Englisch als Lingua Franca in der Wirtschaft. Nachteile und Chancen


Essay, 2016

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung in die Themenstellung

2. Sprachnationalismus vs. Mehrsprachigkeit

3. Englisch als Lingua Franca in der Wirtschaft
3.1. Nachteile
3.2. Chancen

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Themenstellung

Eine Sprache sicher sprechen zu können, ist sowohl eine Verbindungsmöglichkeit zwischen Mensch und Umwelt, als auch eine „Grundvoraussetzung des Menschseins“ (Schröder 2009: 57). Diesen Grundsatz befolgend hat die Europäische Union, innerhalb der 23 unterschiedliche Sprachen vereint sind, mit dem Vertrag von Maastricht eine Förderung des Erlernens von Fremdsprachen beschlossen. Vor allem die englische Sprache als Lingua Franca wird in diesem besonders berücksichtigt (Siehe Gerhards 2015: 52f). Die Vorteile scheinen einleuchtend: Gibt es keine Sprachbarrieren mehr, so sind im Alltag, im Beruf oder beispielsweise der Urlaubsplanung viele Vereinfachungen möglich.

In dieser Arbeit soll daher grundsätzlich untersucht werden, ob eine Einheitssprache Englisch auch in der Wirtschaft, bei beispielsweise Auslandsaufenthalten, Nachteile oder Vorteile mit sich bringt, und welche davon am Ende für das Unternehmen überwiegen. Vor der Abwägung von Pro und Contra soll die Mehrsprachigkeit vor dem Hintergrund des lange vorherrschenden Sprachnationalismus kritisch betrachtet werden. Anschließend folgt ein Fazit.

Aus Platzgründen wird in dieser Analyse nicht zwischen den verschiedenen Arten des Englischen unterschieden. Außerdem werden die existierenden Definitionen der Lingua Franca nicht dargestellt, da diese je nach Zeitraum in der Forschung sehr weit auseinander gehen. Die Lingua Franca wird in dieser Arbeit nicht als eine Einheitssprache verstanden, die alle anderen Muttersprachen ablösen, sondern als eine Sprache, die diese nur ergänzen soll.

Die Literaturlage dieser Forschungsfrage ist groß, da die Diskussion sowohl schon lange wissenschaftlich betrachtet wird und aktueller denn je ist, als auch weltweit Interesse findet und daher aus vielen Sprach-Perspektiven ständig neu betrachtet wird. Die hier verwendete Literatur beschäftigt sich hauptsächlich mit der Mehrsprachigkeit in der Wirtschaft und ist ausschließlich auf Englisch und Deutsch.

Für diese Arbeit waren drei Analysen von besonderer Betrachtung. Das „Plädoyer für die Förderung der Lingua franca Englisch“ des Soziologen Jürgen Gerhards von 2012 ist damit zwar nicht brandaktuell, aber immer noch zeitgemäß und beleuchtet die Sprache Englisch als Einheitssprache in politischen und wirtschaftlichen Abläufen sehr detailliert. Die groß angelegte Untersuchung von Robert Reck zum Thema „Kultur und Sprache im Geschäftsbericht“ von 2016 stellt verschiedene Statistiken und Forschungen zur Einheitssprache Englisch vor und betrachtet sie vor allem aus linguistischer Perspektive. Die Monografie von Karl-Heinz Göttert mit dem Titel „Ab- schied von Mutter Sprache" von 2013 untersucht die Lingua Franca vor dem Aspekt der Wichtigkeit der deutschen Muttersprache und den daraus resultierenden möglichen Verlusten für die eigene Kultur.

2. Sprachnationalismus vs. Mehrsprachigkeit

Vor dem Hintergrund der Globalisierung scheint eine allgemeine Mehrsprachigkeit obsolet, und die Förderung einer einheitlichen Verständigungsmöglichkeit ist spätestens mit der immer fortschreitenden Digitalisierung unbedingt nötig geworden (Siehe Gerhards 2015: 51).

Der Begriff des Sprachnationalismus verschließt sich zwar nicht gänzlich dem digitalen Fortschritt und der damit verbundenen Notwendigkeit einer Verständigung über Ländergrenzen hinweg, und erkennt dem Englischen als meist-gesprochene Sprache der EU große Vorteile an, benennt jedoch vor allem große Probleme. Kritiker einer Mehrsprachigkeit oder einer Einheitssprache formulieren, dass Muttersprache und Identität eng verknüpft sind. Ein Verlieren der Muttersprache würde sogar zu „psychischer Instabilität" (Jeppesen 2008) führen können.

Im Gegensatz dazu fordern viele Wissenschaftler die Mehrsprachigkeit auf jener Basis, dass scheinbar „Einsprachigkeit [kein] natürlicher Zustand" (Schröder 2009: 60) sei. Als Argument werden hier unter anderem Dialekte innerhalb der deutschen Sprache genannt.

Die Pläne zu einer Umsetzung der gewünschten Mehrsprachigkeit wirken allerdings schwer realisierbar. Die EU fordert einheitliche Fremdsprachen-Kurse in den Schulen und spezielle Förderung in beispielsweise Wettbewerben (Siehe Schröder 2009: 63f).

Die Mehrsprachigkeit der EU mit dem Ziel der Vereinfachung der Kommunikation untereinander, ohne die einzelnen Muttersprachen verkümmern zu lassen, stellt den Bürgern die Wahl der Fremdsprache nicht nur frei, sie hebt vor allem die englische Sprache als allgemeingültige Lingua Franca, als neutrale Fahrzeugsprache, weltweit in den Fokus.

Diese Wahl scheint einleuchtend. Nicht nur ist Englisch eine sehr leicht zu erlernende Sprache, denn viele Standartwörter sind kurz und die Aussprache ist einfach. Die Vorteile liegen primär nämlich darin, dass es die meist gebrauchte Sprache weltweit ist und daher bereits von einer großen Mehrheit der Bürger als die erste Fremdsprache neben der Muttersprache erlernt wurde (Siehe Gerhards 2015: 54). Wie in Abbildung 1 zu sehen, ist Englisch in den 27 Ländern der EU mit 45,9 Prozent die meist gesprochene Sprache, mit einem, allerdings deutlichen Abstand, gefolgt von Deutsch mit 28,7 Prozent und Französisch mit 22,4 Prozent. Nachfolgend erst gesprochen werden Italienisch, Spanisch und Russisch (Siehe Gerhards 2015: 54). Eine Verständigung in Englisch scheint also am effizientesten.

Betrachtet man außerdem die Altersgruppen und ihre jeweiligen Englischkenntnisse in Abbildung 2, wird eine exponentielle Steigerung des Sprechvermögens deutlich. Die jüngeren Generationen haben eine merklich höhere Motivation, Englisch als erste Fremdsprache zu erlernen als die älteren, da es aktuell viel mehr Bürger gibt, die sie bereits beherrschen, und da diese Zahl kontinuierlich exponentiell steigt (Siehe Gerhards 2015: 54). Bedenkt man hier nun, dass mit der Zeit die Zahl der Englischen Muttersprachler nicht merklich gestiegen ist, wohl aber der „Anteil derer, die Englisch und keine andere Fremdsprache sprechen" (Gerhards 2015: 55), werden die großen Vorteile dieser Sprache in der ganzen Europäischen Gemeinschaft und auch weltweit deutlich.

Betrachtet man allerdings die Sprachpolitik der EU, nach der die Bürger der „27 Länder jeweils unterschiedliche Fremdsprachen erlernen" (Gerhards 2015: 55) sollen, um Verständigung zu optimieren, fällt ein großer Nachteil auf. Wenn beispielsweise die Menschen zweier Nachbarländer unterschiedliche Sprachen sprechen und zusätzlich nicht die gleiche Fremdsprache, zum Beispiel die des Nachbarlandes, erlernen, haben sie keine Möglichkeit zu kommunizieren (Siehe Gerhards 2015: 55). Die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Personen mit der gleichen „FremdsprachenKombination" (Gerhards 2015: 55) treffen und verständigen können, ist aufgrund der Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten innerhalb Europas sehr gering. Eine bessere Verständigung durch eine selbst gewählte, höhere Fremdsprachenkompetenz sei demnach nicht automatisch gegeben.

Die Förderung des Englischen als die eine Fremdsprache bringe also viele Vorteile mit sich: eine steigende Flexibilität der Bürger Europas bei der Berufs- oder Ausbildungsauswahl und auch bei der Planung der Freizeit werde voraussichtlich erreicht. Aber auch der Handel würde Aufschwung erfahren, sodass ein Wirtschaftswachstum abzusehen sei (Siehe Gerhards 2015: 55).

3. Englisch als Lingua Franca in der Wirtschaft

Globalisierung spielt in der heutigen Zeit in jedem Aspekt des Lebens eine große Rolle, in der Werbung, Mode, Wissenschaft und ganz besonders in der Wirtschaft. Die nun möglichen internationalen Verflechtungen haben nicht nur Einfluss darauf, wo gehandelt wird, sondern mit wem und auch wie Geschäfte gemacht werden. Vor dem Hintergrund der Internationalität scheint eine einheitliche Möglichkeit der Kommunikation unausweichlich. Daher geht der Trend bereits in Schulen, aber auch in Unternehmen, weg vom Sprachnationalismus und hin zur Mehrsprachigkeit. Dies ist wichtig, um gegenüber Wettbewerbern Vorteile zu erzielen, oder sogar nur Schritt zu halten. Im Folgenden soll beleuchtet werden, ob Unternehmen von einer einheitlichen Lingua Franca profitieren, oder ob dadurch für die Mitarbeiter sogar Nachteile oder Probleme entstehen könnten.

3.1. Nachteile

Ein schwieriger Faktor, den die Sprache Englisch als Lingua Franca für Unternehmen bedeutet, ist der finanzielle Aufwand. Zwar ist für den einfachen Verkauf, beispielsweise im Einzelhandel „die beste Sprache die des Kunden" (Göttert 2013: 147) selbst, dennoch ist Englisch die globale Sprache für den Handel.

Viele Unternehmen exportieren nicht nur in andere Länder, sondern haben mittlerweile Niederlassungen oder Produktions-Standorte ausgelagert. So müssten Firmen also nicht nur für die Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten, sondern auch für die erfolgreiche interne Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen einzelnen Niederlassungen, aktiv dafür sorgen, dass alle Angestellten, aber vor allem die älteren Mitarbeiter (Siehe Abb. 2), die Einheitssprache Englisch auf einem angemessen hohen Niveau beherrschen (Siehe Göttert 2013: 147) - falls man sich gegen Übersetzer und für die Unterstützung der Lingua Franca entscheiden würde.

Dazu gehören im besten Fall das Anbieten von Englisch-Sprachkursen und dazugehörigem Lernmaterial, genau so wie die Anstellung von nötigen Lehrern. Das bedeutet auch, dass Mitarbeiter Zeit dafür investieren müssten, ihr Englisch zu verbessern, anstatt ihrer Arbeit nachzugehen. Das kann für Unternehmen nicht nur logistisch eine große Aufgabe darstellen, sondern ist auch ein enormer finanzieller Aufwand. Selbstverständlich muss hier jedes Unternehmen selbst entscheiden, wie wichtig die Zweisprachigkeit für das Unternehmensziel ist, und inwieweit man die Sprache Englisch in die alltäglichen Abläufe in die jeweils einzelnen Niederlassungen integriert, etwa indem man eine englischsprachige Mitarbeiterzeitschrift herausgibt oder englischen Schriftverkehr fordert. In jedem Fall ist es eine wirtschaftliche Herausforderung, deren Erfolg individuell untersucht werden müsste.

Neben materiellen Problemen, kann es für die Angestellten der Firmen auch zu anderen, nicht messbaren Nachteilen kommen, wenn die Muttersprache hinter dem Englischen zurückfällt. Bei der Vereinheitlichung einer ersten Fremdsprache, würden nämlich außerdem in Bezug auf Kultur und Identität des Einzelnen deutliche Defizite auftreten. Scheinbar „[bedrohe ein] sprachlicher Bedeutungsverlust auch die Kultur" (Gerhards 2015: 55), ein dominierendes Argument in der gängigen Forschung über die Lingua Franca (Siehe Göttert 2013: 278). Eine nachhaltige Bewertung scheint aktuell aber unmöglich, so wird dieses Thema nämlich oft angeschnitten, aber nie zweifelsfrei beantwortet (Siehe Göttert 2013, Gerhards 2015 o. Schröder 2009).

Es ist allerdings nicht zu leugnen, dass es diese grundsätzlichen kulturellen Unterschiede gibt und sie sich im interkulturellen Auftreten und im Sprachgebrauch äußern können. Wie in Abbildung 3, dem „Schema kultureller Denkmuster" (Reck 2016: 53) dargestellt, gibt es in den verschiedenen Kulturen mannigfaltige Denkweisen, die für den reisenden Geschäftsmann oder für Studenten im Ausland schnell zu einem Kulturschock beitragen können. Das Schema zeigt, dass beispielsweise EnglischMuttersprachler augenscheinlich ein sehr direktes Denkmuster aufweisen, Menschen einer orientalischen Sprache weniger linaer argumentieren, und romanische oder russische Muttersprachler scheinbar sogar sehr ausschweifend und vom Thema abkommend denken. Eine zwar strukturierte, aber simultane Denkweise wird den semitischen Muttersprachlern zugesprochen (Siehe Reck 2016: 53).

Es ist zu erwarten, dass sich diese Art und Weisen des Denkens auch in den Sprachgebrauch, also in „Argumentations- und Erzähl[strukturen]" (Reck 2016: 53) übertragen lassen, selbst wenn einheitlich auf Englisch kommuniziert wird. Das kann unseriös wirken und sogar den Erfolg oder Misserfolg einer Geschäftsreise ausmachen. Ein professioneller Dolmetscher, der anstatt einer Lingua Franca eingesetzt würde, könnte hier das Konfliktpotenzial entladen, da er die Kulturen beider Länder bestenfalls so gut kennt, dass er die besonderen sprachlichen Eigenheiten beider Seiten professionell auf eine gemeinsame Ebene heben, und die Kommunikation somit erfolgreich gestalten könnte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Englisch als Lingua Franca in der Wirtschaft. Nachteile und Chancen
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V997255
ISBN (eBook)
9783346368379
ISBN (Buch)
9783346368386
Sprache
Deutsch
Schlagworte
englisch, lingua, franca, wirtschaft, nachteile, chancen
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Englisch als Lingua Franca in der Wirtschaft. Nachteile und Chancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997255

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