Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
5 Seiten

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Gliederung

1. Bertolt Brecht und seine Werke

2. Analyse des Textes "Maßnahmen gegen die Gewalt" von Bertolt Brecht
2.1. Aufbau
2.2. Inhalt
2.2.1. Die Rahmenhandlung
2.2.2. Die innere Geschichte
2.2.3. Kernaussage/ Textgattung
2.3. Sprache
2.3.1. Personifikation
2.3.2. Namensgebung
2.3.3. Bindung durch "und"
2.3.4. Ausdruck von Unsicherheit
2.4. Intention des Autors

3. Das epische Theater nach Bertolt Brecht

Der deutsche Schriftsteller Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Der Sohn eines Fabrikdirektors studierte in München Medizin, Naturwissenschaften und Philosophie. Brecht entwickelte schon früh eine Abneigung gegen die Gesellschaft, in die er hineingeboren wurde. Er hat das traditionelle Theater in Frage gestellt und prägte den Begriff des "epischen Theaters" , wodurch er das Bühnenspiel politisch wirksam machen und die Zuschauer zum engagierten Mitdenken bewegen wollte. Seine bekanntesten Werke sind die "Dreigroschenoper" (1928), "Mutter Courage und ihre Kinder" (1939) und "Der gute Mensch von Sezuan" (1938- 1940) . Von 1926 an widmete er sich dem intensiven Studium des Marxismus, er wurde marxistischer Aktivist und schrieb beispielsweise auch Beiträge für kommunistische Zeitungen. Diese sozialkritisch- marxistische Einstellung zwang ihn 1933 zur Flucht aus Deutschland, wohin er aber in den späten 40er Jahren, nach Aufenthalten in der Schweiz, Dänemark, Schweden, USA und anderen Ländern, wieder zurückkehrte. Brecht, der inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft erlangt hatte, gründete 1949 zusammen mit seiner Frau Helene Weigel das Berliner Ensemble. Er starb am 14. August 1956 in Ost- Berlin.

Sein literarisches Schaffen lässt sich in vier Phasen einteilen: Die vormarxistische Phase bis 1928, die marxistische Zeit der politischen und moralischen Lehrstücke bis 1934, sein Schaffenshöhepunkt bis 1948 und die Ost- Berliner Zeit bis zu seinem Tod.

Allerdings gibt es auch Werke, an denen Brecht längere Zeit seines Lebens arbeitete, so zum Beispiel seine verhältnismäßig unbekannte Sammlung der "Geschichten vom Herrn Keuner" (1926- 1956). "Maßnahmen gegen die Gewalt" (1930), eine dieser Erzählungen, soll im Folgenden analysiert werden.

Der erste Gesichtspunkt ist der Aufbau des Textes. Hierbei ist das auffälligste Merkmal die Geschichte in der Geschichte. Die Binnengeschichte, die von der Figur des Herrn Keuner als Belehrung oder als Grund für sein Verhalten gegenüber der Gewalt erzählt wird, beginnt in Zeile zehn. Der Wechsel von der Rahmen- zur Binnengeschichte stellt einen signifikanten Einschnitt im Text dar, der wie der Höhepunkt der Binnengeschichte durch ausgelassene Zeilen angekündigt wird. "Maßnahmen gegen die Gewalt" endet mit dem Ende der inneren Geschichte.

Der nächste Aspekt der Analyse ist der Inhalt, wobei zunächst die Rahmenhandlung im Vordergrund steht. Herr Keuner, der durch die Bezeichnung "der Denkende" (Z.1) seinen Mitmenschen übergeordnet wird, erklärt, dass er "gegen die Gewalt" (Z.1f) sei, bestreitet Jedoch diese Aussage, als die Gewalt ihn darauf anspricht. Später, als er gefragt wird, warum er nicht zu seiner Aussage stehe, antwortet er, er habe "kein Rückgrat zum Zerschlagen"(Z.7f) und er müsse "länger leben als die Gewalt"(Z.8). Diese Situation zeigt, dass Herr Keuner sich nur durch eine Notlüge, durch Unehrlichkeit retten konnte, er kann seine Meinung nicht immer frei zugeben. Erst in gewaltloser Zeit kann er zu seiner Aussage stehen.

Dann beginnt er als Begründung seines Verhaltens eine Geschichte über das Schicksal des Herrn Egge zu erzählen.

Während der "Zeit der Illegalität"(Z.11), einer Gewaltherrschaft, beschlagnahmt ein Agent, der dazu von denen, "die die Stadt beherrschten"(Z.12) berechtigt wurde, die Wohnung und den Besitz des Herrn Egge. Als der Agent " mit dem Gesicht zur Wand"(Z.17) Herrn Egge fragt: "Wirst du mir dienen?"(Z.18) antwortet dieser jedoch nicht. Sieben Jahre lang ist Herr Egge der ergebene Diener des Agenten, spricht aber kein Wort. Er antwortet auf die sieben Jahre zuvor gestellte Frage erst nach dem Tod des Agenten und der anschließenden Reinigung seiner Wohnung: "Herr Egge [] atmete auf und antwortete: ,Nein`."(Z.25f).

Herr Egge lebte sieben Jahre im Zwang, unter Gewaltherrschaft und diente resigniert, ohne sich zu wehren. Er hat erkannt, dass Gehorchen das kleinere Übel ist, er wehrt sich nur innerlich gegen die Unterdrückung durch den Agenten, indem er nicht spricht.

Dadurch wird die Frage, die sich dem Leser unwillkürlich stellt, nämlich warum Herr Egge, "der gelernt hatte, nein zu sagen"(Z.10) dieses Können nicht anwendet, beantwortet.

Am Inhalt wird deutlich, dass die Situation des Herrn Keuner der des Herrn Egge in vielen Aspekten gleicht. Beide stehen in den entscheidenden Situationen nicht zu ihrer Einstellung, der Unterschied liegt aber darin, dass Herr Keuner sich gegen seine Einstellung äußert, sich aber nicht dementsprechend verhält, wobei sich Herr Egge gegen seine Prinzipien verhält, sich aber nicht dazu äußert, da er kein Wort spricht. Für beide ist ihr Verhalten jedoch die einzige Möglichkeit, einer Strafe zu entgehen. Hier wird der Lehrcharakter des Textes deutlich. Durch die Gegenüberstellung der beiden Situationen zeigt sich, dass sich sowohl Herr Keuner als auch Herr Egge durch Verleugnung ihrer Gesinnung vor Gewalt retten. Es handelt sich bei "Maßnahmen gegen die Gewalt" um eine politische Parabel der Moderne, der Leser gewinnt eine Richtlinie für sein Handeln.

Um die Textanalyse zu vervollständigen, wird nun noch die Sprache genauer untersucht. Auffällig in der Sprache der Rahmenhandlung ist vor allem die Personifikation der Gewalt, die plötzlich hinter Herrn Keuner steht und ihn anspricht (Z.3f). Dadurch fällt es dem Leser später leichter, die Bild- und Sachebene der Lehrparabel zu durchschauen, der Vergleich der Gewalt mit dem Agenten der Binnengeschichte wird offensichtlicher.

Aber auch die Namensgebung ist vieldeutig, über "Herr Keuner" gibt es viele, teils sogar philosophische Deutungen. Die Deutlichste ist jedoch die Parallele zu "Keiner", ein Niemand, der trotzdem oder gerade deshalb die gesamte Gesellschaft widerspiegelt. Der Name "Egge", ein Palindrom, zeugt von großer Anpassungsfähigkeit, der Name lautet von hinten genauso wie von vorn gelesen. Auch, dass "Egge" wie eine weiche Ecke ist, in der das ,ck` durch ,gg` ersetzt wurde, an der sich also niemand stoßen und die bei niemandem Anstoß erregen kann, unterstützt diese Behauptung. Die Anpassungsfähigkeit des Herrn Egge zeigt sich darin, dass er sieben Jahre lang dem Agenten dient, ohne es zu wollen, aber auch ohne sich zu wehren.

Ein weiteres Merkmal der Sprache des Textes ist die Verbindung der Rahmenhandlung und der Binnengeschichte durch die Konjunktion "und"(Z.9). Damit wird einerseits die innere Erzählung angekündigt und somit zwischen den beiden Geschichten differenziert, andererseits wirkt das "und" aber auch verbindend, stellt die Handlungen auf eine gemeinsame Ebene, was dazu beiträgt, dass der Leser die Parallelen der zwei Situationen begreift.

Ein anderes sprachliches Mittel ist das Wort "Schein"(Z.11), mit dem der Agent seine Legitimation, die Wohnung zu konfiszieren, beweist. Es wird allerdings ein Gefühl der Unsicherheit und des Zweifels geweckt, die durch die starke Ähnlichkeit zu dem Wort ,Anschein` entsteht. Dieser Zweifel wird noch unterstützt durch die Repetitio der Wörter "solle"(Z.13) und "sollte"(Z.15). Dadurch wird die Legalität des Verhaltens des Agenten unsicher.

Nach der Lektüre und Analyse des Textes "Maßnahmen gegen die Gewalt" von Bertolt Brecht stellt sich die Frage nach der Intention des Autors.

Durch den Vergleich des Herrn Keuner mit Herrn Egge wird deutlich, dass Kritik an der Verwirklichung der Prinzipientreue geübt wird. Beide sind prinzipiell gegen Gewalt, der eine verhindert sie durch Lüge, der andere durch Gehorchen. Beide hoffen auf den Erfolg ihrer Passivität, ihre Prinzipien existieren nur theoretisch. Es wird also Kritik an der Gesellschaft und deren Haltung geübt. Da es sich bei dieser Parabel um ein Lehrstück handelt, soll der Leser zum Mitdenken angeregt werden.

Diese Tatsache stellt eine eindeutige Parallele zu dem von Brecht geprägten ,epischen Theater` dar. Beim epischen Theater handelt es sich um eine Art erzählendes Theater, Szenen werden locker aneinandergereiht und viele Verfremdungseffekte eingebaut, wie zum Beispiel Songs oder Veränderungen des Bühnenbildes bei geöffnetem Vorhang. Ein beliebtes Thema Brechts ist die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft, dass sich der Mensch durch Veränderung der Gesellschaft selbst verändert. Diese Art von Theater weist häufig einen offenen Schluss auf, damit die Zuschauer zum Mitdenken bewegt werden und so eine Richtschnur für ihr Handeln erhalten. Dadurch machte Brecht das Theater politisch wirksam. Die Theorie des epischen Theaters hielt er 1948 in dem "Kleinen Organon für das Theater" fest.

Bibliographie:

Wöhrle,D. Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. In: Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur. Hg.: Roloff,H.-G. Frankfurt a. M.: Verlag M. Diesterweg 1989

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Details

Titel
Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V99686
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Bertolt, Maßnahmen, Gewalt
Arbeit zitieren
Silke Hanisch (Autor), 2000, Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99686

Kommentare

  • Gast am 29.10.2001

    Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt.

    geiler Vortrag .......hat mir echt den Tag gerettet

    CU

  • Gast am 8.5.2002

    buhh.

    gar nicht auffällige kopie von einem anderen aufsatz...

  • Gast am 29.9.2002

    Bertolt Brecht, Maßnahmen gegen die Gewalt.

    Das war echt supergut was du da geschrieben hast. Ich war schon kurz vorm verzweifeln, weil keiner dazu eine Analyse geschrieben hat. DANKE dass es dich gibt!

  • Gast am 13.3.2006

    naja.

    etwas oberflächlich.
    bezug zu marxismus? oder wenigstens zu galilei?

  • Gast am 27.11.2006

    Deutschlehrer-Kritik.

    Naja, diese Arbeit ist wohl nicht so gelungen. Zwar hast du dir einige Infos besorgt, so das Leben Brechts mit in den Text einbezogen, aber dein Übergang zum epischen Theater ist wirklich nicht plausibel und die Analyse an sich greift recht kurz und ist relativ unübersichtlich.
    Dein Deutschlahrer hat dir doch sicherlich beigebracht, wie du eine Analyse aufbauen musst: Du beginnst jedenfalls mit einer Inhaltswiedergabe (hier übrigens als Einleitung noch ohne Zitate), nicht ein unvermittelt hereinbrechendes "Der erste Gesichtspunkt ist der Aufbau des Textes."

    "Egge" klingt vielleicht wie eine weiche Ecke, ist aber ein Ackergerät, was den Bauern hilft, die Erde aufzulockern. Dabei tritt manchmal auch das ein oder andere nicht Erwartete zu Tage...

    Die Aufgabe eines Konjunktiv I ist die indirekte Redewiedergabe, nicht der Hinweis auf Zweifel (hier brauchst du dann den Konj. II).

    Außerdem fehlt mir die Untersuchung der Menschen ("Leute", "Schüler"), die Herrn Keuner und die Gewalt sehen und hören.

    Und der mehrfach betonte Hinweis, dass der Leser zum Nach- oder Mitdenken angeregt werden soll, nervt die meisten Lehrer doch nur noch. Wenn man nicht genau sagen kann, warum und worüber der Leser nachdenken soll, sollte man sich diese Floskeln sparen.

    Bitte nimm die Kritik nicht persönlich. Sie sollte dir helfen, die nächsten Aufgaben noch besser zu meistern.

    Alles Liebe,

    Buechermaus

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