzt die behavioristische Sichtweise von kognitiven und sozial-kognitiven Theorien ab.
2 Definitionen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der Selbstwirksamkeit nach Bandura und der Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan sowie deren zentrale Begriffe.
3 Neuere Studien: Hier werden zwei empirische Studien analysiert, die sich einerseits mit der Förderung von Selbstwirksamkeit durch Mentoring und andererseits mit der akademischen Motivation von Studierenden befassen.
4 Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert die Stärken und Defizite der beiden Ansätze und regt weiterführende Forschungsfragen zum Zusammenspiel von Selbstwirksamkeit und Kompetenzstreben an.
Schlüsselwörter
Lernmotivation, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Bandura, Deci, Ryan, sozial-kognitive Theorie, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Mentoring, Akademische Motivation, Selbstwirksamkeitserwartung, Internalisation, Kompetenz, Autonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit vergleicht zwei zentrale psychologische Ansätze der Lernmotivationsforschung: die Theorie der Selbstwirksamkeit von Albert Bandura und die Selbstbestimmungstheorie von Edward L. Deci und Richard M. Ryan.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unterscheidung zwischen kognitiven Erwartungshaltungen (Selbstwirksamkeit) und Bedürfnissen nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Zugehörigkeit (Selbstbestimmung).
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Konzepte vorzustellen und durch die Analyse zweier neuerer Studien deren Relevanz und Widersprüchlichkeiten für den Lernalltag von Studierenden aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer vergleichenden Synopse von Motivationstheorien sowie der Auswertung und Kritik existierender empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Definitionen spezifische Studien zum Mentoring und zur akademischen Motivation von nicht-traditionellen Studierenden detailliert kritisch eingeordnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Lernmotivation, Mentoring, Autonomie, kognitive Bewertung und intrinsische Motivation.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeitserwartung für Studierende?
Banduras Theorie zufolge steigert eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung die Ausdauer und Leistungsbereitschaft, wobei eigene Erfolgserlebnisse und Mentoring-Modelle als wesentliche Quellen dienen.
Warum kritisieren die Autoren die Überbewertung von "Relatedness" in der Selbstbestimmungstheorie?
Der Autor argumentiert, dass das Bedürfnis nach Kompetenz in der Forschung oft zu kurz kommt und das Zusammenspiel von Selbstwirksamkeit und Kompetenzerleben eine tiefergehende Untersuchung verdient.
- Arbeit zitieren
- Stephan Brummet (Autor:in), 2018, Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit als Motivatoren des Lernprozesses. Vergleich der humanistischen und der sozial-kognitiven Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/996441