Predigt über 1. Kor 12 zur Ersten Theologischen Prüfung Evangelische Kirche von Westfalen


Diplomarbeit, 1996

24 Seiten, Note: 1-


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Inhalt

Erklärung

1. Die Pfingstmontagspredigt - Eine unmögliche Möglichkeit

2. Übersetzung von 1. Kor 12, 4-11

3. Exegese
3.1 Die Predigtperikope 1. Kor 12, 4-11 in ihrem Kontext
3.2 Untersuchungen zur Perikope 1. Kor 12, 4-11
3.3 Zusammenfassung der Textintentionen

4. Homiletische Erschließung des Textes
4.1 Zwei theologische Schlüsselbegriffe: Der Geist und die Charismen
4.2 Möglichkeiten der Textvergegenwärtigung
4.3 Der Aufbau und die Gedankenführung der Predigt
4.4 Zur Sprache und zum Redestil in der Predigt

5. Der Gemeindebezug

6. Die Predigt

7. Literatur

Inhalt des Beiheftes

8. Anmerkungen

Erklärung

Ich versichere, daß ich diese Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und die benutzte Literatur vollständig angegeben habe.

Die Stellen der Arbeit, die anderen Werken entnommen sind, habe ich unter Angabe der Quellen kenntlich gemacht.

Dortmund, 14.04.1996

1. Die Pfingstmontagspredigt - Eine unmögliche Möglichkeit

“Pfingsten - ja Pfingsten sind die Geschenke am geringsten, wogegen Geburtstag, Ostern und Weihnachten etwas einbrachten!”

Machen wir uns nichts vor: Dieser Brecht’sche Aphorismus[1] trifft in unseren Tagen von vorn bis hinten zu, besonders für Pfarrerinnen und Pfarrer, die - nicht am Pfingstsonntag, sondern auch noch am Pfingstmontag! - zu predigen haben. Karikiert gesagt möchte man meinen, daß der weiche Kern eines verzagten kleinen Häufleins, sei es nun aus Sympathie zum Prediger oder mangels einer besseren Alternative zur Pfingst­montagsgestaltung, den Weg in die Kirche gefunden hat. Und dann dieser vor Lebendigkeit überschäumende Predigttext! Der Kontrast ist eine Zumutung: vor mir der Ausblick auf zwölf Reihen leerer Bänke, die hinteren sieben teilen sich neun ältere Gemeindeglieder, die immer da sitzen; es hat gar keinen Sinn, sie zu bitten, ausnahmsweise mal etwas nach vorn zu kommen. Sonst kommen fünfzig oder auch siebzig Personen zum Sonntagsgottesdienst, zu Weihnachten und Ostern müssen sogar noch zusätzliche Stühle in die Kirche gestellt werden - aber am Pfingstmontag? Man ist versucht, den Gottesdienst mit Fabricius’ “Verzage nicht, du Häuflein klein” zu beginnen.

Und dann dieser Text: Paulus schreibt an eine Gemeinde, in der die Charismen offenbar blühen wie Blumen in einem Tropengewächshaus: da wird prophezeit, durch den Geist geheilt, werden Wunder vollbracht, wird in Zungen geredet - kurz: da ist Leben drin! Zumindest klingt es so. Gut, manches schießt auch ins Kraut, aber immerhin. Und wir? Wie welk und knochentrocken ist dagegen unser Gemeindeleben, besonders am Pfingstmontag!

Als ich erfahren hatte, daß ich meine Examenspredigt für einen Pfingstmontagsgottesdienst schreiben würde, kam mir eingangs zitiertes Brecht-Wort in den Sinn. Es wird als “Stein des Anstoßes” auch in meine Predigt einfließen, die dann aber unterstreichen soll, daß Bertolt Brecht doch nicht so sehr recht hat, wie es im ersten Moment scheinen mag.

Nach Absprache mit meinem Gemeindepfarrer, Herrn Dr. Brinkmann, werde ich die hier vorgelegte Predigt am Pfingst­montag 1996 in der Kirchengemeinde Dortmund-Kley halten.

2. Übersetzung von 1. Kor 12, 4-11

4) Es gibt Unterschiede in bezug auf (die) Gnadengaben, aber (es gibt nur) den einen Geist;

5) und es bestehen Unterschiede hinsichtlich (der) Dienste, aber (es ist) der eine Herr;

6) schließlich gibt es Unterschiede die Taten betreffend, aber (es ist) der eine Gott, der das alles unter allen wirkt.

7) Einem jeden aber wird die Offenbarung des Geistes gegeben zum Nutzen (der Gemeinschaft).

8) Denn einem wird durch den Geist (das) Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber - nach demselben Geist - (das) Wort der Erkenntnis,

9) einem weiteren Glaube durch denselben Geist, (wieder) einem anderen werden Heilungsgaben gegeben durch den einen Geist,

10) einem anderen aber Kräfte, (um) Wunder (zu vollbringen), einem anderen (wird die Gabe der) Prophetie (zuteil), einem anderen, die Geister zu unterscheiden, einem weiteren (wird gegeben, in) verschiedenen Sprachen (zu reden), einem anderen die Übersetzung (dieser) Sprachen;

11) Dieses alles aber bewirkt der eine und derselbe Geist, indem er jedem in besonderer Weise (eine Gabe) zuteilt, wie er will.

3. Exegese

3.1 Die Predigtperikope 1. Kor 12, 4-11 in ihrem Kontext

Bei der vorliegenden Perikope 1. Kor 12, 4-11 handelt es sich um einen kurzen Abschnitt aus einem sich über die Kapitel 11,2 bis 14,40 erstreckenden Sinnzusammenhang, der sich der Problematik des Verhaltens im Gottesdienst in der korinthischen Gemeinde annimmt. Wird zunächst die Frage von Kopfbedeckungen der Frauen erörtert (11,2-16), so geht es in der weiteren paulinischen Gedankenführung um die Feier des Herrenmahls (11,17-34), die Probleme der Geistesgaben, des Lebens im Geist und in der Liebe, der prophetischen Gaben und der rechten Ordnung im Gottesdienst (12,1-14,40). Paulus antwortet hier auf diesbezüglich - vermutlich schriftlich - von den Korinthern an ihn herangetragene Anfragen.[2]

Wichtig für die Beschäftigung mit der Predigtperikope 1.Kor 12, 4-11 sind besonders die paulinischen Erwägungen, die den Umgang mit Pneumatikern, Geistbegabten und den Geistesgaben ganz allgemein zum Inhalt haben. Man muß davon ausgehen, daß speziell in Korinth die Geistesgaben der Zungenrede und der Prophetie besonders geschätzt wurden[3], woraus dem Gemeindeleben in der Stadt ein nicht unerhebliches Problempotential erwachsen sein dürfte. Durch die paulinische Auseinandersetzung mit diesen besonderen Phänomenen spirituellen Bewegtseins wird uns ein tiefer Einblick gewährt in zeitgenössisches gottesdienstliches Leben, wie wir ihn in dieser Prägnanz nirgends sonst im Neuen Testament mehr finden können.[4]

In 1. Kor 12 widmet sich Paulus der Frage, wie der Geist Gottes und die von diesem gewirkten Gaben aufeinander zu beziehen sind und wie er ein harmonisches orchestrales Zusammenspiel verschiedener Geistesgaben im Konzert christlichen Gemeindelebens und speziell der Gottesdienste eingebettet wissen möchte. Das Kapitel ist in drei inhaltlich abzugrenzende Gedankengänge unterteilt, als deren mittlerer die noch näher zu untersuchende Predigtperikope vor uns liegt. Die V. 1-3 reden zunächst über das Kriterium schlechthin, an dem die Korinther nach paulinischer Auffassung erkennen können, was im Geiste Gottes geschieht und was nicht: so wie man den Namen Jesu nicht verfluchen kann, wenn man im Geist Gottes lebt, so kann man Jesus auch nicht den Herrn nennen, es sei denn aus der Wirkung des heiligen Geistes heraus[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Die V. 4-11 konkretisieren sodann die Verschiedenheit der durch den Geist (V.10) bzw. von Gott (V.6) gewirkten Gaben, die in ihrer Vielfalt bei allen wirksam sind; es gibt für Paulus überhaupt niemanden, der nicht durch eine besondere Befähigung ausgezeichnet wäre.[5]

In V. 12-31a verwendet Paulus ein den Zeitgenossen vertrautes, sowohl volkstümliches als auch in der Philosophie vorkommendes Bild[6], um den durch gegenseitiges Aufeinander-angewiesen-Sein, geschwisterliche Verflechtung und mit unterschiedlichen Charismen beschenkten Gemeindegliedern zu verdeutlichen: so wie sich ein Mensch, als ganzheitliches Wesen begriffen, aus vielen Gliedern konstituiert, so heißt das, auf die christliche Gemeinde projiziert, alle Getauften gehören als mit verschiedenen Begabungen versehene individuelle Glieder zu dem einen Leib, welcher Christus ist - 12,27:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][7]

3.2 Untersuchungen zur Perikope 1. Kor 12, 4-11

Nachdem Paulus den Korinthern schon in 12,1 angekündigt hat, sie ob ihrer Ungewißheit hinsichtlich der Geistesgaben aufzuklären[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]spricht er in den V. 4-11 über die konkrete Vielfalt der durch den Geist gewirkten Befähigungen.

Die V. 4-6 sind inhaltlich parallel aufgebaut und verkörpern gleichzeitig die rhetorische Figur einer Klimax. Dreimal wird von[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]gesprochen, was zum einen “Zuteilungen” [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]in V. 11 läßt nur dieses Verständnis zu), zum anderen “Unterschiede” meinen kann.[8] Die Dialektik von Verschiedenheit und Einheit, die mit diesen Versen von Paulus intendiert ist, spricht meines Erachtens am wahrscheinlichsten für eine Übersetzung, die der Bedeutung von “Unterschieden” entspricht, denn in der korinthischen - wie auch in jeder anderen - Gemeinde besteht solcherart Vielfalt in bezug auf die[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die mit diesen Begriffen verbundenen Bedeutungsgehalte sind nicht ganz klar zu unterscheiden, sondern weisen jeweils ihnen gemeinsame Schnittmengen auf. Das Wort[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]hatte im damaligen Sprachgebrauch die profane Bedeutung der ganz alltäglichen Dienstleistung und muß auch in diesem Sinne verstanden werden. Paulus unterstreicht durch diese Begriffswahl, daß diejenigen, die nach korinthischem Verständnis vermeintlich “nur” Alltägliches in der Gemeinde verrichten können, den dann im gleichen Atemzug genannten und mit übernatürlichen Gaben Ausgestatteten völlig gleichgestellt und ebenbürtig sind.[9]

Neben die Hervorhebung der Unterschiede individueller Fähigkeiten tritt sodann die Betonung der Identität und inneren Geschlossenheit hinsichtlich des Ursprungs der Geistesgaben: es ist[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Dabei ist[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]als Summarium der zuvor genannten Gnadengaben, Dienste und Kräfte zu verstehen, und mit[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ist Bezug genommen auf die individuell verschieden begabten Gläubigen. Gott wird hier von Paulus als der allumfassend und allmächtig Wirkende begriffen, doch ist an die erst in späterer Zeit aufkommenden Fragen nach den innergöttlichen Relationen im Sinne einer Trinitätstheologie noch nicht zu denken.[10] Trotzdem ist bemerkenswert, daß Paulus sowohl Gott (V.6) als auch den Geist (V. 7-11) als Quelle der Gnadengaben nennen kann. Dabei geht es ihm in diesem Textzusammenhang jedoch nicht in erster Linie um das Woher dieser Gaben, sondern um ihr[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und ihre Wirksamkeit innerhalb der christlichen Gemeinschaft.

V. 7 unterstreicht das zu V. 4-6 Ausgeführte noch einmal: nicht nur die korinthischen Pneumatiker verfügen über Offenbarungen, sondern[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Gläubigen ist die Offenbarung des Geistes gegeben, und das nicht zum Selbstzweck, sondern pro;" to; sumfevron, also zum Nutzen bzw. Vorteil. Es ist der Logik des Textzusammenhanges[11] geschuldet, daß es sich - wenn auch unausgesprochen - nur um den Vorteil oder Nutzen der christlichen Gemeinschaft insgesamt handeln kann; die in der Übersetzung vorgenommene Ergänzung “der Gemeinschaft” ist hier angebracht, um den abgegrenzten Predigttext in seinem intentionalen Sinnzusammenhang verständlich zu machen.

Mit[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]kann sowohl die vom Geist gegebene Offenbarung (genitivus suiectivus) als auch die Offenbarung, die den Geist gibt (genitivus obiectivus) gemeint sein. Die Übersetzung versucht, beiden Möglichkeiten Rechnung zu tragen.

Die V. 8-10 enthalten eine unsystematische und unvollständige Aufzählung verschiedener Geistesgaben.[12] Der Apostel erwähnt an dieser Stelle besonders mit Weisheit und Erkenntnis zusammenhängende Charismen, sowie Wundergaben und ekstatisches Vermögen. “Damit berücksichtigt Paulus die konkrete Situation in Korinth, wo die ekstatische Zungenrede als die höchste Geistesgabe geschätzt wurde.”[13] Die in V. 8 als durch den Geist gegeben angeführten[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]sind weder sachlich noch inhaltlich klar zu unterscheiden und stehen beide für eine “geistgewirkte, enthüllende und belehrende Art der Rede”[14]. Mit[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]scheint der Geist einerseits Ursprung, andererseits Norm des[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]zu sein, “ohne daß man den Unterschied streng nehmen dürfte”[15]. Die beiden parallel aufgebauten Teile des V.8 können daher als synonyme Wendungen begriffen werden.

Der V. 9 nennt[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]als Geistesgabe; hier geht es nicht um einen allgemeinen, von allen erfahrbaren Glauben, sondern im Zusammenhang der unmittelbar danach genannten[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](Heilungsgaben) um einen nur wenigen in besonderer Weise charismatisch begabten Menschen zuteil werdenden “wundertätige(n), bergeversetzende(n)”[16] Glauben.

In V. 10 erwähnt Paulus über die in V. 9 schon bezeichneten Heilungsgaben hinaus auch[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], zwei Begriffe, die eine inhaltliche Verwandtschaft aufweisen: die aus V.6 wieder aufgegriffenen[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](Gewirktes, Taten, Handlungen[17] ) haben einen allgemeineren Charakter als[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]; die[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]stehen für einzelne Wundertaten und sind nicht so speziell zu verstehen wie die[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]aus V.9.[18] Die Verbindung von[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ist als umfassende und allem Entgegenstehenden überlegene Gabe aufzufassen.[19]

Weiterhin werden in V. 10 Geistesgaben benannt, die, wie schon die zuvor aufgelisteten, unter je verschiedene Personen ausgeteilt sind. Unter formalen Gesichtspunkten betrachtet, ordnet Paulus[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ebenso einander zu wie[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Sachlich besehen gibt es aber nur einen Zusammenhang bei letzterem Begriffspaar,[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]dagegen haben weder in der Septuaginta noch in der urchristlichen Literatur einen direkt aufeinander beziehbaren Sinngehalt.[20] Im Neuen Testament ist ein prophetisch begnadeter Mensch “seinem Wesen nach der Verkündiger des Wortes Gottes”[21], dessen Hauptaufgabe darin zu sehen ist, “die Gemeinde auf Grund von Offenbarung zu ermahnen und zu trösten und ihr durch den Geist Gottes autorisierte Weisungen für ihren Weg zu geben”[22] ; die Bedeutung des Propheten als des Vorhersagers der Zukunft ist bei Paulus von bestenfalls untergeordnetem Rang. Die[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]haben den Zweck, zu untersuchen, ob in der[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Gottes oder eines anderen Geist am Werk ist, was hauptsächlich wegen des Auftretens falscher Propheten und dämonischer Geistwirkungen notwendig erscheint.[23] Die Gabe, in anderen Sprachen[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]zu reden bzw. diese Sprachen zu übersetzen[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], steht nicht ohne Grund am Ende der paulinischen Aufzählung der Charismen: Paulus verbindet damit eine polemische Absicht gegen die Überschätzung der Glossolalie in Korinth.[24]

V. 11 bildet die abschließende und zusammenfassende Krönung der Perikope, indem Paulus noch einmal den Gedanken aus V. 6 aufgreift und auf die Identität des Geistes[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]verweist, der alle zuvor aufgelisteten Gaben hervorbringt und bewirkt. Dieser Geist ist dem Menschen grundsätzlich unverfügbar; Paulus unterstreicht diese Aussage durch die Charakterisierung des Geistes als[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], und zwar jedem individuell und besonders[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]nach des Geistes (freiem) Willen[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

“Damit bestärkt er (gemeint ist Paulus) jedes Gemeindeglied im Gebrauch der ihm geschenkten Gabe und schärft den Pneumatikern ein, daß auch sie ihre besonderen Geistesgaben der Gnade Gottes verdanken und nicht sich selbst.”[25]

3.3 Zusammenfassung der Textintentionen

1. Allen Gläubigen werden “Offenbarungen des Geistes” - hier: Charismen - zuteil.
2. In der korinthischen Gemeinde sind eine Vielzahl von Charismen vorhanden, die von der Gemeinde offenbar unterschiedlich hoch bewertet werden.
3. Paulus insistiert auf der Gleichwertigkeit aller Gnadengaben; es gibt keine Charismen, die als geringer bzw. anderen überlegen verstanden werden dürften.
4. Alle geist- bzw. gottgewirkten Charismen werden nicht zum individuellen Selbstzweck verliehen, sondern zum förderlichen Miteinander in der christlichen Gemeinschaft.
5. Gott (V. 6) und Geist (V. 10) sind autonomer Ursprung der Geistesgaben. Damit sind diese der menschlichen Verfügbarkeit grundsätzlich entzogen.

4. Homiletische Erschließung des Textes

4.1 Zwei theologische Schlüsselbegriffe: Der Geist und die Charismen

Durch die Exegese sind u. a. die Charismen und der diese wir­kende[26] Geist als wesentlich für die weitere Beschäftigung mit dem Text hervorgetreten. Diese beiden theologischen Begriffe werden für die Predigt von Bedeutung sein und verdienen daher eine kurze systematisch-theologische Erörterung.

Der Geist, verstanden jeweils als Gottes Geist oder Heiliger Geist, ist bei Paulus in 1. Kor 12-14 als die Gabe vorgestellt, die dem Leib (in ekklesiologischer Hinsicht: der Gemeinde) die Einheit und den Zusammenhalt gewährt. Gleichzeitig wird er als Grundlage der Charismen vorausgesetzt.[27] Mit Bezug auf letztere sollte man - auch im Blick auf die Predigt - fragen, ob es denn überhaupt richtig ist, so von den Gaben des Geistes zu reden, wie Paulus es tut, oder ob man nicht vielmehr die natürlichen Veranlagungen und Begabungen deutlicher in den Blick nehmen müßte, die Menschen durch Erziehung, Sozialisation und Bildungsprozesse entwickeln.[28]

Wenn der Heilige Geist prophetische Rede, Weisheit und Erkenntnis wirkt, so sind damit insbesondere theologische Fähigkeiten und Begabungen angesprochen, also eine besondere Einsicht und Urteilsfähigkeit in Glaubensfragen. “Daß diese Fähigkeiten als Charismen eingeordnet werden, belegt zunächst noch einmal, daß der Geist Gottes keine widervernünftige Größe ist, sondern sich auch dem Denken und Verstehen des Menschen erschließt, dieses in Anspruch nimmt und so zur Erkenntnis der Wahrheit führt.”[29]

Vom Geist gewirkte Charismen zu Wundertaten und Krankenheilungen sind in unserer Zeit wegen des wissenschaftlich nicht nachweisbaren Ursache-Wirkung-Zusammenhangs oft in Frage gestellt. Menschen, denen - ohne eigenen Vorteil zu suchen, ohne andere zu manipulieren, ohne Krankheit und Behinderung als unvereinbar mit dem christlichen Glauben hinzustellen und ohne den Anspruch zu haben, ein Heilungswunder selbst vollbringen zu können - die Gabe verliehen ist, andere heilen können, sollten auch dankbar von dieser Gabe Gebrauch machen können.[30] Dennoch ist immer in Erinnerung zu rufen, daß auch Paulus selbst trotz Gebet nicht geheilt wurde, mithin Heilung eine mögliche, jedoch keine notwendige Wirkung des Heiligen Geistes ist. [31]

Die Glossolalie als Wirkung des Geistes hat die Geschichte der christlichen Kirche zu allen Zeiten begleitet. Auch hier gilt, daß eine solche Gabe zum einen nicht geistgewirkt sein muß, zum anderen nicht die notwendige Folge des Vorhandenseins des Geistes Gottes darstellt. Paulus, obwohl selbst der Zungenrede mächtig[32], betont in 1. Kor 14 sehr deutlich, daß die in Korinth als quasi “Spitzenbegabung” verstandene Zungenrede anderen Begabungen, wie z.B. prophetischer Rede, nachzuordnen ist, weil sie lediglich der eigenen Erbauung dient und nichts für den Trost und die Ermahnung anderer Menschen austrägt. Dieses Argument ist in seiner Stichhaltigkeit zwingend genug, um daraus abzuleiten, “daß diesem Charisma wegen seiner fehlenden Bedeutung für das geistliche Leben der christlichen Gemeinde nur eine marginale Rolle zukommen kann”[33].

4.2 Möglichkeiten der Textvergegenwärtigung

Am Anfang steht eine Negativbeschreibung und Abgrenzung: ich möchte keine glorifizierende Predigt halten über bestechende Wunder, eindrucksvolle Heilungen und weitverbreitetes Zungenreden in Korinth oder anderswo. Mir persönlich sind diese geistgewirkten Erscheinungen zu wenig vertraut, als daß ich Substantielles darüber zu sagen wüßte. Statt - vielleicht sogar sehnsuchtsvoll - nach Sternen (oder auch Sternschnuppen?) zu greifen, die meiner Verfügbarkeit entzogen sind, konzentriere ich mich auf das Wuchern mit den Pfunden, die unserer Gemeinde gegeben sind. Auch in Dortmund-Kley sind Charismen vorhanden, auf die als Pendant zu denen in Korinth getrost verwiesen werden sollte. Kein Grund also zu Minderwertigkeitskomplexen.[34]

Für die hermeneutische Umsetzung der durch die Exegese herausgearbeiteten wesentlichen Textaussagen käme neben der von mir gewählten Möglichkeit (siehe unten) auch eine Reihe anderer in Betracht. Man könnte, wie schon angedeutet, das Phänomen übernatürlicher Charismen, die in Korinth wirksam waren und auch heute immer wieder vorkommen, thematisieren. Der Predigttext ließe es ebenso zu, spezifisch auf die Situation des Gemeindelebens vor Ort und die dieses bestimmenden Aktivitäten einzugehen. Denkbar wäre auch, den letzten Vers des Textes in den Mittelpunkt der Predigt zu rücken und über die menschliche Unverfügbarkeit der überall verschieden wirksamen Charismen zu sprechen. Schließlich käme u.a. in Frage, die im ökumenischen Diskurs unterschiedlich bewerteten Charismen als pfingstliches Thema auszugestalten und die geistliche Einheit in der kirchlichen Verschiedenheit als ein Ziel ökumenischer Bemühungen der Gegenwart aufzugreifen.

Diese Predigt soll unsere eigene, um es in Anlehnung an Schleiermacher zu sagen, “schlechthinnige Abhängigkeit” von dem gemeinschaftsstiftenden pfingstlichen Geist als Zielgedanken in sich tragen. Dabei bleiben für die konkrete Kanzelrede trinitarisch-dogmatische Erwägungen[35] nebensächlich, hier geht es zuerst um das Verkündigen des in Kirche und Welt wirksamen Pfingst geistes. Wenn es gelingt, diesen uns geschenkten Geist, der in unserer von Individualität und zunehmender Vereinsamung durchzogenen Welt Gemeinschaft wirken will, als einen so intendierten zu verkündigen, und wenn es gelingt, über die aus diesem Geist hervorgehenden Gaben als uns beleben wollende Geschenke zu sprechen, dann sind die Thematik des Pfingstfestes und der oben genannte Zielgedanke der Predigt in theologisch angemessener Weise miteinander verknüpft.

4.3 Der Aufbau und die Gedankenführung der Predigt

Auch wenn die Gemeindeglieder in diesem Gottesdienst die Gelegenheit erhalten werden, den Predigttext mitzulesen (wozu viel zu selten die Möglichkeit besteht), wähle ich als Predigt­einstieg eine kurze und zugleich aktualisierende Verfremdung des Textes. Wird dadurch einerseits die Perspektive auf den Text verschoben, so doch gleichzeitig eine alltägliche und daher nachvollziehbare Situation heutiger Hörerinnen und Hörer mit Blick auf den Text hergestellt.

Angesichts der besonderen Feiertagssituation an einem Pfingstmontag erscheint es mir angebracht, die weitverbreitete Fremdheit in bezug auf den inhaltlichen Gehalt des Pfingstfestes - im Gegensatz etwa zu Weihnachten und Ostern - anzusprechen, wird Pfingsten doch immer wieder als das kirchliche Fest genannt, zu dem ein persönlicher Zugang besonders schwerfällt. Dabei will ich mich vor allem selbst als einen mit der Gemeinde Fragenden verstehen und mich nicht als einen um Antworten nicht Verlegenen präsentieren. Vielleicht kann es so gelingen, die Kluft zwischen den Hörenden und mir als Prediger gering zu halten bzw. diese zu überbrücken: letztlich sind wir alle Fragende und Suchende!

Die Beurteilung des Pfingstfestes, zu der Bertolt Brecht gekommen ist, empfinde ich als eine zumutbare Provokation derjenigen, die in den Gottesdienst gekommen sind. Dieser Brecht’sche Aphorismus fordert den Widerspruch geradezu heraus, jedenfalls bleibt man nicht unbetroffen von diesem leicht eingängigen Satz, man muß sich in irgendeiner Weise dazu verhalten. Daher ist es meines Erachtens wichtig, am Ende der Predigt dieses Wort noch einmal aufzunehmen und die eigene Position, die in meinem Fall in schroffem Gegensatz zu dem Brecht’schen Verdikt über das Pfingstfest steht, deutlich zu machen. Mit dem Aufstellen der Behauptung, daß es mit Pfingsten nichts Besonderes auf sich habe wegen zu geringer Geschenke, erhoffe ich ein Spannungsmoment aufzurichten, auf dessen Auflösung die der Predigt Zuhörenden warten.

Nach der Besinnung über Pfingsten als kirchliches Fest wird ein Rückgriff folgen auf die Ursachen der korinthischen Spannungen. Die Textintentionen werden dabei durch die Verdeutlichung der Tatsache aufgegriffen, daß auch in 1.Kor 12,4-11 verschiedene Charismen “nur” benannt und nebeneinander aufgelistet werden. Paulus geht es doch vor allem darum, das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis und die gleichgewichtige Wertschätzung der einzelnen - an sich beliebig austauschbaren - Gaben zu thematisieren. Ausgehend vom Pfingstwunder, über das die Apostelgeschichte berichtet, läßt sich über den Heiligen Geist und seine Wirksamkeit in der Gemeinde in Korinth sprechen. Gleichzeitig wird deutlich, daß damit nicht automatisch allzu menschliche Charakteristika wie Geltungsdrang, Überheblichkeit und Konkurrenzdenken beseitigt sind. Besonders Zungenredner schienen in Korinth als wichtige und den Lauf der Dinge bestimmende Persönlichkeiten aufzutrumpfen. Beim Nachdenken über einen möglichen Gegenwartsbezug, über die Frage also, wo sich bei uns diese konkurrierenden “Geister” präsentieren, fielen mir die sogenannten very important persons, denen man heutzutage immer öfter begegnet, ein. Das gesellschaftlich offenbar allgemein anerkannte Streben danach, eine V.I.P. zu werden, ist mir deutlich vor Augen geführt worden, als mich unlängst ein Freund auf eine Broschüre aufmerksam machte, die ihm von einer Agentur zugeschickt worden war. Das in die Predigt aufgenommene Beispiel eignet sich meines Erachtens, um die weitverbreitete individuelle Arroganz und die damit einhergehende Ignoranz anderer zu benennen als gemeinschaftsschädigendes Gegenüber zu dem pfingstlichen, gemeinschaftsstiftenden Geist, der ja nach dem Predigttext gerade zum Nutzen aller wirksam sein möchte. Damit darf meiner Meinung nach nicht intendiert sein, im Zuge fortschreitender Individualisierungsprozesse ins Horn eines allgemeinen Kulturpessimismus zu stoßen. Durch die pointierte und ironisierende Analyse, die Ulrich Beck hinsichtlich des modernen und nach Selbstverwirklichung strebenden Menschen gibt[36], werden wir uns selbst in unserem “Haschen nach Wind” vorgeführt und - das zumindest ist meine Hoffnung - der paulinischen Auffassung von gemeinschaftsförderlicher Individualität geöffnet. Paulus spricht sich nach meinem Verständnis nicht gegen Individualität an sich aus, er will diese aber für die Gemeinschaft nutzbar gemacht wissen.

Wie oben schon angedeutet, werde ich am Ende der Predigt der Brecht’schen Behauptung von den angeblich so “geringen Pfingstgeschenken” widersprechen. Ist es in dieser so beschaffenen Welt von weitverbreiteter Einsamkeit und der Suche nach individuellem Glück und Lebenssinn nicht gerade ein unsere Not wendendes und damit großartiges Geschenk, wenn es einen Geist gibt, der uns zusammenruft und verbinden will, einen Geist, der Gemeinschaft unter Individuen auch ermöglicht?

Für den Gottesdienst soll das Predigtlied “Hilf Herr, meines Lebens” als Liedblatt ausgegeben werden. Es bietet sich daher an, auf dieses Blatt zum Mitlesen auch den Predigttext und zum “Nach-Denken” das Zitat des Soziologen Ulrich Beck zu kopieren. Schließlich kann man nach sprachdidaktischen Erkenntnissen davon ausgehen, daß nur etwa zwanzig Prozent der lediglich gesprochenen, nicht aber noch zusätzlich visualisierten Sprache den Hörenden im Gedächtnis bleibt.

4.4 Zur Sprache und zum Redestil in der Predigt

Meines Erachtens geschieht es in Predigten viel zu häufig, daß - mangels einer intensiven Beschäftigung mit den mehr “bodenständigen” Realitäten menschlicher Existenz bzw. mangels des Versuchs (oder des Charismas?), sich auf gegenwartsgerechte Sprache einzulassen - eilfertig abgehoben wird auf vermeintlich “wohlbewährt-christliches” Sprachgut. In Wirklichkeit besteht dieses aber vielfach aus sinnentleerten Floskeln, mit denen die religiösen Versatzstücke, die thematisiert werden sollen, nicht sprach- und auch nicht seinsfähig gemacht werden können.[37] Wie aber läßt sich überhaupt allgemeinverständlich und gegenwartsbezogen über den Geist und die (von diesem initiierten) Charismen sprechen? Nach Walter Lück läßt sich die eine Wirklichkeit, in der wir leben, nicht im Spiegelbild oder Vergleich einer anderen, geistigen Wirklichkeit beschreiben. “Moderne Sprache zeichnet sich dadurch aus, daß sie nicht Hinweis auf etwas anderes, Eigentliches ist, sondern die Wirklichkeit selbst nennt.”[38]

Ein immergültiges Rezept wird es für die Sprache und den Redestil in einer Predigt nicht geben können. Ich bin mir meiner Begrenztheit in den Ausdrucksmöglichkeiten bewußt und merke aufgrund meiner eigenen, durch studentisches Leben geprägten Situation, wie sehr ich einem Redetypus zuneige, der weniger von einem kirchlich-öffentlichen Verkündigungsauftrag her sich versteht, sondern vielmehr (noch?) sehr persönlich geprägt ist. Eine “Predigt wird so zu einem Prozeß der persönlichen Verarbeitung von Alltagserfahrungen im Horizont des Glaubens. Durch Partizipation an dem Verarbeitungsprozeß des Predigers soll der Hörer befähigt werden, seine eigene Erfahrungswelt in der Begegnung mit den Anforderungen und Verheißungen des Glaubens durchzuarbeiten”.[39]

Ich versuche, bei einem mir selbst möglichst angemessenen Redestil zu bleiben, der durch Nüchternheit des Ausdrucks und die Vermeidung erst noch deutungsbedürftiger Abstrakta geprägt sein wird. Walter Jens nennt dies den “Aufstand der Praxis, das heißt: Es wird erwiesen, daß die Sprache von der Welt als Sprache von Gott nur eine weltliche Sprache sein kann”[40]. In dieser Beschreibung von Profanität in der Predigtsprache finde ich meine eigenen Intentionen treffend zusammengefaßt.

5. Der Gemeindebezug

Die Gemeinde Dortmund-Kley, in deren Pfingstmontagsgottesdienst diese Predigt gehalten werden soll, ist - allgemein gesprochen - eine durchschnittlich volkskirchlich geprägte mit etwa 1900 Gemeindegliedern und diversen alters- und interessenspezifischen, größtenteils sich nicht berührenden Aktivitäten: der Altendank, verschiedene Jugendkreise, ein Posaunenchor, Krabbelgruppen, ein Gospelchor, ein Arbeitskreis “Film und Religion” und anderes mehr gehört ins Spektrum der regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen.

Die von mir in die Predigt aufgenommenen Situationsbezüge entstammen dem Gemeindeleben in Dortmund-Kley. So ist es z.B. Tradition, daß der Pfarrer im Ostergottesdienst auch Goethes “Osterspaziergang” vorträgt.

Die Schar der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher ist normalerweise bunt gemischt. Selbst wenn, wie eingangs erwähnt, am Pfingstmontag erfahrungsgemäß nur wenige Menschen zum Gottesdienst kommen, darf gerechnet werden sowohl mit den Konfirmanden und der Hausärztin als auch mit den Bergmannswitwen und dem leitenden Vertreter einer Großhandelskette. Für die Gestaltung der Predigt bedeutet das, besonders in sprachlicher Hinsicht, eine nicht geringe Herausforderung, um möglichst viele am Gottesdienst Teilnehmende in einer ihnen angemessenen und sie auch ansprechenden Form zu erreichen.

6. Die Predigt

Lied vor der Predigt: Ich glaube, daß die Heiligen im Geist Gemeinschaft haben, Neues Evangelisches Gesangbuch Nr. 253, Strophen 1, 4, 5.

Kanzelgruß: Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für diesen Gottesdienst steht im 1. Korintherbrief im 12. Kapitel. Paulus schreibt in diesem Abschnitt über sehr viele Gaben, Begabungen und Fähigkeiten, die in der Gemeinde von Korinth vorhanden sind. Gleichzeitig verschweigt er aber auch nicht, daß es sehr wohl Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen gibt und nicht alle über die gleichen Stärken und Talente verfügen. Aber hören wir zunächst den Text, Sie sind eingeladen, ihn auf dem Liedblatt mitzulesen:

Verlesen des Predigttextes 1. Kor 12, 4-11.

Liebe Gemeinde, stellen Sie sich vor es ist Pfingsten und Sie sind eingeladen zu einer Hochzeit. Nun suchen Sie nach einem ausgefallenen Geschenk für das Brautpaar. Sie überlegen eine Weile und entschließen sich dann für eine sehr schöne Zimmerpflanze. Nach einigem Suchen kommen Sie auch in das Gewächshaus einer Gärtnerei. Es ist unerträglich heiß und feucht, aber endlich finden Sie all das, was man sich an stattlichen Pflanzen nur wünschen kann. Es gehen Ihnen förmlich die Augen über von farbenprächtigen, exotischen Blüten. Sie können sich gar nicht recht für eine entscheiden - alle diese Pflanzen würden sich hervorragend eignen als angemessenes Hochzeitsgeschenk.

Der Gärtner, nennen wir ihn einmal Paulus, liest ihnen ihre Wünsche schon von den Augen ab. Er sieht aber auch ihre Unentschlossenheit und sagt: “Wissen Sie, diese Pflanzen sind alle wirklich schön, sie sind wie himmlische Geschenke!” Doch dann sagt er, mit einem nachdenklichen Unterton: “Leider wächst das alles nicht so gut in unserem Klima. Wollen Sie sich nicht lieber etwas weniger Aufregendes aussuchen, was sich auch hierzulande bewährt hat und trotzdem sehr schön ist?”

Liebe Gemeinde: Korinth - eine Stadt mit einer Schar von Christen, exotisch wie Pflanzen in einem Gewächshaus? Die bunte Blütenpracht - himmlische Gaben, die bei uns nicht gedeihen? Paulus - ein Mahner, der uns auf den Boden unserer Realität zurückholen möchte? Und wir - müssen wir uns mit gewöhnlichen Rosen, Tulpen und Nelken zufriedengeben, wenn wir etwas Besonderes suchen? Pfingstliche Pracht - bei uns eine Nummer kleiner?

Es liegt ein paar Jahre zurück, daß ich auf eine ganz andere, spöttische Beschreibung des Pfingstfestes gestoßen bin. Bertolt Brecht nämlich schreibt das so: “Pfingsten - ja Pfingsten sind die Geschenke am geringsten, wogegen Geburtstag, Ostern, und Weihnachten etwas einbrachten!”

Hier steht der eine, der nachdenkliche Paulus, inmitten seiner pfingstlichen Blütenpracht, dort der andere, der spöttische Brecht, der offenbar von Pfingsten nichts begreifen wollte. Und wir? Haben wir auf unserer unaufhörlichen Suche nach etwas Besonderem verstanden, um was für Geschenke es eigentlich geht und was Pfingsten für uns bedeuten kann?

Brecht verkündet voller Hohn, Pfingsten seien die Geschenke am geringsten. Vielleicht hat er gar nicht so unrecht: zu Pfingsten kommt kein Christkind zur Welt - dazu könnte man sich großartig beschenken. Zu Pfingsten gibt es natürlich keinen “Osterspaziergang” im Gottesdienst und auch kein Frühlingserwachen in der Natur - das könnten wir feiern. Wir kennen kaum besondere Bräuche zu Pfingsten, es gibt keine Pfingst­gänse, kein Pfingstbrot und nicht einmal Pfingsttauben aus Schokolade. Pfingsten scheint ein derart spirituelles und abstraktes Fest zu sein, daß es unsere Vorstellungskraft übersteigt und wir gar nicht wissen, wie wir es in unser Leben hineinholen können.

Die Apostelgeschichte berichtet über ein Pfingstwunder, über die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger, die im Gedenken an den auferstandenen Christus zusammensaßen, aßen und tranken. Es heißt da, ein Brausen vom Himmel wäre geschehen, den Jüngern wäre etwas wie lodernde Zungen vom Himmel erschienen, und sie hätten plötzlich angefangen, in verschiedenen Sprachen zu reden, so daß diejenigen, die dazukamen, meinten, die Jünger hätten sich schon am Morgen völlig betrunken. Es ist geradezu un-glaublich sich vorzustellen, was passiert, wenn der Heilige Geist vom Himmel fällt!

Paulus schreibt nun in unserem Text an die Gemeinde von Korinth, in der es offenbar Spannungen zwischen verschiedenen Gemeindegliedern gab. Nein, nicht erst in unserer Zeit, sondern schon in Korinth war es durchaus auf der Tagesordnung, sich hervorzutun, sich selbst als besonders begabt und wichtig anzusehen und über andere hochnäsig hinwegzuschauen. Spannungen und Machtkämpfe gab es auch in Korinth, auch die Christinnen und Christen dort waren nur Menschen. Für uns hier und heute in Dortmund-Kley ist allerdings der Grund der Konflikte damals in Korinth nur schwer nachvollziehbar. Einige Gemeindeglieder stritten sich nämlich darüber, wer das meiste vom Heiligen Geist abbekommen hätte und welche Wirkungen des Heiligen Geistes die “tollsten” wären. Manche prahlten überall damit herum, was für tolle Leute sie doch sind, weil sie zum Beispiel in anderen Sprachen - oder wie man sagte: in anderen Zungen - reden konnten, die der Heilige Geist ihnen eingab, oder sie brüsteten sich damit, daß sie die Gabe hatten, Kranke gesund zu machen, denen angeblich kein Arzt mehr helfen konnte. Talente anderer Gemeindeglieder wurden entsprechend belächelt, und es war etwas entstanden, das man eine Auflistung der Bedeutsamkeit von Begabungen, eine Hierarchie der Fähigkeiten nennen könnte. Standen nach dieser Einschätzung die Wunderheiler und Zungenredner auf den obersten Plätzen, so wurden die vielen alltäglichen Dienste, die im Gemeindeleben anfallen, nur noch in den Randbemerkungen erwähnt. Dazu gehörten - modern gesprochen - Kollekte einsammeln, Rasen mähen um die Kirche, Besuchsdienst bei Kranken, Orgelspielen im Gottesdienst, Kirchenzeitungen austragen, Kaffeekochen beim Altendank usw., die Liste ließe sich noch fortsetzen - das alles galt nicht mehr viel in Korinth. Der Apostel Paulus hatte daher offenbar genügend Gründe, den Korinthern einmal deutlich die Meinung zu sagen.

Liebe Gemeinde, merken Sie, irgendwie kommen uns die korinthischen Verhältnisse doch sehr vertraut vor. Ist nicht unsere ganze Gesellschaft, aber auch unsere Kirche, nach diesem Denkschema, nach der korinthischen Hierarchie der Begabungen und Fähigkeiten aufgebaut? In allen Lebensbereichen, auch in der Kirche, kennen wir unterschiedlich wichtige Menschen. Und offenbar gibt es auch bei uns nichts Erstrebenswerteres, als sich auf der Skala der öffentlichen Wertschätzung so weit wie möglich nach oben zu arbeiten.

Einem arbeitslosen Freund von mir wurde vor einiger Zeit von einem dubiosen Fortbildungsinstitut ein aufwendig gestalteter Prospekt mit Einladungen zu verschiedenen Seminaren zugeschickt. Das Ziel dieses unabhängigen Unternehmens sei, so wurde im Vorwort der Broschüre versichert, jungen und begabten Menschen den Weg zu ebnen zu verantwortungsvollen Leitungstätigkeiten. Von Aufstiegschancen und zukunftsweisenden Projekten war da die Rede, von Einfluß und Karriere, von der Perspektive, in nur wenigen Wochen zu einer “very important person”, oder wie man früher sagte, zu einer sehr wichtigen Persönlichkeit zu werden. Charakteristisch für ein solches Seminarprojekt war schon die Frage auf dem Deckblatt dieses Prospektes, die zum Weiterlesen anregen sollte. Dort stand: “Alle träumen davon, eine very important person zu sein, Sie etwa nicht?” Auf den Innenseiten fanden sich dann neben sehr merkwürdigen Kursbeschreibungen auch Bilder von großen Limousinen vor einem luxuriösen Hotel und von einem Sektfrühstück in der business-class eines Flugzeuges. Dann waren auf mehreren Seiten freundlich aussehende und gutgekleidete Menschen abgebildet, die es offenbar schon geschafft hatten, nach oben zu kommen. Auch meinem arbeitslosen Freund sollte es schon bald so gut gehen können, wenn er nur genügend Initiative mitbrächte und natürlich auch das nötige Kleingeld: zwölftausend Mark wurden gefordert für die Ausgießung dieses karriereträchtigen Geistes über ihn, eines Geistes, der ihn angeblich nach oben bringen würde.

Erinnern wir uns noch einmal an unseren Predigttext und die Gemeinde in Korinth: Paulus kritisiert hier diejenigen, die sich einbilden, durch den Geist Gottes zu very important persons geworden zu sein, zu Christen, die anderen, angeblich weniger Begabten, etwas voraus hätten. Die Zungenrede, also das Sprechen in fremden Worten oder Sätzen, galt in Korinth als Beweis für das Wirken des Geistes Gottes. Wer so etwas Außergewöhnliches konnte, der war etwas! Die Christen, die in Zungen reden konnten, die waren nach oben gekommen.

Für Paulus ist diese Gabe des Heiligen Geistes aber keine “Spitzenbegabung”, sondern nur eine unter sehr vielen anderen, ja mehr noch, sie ist, wie Paulus an anderer Stelle schreibt, sogar ziemlich unbedeutend, da sie nur der eigenen Erbauung dient und für die Gemeinschaft nichts austrägt. Wichtiger sind für Paulus die Begabungen, die gemeinschaftsstiftend sind, wenn also Menschen durch das, was ihnen als Begabung verliehen ist, durch das, was sie können und auch durch das, was sie besitzen, wenn sie mit dieser Vielfalt zur Stärkung der christlichen Gemeinschaft beitragen. Solche Begabungen sind überall vorhanden, auch bei uns in Dortmund-Kley.

Paulus erklärt damit auch die ganz normal und selbstverständlich erscheinenden kleinen Dinge des Alltags zu Geschenken des Heiligen Geistes, denn für ihn ist es ein und derselbe Geist, der jeden Menschen individuell und in besonderer Weise mit Gaben ausstattet und beschenkt. Es gibt für Paulus überhaupt niemanden in der christlichen Gemeinde, die oder der nicht über ein besonderes Charisma, eine Gnadengabe, ein Geschenk zum Nutzen der Gemeinschaft verfügt. Wir alle haben etwas beizutragen, alle sind wir für Paulus etwas Besonderes, nur meinte er das wohl ein wenig anders als es von vielen Menschen der Gegenwart verstanden wird.

Wir leben in einer Zeit, in der die Individualität des Menschen und die Suche nach persönlichem Glück einen sehr hohen Stellenwert besitzen, häufig einen viel höheren als das Wohlergehen der Gemeinschaft. Es ist heute normal, daß man zuerst einmal ganz bewußt “Ich” sagt und nach der eigenen Selbstverwirklichung fragt, bevor man sich den Problemen zuwendet, von denen man in der Nachbarschaft oder in der Gesellschaft weiß. Wir alle, so wird es durch den Geist der Zeit und die viele Reklame vermittelt, wir alle sind mehr denn je unseres eigenen Glückes Schmied, wir alle haben unser Schicksal selbst in der Hand. Dabei bleibt die fröhliche Gemeinschaft, auch in der christlichen Gemeinde, oft auf der Strecke.

Es ist jedoch nicht so, daß sich Individualität und die bewußte eigene Lebensgestaltung von vornherein als gemeinschaftszerstörend auswirkt. Wir müssen uns wohl zuerst einmal selbst bejahen, um uns unseren Mitmenschen auch offen zuwenden zu können. Es kommt allerdings darauf an, die eigene Persönlichkeit und Unabhängigkeit nicht als endgültigen Lebenssinn zu verstehen, sondern sich immer von neuem bewußt zu machen, daß niemand für sich allein leben kann. Nur wenn sich Menschen als Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft verstehen, in die sie ihre Individualität, ihre Gaben und Fähigkeiten einbringen können, nur dann kann Leben auch gelingen.

Es gibt Wissenschaftler, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu erkennen und zu beschreiben. Zwischen ihnen besteht eine weitgehende Übereinstimmung darin, daß wir erst am Beginn einer zukünftig noch viel stärker um sich greifenden Individualisierung innerhalb unserer Gesellschaft stehen. Damit verbindet sich aber auch eine ganze Reihe von Gefahren. Einer hat es 1994 auf den Punkt gebracht. Er schreibt: “In der Suche nach Selbsterfüllung reisen die Menschen nach Tourismuskatalog in alle Winkel der Erde. Sie zerbrechen die besten Ehen und gehen in rascher Folge immer neue Bindungen ein. Sie lassen sich umschulen. Sie fasten. Sie joggen. Sie wechseln von einer Therapiegruppe zur anderen und schwören auf jeweils ganz unterschiedliche Therapien und Therapeuten. Besessen von dem Ziel nach Selbsterfüllung, reißen sie sich selbst aus der Erde heraus, um nachzusehen, ob ihre Wurzeln auch wirklich gesund sind.”

Ganz anders möchte sich Paulus verstanden wissen. Ihm geht es in unserem Predigttext um das fröhliche und hilfreiche Miteinander in der Gemeinschaft. Zu diesem Zweck nämlich haben die individuell sehr verschiedenen Gemeindeglieder in Korinth ihre Geistesgaben erhalten, nicht dazu, nur das eigene Vorankommen, die individuelle Selbsterfüllung zu suchen und das eigene Ansehen über das der anderen hinausheben zu wollen. Natürlich geht es Paulus nicht um Gleichmacherei, sondern es ist ihm sehr wohl bewußt, daß Menschen verschieden sind und über sehr unterschiedliche Gaben und Fähigkeiten verfügen. Niemand hat aber die eigenen Fähigkeiten, Talente, Begabungen, oder wie auch immer man die menschliche Persönlichkeit “ausfüllen” möchte, aus sich selbst heraus. Es ist der Geist Gottes, der alles in allen wirkt und uns zu dem macht, was wir sind. Dieser Geist macht uns auch fähig, uns mit unserer Individualität für die Gemeinschaft einzusetzen, jede und jeder an verschiedenen Orten und in verschiedenen Situationen. Wir alle kennen den Grundsatz “Eigentum verpflichtet”. Ähnlich ist es mit den Gnadengaben. Das Pfingstgeschenk, in dem wir unsere jeweils besonderen Fähigkeiten und Begabungen empfangen, verpflichtet uns zum Dienst an unserer Gemeinschaft.

Besonders für uns, die wir uns so gern als modern verstehen, ist das Pfingstgeschenk des Heiligen Geistes ein sehr wichtiges geworden, und ich möchte daher dem eingangs zitierten spöttischen Wort Bertolt Brechts entschieden widersprechen. Pfingsten sind die Geschenke eben nicht am geringsten, sondern zu Pfingsten gedenken wir eines bedeutenden Geschenkes, das wir uns zwar immer seltener bewußt machen, das aber gerade deshalb für uns immer wertvoller geworden ist. Wir denken an das Geschenk des Geistes, der die Gemeinschaft unter Menschen ermöglicht, der die Kirche von Anfang an begleitet hat und auch in unserer Mitte tätig sein möchte und wirksam ist. Für das Gelingen dieser Gemeinschaft sind und werden uns allen individuelle Gaben und Fähigkeiten geschenkt. Pfingsten wird so zu einem Anlaß, über uns selbst und speziell über das Haushalten mit dem, was wir haben und können, nachzudenken.

So möchte ich uns heute an diesem Pfingsttag wünschen, daß es uns gelingen möge, in unsere Familien, in unsere Nachbarschaft, in unsere Gemeinde und auch in unsere Gesellschaft den gemeinschaftsstiftenden Geist hineinzutragen, der, wie er bei den Jüngern in der Apostelgeschichte und in der Gemeinde von Korinth wirksam war, auch unter uns wirksam ist. Dazu möge uns Gottes Geist befähigen und in uns allen die individuellen Gaben mit Leben erfüllen, die er uns als wirklich großartige Pfingstgeschenke zugedacht hat.

Amen.

Lied nach der Predigt: Hilf, Herr meines Lebens, Neues Evangelisches Gesangbuch Nr. 419

7. Literatur

Ulrich Beck und E. Beck-Gernsheim (Hg.): Riskante Freiheiten, Frankfurt 1994.

Bertolt Brecht: Gesammelte Werke, Bd. 9, Frankfurt 1967.

Hans Conzelmann: Der erste Brief an die Korinther, KEK V, Göttingen 121981.

Karl-Fritz Daiber u.a.: Predigen und Hören. Ergebnisse einer Gottesdienstbefragung, Bd. I, München 1980.

Hans Werner Dannowski: Kompendium der Predigtlehre, Gütersloh 1985.

Walter Jens: Republikanische Reden, München 1979.

Wilfried Härle: Dogmatik, Berlin/New York 1995.

Friedrich Lang: Die Briefe an die Korinther, NTD Bd. 7, Göttingen und Zürich 1986.

Theologische Realenzyklopädie, Berlin/New York 1984.

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Stuttgart 1935.

Christian Wolff: Der erste Brief des Paulus an die Korinther, ThHK 7/2, Berlin 1980.

Anmerkungen

Das Pfingstfest und der

gemeinschaftsstiftende Geist

Predigt zu 1. Kor 12, 4-11

zur Ersten Theologischen Prüfung Evangelische Kirche von Westfalen Herbst 1996

vorgelegt von Christoph Ernst Dorneystr. 65 44149 Dortmund

6. Anmerkungen

[...]


[1] Aus: “Alfabet”, in: Bertolt Brecht, Gesammelte Werke, Bd. 9, Frankfurt 1967, S.511ff.

[2] Das gilt für den Abschnitt 12,1-14,40, der mit peri v eingeleitet wird (vgl. 1.Kor 7,1 und 8,1). Ob auch der Abschnitt nach 11,2 eine Antwort auf korinthische Anfragen ist, kann nicht sicher gesagt werden. (Siehe Christian Wolff: Der erste Brief des Paulus an die Korinther, ThHK 7/2, Berlin 1980, S. 65 u. 97).

[3] Siehe Friedrich Lang: Die Briefe an die Korinther, NTD Bd. 7, Göttingen und Zürich 1986, S. 162.

[4] Siehe ebd., ähnlich auch Hans Conzelmann: Der erste Brief an die Korinther, KEK V, Göttingen 121981, S. 248.

[5] Ausführlich siehe Kapitel 3.2.

[6] Siehe Conzelmann, a.a.O., S. 257. Das Bild ist auch im politischen Kontext des Römischen Reiches bekannt: Das Reich ist als Körper, der Herrscher als das Haupt, die Provinzen werden als die Glieder verstanden (siehe ebd.).

[7] In diesen Versen wird in hervorragender Weise das paulinische Kirchenverständnis deutlich, worauf aber hier nicht näher eingegangen werden kann. Das Bild vom Leib und seinen Gliedern findet sich bei Paulus auch in Röm 12,4f. 15, 1.Kor 10,17 und Gal 3,28.

[8] Manche Ausleger bringen beide Aspekte zusammen, indem sie den Terminus als “(unterschiedliche) Zuteilungen” interpretieren. So z.B. Lang, a.a.O., S.166.

[9] Siehe Conzelmann, a.a.O., S. 253f.

[10] Ebd., S. 253. Vergleicht man die triadische Formel Geist - Herr - Gott mit ähnlichen bei Paulus vorkommenden (z.B. 2.Kor 13,13), so zeigt sich, daß eine feststehende Reihenfolge innerhalb der Dreigliedrigkeit noch nicht gedacht worden ist (So Lang, a.a.O., S.168).

[11] Siehe 1. Kor 12, 12-31a.

[12] Vgl. 1. Kor 12,28 und Röm 12,3-8.

[13] Lang, a.a.O., S. 168.

[14] Ebd., S. 169.

[15] Conzelmann, a.a.O., S. 254f.

[16] Lang, a.a.O., S. 169.

[17] Siehe Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Bd. II, Stuttgart 1935, S.650.

[18] Siehe Conzelmann, a.a.O., S. 255.

[19] Siehe Lang, a.a.O., S. 169. Lang denkt bei den Wunder wirkenden Kräften vor allem an die Fähigkeit, Dämonen auszutreiben.

[20] Siehe ebd.

[21] ThWNT VI, S. 829.

[22] Lang, a.a.O., S. 203. Vgl. 1. Kor 14, besonders V. 3f.

[23] Lang, a.a.O., S. 203. Vgl. Röm 6,12 und 1. Thess 5,19-21 (hier wird die Gemeinde ganz allgemein aufgefordert, die Äußerungen des Geistes nicht zu unterdrücken, wohl aber zu prüfen).

[24] Siehe Lang, a.a.O., S. 170. Ähnlich argumentiert Conzelmann, a.a.O., S. 255. Mit dem Verhältnis von Glossolalie und Prophetie setzt sich Paulus in 1.Kor 14 ausführlich auseinander.

[25] Lang, a.a.O., S. 170 (kursive Anmerkung von Ch.E.).

[26] Es ist problematisch, auf den Geist Gottes bzw. den Heiligen Geist in der paulinischen Theologie in angemessener Weise einzugehen, ohne weit über den Rahmen homiletischer Überlegungen hinauszuschreiten. Ich beschränke mich daher sehr knapp auf wenige Gedanken, die für die Auslegung der Perikope wichtig sind, bin mir aber gleichzeitig der geradezu unzulässigen Verkürzung dessen, was hier zur Pneumatologie bei Paulus zu sagen wäre, bewußt.

[27] Damit nimmt der Geist den gemeinschaftsstiftenden Platz ein, den in der jüdischen Tradition die Beschneidung innehat(te). So Klaus Berger, Artikel “Geist/Heiliger Geist/Geistesgaben (III. Neues Testament)” in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 12, Berlin/New York 1984, S.178-196.

[28] Siehe Wilfried Härle: Dogmatik, Berlin/New York 1995, S.378.

[29] Ebd., S. 379.

[30] Vgl. ebd., S. 381. Härle sieht das Zutreffen der genannten vier Kriterien als unabdingbare Voraussetzung an, um überhaupt von einer möglichen Geistheilung sprechen zu können. Allerdings bedeutet auch die Bejahung der aus diesen Kriterien ableitbaren Fragen noch nicht automatisch, daß im Falle einer Heilung diese aus dem Geist heraus geschehen ist.

[31] Siehe 2. Kor 12,7-10.

[32] Siehe 1. Kor 14,18.

[33] Härle, a.a.O., S. 383.

[34] Als ich kürzlich mit einer Frau aus unserer Gemeinde ins Gespräch kam und dabei u.a. erwähnte, worüber ich am Pfingstmontag predigen würde, trat mir genau dieses Gefühl von Minderwertigkeitskomplexen hinsichtlich der Lebendigkeit des heutigen Gemeindelebens entgegen. Die Frau sagte: “Ja damals, was der Paulus da erlebt hat, das muß doch noch großartig gewesen sein!”

[35] Vgl. die dazu in Anmerkung 10 gemachten Ausführungen.

[36] Das Zitat in der Predigt entstammt dem Aufsatz: Ulrich Beck, Jenseits von Stand und Klasse, in: Dersb. und E. Beck-Gernsheim (Hg.): Riskante Freiheiten, Frankfurt 1994.

[37] Ein Negativbeispiel: Unlängst hörte ich einen Pfarrer, der als offenbar “krönendem” Abschluß seiner Predigt vom “Säuseln der Barmherzigkeit Gottes” sprach, das Elia auf seiner Flucht widerfahren ist. Es bleibt mir unverständlich, wie eine Predigt für unsere Zeit in einer solchen Wendung ihren sinnerschließenden Höhepunkt finden soll.

[38] Walter Lück: Strukturen der Lyrik und die Sprache der Verkündigung, in: ThPr II, 1967, S. 14-30. Zitiert nach Hans Werner Dannowski: Kompendium der Predigtlehre, Gütersloh 1985, S. 25.

[39] Karl-Fritz Daiber u.a.: Predigen und Hören. Ergebnisse einer Gottesdienstbefragung, Bd. I, München 1980, S. 107.

[40] Walter Jens: Die christliche Predigt: Manipulation oder Verkündigung? In: Dersb.: Republikanische Reden, München 1979, S.29.

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Predigt über 1. Kor 12 zur Ersten Theologischen Prüfung Evangelische Kirche von Westfalen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1-
Autor
Jahr
1996
Seiten
24
Katalognummer
V99766
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Predigt, Ersten, Theologischen, Prüfung, Evangelische, Kirche, Westfalen
Arbeit zitieren
Christoph Ernst (Autor), 1996, Predigt über 1. Kor 12 zur Ersten Theologischen Prüfung Evangelische Kirche von Westfalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99766

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