Innerhalb dieser Arbeit wird Crowdsourcing aus der Perspektive der Crowdworker untersucht. Die Untersuchung erfolgt mittels einer Analyse der bestehenden Literatur und empirischer Untersuchungen. Insbesondere sollen die Möglichkeiten für die Crowdworker in der Crowd zu arbeiten, die verschiedenen Motive zur Teilnahme an Crowdsourcing-Aktivitäten, sowie die arbeitsrechtliche Situation und die Einkommensmöglichkeiten der Crowdworker analysiert und dargestellt werden. Hierzu wird zunächst der Begriff Crowdsourcing erläutert, die verschiedenen Ausprägungsformen des Crowdsourcing beschrieben und voneinander abgegrenzt, sowie die Struktur der Crowd dargestellt. Daraufhin wird Crowdsourcing konkret aus der Perspektive der Crowdworker betrachtet. Zuletzt erfolgen eine Zusammenfassung der gesammelten Ergebnisse in Form eines Fazits, sowie ein Ausblick.
Die Entwicklung des Internets und das Voranschreiten der Digitalisierung haben zu einer Veränderung verschiedener Bereiche der Gesellschaft, insbesondere auch der verschiedenen Arbeitsformen und des Arbeitsmarktes, geführt. Durch das Internet und der daraus resultierenden Vernetzung wird es Unternehmen ermöglicht, auf große Mengen an potenziellen Arbeitskräften zurückzugreifen. Die Unternehmen können sich mit den Internetnutzern verbinden und Aufgaben an diese Nutzer, den Crowdworkern, verteilen. Dieses Phänomen wurde 2006 durch Jeff Howe näher beschrieben. Er führte dabei den Begriff Crowdsourcing ein. Im Jahr 2019 nutzten 84% der 500 umsatzstärksten Unternehmen der USA Crowdsourcing zur Integration einer großen Menge an Arbeitskräften über das Internet in ihre Wertschöpfungsprozesse.
Dem Crowdsourcing ist eine wachsende Bedeutung auch für die Crowdworker zuzuschreiben. Einer Schätzung des Crowdworking Monitors zufolge lag der Anteil der aktiven Crowdworker an der Gesamtzahl der wahlberechtigten Personen in Deutschland im Jahr 2018 bereits bei bis zu 4,8%. Dieser Anteil lag in anderen EU-Staaten auf einem ähnlichen Niveau. Der Anteil entspricht in Deutschland einer Anzahl von gerundet drei Millionen Personen. Die Crowdworker können in verschiedenen Arbeitsformen an Crowdsourcing-Aktivitäten teilnehmen. Für die Teilnahme existieren verschiedene extrinsische und intrinsische Motive für die Crowdworker. Ein kontroverses Thema stellt die arbeitsrechtliche Situation und die Einkommensmöglichkeiten der Crowdworker dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Crowdsourcing als neuartige Arbeitsform
2.1 Grundzüge des Crowdsourcing
2.2 Ausprägungsformen des Crowdsourcing
2.3 Struktur der Crowd
3. Die Perspektive der Crowdworker
3.1 Arbeitsformen innerhalb des Crowdsourcing
3.1.1 Einzelarbeitsbasiertes Crowdsourcing
3.1.2 Zusammenarbeitsbasiertes Crowdsourcing
3.2 Motive der Crowdworker
3.2.1 Extrinsische Motive
3.2.2 Intrinsische Motive
3.3 Arbeitsrechtliche Situation der Crowdworker
3.4 Einkommensmöglichkeiten der Crowdworker
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen Crowdsourcing spezifisch aus der Perspektive der Crowdworker. Das primäre Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen, Motivationsfaktoren sowie die arbeitsrechtliche und ökonomische Situation dieser neuen Form der Erwerbstätigkeit zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.
- Strukturelle Analyse von Crowdsourcing-Arbeitsmodellen
- Differenzierung zwischen intrinsischen und extrinsischen Motivationsfaktoren
- Arbeitsrechtliche Einordnung und Status von Crowdworkern
- Analyse der Einkommensmöglichkeiten und finanziellen Sicherheit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Einzelarbeitsbasiertes Crowdsourcing
Das Hauptmerkmal des einzelarbeitsbasierten Crowdsourcing ist das voneinander unabhängige Arbeiten der Crowdworker.55 Die durch den Crowdsourcer ausgelagerten Aufgaben sind hier meist weniger komplex als bei der zusammenarbeitsorientierten Arbeitsform, bei der mehrere Crowdworker zusammen eine Aufgabe bearbeiten.56 Bei einzelarbeitsbasiertem Crowdsourcing kann weiter zwischen dem Modell eines virtuellen Marktplatzes und dem Modell des wettbewerbsbasierten Crowdsourcing unterschieden werden.57
Wettbewerbsbasiertes Crowdsourcing zeichnet sich vornehmlich dadurch aus, dass die Crowdworker in einem Wettbewerb zueinander stehen. Die Crowdworker arbeiten an derselben Aufgabe, allerdings unabhängig voneinander.58 Der Crowdsourcer veröffentlicht seine Aufgabe inklusive der geforderten Anforderungen auf einer Crowdfunding-Plattform. Außerdem wird eine Prämie für die Crowdworker definiert, wobei diese meist aus einer monetären Entlohnung oder Sachpreisen besteht.59 Jeder Crowdworker kann sich freiwillig entscheiden, eine Lösung für das dargestellte Problem zu erarbeiten und auf der Plattform einzureichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Digitalisierung des Arbeitsmarktes durch Crowdsourcing ein und definiert das Forschungsziel dieser Arbeit.
2. Crowdsourcing als neuartige Arbeitsform: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Crowdsourcing, dessen Abgrenzung zum klassischen Outsourcing sowie die verschiedenen Ausprägungsformen und die Struktur der Crowd erläutert.
3. Die Perspektive der Crowdworker: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Arbeitsformen, Motive, die rechtliche Situation sowie die Einkommensverhältnisse aus Sicht der arbeitenden Crowdworker.
4. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, kritisiert die prekäre Situation vieler Crowdworker und bewertet den zukünftigen Handlungsbedarf der Politik.
Schlüsselwörter
Crowdsourcing, Crowdworker, Digitalisierung, Arbeitsmarkt, Crowdcreation, Mikrotasks, Extrinsische Motivation, Intrinsische Motivation, Arbeitsrecht, Selbstständigkeit, Entlohnung, Plattformökonomie, Crowd, Wettbewerb, Kollaboration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Crowdsourcing nicht aus Unternehmenssicht, sondern aus der Perspektive der Crowdworker, die die Aufgaben auf entsprechenden Plattformen bearbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf den Arbeitsformen, den Motivationsfaktoren für Teilnehmer, der arbeitsrechtlichen Einordnung und der Einkommenssituation von Crowdworkern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Untersuchung der Arbeitsbedingungen und der Auswirkungen von Crowdsourcing auf die Crowdworker, um ein besseres Verständnis für diese neue Arbeitsform zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer systematischen Literaturanalyse bestehender Studien und empirischer Untersuchungen zum Thema Crowdsourcing.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Arbeitsmodelle wie einzelarbeitsbasiertes vs. zusammenarbeitsbasiertes Crowdsourcing, die Rolle von Anreizsystemen und die rechtliche Situation beim Status als Selbstständiger detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Crowdsourcing, Crowdworker, digitale Arbeitswelt, Arbeitsrecht, Motivation und Entlohnung sind zentral für die Arbeit.
Welche Bedeutung hat das Urteil des Bundesarbeitsgerichts für Crowdworker?
Das Urteil 9 AZR 102/20 ist wegweisend, da es einem Crowdworker in einem Einzelfall den Status als Arbeitnehmer zugesprochen hat, was die bisherige Praxis der pauschalen Einordnung als Selbstständige in Frage stellt.
Warum wird Crowdsourcing häufig kritisch gesehen?
Kritikpunkte sind unter anderem die oft geringe Entlohnung, die fehlende soziale Absicherung aufgrund des Status als Selbstständiger sowie die Unsicherheit bezüglich der Annahme und Vergütung der geleisteten Arbeit.
- Arbeit zitieren
- Lukas Meinzer (Autor:in), 2021, Crowdsourcing aus der Perspektive der Crowdworker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998188