Mobbing und Gewalt stellen ein Phänomen dar, das für Kinder und Jugendliche von großer Bedeutung ist und zudem auch auf mediales Interesse stößt, insbesondere dann, wenn dies sehr drastische Formen annimmt. Daher soll sich die vorliegende Arbeit mit der Frage beschäftigen, inwieweit die Auseinandersetzung mit diesen Themen anhand von Jugendliteratur und Jugendmedien in den Deutschunterricht integriert werden kann.
Um sich der Thematik anzunähern, wird zunächst das Phänomen der Jugendgewalt untersucht, da hieran ersichtlich wird, dass dies ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Hierfür wird eine Definition des Gewaltbegriffes vorgenommen, bei dem auch verbale Aggressionen als eine Form von Gewalt angesehen wird, da dies aufgrund der Häufigkeit für den schulischen Alltag und somit für das Leben der Kinder und Jugendlichen als besonders relevant gilt. Daran anknüpfend sollen zunächst Mobbing und Cybermobbing hinsichtlich ihrer Verbreitung unter Jugendlichen, aber auch deren Formen und Auswirkungen untersucht werden.
Anschließend wird die wohl drastischste Form schulischer Gewalt, der Amoklauf, thematisiert. Hierbei sind übereinstimmende Persönlichkeitsmerkmale vergangener Täter insofern von Bedeutung, als dass sie als Warnsignale für andere Schüler fungieren können und somit einen präventiven Wert aufweisen.
Darauf aufbauend wird diskutiert, inwieweit sich das Fach Deutsch für eine Thematisierung dieser Phänomene im Unterricht eignet, wobei sowohl curriculare Vorgaben, als auch fachwissenschaftliche Ansätze berücksichtigt werden. Im Fokus der Betrachtung steht dabei die literarische Gattung des Jugendromans, aber auch die Bedeutung audiovisueller Medien für den Deutschunterricht. Nachdem das Fach Deutsch grundsätzlich für Thematisierung von Mobbing und Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen als geeignet betrachtet wird, erfolgt die dahingehende Analyse von Werken der Jugendliteratur und Jugendmedien. Die Werke wurden ausgewählt, da sie sowohl unterschiedliche Formen von Mobbing und Gewalt als Schwerpunkt aufweisen, aber auch für unterschiedliche Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I verwendet werden können. Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, dass sich sowohl Jugendliteratur als auch Jugendmedien dafür eignen, Mobbing und Gewalt im Deutschunterricht zu thematisieren und Möglichkeiten der Prävention bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendgewalt
2.1 Der Gewaltbegriff
2.2 Mobbing
2.3 Cybermobbing
2.4 Amoklauf
3. Die Thematisierung von Mobbing und Gewalt im Deutschunterricht
4. Morton Rhue – Ich knall euch ab!
4.1 Inhalt und Aufbau
4.2 Mobbing und Gewalt innerhalb des Jugendromans
4.3 Suizid-, Rache- und Tötungsfantasien
4.4 Der Aspekt der Untätigkeit
4.5 Der Amoklauf und die Motivation der Täter
4.6 Morton Rhues Jugendroman als Appell für ein Ende der Jugendgewalt?
4.7 Ich knall euch ab! im Deutschunterricht
5. Raquel J. Palacio - Wunder
5.1 Inhalt und Aufbau
5.2 Beleidigungen und soziale Isolation aufgrund von Andersartigkeit
5.3 Mut zur Akzeptanz und Toleranz von Andersartigkeit und die Fokussierung der inneren Werte
5.4 Freundlichkeit und ein gutes Miteinander
5.5 Die Verfilmung des Jugendbuches
5.6 Wunder im Deutschunterricht
6. Homevideo
6.1 Inhalt
6.2 Formen und Auswirkungen des Cybermobbings
6.3 Die Darstellung des Suizids
6.4 Homevideo im Deutschunterricht
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwieweit Jugendliteratur und moderne Jugendmedien dazu geeignet sind, die komplexen und gesellschaftlich hochrelevanten Phänomene Mobbing, Gewalt und Amoklauf in den Deutschunterricht zu integrieren, um Möglichkeiten zur Prävention aufzuzeigen.
- Analyse von Formen und Auswirkungen von physischer und psychischer Gewalt im schulischen Kontext.
- Untersuchung von spezifischen Jugendmedien wie Romanen, Filmen und digitalen Kommunikationsformen.
- Diskussion der Eignung von Medien zur Förderung von Empathie, Perspektivwechsel und sozialer Kompetenz.
- Reflexion über die Rolle des Deutschunterrichts bei der Vermittlung von Medienkompetenz und Präventionsstrategien.
Auszug aus dem Buch
Mobbing und Gewalt innerhalb des Jugendromans
Bereits am Ende der Vorbemerkung der fiktiven Herausgeberin wird ersichtlich, das Mobbing und Gewalt sowie deren unterschiedlichen Formen, einen zentralen Gegenstand der Handlung einnehmen: „Vor allem aber soll [die Geschichte] als Warnung dienen. Gewalt hat viele Gesichter – sie äußert sich durch den Gebrauch von Waffen und Fäusten oder von Worten, die Hass und Verachtung säen. Wenn wir nichts daran ändern, wie wir andere innerhalb der Schule behandeln, wird es nur noch mehr – und schrecklichere – Tragödien geben.“
Damit verweist sie sowohl auf die unterschiedlichen Formen von Gewalt, zu der psychische Aggression genauso gehört wie physische, als auch auf den Zusammenhang von dieser und dem Amoklauf.
In der einleitenden Beschreibung Brendans ist jedoch auffällig, dass dieser an seiner alten Schule selbst einen Mitschüler aufgrund seines unangenehmen Geruchs gehänselt hat. Dies verdeutlicht zum einen die Allgegenwärtigkeit verbaler Gewalt, aber auch die Tatsache, dass Auswirkungen, die aus eben solchen Beleidigungen resultieren können, von den Jugendlichen nicht antizipiert werden.
Während bereits in den Aussagen zum siebten und achten Schuljahr die Täter und deren Freunde als Außenseiter dargestellt werden, lassen sich insbesondere innerhalb des neunten Schuljahres wesentliche Aspekte ausmachen. Bereits zu Beginn berichtet Allison Findley davon, dass Brendan in der Schule schlecht behandelt worden sei. Ryan Clancy fügt an, dass Gary und er bereits in der achten Klasse von stärkeren Mitschülern physisch angegriffen wurden. Aufgrund der Tatsache, dass diese Angriffe über einen längeren Zeitraum stattgefunden zu haben scheinen und dem erwähnten Machtgefälle sowohl hinsichtlich der sozialen Hierarchie als auch der Körperkraft zwischen Tätern und Opfern, kann dies bereits als Mobbing deklariert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Themen Mobbing, Gewalt und Amoklauf für den Schulalltag ein und begründet die Eignung des Deutschunterrichts zur Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen.
2. Jugendgewalt: Es erfolgt eine theoretische Untersuchung von Jugendgewalt, Mobbing und Cybermobbing sowie Amokläufen, um die Problematik und deren Auswirkungen auf Jugendliche zu definieren.
3. Die Thematisierung von Mobbing und Gewalt im Deutschunterricht: Dieses Kapitel diskutiert die fachdidaktischen Potenziale des Deutschunterrichts, um durch Jugendliteratur und Medien Kompetenzen zur Gewaltprävention und Persönlichkeitsbildung zu fördern.
4. Morton Rhue – Ich knall euch ab!: Das Werk wird hinsichtlich seiner Darstellung von Mobbing und Amok sowie seiner Eignung als Klassenlektüre analysiert, wobei auch kritische Aspekte wie die Darstellung von Täterrollen reflektiert werden.
5. Raquel J. Palacio - Wunder: Es wird untersucht, wie der Roman und seine Verfilmung durch die Thematisierung von Andersartigkeit und die Förderung von Empathie und Freundlichkeit als Gegenentwurf zu Gewalt dienen.
6. Homevideo: Der Film wird als Medium zur Analyse von Cybermobbing betrachtet, wobei insbesondere die verheerenden Folgen virtueller Gewalt und die Bedeutung von Medienkompetenz im Mittelpunkt stehen.
7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Jugendliteratur und Jugendmedien wertvolle Instrumente für den Deutschunterricht darstellen, um Schüler für Gewaltformen zu sensibilisieren und soziale Kompetenzen zu stärken.
Schlüsselwörter
Mobbing, Cybermobbing, Jugendgewalt, Amoklauf, Deutschunterricht, Jugendliteratur, Jugendmedien, Gewaltprävention, Medienkompetenz, Soziale Kompetenz, Empathie, Andersartigkeit, Identitätsbildung, Schulklima, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Jugendliteratur und Jugendmedien als Mittel zur Thematisierung und Prävention von Mobbing, Gewalt und Amokläufen im Deutschunterricht.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die verschiedenen Formen von Gewalt an Schulen – insbesondere Mobbing und Cybermobbing –, die Bedeutung von Medienkompetenz sowie die Möglichkeiten zur Förderung von sozialen Kompetenzen und Empathie durch literarische und audiovisuelle Werke.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass sowohl Jugendliteratur als auch Jugendmedien aufgrund ihres Lebensweltbezugs hervorragend dazu geeignet sind, Schüler für die Auswirkungen von Mobbing und Gewalt zu sensibilisieren und Möglichkeiten der Prävention aktiv anzubieten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender fachwissenschaftlicher Texte zur Jugendkriminalität und Gewaltprävention, kombiniert mit einer medienpädagogischen Analyse ausgewählter Werke der Jugendkultur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden drei spezifische Werke – der Roman "Ich knall euch ab!", das Jugendbuch "Wunder" und der Film "Homevideo" – detailliert analysiert und deren didaktisches Potenzial für den Unterricht in der Sekundarstufe I bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Jugendgewalt, Cybermobbing, Medienkompetenz, Prävention, soziale Kompetenz, Empathie, Schulklima und literarisches Lernen.
Welche Rolle spielt die "Multiperspektivität" im Jugendroman "Ich knall euch ab!"?
Die Multiperspektivität durch die verschiedenen Zeugenaussagen ermöglicht es dem Leser, die Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, was die eindimensionale Wahrnehmung relativiert und eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Geschehen fördert.
Warum wird im Kontext von "Wunder" von einem "Appell für ein gutes Miteinander" gesprochen?
Im Gegensatz zu reinen Schilderungen von Gewalt steht in "Wunder" die Fokussierung auf innere Werte, Toleranz und Freundlichkeit im Zentrum, wodurch das Werk als positives Beispiel für ein Miteinander ohne Mobbing wirkt.
- Quote paper
- Julian Pelser (Author), 2019, Die Thematisierung von Mobbing und Gewalt im Deutschunterricht anhand der Jugendliteratur und Jugendmedien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998005