Kinder - Fernsehen - Gewalt


Ausarbeitung, 1999

6 Seiten, Note: 1,0


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Inhalt: Thesenpapier

1. Einleitung

2. Referat

3. Anhang

4. Literatur- / Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

In meinem Referat zum Thema ,, Kinder, Fernsehen, Gewalt ,, geht es um die Frage, inwieweit das Fernsehen bzw. die Medialen Szenarien Einfluss auf die Entwicklung bzw. Erziehung von Kindern nehmen. Ich habe versucht ins besondere auf die Rolle des Fernsehens im Alltagsleben von jungen Menschen einzugehen und dabei zwischen den Betrachtungsweisen von Erwachsenen und Kindern unterschieden. Bei meiner Arbeit habe ich mich hauptsächlich an Jan-Uwe Rogge orientiert, der das Buch ,, Kinder k ö nnen Fernsehen,, zu diesem Thema geschrieben hat. Dieses Thema beschäftigt nicht nur Eltern, Erziehungsberechtigte und ErzieherInnen, sondern auch unsere Politiker. In meinem Referat gebe ich einen groben Überblick über die verschiedenen Einflüsse, sowie über den gezielten Einsatz von Medien. Dabei habe ich mich in erster Linie an der Zeichentrickserie und Klassiker ,, Tom & Jerry ,, gehalten. Es ist sehr überraschend zu sehen, wie unterschiedlich Kinder auf Gewalt reagieren und auf welche Weise, sie diese im Gegensatz zu Erwachsenen wahrnehmen und realisieren. So stellt sich die Frage, dient das Fernsehen der Aufklärung oder fördert es Angst und die damit zu verbindenden Gefühle von Furcht und Schrecken.

2. Referat:

Eine häufig verbreitete Theorie unter Eltern, Erziehungsberechtigten, aber auch unter KindergärtnerInnen und GrundschullehrerInnen ist, dass durch das viele Fernsehen unsere Kinder verstärkt zu Gewalttaten neigen.

Was den Erwerb von Verhaltensweisen betrifft, spielt das Fernsehen keine zu unterschätzende Rolle. Inwieweit die tägliche im Fernsehen zu sehende Gewalt Einfluss auf die psychische Entwicklung von Kindern nimmt, ist immer noch umstritten. Sicher spielt die Betrachtungsweise eine wichtige Rolle. Es ist meines Erachtens zu einfach, wenn man bei dieser Betrachtung nur von der der Erwachsenen ausgeht und somit von den Erwachsenen auf das Gemüt und Verständnis der Kinder schliesst.

Man geht nur zu oft davon aus, dass durch das viele Fernsehen die Gewalt verherrlicht und damit salonfähig gemacht wird. Viele Eltern und Pädagogen fürchten, dass Gewalt ein Bestandteil der alltäglichen Erfahrung wird und damit zur Normalität gehören könnte. Es ist sicherlich fragwürdig, ob die viele Gewalt, die Scheu selbst gewalttätig oder grob mit anderen Kindern zu sein, immer mehr zunimmt. So meine ich, gehört die Gewalt nach wie zu vor zur letzt gewählten Möglichkeit, um Konflikten zu lösen.

Es kommt die Frage auf, ob das Fernsehen nicht Angst verbreitet oder sie sogar fördert. Jan- Uwe Rogge beruft sich in seinem Buch ,,Kinder können Fernsehen" an einigen Stellen auf Untersuchungen und Forschungen verschiedener bekannter und weniger bekannter Psychologen.

Mediale Szenarien können allein keine Angst machen, sie können aber Gefühle wachrufen, können erwünschte wie unerwünschte Phantasien und Gefühle ins Bewusstsein rufen. Auf diese dann ein kindliches Gemüt mit Angst, Betroffenheit, Unsicherheit und Furcht reagieren kann.

Sollte es nicht ein Teil jeder Erziehung sein - ein Teil jedes Reifungsprozesses - , dem Kind behilflich zu sein sich mit der Angst auseinander zu setzen, zu lernen mit den ,,guten" und den ,,schlechten" Gefühlen umzugehen. Sie werden deshalb nicht gleich zu gewalttätigen Kleinmenschen. Ganz im Gegenteil, wäre es nicht gar falsch sein Kind in den Glauben gross werden zu lassen, dass es nichts ausser dem Guten gibt.

Die Medien wollen sich nicht den Schuh anziehen, als Richter oder Verantwortlicher zu gelten. Es ist Aufgabe der Eltern und der Erziehungsberechtigten zu entscheiden was, wann, wie oft und wie lange geguckt werden sollte. Man muss eine solche Entscheidung aber abhängig vom Kind treffen. Eine Vielzahl von Faktoren spielen hier eine Rolle, um an dieser Stelle nur einige zu nennen; Geschlecht, Alter, kulturelle Traditionen, eigene Vorlieben, wie auch die familiäre Umwelt nehmen hier Einfluss.

Es steht fest, dass das Handeln durch Denken kontrolliert wird. Dies bedeutet, dass man nicht von dem Zuschauer bzw. Beobachter oder von dem Kind ausgehen kann. Man muss die verschiedenen Beobachter berücksichtigen und differenzieren . Durch ihre unterschiedlichen Merkmale, Charaktere, Persönlichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse reagieren sie folglich auch unterschiedlich auf die verschiedenen Merkmalskombinationen identischer Modelle.

Man sollte das Fernsehen nicht als Feind betrachten, sondern als Hilfe oder Unterstützung. Es bietet, wenn man es bewusst und kontrolliert nutzt auch Vorteile. Kinder mögen Fernsehen und dafür gibt es auch Gründe, die ich im folgenden versuche näher zu erläutern. Die Helden, die uns täglich an ihren Leben, Erfahrungen, Enttäuschungen und Erlebnissen teilhaben lassen, kennen weder zeitliche noch räumliche Grenzen, sie setzen Logik und Sinn ausser Kraft und stellen damit die Wirklichkeit auf den Kopf. Die Fernsehhelden verkörpern Mut, List, Stärke und Phantasie. Sie dienen den Kindern als Basis für ihre Wünsche, Träume und Phantasien. Die Helden lassen die Kinder das sehen, was ihnen selbst unmöglich scheint.

Zeichentrickfilme sind oftmals als brutal und grausam verschrieen. Sie scheinen pädagogisch fragwürdig und man versucht zu ergründen inwieweit sie schädigen und das Kind negativ beeinflussen. Viele Erwachsene bewerten Zeichentrickfilme aus einer realistischen Sichtweise, die nicht mit der des Kindes übereinstimmt. Kinder nehmen diese Filme als symbolische Auseinandersetzung mit der eigenen Situation. Es geht hierbei um die polare Weltwahrnehmung1 - Objekte werden nicht differenziert wahrgenommen. Sie könnten den Autoritäten den Kampf ansagen ohne in einen Gewissenskonflikt zu gelangen, denn es gibt keine Konsequenzen.

Zeichentrickfilme sind gerade bei Kindern besonders beliebt. Sie heben sich in ihrer Darstellung von dem ,,Reality Fernsehen2 " ab. Charakteristika für diese Comic-Filme sind unter anderem Aufhebung der Logik und aller physikalischen Gesetze. Dadurch bleibt der Film erträglich, da er für die meisten Kinder keine bestimmten Problemkonstellationen des Alltags anspricht.

Ein Interview mit Mario, 9 Jahre alt:

Zum Thema ,,Tom & Jerry"

,,Tom und Jerry ist doch nur lustig. Da ist doch was los. Ist doch richtig super, wenn die Maus gewinnt, wenn die eben kl ü ger ist. Aber ich denk mir,

die vertragen sich doch auch. Das ist doch viel Spiel und nicht Ernst ... Meine Eltern schimpfen, weil ich das so gerne sehe. Aber die verstehen das

nicht ... Angst hab ich nur vor Gespenstern oder so Tiermenschen, weil's die wirklich gibt, sagt mein Vater ..." 3

(Buch Seite, 128)

Die Zeichentrickserie von der Katze und der Maus ,,Tom und Jerry" ist sicher eine der bekanntesten. In ihr wird die Macht-Ohnmacht-Relation thematisiert, die für den kindlichen Alltag so bedeutsam ist. Der Film lebt vom Gegensatz zwischen gross und klein - gut und böse, Hinterlist und List. Die Brutalität, mit der sich Tom und Jerry bekämpfen, sowie die Akzeptanz dieser Bilderwelten, gibt ihnen einen Eindruck und das Gefühl von Unterlegenheit und den Wunsch nach Umkehrung dieses Verhältnisses.

Doch an dieser Stelle ist deutlich zu betonen, dass man Erwachsene und Kinder differenziert sehen muss. Die Wahrnehmungen von Erwachsenen und Kindern werden fälschlicherweise oft gleichgestellt. Doch es wurde an Hand von Untersuchungen nachgewiesen, dass Kinder Gewalt und Brutalität im Fernsehen differenzierter wahrnehmen. Kinder nehmen wesentlich weniger Gewalt wahr, als ihnen gezeigt bzw. gesendet wird.

Ängste, Furcht aber auch Verunsicherungen werden bei Kindern oft nicht durch Worte oder Gestiken, sondern durch Dramatik an sich, ausgelöst. Viel intensiver und stärker werden Geräusche und Musik aufgenommen. Das erklärt, warum Kinder Schüsse im Western oder überzogene Gewaltszenen in Zeichentrickfilmen distanzierter aufnehmen, als die Gewalt in Familienserien. Gewalt ist in Western so wie in Zeichentrickfilmen ein Bestandteil, der dazugehört. Gewalt wird bei einem Kind als Ganzes gesehen und verstanden. Die einzelnen Gewalthandlungen fallen nicht ins Gewicht.

Gewalt und Aggression wird eher akzeptiert, wenn die Szenenhandlungen wirklichkeitsfremd sind - unrealistisch sind. Doch wie schon erwähnt, ist es problematisch bei diesem Thema immer nur über das Kind zu sprechen. Kinder sind Individuen, die sich nicht nur physisch, sondern auch psychisch voneinander unterscheiden. Was für den einen ein spielerisches Durchdringen und Auf-den-Kopf-Stellen von Realität und Wunscherfüllung darstellt, ist für den anderen die Inszenierung von Brutalität und Schrecken.

Kinder sind fähig, eigene Ängste zu inszenieren und ihnen eine dramatische Form zu geben. Sie lernen, und das ist ein wichtiger Prozess ihrer Entwicklung, mit ihren Ängsten umzugehen. Angst wird gelernt, die Psychologie spricht hier von einer Konditionierung 4 von Angst. Das bedeutet, dass die Angst durch Bedingungen und Erfahrungen verknüpft ist.

Mit dieser Problematik setzen sich auch Politiker auseinander. In einen Interview nahmen Politiker aus verschieden Parteien Stellung. Man sieht die Macht und Bedrohung aber ebenso auch die Möglichkeit des gezielten Informierens.

Renate Schmidt - SPD: Sie vertritt die Ansicht, dass durch die viele Gewalt auf dem Bildschirm, die Gewalt an Schulen zunimmt. Die Grenzen zwischen Phantasie und Realit ä t werden immer geringer, die Hemmschwelle, Gewalt als Mittel der Konfliktl ö sung zu w ä hlen. Gewalt wird zu einem Bestandteil des allt ä glichen Lebens. 5

Angelika Merkel - CDU: Durch das Fernsehen wird den Kindern vorgelebt, dass die einfachste oder oft einzige Art sich durchzusetzen die Gewalt ist. Das Fernsehen bietet eine Gebrauchsanweisung f ü r Gewalttaten und damit steigt die Gefahr der Nachahmung. 6

3. Anhang:

Ich komme zu dem Schluss, dass das Fernsehen eine nicht zu unterschätzende Rolle in unserem Leben - indem der Kinder sowie indem der Erwachsenen - spielt. Es ist niemandem damit geholfen, wenn man es verurteilt oder sogar verleugnet. Wie es schon häufig unsere Geschichte gezeigt hat, kommen wir mit dem ignorieren von Dingen, die uns gefährlich oder unwichtig scheinen, nicht weiter. Da die Medien eine dominierende und wirkungsstarke Position eingenommen haben, sei es an uns Erwachsenen und Verantwortlichen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Nur wenn wir sie kennen und verstehen, ist es uns möglich, sie gezielt und bewusst zu gebrauchen und einzusetzen. Die Medienwelt ist nicht als Feind oder Bedrohung der Gesellschaft zu sehen, deren Ziel ist, unsere Kinder mit negativen Einflussen zu überschütten, sondern als Informant und Aufklärer.

So kann es nicht die Aufgabe oder Verantwortung der Fernsehanstalten sein zu entscheiden, was für die Kinder pädagogisch sinnvoll ist. Meiner Meinung nach, liegt die Entscheidung und Verantwortung bei den Eltern und Erziehungsberechtigten auszuwählen, mit welchen Mediale Szenarien sie ihr Kind bzw. ihre Kindern konfrontieren und auch selbst abzuschätzen, ob ihre Kinder und wenn, wie weit sie sich schon damit auseinandersetzten können. Dazu gehört meines Erachtens auch, das die Erwachsenen auf ihre Kinder eingehen und ihnen, wenn nötig, Unterstützung zukommen lassen.

4. Literatur- / Quellenverzeichnis:

1) Jan-Uwe Rogge - ,, Kinder können Fernsehen ,,
2) Niel Postmann - ,, Das Verschwinden der Kindheit ,,
3) Medien praktisch 3/95
4) Zeichentrick Serie ,, Tom & Jerry"
5) Ausschnitte aus verschiedenen Interviews

[...]


1 Polare Weltwahrnehmung: hierbei geht es um das dichotomische Weltbild, aufgeteilt in gut und böse.

2 Reality Fernsehen: im Gegensatz zu Zeichentrickfilmen, spielen hier lebendige Personen mit.

3 Ausschnitt aus einem Interview - Jan-Uwe Rogge (Kinder können Fernsehen) Mai 1997 B.S. 128 ff.

4 Konditionierung: hier ist die körperlich-seelische Gesamtverfassung des Menschen bzw. des Kindes gemeint.

5 Interview mit R. Schmidt

6 Interview mit A. Merkel

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Kinder - Fernsehen - Gewalt
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V99809
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Rolle der virtuellen Medien bei der geistlichen und seelischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
Schlagworte
Kinder, Fernsehen, Gewalt
Arbeit zitieren
Sven Sixten Weyer (Autor), 1999, Kinder - Fernsehen - Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99809

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