Die Diskussion um den Wert von Care-Arbeit, die hauptsächlich von Frauen geleistet wird, ist nicht neu. Heute wird im breiten gesellschaftlichen und gleichstellungspolitischen Kontext diskutiert, was früher eher Debatten von Frauenbewegungen darstellte. Dabei ist klar festzuhalten: Care-Arbeit ist systemrelevant. Besonders jetzt in Corona-Zeiten zeigt sich sehr eindrucksvoll, dass einige Fertigungsprozesse und ganze Branchen stillstehen können, ohne dass unser Leben davon abhängig ist. Ohne Sorgearbeit - die Menschen, die Unterstützungsbedürftigen helfen, Kinder erziehen, und Kranke pflegen - ist der Alltag jedoch nicht möglich. Dazu gehören Tätigkeiten wie das Betreuen, Versorgen, Erziehen, Zuwenden und Pflegen anderer, ebenso wie die Selbstfürsorge. Care-Arbeit bezieht alle Arten von Sorgetätigkeiten, emotionales Umsorgen und die zwischenmenschliche Haltung mit ein. Sie zieht sich, jeden betreffend, quer durch die Gesellschaft und prägt Staat, Markt und Privatleben. So bildet die Care-Arbeit die gesellschaftliche Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Es lässt sich sogar weiter behaupten, dass Erwerbstätigkeit ohne vorher geleistete Sorgearbeit nicht möglich ist.
Jedoch findet im Bereich der Care-Arbeit in unserer Gesellschaft eine mehrfache und systematische Degradierung statt. In unserer kapitalistisch denkenden Gesellschaft wird dort hinein investiert, wo Profite zu erwarten sind. Sorgetätigkeiten lassen dabei meist eher Kosten entstehen, die aus kapitalistischer Sicht lieber zu minimieren sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Care-Revolution - Utopie einer sozialen und geschlechtergleichstellenden Gesellschaft?
2. In der Sorgearbeit tätig sein, bedeutet Zeit zu investieren.
2.1 Care-Arbeit ist weiblich
3. Care Revolution - Es muss sich was verändern!
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die systemrelevante Bedeutung von Care-Arbeit in unserer Gesellschaft, die systematische Unterbewertung dieser Tätigkeiten und die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Transformation hin zu einer solidarischen Care-Revolution, um Geschlechtergerechtigkeit und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen.
- Systemrelevanz und gesellschaftliche Degradierung von Care-Arbeit
- Die Gender-Care-Lücke und soziale Konstruktion von Geschlecht
- Herausforderungen der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit
- Strategien und Forderungen der Care-Revolution für einen gesellschaftlichen Wandel
Auszug aus dem Buch
Care-Revolution - Utopie einer sozialen und geschlechtergleichstellenden Gesellschaft?
Die Diskussion um den Wert von Care-Arbeit, die hauptsächlich von Frauen geleistet wird, ist nicht neu. Heute wird im breiten gesellschaftlichen und gleichstellungspolitischen Kontext diskutiert, was früher eher Debatten von Frauenbewegungen darstellte. Dabei ist klar festzuhalten: Care-Arbeit ist systemrelevant. Besonders jetzt in Corona-Zeiten zeigt sich sehr eindrucksvoll, dass einige Fertigungsprozesse und ganze Branchen stillstehen können, ohne dass unser Leben davon abhängig ist. Ohne Sorgearbeit - die Menschen, die Unterstützungsbedürftigen helfen, Kinder erziehen, und Kranke pflegen - ist der Alltag jedoch nicht möglich.
Dazu gehören Tätigkeiten wie das Betreuen, Versorgen, Erziehen, Zuwenden und Pflegen anderer, ebenso wie die Selbstfürsorge. Care-Arbeit bezieht alle Arten von Sorgetätigkeiten, emotionales Umsorgen und die zwischenmenschliche Haltung mit ein. Sie zieht sich, jeden betreffend, quer durch die Gesellschaft und prägt Staat, Markt und Privatleben (vgl. Alischer, 2018, S.18). So bildet die Care-Arbeit die gesellschaftliche Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Es lässt sich sogar weiter behaupten, dass Erwerbstätigkeit ohne vorher geleistete Sorgearbeit nicht möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Care-Revolution - Utopie einer sozialen und geschlechtergleichstellenden Gesellschaft?: Dieses Kapitel führt in die hohe Systemrelevanz von Sorgearbeit ein und thematisiert die aktuelle systematische Abwertung dieser Tätigkeiten in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft.
In der Sorgearbeit tätig sein, bedeutet Zeit zu investieren.: Hier werden die massiven Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorgearbeit sowie die geschlechtsspezifische Benachteiligung (Gender-Care-Lücke) beleuchtet.
Care Revolution - Es muss sich was verändern!: Das Kapitel diskutiert die Forderungen der Care-Revolution nach einer solidarischen Gesellschaft und betont die Notwendigkeit, menschliche Bedürftigkeit ins Zentrum politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen zu rücken.
Schlüsselwörter
Care-Arbeit, Sorgearbeit, Care-Revolution, Systemrelevanz, Geschlechtergerechtigkeit, Gender-Care-Lücke, Vereinbarkeit, Kapitalismus, Solidarische Gesellschaft, Soziale Infrastruktur, Erwerbsarbeit, Reproduktive Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Bedeutung von Care-Arbeit, ihre aktuelle Unterbewertung und die Forderung nach einem grundlegenden Wandel hin zu einer solidarischen Gesellschaftsstruktur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemrelevanz von Sorgearbeit, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Vereinbarkeitsproblematik sowie politische Ansätze für eine Care-Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Problematiken der Care-Arbeit aufzuzeigen und Strategien zu diskutieren, wie Sorgearbeit als gesellschaftliche Grundlage aufgewertet und geschlechtergerechter verteilt werden kann.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit nutzt soziologische und gesellschaftspolitische Ansätze, um das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Erwerbstätigkeit und sozial notwendiger Reproduktionsarbeit zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Degradierung von Care-Arbeit, das Problem der Doppelbelastung für Frauen und konkrete Forderungen von Bewegungen wie dem Netzwerk Care Revolution erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Care-Revolution, Systemrelevanz, Gender-Care-Lücke und solidarische Gesellschaft geprägt.
Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf die Care-Arbeit laut Autorin?
Die Krise verdeutlicht einerseits die Systemrelevanz, führt aber gleichzeitig zu einer Verschärfung der Doppelbelastung und wirft Fragen hinsichtlich einer möglichen Re-traditionalisierung auf.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis zwischen Kapitalismus und Sorgearbeit?
Die Arbeit argumentiert, dass der Kapitalismus Sorgearbeit als Kostenfaktor betrachtet und minimieren will, anstatt sie als unverzichtbares pädagogisches und menschliches Fundament anzuerkennen.
Welche Rolle spielt die Politik bei der geforderten Veränderung?
Die Politik soll laut der Arbeit materielle und zeitliche Bedingungen für Care-Arbeit schaffen, indem sie diese als zentrales Thema in den Fokus von Arbeits- und Sozialpolitik rückt.
Ist die Care-Revolution aktuell bereits Realität?
Die Autorin bezeichnet die Care-Revolution aktuell noch als eine Utopie, die jedoch auf bereits bestehenden Ansätzen und realen Akteurinnen aufbaut und eine notwendige gesellschaftliche Transformation einfordert.
- Arbeit zitieren
- Felina Lehmann (Autor:in), 2021, Soziale Bewegungen. Care-Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998112