Eine philosophische Betrachtung des Selbstmordes. Vergleich der Positionen Camus' und Schopenhauers


Facharbeit (Schule), 2020

22 Seiten, Note: 1,0

Anonym


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Schwerpunktsetzung

2 Zwei philosophische Positionen
2.1 Die Position Albert Camus
2.1.1 Die Bedeutsamkeit des Themas
2.1.2 Die Herrschaft des Absurden
2.1.3 Konsequenzen für den Menschen
2.1.4 Der Selbstmord als Lösung?
2.1.5 Sisyphos
2.1.6 Zusammenfassung
2.2 Die Position Arthur Schopenhauers
2.2.1 Warum die Menschen den Selbstmord bewundern
2.2.2 Die Empfänglichkeit und Bereitschaft zum Selbstmord
2.2.3 Das Recht zum Selbstmord
2.2.4 Das Leben und der Wille zum Leben
2.2.5 Der Selbstmord als Lösung?
2.2.6 Zusammenfassung
2.3 Parallelen und Unterschiede zwischen Schopenhauer und Camus
2.3.1 Grundsätzlicher philosophischer Zusammenhang
2.3.2 Der Anlass zum Selbstmord
2.3.3 Selbstmord als Lösung dieser Probleme?
2.3.4 Die tatsächliche Lösung
2.3.5 Universalität

3 Abschluss
3.1 Zusammenstellung der Ergebnisse

4 Anhang
4.1 Eigene Sichtweise zum Thema
4.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heißt auf die Grundfrage der Philosophie zu antworten“ ~Albert Camus

„Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.“ ~Arthur Schopenhauer

Täglich nehmen sich Menschen das Leben. Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht und Bevölkerungsgruppe sowie prominente Persönlichkeiten treffen die Entscheidung, ihr Leben selbstständig zu beenden. Dies macht das Thema Selbstmord vor allem gesellschaftlich sehr bedeutend. Trotz dieser offensichtlich hohen Relevanz wird es heutzutage oft tabuisiert und totgeschwiegen. Vielfach wird der Selbstmord als Resultat psychischer Krankheiten, wie z.B. Depressionen gesehen und nicht näher betrachtet. Die Komplexität des Themas wird häufig nicht erfasst und die Hintergründe der menschlichen Einzelschicksale werden als Krankheiten abgetan. Jeder Selbstmörder wird als krank, depressiv, schwach, verloren oder feige abgestempelt.

Aufgrund dieser häufig einseitigen Sichtweise in der Gesellschaft entstand in mir die Motivation, philosophische Positionen zum Thema Selbstmord anzuschauen und diese Arbeit darüber zu schreiben. Hinzu kam ein grundsätzliches Interesse des Autors an Philosophie, vor allem am Werk Albert Camus, worauf in dieser Arbeit unter anderem zurückgegriffen wird.

1.1 Vorgehensweise

Das Vorgehen und die Struktur unterscheiden sich nicht wesentlich von dem für eine Projektarbeit üblichen.

In dieser Arbeit wird viel Fachliteratur verwendet, allerdings auch viele Onlineartikel zum Thema. Einige der verwendeten Bücher wurden mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die übrigen Bücher stammen aus familiärem Besitz. Somit wurde mir eine breite Materialgrundlage geschaffen. Die Onlineartikel gehen auf weitere Besonderheiten der Originalliteratur ein und boten hilfreiche Kommentare.

Nach der Beschaffung und ersten Sichtung war die Gliederung des Materials wichtig. Es mussten viele Bücher gelesen und zugeordnet werden, zudem wurde viel herausgeschrieben und entnommen. Die Ideen der einzelnen Kapitel entstanden und wurden nach und nach mit Inhalt gefüllt. Anschließend wurde ein Fazit formuliert, welches die Leitfragen der Arbeit zusammenfassend beantwortet.

In der vorliegenden Projektarbeit wird der Selbstmord anhand mehrerer Ansätze näher betrachtet. Essenziell werden hierbei Positionen der Philosophen und Schriftsteller Arthur Schopenhauer (22.02.1788 – 21.09.1860) und Albert Camus (07.11.1913 – 04.01.1960) sein. Beide liefern eine begründete und nachvollziehbare Position.

1.2 Schwerpunktsetzung

Schwerpunktmäßig werden hauptsächlich die Positionen der beiden Philosophen und deren Hintergründe dargestellt und erklärt. Außerdem werden beide Positionen anhand verschiedener Aspekte auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht. Die grundsätzlichen Fragestellungen lauten:

Wie sehen die Positionen zum Thema Selbstmord von Arthur Schopenhauer und Albert Camus aus?

Halten sie den Selbstmord für eine gerechtfertigte Handlung?

Wo gibt es in ihren Positionen Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

2 Zwei philosophische Positionen

2.1 Die Position Albert Camus

2.1.1 Die Bedeutsamkeit des Themas

Albert Camus beschreibt in seinem Essay „Der Mythos des Sisyphos“, dass es nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem gibt, den Selbstmord. Seine Grundfrage ist, ob das Leben es überhaupt Wert ist, gelebt zu werden oder nicht. Auch sieht er diese Frage als die Grundfrage der Philosophie an1. Camus begründet die Bedeutsamkeit dieser Frage mit den Handlungen, die ihre Beantwortung nach sich zieht, dem Selbstmord2. Ein Mensch, der erkennt oder entscheidet, dass das Leben es nicht wert ist, gelebt zu werden, begeht wahrscheinlich Selbstmord. Das macht den Selbstmord, nach der Auffassung Camus, zum wichtigsten Problem der Philosophie.

2.1.2 Die Herrschaft des Absurden

Um die Antwort zu verstehen, die Camus auf diese Frage gibt, muss man den näheren Hintergrund seiner Philosophie verstehen. Seine Philosophie beruht auf dem Grundgedanken, dass die menschliche Existenz eine „hoffnungslose Absurdität“ darstellt3. Wir Menschen wären in einem Weltall ohne einen Sinn für unsere Existenz und unser Suchen nach diesem nicht existenten Sinn sei das Absurde. Das Gefühl des Absurden ist also eine Art Zwiespalt zwischen der Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn und den Grenzen des Universums, welches den Menschen keinen Sinn in ihrer Existenz gibt4. Das klingt zunächst stark nach Nihilismus: Das menschliche Leben als ein solches ohne jegliche Hoffnung auf eine sinnvolle Zukunft oder einen erfüllten Zweck. Camus schreibt auch, dass jeder Mensch dieses Gefühl des Absurden spüren kann, niemand ist quasi davor sicher. „Das Gefühl der Absurdität kann an jeder beliebigen Straßenecke jeden beliebigen Menschen anspringen“5 schreibt er. Es besteht also kein Zusammenhang zwischen diesem Gefühl und psychischen Krankheiten. Jeder Mensch kann zu jeder Zeit die Absurdität der menschlichen Existenz und die Sinnlosigkeit des Lebens erkennen. „Aber in einem Universum, das plötzlich der Illusion und des Lichts beraubt ist, fühlt der Mensch sich fremd“6. Hinzu kommt die ständige Konfrontation mit dem Tod in Form des Selbstmordes als konzentrierteste Form des Absurden7. Hatte man einmal den Gedanken an das Absurde, hat es einen einmal angesprungen, so wird man es nicht wieder los8. Daher komme die ständige Konfrontation mit dem Tod bzw. dem Selbstmord.

2.1.3 Konsequenzen für den Menschen

Menschen gehen äußerst verschieden mit der Erkenntnis des Absurden um. Häufig beginnen sie, sich auf verschiedenste Weisen abzulenken und so das Absurde zu verdrängen. Sie glauben an ideologische Ziele einer politischen Partei oder an einen nicht menschlichen Schöpfer, einen Gott9. Dies mag auf den ersten Blick logisch erscheinen, allerdings hilft es den Menschen nicht, das Absurde zu bewältigen, sondern es ermöglicht eine Flucht vor den eigenen Gedanken, vor dem eigenen Geist10. Menschen, die das Absurde verdrängen verraten sich selbst, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, wie Camus es fordert. Er fordert, dass wir mit Mut auf unser Schicksal blicken. Es muss zu einer anhaltenden Auflehnung des Einzelnen gegen jenes kommen11. Wir gestehen uns unser absurdes Schicksal ein und nehmen es an. „Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann“12. Camus schlussfolgert, dass wir unser Dasein auf dieser Welt in allen Zügen auskosten und so intensiv wie möglich genießen müssen13. Camus hält das Erkennen der Absurdität gleichzeitig für die Entdeckung unserer Freiheit14. Wir merken, dass wir nichts zu verlieren haben. Ohne einen Sinn des Lebens ist es egal, was wir tun. Dadurch, dass es egal ist, was wir tun, können wir machen, was wir möchten und unser Leben so leben, wie wir wollen15. Das Absurde zwingt die Menschen quasi dazu, ihr Leben bewusst zu leben. Es ist nicht zwingend notwendig sich einen Sinn in seinem Leben zu suchen, vielmehr ist es wichtig, jeden Moment bewusst zu genießen und die Bedeutungslosigkeit des Lebens zu seinem Vorteil zu nutzen16. Wenn dieses Universum keinen Gott oder ähnliches hat, dann hat das menschliche Leben auch keinen höheren Sinn, es sei denn wir geben ihm einen17.

2.1.4 Der Selbstmord als Lösung?

Ist der Selbstmord laut Camus nun berechtigt oder eine Lösung für dieses Problem? Camus gibt auf diese Frage eine deutliche Antwort: Der Selbstmord ist keine Lösung, er wird abgelehnt18. Durch den Selbstmord vergibt man sich den positiven Seiten des Lebens und, viel wichtiger, man erliegt dem Absurden. Sich selbst das Leben nehmen kommt einem Geständnis gleich. Der Selbstmörder gesteht, dass er mit dem Leben nicht fertig wird bzw. es nicht versteht. Außerdem impliziert es, dass der er das Leben für nicht lebenswert hält19.

2.1.5 Sisyphos

Gegen Ende von „Der Mythos des Sisyphos“ macht Camus die Situation des Menschen anhand der Figur des Sisyphos aus der griechischen Mythologie deutlich20. Sisyphos wurde aufgrund von mehreren Vergehen gegenüber unterschiedlichen griechischen Göttern damit bestraft, auf ewig einen Felsbrocken einen Berg hochzurollen, der, kurz bevor er auf dem Gipfel angekommen ist, wieder ins Tal hinabrollt21.

Der Moment, in dem Sisyphos den Berg hinabsteigt auf dem Weg zu seinem Stein in dem Wissen, dass seine Qualen von neuem beginnen werden, in diesem Moment ist Sisyphos stärker als sein Stein und seinem Schicksal überlegen. Der Stein gehört ihm, er ist allein seine Sache. Das Bewusstsein seines Leidens sollte es eigentlich erst so schlimm machen. Stattdessen ist es genau dieses Bewusstsein über das sich endlos wiederholende Leiden, welches Sisyphos den Sieg über sein Schicksal vollendet22. Wäre es nicht so, würde Sisyphos an seiner Aufgabe verzweifeln und sich seinem Schicksal unterwürfig ergeben, hätte der Stein gewonnen. Das Erkennen, Aneignen und Annehmen des Schicksals lässt ihn über jenes siegen23. Außerdem erleichtert es Sisyphos seine Aufgabe und ermöglicht es ihm, an manchen Tagen Freude beim Abstieg in das Tal zu spüren. „Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“24.

Die Parallele, die das Schicksal des Sisyphos bezogen auf die heutigen Menschen darstellt, ist nach wie vor aktuell. Ähnlich wie bei Sisyphos würde das Verzweifeln an unserem Schicksal den Sieg des Absurden bedeuten. Das Bewusstsein der täglichen Qual und des anhaltenden Leidens verhilft den Menschen, ihr Schicksal anzunehmen und zu besiegen. Sie können bei dem was sie tun, Freude verspüren und nutzen die Sinnlosigkeit zu ihrem Vorteil. Die daraus resultierende Entdeckung der Freiheit ist zusammen mit der Auflehnung der Schlüssel, das absurde Schicksal zu besiegen und zu überwinden.

2.1.6 Zusammenfassung

Nach Albert Camus hat die Existenz des Menschen keinen Sinn. Jeder Mensch wird einmal sterben und alles, was wir in unserem Leben tun, ist hinfällig und sinnlos. Das Absurde entsteht daraus, dass die Menschen einen Sinn suchen, das Universum ihnen jedoch keinen geben kann. Um mit diesem Gefühl des Absurden leben zu können, wird die Möglichkeit, Ablenkung in z.B. religiösen/spirituellen Glaubensgemeinschaften oder in ideologischen/politischen Parteien zu finden, verworfen. Nach Camus gelten sie als Selbstbetrug und Flucht vor den eigenen Gedanken. Der Selbstmord wird ebenfalls abgelehnt. Durch ihn würde der Mensch dem Absurden erliegen und gestehen, dass er mit seinem eigenen Leben nicht fertig wird. Es würde sich den positiven Seiten des Lebens vergeben. Stattdessen muss jeder Mensch sein absurdes Schicksal annehmen und die Sinnlosigkeit seines Daseins als das Fundament seiner Freiheit betrachten. Wir kosten unser Leben so gut es geht aus und genießen jeden Augenblick so intensiv und bewusst wie möglich. Wir müssen uns nicht zwingend einen bestimmten Sinn im Leben suchen, vielmehr sei es wichtig, uns unsere Auflehnung immer wieder bewusst zu machen. Diese Auflehnung gegen das absurde Schicksal sei der Sieg des einzelnen über das jenes.

2.2 Die Position Arthur Schopenhauers

2.2.1 Warum die Menschen den Selbstmord bewundern

Ein Mensch hängt normalerweise an seinem Leben. Dies überlegt er sich nicht selbst, es ist sein Instinkt, wir besitzen einen angeborenen Überlebensinstinkt. Nach Schopenhauer resultiert hieraus der Wille zum Leben, wir sind der Wille zum Leben selbst. Es erschließt sich also die jedem Lebewesen innewohnende Todesfurcht. Selbstmord ist vollkommen gegen die Natur eines Menschen, eines Lebewesens, weil er eben diese angeborene Furcht erfüllt. Deswegen bewundern und bestaunen die Menschen einen Selbstmörder auf eine gewisse Weise25.

2.2.2 Die Empfänglichkeit und Bereitschaft zum Selbstmord

Arthur Schopenhauer vertritt die Ansicht, das menschliche Leben an sich sei nicht frei gewählt. Es sei der blinde Wille, welcher sich als Lebenslust und Lebenstrieb zeigt, der die Menschen am Leben hält. Das Verschwinden dieser Lebenslust resultiert in Hypochondrie, schließlich in Melancholie. Wenn diese Lebenslust ganz verschwunden ist, geht die Melancholie in die Bereitschaft zum Selbstmord über, welcher dann schon bei kleinsten Anlässen eintreten kann26.

Auch können anhaltende körperliche Leiden, wie z.B. bleibende Krankheiten, können der „angeborenen Dyskolie“27 in die Hände spielen. Geschieht dies bis zu einem hohen Maß, entsteht „Lebensüberdruss“28 und die betroffene Person entwickelt ebenfalls einen Hang zum Selbstmord. Es bedarf dann lediglich geringster Unannehmlichkeiten und jene Person macht ihrem Leben ein Ende29. In extremen Fällen, in welchen das Leiden der Person sehr stark ist, bedarf es dieser Unannehmlichkeit nicht einmal. Das konstante und starke Unwohlsein reicht aus, um zum Selbstmord zu führen30.

Laut Schopenhauer können auch gesunde und heitere Menschen ohne körperliche Leiden eine Bereitschaft zum Selbstmord entwickeln31. Dies geschieht durch objektive Gründe, z.B., sobald die Größe der herannahenden Leiden die Schrecken vor dem Tod übersteigt32. Je größer also die Dyskolie ist, desto geringer brauchen die Leiden zu sein. Je größer jedoch die Lebensfreude und Lebenslust ist, desto mehr Leiden bzw. Anlass braucht ein Mensch, um sein Leben zu beenden33. Selbstmord ist also aus einer durch eine Krankheit hervorgerufene Steigerung der angeborenen Dyskolie möglich, wie auch bei vollständig gesunden und heiteren Menschen aus rein objektiven Gründen34.

Das Leiden oder auch das Wohlsein der Menschen ist größtenteils subjektiv. Das bedeutet, dass auch die Motive, die zum Selbstmord führen immer höchst unterschiedlich sind35. Es gibt demnach kein Unglück oder Leiden, das groß genug wäre, dass es jeden Menschen auf dieser Erde zum Selbstmord führen würde36. Auch gibt es wenige Unglücke, die so klein sind, dass sie bzw. gleichwertige noch nie zum Selbstmord geführt hätten37. Der Mensch beendet also sein Leben, sobald die „Schrecknisse des Lebens die des Todes überwinden“38. Diese Schrecknisse des Todes stellen laut Schopenhauer die „Wächter an der Ausgangspforte“39 dar. Der Kampf mit diesen Wächtern ist nicht so schwer wie man es annehmen würde. Dies resultiert aus dem Widerstreit zwischen geistigen und körperlichen Leiden40. Sehr starke geistige Leiden machen uns gegen jene körperlichen Leiden unempfindlich41. Dadurch wird der Selbstmord erleichtert. Dies zeigt sich deutlich an Menschen, die durch außerordentlich schwere geistige Leiden in den Selbstmord getrieben werden. Jenen kostet er nämlich nahezu gar keine Überwindung42.

2.2.3 Das Recht zum Selbstmord

Nach Arthur Schopenhauer ist die Frage nach dem Recht zum Selbstmord hinfällig43. Da durch den Selbstmord niemand anderes verletzt wird als man selbst, hat jeder das Recht, sein Leben zu beenden, wann immer er es möchte44.

Die Ansprüche und Forderungen anderer Menschen an den Selbstmörder stehen unter der Bedingung, dass dieser lebt. Schopenhauer hält es für eine „überspannte Forderung“45, dass jemand, der nicht mehr leben möchte, weiterlebt, um diese Ansprüche zu erfüllen. Somit würde dieser nur für die anderen leben. Jeder Mensch hat ein klares Recht auf sein eigenes Leben und seine eigene Person, damit auch auf seinen eigenen Tod46. Dieses Recht ist laut Schopenhauer „unbestreitbar“47. In der Konsequenz hält Schopenhauer die Strafverfolgung des Selbstmordes oder des Selbstmordversuches für sinnlos48. „Welche Strafe kann den abschrecken, der den Tod sucht?“49

2.2.4 Das Leben und der Wille zum Leben

Es ist offensichtlich, dass ein Selbstmörder das Leben aufgibt. Würde er das Leben nicht aufgeben, dann würde er sich nicht umbringen. Verneint er gleichzeitig auch den Willen zu leben? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der Selbstmord ist ein klares Zeichen der Bejahung des Willens zu leben50. Die Verneinung des Willens zu leben ist dadurch gekennzeichnet, dass man nicht nur die Leiden, sondern auch die Genüsse des Lebens nicht will. Der Selbstmörder will also das Leben, er ist nur unzufrieden damit, wie sein eigenes geworden ist51. Logischerweise gibt er also nicht seinen Willen zu leben auf, sondern lediglich das Leben, indem er sein eigenes zerstört. Er will sein Leben, er will es leben und es genießen aber sein Leben lässt dies aufgrund von Leiden oder ähnlichem nicht zu. Auch gibt er nicht die ganze menschliche Spezies auf, er gibt lediglich das eigene Individuum auf, sich selbst52.

Der Selbstmörder kann nicht aufhören, das Leben zu wollen. Um dies zu bejahen, beendet er sein eigenes Leben, denn anders kann er seinen Willen zu leben nicht mehr bejahen53. Das Leiden nähert sich an und wird immer schlimmer. Dadurch gibt es dem Selbstmörder die Möglichkeit, den Willen zu leben zu verneinen. Der Selbstmörder wiederum weist dieses Leiden von sich, indem er „die Erscheinung des Willens“54, seinen Leib und sein Leben, zerstört. Somit bleit sein Wille zu leben erhalten und wird nicht durch großes Leid zerstört.

2.2.5 Der Selbstmord als Lösung?

Nach Schopenhauer liegt das höchste moralische Ziel des Menschen darin, den Willen zum Leben zu verneinen55. „Ruhig und sanft ist, in der Regel, der Tod jedes guten Menschen: aber willig sterben, gern sterben, freudig sterben, ist das Vorrecht des Resignierten, Dessen, der den Willen zum Leben aufgibt und verneint“56. Wie bereits ausgeführt, steht der Selbstmord diesem Ziel entgegen. „Von der Verneinung des Willens zum Leben unterscheidet sich nichts mehr, als die Aufhebung seiner einzelnen Erscheinung, der Selbstmord. Weit entfernt, Verneinung des Willens zu sein, ist dieser ein Phänomen starker Bejahung des Willens. Der Selbstmörder will das Leben und ist bloß mit den Bedingungen unzufrieden, unter denen es ihm geworden“57. Der Selbstmord ist für Schopenhauer also keine Lösung, da er den Willen zum Leben nicht verneint, sondern bejaht.

Eine Ausnahme bildet der freiwillige Hungertod, herbeigeführt durch die höchste Form der Askese58, was Schopenhauer für die Lösung dieses Problems und einzigen Ausweg hält. Die strenge Verneinung des Willens zu leben führt zu dem Punkt, an dem die Nahrungsaufnahme zur Erhaltung des Lebens wegfällt. Der Selbstmörder oder Asket gibt also nicht sein Leben auf, um den Willen zum Leben zu erhalten, nein, er gibt eben diesen Willen auf und hört deshalb automatisch auf zu leben59. Die Absicht, die Qual des Sterbeprozesses zu verkürzen, wäre eine Bejahung des Willens zu leben60. Eine andere Form des freiwilligen Todes, die den Willen zum Leben aufgibt, ist laut Schopenhauer nicht denkbar61.

Schopenhauer hält das Verdrängen des Willens zum Leben für den Ursprung des Leidens62. Diese Tatsache erfordert regelrecht die Askese, um jenen Willen abzutöten. Durch diesen Prozess kann außerdem das erreicht werden, was Schopenhauer als Erlösung von diesem Leid sieht: Der Eingang in das Nirwana, das bewusstseinslose Nichts63. Sieht man allerdings von diesem hohen Ziel, der Verneinung des Willens zum Leben, ab, so sieht Schopenhauer keinen Grund, der gegen den Selbstmord spricht64.

2.2.6 Zusammenfassung

Menschen besitzen einen natürlichen, angeborenen Überlebensinstinkt. Der Wille zum Leben ist nahezu in allem was wir tun präsent. Da wir also der Wille zum Leben selbst sind, ist die Todesfurcht aller Lebewesen erklärbar. Etwas was leben und überleben will, fürchtet logischerweise den Tod. Aus dieser natürlichen Todesfurcht erklärt sich das Erstaunen und die Bewunderung, welche Menschen bei dem Selbstmord eines anderen empfinden.

Laut Schopenhauer hat jeder Mensch das Recht auf Selbstmord. Es wird kein anderer, außer man selbst, verletzt. Allein für die Ansprüche weiterzuleben, die andere Menschen an den Selbstmörder richten, obwohl er nicht mehr weiterleben möchte, hält er für eine „überspannte Forderung“65.

Kein Mensch hat sein eigenes Leben von Beginn an frei gewählt. Es ist die Lebenslust, welche uns am Leben hält. Aus dem Verschwinden dieser Lebenslust resultiert die Melancholie. Bei vollständigem Verschwinden der Lebenslust geht die Melancholie in die ernsthafte Bereitschaft zum Selbstmord über. Dieser kann dann schon bei kleinsten Anlässen eintreten.

Jeder Mensch kann einen Hang zum Selbstmord entwickeln. Kommt es z.B. zu starken, körperlichen Leiden, so spielen diese der Dyskolie eines jeden Menschen in die Hände. Es kommt zu dem Punkt, an dem dies so belastend für den Menschen ist, dass er einen Hang zum Selbstmord entwickelt. Es folgt, dass nur noch ein sehr geringer Auslöser notwendig ist, um den Selbstmord folgen zu lassen. Bei sehr starken Leiden ist dieser Auslöser nicht einmal erforderlich. Gesunde und heitere Menschen können ebenfalls einen Hang zum Selbstmord entwickeln. Dies geschieht, sobald die herannahenden Leiden größer sind als die Schrecken vor dem Tod.

Die Schrecken vor dem Tod werden geringer, aufgrund des Antagonismus von geistigen und körperlichen Leiden. Geistige Leiden können viel stärker werden als körperliche und können so die Schrecken vor dem Tod leichter überwinden. Die wird deutlich an Menschen, welche allein aufgrund von geistigen Leiden ihr Leben beenden. Diese Menschen kostet der der Selbstmord nahezu gar keine Überwindung.

Laut Schopenhauer bejaht der Selbstmord den Willen zum Leben. Um jenen Willen nicht durch ihre Leiden zu verlieren, beendet der Selbstmörder sein Leben. Der Selbstmörder will also das Leben, er ist mit seinem eigenen jedoch zu unzufrieden. Schopenhauer hält es für das wichtigste Ziel eines Menschen, den Willen zum Leben zu verneinen. Dies geht nur durch den freiwilligen Hungertod. Der Mensch verneint den Willen zum Leben, indem er bis zu seinem Tod auf lebenserhaltende Ressourcen verzichtet. So zerstört er nicht nur sein Leben, sondern auch den Willen zum Leben und kann in das Nirwana, ein Nichts ohne Bewusstsein, eintreten.

2.3 Parallelen und Unterschiede zwischen Schopenhauer und Camus

Im Folgenden werden Parallelen und Unterschiede zwischen den dargestellten Positionen aufgezeigt, analysiert und näher erläutert.

2.3.1 Grundsätzlicher philosophischer Zusammenhang

Albert Camus geht von der bereits erläuterten Philosophie des Absurden aus. Die Welt sei eine Absurdität und der sinnsuchende sei Mensch in ihr. Arthur Schopenhauer sieht dies nicht direkt anders. Nach ihm ist alles Leben Leiden66. Seine Philosophie kann grundsätzlich als eine der Erlösung von diesem Leid angesehen werden.

2.3.2 Der Anlass zum Selbstmord

Camus hält das Erkennen des Absurden und das Erkennen der Ausweglosigkeit für einen möglichen Anlass zum Selbstmord. Auf die Frage, ob Selbstmord aus anderen subjektiven Gründen, ohne, dass das Absurde vorher erkannt wurde, gerechtfertigt sei, gibt Camus in dem gesichteten Material keine klare Antwort.

Schopenhauer thematisiert viele verschiedene Anlässe, z.B. körperliche und/oder geistige Leiden, Melancholie als Resultat verschwundener Lebenslust oder rein objektive Gründe. Es kommt dann zum Selbstmord, wenn die Schrecken des Lebens die des Todes übersteigen. Ob das Erkennen des Absurden solch ein objektiver Grund wäre, ist für Schopenhauer hinfällig, er verwirft jeden objektiven Grund, der von der Verneinung des Willens zum Leben abweicht. Das Erkennen der Absurdität könnte als ein Leiden angesehen werden, wie Schopenhauer es beschreibt.

2.3.3 Selbstmord als Lösung dieser Probleme?

Albert Camus verwirft den Selbstmord als möglichen Ausweg aus der Absurdität unseres Daseins. Der Selbstmord wäre ein Erliegen des Menschen gegenüber dem Absurden und ein Zeichen dafür, dass der Mensch mit dem Leben nicht fertig würde. Zusätzlich wird sich den positiven Seiten des Lebens vergeben.

Auch Schopenhauer lehnt die Form des Selbstmordes, von der Camus ausgeht, ab. Durch ihn würde der Wille zum Leben nicht, wie er es für notwendig hält, gebrochen, sondern verstärkt werden. Lediglich das Leben, die Erscheinung besagten Willens, würde zerstört, der Wille bliebe erhalten und bestätigt.

2.3.4 Die tatsächliche Lösung

Für Camus scheidet den Selbstmord vollständig als ein Umgang mit dem Erkennen des Absurden aus. Durch ihn würde man jenem erliegen. Er ist stattdessen der Meinung, dass wir mit Mut auf unser Schicksal blicken müssen. Wir müssen es annehmen und uns trotzdem ständig dagegen auflehnen. Durch das Fehlen eines vorbestimmten Sinnes haben wir die Freiheit, unserem Leben selbst einen zu geben.

Bei Schopenhauer ist eine spezielle Form des Selbstmordes der Weg, um die Erlösung von dem Leid zu erreichen. Um den Willen zum Leben zu durchbrechen, muss man unter strengster Askese ausharren, bis man verhungert. Dieses Handeln gleicht der Verneinung jenes Willens. Der Asket verneint nicht nur sein Leben, sondern auch den Willen zum Leben, er lehnt die Aufnahme von Nahrung, welche lebensnotwendig ist, ab. Dadurch ist es ihm möglich, in das Nirwana einzutreten und sich so von dem Leiden des Lebens zu erlösen.

Camus würde auch den von Schopenhauer gepriesenen asketischen Hungertod ablehnen. Er teilt sein Ziel, den Willen zum Leben zu verneinen, nicht. Diese Form des Selbstmordes wäre für ihn trotzdem ein Erliegen vor dem Absurden und würde keinen nennenswerten Unterschied zu anderen Selbstmordmethoden darstellen. Außerdem würde Camus jenes Ziel verwerfen. Es wäre, wie der Glaube an einen Gott oder eine politische Ideologie, eine Flucht vor den eigenen Gedanken, somit eine Flucht vor dem Absurden.

2.3.5 Universalität

Albert Camus meint, kein Mensch sei vor der Erkenntnis Absurden sicher. Jeder könne es immer und überall plötzlich erkennen und so in die gedankliche Spirale fallen, aus welcher der Gedanke an den Selbstmord stammt.

Schopenhauer hatte teilweise ähnliche Gedanken. Er hat aufgezählt, dass jeder Mensch, egal ob gesund oder krank, traurig oder fröhlich, glücklich oder unglücklich Selbstmordgedanken entwickeln kann.

Beide sind also der Meinung, dass Selbstmord keine Sache der Kranken oder Depressiven ist, sondern jeden Menschen betrifft. Die einen zwar mehr und die anderen weniger, niemanden jedoch gar nicht.

3 Abschluss

3.1 Zusammenstellung der Ergebnisse

Zusammengefasst bieten Schopenhauer und Camus jeweils einen philosophischen Standpunkt zum Thema Selbstmord. Beide begründen diesen auf eine nachvollziehbare Art und Weise und beide erklären ihre Position zum Selbstmord.

Rückblickend auf die zu Anfang aufgestellten Leitfragen lässt sich Folgendes festhalten:

Schopenhauer lehnt den Selbstmord grundsätzlich ab, weil er dem seiner Meinung nach höchstem Ziel im Leben im Weg steht. Wichtig ist aber, dass der Weg zu diesem Ziel eine bestimmte Form des Selbstmordes ist, allerdings kein gewöhnlicher.

Camus lehnt den Selbstmord vollständig ab, er wertet ihn als ein Erliegen vor dem Absurden.

Beide Positionen unterscheiden sich in ihrem philosophischen Zusammenhang komplett. Schopenhauer erläutert eine pessimistische Philosophie der Erlösung des Menschen von dem Leid des Lebens. Camus erklärt seine Philosophie des Absurden, welche den sinnsuchenden Menschen in einem sinnleeren Weltall thematisiert. Einige kleine Gemeinsamkeiten finden sich, z.B. die Dimension und Bedeutung des Selbstmordes. In beiden Positionen kann jeder Mensch, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, ernsthafte Selbstmordgedanken entwickeln.

Außerdem lassen sich beide Positionen in Ansätzen kombinieren.

4 Anhang

4.1 Eigene Sichtweise zum Thema

Im Folgenden werden eigene Gedanken zu dem Thema Tod und Selbstmord geschildert.

Selbstmord ist heutzutage ein sehr aktuelles und leider auch ein viel zu selten besprochenes Thema. So viele Menschen nehmen sich jeden Tag aus verschiedensten Gründen das Leben: Verzweiflung, Krankheit, Einsamkeit, Ausweglosigkeit. Einem Großteil der Menschen, die sich umbringen, hätte ohne Frage geholfen werden können. Das wird es auch tagtäglich von freiwilligen, unbeteiligten Menschen, sowie von Institutionen wie Beratungsstellen oder von Privatpersonen. Sie bieten ein offenes Ohr, geben eventuell Ratschläge oder stehen einfach nur zur Seite. Das alles ist wunderbar, es gibt jedoch trotzdem noch viele Dinge, die besser gemacht werden könnten. Eine offenere Kommunikation des Themas in der Gesellschaft würde vielleicht zum Umdenken einiger Menschen führen. Wenn heutzutage jemand über Selbstmord spricht, dann entsteht meist ein negativer, fast verachtender Unterton. Ein Selbstmörder könne nur krank oder ein Versager gewesen sein. Niemand denkt daran, dass ein Selbstmörder vielleicht wohl überlegt und aus Überzeugung gehandelt haben könnte. Ich meine damit nicht den Glauben an eine absurde Welt oder den Versuch, in das Nirwana einzutreten, sondern klare, einfache Gründe. Ein Beispiel ist das Thema Sterbehilfe. Sollte ein Patient, der unerträgliche Schmerzen hat und keine Aussicht auf irgendeine Form von Besserung, sterben dürfen? Wenn er diesen Wunsch seinem Arzt mitteilt und nach einem Löffel mit Gift o.ä. bittet, sollte der Arzt ihm einen solchen geben dürfen? Solche Fragen werden häufig debattiert und jeder Mensch wird seine persönliche Meinung dazu haben. Ich bin der Meinung, solange ein Patient seinen Wunsch mitteilen kann, ob er eine schmerzhafte Verlängerung seines Lebens oder einen friedlichen Tod möchte, sollte dem kein Gesetz im Weg stehen. Natürlich gibt es unterschiedliche Formen der Sterbehilfe und verschiedene gesetzliche Regelungen. Dies auszuführen ist an dieser Stelle jedoch nicht notwendig.

Was ich eigentlich meine, ist Folgendes: Man sollte den Tod nicht so eng sehen. Ja, der Tod eines nahestehenden Menschen ist für Angehörige schmerzhaft und hinterlässt Spuren. Ich meine aber den eigenen Tod. Wir sollten leben und dabei im Bewusstsein haben, dass wir eines Tages sterben. Ich spreche nicht davon, dass wir leichtsinnig handeln sollten. Es ist totaler Wahnsinn, wenn Leute auf einem Motorrad mit 250 km/h über Landstraßen fahren. Vielmehr geht es mir darum, dass man mit bestimmten Dingen nicht so verklemmt umgehen muss. Ein Bekannter, der gerne zum Genuss raucht, hat mir mal gesagt, er würde lieber 75 Jahre alt werden und dafür den Genuss des Rauchens haben als 80 Jahre ohne rauchen zu leben. Ich finde diese Einstellung geht in die richtige Richtung, wobei ich an dieser Stelle natürlich nicht rauchen gut rede.

Bezogen auf den Selbstmord bin ich der Meinung, dass ein Tod, ein Abschied in Ehre und Würde zur rechten Zeit eine gute Sache sein kann, jedoch nicht muss. Den meisten potenziellen Selbstmördern sollte man auf jeden Fall klar machen, dass es bessere Wege gibt, um mit dem Leben umzugehen, wenn sich jedoch ein Mensch alles genau überlegt hat und wirklich gehen möchte, dann sollte man ihn das tun lassen.

Es gibt im Leben nun mal Dinge, die man nicht verhindern kann. Der plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen, eine plötzliche Krankheit, finanzielle Krisen, Streit, das alles sind Dinge, an denen man verzweifeln kann. Für viele Menschen wird der Selbstmord in solchen Situationen plötzlich attraktiv. Man stelle sich eine Frau vor, welche zwei Kinder hat: Das eine Kind komm tragisch bei dem Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ums Leben. Das zweite Kind stirb bei einem Verkehrsunfall, einige Monate später. Könnte man einer Frau, welches so ein schreckliches Schicksal erleidet, Selbstmord verübeln? Ich könnte das nicht, viel mehr würde ich mit Bedauern auf das Schicksal der drei Menschen schauen. Oder man stelle sich einen Mann vor, welcher mit 40 km/h eine ruhige Straße entlangfährt, an der vereinzelt Häuser stehen. Er bedient das Radio seines Autos und ist für ein paar Sekunden unaufmerksam. Hinzu kommt, dass er die Nacht vorher nicht gut schlafen konnte. In den wenigen Sekunden, in denen er unaufmerksam ist, sieht er nicht, wie am Straßenrand ein kleines Kind zur Fahrbahn läuft. Es hat Kopfhörer auf und bemerkt das Auto nicht. Der Mann fährt den 6-jährigen Jungen tod. Hätte der Mann nicht sein Autoradio bedient, dann hätte er abbremsen können. Er war gewiss kein leichtinniger Fahrer, trotzdem war ein kleiner Fehler im Straßenverkehr einer zu viel. Könnte man jemandem mit so einem Erlebnis Selbstmord verübeln?

Ich finde gewiss nicht, dass Selbstmord eine gute Sache ist. Trotzdem glaube ich, dass es für einige Menschen den einzigen Ausweg aus einem schweren Schicksal darstellt und dass man solche Menschen nicht aufgrund ihres frei gewählten Todes verurteilen sollte.

Es gibt also Situationen, in denen das Leid des Lebens größer ist als die Furcht vor dem Tod. Schopenhauer ist der Ansicht, ein Selbstmörder habe den Willen zu leben, die Bedingungen würden dies jedoch nicht zulassen. Ist es nicht vorstellbar, dass es Situationen gibt, in denen Menschen der Wille zum Leben fehlt und sie sich deshalb das Leben nehmen? Ich bin der Meinung, man kann nicht pauschal sagen, dass jeder Selbstmörder einen Willen zum Leben hatte, bevor er sein Leben beendete. Außerdem fehlt vielen Selbstmördern anscheinend die Kraft oder sie haben keine Möglichkeit, ihrem Leben einen Sinn zu geben.

4.2 Literaturverzeichnis

Georg Bosold: Sisyphos https://www.griechische-sagen.de/Sisyphos.html (entnommen am 02.04.20)

Yves Bossart: Albert Camus – Zum Glück hat das Leben keinen Sinn! https://www.srf.ch/kultur/literatur/albert-camus-zum-glueck-hat-das-leben-keinen-sinn (entnommen am 31.03.20)

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. In: Roger Willemsen: Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte, Frankfurt am Main 2007

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Reinbeck bei Hamburg24 2000

Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts: Meyers grosses universal Lexikon. In fünfzehn Bänden, Band 12 Mannheim 1984

Thomas Macho: Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne, Berlin 2017

Eberhard Rathgeb: Sisyphos zieht in den Krieg https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-sisyphos-zieht-in-den-krieg-11299361.html (entnommen am 31.03.20)

Arthur Schopenhauer: Aus Arthur Schopenhauers handschriftlichem Nachlass. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20)

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Berlin3 2014, Zitiert nach http://www.zeno.org/Lesesaal/N/9781495375200?page=0 (entnommen am 12.04.20)

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. 2.Bnd., 2.Teilbild. In: Über den Tod. Poetisches und Philosophisches von Homer, Boccaccio, Erasmus, […], Dürrenmatt u.a. Zürich 1977

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung Ⅰ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20)

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung Ⅱ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20)

Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena. In: Roger Willemsen: Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte, Frankfurt am Main 2007

Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena Ⅰ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20)

Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena Ⅱ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20)

Nikolas Westerhoff: Herr über das eigene Leben? https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/herr-uber-das-eigene-leben (entnommen am 19.04.20)

[...]


1 Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Reinbeck bei Hamburg24 2000, S.15. (Im Folgenden zitiert als Camus: Der Mythos des Sisyphos)

2 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.15.

3 Yves Bossart: Albert Camus – Zum Glück hat das Leben keinen Sinn! https://www.srf.ch/kultur/literatur/albert-camus-zum-glueck-hat-das-leben-keinen-sinn (entnommen am 31.03.20) (Im Folgenden zitiert als Bossart: Camus)

4 Eberhard Rathgeb: Sisyphos zieht in den Krieg https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-sisyphos-zieht-in-den-krieg-11299361.html (entnommen am 31.03.20) (Im Folgenden zitiert als Rathgeb: Sisyphos)

5 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.23.

6 Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. In: Roger Willemsen: Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte, Frankfurt am Main 2007, S.186-S.189, S.189.

7 Rathgeb: Sisyphos

8 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.44.

9 Rathgeb: Sisyphos

10 Bossart: Camus

11 Bossart: Camus

12 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.143.

13 Bossart: Camus

14 Bossart: Camus

15 Bossart: Camus

16 Bossart: Camus

17 Bossart: Camus

18 Thomas Macho: Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne, Berlin 2017, S. 216f. (Im Folgenden zitiert als Macho: Das Leben nehmen)

19 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.17.

20 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.141ff.

21 Georg Bosold: Sisyphos https://www.griechische-sagen.de/Sisyphos.html (entnommen am 02.04.20)

22 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.143.

23 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.143.

24 Camus: Der Mythos des Sisyphos, S.145.

25 Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung Ⅱ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, S.271. Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Welt Ⅱ)

26 Schopenhauer: Welt Ⅱ, S.409.

27 Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena Ⅰ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, S.346. Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Parerga Ⅰ)

28 Schopenhauer: Parerga Ⅰ, S.346.

29 Schopenhauer: Parerga Ⅰ, S.346.

30 Schopenhauer: Parerga Ⅰ, S.346.

31 Arthur Schopenhauer: Aus Arthur Schopenhauers handschriftlichem Nachlass. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, S.449f. Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Handschriftlicher Nachlass)

32 Schopenhauer: Parerga Ⅰ, S.346.

33 Schopenhauer: Handschriftlicher Nachlass, S. 449f.

34 Schopenhauer: Parerga Ⅰ, S.346.

35 Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung Ⅰ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, S.373. Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Welt Ⅰ)

36 Schopenhauer: Welt Ⅰ, S.373.

37 Schopenhauer: Welt Ⅰ, S.373.

38 Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena Ⅱ. In: Schopenhauer-Lexikon. Ein Philosophisches Wörterbuch nach Arthur Schopenhauers sämtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlass, Leipzig3 1871, S.332. Zitiert nach http://schopenhauers-kosmos.de/Selbstmord (entnommen am 07.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Parerga Ⅱ)

39 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.332.

40 Schopenhauer: Handschriftlicher Nachlass, S.450.

41 Schopenhauer: Handschriftlicher Nachlass, S.450.

42 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.332f.

43 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.257.

44 Nikolas Westerhoff: Herr über das eigene Leben? https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/herr-uber-das-eigene-leben (entnommen am 19.04.20)

45 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.257.

46 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.328.

47 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.328.

48 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.329.

49 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.329.

50 Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Berlin3 2014, S.293. Zitiert nach http://www.zeno.org/Lesesaal/N/9781495375200?page=0 (entnommen am 12.04.20) (Im Folgenden zitiert als Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)

51 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.293.

52 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.293.

53 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.293.

54 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.294.

55 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.331.

56 Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. 2.Bnd., 2.Teilbild. In: Über den Tod. Poetisches und Philosophisches von Homer, Boccaccio, Erasmus, […], Dürrenmatt u.a. Zürich 1977, S.109-111. S.111.

57 Schopenhauer: Welt Ⅰ, S.471-473.

58 Schopenhauer: Welt Ⅰ, S.474-476.

59 Schopenhauer: Welt Ⅰ, S.474-476.

60 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.295.

61 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, S.295.

62 Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts: Meyers grosses universal Lexikon. In fünfzehn Bänden, Band 12 Mannheim 1984, S.448. (Im Folgenden zitiert als: Meyer: Schopenhauer)

63 Meyer: Schopenhauer S.448.

64 Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena. In: Roger Willemsen: Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte, Frankfurt am Main 2007, S.62-68. S.66

65 Schopenhauer: Parerga Ⅱ, S.257.

66 Meyer: Schopenhauer, S.448.

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Eine philosophische Betrachtung des Selbstmordes. Vergleich der Positionen Camus' und Schopenhauers
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V996792
Sprache
Deutsch
Schlagworte
betrachtung, selbstmordes, vergleich, positionen, camus, schopenhauers, Selbsrmord, Philosophie
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Eine philosophische Betrachtung des Selbstmordes. Vergleich der Positionen Camus' und Schopenhauers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/996792

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