Der gesetzliche Mindestlohn. Führt er zu höherer Arbeitslosigkeit oder zu höherem Einkommen?


Hausarbeit, 2021

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Was versteht man unter Mindestlohn?
2.2 Ziele eines Mindestlohns

3 Theoretische Analyse der Auswirkungen eines Mindestlohns
3.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie
3.1.1 Wesentliche Elemente des neoklassischen Arbeitsmarktmodells
3.1.2 Die Effekte eines Mindestlohns auf das neoklassische Arbeitsmarktmodell
3.2 Die keynesianische Arbeitsmarkttheorie
3.2.1 Wesentliche Elemente des Keynesianischen Arbeitsmarktmodells
3.2.2 Die Effekte eines Mindestlohns auf das Keynesianischen Arbeitsmarktmodell..

4 Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland
4.1 Positive Aspekte des Mindestlohns
4.1.1 Verringerung der Armut
4.1.2 Ankurbelung der Konjunktur
4.1.3 Beseitigung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit
4.2 Negative Aspekte des Mindestlohns
4.2.1 Vernichtung von Arbeitsstellen
4.2.2 Erhöhung der Inflationsgefahr
4.2.3 Erhöhung der Bürokratie

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Freier Arbeitsmarkt in der neoklassischen Theorie. (Taylor und Weerapana, 2011: 355)

Abbildung 2: Arbeitsmarkt mit Mindestlohn. (Taylor und Weerapana, 2011: 375)

Abbildung 3: Bruttoinlandsprodukt der BRD in jeweiligen Preisen von 2010 bis 2021. Angaben in Mrd. Euro. (Statistisches Bundesamt, 2021)

Abbildung 4: Private Konsumausgaben der BRD in jeweiligen Preisen von 2010 bis 2021. Angaben in Mrd. Euro. (Statistisches Bundesamt,2021)

Abbildung 5: Arbeitslosenquote aller zivillen Erwerbspersonen in Deutschland von 2010 bis 2021. Angaben in Prozent. (Statistisches Bundesamt,2021)

Abbildung 6: Verbraucherpreisindex in Deutschland von 2015 bis 2021. ( Statistisches Bundesamt, 2021)

1 Einleitung

Derzeit wird das Thema Mindestlohn öfter diskutiert. „Der Mensch ist darauf angewiesen, von seiner Arbeit zu leben, und sein Lohn muss mindestens so hoch sein, dass er davon existieren kann“ (Smith, A. 2013: 59). Mit der Einführung eines gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohnes von 8,50 Euro in Deutschland am 1. Januar 2015 wurde ein großes, mit zahlreichen sozialen und politischen Risiken verbundenes Experiment gestartet. Bislang gab es in Deutschland keine einheitliche gesetzliche Regelung für einen branchenübergreifenden Mindestlohn. Verbindliche Mindestlöhne galten bis dato nur für einzelne Branchen (vgl. Statistisches Bundesamt 2015). Gemäß dem am 27. November 2013 unterzeichneten Koalitionsvertrag zwischen CSU und SPD sind die mit dem Mindestlohn geplanten Ziele im Vertrag klar definiert. Einerseits wird erwartet, dass vollzeitbeschäftigte Personen ein Arbeitseinkommen haben sollen, das die Existenz absichert, andererseits wird auch hervorgehoben, dass eine hohe Beschäftigung durch diese politische Neuregelung langfristig nicht gefährdet werden soll (vgl. Knabe, Schöb und Thum 2014: 133). Grundsätzlich hat die Einführung eines Mindestlohns das Ziel, die Arbeitnehmer vor zu geringen Löhnen zu schützen und somit die Armut im Land zu bekämpfen. Ein Mindestlohn hat nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitgeber, sondern auch auf die Arbeitnehmer. Kritiker eines Mindestlohns behaupten, dass durch seine Einführung Arbeitsplätze verloren gehen würden. In diese Seminararbeit wird folgende Frage gestellt: welche Auswirkung hat der gesetzliche Mindestlohn auf die Beschäftigung bzw. auf den Wohlstand der Bevölkerung? Zu Beginn der Arbeit werde ich auf die Definition und das Ziel des Mindestlohns sowie zwei theoretischen Modellen eingehen. Anschließend stelle ich dar, welche positive und negative Aspekte einen Mindestlohn hat.

2 Definition

2.1 Was versteht man unter Mindestlohn?

„Ein Mindestlohn ist ein vom Staat oder von den Tarifparteien festgelegtes Arbeitsentgelt, das den Beschäftigten als Minimum für ihre Arbeitsleistung zusteht. Damit sollen Arbeitnehmer mit einer geringen Verhandlungs- und Vertretungsmacht vor Ausbeutung durch den Arbeitgeber geschützt werden. Zudem soll Armut trotz bezahlter Arbeit (Working Poor) bekämpft und den Erwerbstätigen die Sicherung der Grundbedürfnisse bzw. ein gewisser Lebensstandard ermöglicht werden. Da die Einführung eines Mindestlohns einen Eingriff in die Funktionsweise des Arbeitsmarktes darstellt, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese mit sich bringt “ (Henneberger, Keller 2015)

2.2 Ziele eines Mindestlohns

Die Einführung von Mindestlöhnen zielt auf zwei wichtige Aspekte:

„Schutz der Arbeitnehmer vor Lohndumping und Ausbeutung durch den Arbeitgeber“

„ Gewährleistung eines angemessenen Lebensunterhaltes für Erwerbstätige“

Mindestlöhne sollen sicherstellen, dass es sichere und gut bezahlte Arbeit für alle gibt und den Arbeitnehmer vor Einkommensarmut schützen (vgl. Henneberger, Keller 2015: Mindestlohn.). Außerdem sollen sie dazu beitragen, den Niedriglohnsektor zu reduzieren und die Nachteile anderer Entlohnungsformen zu vermeiden, z.B. die Mitnahmeeffekte bei Einführung von Kombilöhnen (vgl. Ehrentraut, Matuschke, Schmutz, Schüssler, 2011: Effekte Mindestlohn: 7). In der Politik werden zwei Ziele eines Mindestlohns klar benannt: Zu einen soll der Vollzeitbeschäftigte eine angemessene Arbeitsvergütung erhalten, zum anderen soll aber auch eine hohe Beschäftigung dadurch nicht gefährdet werden. Die Debatte um dieses Thema beschäftigt sich allerdings schon seit Jahrzehnten mit der Frage, ob diese beiden Ziele miteinander vereinbar sind, oder sich sogar gegenseitig gefährden können (vgl. Knabe, Schöb, Thum, 2014: Flächendeckende Mindestlohn).

3 Theoretische Analyse der Auswirkungen eines Mindestlohns

Im Folgenden sollen die theoretischen Auswirkungen eines Mindestlohns auf die Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit und Einkommen analysiert werden. Ob ein Mindestlohn wirklich einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt hat, wird anhand von zwei verschiedenen Theorien geprüft werden.

3.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie

3.1.1 Wesentliche Elemente des neoklassischen Arbeitsmarktmodells

Viele Vertreter der neoklassischen Theorie beziehen sich auf die „unsichtbare Hand des Marktes“ (Adam Smith 1776) und dem Sayschen Gesetz, welches besagt, „dass jedes Güterangebot sich seine Nachfrage schafft‘ (vgl. Flaschel und Groh 1996: 53). Somit wird davon ausgegangen, dass sich ein Markt von selbst reguliert und zu einem Marktgleichgewicht findet. Sie setzen sich für liberale ökonomische Rahmenbedingungen zur Förderung von Privatinitiativen ein und sind für die Abschaffung von Monopolen und staatlichen Interventionen in der Wirtschaft. Diese Zielsetzung wird als angebotsorientierte Wirtschaftspolitik definiert, in der Löhne und Steuern die Wirtschaft direkt beeinflussen. In der neoklassischen Theorie entspricht der Arbeitsmarkt einem Gütermarkt. Das Angebot wird durch die Arbeitnehmer, die Nachfrage durch die Arbeitskräfte geschaffen, während der Preis der Lohnhöhe und der Zahl der eingestellten Arbeitnehmer entspricht. Vorausgesetzt wird, dass eine ausgewogene Konkurrenz besteht, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer über alle notwendigen Informationen verfügen und für alle Arbeitnehmenden gleiche Regeln gelten (vgl. SGB-Expertengruppe Mindestlohn 2011: 63 ff). Die Arbeitsnachfrage wird als flexibel angesehen (vgl. Mankiw und Taylor 2012: 527). Wenn beide Seiten frei entscheiden können, zu welchem Lohn Arbeit angeboten werden kann, entsteht im Markt ein Gleichgewichtslohnsatz (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Freier Arbeitsmarkt in der neoklassischen Theorie. (Taylor und Weerapana, 2011: 355)

Liegt ein gesetzlicher Mindestlohn über dem Marktlohn, so ist das Arbeitsangebot größer als die Arbeitsnachfrage. Dadurch entstehen unfreiwillige Arbeitslosigkeit und ein Rückgang der Beschäftigung (siehe Abb. 2). Dies hat zwei Gründe: Zum einen sehen sich Arbeitgeber veranlasst, Arbeitskräfte zu entlassen oder weniger Stellen anzubieten, wenn durch höhere Lohnkosten für Arbeitskräfte die Grenzproduktivität geringer ist als die Lohnsumme. Zum anderen steigt durch die Lohnerhöhung der Anreiz für nicht mehr erwerbstätige Personen, wieder zu arbeiten, was eine Angebotserhöhung zur Folge hat (vgl. Detzer 2010: 413). Dennoch würden arbeitswilliger Rentner oder Studenten, die zu einer Nebentätigkeit motiviert sind, aber nur schwer eine Beschäftigung finden. Dies sind prioritäre Gründe, wieso die neoklassische Theorie Mindestlöhne als ineffektive staatliche Maßnahme betrachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arbeitsmarkt mit Mindestlohn. (Taylor und Weerapana, 2011: 375)

Liegt der Mindestlohn unter dem Marktgleichgewichtslohn, so hat dies keine Auswirkung auf die Beschäftigung. Fragen Arbeitgeber nach dem Mindestlohn und ist die Nachfrage größer als das Angebot, so müssen sie mit Personalmangel in Folge des Nachfrageüberschuss rechnen. Arbeitgeber finden nicht genügend Arbeitskräfte und müssen deswegen die Löhne erhöhen, bis der Gleichgewichtlohn erreicht wird (vgl. Schuster, 2013: 17). In diesem Fall existiert keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit und es gilt der Marktlohn.

3.1.2 Die Effekte eines Mindestlohns auf das neoklassische Arbeitsmarktmodell

Neben der These, dass Arbeitsplätze vernichtet werden, besteht bei den Befürwortern des neoklassischen Modells eine Reihe weiterer Argumente zu Auswirkungen eines gesetzlichen Mindestlohns. Gegner von Mindestlöhnen argumentieren, dass im Falle eines höheren Mindestlohns diejenigen Erwerbstätigen profitieren, die nicht zu den Hauptverdienern des Haushaltes gehören, sondern Zweit- oder Drittverdiener aus Familien mittleren bis hohen Einkommens sind (vgl. Mankiw und Taylor, 2012: 152).

Somit wäre ein Mindestlohn eine ineffektive politische Maßnahme zur Bekämpfung von Armut und Langzeitarbeitslosigkeit. Für Nebenverdiener würde sich die rückläufige Arbeitsnachfrage minimal auswirken, da sie dank besserverdienender Haushaltsmitglieder weniger Lohnhöhe angewiesen sind. Dagegen würden Schüler oder Studenten, welche Mindestlöhne beziehen, zu höheren Einkommen gelangen, was die Schere zwischen Arm und Reich vergrößern würde. Ein weiteres Argument ist, dass durch Erhöhung der Bruttolöhne Erwerbstätige in eine höhere Steuerklasse kommen und Ansprüche auf Sozialleistungen verlieren könnten (vgl. SGB Expertengruppe Mindestlohn, 2011: 69). Dieser kontraproduktive Effekt könnte zu einer Einkommensminderung sozialschwacher Haushalte führen.

Schließlich müssen auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen und Entwicklungen einer Volkswirtschaft bei der Einführung eines Mindestlohnes betrachtet werden, wenn dieser über den Marktgleichgewicht liegt. Die Annahme des neoklassischen Modells, dass ein Mindestlohn die Zahl der Arbeitsstellen verringert und Arbeitslosigkeit verursacht, führt zu einem Einkommensrückgang der Bevölkerung mit der Folge einer Senkung der Binnennachfrage. Die konsekutive Verminderung des Bruttoinlandproduktes und der negative Druck auf das Preisniveau erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Deflation.

3.2 Die keynesianische Arbeitsmarkttheorie

3.2.1 Wesentliche Elemente des Keynesianischen Arbeitsmarktmodells

Der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie gegenübergestellt ist die keynesianische Theorie. Ihr Vater ist der Brite John Maynard Keynes (1883-1946), von dem sich auch der Name ableitet. Sie besagt, dass sich in einer Marktwirtschaft nicht automatisch ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bilden kann, sondern der Staat Impulse zur Nachfrage im Wirtschaftsgeschehen setzen muss, um eine negative Wirtschaftsentwicklung zu vermeiden (vgl. Yollu-Tok & Sesselmeier, 2012). Dies könnte z.B. durch erhöhte staatliche Konsumförderung bei Rezession oder durch Sozialmaßnahmen wie den Mindestlohn erreicht werden. Im Gegensatz zum neoklassischen Modell fokussiert die keynesianische Theorie auf die Beeinflussung der Nachfrage, weswegen sie als nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik bezeichnet wird (vgl. Setzer, 2010: 414).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der gesetzliche Mindestlohn. Führt er zu höherer Arbeitslosigkeit oder zu höherem Einkommen?
Hochschule
Hochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V997757
ISBN (eBook)
9783346371355
ISBN (Buch)
9783346371362
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mindestlohn, führt, arbeitslosigkeit, einkommen
Arbeit zitieren
Saif Eddine Shili (Autor), 2021, Der gesetzliche Mindestlohn. Führt er zu höherer Arbeitslosigkeit oder zu höherem Einkommen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997757

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der gesetzliche Mindestlohn. Führt er zu höherer Arbeitslosigkeit oder zu höherem Einkommen?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden