Teil der Einführung in die Sozialphilosophie


Skript, 2000

9 Seiten


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SOZIALPHILOSOPHIE

Wozu überhaupt noch Sozialphilosophie?

Alles wird in unserer Zeit in Frage gestellt, aber Philosophie ist sehr lebensfähig und auch nötig.

Was ist Philosophie?

(griech.) Liebe zur Weisheit, Wahrheitsliebe

Die Philosophie ist die Disziplin, die sich mit den letzten Gründen beschäftigt. Sie faßt Ein- zelwissenschaften zusammen und stellt an sie Fragen. Philosophie hat einen hohen Stellen- wert.

Die Philosophie lädt alle ein, sich an der Wahrheit zu beteiligen.

Die Zweige der Philosophie: u.a. Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie, ... und auch die Sozialphilosophie

Die Sozialphilosophie wirft ihren Blick auf das Zusammenleben der Menschen und ist einer der wichtigsten Bestandteile der Philosophie. Die Sozialphilosophie geht auf Aristoteles zurück, der gefragt hat: „Was ist der Mensch?“ Antwort: „Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen!“ Die Gesellschaft ergibt sich zwangsläufig aus der Art der Menschen.

Sozialphilosophie ist einer ganz spezieller Teil der Philosophie. Er ist aber auch ein Übergriff für Staats- und Rechtsphilosophie. Eine Fülle von Rechtsnormen müssen erfüllt werden.

Ferdinand TÖNNIES hat gesagt, daß man die Begriffe unterscheiden muß:

Gemeinschaft: ist die Bindung in die der Mensch hineingeboren wird. Gesellschaft: hat der Mensch selbst geschaffen.

Die Grundfrage lautet: „Was ist der Mensch?“

Der Mensch lebt in der Gesellschaft, weil er es muß, er ist auf die Gemeinschaft hin orientiert, er trägt die Gemeinschaft in sich. Der Mensch verwirklicht sich in der Gemeinschaft.

Thomas v. AQUIN: „Der Mensch lebt in der Gemeinschaft und ist so orientiert.“ Ausnahme ist der Einsiedler (Eremit).

KANT: „Ungesellige Geselligkeit“ - der Mensch hat auch eine individuelle Ader „die Menschen können einander nicht leiden und leben zusammen.“

Der Mensch ist nicht bloß Teil des Ganzen, sondern er bringt sein Leben in die Gesellschaft ein. Der Mensch ist Egoist, er muß es auch sein, um überleben zu können.

Auch die impliziten Reflexionen der Philosophie spielen eine Rolle, wie Moralphilosophie, und kommen nicht ohne die Sozialphilosophie aus.

Die Erkenntnistheorie ist der Zugang zum Thema.

Max ADLER: „Mentale Vergesellschaftung“: Wie ist das Bewußtsein geschaffen? Wieso können wir annehmen, daß die Welt so geschaffen ist, wie wir sie sehen? - Nun, wir alle nehmen sie doch etwa gleich wahr, d.h. ein Fundament ist vorhanden. Diese Tatsache ist aber kein Beweis, es ist nur ein Beweis für Bewußtsein. Der Mensch ist mental vergesellschaftet.

Alfred ADLER hat die selbe Feststellung bestätigt: Der Mensch ist wir-haft.

Der seelisch gesunde Mensch akzeptiert, daß wir geben und nehmen müssen. Neurotiker hingegen wollen oder können nicht akzeptieren, daß sie nicht nur nehmen, sondern auch geben müssen. Der Begriff Sozialisation meint „in eine Gesellschaft hineinwachsen“, also nicht auf Kosten anderer leben.

Die Ansicht, daß der Mensch in der Gesellschaft nicht aufgeht, ist eine falsche. („Du bist nichts, der Staat ist alles“ → diese Ansicht ist totalitär) Eben erst weil der Mensch ein Individuum ist, ist Gesellschaft möglich.

Die Philosophie liefert keine eindeutigen Antworten.

Die Frage des Seins hat verschiedene Antworten:

- Materialisten: sie erklären die Welt aus sich heraus.
- Materielle Wirklichkeit: Die geistige Wirklichkeit steht dahinter, die die materielle überhaupt erst möglich macht.

Immerwährende Philosophie - von der Antike über die christliche Tradition bis heute - fragt nach dem Ursprung des Seins.

Am Anfang war nicht die Materie, sondern am Anfang war das Wort, der Geist (logos = Geist, Vernunft, Wort). Erst durch die Sprache wurde der Mensch zum Mensch.

Wissenschaft ist systematische Erforschung, gewissen Elemente findet man überall, die durch systematische Verbindung von Einzelwahrnehmungen zu Stande kommt. (Materialobjekt)

Was Einzelwissenschaften von der Gesamtwissenschaft unterscheidet, ist das Formalobjekt.

Die Einteilung in Naturwissenschaften (Allgemeine Gesetze erforschen und ableiten können → alles vorhersehbar) und Geisteswissenschaften:

Die Naturwissenschaften erforschen Gesetzmäßigkeiten. Die Geisteswissenschaften hingegen erforschen keine Gesetzmäßigkeiten.

Karl POPER: Vorhersage ist unmöglich, weil der Mensch unergründlich und frei ist, d.h. die Zukunft vorhersagen ist unmöglich. „Ich kenne mich gut im dritten Jahrtausend aus, aber ich weiß nicht wie die nächsten zwei Jahre sein werden."

Die Knappheit der Zeit ist die Wohltat des Lebens. Die Kultur blüht auf und die Philosophie ist nötig. Der Tod ist der Musenführer der Philosophie. Erst die Sterblichkeit macht uns zu Menschen.

Frage der Wissenschaft: Die Wissenschaft ist weit davon entfernt, ein eindeutiges Bild der Welt geben zu können.

Vor Poper erhielt man Ergebnisse durch Verallgemeinerung. POPER meinte, daß der induktive Weg nicht der einzige und ergiebigste ist. Man sollte eher von einer Annahme ausgehend eine Hypothese aufstellen und schauen, ob sie in der Welt standhält.

„Alle Schwänze sind weiß“ kann nicht bewiesen werden. Ein schwarzer Schwanz widerlegt alles und wir müssen unsere Annahme wiederum treffen und schauen, ob diese neue nun stimmt. Erst, wenn belegt wird, daß die Theorie nicht stimmt, stellt man eine neue Hypothese auf. Alle Aussagen über die Wahrheit sind nur Annahmen. Der Glaube an Wissenschaft, also wann man glaubt, durch Wissen die Wahrheit zu erkennen, ist falsch. (Poper)

Der Mensch hört nicht auf, die Wahrheit zu suchen, auch wenn man sie nie finden kann. Wir haben so eine lebenslange Beschäftigung.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden immer wieder neu relativiert, die Kunst hingegen bleibt. Eine neue wissenschaftliche Erkenntnis wird durch die nächste Erkenntnis wieder ü- berlagert und in Frage gestellt. Die Kunst hingegen bleibt so wie sie ist.

Bei Viktor FRANKL‘s Logotherapie steht das Wort im Mittelpunkt. Er sagt: „Ein Mensch ist und denkt transzendent und das ist der Unterschied zum Tier.“

Transzendenz in Hinblick eines Werkes (Klöster). Die Hingabe zu einem Menschen oder einem Werk ist die Qualität des Menschen.

Transzendenz in Hinblick auf die Überwelt. Kant sagt, daß wir „Bürger zweier Welten“ sind. Über das tierische Bewußtsein wissen wir nur über unserer eigenes Bewußtsein. Der Versuch aus tierischem Verhalten auf das menschliche zu schließen ist problematisch. LORENZ: Es gibt ebenso homosexuelle Gämse → was im Tierreich erlaubt ist, sollte bei uns auch erlaubt sein ODER weil Tiere bestialisch sind, darf genau das nicht beim Menschen sein.

Sprache: Der Mensch spricht zweckfrei, d.h. er kann allgemein reden und ist nicht an den Anlaß gebunden. Das ist eine Sonderstellung des Menschen.

Der Mensch ist ein geselliges Wesen, durch Raum wird Gesellschaft vermittelt.

Die Menschlichen Beziehungen:

- ES - Beziehung zur Umwelt

- ICH - DU Beziehung: persönliche Beziehung zu den Menschen

- ICH - GOTT Beziehung: Gott kann nie verschwinden, er ermöglicht erst die ICH DU Beziehung.

Die einzelnen Perspektiven des Menschen ergänzen sich. Jeder bringt seine Erkenntnisse in die Gesellschaft ein, es kommt so zu einer Summe von Wahrheiten und Erkenntnissen.

Der Mensch hat eine zweite Natur. Das Tier lebt in seiner Umwelt gefangen und beschützt durch Instinkte. Der Mensch schafft sich Kultur und entrinnt so zum Teil den Übeln der Na- tur.

FREUD: Der Mensch ist lebenslänglich bedroht von Leidensquellen

- Eigener Körper (Krankheit, Tod)
- Schicksalsschläge
- menschliche Beziehungen

„Glück ist etwas, daß im Plan der Schöpfung für den Menschen nicht gedacht ist.“ (Freud) Ohne Leid und Konflikte wäre ein Großteil der Kultur nicht entstanden. „Jeder Künstler ist ein Neurotiker!“ (Freud)

Der Mensch kann aus seinen Schwächen Stärken machen!

Nietsche‘s Ideal war der Übermensch. Er selbst aber war nervenkrank und schleppte sich durchs Leben. Schoppenhauer sagte, daß das Mitleid die höchste Tugend ist. ER selbst aber hatte kaum Mitleid mit seinen Mitmenschen. à Philosophen reden über Dinge, die sie selbst nicht haben.

„Haben Sie schon einmal einen Wegweiser gesehen, der selbst dort hingeht, wo er hinzeigt?“ Eine Ausnahme war Kant.

Gott schafft aus der Fülle, der Mensch aber schafft aus dem Mangel - das ist die Kunst. Die Menschen schaffen sich eine zweite Natur - das ist seine Kultur.

„Künstler sind mit der bestehenden Welt nicht zufrieden“ (Freud)

Wissenschaft und Kunst interessieren sich mehr für Elend und Konflikte als für das Glück. „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Folge von glücklichen Tagen“ (Goethe)

Zugänge zur Sozialphilosophie:

Sie ist ein Teilgebiet der Philosophie, so wie Geschichtsphilosophie, Religionsphilosophie, ... Sie faßt die Rechts- und Staatsphilosophie zusammen

Die Sozialphilosophie ist ein implizierter Bereich, auch wenn es nicht gleich so scheint: Ethik

Der klassische Weg ist die Induktion (Erfahrungen sammeln, Theorie aufstellen, Theorie ü- berprüfen). Popper meint, daß nicht unbedingt auf die Induktion sondern auf den Geistesblitz ankommt. Diese kann man nicht 100 %ig bestätigen, sondern nur mit neue Theorien überla- gern.

Der Staat war nicht immer vorhanden, er hat sich entwickelt. In der Geschichte der Mensch- heit:

- Stammesgesellschaft (Prinzip der Verwandtschaft - Jäger und Sammler)
- Geokratische Gesellschaft (Eufrat und Tigris)
- Stadt- und Territorialstaat (Trennung sakrale und staatliche Belange)
- Nationalstaaten (gewissen Charakteristika, entstanden im 19 Jht. à Ergebnis der Industrialisierung)
- Transnationale Staaten (Abgabe an übergeordnete Instanz - EU, ..)

Diese Abgabe an übergeordnete Staaten hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

- Weltpolizei USA und NATO (große Hoffnung und auch große Gefahr)

Am Anfang des Jahrhunderts sagte Kaiser Willherm: „Ich führe euch herrlichen Zeiten entge- gen“

Dichter stehen über den anderen, weil sie die Augen offen halten für die Zukunft.

Der Staat ist die grundlegende Einheit. Er besteht aus drei Elementen:

Räumliches Element - Staatsgebiet (ohne Territorium ist kein Staat möglich)

Personales Element - Staatsvolk (nicht die Größe ist entscheidend)

Staatsgewalt (Zwang zur Durchsetzung des Rechtes, Staat hat Zwangsmonopol - d.h. nur er kann und darf Unrecht ahnden!)

„Der Staat ist die Verwirklichung einer Idee“

Der Staat soll die Rahmenbedingungen schaffen, jedoch müssen Kunst .. vom Staatsvolk selbst kommen.

Souveränität ist die höchste Gewalt innerhalb eines Staatsgebietes, aber auch nach außen. Wenn ein Staat das nicht kann, hört er auf zu sein.

JELNET Definition von „Staat“: „Mit ursprünglicher Herrschermacht ausgerüstete Verbandseinheit seßhafter (Anmerkung: Problem der Roma)Menschen“

Der Staat ist eine relativ komplexe, zentralistische, arbeitsteilige, auf einer gewissen Stufe der Entwicklung stehende Form des Zusammenlebens .

Innerhalb des Staatlichen gelten Staatsnormen, Verfassung, Gesetze und Verordnungen, Bescheide und Urteile sowie Exekutionen.

Entstehung des Staates:

Die Frage nach der Entstehung des Staates ist eine historische. Je weiter man in die Vergangenheit blickt, desto spekulativer werden die Angaben.

Wieso aber überhaupt Staatenbildung? Dazu die österreichische Staatengelehrte GUMPLO- WITSCH und RATZENHOFFER: „Völker- und Rassenkampf ist der Ursprung des Staates und es kommt zur Vermischung. Eroberung, Krieg und Rassenkampf ist der Ursprung des Staates.

Der Islam ist nicht mit der westlichen Wertvorstellung vereinbar (z.B. wegen dem „Gerechten, heiligen Glaubenskrieg“)

Der Staat ist eine erweiterte Familie (aus katholischer Sicht) und Adam ist ihr Urvater.

BLÜHER: „Der Staat ist der Auszug der Männer aus den Familien und nicht die erweiterte Familie.“

Die Frage nach der Staatsphilosophie hängt mit ihrer Entstehung zusammen. Der Mensch hat ein Bedürfnis sich rechtzufertigen und tut dies im Staat (Staatsrechtfertigung - Warum muß ich die Gesetze einhalten?)

Religiös - theologische Begründung für den Staat: Das Reich Gottes auf Erden oder aber auch eine Art Gegenreich (z.B. AQUIN: Wenn man von der Gerechtigkeit absieht, ist der Staat ein Räuber!“) Bezug zur Transzendenz, Gottesgnadentum

F.J. STAHL: klassische, theologische Begründung - „Der Staat kommt nur von Gott“

Machttheorie: Der Staat ist die Macht des Stärken, we sich durchsetzt, hat die Macht und kann unterdrücken.

Nietsche hat den Staat verachtet - „Es ist das kälteste aller Ungeheuer“ keine Ethik und Religion, sondern nur Macht.

Rechtstheorie: vorgeordnetes Recht, Norm, familienrechtliche Ordnung - der Staat ist wie eine Familie

Patrimonialtheorie: Grundbesitz, wer Grund besitzt, hat Macht über ide, die auf diesem Grund leben.

Vertragstheorie: verschiedene Inhalte, gehen davon aus, daß der Mensch asozial ist und erst durch den Vertrag treten Menschen Rechte an den Staat ab und erhalten dafür Schutz.

Staat als Absolute Idee: Weltgeist, ethnische Theorie, sieht im Staat etwas positives, daß uns aus der Bedürftigkeit herausführt.

Auch psychologisch betrachtbar: Aus psychologischer Bedürftigkeit heraus entsteht ein Staat (Freud)

Zwecke des Staates:

Expansive Entwicklung - möglichst große Aufgaben Liminierende Entwicklung - möglichst einschränkend

In Europa gibt es zur Zeit die Expansive Entwicklung.

F. LASALLE: „Nachtwächterstaat“ früher moderner Staat, Wohlfahrtsstaat, „Daseinvorsorge- Staat“

Sozialpolitik passiert nicht aus Mitleid und Zuneigung zu den Menschen, sondern ist nur ein Mittel zum Zweck.

Es gibt 4 Modelle der öffentlichen Herrschaft:

1) liberaler Staat und freier Markt
2) Wohlfahrtsstaat (Skandinavien) dichtes Netz gegen Schicksalsschläge
3) Kommunistischer Staat
4) Faschistischer Staat beide totalitären Formen sind gescheitert

Aristoteles hat die Staatsformenlehre aufgestellt, die bis heute gilt:

- Demokratie
- Aristokratie (Elite- oder Minderheitenherrschaft)
- Monarchie

Er hat gesagt, daß jede Form Gefahren in sich trägt.

Macht hat die Tendenz zur Korruption, „Absolute Macht ist absoluter Machtmißbrauch“.

Lehre von den Staatsfunktionen: (das Verhältnis macht den Staat aus)

- Gesetzgebung
- Verwaltung - Durchführung der Gesetze
- Rechtsprechung
- Regierung - große Bedeutung gewonnen
- Medien - große Gewalt

Staatsfähigkeit: Repräsentation

SCHMIDT: „ Repräsentation heißt ein unsichtbares Sein durch ein öffentliches Sein bekannt zu machen.“ → d.h. persönlicher Vertreter des Staates

TRIPEL: „Repräsentation heißt die Darstellung eines schwer faßbaren seins durch eine leichtere faßbare Darstellung zu ersetzten.“

Hier gibt es eine Analogie zur Religion: „Ebenso wie Gott als geistiges Wesen ersetzt werden muß durch den Ritus, muß auch der Staat ersetzt werden durch Menschen.“

Innerhalb der Demokratie gibt es zwei Elemente:

- repräsentative Demokratie: Abgeordnete repräsentieren / vertreten den Wähler

- direkte Demokratie: Volksbegehren, Bürgerinitiativen, ..

Die Marxistische Staatslehre ist ein Instrument der Klassenherrschaft. Staat ist der Arm der herrschenden Klasse und das Ziel ist es, den Staat der Kapitalisten durch einen Staat der Mas- se zu ersetzen. Es soll keine Klassen mehr, keine Gewalt und keine Hetze geben. Dem ist aber nicht so, die marxistische Staatslehre funktioniert nicht! Der Staat reißt die Kompetenz an sich.

Marx meint, wenn Klassenkonflikte verschwinden würden, dann würden auch die Probleme als Ganzes verschwinden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: es werden immer mehr Probleme, das Klassenkampfproblem ist nicht das einzige Problem einer Gesellschaft. Alle Konflikte zwischen Menschen führen zu Kampf um Leben und Tod (besonders bei den religiösen Konflikten im Islam), Klassenkampf kann aber auch friedlich enden.

Konflikte sind der Motor einer Gesellschaft, aber wenn die Konflikte zu stark, zu groß werden, ist das natürlich schlecht. In Massen sind Konflikte lebensnotwendig! Der Staat ist nicht nur Klassenunterdrückung und er soll nicht den Markt übernehmen.

Rechtsphilosophie

Staat und Recht sind zwei Ordnungen, die eng mit einander verbunden sind. Es sit ein geistiges Sein, daß sich in Normen dokumentiert. Recht ist das wichtigste Instrument des Staates. Alles was der Staat in Normen wandelt, wird zu Recht.

Grundlage der allgemeinen Rechtslehre:

In ihr sind die allgemeinen Rechte geregelt (wie etwa die Ehe, Miete, Pacht, ..)

Rechtssubjekte werden wir erst durch diese Rechtslehre. Als Grundsatz gilt das römische Recht. Rechtspflicht ist das subjektive Recht, das obligatorische und das dingliche Recht.

Definition von Recht:

Kant’sche Definition: Recht ist der Inbegriff der Bedingungen unter denen die Willkür des einen mit der Willkür des anderen auf einen Nenner bringen.

Recht richtet sich an anderen. Rechtsprobleme entstehen wegen der Zeit, dem Raum und der Beziehung zwischen Menschen. Die Willkür muß durch das Recht eingeengt werden.

„Rechtsordung geht nicht davon aus, daß der Mensch ein Engel ist, sie muß auch für ein Volk von Teufeln gelten - so lange diese zumindest intelligent sind.“ (Kant)

Recht ist Ordung und Grenzziehung

Der Zweck des Rechtes ist die Schrankenziehung, die Herstellung von Frieden mit dem Ausland und auch im eigenen Staat selbst.

Staat und Recht sind die höchsten Entwicklungsstufen, die der Mensch erreichen kann.

Anorganische Ordungen

Organische Ordungen Pflanzen

Tiere

Geistiges Sein

Eigentliche Rechtswirklichkeit hat nur der Mensch.

Problem: Der Mensch ist auf andere Mitmenschen angewiesen und ihnen auch zugeneigt (soziale Gefühle). A. Smith: „Wohlgesinntheit“ ohne die das Zusammenleben nicht möglich wäre. Aber Menshcen sind gleichzeitig auch Egoisten. Kant: „Ungesellige Geselligkeit“ (der Mensch ist im Grunde gesellig, aber hat auch das Recht auf Einsamkeit und Privatheit; daher streben wir alle voneinander weg und gleichzeitig auch aufeinander zu)

Recht hat viel mit Sprache zu tun. Nur die sprachliche Fixierung schafft Recht. Dieses muß aber von Zeit zu Zeit wieder angepaßt werden.

Die Norm existiert, aber die Wirklichkeit geht über sie hinweg à die Norm muß geändert werden. Renner: „Das altrömische Recht (Recht über Sachen beliebig zu walten) ist von Normen überwuchert und eingeschränkt (Haus: Mietrecht, ..), durch andere Rechte überla- gert.“

Das Recht enthält statische (= gleichbleibende) und dynamische Elemente. Wenn es zu viele statische Elemente im Staat gibt, wird er zu starr, gibt es aber zu viele dynamische Elemente, dann ist der Staat zu unruhig.

Rechtsordung:

Jedes Land, jeder souveräner Staat hat seine eigene Rechtsordnung. Es gibt auch das überge- ordnete Recht = Internationales Recht = Völkerrecht. Das internationale Privatrecht ist aber ein innerstaatliches Recht und regelt das Verhältnis zwischen Staatsbürgern und Nichtsstaats- bürgern eines Landes.

Recht kann einen Spielraum zulassen, aber es ist eingeschränkt durch die Natur (etwa dem Tod - -o haben Gesetze, daß der Mensch ewig leben muß keinen Sinn, weil die Natur den Tod bestimmt). Der Mensch ist ein Wesen, daß durch Normen ansprechbar ist. Grundsatz: Un- kenntnis über ein Gesetz schützt nicht vor Strafe. Ein Rechtssubjekt ist jeder von uns, wir sind die Normadressaten.

Frage: Ist die Tatsache, daß Menschen durch Normen ansprechbar sind die Voraussetzung? Der Mensch ist nicht frei, weil sonst hätte es keinen Sinn zu strafen und Normen aufzustellen. Der Mensch handelt nicht aus der Liebe zum Recht, sondern aus der Angst heraus vor der Strafe.

Das Recht hat Sinn, Normen richten sich grundsätzlich an den Menschen und nicht an Tiere.

Die Rechtsordung ist eine Zwangsordung, Zwang ist ein wesentliches Element des Rechtes. Er tritt nicht in Erscheinung außer bei Rechtsübertretungen. Wenn keine Sanktionen auf eine Rechtsübertretung folgen würden, gäbe es keine Einhaltung der Gesetze.

In welchem Verhältnis stehen Macht und Recht?

Macht ist das Recht der Stärkeren ist nicht ganz richtig. Eine Rechtsordnung, die keine Macht ausübt, wird sich nicht durchsetzen können. Das Recht braucht die Macht.

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Details

Titel
Teil der Einführung in die Sozialphilosophie
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V99771
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teil, Einführung, Sozialphilosophie
Arbeit zitieren
Ingrid Neu (Autor), 2000, Teil der Einführung in die Sozialphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99771

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