Innovation und Nachhaltigkeit - "Geothermie"


Ausarbeitung, 2000

14 Seiten


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Gliederung

1 Einleitung

2 Vorkommen von Erdwärme

3 Erschließung

4 Geothermische Anlagen
4.1 Erdwärmesonden
4.2 Hydrothermale Geothermie
4.3 Hot-Dry-Rock-Methode

5 Energiepfahlsysteme

6 Installierte Anlagen und Leistungen in Deutschland

7 Vorteile der Geothermie gegenüber anderen Energiequellen

8 Umweltprobleme

9 Geothermie in Deutschland - (Zukunft ?)

10 Europäisches Forschungsprojekt in Soultz-sous-Forêts

11 Fördermaßnahmen

Literaturverzeichnis

Anhang

Zahlen, Daten und Fakten

Executive Summary

Geothermal energy is the heat stored in the earth's interior. The tremendous amount of heat found below the earth's surface originates for the most part from the decay of naturally occurring radioactive isotopes. The geothermal energy flowing from the earth's interior amounts to a total of more than 40,000 GW. The main requirement for the utilisation of geothermal energy is to transport the heat from its source below the ground to the Earth's surface. In some parts of the earth it is nature itself that delivers the heat (hot springs, etc.). Otherwise it requires drilling down to the heat source. Geothermal power is a renewable and environment-friendly source of energy, producing no emissions of CO2, and available around the clock. The last cannot be said of other types of renewable power sources, such as solar or wind energy.

The utilisation of geothermal energy in Europe today almost exclusively involves direct utilisation for the heating of buildings, for therapeutic applications, agriculture including greenhouses, fish farms, as well as for industrial heating and cooling processes. The only significant use of geothermal energy in Europe for electricity generation takes place in Iceland and Italy.

1 Einleitung

In Zeiten zunehmender Erwärmung des Erdklimas wird verstärkt nach Energieformen gesucht, die nicht zum Treibhauseffekt beitragen. Heute beträgt der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland erst rund 2 Prozent bezogen auf die Primärenergie und rund 5 Prozent bezogen auf die Stromerzeugung. Als Etappenziel strebt die Bundesregierung die Verdopplung dieses Anteils bis 2010 an. Danach sollen die erneuerbaren Energien pro Dekade um etwa 10 Prozent hinzugewinnen, so dass Anteile von 30 Prozent bis 2030 und 50 Prozent im Jahr 2050 erreicht werden. Der Ausbau und die Nutzung der natürlich vorkommenden Energieressourcen muss selbstverständlich umweltgerecht erfolgen und kann sich bei den derzeitigen Rahmenbedingungen noch nicht von alleine vollziehen. Es wird eine aktive Strategie von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen, sowie Einzelakteuren benötigt um den Ausbau der regenerativen Energien im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit deutlich zu Beschleunigen.

Eine Möglichkeit der Wärmegewinnung, ohne zusätzliche Emission von Treibhausgasen ist die Erdwärme. Die Erdwärme kann sowohl für die Stromerzeugung, als auch direkt zur Erwärmung von Heiz- oder Warmwasser genutzt werden. Sie gilt als unerschöpfliche Energiequelle, da die Wärme im Erdinneren fast ausschließlich durch den Zerfall radioaktiver Isotope entsteht. Allein der nach außen gerichtete Wärmestrom weist an der Erdoberfläche mit einem Energiegehalt von ca. 0,06 W/m² eine Energiedichte auf, die derzeit aber technisch noch nicht nutzbar ist. Die thermische Energie der gesamten Erde wird auf 35x10²³ kWh geschätzt, das ist etwa das Millionenfache des Wärmeinhaltes aller fossilen Lagerstätten. Mit der heutigen Technik erschließbare Reserven übersteigen sämtliche fossilen Reserven (Kohle, Erdöl und Erdgas) zusammengenommen um immerhin noch das Dreißigfache. Die Temperatur im Erdkern wird mit ca. 6000°C angenommen, sie nimmt nach außen hin ab. Die Verteilung dieses Wärmeflusses ist jedoch ungleich. Welche Nutzung und Methode der Geothermie in Frage kommt, ist also abhängig von den Ressourcen am jeweiligen Ort.

2 Vorkommen von Erdwärme

Um einen ersten Eindruck zu erhalten, ob und wie weit ein Verzicht auf konventionelle Energiegierträger möglich ist, ist es notwendig festzustellen, welchen Beitrag erneuerbare Energiequellen in der Zukunft, speziell in Deutschland leisten können.

In Mitteleuropa gibt es keine Dampf- oder Heißwasserlagerstätten, denn diese befinden sich gewöhnlich in den vulkanisch gebundenen Zonen des Planeten, wie z.B. in San Fransisco, Mexiko, Kenia, El Salvador Aber heiß genug ist der Untergrund auch bei uns. Man muss nur tief genug bohren um auf Temperaturen zu stoßen, die sich für die Stromgewinnung oder Warmwasserversorgung, Beheizung etc. eignen.

Die Geothermie nutzt durch Tiefenbohrungen die Erdwärme selbst. Der Temperaturanstieg beträgt in der Regel ca. 30°C pro 1000m (bezogen auf die obere Erdkruste). In Gebieten, wo geothermische Anomalien vorherrschen, werden ca. 100°C pro 1000m Tiefe erreicht, was diese Standorte für geothermische Kraftwerke besonders geeignet macht.

Bei der Nutzung von Aquiferen (wasserführende Schichten im Untergrund) unterscheidet man heiße Aquifere (über 100°C), warme Aquifere (40-100°C), sowie niedrig temperierte Aquifere (unter 40°C). Einzig die heißen Aquifere sind zur Produktion elektrischer Energie geeignet.

Um solche Thermalwässer mit einem wirtschaftlich interessanten Temperaturniveau (>40°C) anzutreffen, sind in Deutschland überwiegend Bohrtiefen von mindestens 1000m notwendig. Eine Ausnahme bildet die Region des durch spezielle geothermische Bedingungen gekennzeichneten Oberrheingrabens.

3 Erschließung

Ausschlaggebend für den Bau und den Betrieb von geothermischen Anlagen, sind die örtlichen geologischen Gegebenheiten, die Erschließbarkeit und natürlich der Bedarf der Energie.

Erschlossen werden geothermische Energien durch Erdbohrungen und dem Einsatz von Förderpumpen und Erdwärmesonden. Unterschieden werden muss in ,,oberflächennaher" und ,,tiefer" Geothermie. Tiefe Geothermie umfasst Bohrungen von 500-5000m Tiefe, bei Temperaturen bis etwa 200°C. Nur bei größeren Objekten ist die Erschließung überhaupt wirtschaftlich vertretbar.

Oberflächennahe Geothermie mit Bohrungen bis 500m erschließt Wärmeenergie bis max.

40°C. Durch den Einsatz von Erdwärmesonden und Wärmepumpen lassen sich damit Niedrigtemperaturanlagen für Heizungen und Brauchwassererwärmungen betreiben, die zu 90 Prozent in Privathaushalten und bei Kleinverbrauchern verwandt werden.

4 Geothermische Anlagen

Bei der ,,tiefen" Geothermie kommen 3 Verfahrensarten zum Einsatz :

4.1 Erdwärmesonden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

© Stiebel Eletron GmbH

in Tiefen von 500-2000m Tiefe, wo Temperaturen von bis zu 70°C herrschen. Das sich in den Sonden befindende zirkulierende Wasser erwärmt sich und kann an der Oberfläche entweder direkt oder mit nachgeschalteten Wärmepumpen zur Energiegewinnung für Heizung und Wassererwärmung genutzt werden. Das relativ hohe Energiepotential bedingt aber große Wärmeverbraucher, wie z.B. Mehrfamilienhäuser, Wohn- und Industriekomplexe oder Gewächshäuser.

4.2 Hydrothermale Geothermie (Wärmenutzung aus Thermalwasser)

Man kann hierbei die Wärme natürlich herausfließender oder durch Bohrungen erschlossener Thermalwässer verwenden. Bei dieser Methode besteht aber auch der Nachteil, eher von den Wassermengen als von den Wärmevorräten abhängig zu sein. Diese Wässer sind für folgende Zwecke nutzbar:

a)Heizung
b)Warmwasserversorgung
c)Gewächshäuser
d)Bewässerung

geordnet nach Abnahme der benötigten Temperatur.

Über eine Pumpe und/oder Wärmetauscher und ggf. über nachgeschaltete Wärmepumpen wird das Wasser an die Oberfläche gebracht um so sinnvoll genutzt werden zu können. In der Regel wird das abgekühlte Wasser aufgrund seines hohen Mineralgehalts über eine zweite Tiefenbohrung zurückgeführt. Dies ist der Stand der Technik und in Deutschland gut erschließbar.

In zwei europäischen Ländern wird die geothermale Energie für diese Zwecke in größerem Rahmen genutzt, in Island und in Ungarn. Beide Gebiete, vor allem natürlich Island zeichnen sich durch erhöhten Wärmefluss aus. In Reykjavik werden etwa 87 Prozent der Häuser mit Heißwasser aus einem geothermischen Feld versorgt, das Wasser von 128°C liefert. Auch Provinzstädte in Island haben ähnliche kombinierte Heiz- und Warmwasseranlagen. Nahezu die Hälfte der isländischen Bevölkerung heizt mit Erdwärme. Daneben gibt es ausgedehnte Nutzung für industrielle Zwecke und Gewächshäuser, die einen sehr wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Frischgemüse und Obst leisten.

Während in Island als vulkanisches Gebiet diese Energiemengen natürlich erwartet werden können, ist es zunächst überraschend, dass auch unter der Ungarischen Tiefebene, fern den heutigen Vulkanen, große geothermale Energiereserven vorhanden sind. Sie werden zielstrebig genutzt, indem durch Tiefbohrungen gefördertes Wasser, also praktisch fossiles Thermalwasser verwendet wird. Besonders in Südungarn ist diese Nutzung intensiv, wenn sie auch prozentual nicht so sehr ins Gewicht fällt. Angestrebt wird eine vierstufige Nutzung, d.h. ein einmal gefördertes Thermalwasser wird allen vier Verwendungsarten in der oben genannten Reihenfolge nacheinander zugeführt. Dies gewährleistet eine volle Ausnutzung des Boden- schatzes, wird aber meist nicht konsequent durchgeführt; man begnügt sich gewöhnlich mit der Ausnutzung von ein bis zwei dieser Verwendungsmöglichkeiten an einem Ort. Außer diesen Ländern wird geothermale Primärenergie in der ehemaligen UdSSR, Japan und Neuseeland intensiver, aber mehr im lokalen Rahmen genutzt. In Österreich werden schon seit langem die warmen Quellen entlang der ,,Thermallinie" im Wiener Becken, zum Beispiel in Baden und Bad Vöslau genutzt. In Deutschland gibt es noch wesentlich wärmere Quellen in Baden Baden mit 67°C. Ansonsten finden wir in der BRD noch andere geothermische Anomalien - also ungewöhnlich warmer Boden - in der Gegend von Bad Urach und Landau.

4.2.1 Darstellungen ,,Hydrothermale Wärmenutzung"

© Geothermie Neubrandenburg © Geowärme Erding

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Hot-Dry-Rock-Methode

Wo kein natürliches Grundwasser zur Verfügung steht, kann die Hot-Dry-Rock-Methode zur Anwendung kommen. Diese Idee, Strom und Wärme aus dem tiefen und trockenen Gestein (also ortsungebunden) des Erdinneren zu produzieren geht auf amerikanische Überlegungen aus den siebziger Jahren zurück. Ziel ist es, unabhängig von Anomalien die Erzeugung von Strom mit Hilfe eines innovativen Verfahrens zu Erzeugen. Man hat rausgefunden, dass man nur tief genug bohren muss, um auf Temperaturen zu stoßen, die sich für die Stromgewinnung eignen. Das daraus entwickelte Hot-Dry-Rock-Verfahren klingt denkbar einfach.

Über Bohrungen in Tiefenbereichen von 3000-7000m wird das heiße Gestein erschlossen. Zwischen den Bohrungen werden mit Wasserdruck, also hydraulisch Fließwege aufgebrochen, oder vorhandene aufgeweitet, wodurch eine Art unterirdischer Wärmetauscher entsteht. Dieses in der Tiefe erwärmte Wasser wird nun wieder nach oben gefördert, wo dann der Wasserdampf eine Turbine antreibt, die schließlich elektrischen Strom erzeugt. Die Zirkulation des Wassers erfolgt in einem geschlossenen Kreislauf.

Ein nach heutigen Maßstäben wirtschaftlich zu betreibendes HDR-Kraftwerk muss eine Leistung zwischen 25 und 100 MWh über einen Zeitraum von 20 Jahren garantieren. Der Strom aus den ersten Pilotkraftwerken könnte mit einem Preis von 15-20 Pf/kWh bereitgestellt werden. Unter der BRD in Tiefen zwischen 3000-7000m steht ca. 90000 EJ an geothermischer Energie zur Verfügung. Das reichte ohne Berücksichtigung einer Erneuerung der Wärmeproduktion von unten aus, um den Energiebedarf des Landes für 10000 Jahre komplett zu decken. (Quelle: www.geothermie.de)

HDR-Kraftwerke sind mit ca. 20-50 MW installierter Leistung relativ kleine, saubere und in ihren Auswirkungen für die Umgebung ungefährliche Kraftwerke, die zudem wie alle geothermischen Anlagen wenig Platz benötigen: der wichtigste Teil liegt nämlich unter der Erde.

4.3.1 Darstellung der "Hot-Dry-Rock-Methode"

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5 Energiepfahlsysteme (Pfahlbauermethode mit Zukunft)

Eine weitere Technik sind Energiepfähle, das sind Gründungspfähle von Gebäuden, ausgestattet mit integrierten Wärmetauschern. Das Besondere an Energiepfahlsystemen ist die ökologische und wirtschaftlich interessante Doppelnutzung von erdberührten Betonteilen für Fundation und gleichzeitiger Wärme- oder Kälte Energiegewinnung. Als Wärmetauscher werden in der Regel flexible Kunststoffrohre verwendet. Bei all diesen Fundationsarten wird das Rohrsystem über einen Wasserkreislauf - mit Zwischenschaltung einer Wärmepumpe - an das Heiz- beziehungsweise Kühlsystem des Gebäudes angeschlossen. Dadurch wird das Erdreich unterhalb des Gebäudes im Winter als natürlicher Wärmelieferant genutzt. Im Sommer sind solche Systeme zudem für Prozesskühlung und sanfte Klimatisierung einsetzbar. In diesem Fall wird Wärme aus dem Bauobjekt in das Erdreich abgeführt und für eine Winternutzung gespeichert.

Die Speichertechnik ist künftig bei integrierten regenerativen Energiesystemen von größter Bedeutung . Sie wird ein Schwerpunkt in den Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sein.

5.1 Darstellung der Erdwärmenutzung mit sog. "Energiepfählen" Legende :

1 Energiepfähle
2 Pfahlanschlussleitung
3 Sammelkästen = Pfahlanschlüsse
4 Hauptleitung
5 Kältezentrale

6 Installierte Leistung und Anlagen in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7 Vorteile der Geothermie gegenüber anderen Energiequellen

- Geothetrmie steht unabhängig von Witterung, Tag- und Nachtzeiten immer bedarfsgerecht zur Verfügung.
- Ist praktisch unerschöpflich und damit ,,nachhaltig", d.h. die Bedürfnisse der heutigen Generation können befriedigt werden, ohne die Verfügbarkeit dieser Energie für künftige Generationen zu beeinträchtigen.
- Ist nahezu überall verfügbar und muss somit nicht über lange Wege zum Verbraucher transportiert werden - Geothermie ist Energie vor Ort.
- Ist ein Beitrag zum Klimaschutz, denn sie erzeugt weder Luftschadstoffe noch SO2 und ist somit ein idealer Ersatz für fossile Energieträger.
- Ist eine einheimische, krisensichere Energiequelle, unabhängig von Heizöl- und Erdgaslieferungen aus ausländischen Krisengebieten
- Hat nur geringe Betriebskosten; es fallen keine Heizöl- oder Gaskosten an.
- Geothermische Anlagen beanspruchen wenig Platz : der wichtigste Teil liegt unter der Erde
- Durch Umkehr des Kreislaufs kann das Bauwerk z.B. gekühlt werden.

8 Umweltprobleme

Die Elektrizitätserzeugung aus Erdwärme wirft nicht unbeträchtliche Umweltprobleme auf. Am wenigsten noch das Projekt ,,Hot-Dry-Rock". Hier bedeuten Sprengungen und Abkühlung in der Tiefe eine gewisse Erdbebengefahr, die allerdings nicht hoch eingeschätzt werden muss. Besondere Probleme erwachsen bei den Kraftwerken, die heißes Wasser aus dem Untergrund fördern. Diese enthalten oft in großen Mengen gelöste Salze, oft in weit höheren Konzentrationen als im Meerwasser. Auch noch bei der Verwendung einer 2 %-igen Salzlösung würde ein 1000 MW Kraftwerk 12000t Salz mitfördern. Die häufige Beimischung anderer Substanzen wie Bor erhöht die Schwierigkeit der Beseitigung. Entweder muss das Wasser vor der Ableitung entsalzt werden, oder es muss durch Bohrlöcher wieder in die Tiefe versenkt werden. Diese Methode, die derzeit verbreitet ist trägt dazu bei, das Umweltproblem möglicherweise gefährlicher Bodensenkungen, die durch die Wasserentnahme hervorgerufen werden könnten zu vermeiden. Die Korrosionswirkung aggressiver Lösungen ist auch für den Betrieb ein Problem. Manche dieser unterirdischen Wässer enthalten auch gelöste oder freie Gase, die nicht immer harmlos sind. Gerade Schwefelwasserstoff, der sich in Wasser löst, lässt sich nur schwer abtrennen, da er erst bei der Verdampfung des Wassers bei der Abkühlung frei wird. Dem Kraftwerk "The Geysirs" (größte geothermische Kraftwerksanlage der Welt, welche in den kalifornischen Bergen nordöstlich von San Fransisco aus Erdwärme Strom gewinnt) entweicht z.B. so viel Schwefel, als würde es Öle mit niedrigem Schwefelgehalt verbrennen. Die Schwefelemissionen müssen also begrenzt werden; dies könnte übrigens ein Anreiz sein die Entwicklung der Kraftwerke mit Sekundärflüssigkeit voranzutreiben, da hier die Emissionen leichter zu kontrollieren sind. Es ist also klar, dass geothermische Kraftwerke nicht so umweltfreundlich sind wie Sonnen- oder Windkraftwerke, man kann aber doch sagen, dass diese Probleme beherrscht werden können und der Nutzung nichts entgegenstehen darf.

9 Geothermie in der Bundesrepublik Deutschland

(Quelle: Deutscher Bundestag 1998)

Der mittelfristig erzielbare Anteil der Geothermie am Energieverbrauch in Deutschland ist auch bei einer Steigerungsrate von über 10% pro Jahr ,,äußerst gering". Dies habe eine entsprechende Analyse ergeben, berichtet die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion.

Derzeit existieren in Deutschland 18 hydrogeothermale Heizzentralen, die natürlich vorhandene heiße Tiefenwässer nutzen, mit einer thermischen Leistung von rund 50 MW. Erdgekoppelte Wärmepumpen seien nicht mit eingerechnet.

Die Bundesregierung hält die geologischen Voraussetzungen zur Nutzung der hydrothermalen Erdwärme hierzulande für ,,sehr begrenzt". ,,Gewisse Nutzungsmöglichkeiten" bestünden im süddeutschen Molassebecken und in der norddeutschen Tiefebene. Die Ressourcen seien ,,weitgehend ermittelt". Derzeit noch bestehende Forschungsdefizite wie etwa der hohe Salzgehalt oder bakterielle Verunreinigungen und chemische Reaktionen im Aquiferbereich würden durch Projekte aufgearbeitet.

Zur Hot-Dry-Rock-Technologie erklärt die Bundesregierung: ,,Dieses Verfahren befinde sich selbst nach 20 Jahren weltweiter Untersuchung noch immer eindeutig im Forschungsstadium". Von der Mitarbeit in einem neuen Gremium der Internationalen Energie Agentur zum Thema Geothermie verspricht sie sich keinen zusätzlichen Gewinn.

Die Bundesregierung betonte, sie habe die Geothermie in den letzten Jahren mit rund 5 Millionen DM gefördert. Im vergangenen Jahr (1997) seien jedoch förderungswürdige Projektanträge nur in einem Volumen von rund 4,8 Millionen DM gestellt worden. Von einer Kürzung der Fördermittel für die Geothermie ,,kann also keine Rede sein", heißt es in der Antwort.

14 Europäisches Forschungsprojekt in Soultz-sous-Forêts

Der Startschuss für ein eigenes, europäisches Hot-Dry-Rock-Forschungsprojekt fiel im August 1987 im elsässischen Soultz-sous-Forêts. Der Ort gehört zum französischen Teil des Oberrheingrabens. Soultz wurde zum Standort gewählt, weil er im Zentrum der größten Wärmeanomalie in Mitteleuropa liegt. Das ermöglichte die Arbeiten in relativ geringer Tiefe von rund 3000-4000 Metern durchzuführen.

Das Gestein hat in einer Tiefe von 3900 Metern eine Temperatur von 165 °C. Im Rahmen des Projektes werden hydraulische Injektions- und Produktionsversuche durchgeführt, die ergaben, dass pro Sekunde kontinuierlich 25 Liter Wasser mit einer Temperatur von über 140°C zwischen den beiden Bohrlöchern ohne Wasserverluste zirkulieren. Mit einer Pumpenergie von rund 250 kW werden 10 MW thermische Energie gewonnen. Als nächste Stufe sollen nun "kommerzielle" Tiefen von 5000 Metern mit Gesteinstemperaturen von 200°C erschlossen werden. Bei einem dort vorherrschenden Wasserfluss von 40 Litern pro Sekunde und einer Wassertemperatur von 190°C könnte damit ein erstes Versuchskraftwerk eine Leistung von 5 MW produzieren.

Ein nach heutigen Maßstäben wirtschaftlich zu betreibendes HDR-Kraftwerk muss aber eine Leistung zwischen 25 und 100 MW über einen Zeitraum von 20 Jahren garantieren. Deshalb muss in Zukunft daran gearbeitet werden bestehende Systeme zu verbessern, um so die unerschöpflichen Reserven der Erdwärme sinnvoll und vor allem nicht verschwenderisch nutzen zu können.

11 Fördermaßnahmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Energieforschungsmittel und Mittel für die Markteinführung Erneuerbarer Energien deutlich erhöht

Anlässlich der Entscheidung des Haushaltsausschuss zur Energieforschung erklärt Hans-Josef Fell, MdB, forschungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN:

Dies ist eine große Woche für die Energieforschung und für die Erneuerbaren Energien. Gegenüber dem Regierungsentwurf vom Sommer diesen Jahres werden laut Haushaltsausschuss-Beschluss von gestern abend die Mittel für Energieforschung um 107 Mio. DM angehoben. Der Löwenanteil davon entfällt auf die 100 Mio. DM, die durch die Zinsersparnisse der UMTS-Mittel zur Verfügung stehen. Weitere 7 Mio. DM werden im Haushalt des Forschungsministeriums aufgebracht.

Ein weiterer wichtiger Erfolg ist, dass die Mittel für das Marktanreizprogramm Erneuerbare Energien (vor allem Sonnenkollektoren zur Wärmeerzeugung, Biomasse) um 100 Mio. DM auf 300 Mio. DM erhöht werden.

Von den 100 Mio. DM UMTS-Mitteln erhält das Bundeswirtschaftsministerium 80 Mio. DM und das Bundesumweltministerium 20 Mio. DM.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Bundesumweltministerium wird die zusätzlichen Mittel jährlich für folgende Bereiche verwenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zusätzlichen Energieforschungsmittel des Bundesforschungsministerium entfallen auf 3 Bereiche:

- 2 Mio. DM für neue Antriebssysteme
- 3 Mio. DM für Energieoptimiertes Bauen
- 2 Mio. DM zusätzlich für den "Vernetzungsfonds Grundlagenforschung erneuerbare Energien

Die rot-grüne Bundestagsmehrheit gibt mit der erneuten Anhebung der Mittel für neue Energietechnologien die richtige Antwort auf die energiepolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Die Politik "Weg vom Öl" hin zum Klimaschutz spiegelt sich sowohl in kurzfristgen Markteinführungsmaßnahmen wieder als auch in der mittel- und langfristig angelegten Energieforschungspolitik. Dies ist ein wichtiges Signal des deutschen Parlaments für die Klimaschutzkonferenz in Den Haag.

11.1 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz-EEG

Durchbruch für erneuerbare Energien

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz-EEG

Quelle: Deutscher Bundestag, 14.Wahlperiode Drucksache 14/F299/99 Gesetzentwurf

Ziel des Gesetzes

Ziel dieses Gesetzes ist es, im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen und den Beitrag Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung deutlich zu erhöhen, um entsprechend den Zielen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland den Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch bis zum Jahr 2010 mindestens zu verdoppeln.

Anwendungsbereich

Dieses Gesetz regelt die Abnahme und die Vergütung von Strom, der ausschließlich aus Wasserkraft, Windkraft, solarer Strahlungsenergie, Geothermie, Deponiegas, Klärgas, Grubengas oder aus Biomasse im Geltungsbereich dieses Gesetzes oder in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone gewonnen wird, durch Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die Netze für die allgemeine Versorgung betreiben (Netzbetreiber).

§ 6

Vergütung für Strom aus Geothermie

Für Strom aus Geothermie beträgt die Vergütung

1. bis einschließlich einer installierten elektrischen Leistung von 20 Megawatt mindestens 17,5 Pfennige pro Kilowattstunde und

2. ab einer installieren elektrischen Leistung von 20 Megawatt mindestens 14 Pfennige pro Kilowattstunde.

Literaturverzeichnis

http://

www.geothermie.de

www.umwelt.imedia.de

www.energy-select.de

www.rwe.com

www.bayrisches-energie-forum.de

www.bmwi.de

www.bundestag.de

www.klett-ingenieur-gmbh.de

www.geowissenschaften.de

www.brgm.fr

www.umweltbundesamt.de

www.bmu.de

www.agenda21.de

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Innovation und Nachhaltigkeit - "Geothermie"
Veranstaltung
Wirtschaftspolitisches Seminar
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V99812
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innovation, Nachhaltigkeit, Geothermie, Wirtschaftspolitisches, Seminar
Arbeit zitieren
Markus Link (Autor), 2000, Innovation und Nachhaltigkeit - "Geothermie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99812

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