Die Hausarbeit beschäftigt sich näher mit dem französischen Salon im 18. Jahrhundert als Ausstellungsort und geht der Frage nach, inwieweit Künstler wie Jacques-Louis David, die Charakteristika des Salons für ihre Kunst nutzten.
Das 18. Jahrhundert in Frankreich war sehr turbulent und ist mit einigen großen Veränderungen verbunden. Die Halsbandaffäre, ein Betrugsskandal am königlichen Hofe in den auch die Königin Marie Antoinette verwickelt war, sorgte für Unruhe und beschädigte dauerhaft das Ansehen der Monarchie. Die Königin erhielt daraufhin in der Öffentlichkeit das Image der lasterhaften, verschwenderischen Frau, die den König betrüge. Dass mit der Königin und dem Kardinal Rohan gleich zwei Mitglieder des Hofes die Protagonisten in diesem Kriminalfall waren, erregte großes Aufsehen und war das Thema in den damaligen Medien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer und politischer Kontext
3. Der Salon als Ausstellungskonzept
3.1 Der französische Salon um 1785
4. Jacques-Louis David, Der Schwur der Horatier, 1784
4.1 Eine rezeptionsästhetische Analyse
4.2 Rezeption des Werkes
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausstellungskonzept des Pariser Salons im 18. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf den Salon von 1785. Dabei wird analysiert, wie politische Rahmenbedingungen und ausstellungspolitische Entscheidungen den Erfolg von Kunstwerken beeinflussten und wie Jacques-Louis David sein monumentales Gemälde „Der Schwur der Horatier“ strategisch nutzte, um sowohl innerhalb des königlichen Systems zu agieren als auch eigene gesellschaftskritische Standpunkte zu manifestieren.
- Die Transformation des Pariser Salons als kulturelle und politische Bühne.
- Einfluss der Französischen Revolution auf die Kunstpräsentation.
- Rezeptionsästhetische Untersuchung des Werkes „Der Schwur der Horatier“.
- Die Rolle des Künstlers als Akteur im Spannungsfeld zwischen Staatsauftrag und künstlerischer Autonomie.
- Vergleich der zeitgenössischen Kritik zu Davids Werken.
Auszug aus dem Buch
4. Jacques-Louis David, Der Schwur der Horatier, 1784
Das Gemälde Der Schwur der Horatier (Abb. 1) von Jacques-Louis David wurde 1784 fertiggestellt und ein Jahr später im Salon Carré des Louvre ausgestellt. Das Gemälde war eine Auftragsarbeit für den König Ludwig XVI.. David, Hofmaler und Mitglied der Académie royale, wurde vier Jahre nach diesem Salon und nach Beginn der französischen Revolution politisch tätig und stimmte schließlich als Mitglied des Corps électoral von Paris und Konventsdeputierter für die Hinrichtung des Königs, in dessen Auftrag er also zuvor u. a. Den Schwur der Horatier ausführte. Außerdem bewirkte er während der Revolution die Auflösung der Académie royale mit. Zurück im Jahr 1784 blieb die Wahl des Motivs für die Auftragsarbeit dem Künstler überlassen, nur die Größe von 330 x 330 cm wurde vorgegeben. David hielt sich jedoch nicht an die Vorgabe und erweiterte die Breite um fast einen Meter auf 425 cm. Sein Ungehorsam gegenüber offiziellen Anweisungen verhalf ihm zu dem Ruf eines rebellischen und unabhängigen Künstlers.
Das von David auserwählte Motiv bezieht sich auf den Bericht des römischen Geschichtsschreibers Livius, der im Rahmen des Krieges zwischen Alba Longa und Rom diese Begebenheit schildert. Auf Grund von Streitigkeiten und wechselseitigem Viehdiebstahl zwischen den beiden Städten waren diese einander feind. So erklärte Rom Alba Longa den Krieg. Die Städte einigten sich auf einen Stellvertreterkampf zwischen je drei waffenfähigen Brüdern. In Alba Longa wählte man die Kämpfer aus der Familie der Curiatier aus, in Rom aus der Familie der Horatier. Dass die Wahl auf sie gefallen war, erfüllte die Brüder mit Stolz, obwohl sie einen nicht ohne weiteres lösbaren Konflikt in sich barg, denn beide Familien waren miteinander verschwägert. Sabina, Schwester der Curiatier, war mit einem Horatier vermählt. Camilla, wiederum dessen Schwester, war mit einem der Curiatier verlobt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung bezüglich der politischen Einflüsse auf das Ausstellungskonzept des Salons und führt in die Analyse der Rolle von Jacques-Louis David ein.
2. Historischer und politischer Kontext: Dieses Kapitel skizziert die turbulenten gesellschaftlichen Umbrüche des 18. Jahrhunderts in Frankreich, insbesondere die Auswirkungen der Halsbandaffäre und den Weg zur Französischen Revolution.
3. Der Salon als Ausstellungskonzept: Hier wird die Geschichte und Organisation des Pariser Salons als staatliche Kunstinstitution und späterer Marktplatz der Künste analysiert.
3.1 Der französische Salon um 1785: Dieser Abschnitt fokussiert sich auf die streng reglementierten Rahmenbedingungen, die Rolle des „Tapissier“ bei der Hängung und die Präsenz von Künstlern im Jahr 1785.
4. Jacques-Louis David, Der Schwur der Horatier, 1784: Das Kapitel widmet sich der Entstehung des Schlüsselwerkes, dem historischen Sujet sowie Davids bewusstem Regelbruch bei der Formatwahl.
4.1 Eine rezeptionsästhetische Analyse: Diese Analyse untersucht die Platzierung des Gemäldes im Salon und die zeitgenössische Kritik in den „Mémoires secrets“ im Vergleich zu anderen ausgestellten Werken.
4.2 Rezeption des Werkes: Dieses Kapitel beleuchtet den großen öffentlichen und kritischen Erfolg des Gemäldes in Rom und Paris sowie den bewussten Bruch mit der barocken Stiltradition.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie David das System geschickt nutzte, um politische Kritik zu äußern und seinen künstlerischen Status durch bewusste Provokation zu festigen.
Schlüsselwörter
Jacques-Louis David, Der Schwur der Horatier, Pariser Salon, Französische Revolution, Académie royale, Rezeptionsästhetik, Kunstgeschichte, 18. Jahrhundert, Ausstellungskonzept, Historienmalerei, Klassizismus, Politische Kunst, Salon Carré, Auftragskunst, Künstlerrang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Ausstellungskonzept des Pariser Salons im 18. Jahrhundert und analysiert anhand des Beispiels von Jacques-Louis David, wie Kunstwerke im politischen Kontext des vorrevolutionären Frankreich präsentiert und rezipiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Organisation des Pariser Salons, die politische Instrumentalisierung von Kunst, der gesellschaftliche Wandel im 18. Jahrhundert sowie die rezeptionsästhetische Wirkung von Davids Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, inwieweit die Hängung und Präsentation der Werke im Salon von 1785 gezielt genutzt wurde, um politische Aussagen zu treffen und ob Davids Bild „Der Schwur der Horatier“ ein bewusstes politisches Manifest darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine rezeptionsästhetische Analyse sowie die historische Kontextualisierung von Quellen, um das Zusammenspiel von Kunstwerk, Salon-Platzierung und zeitgenössischer öffentlicher Meinung zu deuten.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Salons von 1785, die Bedeutung von Jacques-Louis David als rebellischem Künstler und die detaillierte Untersuchung der Rezeption seines Hauptwerkes durch Kritiker und das Publikum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „Jacques-Louis David“, „Pariser Salon“, „Rezeptionsästhetik“, „Französische Revolution“ und „Historienmalerei“ beschreiben.
Wie beeinflusste die Französische Revolution das Ausstellungswesen im Salon?
Die Revolution lockerte die exklusiven Zugangsregeln der Académie royale und führte langfristig zu einer Demokratisierung der Ausstellung, was zu einer massiven Zunahme der gezeigten Kunstwerke führte.
Warum wird der „Tapissier“ in der Arbeit erwähnt?
Der „Tapissier“ war für die Anordnung der Kunstwerke verantwortlich; seine Arbeit war entscheidend für die Sichtbarkeit und damit für den Erfolg oder Misserfolg eines Künstlers im Salon.
Welche Rolle spielte Davids „Bélisaire“ in der Ausstellung von 1785?
David stellte neben dem „Schwur der Horatier“ eine Replik seines „Bélisaire“ aus, um durch dieses Sinnbild des unschuldig verfolgten Helden seine Solidarität mit den gesellschaftlich benachteiligten Militärs seiner Zeit auszudrücken.
- Arbeit zitieren
- Victoria Diefenbach (Autor:in), 2020, Davids "Schwur der Horatier" von 1785 im Salon. Die Bedeutung des Salons für die Rezeption der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998826