Romanlektorat - "Schott" von Hans Joachim Schädlich


Seminararbeit, 2001

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Romanlektorat: „Schott“ von Hans Joachim Schädlich

Schädlich, Hans Jo achim: Schott. Hamburg: Rowohlt. 1. Auflage 1992 Ich liefere bloßeine Beschreibung. Machen Sie daraus, was Sie wollen.(Schädlich) InSchott(1992), wie auch inMal hören was noch kommt(1995), verteidigt Schädlich die Freiheit der Sprache und arbeitet ästhetisch als Gegner jeglichen geschlossenen Raums.

Der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich lässt den imaginierten Verfasser seines Romans „Schott“ poetologi- schen Sprachzauber formulieren (Es ist aber im Moment vom Verfasser die Rede. [...] Auf den ersten Blick sieht alles anders aus.S. 185-186).Der Roman ist Schädlichs Meisterwerk: Er entstand in der Zeit, in der ge- rade die DDR verging, die ihn als Schriftsteller jahrelang verhindert hatte. Ein literarischer Sieg der individuel- len Freiheit über den totalitären Machtanspruch. „Schott“ ist mehr als ein Roman und seine tragende Figur, „Schott“ wird zum Inbegriff eines Verhaltens, das, laut Schädlich, „frei von Geschichte zur Freiheit der Ge- schichte“ gelangt - ein Verhalten, das den Menschen nicht zum Objekt, sondern zum Subjekt der Geschichte macht. Der Roman inszeniert den Kampf des Un-Mächtigen Schott, so Schädlich, mit den Mächtigen als ver- gnügliche, neckend irreführende, irritierende und assoziativ überraschende Folge vieler kleiner Erzählabschnitte. Auch die klassische Großform des Romans bindet nicht strukturell das Erzählen. Schädlich macht das Erzählen frei von jeglichen vorgegebenen, geschichts- und ideologiebefrachteten Mustern, damit es frei wird für Ge- schichten; er erzählt nicht Realität nach oder erfindet Authentizität, die angeblich mit der Realität übereinstimmt, sondern erzählt Verhaltensabläufe, die die Verhärtungen der Geschichte aufbrechen, mit ihren Elementen spielen und ihre Teile neu zusammensetzen. Die Geschichten Schotts machen die Köpfe frei für spielerische, von Ideo- logie unverstellte Wahrnehmung. Der Leser begreift das im Verlauf der Lektüre - so er sie annimmt -, er lernt die Sprache mit der Erkenntnis eigener Wahrnehmung semantisch neu zu besetzen. Die Variationen von Erfah- rungsmöglichkeiten, die in den Geschichten und Geschichtssegmenten in „Schott“ präsentiert werden, öffnen des Lesers Bewusstsein für seine subjektive Wahrnehmung von Welt und plädieren für eine Sprache, in der nicht die Welt als verfestigtes Ensemble von Klischees sich dem Bewusstsein wie selbstverständlich aufdrängt, sondern in der Erscheinungsweisen von Welt erprobt, Perspektiven ihrer Betrachtung durchgespielt und Verhaltensmög- lichkeiten variierend vorgeführt werden. Solches Verfahren realisiert ein anarchisches System der Systemlosig- keit, ist ein produktiver Widerspruch in sich selbst - ein ästhetisches Verfahren, in dem aufklärerischer Geist, sprachlicher Witz und experimentelle Lust im virtuellen Zusammenspiel eigenwillige literarische Welten her- vorbringen.

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Details

Titel
Romanlektorat - "Schott" von Hans Joachim Schädlich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
HS Lektüre von Gegenwartsromanen
Autor
Jahr
2001
Seiten
1
Katalognummer
V99651
Dateigröße
342 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanlektorat, Schott, Hans, Joachim, Schädlich, Lektüre, Gegenwartsromanen
Arbeit zitieren
Yvonne Kicker (Autor), 2001, Romanlektorat - "Schott" von Hans Joachim Schädlich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99651

Kommentare

  • Gast am 8.4.2003

    Kannst Du Dich an die party bei Arno erinnern.

    Hi Yvonne,

    kannst Du mir mal Deine Tel.-Nr. zumailen. Habe Dir noch einiges zu sagen!

    Liebe
    Grüße Olav

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Titel: Romanlektorat - "Schott" von Hans Joachim Schädlich



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