Andy Warhol und die Pop-Art


Ausarbeitung, 2001
7 Seiten, Note: 2

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Gliederung zum Thema ,,About Drella":

1. Was ist Pop-Art?

2. Was ist Andy Warhol für ein Künstler?

3. Wie sieht Andys Kunst aus?

4. War Andy nur ein Maler?

5. Hat der ,,Last Supper"- Zyklus etwas mit Andys Tod zu tun?

6. Was Bleibt?

7. Biographie

Literaturverzeichnis

Wir nannten ihn immer Drella.

Für uns war er eine Mischung aus Dracula und Cinderella.

(Zitat von Lou Reed auf der CD Songs for Drella, 1990 über Andy Warhol)

1. Was ist Pop-Art?

Um den Aufstieg des Pop-Art in den sechziger Jahren zu verstehen, in deren Entwicklung Andy eine herausragende Rolle spielte, muß man dieses Phänomen historisch einordnen. Die amerikanischen Künstler der Nachkriegszeit befanden sich in einer schwierigen Lage. Das amerikanische Jahrhundert hatte begonnen und mit ihm der Kalte Krieg. Wie konnte man, wenn man nicht gerade Kommunist war (trotz Chruschtschowbericht), bewußt gegen eine so offensichtlich ,,erfolgreiche" Gesellschaft sein? Um also die politischen und gesellschaftlichen Zustände weiterhin künstlerisch kritisieren zu können, mußte man sich mehr und mehr von dem aus sich herausschreienden Expressionismus verabschieden. Man wandte sich so einem neuen Gebiet zu, daß sich mehr mit dem Unbewußten beschäftigte.

Durch die Psychoanalyse war ein Schaffensbereich nun freigelegt, der die Möglichkeit des Widerspruchs zurückgab, aber auch die Auseinandersetzung mit sich selbst stand der Stunde zu Gebot.

So wurde Kunst immer mehr zu einer Beschäftigung mit sich selbst. Das Engagement und die Provokationen der Nachkriegsmalerei wurden gedämpft oder selbst zu einer Ware. Indem der tiefgründige und abstrakte Expressionismus mehr und mehr an den Rand gedrängt wurden, entstand eine Nachfrage nach einer leichteren, selbstzufriedeneren Ausdrucksform. Es drängte sich die Grundidee in den Vordergrund, Alltagsrealitäten als lohnenden Kunstobjekte zu erobern. Das Augenmerk wurde nun so durch Isolierung, Ausschnitt, Vergrößerung, Reihung und Collagen von Banalitäten des Massenkonsums eben gerade auf jene gerichtet. Man könnte fast sagen das eine Art von Alltagsmagie entstand. Man nahm ein scheinbares Nichts aus dem Nichts seiner Umgebung, gab dem Nichts etwas besonderes, nur um darauf hinzuweisen, daß es mehrfach wiederholt, doch nur Nichts ist. Man könnte dieser Alltagsmagie den Namen Pop-Art geben, dessen bekanntester Vertreter Andy Warhol werden sollte.

2. Was ist Andy Warhol für ein Künstler?

Die Meinungen über Andys Werk gehen weit auseinander. Von den einen wird er zum einflußreichsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhoben, von den anderen als reiner Scharlatan hingestellt. Beide Positionen sind, auf jeden Fall auf dem Hintergrund, daß Kunst Geschmackssache ist, soweit gerechtfertigt. Dennoch bin ich der Meinung, daß es sich in diesem Fall um einen speziellen handelt, da der Künstler keinen Hehl daraus machte, daß seine Objekte Produkte sind, die wiederum nur Massenprodukte zeigen. So gab er im Jahre 1967 seinem Publikum den Verständnisrat: ,,If You want to know all about Andy Warhol, just look at the surface: of my paintings and films and me, and there I am. There`s nothing behind it!" Übersetzung: ,, Wenn Du alles über Andy Warhol wissen willst schau Dir einfach die Oberfläche meiner Bilder und meiner Filme und von mir selbst an, und dort bin ich. Es ist nichts dahinter!" (The Last Supper, 1998, S.23) Durch diese Aussage proklamierte Andy, daß selbst noch das gemalte Abbild eines Massenprodukts als Zeichen von Überfluß und sinnloser Warenanhäufung gelten kann. Mit anderen Worten, daß sich hinter der Oberfläche keine kritische Stellungnahme oder eine ironische Distanzierung befindet. Daher können seinen Bildern auch keine politischen oder religiösen Absichten untergeschoben werden. Andy bekannte sich demzufolge widerstands- und emotionslos als Künstler der im traditionellen Sinne keine Kunst schafft, sondern vielmehr Kunst in einer Manufaktur herstellt. Er war nur Teilhaber, wie jeder andere auch, an der seelenlosen und passiven Symbiose von Mensch und Dingwelt. Die Frage ob es sich bei Andy Warhols Werken nun um Kunst handelt, oder nicht, löst sich demnach so einfach auf, wie der Rauch einer verbrannten Fotografie, die den Rauch eine Zigarette zum Thema hatte.

3. Wie sieht Andys Kunst aus?

Andy stellt alle Theorien der Massenkultur auf den Kopf, besonders Walter Benjamins (marxistischer Kunstkritiker und Publizist 1892 - 1940) Vorhersagen über das Ersticken der Kunst in der Fülle der technischen Reproduktionen. Andy sagt, daß er die mechanische Wiederholung liebt und daß er gerne selbst eine Maschine wäre und daß es fabelhaft währe, wenn alle Menschen so seine könnten wie er, so wären alle Menschen gleich. (vgl. Spiegelmagazin, 1993, 41, S.264)

Sein langweiliges, banales und oberflächliches Auftreten wurde zum Kult. Sein Markenzeichen war die weiße Perücke und die dunkle, meist schwarze Sonnenbrille. In den Zeiten wo er die Rockband Velvelt Underground unterstützte wurde die Kluft für alle Beteiligten noch durch schwarze Lederklamotten vervollkommnet, unter denen weiße T- Shirts getragen wurden, die für Weichheit und Zartgefühl standen.

Für Andy ist kommerzielle Kunst ebenso richtig, wie richtige Kunst kommerziell. Mit seinen Bildmotiven etablierte er Alltagserscheinungen als Kunstobjekte, wie zum Beispiel Streichholzschachteln, Colaflaschen, Dollarnoten oder Konservendosen. Heutzutage ist er vor allem bekannt durch seine Darstellungen von Ikonen wie Marilyn Monroe, Mao, Joseph Beuys, Elvis Presley, Jackie Kennedy, Goethe und Liz Taylor, die im Siebdruckverfahren hergestellt wurden. In seine Motive spiegeln sich die populären Klischees, die von der Konsumkultur vorgegeben werden. Er unterwirft sich, seine Kompositionen, manchmal sogar ihre Entstehung einer extremen Form von Zufälligkeit, die aber in keiner Weise lustlos ist, die aber alles durch Wiederholung und Trivialisierung zur Nichtigkeit reduziert. Dennoch bin ich der Auffassung, daß man wenigstens eine Spur von Motivation in seinen eindringlichsten Bilder, die von Unfällen, Krawallen oder dem elektrischen Stuhl handeln, finden kann. Durch die ständige Wiederholung der Motive erlischt der reale Schrecken und die Grausamkeit wird zur Banalität. Wie bei all seinen anderen Werken zeigt er Alltägliches, möchte aber den Betrachter eben auf dieses hinweisen. Dazu Andy: ,,Man wird nicht glauben, wie viele Leute sich ein Bild mit dem elektrischen Stuhl ins Zimmer hängen - vor allem, wenn die Farbe des Bildes mit den Vorhängen übereinstimmt!" (Honnef, 1999, S.59)

4. War Andy nur ein Maler?

Nein, Andy agierte sich nicht nur als Pop-Art-Maler, sondern auch als Underground-Filmer. Es waren wohl über 150 Filmprojekte, an denen Andy maßgeblich beteiligt war. Man kann mit ruhigem Gewissem behaupten, daß Andy einer der ersten war, der Dichtung, Malerei und Film kombinierte. Weiter sogar noch, wurden die Erschaffer der jeweiligen Kunstproduktionen in sein Gesamtwerk eingeflochten und wurden so Teil seiner Gesamtheit. "Chelsea Girls" (1966/67) wurde ein großer Publikumserfolg. Nach seinem Werk "Flesh" (1969), brachte ihm "Trash" (1971) internationale Berühmtheit ein. Trotzdem waren seine Werke nicht unumstritten, besonders in den Schichten der bürgerlichen Gesellschaft, wurden sie abgelehnt. Der mangelnde Erfolg ist sicherlich auf der einen Seite den träge, veränderungsresistenten, oft spießigen Bürgern zu zuweisen, auf der anderen Seite aber auch bei Filmen wie "Sleep" (1963) zu suchen, die durch ihre Handlungsarmut und ihren extremen Überlängen (bis zu 25 Stunden) auffällig wurden. Andere bekannte Filme von Andy sind noch ,,Empire" (1964) und ,,Lonesome Cowboys" (1969). In seinen ersten Filmen verzichtete er weitgehend auf festgelegte Dramaturgie, sondern ließ seine Schauspieler einfach nur chaotische Dialoge improvisieren. Oft kam es auch zur Darstellung von Drogenexzessen oder sexuellen Handlungen, die hier auch wieder sein provokantes Wesen wiedererscheinen lassen. Dennoch kann man sagen, daß es Andys Neugierde wohl maßgeblich zu verdanken, daß heutzutage sogenannte multimediale Kreationen entstehen können.

5. Hat der ,,Last Supper"- Zyklus etwas mit Andy Tod zu tun?

Andys Reflexion über eines der meistreproduzierten Werke der Kunstgeschichte, Leonardo da Vincis Wandbild ,,Das Letzte Abendmahl" (Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie)

basiert, wie es für ihn charakteristisch ist, selbst nur auf Reproduktionen. Er wählte als Vorlage Fotos, Umrißzeichnungen sowie billige plastische Nachbildungen, wie es sie weltweit und in tausendfachen Variationen als Zimmerschmuck oder als privates Andachtsbild zu kaufen gibt. Da es sich bei "The Last Supper" um den letzten, monumentalen Werkzyklus Andys vor seinem Tod 1987 handelt, erlagen einige Kunstwissenschaftler der Versuchung, dieses Spätwerk als Ausdruck einer tiefempfundenen, aber bisher geheimgehaltenen Religiosität Andys zu interpretieren und in der Tat erinnert die Thematik des Abendmahls natürlich an Jesu Christus Prophezeiung von seinem eigenen Tod. So könnte man also zu der Annahme kommen, daß der verschrobene und doch immer etwas geheimnisvolle Künstler eine Art Vorahnung hatte und sich dadurch zu diesem Werk inspirieren ließ. Gegen diese Annahme sprechen allerdings seine Tagebuchaufzeichnungen von 1985, die seine Freundin Pat Hackett herausgegeben hat. ,,Ich mache das Abendmahl für Iolas. Für Lucio Amelio mache ich gerade Vulkane. Ich glaube, ich bin ein Auftragskünstler. So ist wohl der Stand der Dinge!" (The Last Supper, 1998, S.23) Auch die künstlerische Bearbeitung von Leonardos Abendmahl unterscheidet sich nicht von seinen anderen Arbeiten. Also ist auch hier kein Fingerzeig zu erkennen, der auf eine Art Vermächtnis hinweisen würde. Andy manipuliert, wie immer, die Vorlage durch Größenveränderung, schematische Motiverfassung, serielle Wiederholungen, wechselnden Farben (Tarnfarben- und Muster des Militärs) und integriert Markenzeichen und Labels von Konsumprodukten (das Camel - Symbol oder die Zahl 57). Damit wird das religiöse Thema neutralisiert und so reiht sich auch dieses letzte Großwerk mühelos in den Reigen seiner vorherigen Kompositionen ein.

6. Was bleibt?

Unweigerlich drängt sich die Frage nach dem bleibenden Wert von Andys Werk auf. Bleibt bei ihm wirklich alles nur an der Oberfläche stehen? Es ist wirklich die freie Entscheidung des Betrachters, dem er auch noch den Tip gab: ,,Jede Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Diejenigen, die unter die Oberfläche tauchen, tun es auf eigene Gefahr!" (The Last Supper, 1998, S.47)

Vielleicht ist es bei ihm so, wie es bei vielen großen Künstler der Fall ist, nämlich daß das Werk über die begrenzten Anschauungen seines Schöpfers hinausweist. Schließlich fließt durch jeden Kunstschaffenden, bei seiner Tätigkeit jene Kraft die man Intuition nennt und oft weiß er selbst noch nicht, was sich da unter seinen Fingern formt. Tatsache ist, daß Andy süchtig war nach Schönheit, Starruhm und Wohlstand. Einiges davon ist ihm wohl gelungen, ob er dennoch zufrieden war ist fraglich, aber auch egal. Auf jedem Fall hat uns Andy Warhol eine bebilderte Anleitung gegeben, wie man das Leben sehen kann, als Teil eines bedeutungslosen Ganzen, was dennoch nicht sinnlos ist. ,,Everything is pretty"

7. Biographie

Andy Warhol ( Andrew ) wurde am 6. August 1928, als dritter Sohn des Bergarbeiters Andrej Warhola und seiner Frau Julia in Pittsburgh (Pennsylvania) geboren. Die Eltern waren ruthenischer Herkunft und stammten aus Miková bei Medzilaborce, dem heute slowakischen Grenzgebiet zur Ukraine. Schon als Jugendlicher begeisterte er sich für die ,,Glamourbilder" der Hollywoodstars und für ihren Lebensstil. Er begann zu zeichnen und zu malen, dabei reproduzierte er die Bilder seiner Idole und der damaligen Mode.

1949 nach seinem Abschluß am Carnegie College of Technology in Pittsburgh zog er nach New York und begann eine erfolgreiche Karriere als Modezeichner und Buchillustrator. Im Jahre 1957 erhält er einen Preis für Werbegraphiken in Zeitungen, er gründet die Firma ,,Andy Warhol Enterprises" und ließt sich seine Nase chirurgisch verändern. In den frühen sechziger Jahren konzentriert sich Andy vor allem auf das Schaffen von Stempeldrucken. Wenig später entdeckt er seine Liebe zum Siebdruck und übte sich in fototechnischen Verfahren. Aus dieser Zeit stammen vor allem die Marylin- und Disasterbilder, auch stellte er seine ,,Campbell'schen Suppendosen" aus. 1963 erscheinen dann seine ersten Filme ,,Kiss" und ,,Sleep" die in seinem Atelier, der berühmten ,,Factory", gedreht werden. Im gleichen Jahr beginnt er die Serie ,,Jackie", nachdem ihr Ehemann in Dallas erschossen wurde. Es folgen Ausstellungen in Paris, Buenos Aires, Toronto und Turin. 1967 entwirft er für die befreundete Rockband ,,The Velvet Underground" das Cover für ihr erstes Album. Das Jahr 1968 war besonders durch den Erhalt des ersten Preises bei der Warschauer Plakat-Biennale, der ihm als erster westlicher Künstler zugesprochen wurde, und das auf ihn verübte Attentat durch Valerie Solanas am dritten Juni, geprägt. Andy entgeht nur knapp dem Tod.

Im nächsten Jahr, wieder bei Kräften, gründet er die Film- und Society-Zeitschrift ,,Interview". Mit Beginn des neuen Jahrzehnts widmet er sich Auftragsporträts Prominenter u.a. ,,Mao-Serie". 1980 unternimmt er Reisen nach Düsseldorf, Köln und Stuttgart. Es entstehen die Beuys-Porträts, sowie "Juden des 20. Jahrhunderts". 1982 wird die Serie ,,Goethe"-Bilder beendet. Außerdem entwirft er das Poster für Fassbinders Film "Querelle". Es folgen die Ausstellungen ,,Bilder für Kinder" in Zürich, sowie ,,Warhol´s Animals - Species at Risk" in New York. In seinem vorletzten Jahr beginnt er sein Großprojekt ,,Last supper", wobei Leonardo da Vincis ,,Das letzte Abendmahl" als Grundlage dient. Im Kabelsender MTV hat er eine eigene Sendung - Andy Warhol - Fifteen Minutes -, in der er als Gastgeber von Berühmtheiten auftritt. Andy stirbt am 22. Februar an den Folgen einer Gallenblasenoperation.

Literaturverzeichnis :

Bayerische Staatsgemäldesammlung (1998). The Last Supper. Cantz Verlag. München. Klaus Honnef (1999). Warhol. Benedikt Taschen Verlag GmbH. Köln.

Nemeczek A. (1993).Comeback mit Bildern aus dem zweiten Leben. Kunstmagazin art, 11, S. 16 - 36

Autor nicht ermittelbar (1993). Kabale und Klagen. Nachrichtenmagazin Spiegel, 41, S. 264

Autor nicht ermittelbar (1993). Lärm für die Revolution. Nachrichtenmagazin Spiegel, 23, S. 231 - 234

Autor nicht ermittelbar (1995). Warhol und die Folgen. Nachrichtenmagazin Spiegel, 28, S. 155

Erklärung

Ich versichere, daß die vorliegende Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt wurde und ich mich keiner anderen als der von mir angegebenen Hilfsmittel und Literatur bedient habe.

Im Rahmen einer Prüfung wurde das Thema von mir noch nicht schriftlich bearbeitet.

Markus Buchholz

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Andy Warhol und die Pop-Art
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Veranstaltung
Visuelle Kommunikation, Kommunikationspsychologie
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V99755
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
About, Drella, Visuelle, Kommunikation, Kommunikationspsychologie
Arbeit zitieren
Markus Buchholz (Autor), 2001, Andy Warhol und die Pop-Art, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99755

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