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Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls am Beispiel des Erbrechts. Theoretische Gerechtigkeitsprinzipien im Policy Diskurs

Title: Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls am Beispiel des Erbrechts. Theoretische Gerechtigkeitsprinzipien im Policy Diskurs

Term Paper , 2020 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

Sociology - Basics and General
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Die zentrale Frage, welche die Arbeit zu beantworten versucht, ist inwiefern das Erbrecht den Gerechtigkeitsprinzipien John Rawls entspricht und widerspricht und welche Kritik sich durch Amartya Sens capability-Ansatz lesen lässt.
Es soll in dieser Arbeit einleitend um die Grundlagen der gesetzlichen und gewillkürten Erbfolge gehen. Außerdem werden die Testierfreiheit sowie die Erbschaftsteuer behandelt. Auf dieser Basis soll im Anschluss diskutiert werden, welche Bedeutung die juristische Dimension Erbrecht für soziale Ordnung hat. Der Gerechtigkeitsbegriff soll durch die verschiedenen Verteilungsprinzipien der Autoren Liebig et al. greifbar gemacht werden. Im Anschluss daran wird auf die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls Bezug genommen, diese in einem kurzen Überblick dargestellt, um im späteren Verlauf seine Gerechtigkeitsprinzipien auf das Erbrecht zu prüfen. Daraufhin soll die Kritik Amartya Sens an Rawls Theorie aufgenommen werden und im Hinblick auf die Bezüge zwischen Rawls Theorie und dem Erbrecht eingefügt werden.

Eine der zentralen Aufgaben eines Staates gegenüber seinen Bürger*innen ist es für gerechte Lebensbedingungen innerhalb der Gesellschaft zu sorgen. Ein kurzer Blick auf die Disparitäten der Gesellschaft genügt jedoch, um zu vermuten, dass dessen Durchsetzung häufig nicht der Fall ist. Gerechtigkeit wird auf verschiedenen Gesellschaftsebenen bewertet. Es bestehen Gerechtigkeitsverständnisse innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen auf der Mikro- Ebene, genauso wie auf der Makro-Ebene zwischen Gesellschaft und Staat. Das Erbrecht eröffnet einen soziologischen Gerechtigkeitsdiskurs, der beide Ebenen verbindet. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, die das Erbrecht freilässt, erklärt sich die Relevanz des Erbrechts als Untersuchungsgegenstand der Soziologie.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Erbrecht in Deutschland

2.1. Die gesetzliche Erbfolge

2.2. Das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten, der Ehegattin

2.3. Die gewillkürte Erbfolge

2.4. Testierfreiheit

2.5. Erbschaftssteuer

3. Soziologisierung des Erbrechts

4. Gerechtigkeitsprinzipien (Liebig, Sauer, Valet)

5. John Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit

5.(a) Das erste Prinzip der Gerechtigkeit

5.(b) Das zweite Prinzip der Gerechtigkeit

6. Vereinbarkeit der Rawls’schen Gerechtigkeitstheorie mit dem deutschen Erbrecht

7. Ausblick- Welche Kritik äußert sich durch Amartya Sens capability-Ansatz?

8. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Erbrecht aus einer soziologischen Gerechtigkeitsperspektive. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Institution Erbrecht den Gerechtigkeitsprinzipien von John Rawls entspricht oder diesen widerspricht und welche ergänzenden Perspektiven durch den capability-Ansatz von Amartya Sen gewonnen werden können.

  • Grundlagen des deutschen Erbrechts und der gesetzlichen Erbfolge
  • Die soziologische Relevanz und Funktion des Erbrechts für die soziale Ordnung
  • Analyse und Anwendung der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls auf das Erbrecht
  • Kritische Reflexion durch den capability-Ansatz nach Amartya Sen
  • Diskussion über Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit

Auszug aus dem Buch

4. Gerechtigkeitsprinzipien (Liebig, Sauer, Valet)

Gerechtigkeit kann als Wertekonzept verstanden werden, das normativ von Gesellschaft bewertet wird (vgl. Liebig et al. 2013: 286). Das Konstrukt Gerechtigkeit setzt sich demnach aus (i) Gleichbehandlung, (ii) Unparteilichkeit und (iii) Berücksichtigung von Ansprüchen zusammen (vgl. ebd.). Die Autoren führen vier Verteilungsprinzipien an, die als Leitinstrumente dienen, um Verteilungskonflikte zu strukturieren.

„Das Gleichheitsprinzip fordert, jedem gleiche Rechte oder den gleichen Anteil an Gütern, Chancen und Lasten zuzuweisen“ (ebd.: 289). Aufgrund von nicht korrigierbaren Differenzen muss das Gleichheitsprinzip jedoch auf „gleiche Behandlung“ heruntergebrochen werden. Das Proportionalitätsprinzip lehnt sich an das Leistungsprinzip an, welches den Gedanken umfasst, der leistenden Person auch einen dementsprechenden Ertrag zu sichern. Ressourcen werden also in Abhängigkeit von Anstrengung und Einsatz verteilt. Die Frage nach dem Wert verschiedener Leistungen, also die Messbarmachung, ist uneindeutig und insofern aushandlungsbedürftig.

Die Zu- und Verteilung der Güter erfolgt beim Anrechtsprinzip auf Basis vorgelagerter sozialer Kategorien, die in der Vergangenheit, z.B. in Form von Titeln, angenommen wurden. Das Bedarfsprinzip gründet sich auf der Idee, dass individuelle Lasten, für die selbst keine Verantwortung übernommen werden kann, durch Kollektivleistungen verringert werden sollen (vgl. ebd.: 289 f.). Das Verteilungsprinzip ist durch die Art der sozialen Beziehung bestimmt. Der Demos muss feststellen in welcher sozialen Beziehung sich seine Mitglieder befinden um dahingehend entscheiden zu können welches Verteilungsprinzip die meiste Legitimität erhält (vgl. ebd.: 290 f.). Die Präferenz des Verteilungsprinzips hängt ferner mit Lernprozessen während der Sozialisation zusammen und mit der eigenen sozioökonomischen Verortung (vgl. ebd.: 291). Folglich geht es um einen Plural von Gerechtigkeiten. Gerechtigkeit ist schließlich gesellschaftlich konstruiert und bewertet. Um herauszufinden welche Art Gerechtigkeit eine Gesellschaft präferiert, muss betrachtet werden welches Verteilungsprinzip die größte Unterstützung erfährt. Mischformen sind möglich bzw. meist die Regel. Die soziale Beziehung ist maßgeblich für das Verteilungsprinzip. Die makrosoziologische Perspektive verrät das gesellschaftliche Selbstverständnis, in welcher Beziehung die Beteiligten zueinanderstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Relevanz des Erbrechts als Untersuchungsgegenstand der Soziologie und Darlegung der zentralen Fragestellung.

2. Das Erbrecht in Deutschland: Erläuterung der gesetzlichen und gewillkürten Erbfolge sowie der Rolle von Testierfreiheit und Erbschaftssteuer.

3. Soziologisierung des Erbrechts: Untersuchung der Konfliktlinien zwischen Privatautonomie, Leistungsprinzip und der Reproduktion von Ungleichheiten.

4. Gerechtigkeitsprinzipien (Liebig, Sauer, Valet): Vorstellung der vier zentralen Verteilungsprinzipien zur Strukturierung von Verteilungskonflikten.

5. John Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit: Darstellung der Theorie von Rawls, inklusive der Konzepte Urzustand, Schleier des Nichtwissens und der beiden Gerechtigkeitsprinzipien.

6. Vereinbarkeit der Rawls’schen Gerechtigkeitstheorie mit dem deutschen Erbrecht: Kritische Prüfung, inwieweit das bestehende Erbrecht mit den normativen Vorgaben von Rawls korrespondiert.

7. Ausblick- Welche Kritik äußert sich durch Amartya Sens capability-Ansatz?: Analyse der Grenzen von Rawls durch den capability-Ansatz und die Bedeutung der individuellen Befähigung.

8. Fazit: Zusammenfassende Schlussfolgerung über die mangelnde Vereinbarkeit des Erbrechts mit den Prinzipien von Rawls und den Bedarf an soziologischer Forschung.

Schlüsselwörter

Erbrecht, Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Soziologie, Verteilungsgerechtigkeit, Testierfreiheit, Erbschaftssteuer, Leistungsprinzip, Privatautonomie, Amartya Sen, Capability-Ansatz, Chancengleichheit, soziale Ordnung, Ungleichheit, Generationenvertrag.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das deutsche Erbrecht aus einer soziologischen Perspektive, wobei insbesondere die Gerechtigkeitsvorstellungen von John Rawls auf die bestehenden Regelungen angewendet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Erbfolge, das Spannungsfeld zwischen privater Eigentumsfreiheit und gesellschaftlicher Chancengleichheit sowie die theoretische Fundierung von Gerechtigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu klären, inwiefern das deutsche Erbrecht den Gerechtigkeitsprinzipien von John Rawls entspricht oder diesen widerspricht und welche Kritikmöglichkeiten der capability-Ansatz von Amartya Sen bietet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie soziologische Gerechtigkeitskonzepte (Rawls, Sen) auf juristische und institutionelle Gegebenheiten des Erbrechts anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung des deutschen Erbrechts, eine soziologische Einordnung, die Erläuterung der Rawls’schen Gerechtigkeitstheorie sowie eine systematische Gegenüberstellung dieser Theorie mit der Erbpraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Erbrecht, Gerechtigkeitstheorie, Rawls, Capability-Ansatz, soziale Ungleichheit, Umverteilung und Chancengleichheit.

Wie bewertet Rawls die Weitergabe von Vermögen durch Erben?

Rawls sieht Erbschaften unter dem Gesichtspunkt des Maximin-Prinzips kritisch, da sie den ungleichen Startbedingungen im Leben entgegenstehen und die gesellschaftliche Chancengleichheit gefährden.

Warum wird der capability-Ansatz von Sen als Ergänzung herangezogen?

Sen kritisiert, dass Rawls' Fokus auf Institutionen zu abstrakt sei; er fordert stattdessen eine Betrachtung der individuellen Befähigungen, um ein selbstbestimmtes, wertgeschätztes Leben zu ermöglichen.

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Details

Title
Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls am Beispiel des Erbrechts. Theoretische Gerechtigkeitsprinzipien im Policy Diskurs
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Course
Recht & Gerechtigkeit
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2020
Pages
23
Catalog Number
V999184
ISBN (eBook)
9783346373212
ISBN (Book)
9783346373229
Language
German
Tags
John Rawls Amartya Sen Erbrecht Gerechtigkeit Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2020, Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls am Beispiel des Erbrechts. Theoretische Gerechtigkeitsprinzipien im Policy Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999184
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