Die Todesstrafe in der Spannung zwischen Legalität und Inhumanität - gezeigt am Werk von John Grisham "Die Kammer"


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

20 Seiten, Note: 1+


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Gliederung

1. Prolog

2. Biographie John Grisham

3. Inhaltsangabe ,,Die Kammer"

4. Die Geschichte der Todesstrafe
4.1. Die Geschichte der Todesstrafe im Allgemeinen
4.2. Die Geschichte der Todesstrafe in den USA

5. Die Todesstrafe in der Spannung zwischen Legalität und Inhumanität

6. Epilog

7. Quellen

8. Eidesstattliche Erklärung

1. Prolog

Im Juli / August 1999, in einem Strandkorb, an irgendeinem Ostseestrand, fiel mir ein Roman aus der Feder eines gewissen John Grisham in die Hände.

Sein Name - ,,Die Kammer". 608 Seiten spannendster Entwicklungen um den zu Tode Verurteilten Sam Cayhall, und wie es mir damals schon erschien, ein hervorragender Thriller, der in einer Zeit spielt, wo der Bezug zur heutigen Zeit höchst aktuell ist.

Schon damals, dachte ich darüber nach, wie es sein kann, daß ein Staat ein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen - ,,dem legalen Mord" - sühnt? Ist nicht diese Hinrichtung im Namen des Gesetzes auch ein Verbrechen, ein Mord? Hat nicht auch ein Mörder ein Recht auf Leben? Und vor allem, welches Recht hat der Mensch über Leben und Tod seiner Mitmenschen zu entscheiden?

Auch der Autor bezieht in seinem Roman durch seine handelnden Personen klar Stellung zur Todesstrafe. Mehr als einmal sagt er durch seine Romanfiguren, daß er gegen die Todesstrafe ist.

Da ich selbst auch diese Art von Bestrafung für ein Verbrechen ablehne, dachte ich mir, dieses Thema in der zu schreibenden Facharbeit zu erarbeiten.

2. Biographie John Grisham

John Grisham wurde 1955 in Jonesboro, Arkansas als fünftes Kind geboren.1 In seiner Kindheit war er gezwungen oft seinen Wohnort zu wechseln, da sein Vater Bauarbeiter war. Jedoch als Grisham 12 Jahre alt war, ließ sich die Familie Grisham endgültig in Southeaven nieder, wo er die High School besuchte. In dieser Zeit stellte er seine Ausbildung nicht an die erste Stelle, denn er wollte wie viele junge Amerikaner ein guter Baseballspieler werden. Der Sport führte ihn an das Northwest Mississippi Junior College.

Doch erst auf der Delta State University, zu der er ein Jahr später wechselte, merkte er, daß er nicht zum Baseballspieler geboren war.

Nach einem Wechsel auf die Mississippi State University, konzentrierte er sich in erster Linie auf sein Studium. Er entschied sich nun Rechtsanwalt zu werden.

In Mississippi schloß er 1977 die Universität ab und besuchte danach die Rechtsanwaltsschule an der University of Mississippi.

Nach seinem Abschluß 1981, heiratete noch im selben Jahr Renee Jones. Er gründete eine Anwaltskanzlei, die auf Strafrechtsfälle spezialisiert war. Diese leitete er bis 1991.

In seiner Zeit an der Mississippi State University begann er zwei Bücher zu verfassen, die er jedoch niemals beendete.

Erst 1986 beendete er sein erstes Buch, ,,Die Jury". Seine Verlagssuche dafür, war nicht einfach. Doch nach langer Suche hatte er bei Wynwood Press Erfolg. Er bekam eine Auflage von 5.000 Stück. Schon während diese 5.000 Exemplare auf den Markt kamen, arbeitete er schon an ,,Die Firma", und noch im selben Jahr an ,,Die Akte". ,,Die Firma" - sein erster großer Erfolg (auf der Bestsellerliste der New York Times), führte dazu, daß er sein Hobby, zu schreiben, zum Beruf machte. Noch bevor das Buch wirklich in den Läden zu kaufen war, erwarb Paramount Pictures bereits die Rechte für die Verfilmung für 600.000 $.

Doubleday wurde zu seinem Verlag für Hardcoverausgaben. Die Rechte für die Taschenbuchausgaben erwarb Dell.

Nach dem Verkauf der Rechte für die Verfilmung zog Grisham von Southeaven in die Nähe von Oxford auf eine Farm. Sein nächstes Buch ,,Die Akte" erschien 1992, zeitgleich wurde aus nachvollziehbaren Gründen ,,Die Jury" ein zweites Mal publiziert, und wurde diesmal ein großer Erfolg.

Seit 1992 schreibt Grisham jedes Jahr ein Buch, welche bisher alle Bestseller wurden, sechs davon (,,Der Klient", ,,Die Akte", ,,Die Firma", ,,Die Jury", ,,Die Kammer" und ,,Der Regenmacher") wurden bereits verfilmt.

John Grisham lebt heute in Charlottesville, Virginia. Die Hälfte des Jahres verbringt er mit dem Schreiben, in der anderen Hälfte des Jahres trainiert er das kleine Baseballteam seines Sohnes und/oder ist in karitativen Angelegenheiten unterwegs.

Medienrummel liebt er nicht besonders, er hat am liebsten seine Ruhe, um ungestört von Reportern ein ganz normales Familienleben zu haben.

3. Inhaltsangabe ,,Die Kammer"

Wir befinden uns im Süden der USA, dort wo der Rassismus immer noch guten Nährboden findet.2 Die Dienerschaft ist bevorzugt schwarz und ekelhafte Typen mit weißen Kutten und Kapuzen laufen unverhaftet auf den Straßen herum.

Im Staat Mississippi tötete vor 28 Jahren eine Bombe die beiden fünfjährigen Zwillingssöhne eines jüdischen Bürgerrechtsanwaltes, der sich für die Rechte schwarzer Amerikaner einsetzte. Der Vater, Marvin Kramer, verlor beide Beine und brachte sich später selbst um.

Als Täter wurde Sam Cayhall gefaßt, ein unbelehrbarer Rassist, der stolz auf seine Serie von Bombenattentaten war. Doch die Geschworenenjury gelangte 1967 nicht zu einem einhelligen Schuldspruch, da in der Jury viele Rassisten saßen, die ebenso dachten wie Sam Cayhall.

Somit konnte der Angeklagte Mörder den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Zwölf Jahre später: ein ehrgeiziger Staatsanwalt betreibt mit Erfolg die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Im Staat Mississippi hat sich seitdem viel verändert.

Die Jury befindet Sam Cayhall des Mordes für schuldig, obwohl er behauptete, er hätte niemals jemanden umbringen wollen.

Nun sitzt Sam Cayhall in der Todeszelle und es sieht aus, als ob alle juristischen Eingaben vergebens waren, und das Urteil nach 25 Jahren vollstreckt wird.

1990: Sam Cayhall sitzt nun bereits seit 9 ½ Jahren im Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses von Mississippi.

In der großen Anwaltsfirma Kravitz & Bane in Chicago, die Sam Cayhall bei seinem letzten Verfahren vertreten hat, bewirbt sich im selben Jahr Adam Hall, einer der jüngsten Anwälte der Kanzlei, um die Arbeit am Fall Cayhall. Er stößt auf Unverständnis: der Prozeß ist verloren, der Hinrichtungstermin steht fest, in wenigen Wochen wird Sam Cayhall seinen letzten Gang antreten. Was in aller Welt veranlaßt Adam Hall, sich so verbissen um diesen hoffnungslosen Fall zu bemühen? Der junge Anwalt und der zum Tode Verurteilte sind einander noch nie begegnet. Dennoch verbindet sie eine persönliche Beziehung, die Adam Hall keine Wahl läßt. Er will alles tun, was getan werden kann, um Sam Cayhalls Hinrichtung wenn nicht zu verhindern, so doch zumindest hinauszuzögern. Und ihm bleibt dazu nur verzweifelt wenig Zeit.

Adam Hall drängt sich in die scheinbar hoffnungslose Verteidigung:

Barsch weist ihn Sam zuerst zurück, jedoch der alte Mann erkennt dann schnell, daß sein Enkel vor ihm sitzt.

Trotzdem dauerte es einige Zeit bis Adam Hall das Vertrauen seines Großvaters erringen kann. Gleichzeitig beschäftigt er mehrere Gerichte mit Eingaben und Revisionen, während der stellvertretende Gefängnisdirektor bereits erste Probedurchläufe in der Gaskammer plant.

Familie und die Tradition spielen eine große Rolle in dem Roman von John Grisham. Wieder wühlt sich der Erfolgsautor in das schwierige Gebiet zwischen Recht und Gerechtigkeit ein, diesmal erforscht er zudem die Wurzeln von Haß und Rassismus.

Sam Cayhall ist Mitglied im mörderischen und haßerfüllten Ku - Klux - Klan, wie schon Vater, Großvater und Urgroßvater es waren. Als kleiner Junge erlebte er zahlreiche Lynchmorde an Afroamerikanern.

Die Urteilsfindung für den Leser scheint klar zu sein. Doch das Fesselnde an "Der Kammer" (gemeint ist der Hinrichtungsort, eine abgeschlossene Kammer für den Tod durch Vergasung) ist die Komplexität, mit der Sams Figur dargestellt wird. Hinter der verachtenswerten Lebens- und Geisteshaltung wird ein Mensch gezeigt, der zu wenig Liebe erhielt und nie welche geben konnte.

Daß vielleicht ein Unbekannter die Uhr der Bombe gestellt hat, interessiert dabei nur am Rande. In den Hintergrund geraten auch politische Positionen, die Enthüllungen und die Figur des jungen Anwalts Adam, der sich bewähren, aber vor allem die Vergangenheit seiner Familie erhellen will. Zwischen Sam und Adam fand der Bruch statt: Auch Adams Vater erlebte eine Hinrichtung. Sam erschoß im Streit einen schwarzen Angestellten. Doch der Sohn des Rassisten trug lebenslang an seiner Mitschuld. Als Sam nach dem Bombenanschlag verhaftetet wurde, änderte die ganze Familie ihre Namen. Die Existenz des ,,rassistisch - weißen Schafes" erwähnte niemand mehr. Aber mit Adams Verteidigung kommt auch die Tochter Sams wieder an das Licht der Öffentlichkeit.

Dennoch waren allen Bemühungen des ehrgeizigen Anwaltes umsonst. Sam Cayhall wurde in der Gaskammer hingerichtet.

Darüber hinaus führt John Grisham mit seinen handelnden Personen im Roman eine engagierte Diskussion über die Todesstrafe.

4. Die Geschichte der Todesstrafe

4.1. Die Geschichte der Todesstrafe im Allgemeinen

Die Todesstrafe hat eine lange Geschichte.3 Es begann in frühgeschichtlicher Zeit mit Menschenopfern, um die Götter zu besänftigen, um eine reiche Ernte und Schutz gegen Krankheiten von ihnen zu erbitten.

Schon unter den primitiven Völkern wurden Menschen zum Tode verurteilt. Damals gab es noch keine niedergeschriebenen Gesetze.

Bei den Babyloniern gab es die ersten geschriebenen Gesetze, welche die Todesstrafe regelten. Dies war der Hammurabi Code.

Diese Gesetzgebung sah die Todesstrafe für Diebstahl, Mord und Fehler bei der Arbeit vor. Schon damals wurden Verbrechen gegen reiche, angesehene Menschen härter bestraft als Verbrechen gegen arme Menschen.

Im alten Griechenland war die Todesstrafe ebenfalls in Gebrauch. Hier war es Sitte, dass die Familie des Opfers die Initiative ergreifen mußte, sollte der Täter hingerichtet werden.

Die Phönizier, ein See- und Handelsvolk aus Syrien entwickelte die Kreuzigung, die dort um 1000 v. Chr. ihre Blütezeit erlebte Rom galt in der alten Welt als Hauptstadt von Kultur, Philosophie und Künste. Aber gerade römische Kaiser waren bekannt für strafrechtliche Ausschweifungen in ihrem Machtrausch.

Im Europa des Mittelalters kamen große Machtkonflikte durch die vielen Machthaber auf, die das Feudalsystem hervorbrachte. So hatten auch viele die Macht, über Bestrafungen zu verfügen, selbst wenn es um Verbrechen wie Mord ging. Hingerichtet wurde damals durch Köpfen, Hängen, Ertränken und Folterung bis zum Tode.

Lange Zeit wurden in Europa Menschen aufgrund der von ihnen vertretenen Meinung hingerichtet. Die Fusion von politischer und religiöser Macht war während mehrerer Jahrhundert Grund dafür, dass Menschen zum Tode verurteilt wurden, die sich kritisch gegenüber der Kirche äußerten. Dieses traf im besonderen die Wissenschaftler. Die Zeit der Inquisition ist hier besonders hervorzuheben. In Frankreich wurde je nach sozialer Klasse verschieden hingerichtet. Der einfache Bürger wurde gehängt, die Guillotine war den Reichen vorbehalten. Hinzu kam eine Unterscheidung nach der Schwere und Art der Tat. Das Rad kam bei schwersten Verbrechen zum Einsatz, Verbrennen bei religiösen "Verbrechen" und Vierteilung bei Verbrechen gegen den Staat. Während der Französischen Revolution wurde die Guillotine als einzige Hinrichtungsmethode für alle beibehalten.

Bis ins 19. Jahrhundert bildete die "Constitutio Criminalis Caroli" Grundlage des Strafrechts in Mitteleuropa. Es war die Gerichtsverordnung von Kaiser Karl V. und des Heiligen Römischen Reiches. So bestand sie genauso aus germanische Traditionen wie auch aus Bestandteilen des bereits wissenschaftlicheren italienischen Strafrechts.

Die Todesstrafe in der ,,Carolina" war der Höhepunkt einer Reihe von Verstümmelungsstrafen. Für unterschiedliche Verbrechen wurde unterschiedlich hingerichtet. So wurden Brandstifter, Zauberer, Hexen und Kirchenräuber verbrannt, Verräter gevierteilt, Mörder gerädert, Kindsmörderinnen lebendig begraben und gepfählt oder ertränkt, Einbrecher erhängt, Totschläger, Räuber, Aufrührer und Abtreiber enthauptet.

1838 wurde mit einem 9jährigen Brandstifter in England das letzte Kind hingerichtet. Zu der Zeit stand in England noch auf 200 Tatbestände die Todesstrafe. Uruguay hatte sie bereits abgeschafft. Selbst dem Abgeordneten Sir Robert Peel fiel 1830 auf, dass die Todesstrafe in England häufiger zur Anwendung kam als in jedem anderen Land der Welt. Allein in London gab es jährlich über 100 öffentliche Hinrichtungen.

Bis zum Ende des 18. Jahrhundert nahm die Todesstrafe einen breiten Raum im Justizsystem ein, erst dann wuchs allmählich Widerstand. Die am meisten bekannte Arbeit über die Ungerechtigkeit der Todesstrafe kam damals vom italienischen Juristen Cesare Beccaria.

In seinem 1764 erschienenen Werk "Die Delitti E Delle Pene" (Über Verbrechen und Strafen) schrieb er über die Ineffektivität der Todesstrafe, wenn es um die Vermeidung von Verbrechen geht und über mögliche Justizirrtümer und kam schließlich zu der Überzeugung, die Todesstrafe müsse abgeschafft werden. Beccaria's Arbeit wurde über die Grenzen Italien bekannt und beeinflußte die Reformation der Justizsystems.

Das 19. Jahrhundert brachte dann auch in vielen Ländern die Abschaffung der Todesstrafe, die durch lebenslange Freiheitsstrafe ersetzt wurde.

In Deutschland ist die Todesstrafe durch Artikel 102 des Grundgesetzes abgeschafft. Diese mit großer Mehrheit getroffene Entscheidung des parlamentarischen Rates ist als Reaktion auf den nationalsozialistischen Umgang mit dem Leben zu erklären.

Sie ist aber auch Folge der Überzeugung, daß ein Staat, der Unantastbarkeit und Schutz der Menschenwürde an den Anfang seiner Verfassung stellt, nicht selbst als Sanktion dem verurteilten Täter das Leben nehmen dürfe.

Im Jahr 1985 trat ein internationales Abkommen in Kraft, daß in ganz Westeuropa die Todesstrafe in Friedenszeiten verbietet.

4.2. Die Geschichte der Todesstrafe in den USA

Die Todesstrafe hat den USA eine lange Geschichte.4 Besonders in den Südstaaten wurde von ihr Gebrauch gemacht. Wurden z.B. in den nördlichen Staaten zwischen 1930 und 1967 403 Menschen hingerichtet, waren es in den Südstaaten 2307. Nicht nur Mord, sondern auch Vergewaltigung wurden dort mit der Todesstrafe gesühnt, vor allem wenn es sich um schwarze Täter und weiße Opfer handelte. Zwischen den Jahren 1924 und 1964 wurden beispielsweise in Georgia 82 Weiße und 304 Schwarze hingerichtet.

Schon Anfang des 19. Jahrhundert gab es Gruppen, die für die Abschaffung der Todesstrafe kämpften. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs der Widerstand.

In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts wurden Studien über rassische Diskriminierung, Voreingenommenheit durch Geschworene und Willkür bei der Verhängung der Todesstrafe erarbeitet. Mit Hilfe von Anwälten und der Amerikanischen Bürgerrechtsbewegung legten immer mehr zum Tode Verurteilte bei den Bundesgerichten Rechtsmittel ein und stellten die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafe in Frage.

In Erwartung des Urteils des Obersten Gerichts fanden nach 1967 keine Hinrichtungen mehr statt.

Der Fall Furman gegen Georgia setzte 1972 die Todesstrafe in den USA außer Kraft. Mit 5 zu 4 Stimmen entschied der Oberste Gerichtshof, die Todesstrafe sei "grausam und ungewöhnlich" und verstößt gegen den 8. und 14. Zusatz der Verfassung (der 8. Zusatz verbietet grausame und ungewöhnliche Strafen, der 14. Zusatz verpflichtet den Staat zu fairem Prozeß). Eine große Rolle bei der Entscheidung spielte die "willkürliche und unberechenbare" Anwendung der Todesstrafe. Auch wenn sich das Gericht hier konkret auf den Fall Furman bezog, setzte es damit die Todesstrafe insgesamt außer Kraft, da die Gesetze in allen Staaten ähnlich formuliert waren.

Nach dieser Entscheidung wurden die Gesetze in den einzelnen Staaten überarbeitet. Der Ermessensspielraum von Richtern und Geschworenen wurde eingeschränkt. Man schrieb zum Beispiel in einigen Staaten für bestimmte Verbrechen zwingend die Todesstrafe vor. In anderen Staaten führte man einen kontrollierten Ermessensspielraum ein. Bereits 1975 waren in 33 Staaten veränderte Todesstrafengesetze verabschiedet.

In der Zeit 1976 - 1978 gab es Urteile des Obersten Gerichtshofs zur Wiedereinführung der Todesstrafe. Eines der wichtigsten war das Urteil im Fall Gregg gegen Georgia von 1976. Mit 7 zu 2 Stimmen wurde entschieden, die überarbeiteten Gesetze seien Verfassungskonform.

Die Überarbeitungen enthielten: Bei Prozessen mit möglicher Todesstrafe gliedert sich der Prozeß in den Teil der Schuldfindung und den Teil der Strafzumessung. Wird der Angeklagte schuldig gesprochen, wird also in einer zweiten Verhandlung darüber entschieden, ob er zu lebenslanger Haft oder zum Tode verurteilt wird. Dabei kommen mildernde und erschwerende Umstände zum Tragen. Außerdem schrieben die neuen Gesetze eine standardmäßige Überprüfung von Todesurteilen durch das höchste Berufungsgericht des jeweiligen Staates vor.

Zu der Zeit wurde die zwingende Todesstrafe bei verschiedenen Verbrechen als verfassungswidrig erklärt. Danach mußten 21 Staaten erneut ihre Gesetze überarbeiten.

Im allgemeinen liegt ein Kapitalverbrechen (mit der Möglichkeit der Todesstrafe) nur dann vor, wenn es sich um Mord ersten Grades unter erschwerenden Umständen handelt.

Am häufigsten wird die Todesstrafe bei Mord in Tateinheit mit anderen Verbrechen verhängt. Die "felony murder rule" stammt aus dem englischen Strafrecht des 17. Jahrhunderts und besagt, dass wenn jemand bei der vorsätzlichen Ausführung eines Verbrechens jemanden tötet, wird auch für diese Tötung ein Vorsatz geltend gemacht.

Noch heute verfahren Staaten nach dieser Regel und auch die Verhängung der Todesstrafe gegen Komplizen wird in einigen Staaten noch angewendet.

Derzeit ist in 38 von 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika die Todesstrafe im Gesetz verankert.

5. Die Todesstrafe in der Spannung zwischen Legalität und Inhumanität

Der Autor bezieht mit seinem Roman "Die Kammer" ganz eindeutig Stellung gegen das amerikanische Rechtssystem.

Im Roman unterhalten sich die Tochter vom zu Tode verurteilten Sam Cayhall und sein Anwalt und Enkel Adam Hall über die Todesstrafe. Lee Cayhall, die Tochter sagt: "Ich bin gegen die Todesstrafe. Es ist barbarisch, unmoralisch, diskriminierend, grausam, unzivilisiert - ich unterschreibe jedes dieser Worte."5

So läßt Grisham seine handelnden Personen die Problematik der Todesstrafe diskutieren. Zu jeder These die er für die Todesstrafe aufstellt, findet er auch eine Antithese. Letztendlich kommt er immer wieder zu der Schlußfolgerung, daß die Todesstrafe unmenschlich und menschenverachtend ist.

Als ich mir Gedanken über das Thema Todesstrafe machte, dachte ich darüber nach, was überhaupt der Sinn von Strafe ist und mir viel folgendes dazu ein.

Ein Kind bekommt Hausarrest, weil es etwas falsch gemacht hat. Das Kind soll dadurch richtiges Verhalten lernen, aber es kann nicht das Ziel sein, daß das Kind leidet.

Strafe soll erziehen. Dies setzt aber Erziehungsfähigkeit des zu Bestrafenden voraus.

Jetzt kann man natürlich sagen, daß nicht jeder Mensch erziehungsfähig ist, oder sich erziehen lassen will. Dies könnte man dann als Argument für die Todesstrafe verstehen. Jedoch setzte ich dagegen, daß mit der Hinrichtung eines Menschen, ihm nicht die geringste Chance gegeben wird, durch Einsicht und Lernen aus den Fehlern, dem eigenen Leben eine Wende zu geben.

Selbst wenn ein zum Tode Verurteilter sich in den Jahren, in denen er auf seine Hinrichtung wartet zum Positiven entwickelt, beispielsweise durch Drogenentzug oder durch Hinwendung zum Glauben an Gott, hat dies keinerlei Auswirkung auf die verhängte Strafe. Den Tod.

Auch der mehrfache Mörder Sam Cayhall, dessen bisheriges Leben von Haß und Rassismus geprägt war, der sein ganzes Leben, von Kindheit an aktives Mitglied im Ku - Klux - Klan war und dessen Lebensweg jede Menge von ihm ermordeter Menschen pflasterten wie sein afroamerikanischer Nachbar Joe Lincoln den er kaltblütig erschoß, oder die beiden Männer die seinen Vater umbrachten, sowie der Lynchmord als er gerade 15 Jahre alt war und noch ein Lynchmord des Klans an einem schwarzen Jungen Namens Cletus und letztlich das Bombenattentat bei dem die beiden Kramer Zwillinge6 ums Leben kamen, kam nach zehn Jahren im Todestrakt zu der Einsicht das er in seinem Leben viele Fehler gemacht hat. Er sagt: "Ich habe es viele Jahre bedauert, alles, was passiert ist. Es war unrecht dem Klan anzugehören, alle und jeden zu hassen und diese Bomben zu legen."7 Bezüglich des Bombenattentats wegen dem er letztlich angeklagt wurde sagt der zum Tode Verurteilte an anderer Stelle des Buches: "Ich habe mir Tausende von Malen gewünscht, ich hätte es nicht getan."8

Dies zeigt, daß der Rassist Sam Cayhall sein ganzes Leben grundlegend geändert hat, aber trotzdem nützt es ihm nichts, der Staat Mississippi schickte ihn letztendlich in die Gaskammer.

Natürlich ist es völlig richtig, daß Sam Cayhall in seinem Leben eine sehr große Schuld auf sich geladen hat. Somit ist auch nicht von der Hand zu weisen, daß ein Mensch wie Cayhall eine harte Strafe verdient hat.

Aber ist die legale Tötung durch den Staat der richtige Weg den Täter zu bestrafen und durch die Androhung der Hinrichtung andere Menschen von Straftaten abzuhalten? Ich denke nicht. Auch Mörder haben das in der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" garantierte Recht auf Leben. Ein von den Angehörigen der Opfer geäußerter Wunsch nach Vergeltung ist zwar menschlich verständlich, doch Richter müssen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen urteilen.

Dieser Aspekt, der Wunsch nach Rache und nach Vergeltung der Opfer wird auch im Roman aufgegriffen.

In einer Unterhaltung über den Sinn der Todesstrafe zwischen Lee Cayhall und Adam Hall sagt Lee zu Adam: "Du darfst nie die Opfer vergessen. Sie haben ein Recht darauf, Vergeltung zu verlangen. Sie haben sie verdient."9

Und diese Opfer sind im Roman die Familie Kramer. Nach dem die Kramer Zwillinge getötet wurden beging ihr Vater ein paar Jahre später Selbstmord und ihre Mutter wurde in eine Nervenklinik eingewiesen. Beide der Eltern zerbrachen an dem Familienschicksal.

Das einzig noch lebende Familienmitglied ist der Großvater der Zwillinge, Elliot Kramer. Als er von Adam Hall befragt wird, warum er Sam Cayhall unbedingt sterben sehen will und das der Tod von Sam ihm seine Familie nicht wiedergibt, sagt Kramer: ,,Er (der Tod von Sam) wird bewirken, daß wir uns wesentlich besser fühlen. Er wird eine Menge Schmerz lindern." Mit einem griffigen Slogan haben amerikanische Todesstrafengegner das Argument der Rache und der Vergeltung widerlegt:" Warum töten wir Menschen, die getötet haben? Um zu zeigen, daß es Unrecht ist, Menschen zu töten?"10 Genau dies ist doch der Knackpunkt. In jeder Gesetzesgrundlage der menschlichen Ordnung ist festgelegt, daß niemand einen anderen Menschen ohne Strafe töten darf. Jedoch nimmt sich der Staat das Recht heraus, diese Mörder legal zu ermorden.

Das vom Staat am häufigsten benutzte Argument für die Todesstrafe ist die Abschreckung. Doch Abschreckung bedeutet nichts anderes, als Bestrafung einzig, um anderen Verbrechen vorzubeugen. Gegner der Todesstrafe sagen nicht, daß es absolut keine Abschreckung gibt. Sie bezweifeln nur, daß die Abschreckung größer ist als bei lebenslanger Haft.

Ich denke auch, daß für einen verurteilten Mörder ein lebenslange Haftstrafe, mit der Aussicht nie wieder in die Gesellschaft integriert zu werden, härter ist, als nach ein paar Jahren hingerichtet zu werden und somit von seiner Gefangenschaft erlöst ist.

Der Autor beschreibt den Roman - Direktor des Staatsgefängnisses zu Mississippi, Philipp Naifeh, wie folgt: "Er haßte die Todesstrafe."11, und es wird über ihn gesagt, daß er Hinrichtungen in seinem Gefängnis haßt.12 Etwas entscheidendes bezüglich der Entscheidung zwischen der Todesstrafe und der lebenslangen Haftstrafe läßt der Autor seinen Direktor vor einem Rechtsausschuß aussagen, wo er bezüglich seiner Ansichten über die Todesstrafe befragt wurde.

Naifeh äußerte sich dahingehend, daß er bessere Ideen hätte als die Todesstrafe, da diese ja doch keine abschreckende Wirkung hätte. "Nach seinem Plan würden verurteilte Mörder in Einzelhaft im Hochsicherheitstrakt bleiben, in dem sie niemand umbringen und aus dem sie nicht fliehen konnten und eine vorzeitige Entlassung ausgeschlossen war. Sie würden schließlich im Hochsicherheitstrakt sterben, aber nicht durch die Hand des Staates."13 Statistiken aus aller Welt geben dieser These Recht. Sie zeigen, daß die Todesstrafe nicht

stärker abschreckt und somit auch keine Morde verhütet. Weiterhin sei angemerkt, daß politisch motivierte Täter wie Sam Cayhall es einer ist, sich durch Strafandrohung noch weniger abschrecken lassen als andere Straftäter.14

Aber die Hauptfrage ist doch, welches Recht hat der Staat, der Gouverneur oder irgend ein anderer Mensch Schiedsrichter über Leben und Tod zu spielen? Diese Frage wurde auch im Roman aus theologischer Sicht aufgegriffen.

In Parchman, dem Staatsgefängnis von Mississippi arbeitet im Todestrakt der Wärter Packer. Er wird von Grisham im Roman wie folgt beschrieben: "Packer haßte Hinrichtungen. Er glaubte an die Todesstrafe, weil er ein religiöser Mensch war, und wenn Gott sagte, Auge um Auge, dann meinte Gott das auch."15

Die Aussage "Auge um Auge" ist ja auch heute zu einem geflügelten Wort geworden.

Um möglicherweise doch etwas zu finden, was für die Todesstrafe spricht, entnahm der Autor diese Teilaussage aus der Bibel.

Im Buch Exodus der Bibel, also im Alten Testament, steht geschrieben: "Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde."16

Diese Textstelle aus der Bibel ist die sogenannte Tallionsformel. Sie besagt nichts anderes als, daß es völlig legitim ist gleiches mit gleichem zu vergelten.

Aus diesem Grund wird diese Textstelle gerne von Befürwortern der Todesstrafe zitiert um Hinrichtungen vor der Gesellschaft und vor Gott rechtfertigen zu können. Jedoch ist die Auslegung dieses Wortes so wie es genannt wird nicht richtig, Um dieses Wort richtig verstehen zu können, muß man sich mit den geschichtlichen Hintergründen dieser Zeit befassen.

Das 2. Buch Mose erzählt vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Nachdem die Israeliten der ägyptischen Knechtschaft entflohen waren, zogen sie eine lange Zeit als Nomaden durch die Wüste Sinai.

Wie in jedem Volk gab es auch im Volk Israel Zerrüttungen untereinander. Um diesem Einhalt zu gebieten, übergab Gott auf dem Berg Sinai Mose das sogenannte Bundesbuch (2. Mose 21). In ihm sind Rechtsordnungen festgehalten die für das Volk Israel ausschlaggebend sein sollten.

Warum nun steht im Alten Testament geschrieben, das gleiches mit gleichem vergolten werden sollte?

Wie gesagt, gab es auch in dem von Gott auserwählten Volk Israel schon Habgier, Betrug und Mord untereinander. Da die Israeliten vierzig Jahre lang durch die Wüste zogen und noch in keiner geordneten Gesellschaftsform lebten, mußten sie eine Lösung für ihre Straftäter finden.

Schließlich war es ja schlecht möglich einen Mörder einzusperren und ihn bei der Wanderung durch die Wüste mitzunehmen. Aus diesem Grund richteten sie ihre Verbrecher hin.

Jedoch stehen nur ein Kapitel vor der Aussage ,,Auge um Auge, Zahn um Zahn..." die 10 Gebote. In ihnen gibt Gott der gesamten Menschheit Richtlinien für ihr Leben. Im fünften Gebot heißt es: ,,Du sollst nicht töten."17 Dies ist eins der fünf allgemeingültigen Gebote (5.

bis 10. Gebot) die auch für einen Nichtchristen gelten sollten. "Du sollst nicht Töten!" Das ist das ist das oberste Gebot und steht vor der Aussage "Auge um Auge, Zahn um Zahn".

Im Neuen Testament greift Jesus diese altstamentliche These wieder auf. Er erkennt, daß das alte Wort, das für das Volk Israel bestimmt war, von den Menschen seiner Zeit falsch verstanden werden kann, so wie es auch der Gefängniswärter im Roman falsch verstanden hat. Speziell in der Bergpredigt tut Jesus seine neue Botschaft kund.

Dort ist in der fünften Antithese, welche sich gegen einige Kapitel des Alten Testaments richtet, zu lesen: "Ihr habt gehört, daß gesagt ist: >>Auge um Auge, Zahn um Zahn.<< Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar."18 Weiterhin ist zu lesen: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.19" und es steht geschrieben: "Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen..."20

Was heißt das nun für uns? Mit allen genannten Zitaten wird gesagt, daß es nicht richtig ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. Letztlich wird hierin auch begründet, das es nicht richtig ist einen Mörder hinzurichten. In seinen Predigten hat Jesus immer gesagt, daß man vergeben soll und daß man seinen Nächsten lieben soll.

Dieser Aspekt wird auch von dem Autor aufgegriffen: In einer Unterhaltung mit dem Gefängnispfarrer Ralph Griffin fragt Sam ihn, ob er auch für die Todesstrafe ist. Griffin verneint dieses. Er sagt: "Töten ist Unrecht, Mr. Cayhall. Wenn Sie ihr Verbrechen tatsächlich begangen haben, dann war es Unrecht, daß Sie getötet haben. Aber es ist auch Unrecht, wenn der Staat sie tötet."21

Auch diese Aussage läßt sich durch die Bibel begründen. Im Buch Genesis ist über Kains Brudermord zu lesen. Aus Neid und Habgier erschlägt Kain seinen Bruder Abel. Gott prangert ihn deswegen an. Kain sprach: "Meine Strafe ist zu schwer als daß ich sie tragen könnte." "So wird mir´s gehen, daß mich totschlägt, wer mich findet. Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge, der ihn fände."22

Damit schützt Gott den Mörder. Er wäre sonst der Willkür der Menschen ausgesetzt. Ihm droht die Todesstrafe. Gott durchbricht den Zusammenhang, daß Mord den Tod nach sich ziehen muß. Damit schiebt er dem endlosen Töten einen Riegel vor. Das Blutvergießen soll bereits von Anfang an unterbunden werden. Ganz eindeutig ist in dieser Bibelstelle zu lesen, daß Gott es nicht will, daß ein Mörder hingerichtet wird. Doch auch Kain bekommt eine Strafe. Den Rest seines Lebens ist er kein seßhafter Mensch mehr, sondern bleibt als ruheloser Mensch auf der Erde. In die heutige Zeit übersetzt heißt das, daß ein Mörder nicht getötet werden soll, sondern lebenslang eingesperrt werden muß.

Jedoch die entscheidende Aussage die der Autor durch seine Person Ralph Griffin im Bezug auf die Bibel weiter gibt, ist folgendes: "Wenn Sie mich fragen, wollte Jesus nicht, daß wir zur Strafe töten. Das hat er nicht gelehrt. Er hat Liebe und Vergebung gelehrt."23

Im Roman wird der Gouverneur als Gläubiger Mann bezeichnet. Doch nun stellt sich für mich die Frage, wie er auf der einen Seite einen Menschen zum Tode verurteilen kann und auf der anderen Seite ein Christ sein kann. Schließlich ist es ja nicht von der Hand zu weisen, daß er sich über alles göttliche hinwegsetzt und Herr über Leben und Tod spielt.

Völlig außer Frage steht, daß ein Verbrecher bestraft werden muß, jedoch nicht mit dem Tode. Denn schließlich muß sich der Mensch vor Gott für sein Schuld verantworten, aber nicht vor den Menschen.

Außer das die Todesstrafe aus biblischer Sicht nicht gerechtfertigt ist, ist sie auch inhuman.

Die Hinrichtung eines Verbrechers verletzt das Recht auf Leben eines jeden Menschens. Auch das die Würde des Menschen unantastbar ist, bleibt bei einer Hinrichtung völlig außer acht.

Eine lebenslange Haftstrafe ist jedoch weder menschenverachtend noch verletzt sie das Recht auf Leben.

Ein Verbrecher, der einen Mord plant und dann auch begeht, wird hingerichtet. Der Staat darf allerdings einen Mord planen, proben und dann auch ausführen.

Dieses ganze Szenario von der Planung bis zur Ausführung beschreibt der Autor in seinem Roman.

Mit der Planung der Hinrichtung wird im Roman der Wärter Nuget beauftragt der sichtlich Spaß hat an dieser Aufgabe. Er muß ein Handbuch anfertigen, in dem die Hinrichtung von A bis Z durchgeplant ist. Zwei Monate im voraus.

Dann, ein paar Tage vor dem Hinrichtungstermin, wird die Hinrichtung an Hand der neuen Checkliste mit einem Kaninchen geprobt, damit der Verurteilte auch richtig nach dem Plan des Staates sterben kann.

Wenn man es genau betrachtet, ist die Todesstrafe nur die Weiterführung des Mordes mit anderen, legalen Mitteln.

Wenn der Staat jemanden umbringt ist dies jedoch genauso Unrecht, wie es auch Unrecht ist, wenn ein Mensch einen anderen umbringt.

Das die Todesstrafe inhuman ist, sieht der Staat jedoch nicht so.

Im Jahre 1984 wurde beispielsweise in Mississippi ein Gesetz verabschiedet, nach welchem sich ein verurteilter Verbrecher aussuchen kann, wie er sterben möchte. Er hat die Wahl zwischen der tödlichen Injektion, also einer Giftspritze und der Gaskammer.

Der Staat Mississippi wollte dadurch die Todesstrafe humaner machen, da es in der Geschichte der Todesstrafe im Strafrecht auch viele mißglückte Hinrichtungen gab, bei denen die Verurteilten große Leiden zu ertragen hatten.24

An dieser Stelle drängt sich doch hier der Verdacht auf, daß der Staat sich gegenüber den immer lauter werdenden Stimmen gegen die Todesstrafe rechtfertigen will.

In allen Einzelheiten wird dem Leser im Roman recht anschaulich dargestellt, wie grausam beispielsweise mißglückte Hinrichtungen sind.

In einer Unterhaltung erzählt Sam Cayhall seinem Anwalt von einem ehemaligen Mithäftling Meeks, der auf grausame Weise in der Gaskammer starb.

Der Staat bestimmte einen Vollstrecker. Dann sagt Sam: "Er war Klempner, glaube ich. Jedenfalls hat seine erste Mixtur (gemeint ist das tödliche Gasgemisch) nicht gewirkt. Er packte den Kanister in das Rohr, legte den Hebel um, und alle warteten, daß Meeks tief einatmete und starb. Meeks hielt den Atem an, solange er konnte, dann atmete er ein. Nichts passierte. Sie warteten. Meeks wartete. Die Zeugen warteten. Alle drehten sich langsam zu dem Vollstrecker um, der auch nur wartete - und fluchte." Eine ganze Zeit dauerte es nun bis der Vollstrecker eine neue Ladung Gasgemisch angerührt hatte welche er durch das Rohr richtig in der Kammer positionierte. "... und das Gas stieg tatsächlich auf zum alten Meeks, der wieder die Luft anhielt. Man kann die Dünste nämlich sehen. Als er schließlich davon eine Nase voll einatmete, fing er an zu zittern und zu zucken, und so ging es eine ganze Weile weiter. Aus irgendeinem Grund ist da eine Metallstange, die vom Boden aus der Kammer bist zur Decke reicht, und zwar direkt hinter dem Stuhl. Gerade als Meeks still wurde und alle dachten, er wäre tot, fing er an, mit dem Kopf zu schlagen. Er schlug immer wieder gegen die Stange. Seine Augen waren verdreht, seine Lippen weit geöffnet, er hatte Schaum vor dem Mund, und sein Hinterkopf knallte gegen die Stange. Es war fürchterlich."25

An einem weiteren Beispiel zeigt der Autor wie inhuman der Tod durch den elektrischen

Stuhl ist. Er beschreibt den Tod eines Verbrechers durch Strom wie folgt: "Sie schnallten irgend so einen armen Kerl fest, drückten auf den Schalter, gaben ihm einen guten Stromstoß, aber nicht gut genug, der arme Kerl wurde innerlich geröstet, wollte aber nicht sterben, also warteten sie ein paar Minuten und versetzen ihm noch einen Stoß. Sie brachten die Elektroden nicht richtig an, und es kam nicht selten vor, daß aus den Ohren und den Augen Flammen und Funken hervorschossen. Der Dampf staute sich in seinem Kopf und seine Augen flogen heraus, Blut rann ihm übers Gesicht."26

Da es solche Fälle noch in den 80er Jahren tatsächlich gab, sind diese zwei Episoden aus dem Roman gar nicht so weit hergeholt.

Wenn so etwas passiert, gibt dies den Gegnern der Todesstrafe natürlich jede Menge Munition. Es können eigentlich keine Zweifel daran bestehen, daß Menschen die so unwürdig sterben, fürchterlich leiden müssen. Und wieder einmal mehr ist damit gezeigt, daß der Staat auf eine inhumane Art und Weise legal töte.

Wenn man so etwas hört, drängt sich doch die Frage auf, ob die Todesstrafe nicht in Todesfolter umbenannt werden sollte.

Völlig absurd ist, daß Hinrichtungen ähnlich einem sakralen Akt aufgezogen werden.

Je näher der Termin der Hinrichtung von Sam Cayhall heranrückt, um so stiller wird es im Todestrakt. Es herrscht ein Schweigen, ähnlich dem ehrfurchtsvollen Schweigen in einer Kirche oder an einem Grab, so beschreibt es der Autor.

Vor der Hinrichtung wird der Verurteilte gebadet und mit neuen Kleidern ausgestattet, so wie bei alten Reinigungsriten, bei denen der Mensch die irdische Unreinheit abstreifen soll und des Erscheinens vor Gott würdig gemacht werden soll.

Vorkehrungen dieser Art sollen den Ablauf der Hinrichtung ohne lauten und heftigen Widerstand sichern. Der Augenschein der Freiwilligkeit liegt dem Brauch der Erlösung von den Sünden zugrunde. Willig in den Tod gehen, Geständnis, Reuebezeugung und Bekehrung sind von dem Verurteilten vor der Hinrichtung erwünscht.

Selbstmord eines Todeskandidaten wird mit minuziösen Vorsichtsmaßnahmen verhindert. So wird der im Roman zu Tode verurteilte 24 Stunden vor seiner Hinrichtung in eine Isolierzelle gebracht und keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Dieses fast mit Gewalt am Leben erhalten, macht nur Sinn, wenn man an Tier- und Menschenopfer vergangener Zeiten denkt. Freudige Hingabe - Selbstmord aber bedeutet Protest.

Auch das man Kranke gesund pflegt, um sie anschließend hinzurichten, ist nicht nur grausam, es untermauert auch die These des Opfercharakters der Todesstrafe.

Doch mit einer der Hauptgründe der gegen die Todesstrafe spricht ist der Aspekt der Justizirrtümer.

Menschlicher Irrtum ist niemals auszuschließen. Jedoch im Gegensatz zu einer Haftstrafe aus der der Verurteilte nach dem Beweis seiner Unschuld entlassen werden kann, gibt es nach der Vollstreckung der Todesstrafe keine Möglichkeit mehr, sie zurück zunehmen.

Es ist schon grausam, wenn man sich vorstellt, daß in einer zivilisierten Gesellschaft ein zurecht verurteilter Mörder hingerichtet wird, aber wenn man sich das Bild vor Augen hält, daß auch unschuldige Menschen durch einen Justizmord sterben müssen, so wird noch einmal mehr klar, daß die Todesstrafe, die der Staat für sich legalisiert hat, inhuman und ein Verbrechen an der Menschheit ist.

6. Epilog

Ich bin davon überzeugt, daß die Todesstrafe das Recht auf Leben, welches weltweit erkannt ist leugnet.

Außerdem ist die Todesstrafe aus meiner Sicht grausam, unmenschlich und erniedrigend. Egal was ein Mensch auch getan hat, niemand hat es verdient durch die Hand eines anderen Menschens oder eines Staates zu sterben.

Die Gewalt, die das menschliche Leben auf der Ebene von Staaten und Gesellschaften auslöscht und unsere Welt unmenschlich macht, weil sie der Unterdrückung und der Rache den Vorzug gibt und dabei die Elemente der Gnade, der Verzeihung und der Rehabilitation aus dem Rechtssystem beseitigt.

Ich denke nicht, daß die Todesstrafe Gewalt bekämpft sondern in Wirklichkeit die vollkommene Gewalt rechtfertigt.

Aus meiner Sicht sollten die Befürworter der Todesstrafe über die Notwendigkeit einer Aussetzung der Todesstrafe nachdenken. Denn auf der Welt wenden heute mehr als die Hälfte der Staaten die Todesstrafe nicht mehr an, einige haben sie völlig abgeschafft, andere wiederum haben entschieden, sie in der Praxis nicht mehr anzuwenden.

Der grausame Grundsatz "Leben für Leben" ist, so denke ich, als überholt anzusehen und wird in der heutigen Welt auch mehrheitlich abgelehnt. Die meisten Rechtssysteme tendieren dazu, solche unmenschlichen Prinzipien selbst gegenüber Schwerverbrechern nicht mehr anzuwenden.

Ich glaube, daß die Todesstrafe ein falsches Zeichen in der Gesellschaft setzt. Durch ihre Vollstreckung relativiert der Staat selbst den wert des menschlichen Lebens. Gewalt wird mir Gegengewalt beantwortet. Eine heilende Gerechtigkeit, die sich nicht auf die notwendige Bestrafung der Täter allein konzentriert, sondern Opfer von Gewalttaten und deren Angehörige unterstützt und sich für die Bekämpfung der Ursachen von Gewaltverbrechen einsetzt, kann dagegen der Teufelskreis der Gewalt durchbrechen.

Seit Jahren vielen Jahren kämpfen Menschrechtsorganisationen, Regierungen und Kirchen für die Abschaffung der Todesstrafe. Sie tun dies aus Überzeugung, zum einen weil die Todesstrafe das oberste Recht auf Leben verletzt, und zum anderen weil sie der Überzeugung sind, dass nur Gott allein der Herr über das Leben und den Tod ist.

7. Quellen

1. Die Kammer - John Grisham

2. Meyers großes Taschenlexikon

3. Die Bibel

4. Die Todesstrafe aus kritischer Sicht

5. Homepage John Grisham

6. Homepage Amnesty International

7. www.wissen.de

8. Eidesstattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich an Eides statt, daß ich die vorliegende Arbeit nur mit den angegebenen Hilfsmitteln erstellt habe.

Stralsund, 29. Januar 2001

Gunnar Schulze

[...]


1 Quelle: Homepage John Grisham

2 Quelle: ,,Die Kammer" John Grisham; Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg

3 Quellen: - ,,Meyers großes Taschenlexikon", B.I. - Taschenbuchverlag, www.wissen.de

4 Quelle: - Homepage von Amnesty International

5 Quelle: "Die Kammer" Seite 86

6 Quelle: "Die Kammer" Seite 585 bis 586

7 Quelle: "Die Kammer" Seite 586

8 Quelle: "Die Kammer" Seite 358

9 Quelle: "Die Kammer" Seite 286

10 Quelle: Homepage Amnesty International

11 Quelle: "Die Kammer" Seite 115

12 Quelle: "Die Kammer" Seite 62

13 Quelle: "Die Kammer" Seite 116

14 Quelle: Homepage Amnesty International

15 Quelle: "Die Kammer" Seite 149

16 Quelle: "Bibel" 2. Mose 21, 24

17 Quelle: "Bibel" 2. Mose 20, 13

18 Quelle: "Bibel" Matthäus 5, 38 - 39

19 Quelle: "Bibel" Matthäus 7, 1

20 Quelle: "Bibel" Matthäus 5, 44

21 Quelle: "Die Kammer" Seite 413

22 Quelle: "Bibel" 1. Mose, 4, 13 - 15

23 Quelle: "Die Kammer" Seite 413

24 Quelle: Homepage Amnesty International

25 Quelle: "Die Kammer" Seite 226/227

26 Quelle: "Die Kammer" Seite 232

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Die Todesstrafe in der Spannung zwischen Legalität und Inhumanität - gezeigt am Werk von John Grisham "Die Kammer"
Veranstaltung
Fachabitur 2001
Note
1+
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V99747
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich würde mich freuen, von demjenigen der meine Arbeit verwendet, eine Mitteilung zu erhalten. Solltet ihr Fragen haben, sendet mir ein Email.
Schlagworte
Todesstrafe, Spannung, Legalität, Inhumanität, Werk, John, Grisham, Kammer, Fachabitur
Arbeit zitieren
Gunnar Schulze (Autor), 2001, Die Todesstrafe in der Spannung zwischen Legalität und Inhumanität - gezeigt am Werk von John Grisham "Die Kammer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99747

Kommentare

  • Gast am 7.5.2001

    Gute Arbeit!.

    Hallo!!!

    Is echt eine tolle Arbeit!!!! Hab mir das mal durchglesen, weil ich dieses Buch dieses Semester als Literaturarbeit nehm!!! Is echt hilfreich!!!

  • Gast am 20.1.2002

    Echt Klasse.

    Ich hab deine arbeit gelesen und die ist echt der "hammer", die Zensur ist auf jeden Fall gerecht fertigt.

  • Gast am 23.6.2002

    Super!.

    Hey, echt super. Habe es sehr interessiert gelesen und bin beeindruckt! Kompliment!

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