Was beinhaltet Jungenarbeit? Ziele, Handlungskonzepte sowie Angebote


Seminararbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jungenarbeit
2.1. Begriffdefinition und Begriffsabgrenzung
2.2. Entwicklung der Jungenarbeit
2.3. Zielgruppen der Jungenarbeit
2.4. Ziele der Jungenarbeit
2.5. Lebenslagen von Jungen
2.5.1. Individuelle Lebenslagen
2.5.2. Gesellschaftlich bedingte Lebenslagen
2.6. Angebote der Jungenarbeit
2.6.1. Themen und Inhalte der Jungenarbeit
2.6.2. Arbeitsprinzipien, Handlungskonzepte und Methoden
2.6.3. Jungenarbeit in Institutionen
2.6.4. Jungenarbeit als Präventionsinstanz
2.7. Gender Mainstream und Genderkompetenz

3. Fazit

III. Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das SGB VIII enthält in § 9 Abs. 3 die Verpflichtung, alle Angebote und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe an den unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen auszurichten. Die Wichtigkeit, geschlechtsbezogene Konzepte auch in der Kinder- und Jugendarbeit zu implementieren, wird auch durch Konzept des Gender Mainstreaming betont. Mit der Jungenarbeit als Bestandteil von Jugendarbeit und Jugendhilfe hat sich eine Arbeitsform und zugleich ein pädagogischer Zugang entwickelt, um dem Anspruch gerecht zu werden (Winter 2013, S. 52). Dabei kann Jungenarbeit verstanden werden als „Jugend-, Sozial- oder Schulpädagogik mit der Zielgruppe Jungen’ und speziellen, geschlechtsbezogenen Zielen" (ebd., S. 53).

Die Situation von Jungen1 hat sich in den letzten Jahren gewandelt, Ursachen finden sich sowohl in gesellschaftlichen Veränderungen wie auch in Emanzipationserfolgen von Mädchen und Frauen in Schule, Beruf und Partnerschaft (Sielert 2013, S. 82). Die Pluralisierung von Lebensformen hat vor männlichen Kindern und Jugendlichen keinen Halt gemacht: eine „Vielfalt männlicher Lebensentwürfe" (ebd., S. 81 f.) bringt unterschiedliche Jungentypen hervor, die abhängig sind von vorhandenen Lebensressourcen wie Zugang zu Bildung, zu finanziellen Mitteln etc. (ebd.). Jungenarbeit ist vor dem Hintergrund der besonderen Lebenslagen von Jungen und jungen Männern sowohl notwendig als auch sinnvoll (Winter 2013, S. 54).

Die Arbeitsform der Jungenarbeit ist relativ neu: Bis etwa zum Jahr 2000 gilt die pädagogische Aufmerksamkeit hins. einer geschlechtsbezogenen Theorie und Praxis vor allem den Mädchen. Seitdem lässt sich eine Verschiebung zu den Jungen feststellen: Der Forderung, dass Jungen „aufgrund ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit als Jungen Beachtung finden" (Budde/Debus/ Krüger 2011, S. 119) und entsprechend gefördert werden müssen, schlägt sich u. a. in einer zunehmenden Akzeptanz von Jungenarbeit und in der steigenden Anzahl entsprechender Projekte nieder (ebd.), u. a. in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in Jugendverbänden, in der Jugendsozialarbeit und in der außerschulischen Jugendbildung (BMFSFJ 2007, S. 60). In der Literatur wird betont, dass eine Geschlechterhomogenität als einziges Kriterium nicht ausreicht, „damit aus der Arbeit mit Jungen tatsächlich ,Jungenarbeit‘ wird" (Bentheim/May/Sturzenhecker/Winter 2004, S. 8). Ihre spezifische Qualität erhält die Jungenarbeit durch ihren Geschlechterbezug, durch das „Geschlechtsbewusstsein" (ebd.) und den geschlechterbezogenen Kompetenzen der Fachkraft (ebd.). Geschlechtsspezifische Ansätze wie die Jungen- oder die Mädchenarbeit beziehen das Geschlecht bewusst in die „pädagogische Arbeit ein, um Stereotype und Zuschreibungen zu überwinden und dadurch Gleichwertigkeit zwischen den Geschlechtern zu fördern" (Kabs-Ballbach/Ull- rich/Sauer 2020, S. 544).

Im Rahmen dieser Arbeit wird anhand von Ergebnissen einer Literaturrecherche der Frage nachgegangen, was Jungenarbeit als Arbeitsform mit geschlechtsspezifischen Ansatz beinhaltet. Unter Punkt 2 werden dazu relevante Begriffe erläutert und die Jungenarbeit wird von anderen Angebotsformen abgegrenzt (Punkt 2.1). Die historische Entwicklung (Punkt 2.2) wird ebenso beleuchtet wie die Zielgruppen (Punkt 2.3) und Ziele (Punkt 2.4). Jungenarbeit ist immer vor dem Hintergrund der besonderen Lebenslagen von Jungen und jungen Männern zu betrachten, daher werden unter Punkt 2.5 sowohl die individuell als auch die gesellschaftlich bedingten Lebenslagen von Jungen beschrieben. Unter Punkt 2.6 werden schließlich die Angebote der Jungenarbeit vorgestellt. Dazu werden sowohl relevante Themen und Inhalte von Jungenarbeit (Punkt 2.6.1), Arbeitsprinzipien, Handlungskonzepte und Methoden (Punkt 2.6.2) wie auch die institutionalisierte Jungenarbeit (2.6.3) dargelegt. Die Ausführungen unter Punkt 2.6.4 fragen danach, ob Präventionsansätze im Rahmen von Jungenarbeit sinnvoll und notwendig sind. Punkt 2.7 knüpft schließlich den Zusammenhang zwischen Gender Mainstreaming und Jungenarbeit und nennt notwendige Genderkompetenzen. Das Fazit (Punkt 3) zeigt u. a. die Grenzen der Jungenarbeit auf und schließt die Arbeit mit einem Blick auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen ab.

Diese Seminararbeit lässt die Theorien, die in Hinblick auf die Jungenarbeit Beachtung finden sollten (u. a. Männlichkeitstheorien, Machttheorien) weitestgehend außen vor, da der Fokus auf den Inhalten der Jungenarbeit liegt. Der Umfang dieser Arbeit würde darüber hinaus diesem Thema nicht gerecht. Die Arbeit verwendet die männliche Schreibweise, die gleichwohl alle anderen Geschlechter einbezieht.

2. Jungenarbeit

Hinter dem Begriff der Jungenarbeit steckt die Idee, dass es „aufgrund unterschiedlicher Lebenslagen sinnvoll ist, mit Jungen auf besondere Weise pädagogisch zu arbeiten" (Bentheim/ May/Sturzenhecker/Winter 2004, S. 8). Dabei betont die Jungenarbeit die „Vielfalt von Junge-Sein in allen denkbaren Facetten" (Prüfer 2016, S. 21).

Eine explizite rechtliche Grundlage für Geschlechterpädagogik, Mädchenarbeit oder Jungenarbeit als Teil der Jugendarbeit findet sich in deutschen Gesetzen nicht. Eine fachliche Notwendigkeit lässt sich allerdings aus dem 8. Sozialgesetzbuch (SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfe) ableiten (Bentheim/May/Sturzenhecker/Winter 2004, S. 26): Nach § 9 Abs. 3 SGB VIII wird die Kinder- und Jugendhilfe dazu verpflichtet, „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern". Jungenarbeit stellt eine Arbeitsform dar, diesem Anspruch gerecht zu werden (Winter 2013, S. 52).

Jungenarbeit beinhaltet jedoch auch pädagogische Spannungsfelder: So muss sie darauf hinwirken, dass Situationen, in denen die Jungen nicht zu den Dominierenden gehören, nicht nur ausgehalten, sondern auch als positiv erlebt werden können. Aber Jungenarbeit muss auch das alltägliche Dominanzverhalten als Bewältigungsstrategie gelten lassen und es zum Ausgangspunkt der pädagogischen Arbeit nehmen (Böhnisch 2013, S. 519).

2.1. Begriffdefinition und Begriffsabgrenzung

Unter dem Begriff der Jungenarbeit wird eine „geschlechtsbezogene pädagogische Arbeit erwachsener Fachmänner mit Jungen" (Bentheim, May, Sturzenhecker und Winter 2004, S. 8) verstanden. Jungenarbeit findet „unter inhaltlichen, fachlichen und strukturellen Vorgaben und ohne Beteiligung von Mädchen oder Frauen statt" (Winter 2013, S. 53) und wird sowohl in Einzel- wie auch in Gruppensettings angeboten (ebd.).

Jungenarbeit grenzt sich inhaltlich ab von pädagogischen Arbeitsformen, die das Geschlecht nicht als expliziten Aspekt einbeziehen (meist koedukative Arbeitsformen), und strukturell von geschlechtshomogener Arbeit mit Mädchen (Mädchenarbeit) und geschlechtsgemischten Arbeitsformen (Winter 2013, S. 53). Arbeitet eine weibliche Fachkraft mit Jungen, wird dies als Crosswork bezeichnet (Prüfer 2016, S. 22). Der Begriff Jungenpädagogik schließt als Oberbegriff „alle Formen geschlechtsbezogener pädagogischer Arbeit mit Jungen" (Winter 2013, S. 53) ein.

Eine geschlechtsbezogene Pädagogik definiert sich als „pädagogische Spezialisierung zum Thema Geschlecht" (BMFSFJ 2007, S. 59). Zentrales Ziel ist eine „Stärkung des Selbstwertes hinsichtlich der Geschlechtlichkeit" (ebd.). Dazu greift die geschlechtsbezogene Pädagogik die Zwänge wie auch die Chancen auf, die sich aus der gesellschaftlichen Anforderung, ,männlich‘ oder ,weiblich’ sein (oder werden) zu müssen, ergeben (ebd).

Diese Arbeit konzentriert sich im Weiteren auf das Arbeitsfeld der Jungenarbeit.

2.2. Entwicklung der Jungenarbeit

Die Jungenarbeit als eigenständiger Bereich der geschlechtsspezifischen Jugendarbeit ist in Deutschland in den 1980iger Jahren entstanden (Böhnisch 2013, S. 518). Auslöser war die damalige Frauenbewegung, die mit „Jugendarbeit ist Jungenarbeit" (ebd.) die Ausrichtung der offenen wie der verbandlichen Jugendarbeit rein an den Bedürfnissen der Jungen, eine mangelnde Berücksichtigung der Mädchen und eine entsprechende soziale wie kulturelle Benachteiligung beklagte (ebd.). Dies hatte nicht nur die Etablierung von geschlechtsspezifischer ,Mädchenarbeit‘, sondern auch von geschlechtsspezifischer ,Jungenarbeit‘ zur Folge (ebd.). Die Jungenarbeit hat sich seitdem aus dem Schatten der Mädchenarbeit heraus zu einem eigenständigen sozialpädagogischen Arbeitsfeld entwickeln können (ebd., S. 519).

2.3. Zielgruppen der Jungenarbeit

Jungenarbeit richtet sich an Jungen, also allgemein an „Kinder und Jugendliche männlichen Geschlechts" (Winter 2013, S. 53). Dieser unpräzise Begriff macht weitere Differenzierungen notwendig: „Zielgruppen von Jugendarbeit sind generell alle Jungen und männliche Jugendlichen: sämtliche Altersstufen und Bildungszugänge, integrierte und marginalisierte Jungen, inländische und solche mit Migrationsbiografien usw." (ebd., S. 54). Dabei gibt es eine enorme „Vielfalt des Jungeseins" (ebd.). Bei Betrachtung der Zielgruppe aus „queerer Perspektive"2 muss die Definition erweitert werden. Demnach sind Jungen „all diejenigen, die sich als solche begreifen [...], aber auch diejenigen, die sich vielleicht nicht als Jungen erleben, aber von anderen so gesehen und auch behandelt werden" (Rieske 2020, S. 383).

2.4. Ziele der Jungenarbeit

Jungenarbeit orientiert sich in ihren Zielvorstellungen nicht nur an der Abwendung von störenden Faktoren, sondern auch und insbesondere an den Potenzialen, die sich aus einem Junge- bzw. Mannsein ergeben. Wird diese Perspektive aus den männlichen Bewältigungsthemen abgeleitet (z. B. Problemlösung durch Gewalt) ist es das Ziel der Jungenarbeit, alternative Problemlösungen aufzuzeigen (Winter 2013, S. 59).

Ein Ziel dabei ist zu vermitteln, dass es „grundsätzlich gut ist und es auch gut geht, in unserer Gesellschaft ein Junge zu sein und ein Mann zu werden" (Winter 2013, S. 59). Bei der Zielsetzung muss eine Balance geschaffen werden zwischen Empathie und Verständnis auf der einen und Verhaltenskorrekturen und das Aufzeigen von Verhaltensalternativen auf der anderen Seite (Sielert 2013, S. 86). Es kommt darauf an, die Botschaften zu erkennen, die hinter dem - nicht immer akzeptablen - Verhalten stehen (ebd.). Zentrale Ziele der Jungenarbeit sind die Entwicklung von Selbstvertrauen, das Erlernen von Wertschätzung von anderen Menschen und Dingen, der positive Umgang mit dem eigenen Körper und der Energie, das Erkennen und der Umgang mit Grenzen und die Bereitschaft, sich auf Verhaltensalternativen einzulassen (ebd., S. 86 ff.). Jungenarbeit muss in ihren Zielen immer ansetzen bei den Jungen selbst und ihren Werten (Prüfer 2016, S. 23). Zur Erreichung dieser Ziele werden Methoden und Handungskonzepte eingesetzt (Sielert 2013, S. 86), die unter Punkt 2.6.2 näher erläutert werden.

Ziel ist es aber auch, durch eine „kritische Analyse von Einschränkungen, welche auf der gesellschaftlichen Konstruktion von Geschlecht basieren" (Kabs-Ballbach/Ullrich/Sauer 2020, S. 552), Jungen in ihrer Entwicklung zu unterstützen (ebd.). Diese gesellschaftlich, aber auch individuell bedingten Lebenslagen werden im folgenden Kapitel erläutert.

2.5. Lebenslagen von Jungen

Jungenarbeit ist vor dem Hintergrund der besonderen Lebenslagen von Jungen und jungen Männern sowohl notwendig als auch sinnvoll (Winter 2013, S. 54). Unter einer Lebenslage werden allgemein die gesellschaftliche Rahmenbedingungen verstanden, in denen wir leben (Bentheim/May/ Sturzenhecker/Winter 2004, S. 36). Diese Lebenslagen bieten pädagogische Anknüpfungspunkte sowohl für individuelle Entwicklungen als auch für soziale Verbesserungen (Winter 2013, S. 58). Die Betrachtung der unterschiedlichen Lebenslagen der Jungen beinhaltet ihre persönliche Realität, persönliche und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch die gesellschaftliche Ebene (Kabs-Ballbach/Ullrich/Sauer 2020, S. 553). .

Winter (2013) differenziert die Lebenslagen in eine Mikro- und eine Makro-Dimension: Auf der Ebene der individuellen Mikro-Dimension werden die Bereiche Körper, Biographie und soziales Netz betrachtet und auf der gesellschaftlichen Makro-Ebene mit den Bereichen Lebensphase, Generation und Gesellschaft verknüpft (ebd., S. 54).

2.5.1. Individuelle Lebenslagen

Die Lebenslage eines Jungen wird durch seinen Körper mitbestimmt und ist für den Jungen „die Eintrittskarte zur Jungenarbeit" (Winter 2013, S. 55). Die Definition „Junge" erfolgt über körperliche Merkmale (Geschlechtsorgane, aber u. a. auch Gene und Hormonspiegel). Über diese biologische Definition hinaus wird dem Jungenkörper aber auch Männliches zugeschrieben und Männlichkeitsbilder werden darauf projiziert (ebd., S. 54). Wie der Junge mit diesen Zuschreibungen umgeht, ob er seinen Körper als „ererbtes Schicksal" (ebd.), „Produkt eigener Leistung" (ebd.) (z. B. durch Sport) oder als Ausdruck des „inneren Selbst" (ebd.) wahrnimmt, bestimmt seine Lebenslage. Oft steht bei Jungen ein schwach ausgeprägter Körperbezug einem starken körperlichen Bewegungsdrang gegenüber; körperliche Aktivitäten sollten daher fester Bestandteil der Jungenarbeit sein (ebd.).

Alle Jungen verfügen über eine eigene Biographie mit geschlechtlichen Erfahrungen, die sich im Verhalten ebenso wie in Ansichten, Zielen etc. ausdrücken. Prägend wirken hier vor allem die Beziehungen zur eigenen Mutter und zum eigenen Vater (Winter 2013, S. 55). In diesem Zusammenhang wird in der Literatur auf die fehlende Männerpräsenz als zentralen Faktor der Jungensozialisation (u. a. Winter 2013, S. 55), insb. in der frühen Kindheit hingewiesen. Fehlende alltägliche Erfahrungen mit Männern (im Kindergarten, in der Grundschule etc.) beeinträchtigen die Lebenslagen von Jungen (ebd.).

Das Soziale Netz wird gebildet aus den familiären Beziehungen, den Freunden bzw. der PeerGroup, aber auch aus institutionellen Beziehungen (u. a. Lehrer, Sozialarbeiter). Die Qualität des Netzes hängt dabei nicht unbedingt von der Größe ab, sondern vielmehr von der Vielfalt und der Beziehungsqualität (Winter 2013, S. 56). Soziale Netze geben Halt und bieten Unterstützung in schwierigen Lebensphasen, können aber auch belastend sein, z. B. aufgrund der Herkunft aus einem marginalisierten Milieu (ebd.). Da ein soziales Netz bei Jungen vergleichbar chancenbestimmend wirkt wie Bildung, kann Jungenarbeit hier bei der Entwicklung, Ausweitung oder besseren Nutzung des Netzwerks unterstützen (ebd.).

2.5.2. Gesellschaftlich bedingte Lebenslagen

Die Lebensphase der Kindheit und der Jugend beeinflusst die Lebenslage des Junge-Seins. Auf der einen Seite ist diese Phase verbunden mit eigener Lebenszeit (der Kindheit, der Jugend); perspektivisch betrachtet ist sie aber auch eine „Zeit des Lernens" (Winter 2013, S. 56) und vor allem „der Aneignung von Geschlechtlichkeit" (ebd.). Insb. in der Jugendphase werden Jungen oft mit entsprechenden Zuschreibungen konfrontiert. Damit können Status, Resonanz und Gruppenkohäsion einhergehen, insb. aus einer Gruppendynamik heraus können aber auch Risiken in Hinblick auf Gewaltbereitschaft oder Risikoverhalten entstehen (ebd.). Durch lebenslagenbezogene Jungenarbeit können in dieser Phase „Konflikte angegangen und bewältigt werden, die quasi von der Kindheit ,übriggeblieben‘ sind und das Junge-Sein betreffen" (ebd., S. 57), z. B. die Auseinandersetzung mit einem oder beiden Elternteile oder mit traumatischen Erlebnissen. Jungenarbeit kann hier unterstützend, fördernd oder vermittelnd tätig werden (ebd.).

[...]


1 Der Begriff ,Jungen‘ schließt in dieser Arbeit auch junge Männer‘ ein.

2 Das Queer-Konzept steht für „die Kritik geschlechts- und sexualitätsbezogener Normen, sofern diese gesellschaftliche Marginalisierungen begründen“ (Rieske 2020, S. 383). In der Jungenarbeit können im Rahmen dieses Konzeptes Annahmen hinterfragt werden; außerdem können Jungen ebenso wie Fachkräfte von „unnötigen normativen Erwartungen“ (ebd.) entlastet werden (ebd.).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Was beinhaltet Jungenarbeit? Ziele, Handlungskonzepte sowie Angebote
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V997047
ISBN (eBook)
9783346368737
ISBN (Buch)
9783346368744
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jungenarbeit, geschlechtsspezifische Arbeit, Jugendarbeit, Kinder- und Jugendhilfe, SGB VIII, Gender Mainstreaming, Jungenpädagogik, geschlechtersensible Arbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, geschlechtsspezifische Ansätze, Genderkompetenz, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, OKJA
Arbeit zitieren
Tina Rüther (Autor), 2020, Was beinhaltet Jungenarbeit? Ziele, Handlungskonzepte sowie Angebote, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997047

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