Die Rolle der Frau in der Antike. Octavia zwischen den Triumvirn


Essay, 2015

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Octavia – eine Frau, über die es kaum eigene Quellen gibt, die jedoch häufig in Quellen und Darstellungen über die wichtigen Männer ihrer Zeit auftaucht. Genau dieses Phänomen behandelt das folgende Essay, denn es beschäftigt sich mit der These, dass die Quellen nie das Leben der Frauen selbst thematisieren, sondern immer nur ausgewählte Aspekte dieses, die in Beziehung zu einem oder mehreren mächtigen Männern stehen. Präziser wird auf den folgenden Seiten die Frage beantwortet, wie solche Frauen damit umgehen, dass ihr Leben von den politischen Verflechtungen mächtiger Männer abhängt. Dies soll selbstverständlich zunächst am Beispiel der Octavia geschehen, fortführend soll deren Handlungsrahmen mit dem der Fulvia verglichen werden. Als Ausgangsliteratur dient dazu ein Textauszug aus der Antonius Biographie von Plutarch1.

Grundsätzlich ist auffallend, dass Octavia stets in Verbindung mit zwei Männern auftritt, zum einen mit ihrem Bruder Octavian, dem späteren Kaiser Augustus und zum anderen mit ihrem Ehemann Marcus Antonius. Sie selbst wurde durch die vom Bruder initiierte Ehe mit dessen politischen Verbündeten zum sichtbaren Zeichen der Verbindung beider Caesarianer im Zweiten Triumvirat. Die Verbindung zwischen Antonius und Octavia sollte die Einigungen der beiden Männer während des Friedens verdeutlichen2.

Während Octavia zu Beginn ihrer Ehe sehr passiv wirkte und zur Heirat mit Antonius „im Zusammenhang mit den Abmachungen von Brundisium [genötigt wurde]“3 ; trat sie am Ende ihrer Ehe als selbstbestimmterer Charakter auf; zumindest wird dies in der Antonius Biographie von Plutarch so vermittelt, jedoch ist auch deutlich sichtbar, dass Octavia nun wieder stärker unter der Kontrolle und dem Einfluss ihres Bruders stand, der das schlechte Verhalten Antonius gegenüber Octavia politisch ausnutzen wollte, um gegen Antonius vorzugehen4.

Auch wird deutlich, dass Octavia ihre Beziehung bzw. Verbindung zu Antonius durchaus wichtig zu sein schien, da sie ihn nicht kampflos an Kleopatra aufgeben wollte5.

Die Selbstbestimmtheit der Octavia am Ende ihrer Ehe wird dadurch erkennbar, dass sie anders als von ihrem Bruder Octavian gewünscht, unter dessen Einfluss sie stand, Antonius Haus – nach dessen Aufforderung dazu – nicht verließ6. Ihr selbstbestimmtes Verhalten unterstrich sie mit ihrem Handeln, denn sie kümmerte sich weiterhin um alle Kinder, darin eingeschlossen waren auch die Kinder, die Antonius mit Fulvia hatte7. Durch das Zusammenspiel aus ihrer kämpferischen Einstellung und ihrem dazu passenden Handeln prägte sie unabsichtlich die öffentliche Meinung gegenüber Antonius, denn dieser wurde nun gehasst, „weil er einer solchen Frau solches Unrecht tat“8. Octavia erzielte dementsprechend die Herabstufung des Ansehens des Antonius, die einherging mit der Aufwertung ihrer eigenen Person. Das öffentlich vermittelte Bild – in Athen – zu der Beziehung zwischen Antonius und Octavia war verfestigt, denn während Antonius gehasst wurde, war Octavia in Athen sehr beliebt9.

Zusammenfassend ist zum Handlungsrahmen der Octavia zu sagen, dass sie zuerst angemessen für eine Frau der römischen Gesellschaft handelte, indem sie zur Stärkung der politischen Beziehungen ihres Bruders einen seiner Verbündeten heiratete. Im Verlauf der Ehe wurden jedoch ihre ernsthaften Absichten deutlich. Besonders auffällig wird dies, als sie sich gegen den Willen beider Männer stellte und im Haus von Antonius blieb. Dies stellte jedoch gleichzeitig den einzigen Moment der Selbstbestimmung dar; denn sie steht ihr gesamtes Leben unter dem Einfluss eines – teilweise sogar zwei Männer – und hat keine eigene Entscheidungsfunktion über ihr Leben.

Bei der Betrachtung ihres Lebens aus der Sichtweise eines Außenstehenden wird darüber hinaus deutlich, dass gerade ihr Bruder – Octavian – Octavia ihr ganzes Leben zu seinem Vorteil benutzte. Zur Veranschaulichung dieser Behauptung ist die Situation zu referieren, als Octavian Octavias Sehnsucht nach Antonius für seine Zwecke ausnutzte, da er vorhersehen konnte, dass Antonius Octavia nicht sehen wollte und Octavian durch dieses abblockende Verhalten von Antonius einen Kriegsgrund erhalten konnte10.

Sowohl die Lektüre zur Vorbereitung auf dieses Essay, als auch die behandelten Charaktere im Seminar haben gezeigt, dass es sich bei dem Werdegang der Octavia nicht um eine Ausnahmeerscheinung handelt, sondern um die häufig vorkommende Erscheinung, der Verheiratung vorwiegend junger weiblicher Familienmitglieder zur Festigung politischer Verbindungen bzw. der Erweiterung machtpolitischer Interessen.

Ein weiteres Beispiel solch einer Heiratspolitik gibt das der Fulvia, die vor Octavia mit Antonius verheiratet gewesen war. Der Charakter der Fulvia bietet jedoch genau ein Gegenbild11 zu dem der Octavia, denn im Gegensatz zu ihr befolgte Fulvia nicht die drei Tugenden, „die dem traditionellen Ideal einer römischen Aristokratin entsprachen: Treue, Hilfsbereitschaft, Zurückhaltung“12.

Diese Gegensätzlichkeit in ihren jeweiligen Verhaltensweisen zeigt auch ein Vergleich der beiden Frauen. Denn im Gegensatz zu Octavias loyaler und aufrichtiger Art, verbunden mit den typisch römischen Tugenden wird der Charakter der Fulvia mit Adjektiven, wie geldgierig, habsüchtig und blutrünstig beschrieben13. Ebenfalls deutliche Unterschiede sind in dem Machtstreben der beiden Frauen zu erkennen. Denn während sich Octavia nach den Vorstellungen und Ansprüchen von ihrem Mann und Bruder richtete und dementsprechend handelte14, strebte Fulvia danach eigenen Einfluss – auch gegen die Interessen ihres Mannes – auszuüben. Dies verdeutlicht auch ihr Handeln im Perusianischen Krieg. In diesem Fall ließ Fulvia absichtlich einen Konflikt – aus Eifersucht – eskalieren, um Antonius von dessen Geliebter Kleopatra lösen zu können15.

Octavias Handeln in Bezug auf Kleopatra ist ein vollkommen widersprüchliches, denn um eine Trennung Antonius von Kleopatra zu bewirken, griff sie – im Gegensatz zu Fulvia – nicht zu brutalen Mitteln, sondern versuchte ihr Ziel zu erreichen, indem sie ihm ihre Tugenden demonstrierte.

Bei diesem Vergleich der beiden Persönlichkeiten ist außerdem noch entscheidend herauszustellen, dass Octavia nie persönlich in die Politik eingriff, sondern nur in Verbindung mit ihrem Bruder oder ihrem Vater auftrat.

Zusammenfassend lässt sich die These von der Gegensätzlichkeit der Frauen bestätigen. Sie treten beide sehr unterschiedlich auf und versuchen auf verschiedenen Wegen ihre Ziele zu erreichen. Als gemeinsames Ziel der beiden lässt sich die Festigung der Position als einzige Frau an der Seite des Antonius festhalten, welches jedoch keine von beiden erreichen konnte. Fulvia starb und Octavia wurde von Antonius geschieden, in beiden Leben zeigt sich jedoch, wie die Existenz weiterer Personen, in diesem Fall die der Kleopatra den Handlungsrahmen bzw. die Entwicklung einer Frau beeinflussen kann. Auch wird in beiden Fällen deutlich, wie eng Politik und Privatleben miteinander verbunden waren16. Darüber hinaus untermauert diese Ausarbeitung wieder, wie sehr die Schicksale der einzelnen Frauen mit denen mächtiger Männer verwurzelt sind und bestätigt die im Seminar aufgekommene Behauptung, dass es nie nur um die Frauen selbst geht, sondern immer nur um ihre Beziehungen zu den mächtigen Männern.

Literaturverzeichnis:

Christ, Karl: Die Frauen der Triumvirn, in: Karl Christ (Hg.), Von Caesar zu Konstantin. Beiträge zur Römischen Geschichte und ihrer Rezeption, München 1996, S. 92 – 102.

[...]


1 Ziegler, Konrat: Große Griechen und Römer, Bd. 5, 2. Aufl., München/ Zürich 1980, S. 326 - 367.

2 Tausend, Sabine: Macht der Frauen – Macht durch Frauen: Die Frauen der Triumvirn, in: Irmtraud Fischer/ Christoph Heil (Hgg.), Geschlechterverhältnisse und Macht. Lebensformen in der Zeit des frühen Christentums, Wien u.a. 2010, S. 33 – 53, hier S. 47.

3 Christ, Karl: Die Frauen der Triumvirn, in: Karl Christ (Hg.), Von Caesar zu Konstantin. Beiträge zur Römischen Geschichte und ihrer Rezeption, München 1996, S. 92 – 102; hier S. 93.

4 Ziegler: Große Griechen und Römer, S. 353.

5 Ziegler: Große Griechen und Römer, S.354.

6 Christ: Die Frauen der Triumvirn, S. 93.

7 Ziegler: Große Griechen und Römer, S.355.

8 Ziegler: Große Griechen und Römer, S.355.

9 Ziegler: Große Griechen und Römer, S.358.

10 Ziegler: Große Griechen und Römer, S. 353.

11 Christ: Die Frauen der Triumvirn, S.94.

12 Christ: Die Frauen der Triumvirn, S.94.

13 Schubert, Charlotte: Homo politicus – femina privata? Fulvia: Eine Fallstudie zur späten römischen Republik, in: Barbara Feichtinger/ Georg Wöhrle (Hgg.), Gender Studies in den Altertumswissenschaften: Möglichkeiten und Grenzen, Trier 2002, S. 65 – 79, hier S.70.

14 Christ: Die Frauen der Triumvirn, S. 94.

15 Schubert: Homo politicus – femina privata? Fulvia, S. 72.

16 Christ: Die Frauen der Triumvirn, S. 97.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in der Antike. Octavia zwischen den Triumvirn
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
P1 (Altertum) Übung: Die Frauen des iulisch-claudischen Kaiserhauses
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V997505
ISBN (eBook)
9783346382085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike Altertum Triumvirat Kaiser Cäsar
Arbeit zitieren
Lioba Mantz (Autor), 2015, Die Rolle der Frau in der Antike. Octavia zwischen den Triumvirn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997505

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