Analyse und Optimierung möglicher Umsetzungsstrategien für die Realisierung des ermittelten Photovoltaik-Potentials auf gemeindeeigenen Gebäuden der KEM-Region Ebreichsdorf


Bachelorarbeit, 2020

55 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Relevanz der Studie

2. Einleitung
2.1 PV Allgemein & Klimaziele
2.2 PV- Investitions- und Stromvermarktungsmodelle

3. Fragestellung

4. Ziele und Nichtziele der Studie

5. Ausgangslage
5.1 Informationen zur KEM-Region Ebreichsdorf
5.2 Zusammenfassung und Ergebnisse der vorliegenden PV-Potentialanalyse der KEM-Region Ebreichsdorf

6. Methodik
6.1 Verwendete Daten aus der vorliegenden PV-Potentialanalyse der KEM-Region Ebreichsdorf
6.2 Recherche von „Best practice“ Modellen bezüglich Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodellen
6.3 Die Methode Experteninterview
6.3.1 Experteninteview1: Beratungsstelle bezüglich PV-BürgerInnenbeteiligung der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, ENU
6.3.2 Experteninterview 2: OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH
6.3.3 Experteninterview 3: Abteilung „KEM Qualitätsmanagement“ der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, ENU
6.3.4 Experteninterview 4: Modellregions-Manager der KEM-Region Ebreichsdorf, Mag. Patrick Wagenhofer
6.3.5 Experteninterview 5: Crowdinvestment Online-Plattform „Crowd4Energy“
6.4 Die Methode SWOT Analyse: Vergleich der diversen Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle

7. Umsetzungsstrategie
7.1 Diskussion der Methode „SWOT-Analyse“ – Abschätzung derer Eignung für die vorliegende Aufgabenstellung
7.2 Vergleichende Analyse verschiedener Finanzierungs- und Bürgerbeteiligungsmodelle
7.2.1 Bürgerbeteiligungsmodell: Sale and Lease Back
7.2.2 Finanzierung mittels Crowdinvestment-Plattform „Crowd4Energy“
7.2.3 Genossenschaftliche Finanzierung
7.3 Analyse diverser Möglichkeiten zur Stromvermarktung
7.3.1 OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH
7.3.2 Abwicklungsstelle für Ökostrom, OeMAG

8. Empfehlungen und chronologische „Schritt für Schritt“ Anleitung
8.1 Empfehlungen anhand der Ergebnisse der SWOT Analysen
8.2 „Schritt für Schritt“ Anleitung für die Umsetzung des „BürgerInnen Solarkraftwerks Ebreichsdorf“

9. Nutzen des „BürgerInnen Solarkraftwerks“

10. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Um die Klimaziele der EU Kommission und der österreichischen Bundesregierung zu erreichen, ist laut Experten der vermehrte Ausbau erneuerbarer Energien vonnöten. Eine zentrale Schlüsselrolle sollen dabei die Gemeinden in ganz Österreich spielen. Eine Möglichkeit, durch welche Gemeinden einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten können, ist die Initiierung und Umsetzung eines Photovoltaik BürgerInnenbeteiligungsprojektes. Derzeit werden von der Klima- und Energie Modellregion Ebreichsdorf anhand einer PV Potentialstudie der FH Technikum Wien, Überlegungen für die Umsetzung eines derartigen Projekts angestellt. Die gegenständliche Bachelorarbeit soll Möglichkeiten für die Realisierung des vorhandene PV Potentials aufzeigen, und beschäftigt sich daher mit der Frage, wie eine optimale Umsetzungsstrategie aussieht, durch welche ein maximaler wirtschaftlicher und sozialer Nutzen für die KEM Region Ebreichsdorf erreicht wird.

Um diese Forschungsfrage zu beantworten werden drei verschiedene BürgerInnenbeteiligungs- und zwei Stromvermarktungsmodelle mittels der SWOT-Methode analysiert. Grundlage für die SWOT Analysen bilden jene Informationen, welche durch eine umfangreiche Literaturrecherche und die Durchführung von Experteninterviews erlangt wurden. Um die EntscheidungsträgerInnen dieser Region bei der potenziellen Realisierung des vorhandenen PV-Potenzials zu unterstützen wird eine Schritt für Schritt Anleitung der erarbeiteten Umsetzungsstrategie entwickelt.

Das Resümee der Arbeit ist, dass eine optimale Umsetzungsstrategie die Anwendung des BürgerInnenbeteiligungsmodells „Sale and Lease Back“, und des Stromvermarktungsmodells der Genossenschaft „OurPower“ beinhaltet. Der Nutzen welcher durch die Kombination dieser beiden Modelle erreicht wird, ist vorrangig die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung und somit die Stärkung des Vertrauensverhältnisses zwischen Bürgerinnen und Gemeinde.

Schlagwörter: BürgerInnenbeteiligung, Photovoltaik, Klima- und Energie Modellregion, Gemeindeeigentum, SWOT-Analyse

Abstract

In order to achieve the climate targets of the EU Commission and the Austrian Federal Government, the increased expansion of renewable energies is necessary. The municipalities throughout Austria are to play a key role in this process. One way in which municipalities can contribute to achieving the climate targets is to initiate and implement a photovoltaic citizen participation project. The Climate and Energy Model Region Ebreichsdorf is currently considering the implementation of such a project on the basis of a PV potential study by the FH Technikum Wien. This bachelor thesis is intended to show possibilities for the realization of the existing PV potential and deals therefore with the question of how an optimal implementation strategy looks like, through which a maximum economic and social benefit for the KEM region Ebreichsdorf is achieved.

To answer this research question, three different citizen participation models and two electricity marketing models are analysed using the SWOT method. The basis for the SWOT analyses is the information obtained from an extensive literature research and expert interviews. In order to support the decision makers of this region in the realisation of the existing PV potential, a step-by-step guidance of the developed implementation strategy will be developed.

The conclusion of the work is that an optimal implementation strategy includes the application of the citizen participation model "Sale and Lease Back", and the electricity marketing model of the cooperative "OurPower". The benefit achieved by combining these two models is primarily to raise awareness among the population and thus strengthen the relationship of trust between citizens and the municipality.

Keywords: Citizen participation, photovoltaics, climate and energy model region, community ownership, SWOT analysis

1. Relevanz der Studie

Klima- und Energie- Modellregionen (KEM) sind ein Programm, welches vom österreichischen Klima- und Energiefonds initiiert wurde. Das langfristige Ziel dieser Regionen ist ein 100 prozentiger Ausstieg aus fossiler Energie (www.klimaundenergiemodellregionen.at, 2019). Eine von 95 KEM Regionen in ganz Österreich, ist die KEM Region Ebreichsdorf in Niederösterreich. Diese Region befindet sich derzeit in der Weiterführungsphase 2 (Stand Dezember 2019). In dieser Phase werden Maßnahmen definiert, welche innerhalb eines bestimmten Zeitraums umgesetzt werden sollen. Eine konkrete Maßnahme, welche im aktuellen Maßnahmenbericht definiert wurde, lautet „Photovoltaik für Alle“. Neben einer Informationsoffensive, welche den BürgerInnen dieser Region das Thema Photovoltaik näher bringen soll, sollen Möglichkeiten für BürgeInnenrbeteiligung näher untersucht werden (Wagenhofer, 2019).

Für die Umsetzung eines BürgerInnenbeteiligungsprojektes werden die gemeindeeigenen Dachflächen für die Montage von PV-Anlagen angedacht. Das PV-Potential auf gemeindeeigenen Dachflächen der KEM Region Ebreichsdorf wurde im Zuge einer Projektarbeit der FH Technikum untersucht. Dabei wurden Gebäude von insgesamt 7 Gemeinden analysiert. Bei dieser Studie wurde ein gesamtes Photovoltaik Potential von 564 kWp ermittelt. Diese Leistung würde einen Ertrag von 609 MWh pro Jahr erbringen. 253 t CO2 würden dadurch jährlich eigespart werden (Fröhlich, et al., 2019) (Glasl, et al., 2019). Damit das vorhandene PV-Potential verwirklicht werden kann, benötigt es eine ausführlich ausgearbeitete Umsetzungsstrategie, in der die Kernthemen einer potentiellen Umsetzung nämlich, Stromvermarktungs- und Finanzierungsmodelle, analysiert werden.

2. Einleitung

2.1 PV Allgemein & Klimaziele

Bis zum Jahr 2030 soll der Strombedarf in Österreich bilanziell zu 100% durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Weiters sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 36% gegenüber dem Referenzjahr 2005 gesenkt werden (Anderl, et al. 2018). Um die definierten Ziele zu erreichen, benötigt es innovative und CO2 neutrale Energiekonzepte bzw. Energietechnologien. Eine Technologie, welche zum Erreichen dieser Ziele einen Beitrag leisten kann, ist Photovoltaik. Durch Photovoltaik kann auf umweltfreundliche Art und Weise aus Sonnenenergie Strom gewonnen werden. Neben der CO2 neutralen Stromerzeugung bietet Photovoltaik viele andere Vorteile gegenüber der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe.

2.2 PV- Investitions- und Stromvermarktungsmodelle

Da sich der PV-Markt ständig an Kundenforderungen anpassen muss, haben sich viele verschiedene Investitionsmöglichkeiten für die Errichtung von PV-Anlagen entwickelt. Die Bereitstellung der Investitionskosten aus eigener Hand ist nicht die einzige Möglichkeit, um ein PV-Projekt umzusetzen. Eine Möglichkeit, welche sich in den letzten Jahren vor allem auf Gemeindeebene durchgesetzt hat, ist die Aufbringung der Investitionskosten mithilfe der Beteiligung von Privatpersonen: Durch das Alternativfinanzierungsgesetz welches im Jahr 2015 in Kraft trat wird der Einsatz von Crowdfunding und Bürgerbeteiligung erheblich erleichtert (PV Financing, 2016). Diese Finanzierungsmöglichkeiten finden meist Anwendung bei PV-Anlagen mit einer Leistung von größer als 50 kWp (Gruber, et al., 2015). Diese BürgerInnenbeteiligungsmodelle, werden beispielsweise von Gemeinden oder Energieversorgungsunternehmen angewendet und bieten in den meisten Fällen sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile für den Anlagenbetreiber. Eine andere Möglichkeit für die Aufbringung der Investitionskosten eines kapitalintensiven PV-Projekts, ist freilich die Aufnahme eines Kredits bei einer Bank.

Auch der Markt bezüglich Stromvermarktungsmodelle hat sich im Laufe der vergangenen Jahre geändert. Der Verkauf deseigen produziertenÜberschussstroms an ein Energieversorgungsunternehmen ist nicht die einzige Möglichkeit, um durch den erzeugten Strom Erlöse zu erzielen. Zurzeit sind Konzepte am Markt vertreten, welche einen anderen Ansatz verfolgen: Hier ist die Rede von sogenannten „Peer to Peer“ Konzepten. Überschussstrom wird dabei „direkt“ an private Personen verkauft. Der Anlagenbetreiber bzw. der Stromverkäufer bekommt für den eingespeisten Strom nicht den verhältnismäßig geringen Einspeisetarif eines EVU´s, sondern er verkauft den Strom zu Konditionen, welche im Vorhinein mit dem Stromkäufer vereinbart wurden

3. Fragestellung

Welche Strategie ist notwendig, um das ermittelte Photovoltaik-Potential auf gemeindeeigenen Gebäuden optimal umzusetzen, damit ein maximaler wirtschaftlicher und sozialer Nutzen für die KEM-Region Ebreichsdorf erreicht wird?

4. Ziele und Nichtziele der Studie

Diese Arbeit soll eine Hilfestellung für die Umsetzung des ermittelten PV-Potentials der KEM-Region Ebreichsdorf sein. Sie soll als Leitfaden dienen und eine potenzielle Umsetzung erleichtern. Weiters soll in dieser Arbeit analysiert werden welche Vorteile und Herausforderungen die Umsetzung der geplanten Anlagen mit sich bringt. Dabei werden soziale und wirtschaftliche Vorteile beziehungsweise Herausforderungen bezüglich der Gemeinden, der GemeindebürgerInnen und der gesamten Region erarbeitet. Bei der Erarbeitung einer optimalen Umsetzungsstrategie ist die Analyse von verschiedenen Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodellen von zentraler Bedeutung. Der Fokus liegt dabei auf BürgerInnenbeteiligungsmodellen. Diese Modelle und Konzepte werden speziell bezüglich der gegebenen Rahmenbedingungen untersucht. Durch die erarbeitete „Schritt für Schritt“ Anleitung für die Umsetzung des ermittelten PV-Potentials, soll der Aufwand der Realisierung des Potentials eingeschätzt werden können.

Diese Arbeit behandelt vorrangig wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte bezüglich Photovoltaik. Technische Aspekte wie zum Beispiel die Planung der PV-Anlagen oder die Funktionsweise von PV werden nicht untersucht. Es wird in dieser Arbeit lediglich auf die Gewinnung von elektrischer Energie mittels PV Technologie eingegangen. Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung von den einzelnen Anlagen erfolgte in der Projektarbeit „PV-Potentialanalyse, KEM Ebreichsdorf“ der FH Technikum Wien. Bei gegenständlicher Studie werden die Werte bezüglich Wirtschaftlichkeit (Investitionskosten, Amortisationszeit etc.) aus der bereits erwähnten Projektarbeit übernommen und nicht neu berechnet. Rechtliche Aspekte werden in dieser Arbeit nur sekundär behandelt. Finanzierungsmöglichkeiten, welche keine Beteiligung von BürgerInnen vorsehen, werden nicht analysiert.

5. Ausgangslage

5.1 Informationen zur KEM-Region Ebreichsdorf

Die KEM Region Ebreichsdorf besteht aus 10 Gemeindein und liegt im Südosten von Niederösterreich, circa 20 km von der Wiener Stadtgrenze entfernt. Über 36.000 Menschen leben in der ca. 114 km² großen Region (www.klimaundenergiemodellregionen.at, 2019). Derzeit (Stand: Dezember 2019) befindet sich diese KEM Region in der Weiterführungsphase 3. In dieser Phase ist die Umsetzung von 10 konkreten Maßnahmen geplant. In der KEM Region wurden seit 2009 sämtliche Projekte bezüglich Erneuerbarer Energien, E-Mobilität, Energieeffizienz und Bewusstseinsbildung umgesetzt (www.klimaundenergiemodellregionen.at, 2019).

5.2 Zusammenfassung und Ergebnisse der vorliegenden PV-Potentialanalyse der KEM-Region Ebreichsdorf

Bei der Studie „Photovoltaik Potential Analyse, KEM-Region Ebreichsdorf“ wurde das PV Potential auf gemeindeeigenen Dächern und Grundstücken der KEM-Region Ebreichsdorf ermittelt. Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von einem Jahr. Dabei wurden zwei Berichte von zwei verschiedenen Studierenden-Gruppen der FH Technikum Wien erstellt. In dieser Arbeit werden die Ergebnisse der beiden Berichte für weitere Untersuchungen herangezogen.

In der PV-Potentialstudie wurden hauptsächlich die Dachflächen von Gebäuden, welche im Besitz der Gemeinden innerhalb der KEM sind, analysiert. Im Zuge der Studie wurden auch Spezialobjekte behandelt. Dazu gehört das „Raiffeisen Kornlager“ in Tattendorf und die „PV-Freiflächenanlage“ in Mitterndorf an der Fischa. Für PV geeignete Dächer, welche nicht im Besitz der Gemeinde sind wurden keine Untersuchungen angestellt. Untersucht wurden in dieser Studie folgende 7 Gemeinden: Ebreichsdorf, Reisenberg, Tattendorf, Blumau/Neurißhof, Mitterndorf an der Fischa, Seibersdorf/Deutsch Brodersdorf und Teesdorf.

Bei dieser Studie wurden einzelne PV-Anlagen detailliert geplant und ausgelegt. Genauer betrachtet wurden jedoch nur jene Objekte, welche für PV geeignet sind. Bei allen geplanten Anlagen handelt es sich um Überschusseinspeisungsanlagen. Konkret bedeutet das, dass jener Anteil des produzierten Stroms, welcher nicht direkt verbraucht wird, in das Netz eingespeist wird. Andere Anlagenkonzepte wie zum Beispiel Volleinspeisungsanlagen oder Anlagen in Kombination mit Stromspeicherung wurden nicht bearbeitet. Gebäude wie zum Beispiel der Hauptsitz einer Freieilligen Feuerwehr wurden nicht analysiert, da die Installation von PV aufgrund des geringen Strombedarfs wenig Sinn macht. Neben der reinen technischen Analyse wurde auch jede Anlage bezüglich Wirtschaftlichkeit untersucht. Dabei wurden beispielsweise die Amortisationszeit, die Investitionskosten und der kumulierte Cashflow nach 25 Jahren von jeder Anlage berechnet. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung wurde die „Förderung für Photovoltaik in KEM-Regionen“ vom Klima und Energiefonds verwendet. Dabei handelt es sich um eine Investitionskostenförderung in der Höhe von 275 €/kWp (Umweltgemeinde Service Land NÖ, 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ergebnisse der PV-Potentialanalyse KEM-Ebreichsdorf (Glasl, et al., 2019), (Fröhlich, et al., 2019)

In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der PV-Potentialanalyse der KEM Region Ebreichsdorf dargestellt. In den 7 untersuchten Gemeinden wurden 28 PV Anlagen mit einer gesamten Leistung von 564 kWp konzipiert. Diese 28 PV Anlagen würden jährlich einen Ertrag von 609.066 kWh liefern. Wenn man bei einem Einfamilienhaushalt von einem Stromverbrauch von 4415 kWh/a ausgeht (Österreichs E-Wirtschaft, 2019), könnten mit der produzierten Energie 138 Haushalte über ein ganzes Jahr mit nachhaltig produziertem Strom versorgt werden. Bei jährlich 609.066 kWh produzierten Stromes werden 253 t/a an CO2 eingespart. Um alle Anlagen zu errichten, wäre bei einer Einzelbestellung ein gesamter Kapitaleinsatz von 721.599 € notwendig. Bei einer Sammelbestellung für die KEM-Region Ebreichsdorf betragen die gesamten Investitionskosten 517.374 €. Die Amortisationszeiten bewegen sich in einem Bereich von 9 bis 19 Jahren bei normalen Investitionskosten. Bildet man den Durchschnitt der Amortisationszeiten aller geplanten Anlagen, so ergibt sich ein Wert von 12,9 Jahren. Unter der Annahme einer Sammelbestellung amortisieren sich die einzelnen PV-Anlagen deutlich schneller. Hier ergeben sich Amortisationszeiten zwischen 6 und 10 Jahren. Im Durchschnitt beträgt die Amortisationszeit 7 Jahre (Glasl, et al., 2019) (Fröhlich, et al., 2019).

6. Methodik

Im Folgenden wird die methodische Vorgehensweise dargestellt. Dabei wird zunächst erläutert welche Daten aus der vorliegenden PV-Potentialanalyse verwendet wurden. Anschließend werden die wesentlichen wissenschaftlichen Instrumente, welche Anwendung in dieser Arbeit fanden genauer erklärt. Dabei wird die Vorgehensweise der Recherche von „Best Practice“-Beispielen beschrieben. Es folgt die Erklärung und Methodik der Informationsbeschaffung mittels Experteninterview. Im Anschluss wird die Vorgehensweise der vergleichenden Analyse mittels SWOT-Methode dargestellt und erklärt.

6.1 Verwendete Daten aus der vorliegenden PV-Potentialanalyse der KEM-Region Ebreichsdorf

Sämtliche Daten für die Untersuchung und Analyse in dieser Arbeit wurden der Photovoltaik-Potential Analyse der KEM-Region Ebreichsdorf von der FH Technikum Wien entnommen. In dieser Studie, welche auf zwei Teile aufgeteilt war, wurden diverse Szenarien bezüglich der geplanten PV-Anlagen simuliert, indem verschiedene Parameter variiert wurden. Die beiden Studien unterscheiden sich bezüglich der Vorgehensweise nur leicht. Beim ersten Teil der Potentialanalyse wurden lediglich die Investitionskosten variiert. Dabei wurde angenommen, dass die Anlagen einmal zu aktuellen Marktpreisen, und einmal zu geringeren Kosten dank einer KEM Sammelbestellung errichtet werden. Beim zweiten Teil der Studie wurde für jede Anlage zwei verschiedene Varianten erstellt. Bei der ersten Variante sollte ein möglichst hohes CO2-Einsparungspotential durch maximale PV Belegung erreicht werden. Die zweite Variante sollte wirtschaftlich optimierte PV-Anlagen darstellen. Weiters wurden auch hier die Investitionskosten, wie beim ersten Teil der Studie, für jede Variante variiert.

Um die Komplexität der Analyse in dieser Arbeit zu reduzieren, wurden die notwendigen Daten aus jenen Varianten gewählt, welche in den beiden Potentialanalysen gleich sind. Somit wurden alle Daten des zweiten Teils der Studie ausschließlich von den wirtschaftlich optimierten Anlagen herangezogen.

Das Spezialobjekt „Raiffeisen Kornlager“ in Tattendorf wird in gegenständlicher Arbeit nicht bearbeitet. Die Ergebnisse wie beispielsweise Anlagenleistung, Ertrag, CO2 – Einsparung und Amortisationszeit werden nicht dargestellt bzw. nicht bei den Gesamtergebnissen miteinbezogen. Dieses Objekt ist im Besitz der „RWA“ (Raiffeisen Ware Austria) und ist nicht Eigentum der Gemeinde Tattendorf. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit nicht näher darauf eingegangen.

6.2 Recherche von „Best practice“ Modellen bezüglich Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodellen

Um einen groben Überblick zu geben, welche Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle zurzeit am Markt vertreten sind, bedarf es einer umfangreichen Recherche. Als Datenquelle für diese Recherche diente vorrangig das Internet. Dabei wurde mithilfe von Google Scholar nach Studien und wissenschaftlichen Berichten, welche detailreiche Informationen preisgeben, gesucht. Recherchiert wurde unter Anderem nach „Best practice“ Beispielen. Dies war notwendig, um Erfahrungen und Berichte aus bereits umgesetzten Projekten zu erlangen. Außerdem wurden jene Modelle genauer untersucht, welche unter den gegebenen Rahmenbedingungen optimal eingesetzt werden können. Jene Modelle, welche unter anderen Voraussetzungen viele Vorteile bieten, bei den gegebenen Rahmenbedingungen jedoch unvorteilhaft sind, wurden nicht näher untersucht. Bezüglich Finanzierungsmöglichkeiten wurden folgende drei Konzepte genau analysiert:

- Bürgerbeteiligungsmodell: Sale and Lease Back
- Genossenschaftliche Finanzierung
- Finanzierung mittels Crowdinvestment Plattform „crowd4energy“

Diese drei Modelle wurden für die Analyse gewählt, da durch diese Konzepte die finanzielle Beteiligung von BürgerInnen der KEM Region Ebreichsdorf möglich ist. Finanzierungsmöglichkeiten die ohne BürgerInnenbeteiligung, wie beispielsweise die Aufnahme eines Kredites oder die Finanzierung mittels Eigenkapital, erden in dieser Arbeit nicht behandelt.

Auch die Auswahl diverser Stromvermarktungsmöglichkeiten erfolgte auf Basis einer detaillierten Recherche. Aus dieser Recherche ging hervor, dass sich folgende zwei Stromvermarktungsmodelle für eine vergleichende Analyse anbieten:

- Genossenschaftliche Marktmodelle wie z.B. Ourpower Energiegenossenschaft SCE mbH
- OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom AG)

Die Stromvermarktung durch traditionelle Energieversorgungsunternehmen wurde nicht genauer analysiert. Da die Gemeinden der KEM Region Ebreichsdorf nicht alle das gleiche Energieversorgungsunternehmen (z.B.: Wien Energie, EVN) haben würde sich eine Analyse zu kompliziert gestalten (Glasl, et al., 2019). Eine Analyse jedes in dieser Region vorkommenden EVU´ s würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

6.3 Die Methode Experteninterview

Die Methode „Experteninterview“ gehört zu den qualitativen Forschungsmethoden und bildet eine besondere Form des Leitfadeninterviews. Diese Methode ist ein Instrument, um das Wissen von Experten zu erheben. Ziel eines Experteninterviews ist es, Perspektiven und Handlungsempfehlungen von qualifizierten Experten zu erlangen (Hopf, et al., 2004). Bei gegenständlicher Arbeit wurde neben der Recherche, das Experteninterview für die Informationsbeschaffung gewählt, da durch diese Methode, Fragen gezielt beantwortet und konkrete Handlungsempfehlen evaluiert werden können.

Als Experte/In wird jene Person beschrieben, welche als Quelle für Spezialwissen über die zu erforschenden Sachverhalte gilt (Gläser & Laudel, 2010). ExpertInnen sind somit nicht nur WissenschaftlerInnen oder SpezialistInnen auf einem bestimmten Gebiet, sondern auch Personen welche sich bezüglich bestimmter Themengebiete ein Expertenwissen aufgebaut haben. In dieser Arbeit wurden kompetente Personen für ein Interview gewählt, die aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung auf deren jeweiligen Gebiet als ExpertInnen gelten.

Für die Durchführung von ExpertInneninterviews bedarf es einer umfangreichen Vorbereitung. Dabei war es erforderlich, dass die Besprechungsthemen im Vorhinein ausführlich recherchiert wurden. Im Zuge der Vorbereitung wurde für jedes Interview ein eigener Gesprächsleitfaden erstellt. Ein Gesprächsleitfaden war unbedingt notwendig, um während des Interviews den Überblick über die Besprechungsthemen nicht zu verlieren. Außerdem wird durch einen Gesprächsleitfaden gewährleistet, dass keine Themen während des Gesprächs vergessen oder nur nachrangig behandelt werden.

Ein weiterer wesentlicher Teil bei der Vorgehensweise der ExpertInneninterviews, war die Aufzeichnung der Gespräche mittels Smartphone. Dafür wurde auf dem Smartphone eine kostenlose Applikation installiert, welche es ermöglicht Tonaufnahmen zu tätigen. Bevor mit dem Interview beziehungsweise mit der Aufnahme gestartet werden konnte, wurde der Interviewpartner selbstverständlich um Einverständnis gebeten. Für den Verlauf des Gesprächs ist es angenehmer, wenn der Interviewer nicht durchgehend ein schriftliches Protokoll führen muss. Die Mitschrift des Interviewers während des Interviews würde dazu führen, dass nicht aufmerksam zugehört und reagiert werden kann. Dies könnte zu Informationsverlusten führen und den Nutzen beziehungsweise die Qualität des Interviews beeinträchtigen (Gläser & Laudel, 2010).

In den folgenden Unterkapiteln wird dargestellt mit welchen Personen im Zuge dieser Arbeit ein Interview geführt wurde. Dabei wird erläutert in welchem Berufsfeld sich die Interviewpartner befinden und warum diese als Experten auf dem jeweiligen Gebiet gelten. Des Weiteren wird beschrieben warum diese Personen als Informationsquelle gewählt wurden und welche Themengebiete behandelt wurden. Die Gesprächsleitfaden der einzelnen Interviews sind dem Anhang angefügt.

6.3.1 Experteninteview1: Beratungsstelle bezüglich PV-BürgerInnenbeteiligung der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, ENU

Im Rahmen dieser Bachelor Arbeit wurde ein Experteninterview mit Herr DI XY, von der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich („ENU“) geführt. Diese Institution bietet sämtliche Leistungen bezüglich Beratung, Bewusstseinsbildung und Weiterbildung rund um die Themen Klima, Energie, Mobilität und Umwelt an. Eine konkrete Leistung ist die firmenunabhängige Beratung bei der Umsetzung Projekten bezüglich Photovoltaik Bürgerbeteiligung (Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, 2019). Herr XY arbeitet im Bereich „Energie und Klima“ und ist spezialisiert auf folgende Themengebiete: e-Carsharing, Elektromobilität, Bürgerbeteiligung, Photovoltaik, Energiespeicher, Kleinwindkraft und Stromnetze. Aufgrund langjähriger Erfahrung vor allem im Bereich „Photovoltaik Bürgerbeteiligung“ wurde Herr XY als Gesprächspartner ausgewählt. In seiner beruflichen Laufbahn hat er schon viele Gemeinden zu diversen Bürgerbeteiligungsmodellen beraten und unterstützt. Der Fokus bei dem Interview lag bei allgemeinen Themen bezüglich PV-Finanzierungsmöglichkeiten und Erfahrungen aus bereits umgesetzten Projekten.

Das Interview wurde am Donnerstag dem 14.11.2019 in Sankt Pölten (Niederösterreich) durchgeführt und dauerte 103 Minuten. Der Gesprächsleitfaden für dieses Interview ist im Anhang zu finden.

6.3.2 Experteninterview 2: OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH

Ein weiteres Experteninterview wurde mit Mag. XY von der OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH geführt. Mag. XY hat zusammen mit anderen Gründungsmitgliedern die „OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH“ im Jahr 2017 gegründet und arbeitet seither bei dieser Institution im Vorstand. Herr XY hat im Laufe seines beruflichen Werdegangs bei diversen Unternehmen im Bereich Klima und nachhaltige Energie als Manager und Vorstandsmitglied gearbeitet. Unter anderem hat er im Jahr 1998 die „oekostrom AG“ gegründet, und war die zwei darauffolgenden Jahre im Vorstand tätig (OurPower Energie­genossenschaft SCE mbH, 2019). Seit dem Jahr 2008 arbeitet er außerdem als selbstständiger Unternehmensberater in den Bereichen Energie, Umwelt, Nachhaltigkeit und Politik (Ulfert Höhne, 2019).

Da das Geschäftsmodell bzw. das Stromvermarktungsmodell von OurPower in dieser Arbeit analysiert wird, wurde Mag. XY für ein persönliches Interview angefragt. Aufgrund seines umfangreichen Detailwissen im Bereich Stromvermarktung gilt er als Experte auf diesem Gebiet, und konnte somit offene Fragen klären und viel zusätzliches Spezialwissen vermitteln.

Das Interview wurde am Montag dem 18.11.2019 in Wien durchgeführt und dauerte 46 Minuten. Der Gesprächsleitfaden für dieses Interview ist im Anhang zu finden.

6.3.3 Experteninterview 3: Abteilung „KEM Qualitätsmanagement“ der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, ENU

Frau Ingin XY arbeitet bei Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ im Bereich „Energie und Klima“ in der Abteilung „Energie Gemeinde“. Ihr derzeitiger Schwerpunkt liegt bei der Betreuung von KEM-Regionen (ENU.at, 2019). Zu ihren zentralen Aufgabenbereichen gehört dabei die Unterstützung der KEM Regionen bezüglich Qualitätsmanagements.

Aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung im Bereich „KEM-Regionen“ gilt Frau XY als Expertin auf diesem Gebiet und verfügt dadurch über Spezialwissen. Das Verständnis über die Funktionsweise und Organisation einer KEM-Region ist in dieser Arbeit von zentraler Bedeutung. Aus diesem Grund wurde Frau Ingin XY als Interviewpartnerin gewählt. Der Fokus bei dem Interview lag beim Thema „Bürgerbeteiligung in KEM-Regionen“.

Das Interview wurde telefonisch am 27.11.2019 durchgeführt und dauerte 25 Minuten.

6.3.4 Experteninterview 4: Modellregions-Manager der KEM-Region Ebreichsdorf, Mag. Patrick Wagenhofer

Mag. Patrick Wagenhofer ist neben seiner Hauptberufstätigkeit als Geschäftsführer bei der Firma „Wagenhofer Erneuerbare Energien GmbH“, als Regionsmanager der KEM Region Ebreichsdorf tätig. Die Aufgabenbereiche als KEM Manager sind vielfältig. Zu der Hauptaufgabe gehört die Vorort Betreuung der KEM Region. Außerdem ist der Regionsmanager verantwortlich für Initiierung und Umsetzung von neuen Projekten.

Herr Wagenhofer wurde als Interviewpartner gewählt, da er in der Funktion als KEM-Regionsmanager einen großen Überblick über die gesamte Region hat. Bei dem Interview ging es um Allgemeine Themen bezüglich der KEM Region und den dazugehörigen Gemeinden. Des Weiteren konnten detaillierte Informationen bezüglich der siebten Maßnahme „Photovoltaik für Alle“ des Maßnahmenberichts abgefragt werden. Detaillierte Informationen diesbezüglich sind für vorliegende Arbeit von zentraler Bedeutung.

Das Interview wurde telefonisch am 02.12.2019 durchgeführt und dauerte 23 Minuten

6.3.5 Experteninterview 5: Crowdinvestment Online-Plattform „Crowd4Energy“

Ein weiteres Experteninterview wurde mit dem Geschäftsführer Oliver Percl der Crowdinvestment Plattform „Crowd4Energy“ geführt. Herr Percl verfügt in seiner Funktion als Geschäftsführer über ein detailliertes Wissen bezüglich der Abwicklungsprozesse und der Funktionsweise der Online Plattform.

Bei diesem Interview wurden konkrete Fragen rund um das Konzept von „Crowd4Energy“ beantwortet.

Das Interview wurde telefonisch am 04.12.2019 durchgeführt und dauerte 26 Minuten.

6.4 Die Methode SWOT Analyse: Vergleich der diversen Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle

Für den Vergleich der ausgewählten Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle wurde die „SWOT-Analyse“ gewählt. Durch die Anwendung dieser Methode werden die Stärken (Strengths) und Schwächen (Weaknesses) der untersuchten Modelle ermittelt. Außerdem kann durch die SWOT-Analyse Auskunft über die Möglichkeiten (Opportunities) und Risiken (Threats) der verschiedenen Konzepte gegeben werden (Schawel & Billing, 2014). Die SWOT Analyse kommt ursprünglich aus dem Bereich der Unternehmensanalyse. Diese Vergleichsmethode ist jedoch sehr vielseitig einsatzbar und für den Vergleich der verschiedenen Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle geeignet.

Die SWOT Analyse der untersuchten Modelle unterteilte sich in zwei Schritte. Im ersten Schritt wurden Stärken und die Schwächen des jeweiligen Modells objektiv betrachtet. Die Informationen bezüglich der Stärken und Schwächen stammen aus eigenen Erkenntnissen, Daten oder Fakten, welche in einer umfangreichen Recherche und mithilfe der Experteninterviews ermittelt wurden. Der erste Bearbeitungsschritt der SWOT Analyse wird auch „interne Analyse“ genannt.

Im zweiten Schritt, auch „externe Analyse“ genannt, wurden die Chancen und Risiken für jedes Modell erhoben. Genauer untersucht wurden somit externe Einflüsse, welche in den meisten Fällen von den Beteiligten nicht beeinflussbar sind. Dazu gehören beispielsweise Trends und politische Veränderungen (Prof. Dr. Pelz , 2018).

Die Erkenntnisse der zwei beschriebenen Arbeitsschritte wurden in Textform dargestellt. Dieser Teil bildet den Kern der SWOT Analyse. Dabei wurden die Ergebnisse und Informationen jedes untersuchten Modelles ausführlich und detailreich beschreiben. Um die erlangten Informationen zusätzlich in einer übersichtlichen Form darzustellen, wurden diese stark vereinfacht in einer Tabelle dargestellt. In dieser Tabelle beziehungsweise Matrix können somit die wichtigsten Ergebnisse, abgebildet werden. Der Aufbau dieser Tabelle ist in Abbildung 1 dargestellt. Dabei sind außerdem die wesentlichen Bestandteile der SWOT Analyse ersichtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bestandteile der SWOT Analyse und Darstellung der Ergebnismatrix (eigene Darstellung)

7. Umsetzungsstrategie

7.1 Diskussion der Methode „SWOT-Analyse“ – Abschätzung derer Eignung für die vorliegende Aufgabenstellung

In dieser Arbeit soll eine optimale Umsetzungsstrategie für die Realisierung des PV-Potentials in der KEM Region Ebreichsdorf erarbeitet werden. Dabei ist es notwendig, dass diverse Modelle bezüglich der gegebenen Rahmenbedingungen analysiert und verglichen werden. Im Fokus bei der Erstellung des Konzepts steht die Analyse verschiedener Finanzierungs- und Stromvermarktungsmodelle. Mittels der SWOT Analyse ist es möglich, die ausgewählten Modelle, unter einheitlichen Gesichtspunkten zu analysieren. Jedes Modell kann somit bezüglich definierter Faktoren untersucht und verglichen werden. Berücksichtigt werden dabei interne sowie externe Einflussfaktoren. Neben der Analyse können die Modelle im Zuge der SWOT Analyse in einem nächsten Bearbeitungsschritt verglichen werden. Im Allgemeinen ist die SWOT Analyse ein Instrument bei dem komplexe Themeninhalte reduziert, und anschaulich dargestellt werden können. Vor Allem durch die Darstellung der wichtigsten Analyse-Ergebnisse, in Form einer einfachen Matrix wird dies gewährleistet.

Aufgrund der Möglichkeit für die einheitliche Untersuchung und der unkomplizierten Anwendung, ist die SWOT Analyse ein passendes Instrument für die Auswahl eines optimal geeigneten Finanzierung- bzw. Stromvermarktungsmodells.

7.2 Vergleichende Analyse verschiedener Finanzierungs- und Bürgerbeteiligungsmodelle

In diesem Kapitel werden die ausgewählten Finanzierungsmodelle genau mittels der bereits erwähnten SWOT Methode analysiert. Dabei werden die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken jedes einzelnen Modells untersucht und übersichtlich in Tabellenform dargestellt. Jedes Konzept wird dabei beschrieben und erklärt. Nach der Beschreibung wird die SWOT Methode angewandt, welche sich in die interne und die externe Analyse aufteilt. Bei der internen Analyse werden zunächst die Stärken und die Schwächen erläutert. Die externe Analyse beinhaltet die Darstellung der Chancen und Risiken. Im Anschluss wird werden die Ergebnisse der SWOT-Analyse in Tabellenform dargestellt.

7.2.1 Bürgerbeteiligungsmodell: Sale and Lease Back

Durch das “Sale and Lease Back” Modell wird den BürgerInnen der KEM-Region Ebreichsdorf ermöglicht, sich bei der Errichtung mehrerer PV-Anlagen zu beteiligen. BürgerInnen welche nicht die finanziellen Mittel haben, um sich eine PV-Anlage auf dem eigenen Dach zu errichten, jedoch an dieser Technologie und dem Ausbau von erneuerbaren Energien interessiert sind, können sich an der Umsetzung eines gemeinsamen PV-Projekts beteiligen. Gleiches gilt auch für private Personen bei denen die Errichtung einer PV-Anlage aufgrund der Wohnsituation nicht möglich ist. Das Sale and Lease Back Modell findet hauptsächlich Anwendung bei Projekten mit einem Investitionsvolumen von bis zu 1.000.000 € (Hasenhüttl, et al., 2013).

Durch dieses Modell ergibt sich die Möglichkeit, dass der Projektinitiatorauf unbürokratischen Wege das notwendige Kapital für die Errichtung der geplanten PV- Anlagen mithilfe der BürgerInnen zu Verfügung gestellt bekommt (Europäisches Zentrum für Erneuerbare Energie Güssing GmbH , 2014 ). Projektinitiator wäre in diesem Fall die KEM-Region Ebreichsdorf bzw. die jeweiligen Gemeinden innerhalb dieser Region.

Eine oder mehrere Gemeinden würden PV-Module öffentlich zum Verkauf anbieten, welche dann im Anschluss von den BürgerInnen der Region gekauft werden können. Dabei muss definiert werden wie viele Module pro Person gekauft werden dürfen. Diese Obergrenze kann zum Beispiel bei 10 Modulen pro Person liegen. Es sollte eine Obergrenze gewählt werden, damit möglichst viele BürgerInnen in das Projekt investieren können. Die Untergrenze ist in jedem Fall ein Modul. Die Möglichkeit für den Kauf von beispielsweise einem halben Modul besteht nicht, da dies vertraglich nur schwierig darstellbar ist (XY, 2019). Der Käufer des/der Moduls/Module hat auf den gekauften Gegenstand ein Besitzrecht. Er ist somit Eigentümer der PV-Module. Es ist jedoch unmöglich Eigentümer eines halben Moduls zu sein. Zu beachten ist diesbezüglich, dass die PV-Module den jeweiligen Bürgerinnen zugeordnet werden können. Dies lässt sich einfach lösen indem man die PV-Module mit Seriennummern ausstattet, welche dem Besitzer zugeordnet werden können.

Der Preis pro Modul muss ebenfalls klar definiert werden und ist abhängig von der Modulgröße/ -Leistung und dem aktuellen Marktpreis. Meist handelt es sich dabei um Kosten zwischen 250 bis 330 Euro pro Modul (inklusive Modulentsprechender Anteil an Gesamtanlage).

Nachdem die BürgerInnen die Investitionskosten, für die die geplanten Anlagen gedeckt haben, werden die PV-Module vom Anlagenbetreiber gemietet bzw. geleast. Als rechtliche Grundlage fungiert dabei das Mietrecht. Die „Rückmietung“ wird in Form einer jährlichen Rückzahlung („Leasingrate“) an die BürgerInnen realisiert. Diese Leasingrate muss vertraglich vereinbart werden. Üblicherweise werden hier Leasingraten in der Höhe von 1 bis 5% des Gegenwerts der PV Module angeboten (Europäisches Zentrum für Erneuerbare Energie Güssing GmbH , 2014 ). Unter den gegebenen Rahmenbedingungen und der derzeitigen Marktsituation wäre eine Leasingrate von 1,5 % sinnvoll (XY, 2019). Die KEM fungiert in diesem Fall als Leasingnehmer und die BürgerInnen sind die Leasinggeber.

Neben der Leasingrate ist die Vertragslaufzeit von zentraler Bedeutung. Dabei ist es sinnvoll, eine Mindestlaufzeit zu definieren. Die Dauer ist abhängig von den finanziellen Rückflüssen und liegt zwischen 10 und 15 Jahren. Oft wird für die Laufzeit eine Dauer von 13 Jahren gewählt, da dies jener Zeitraum ist, indem man den Überschussstrom garantiert zu geförderten Tarifen in das Netz einspeisen kann. Die Energie und Umweltagentur des Land NÖ empfiehlt derzeit eine Mindestlaufzeit von 15 Jahren (XY, 2019). Am Ende dieser Periode werden die von den Investoren bzw. den BürgerInnen gekauften Module, zu einem vertraglich vereinbartem Preis, vom Projektinitiator zurückgekauft. Dabei handelt es sich meistens um einen Restwert, der dem ursprünglichen Kaufpreis der PV-Module entspricht.

Die Gemeinden als Projektinitiatoren sind zuständig für die Errichtung, den Betrieb und die Wartung der geplanten PV-Anlagen und trägt die volle Haftung. Da Photovoltaik eine wartungsarme Technologie ist, kann mit geringen Betriebskosten bzw. mit wenig Wartungsaufwand gerechnet werden. Bei einer PV-Anlage sind nur wenige Komponenten vorhanden, welche als Verschleißteile gelten. Laut einer Studie des „Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme“ betragen die jährlichen Betriebskosten lediglich 1% der gesamten Investitionskosten, (Fraunhofer ISE, 2019).

Essentiell ist die bei der Umsetzung eines PV-Projektes mittels Sale and Lease Back Modell die Vertragsgestaltung: Für die Erstellung und Gestaltung eines optimalen Vertrages sollte eine Rechtskanzlei hinzugezogen werden. Die Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ bietet in Kooperation mit der Rechtskanzlei „Brandl & Talos“ bei der Vertragsgestaltung Unterstützung (XY, 2019). Dieser Vertrag kann grundsätzlich sehr flexibel und individuell gestaltet werden. Folgende Punkte müssen im Vertrag unbedingt enthalten sein bzw. müssen klar definiert werden.

- Vertragslaufzeit: Mindestlaufzeit festlegen
- Stückelung: Kaufpreis pro Modul, festlegen einer Obergrenze wie viele Module pro Person zum Verkauf stehen
- „Miete“: Jährliche Rückzahlung an Leasinggeber
- Rückzahlung: Jener Preis welcher Projektinitiator am Ende der Laufzeit zurückzahlt
- Risiko: Wer trägt die volle Haftung?
- Mitbestimmung: Bekommt der Investor Mitbestimmungsrecht?
- Versteuerung: Jährliche Erträge gelten als Nebeneinkommen

Interne Einflussfaktoren

Stärken:

Das Sale and Lease Back Modell ist im Allgemeinen sehr gut für PV-Projekte geeignet. Grund dafür sind die vielen einzelnen Module der gesamten Anlagen welche von den Beteiligten gekauft, und anschließend vom Projektinitiator zurückgemietet werden können (XY, 2019).

Konkret betragen bei diesem Projekt die gesamten Investitionskosten 721.599 € (bei einer Sammelbestellung 517.374 €) (Glasl, et al., 2019) (Fröhlich, et al., 2019). Somit ist das Sale and Lease Back Modell bezüglich dem gegebenen Investitionsvolumen gut geeignet.

Wie bereits bei der Beschreibung des Sale and Lease Back Modells erwähnt, ist der Verwaltungsaufwand im Vergleich zu anderen Bürgerbeteiligungsmodellen gering (Europäisches Zentrum für Erneuerbare Energie Güssing GmbH , 2014 ). Besonders die Gründung und der laufende Betrieb ist mit wenig Aufwand verbunden. Somit ist auch eine rasche Umsetzung des gesamten Projekts gewährleistet. Nachdem die PV-Anlagen finanziert wurden und die Anlagen errichtet wurden, müssen lediglich einmal im Jahr die vereinbarten Zahlungen an die Investoren abgegeben werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Analyse und Optimierung möglicher Umsetzungsstrategien für die Realisierung des ermittelten Photovoltaik-Potentials auf gemeindeeigenen Gebäuden der KEM-Region Ebreichsdorf
Hochschule
Fachhochschule Technikum Wien
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
55
Katalognummer
V998181
ISBN (eBook)
9783346402912
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BürgerInnenbeteiligung, Photovoltaik, Klima- und Energie Modellregion, Gemeindeeigentum, SWOT-Analyse, Erneuerbare Energien, Bürgerbeteiligung, Bürgerkraftwerk
Arbeit zitieren
Maximilian Wittmann (Autor), 2020, Analyse und Optimierung möglicher Umsetzungsstrategien für die Realisierung des ermittelten Photovoltaik-Potentials auf gemeindeeigenen Gebäuden der KEM-Region Ebreichsdorf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998181

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