Supply Chain Management - Ein Überblick


Hausarbeit, 1999

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Allgemeines zu SCM
Was ist SCM ?
Versorgungskette ( Supply Chain )
Management
Definition
Seit wann SCM ?
Warum SCM ?
Treiber
Die Informationsrevolution
Globaler Wettbewerb
Ziele
Anwendung - wo und wer ?
Regional
Branchen
Kosten
Nutzen

Hilfsmittel
SCOR ( Supply Chain Operation Reference )
Software
Merkmale von SCM-Software
Anbieter

Berührungspunkte mit der KGVL
Kundenorientierung
Ganzheitlichkeit
Vernetzung

Schluß
Entwicklung
Fazit
Schlußgedanke

Abbildungsverzeichnis

Quellennachweis

Einleitung

Logistik lebt von Veränderung. Veränderung drückt sich häufig in Strömungen und Trends in Wirtschaft und Wissenschaft aus, die sich mit neuen Gebieten und Möglichkeiten beschäftigen und diese formen. Gerade in der Logistik werden diese Trends häufig mit 3-Buchstaben-Akronymen referenziert. Eines der aktuellen Schlagworte ist dabei das „Supply Chain Management“, in 3 Lettern ausgedrückt: SCM. Viele reden darüber, viele schreiben darüber. Von Details zum Thema wird man in der Fachpresse förmlich erschlagen. Doch wie sieht das Gesamtbild aus, was für ein Konzept verbirgt sich hinter dem neuen Anglizismus? Und wie wird SCM in der Wirtschaft angewendet?

Dieses Referat versucht, einen (sehr) groben Überblick zu geben.

Allgemeines zu SCM

Was ist SCM ?

Zunächst soll eine Klärung des Begriffes erfolgen und der sich dahinter verbergende Ansatz erläutert werden - gewissermaßen der Kerngedanke. Zunächst zum ersten Teil des Ausdrucks: Supply Chain - die Versorgungskette.

Versorgungskette ( Supply Chain )

Unter der Versorgungskette versteht man allgemein die Gesamtheit der „Abfolge von Aktivitäten, die notwendig sind, um Kunden bzw. Märkte erfolgreich zu versorgen“. Einfacher formuliert geht es um das Zusammenspiel - die Verkettung - aller an der Herstellung eines Erzeugnisses Beteiligten. Die Kette beginnt beim Abbau des Rohstoffs und endet beim Verkauf eines Produkts an den Endverbraucher. Alle dazwischenliegenden Wirtschaftssubjekte ( Hersteller, Dienstleister... ) sind Elemente der Versorgungskette. Die einzelnen Elemente sind dabei durch wirtschaftliche Interaktion mit den ihnen vorund nachgelagerten „Gliedern“ verkettet. Betrachtet werden immer sowohl Material- wie auch Informationsfluß. Selbstverständlich sind damit auch Prozesse innerhalb eines Unternehmens gemeint, ebenso wie alle Geschäftsprozesse zwischen den Kettengliedern untereinander.

Ein Beispiel für eine solche Supply Chain sei zur Verdeutlichung dem Lebensmittel-Bereich entnommen: Ausgangspunkt wäre dabei der Bauer, der die Kuh melkt ( also den Rohstoff Milch liefert ). Darauf folgend noch einige Zwischenglieder, wie etwa die Molkerei oder der Großhändler, bis das fertige Stück Butter über den Supermarkt zum Kunden gelangt, wo die Supply Chain endet.

Abb. 1 verdeutlicht mögliche Elemente der Interaktion zwischen 2 Kettengliedern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Order-to-payment S

Das schwarze „S“ verdeutlicht dabei die jeweilige Richtung des Informations- und Materialflusses, wobei die einzelnen Flüsse hintereinander und interdependet von „oben nach unten“ entlang des „S“ stattfinden. Eine derartige Darstellung nennt man „Order-to-payment S“, denn es beginnt mit dem Auftrag ( Order ) und endet mit der Bezahlung ( Payment ).

Eine Aneinanderreihung solcher Order-to-payment S ist ergibt eine anschauliche Darstellung einer Versorgungskette ( Abb. 2 ):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verkettung von Order-to-payment S

Eine solche Kette besteht jedoch im Regelfall aus wesentlich mehr Gliedern, wie in Abb. 3 am Beispiel eines Türbelages bei Mercedes Benz ersichtlich wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Materialen eines Türbelages bei Daimler Benz

Management

Der erste Teil des zu besprechenden Anglizismus wäre also erklärt: Supply Chain. Worauf aber bezieht sich das M, das Management ?

Nun, Management in der Logistik beschäftigt sich grundsätzlich immer mit der Optimierung von Prozessen und Abläufen. SCM ist hier keine Ausnahme. Der große Unterschied zu bisherigen Ansätzen und Handlungsweisen ist jedoch, daß nicht nur innerhalb eines Unternehmens, bzw. an dessen direkten Schnittstellen zur Außenwelt optimiert wird, sondern die gesamte Versorgungskette den Fokus erhält.

Man betrachtet also sämtliche Abläufe, Prozesse, Informations- und Materialflüsse entlang der Supply Chain, vom Lieferanten des Lieferanten des Lieferanten usw. bis zum Kunden des Kunden. Und auf dieser Ebene sucht man nach dem bestmöglichen Zusammenspiel der Objekte. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung des Informationsflusses, denn mit den richtigen Informationen reduziert sich quasi automatisch Verschwendung. Diese entsteht innerhalb einer Versorgungskette häufig durch unterschiedliches Informationsniveau der Betroffenen.

Beispielsweise kommt es häufig vor, daß ein Lieferant nach wie vor Teile produziert, die sein Kunde zunächst gar nicht verbauen kann, weil dieser einen größeren Anlagenausfall hat, oder etwa eine Produkt aufgrund von Qualitätsmängeln vorübergehend gestoppt hat. Unnötige Lagerbestände und unwirtschaftliche Kapazitätsauslastung sind die Folge. Natürlich produziert auch der Lieferant des Lieferanten fleißig weiter. Ebenso dessen Lieferant usw., wobei sich die Verschwendung, über die gesamte Folge von Lieferanten und Kunden gesehen, zu enormen Beträgen summiert. Hätten alle Beteiligten sofort nach der Entscheidung des Herstellers die gleiche Information erhalten, wäre viel Geld gespart worden. Das genannte Beispiel gilt, in abgeschwächter Form, genauso innerhalb von Unternehmen. Stichwort: „die linke Hand weiß nicht, was die recht tut“.

Genau dies ist der wichtigste Ansatz des Supply Chain Management, der auch schwerpunktmäßig von der SCM-Software abgedeckt wird: die Transparenz des Informationsflußes und damit ( zumindest innerhalb von Unternehmen ) simultane Planung.

Ziel des SCM ist dabei die Befriedigung der Kundenbedürfnisse hinsichtlich Liefertreue und -zeiten. Kostenreduktion ist hier lediglich Sekundärziel.

Definition

Wie kann man also den Begriff treffend in wenigen Worten beschreiben? Folgende Definition ist heute allgemein akzeptiert:

Supply Chain Management ist die ganzheitlich integrierte Planung und Steuerung der Prozesse über die gesamte Wertschöpfungskette mit dem Ziel der optimierten Bedürfnisbefriedigung des Kunden.

Etwas ungenau, aber einfacher ausgedrückt: SCM umfaßt sämtliche Aufgaben logistischer Koordination in einem Logistiknetzwerk.

Seit wann SCM ?

Sicher hat es schon seit Beginn der Arbeitsteilung eine Koordination zwischen den einzelnen Wirtschaftssubjekten gegeben. Ein ganzheitlicher Ansatz, der zugleich den Anspruch simultaner Planung erhebt, existiert jedoch erst seit ca. Mitte der 90er Jahre und firmiert seitdem unter dem Begriff SCM.

Ursprungsland ist, wie bei vielen anderen Trends auch, die USA. Dort ist man auch heute noch in der Entwicklung um 2-3 Jahre voraus. Während in Deutschland SCM noch in der Experimentierphase ist - mit vereinzelten Anwendungen - ist SCM in den Staaten bereits eine starke Technologie, mit der sich jedes Unternehmen mehr oder weniger beschäftigt. Als Untermauerung dieser Behauptung mag die Tatsache dienen, daß das Supply Chain Council ( SCC ), eine Art Dachverband zum Thema SCM, von weltweit 500 Mitgliedern nur ca. 60 in Europa hat und grade eine Handvoll in der restlichen Welt. Die erdrückende Masse findet sich in den USA.

Warum SCM ?

Wie kam es zu der Entwicklung der ganzheitlichen Planung? Was waren die Auslöser ? Ein immer stärker werdender Wettbewerb erforderte bereits in den letzten Jahren enorme Anstrengungen der Unternehmen, ihr Bestehen in eben diesem zu sichern. Man denke an die Entwicklungen der vergangenen Jahre: Outsourcing, Rationalisierung usw. Gerade das Outsourcing und damit die Tatsache, daß Wertschöpfung heute stärker auf die Unternehemensnetzwerke verteilt ist, macht eine Optimierung dieses Netzwerks notwendig, um mit den Endprodukten anderer Netzwerke konkurrieren zu können. Man spricht daher im Zusammenhang mit SCM häufig von der Konkurrenz der Netzwerke, die die Konkurrenz der Einzelunternehmen verdrängt habe.

Dieser Wettbewerb ist gekennzeichnet durch folgende Merkmale:•

- kurze Innovationszyklen
•- Globalisierung der Märkte
•- stärkerer Wettbewerbsdruck
•- hohe Wettbewerbsrelevanz des Kriteriums Lieferzeit
•- steigende Kundenerwartungen ( Individualisierung, Service )
- rezessive Tendenzen auf herkömmlichen Märkten
- hoher Kostendruck

Diese Herausforderungen gilt es durch Optimierung des Netzwerks zu meistern, denn innerhalb eines einzelnen Unternehmens sind die Potentiale nicht ausreichend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Einflüsse auf die Unternehmen heute

Treiber

Einige Entwicklungen der letzten Jahre haben entscheidend dazu beigetragen, daß SCM möglich und notwendig wurde, um im Wettbewerb zu bestehen. Die beiden wichtigsten seien hier kurz angeschnitten.

Die Informationsrevolution

Die stärker werdende Nutzung von Internet und World Wide Web ( WWW ), verbesserter Telekommunikationstechnologien und der relativ billige und schnelle Zugang zu Informationen hat die Unternehmen darin bestärkt, sich in Richtung Electronic Commerce ( EC ) zu entwickeln. Viele Transaktionen werden schon heute unter Nutzung der neuen Medien durchgeführt: Electronic Data Interchange ( EDI ), Barcodes, Electronic Fund Transfer ( EFT ), usw. Die Informationsrevolution liefert die technische Basis, die SCM überhaupt erst ermöglicht.

Globaler Wettbewerb

Die Kundenbedürfnisse von heute hinsichtlich Qualität, Kosten, Lieferung und Technologie haben den Globalen Wettbewerb der Unternehmen verstärkt. Globaler Wettbewerb ist mörderischer Wettbewerb. Um zu Überleben sind die Unternehmen gezwungen, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden. Einer sind die heute vielbeachteten Fusionen, ein anderer ist Supply Chain Management.

Ziele

Allgemein Formuliert ist SCM gerichtet auf das optimale Zusammenspiel aller Partner durch die Abstimmung von Waren und Dienstleistungen im Netzwerk. Eine allgemeine Aussage, aber was soll denn „unter dem Strich“ dabei herauskommen? Aus den angeführten Fakten heraus lassen sich folgende Zielrichtungen des SCM formulieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Ziele des SCM

Anwendung - wo und wer ?

Regional

Wie bereits angesprochen, sind die USA auf dem Gebiet absoluter Spitzenreiter. Europa liegt in einem guten Mittelfeld, wobei Deutschland an dessen Spitze liegt. In Asien hingegen ist SCM praktisch kein Thema.

Branchen

Aufgrund der unterschiedlichen Härte des Wettbewerbs auf verschiedenen Märkten haben sich einige Branchen herauskristallisiert, die eine Vorreiterrolle im Bereich SCM spielen. In diesen Branchen ist der Wettbewerb besonders von Geschwindigkeit gekennzeichnet: der Schnellste gewinnt. Verzögerungen in der Wertschöpfungskette können hier nicht nur Geld kosten, sondern sogar die Existenz ganzer Unternehmen. Diese Branchen sind:

•- Flugzeugbau und Verteidigungsindustrie
•- Elektronikindustrie ( Vorreiter hier: Computerind. ) •
•- Pharmazeutische Industrie
•- Handel, Speziell Einzelhandel •
•- Chemische Industrie

... sowie noch eine Handvoll andere. Der in Deutschland dominierende Fahrzeugbau erkennt erst nach und nach das Potential einer optimierten Versorgungskette. DaimlerChrysler ist Pionier und hat zumindest eine Teilinstallation - sozusagen als Versuch. BMW hat erst Anfang des Jahres mit der Vorentwicklung eines SCM-Konzepts begonnen. Gerade hier können jedoch gewaltige Summen eingespart werden. Darüberhinaus würde die Kundenzufriedenheit steigen, wenn man nicht mehr 10 Monate auf sein Fahrzeug warten müßte, sondern irgendwann einmal nur noch wenige Wochen. BMW hat als Fernziel eine Lieferdauer von 10 Tagen anvisiert. Derzeit eine nicht vorstellbare Leistung.

Kosten

Zu den Kosten einer SCM-Einführung läßt sich keine allgemeine Aussage machen. Generell gilt für die Einführung von SCM-Software und den entsprechenden Beratungsaufwand, wie schon bei ERP-Software, ein Verhältnis von 1 : 4, d.h. für jede Million, die in die Software investiert wird, müssen 4 Millionen in Umstrukturierungen und Schulungen investiert werden.

Eine Zahl läßt sich dabei nicht allgemein festlegen, da die Komplexität der Supply Chains je nach Branche und Unternehmen äußerst unterschiedlich sein kann, was natürlich enorme Auswirkungen auf den Preis hat.

Als Beispiel diene eine Schätzung für einen Autohersteller in der Größenordnung von Audi. i2 Technologies, Anbieter von SCM-Software, schätzt auf 20 Millionen pro Jahr, 3 Jahre lang. Dipl.-Kfm. Kühlwein, Berater in diesem Bereich, schätzt für den gleichen Beispielsfall einen unteren 3-stelligen Millionenbetrag.

Nutzen

Die Einführung von SCM ist also nicht gerade ein billiger Spaß - soviel zumindest kann man mit Sicherheit feststellen. Aber welche Potentiale, welche Einsparungen erwartet man ?

Das SCC verweist dazu auf die Ergebnisse der „PRTM ISC Benchmark Studie“ von 1997. Hier wurden folgende quantifizierbare Verbesserungen festgestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

i2 Technologies verspricht seinen Kunden eine Amortisationszeit von 1 Jahr und untermauert dies durch „value based payment“: erst, wenn die von i2 prognostizierten Wertsteigerungen eingetreten sind, muß der Kunde bezahlen. i2 formuliert auch als Ziel, bis zum Jahr 2005 bei seinen Kunden weltweit eine Wertsteigerung ( Einsparungen und Wachstum ) von 50 Mrd US-$ zu erreichen.

Hilfsmittel

Nachdem nunmehr ein vages Bild von SCM gezeichnet wurde, soll im Weiteren auf die Umsetzung der Theorie in die Praxis eingegangen werden und v.a. verwendete Hilfsmittel aufgezeigt werden.

SCOR ( Supply Chain Operation Reference )

Das Managen einer Versorgungskette über mehrere Unternehmen hinweg erfordert einheitliche Schnittstellen und Standards, um mit einem vertretbaren Aufwand und mit der notwendigen Genauigkeit Informationen zwischen den Unternehmen austauschen zu können. 1996 haben sich auf Initiative der beiden Beratungsunternehmen Advanced Manufacturing Research ( AMR ) und Pittiglio, Rabin Todd & Mc Grath ( PRTM ) 69 Unternehmen - praktisch ausschließlich aus den USA, zum Supply Chain Council ( SCC ) zusammengeschlossen. Heute umfaßt diese Organisation ca. 500 Mitglieder. Das SCC hat das sogenannte Supply Chain Operation Reference Modell ( SCOR ) entwickelt, welches eine standardisierte Beschreibungssprache für die Prozesse einer Supply Chain darstellt. Zusätzlich existieren noch verschiedene branchenspezifische Subsets von SCOR. Das Modell hat derzeit die mit Abstand besten Aussichten, internationaler Standard zu werden.

Mit dem SCOR soll die einheitliche Beschreibung, Bewertung und Analyse von Supply Chain sowohl firmen- wie auch branchenübergreifend möglich sein. Das SCOR-Modell findet in drei Aufgabenstellungen Anwendung:

1. Die Performanz von Supply Chains bewerten und vergleichen
2. Integrierte Supply Chains über die Partner der Logistikkette hinweg gestalten.
3. Die geeigneten Stellen für den Einsatz von Software in der Supply Chain sowie deren Funktionalität bestimmen.

Dabei wird die gesamte Logistikkette mit 4 grundlegenden Basisprozessen beschrieben: Beschaffen, Herstellen, Liefern ( = ausführende Prozesse ) und Planen. Abb. 6 zeigt die Prozeßkategorien des SCOR- Modells:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Kategorien des SCOR-Modells

Elemente des SCOR-Modells sind u.a.:

•- die Beschreibung der grundlegenden Prozesse ( s.o. )
•- die Definition von Kennzahlen für die Bewertung der Performanz der Prozesse
••- Best-Pracitses
•- Anforderungen an die Funktionalität von Softwaresystemen

Zum Thema SCOR ließe sich eine ganze Dissertation verfassen. Die obigen Angaben sollen hier genügen. Für weitere Informationen wird auf die Homepage des SCC verwiesen: http://www.supply-chain.org

Software

Für die komplexen Aufgaben, die aus SCM erwachsen ( Koordination der Prozesse zw. den Unternehmen, simultane Planung, sofortige, bidirektionale Informationsweitergabe entlang der Wertschöpfungskette usw... ) gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Softwaretools, die teilweise das gesamte Aufgabenspektrum abzudecken versuchen ( = „Toolsuiten“ ), teilweise aber auch spezialisiert sind.

Merkmale von SCM-Software

Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: die Supply Chain Planning Software ( SCP ) auf der einen, und die Supply Chain Execution Software ( SCE ) auf der anderen Seite. Die SCP-Gruppe umfaßt die Funktionalitäten des sogenannten Advanced Planning & Sceduling ( APS ), also nicht die Steuerung von Abläufen, sondern deren Planung. Mit der Steuerung beschäftigen sich die SCE-Tools, die erst seit kurzer Zeit auf dem Markt sind. Abb. 7 gibt einen Überblick über die Aufgaben, die die jeweilige Gruppe abdecken soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Einsatzgebiete bzw. Elemente von SCM-Software

Im Folgenden soll nur von der SCP-Gruppe die Rede sein, da deren Bedeutung bei weitem größer und die Länge dieses Referats begrenzt ist.

APS-Systeme entstanden motiviert durch die Mängel der MRP II-Systeme. Hauptunterschied ist dabei, daß bei MRP II die Pläne nacheinander aufgestellt werden, also step-by-step. Dies führt zu suboptimaler Planung, weil bei jedem weiteren Schritt eine noch stärkere Begrenzung des Planungsbereiches geschieht, so daß eine Änderung eines Teilplans eigentlich eine Änderung eines anderen Teilplans notwendig machen würde, was jedoch aufgrund nicht vorhandener Querverbindungen nicht möglich ist. APS-Systeme hingegen ermöglichen simultane Planung, d.h. eine Änderung des Plans führt immer sofort zu entsprechenden Änderungen in allen betroffenen Bereichen entlang der Versorgungskette und zu einem sofortigen Informationsfluß entlang der Versorgungskette in beide Richtungen ( also zu den Lieferanten wie zu den Kunden ).

Kennzeichen von APS-Systemen sind:

•- simultane Planung
•- hohe Planungsgeschwindigkeit, da alle Daten und Programme hauptspeicherresident sind
•- Berücksichtigung von Randbedingungen und Restriktionen ( Engpaßorientierung )
•- Möglichkeit von sog. What-if Analysen

Dabei greifen APS-Systeme im Regelfall auf Daten bereits installierter ERP-Software ( z.B. SAP R/3 ) zurück und verarbeitet diese weiter. Eine stand-alone Installation von APS-Software ist möglich, jedoch im Regelfall wenig erfolgversprechend.

Viele Toolsuiten bieten auch sogenannte Cockpitmodule mit Sceduling-Systemen, die es dem Supply Chain Planner erlauben, in den aktuellen Produktionsablauf einzugreifen! Eine Änderung des Plans ist also extrem kurzfristig möglich. Auch hier gilt: entsprechende Informationen fließen sofort in beiden Richtungen der Versorgungskette weiter.

Anbieter

Eine ganze Reihe von Firmen sind aktiv an der Gestaltung dieses neuen Softwaremarktes beteiligt, dem viele Experten ein Wachstumspotential von bis zu 1600 % für die nächsten 3-4 Jahre bescheinigen. Tatsächlich hat sich der Markt ersten Schätzungen zufolge im letzen Jahr glatt verdoppelt. Hier seinen nur die wichtigsten Anbieter genannt:

•- i2 Technologies ( Markführer )
••- Manugistics
•- SAP ( APO - Modul )
••- Numetrix
•- Synquest
•- Wassermann

Insgesamt finden sich derzeit 50 Anbieter auf dem Markt.

Berührungspunkte mit der KGVL

KGVL steht für Kundenorientiert ganzheitlich vernetzte Logistik. Welche Berührungspunkte bzw. Überschneidungsbereiche hat SCM mit einer KGVL-Philosophie? Dies soll anhand der Elemente der KGVL im Folgenden erläutert werden:

Kundenorientierung

SCM wurde durch die Veränderung von Kundenwünschen ausgelöst ( siehe dazu oben: Warum SCM ? ). Zielsetzung des SCM ist u.A. die Verbesserung der Lieferqualität und damit die Erfüllung von

Kundenbedürfnissen. Schließlich wird die Supply Chain hinsichtlich der Kundenbedürfnisse optimiert, seien es Kunden innerhalb der Kette oder der Kunde am Ende der Kette.

Ganzheitlichkeit

Betrachtet wird bei SCM die Versorgungskette als Ganzes. Teiloptima bestehen vielfach schon. Das wirklich Neue an SCM ist die ganzheitliche Optimierung aller Prozesse innerhalb einer Kette hinsichtlich ihres Gesamtoptimums, nicht etwa hinsichtlich möglicher Einzeloptima.

Vernetzung

Ein Grundgedanke von SCM ist die Vernetzung von Unternehmen zur bestmöglichen Erfüllung des Kundenwunsches und damit zur Erreichung der besten Wettbewerbsposition, wobei man schon davon ausgeht, daß nicht einzelne Unternehmen konkurrieren, sondern Logistiknetzwerke. Wie oben angeführt, findet auch die mit SCM angestrebte Optimierung immer an den internen Schnittstellen des Netzwerkes statt, sowie über diese hinaus. Dies gilt innerhalb von Unternehmen oder auch zwischen den Unternehmen eines Netzwerks.

Schluß

Entwicklung

Drei Sachverhalte werden die Zukunft von SCM füllen:

•- starke Verbreitung von durchgängigem SCM in der Wirtschaft - denn nur so kann man dem globalen Wettbewerb noch Paroli bieten
•- die Supply Chain wird zum Supply Cycle werden: die bisher vernachlässigte Entsorgung wird in die Optimierung mit einbezogen
•- die Weiterentwicklung der Informationstechnologie wird zu einer noch stärkeren Vernetzung der Logistik-Netzwerke führen.

Fazit

Wie bereits im Punkt „Nutzen“ weiter oben aufgezeigt, birgt die konsequente Anwendung von SCM gigantische Potentiale, die es zu heben gilt. Mittlerweile dürfte auch kein Zweifel daran bestehen, daß es sich nicht um eine der vielen Moden handelt, die nach 2 Jahren wieder mehr oder weniger vergessen sind, sondern um eine nachhaltige Entwicklung, die die Wirtschaft des nächsten Jahrzehnts stark prägen wird. SCM ist mehr als nur Software, SCM ist eine Philosophie, die geeignet ist, das Verständnis von Wettbewerb und wirtschaftlicher Interaktion zu verändern.

Derzeit wird das Thema in Deutschland heiß diskutiert - während die Amerikaner längst anwenden. Wenn die deutsche Wirtschaft nicht völlig von der US-Dynamik überrollt werden will, muß sie schleunigst beginnen, theoretische Diskussion in praktische Konzepte umzuwandeln.

Schlußgedanke

In vielen schönen Worten wurde beschrieben, was alles möglich ist. Diese Möglichkeiten müssen genutzt werden. Dennoch sei mit einem Spruch von Göthe ( ja, er muß sogar für ein Logistik-Referat herhalten ) abgeschlossen: Denken ist einfach, Handeln ist schwierig und nach dem Gedachten zu Handeln ist das Schwierigste auf der Welt

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellennachweis

Literatur

Peter Klaus, Winfried Krieger: „ Gabler Lexikon Logistik “, Verlag Dr. Theo Gabler GmbH, Wiesbaden 1998, ISBN 3-409-19502-3

Papers

Sreeram Ramakrishnan, K. Sirhari, Ph.D: „Supply Chain Management - An Overview“; State University of New York; ( gefunden über Internet, jedoch Adresse nicht mehr bekannt )

Zeitschriften

Automobil Industrie, „Den Engpässen auf der Spur“, Ausg. 6/97, Seiten 44-48

Automobil-Produktion, „Simultane Planung als Kostenkiller“, Ausg. 04/98, Seiten 110-112

Blick durch die Wirtschaft, „Die Beschaffung von Fertigungskomponenten optimieren“, Ausg. vom 05.12.1997

Blick durch die Wirtschaft, „Die Jagd nach verborgenen Wertschöpfungspotentialen in der Logistikkette“, Ausg. vom 26.03.1998

Blick durch die Wirtschaft, „Supply Chain Management optimiert die Logistikkette“, Ausg. vom 09.04.1998

International Herald Tribune, „Revving up the manufacturing supply Chain on-line“, Ausg. vom 20.04.1998

Logistik Heute, „Interview mit Prof. Scheer“, Ausg. 3-99, Seite 20

Logistik Heute, „Marktübersicht SCM-Software“, Ausg. 3-99, Seiten 69 ff.

Logistik Heute, „Nicht der Big Bang“, Ausg. 4-99, Seiten 74-75

Logistik Heute, „Anspruch und Wirklichkeit - SCM-Marktübersicht“, Ausg. 5-99, Seiten 60-62

Logistik Heute, „Die Basis für Kooperation - Supply Chain Management“, Ausg. 5-99, Seiten 63-65

Logistik Heute, „Konkurrenz der Logistikketten“, Ausg. 5-99, Seiten 66-69

Logistik Heute, „Eine Welt voller Herausforderungen“, Ausg. 7/8-99, Seiten 28-29

Logistik Heute, „Mehr als Advanced Planning and Sceduling“, Ausg. 7/8-99, Seite 31

Logistik Heute, „Standards für die Supply Chain“, Ausg. 7/8-99, Seiten 77-85

Materialfluß, „Software-Markt der Zukunft“, Ausg. 05/99, Seite 58

Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb, „Moderne Softwaretools für das Supply Chain Management“, Ausg. vom 01.07.1998

Internet

SCM Competence und Transfer Center (CTC), http://www.scm-ctc.de Supply Chain Council ( SCC ), http://www.supply-chain.org

SAP-APO-Homepage, http://www.sap.de ➔ APO ➔ Media Center

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Supply Chain Management - Ein Überblick
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V99837
Dateigröße
1161 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Supply, Chain, Management
Arbeit zitieren
Thomas Rohrmeier (Autor), 1999, Supply Chain Management - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99837

Kommentare

  • Heiner Söll am 22.4.2001

    Supply Chain Management - Ein Überblick.

    Ich bin ehrlich schockiert, wie jemand auf die Idee kommt eine "wissenschaftliche" Arbeit mit Fragen zu bestücken! Aber hier liegt eien Arbeit vor, welche fast jeden Abschnitt mit einer Frage beginnt! Was soll man davon halten?
    Abgesehen vom Stil der Arbeit ist mir diese zu oberflächlich und zu sehr an die Logistik angelegt. Aspekte von Interdependenzen mit anderen Unternehmensführungskonzepten fehlen gänzlich. Auch ist SCM nicht einfach nur eine Softwarelösung!

  • Gast am 17.5.2001

    Re: Supply Chain Management - Ein Überblick.

    Die Kritik von "HvD" (offensichtlich ein mutiger Mensch, der zu seiner Meinung steht...) ist zum grossen Teil berechtigt.
    Die Arbeit ist sicher kein Beispiel für sauberes wissenschaftliches Arbeiten. Unbestritten. Das war schlampig.
    Der Rest liegt aber in der Natur der Arbeit begründet: es ist ein ÜBERBLICK - noch dazu als Referat an Personen gerichtet, die bis dato nichts vom Thema wussten. Und genau das, denke ich, wird in den 15 Minuten (=Vorgabe) ganz brauchbar erklärt. Zwangsweise resultieren Oberflächlichkeit und Logistikfokus.

    Ich würde mich aber auf eine Diskussion mit "HvD" bezüglich der Interdependenzen mit anderen Bereichen der Unternehmensführung freuen.

    Wo entsteht eigentlich der Eindruck, dass es sich nur um Softwarelösungen handelt? Naturgemäß nehmen sie viel Platz ein - ohne sie ist SCM in der Praxis nunmal unmöglich.

    |
    |HvD schrieb:
    ||Ich bin ehrlich schockiert, wie jemand auf
    ||die Idee kommt eine "wissenschaftliche" Arbeit
    ||mit Fragen zu bestücken! Aber hier liegt
    ||eien Arbeit vor, welche fast jeden Abschnitt
    ||mit einer Frage beginnt! Was soll man davon
    ||halten?
    |Abgesehen vom Stil der Arbeit ist mir diese zu oberflächlich und zu sehr an die Logistik angelegt. Aspekte von Interdependenzen mit anderen Unternehmensführungskonzepten fehlen gänzlich. Auch ist SCM nicht einfach nur eine Softwarelösung!

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