Die Zeitung im Leben dreier Generationen - Zeitungmemoiren "Als meine... Verwandten Zeitung lasen"


Referat (Ausarbeitung), 1999
4 Seiten

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Die drei Rezipienten:

1. Meine Tante
2. Meine Oma
3. Ich selbst

1. Die Zeitung als politisches Informationsmittel

Meine Tante wurde 1952 in Wien geboren. Ihre ersten Erinnerungen an Zeitungen datieren daher in die 60er Jahre. Schon mit ungefähr zwölf Jahren las sie ziemlich oft die "AZ". In diesem Zusammenhang kann sie sich noch gut erinnern, daß es zwischen ihr und ihren beiden Brüdern zu Hause oft Streit darüber gab, wer von ihnen den Eltern ihre Zeitungen holen durfte. Die Mutter (meine Großmutter) las den "Kurier", der Vater (mein Opa) bevorzugte damals die "AZ". Meine Tante fand den "Kurier" als Kind eher uninteressant und so las sie meistens die "AZ". Heute sagt meine Tante, daß sie erst andere Zeitungen zu lesen begann, als sie mit der Matura in der Hand das Haus verließ. Sie studierte in den späten 60er und frühen 70er Jahren in Wien Geschichte. Das war eine politisch sehr aktive Zeit und so las sich meine Tante damals durch etliche linke Studentenzeitungen - hauptsächlich den "Klassenkampf", aber oft auch die Tageszeitung "Volksstimme". Letztere trug sie eine zeitlang sogar im Rahmen eines Ferienjobs in der Früh aus. Und im "Klassenkampf" schrieb sie sogar einmal einen Artikel. Die Zeitung war für meine Tante in der Studentenzeit vor allem ein politisches Informationsmittel. Später, nach dem Studium und mit Mann und Kindern, zog sie aufs Land und lebt seither im oberösterreichischen Mühlviertel. Dort liest sie fast regelmäßig die "Oberösterreichischen Nachrichten". Ihr Sohn, mein Cousin, hat die die "Presse" abonniert und so liest auch meine Tante manchmal diese Zeitung. Die "OÖN" seien im im Lauf der Zeit schlechter geworden, meint meine Tante, sie liest sie aber trotzdem noch. Ab und zu nimmt sie auch den "Standard" zur Hand, vor allem die Sonntagsausgabe. Die zusammenfassende Meinung meiner Tante zu Zeitungen ist jedoch etwas zwiespältig - eigentlich findet sie, daß Zeitungen alle lügen und ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit darstellen. Besonders Reportagen und "Stimmungsbilder" sind ihr zuwider, wenn sie wieder einmal lesen muß: "Feuchte Kinderaugen blickten ins Leere, als die Panzer über das Feld rollten und dabei einen Höllenlärm erzeugten". Das ergibt nur nutzlose "Stimmungsbilder", so meine Tante. Der einzige wirklich von ihr geschätzte Autor der Oberösterreichischen Nachrichten ist Gerhard Maurer vom Ressort Außenpolitik. Er hat nach Ansicht meiner Tante das historische Grundwissen, das sie sonst, vor allem bei den ganzen jungen Journalisten, vermißt. Außerdem fehlten gründliche politische Analysen, sagt sie. Dazu muß man aber wissen, daß sie als Geschichtslehrerin sicher sehr kritisch ist. Prinzipiell hat sie das Medium Radio lieber, aber nur Ö1, von den neuen Privatsendern hält sie nichts.

2. Von den Innsbrucker Nachrichten zur Tiroler Tageszeitung

Meine Oma ist 78 Jahre alt und lebt in Innsbruck, sie ist auch dort aufgewachsen. Das erste Mal, so erinnert sie sich, hat sie am Anfang ihrer Mittelschulzeit im Haus ihrer Eltern eine Zeitung in die Hand genommen. Es waren die ,,Innsbrucker Nachrichten", die ihre Eltern abonniert hatten. Das war Anfang der 30er Jahre und meine Oma war noch ein Kind. Nach dem Zweiten Weltkrieg griff sie dann zur "Furche" und Ende der 70er Jahre schließlich erstmals zur Tageszeitung ,,Presse". Daran interessierte - und interessiert sie bis heute - vor allem die Wochenendausgabe mit der Beilage ,,Spektrum", die sie sich an langen Sonntagen immer noch genüßlich zu Gemüte führt. Während ihres gesamten Berufslebens als Bibliothekarin in der Universitätsbibliothek in Innsbruck las sie dort - zwar nicht regelmäßig, aber oft - das deutsche Nachrichtenmagazin ,,Spiegel" und ab und zu das österreichische ,,profil". Tageszeitungen las sie meistens vor Dienstbeginn oder nach der Arbeit. Nach dem Tod ihrer Eltern behielt meine Oma deren Abonnement der ,,Innsbrucker Nachrichten", aus denen später die ,,Tiroler Tageszeitung" wurde. Also hat die Familie diese Zeitung seit nunmehr schon über sechzig Jahren abonniert! Meine Oma erinnert sich noch daran, daß in ihrer Jugendzeit in den "Innsbrucker Nachrichten" immer ein kleiner Fortsetzungsroman erschien. An den Titel einer solchen Geschichte kann sich meine Oma sogar noch erinnern: ,,Der Sand läuft falsch im Stundenglas". Es ging in dieser Fortsetzungsgeschichte um Zeitreisen - meine Oma liebte wie ihr Bruder Science Fiction. Ansonsten interessierte meine Oma in Zeitungen zuallererst die Politik, dann Lokales und Kultur. Ach ja, sie ist außerdem ein großer Rätsel-Fan, und ich glaube sogar, sie ist ziemlich gut im Rätsellösen. Seit meine Oma in Pension ist, verbringt sie viel Zeit in ihrer Stammkonditorei ,,Murauer" in Innsbruck beim Studieren der Tageszeitung ,,Kurier". Resümierend meint meine Oma, daß Zeitungen absolut notwendig sind, obwohl es Radio und Fernsehen gibt. Denn beim Zeitunglesen, so sagt sie, sei sie an keine Zeit gebunden und könne geruhsam Nachrichtenselektion betreiben. Grundsätzlich ist sie der Meinung, daß nicht alles stimmt, was Zeitungen schreiben, man müsse immer vergleichen. Davon abgesehen seien viele Berichte politisch gefärbt, je nach Blattlinie und Redakteur. Trotzdem würde sie niemals ihre geliebte Zeitung aus der Hand geben!

3. Wie ich zur Zeitung kam

Zuhause gab es immer wieder Zeitungen und natürlich auch Zeitschriften. Aber ich will jetzt hauptsächlich über Zeitungen reden. Meine Eltern lasen fast regelmäßig den "Kurier", weil er schön übersichtlich ist und trotzdem ein gewisses Niveau vorweisen kann. Dadurch blätterte ich schon früh selbst darin. Den Start des "Standard" habe ich aber eigentlich kaum beachtet - ich war gerade zwölf Jahre alt, als er das Licht der Welt erblickte. Zeitungen hatten mich schon immer fasziniert. So richtig fing es aber erst an, als die "AZ" reformiert wurde - ich wurde ein begeisterter Leser. Ab diesem Zeitpunkt durfte man sie ja nicht mehr "Arbeiter- Zeitung" nennen. Das gipfelte schließlich in der Einstellung der Zeitung. Ich weiß noch, wie ich mit meinem Vater bei einer Rettungs-Veranstaltung der "AZ" war; Aktien sollten verkauft werden. Ich war sehr traurig, als sie schließlich doch eingestellt wurde. Immer noch liegt die Kleinaktie bei mir Zuhause. Neben einem interessanten Inhalt hatte die "AZ" noch einen praktischen Vorteil, nämlich die A4-Größe. Trotzdem fand ich sie nicht annähernd so niveaulos wie eine gewisse andere österreichische Tageszeitung dieses Formates. Außerdem interessierte ich mich schon früh auch für das Layout von Zeitungen und so war die reformierte und neugestaltete "AZ" ein ideales Forschungsobjekt. Ich sammelte erst Eindrücke für das Layout einer Zeitung und konnte dieses Wissen später auch bei der Gründung meiner Schülerzeitung "THE News" umsetzen. Nachdem die "AZ" vom Erdboden verschwunden war, mußte ich mich woanders umsehen. Also las ich vorerst nur noch Zeitschriften, vor allem das österreichische Nachrichtenmagazin "profil". Später kam ich eine Zeit lang auf die konservative Tageszeitung "Presse", die ich nicht nur ausführlich durchforstete, sondern geradezu "verschlang". Allerdings reizte sie mich nicht länger als ein paar Monate. Ich las also wieder den "Kurier", wie meine Eltern. Bald wurde ich Fan der Hufnagl-Kolumne "Kopfstücke". Eine sehr aufregende Zeit war die Gründung des bunten kleinen Blattes "Täglich Alles". Ich war damals schon sehr gut über Zeitungen informiert. Etwa eine Woche lang studierte ich "Täglich Alles" sehr aufmerksam und war überrascht, was man so "Alles" Wichtige am Tag versäumt, wenn man andere Zeitungen liest... Klarerweise mußte ich in meiner Schülerzeitung einen Verriß über "Täglich Alles" schreiben! Dazwischen las ich hauptsächlich den "Kurier" sowie massenweise eigene und fremde Schülerzeitungen, die ich ja auf keinen Fall vernachlässigen wollte! Bei diversen Kaffeehausbesuchen genoß ich zumeist zum Cappuccino gleich mehrere Tageszeitungen. Das hat mich zu Kaffeehäusern schon immer hingezogen. Es wurde geradezu ein Hobby von mir, Zeitungen zu "verschlingen". Ich führte auch manchmal Experimente durch: Ich las ein und denselben Artikel ganz besonders genau in mehreren Tageszeitungen und verglich sie. Ich war erstaunt, wie stark besonders Zahlen und Mengenangaben in den verschiedenen Blättern variieren können! Als ich schließlich an die Uni kam, wurde ich auf den "Standard" aufmerksam. Als Student wird man ja durch die kräftige Werbung rund um das Unigeschehen direkt zum "Standard" hingetrieben. Seitdem lese ich ihn immer öfter, vor allem die Sonntagsausgabe, von der ich keine versäumen will. An dieser Zeitung finde ich besonders das sogenannte "Thema" gelungen, das jeden Tag auf Seite 2 erscheint. Genauer interessieren mich die großen Medienthemen, wie z.B. der Fall Blauensteiner. Im Detail habe ich wohl am meisten den Prozeß um Bombenbastler Franz Fuchs studiert. Im Rahmen einer Vorlesung über das Mediengesetz habe ich in diesem Zusammenhang viel über die Auswirkungen von Vorverurteilungen von Angeklagten durch die Presse gelernt und dieses Wissen seither immer wieder in der Praxis überprüft. Es erscheinen ja oft genug Entgegnungen und ich bin wohl einer der wenigen, die sie sogar lesen (abgesehen von Herrn Korn)! Alles in allem fasziniert mich, daß es so viele unterschiedliche Tageszeitungen in Österreich gibt. Zusammen mit den Magazinen und mit den elektronischen Medien ergeben sie die Vielfalt, in der Demokratie lebendig bleibt. Was die Qualität der Zeitungen betrifft, bin ich nach meinen nunmehrigen Erfahrungen aber eher pessimistisch. Ich habe einmal eine kluge Antwort auf die Frage: "Nennen Sie die Qualitätszeitungen in Österreich" gehört: "Es gibt keine Qualitätszeitung in Österreich!". Das scheint mir leider zu stimmen.

© 12. 04. 1999 by Richard Pyrker, 9508818

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Die Zeitung im Leben dreier Generationen - Zeitungmemoiren "Als meine... Verwandten Zeitung lasen"
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
iG 3.1 Druckmedien und Kommunikationsordnung Hannes Haas
Autor
Jahr
1999
Seiten
4
Katalognummer
V99827
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
kein besonders hervorragender Text, aber ok
Schlagworte
Zeitung, Leben, Generationen, Zeitungmemoiren, Verwandten, Druckmedien, Kommunikationsordnung, Hannes, Haas
Arbeit zitieren
Richard Pyrker (Autor), 1999, Die Zeitung im Leben dreier Generationen - Zeitungmemoiren "Als meine... Verwandten Zeitung lasen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99827

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