Wahrheit und Wirklichkeit im Film Matrix


Hausarbeit, 2001
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahrheit und Wirklichkeit im Film „Matrix“
2.1 „Alles, was ich Dir anbiete ist die Wahrheit, nicht mehr“ - Neos körperliche Abkehr vom System
2.2 „Das Restselbstbild: Die mentale Projektion Deines digitalen Selbst“ - Neos Ausflug in die Simulation
2.3 „Erkenne Dich selbst. [] Du hast die Gabe, aber es sieht so aus, als würdest Du auf etwas warten“ - Neos Rückkehr in die Matrix
2.4 „Noch niemand hat so etwas je versucht“ - Neos Kampf gegen die Matrix

3 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Menschen in Sklaverei (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 2 - Thomas Anderson wird zu Neo (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 3 (links) - Trinity überwindet die Schwerkraft (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 4 (rechts) - Neo erlebt, dass er den Agenten ebenbürtig ist (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 5 - Trinity gefangen in einem leeren Raum (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 1)

Abbildung 6 - Thomas Anderson wird von den Agenten abgeführt (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 7 - Agent Smith verschließt Neo den Mund (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 6)

Abbildung 8 - Morpheus stellt Neo vor die Entscheidung zwischen Wahrheit und Wirklichkeit (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 9)

Abbildung 9 - Neo begegnet der Matrix (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 9 und 10)

Abbildung 10 (links) - Neos Körper löst sich vom System (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 10)

Abbildung 11 (rechts) - Anschlüsse an das System - Bild aus der Maske (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 12 - Neo begegnet der Wahrheit und reagiert mit Abwehr (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 12)

Abbildung 13 - Cypher trifft Agent Smith (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 14 - Neos erster bewusster Besuch in der Matrix (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 15 - Neos besucht das Orakel (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 21 und 22)

Abbildung 16 - Morpheus opfert sich für Neo (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 17 - Cypher tötet seine Kollegen (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 18 - Neo und Trinity bewaffnen sich für die Rettung Morpheus' (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 28)

Abbildung 19 - Product Placing des Sponsors (Quelle: Matrix 1999 b: Kap. 28)

Abbildung 20 - Trinity und Neo schießen sich den Weg zu Morpheus frei (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 21 - Neo beginnt, sich genauso zu bewegen wie die Agenten (Quelle: Matrix 1999 b: Titel1, Kap. 31)

Abbildung 22 - Morpheus sprengt seine Fesseln (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung 23 - Das Ende der Matrix beginnt (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 37)

Abbildung 24 - Neo macht sich auf den Weg, Den Menschen die Wahrheit zu zeigen (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 38)

1 Einleitung

„Alles, was ich Dir anbiete ist die Wahrheit, nicht mehr!“ (Matrix 1999 a: 14:631 ) sagt Morpheus, einer der Hauptdarsteller in dem Film „Matrix“ der Wachowski-Brüder. Damit fasst er das Thema dieses „Cyber-Science-Fiction-Thrillers“ (Matrix 1999 a: Hülle) prägnant zusammen: Die Geschichte des jungen Thomas Anderson wird erzählt, der - so scheint es zumindest - ein Doppelleben führt. Tagsüber ist er Programmierer in einer angesehenen Softwarefirma, nachts macht er als der berühmte Hacker „Neo“ die elektronischen Weiten des Internets unsicher, bricht in Software und Netzwerke ein und besorgt dort gegen Geld Daten und Informationen. Einige der Informationen, die er dort findet, lassen ihn nicht mehr los: es scheint als würde eine Art „Parallelwelt“ existieren, die die „Matrix“ genannt wird. Neo kann sich weder erklären was sie bedeutet, noch wie sie entstanden ist. Morpheus, der „gefährlichste Mensch der Welt“ (Agent Smith in Matrix 1999 a: 10:04) und gesuchter Terrorist, kontaktiert Neo übers Internet und klärt ihn schließlich über das existierende Verhältnis von Wahrheit und Wirklichkeit auf. Thomas Anderson führt tatsächlich ein Doppelleben - allerdings nicht zwischen Programmierer- und Hackerdasein, sondern zwischen Körperlichkeit und „neurointeraktiver Simulation“ (Morpheus in Matrix 1999 a: 19:30) seiner selbst. In Wahrheit schreibt man bereits ungefähr das Jahr 2199, die Menschheit dient in Sklaverei der künstlichen Intelligenz, die sie selbst vor Jahren einmal pro-grammiert hat. Menschliche Wesen existieren in dieser Welt ohne Sonnenlicht lediglich noch, um den ungeheuren Ener-giebedarf der elektronischen Herrscher zu decken. Sie verbringen ihre Lebenszeit in Behältern mit Nährlösung ohne jemals die Augen zu öffnen oder einen Muskel zu bewegen. Ihre Körper sind direkt an das ‚System’ angeschlossen, das Ihnen für die Energie, die sie ihm liefern, ein Leben in der Matrix erlaubt. Die Matrix ist eine virtuelle Simulation der Welt des beginnenden 21. Jahrhunderts - sie ist die Welt des Thomas Anderson. Jeder einzelne Mensch, der von dem System als Energielieferant gezüchtet wurde, findet in ihr seine persönliche Wirklichkeit in Form von - vermeintlicher -Körperlichkeit und Zeitlichkeit. Sogenannte „Agenten“, künst-liche Intelligenzen, die zu allem Zugang haben, das entspre-chend den Grundsätzen elektronischer Datenübertragung mit der Matrix verbunden ist, kontrollieren alle Vorgänge und Aktivitäten innerhalb dieser simulierten Welt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Menschen in Sklaverei

(Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Die Aufgabe der Agenten ist es die Matrix vor unbefugten Manipulationen und schädlichen Angriffe zu bewahren und so ihr Fortbestehen - und damit das des Systems - zu sichern.

Morpheus ist der Anführer einer Widerstandsgruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Matrix zu zerstören, um den Menschen ihr selbstbestimmtes Denken zurückzugeben und die Herrschaft der Computer zu beenden. Dies kann jedoch nur der „Auserwählte“ vollbringen, eine Person, die die Wahrheit sehen, verstehen, akzeptieren und sie dadurch - ähnlich den Agenten - manipulieren kann. Morpheus sieht in Neo den Retter der Menschheit und begleitet ihn auf dem schmerzhaften Weg von seiner eigenen Wirklichkeit in die Wahrheit aller. Dies bedeutet vor allem, seinen Körper aus den Zuchtplantagen zu befreien und ihn auf die „Nebuchadnezzar“, ein Hovercraft, zu bringen, auf dem die Widerständler außerhalb der Matrix leben. Über Telefonleitungen ist es ihnen möglich, eine elektronische Simulation ihrer selbst in die Matrix zu projizieren, um dort -immer verfolgt von Agenten - ihren Angriff vorzubereiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Thomas Anderson wird zu Neo

(Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Gefährlich daran ist, dass diese Verbindungen nicht nur Ihnen den Weg in die Matrix ermöglichen, sondern im Falle des Entdeckens auch den Agenten den Weg zu ihrem Schiff, was ihren sicheren Tod bedeuten würde. Die Simulationen von Morpheus, Neo, Trinity und Co., unterliegen innerhalb der Matrix den Gesetzen von Computerprogrammen. Sie und ihre Umwelt können beliebig modifiziert, manipuliert und zerstört werden. Ziel von Neos Lernprozess unter Morpheus Führung ist es, ihm die Augen zu dafür öffnen, dass er nicht nur ein Teil ‚in’ der Matrix ist, sondern dass er selbst die Matrix ist. Erst wenn ihm dies bewusst ist, kann er sich er-folgreich gegen die Wächter der Matrix, die Agenten, stellen und mit ihrer Zerstörung beginnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 (links) - Trinity überwindet die Schwerkraft (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 (rechts) - Neo erlebt, dass er den Agenten ebenbürtig ist (Quelle: http://www.whatisthematrix.com; 29.03.2002)

Ziel dieser Arbeit ist es, die filmische Umsetzung objektiver und subjektiver Realität, hier unterschieden in Wahrheit und Wirklichkeit, zu analysieren. Wie haben die Wachowski-Brüder dieses komplexe, von einander abhängige Konstrukt in der Inszenierung von einander getrennt? Wo heben sich Gegensätze auf, wo werden sie besonders deutlich? Interessant ist dabei vor allem, wie das Zurechtfinden in einer neuen Wirklichkeit behandelt wird.

Mit Rücksicht auf den Umfang dieser Arbeit sollen dabei mit dem Verlauf des Films vier Schlüsselszenen analysiert werden: die Abnabelung von Neos Körper vom System als physische Grundlage des Begreifens, Neos Erfahrung im Simulationsprogramm und erster bewusster Besuch in der Matrix als geistige Akzeptanz der Wahrheit im Unterschied zu seiner vergangen Wirklichkeit und sein erster erfolgreicher Kampf gegen den Agenten Smith als Beginn einer neuen Zukunft für die Menschen und ihre Selbständigkeit.

2 Wahrheit und Wirklichkeit im Film „Matrix“

Der Film beginnt mit dem Wählen eines Telefons - in dem Moment, in dem die Verbindung zustande gekommen ist, beginnt im Off ein Gespräch zwischen Mann und Frau. Die Kamera zeigt in den typischen Monochromfarben der 80ger Jahre, Schwarz und Grün, einen Computerbildschirm, der ein Programm startet und Zahlencodes berechnet. Aus dem Gespräch geht hervor, dass die Frau denjenigen, den Morpheus für den Auserwählten hält, beobachtet hat und jetzt ihre Schicht beenden wird. Ihre Stimme nimmt einen verängstigten Unterton an, als sie auf ein kaum hörbares Klicken reagiert und sich von dem Mann am anderen Ende die Sicherheit der Leitung bestätigen lässt. Gleichzeitig beginnt die Kamera immer näher an die Zahlencodes heran zu zoomen bis sie sich quasi innerhalb der Zahlen befindet - der Zuschauer hat das Gefühl Teil des Computerbildschirms, Teil des Programms zu werden. Er ist in der Matrix.

Vor den Augen des Zuschauers findet - spärlich erleuchtet von Taschenlampen - eine nächtliche Polizeirazzia statt. Trinity, ein Mitglied der Widerstandsgruppe um Morpheus, sitzt allein in einem leeren Raum, als die Gruppe Polizisten in ihrem Rücken die Tür aufbricht und sie festnehmen will. Die Farbgestaltung der Szene ist an die Kombination von Schwarz und Grün aus der ersten Einstellung angelehnt - Schwarz dort, wo kein Licht hinfällt, Variationen von Grün an Stellen, die erleuchtet werden. Dieses Schema wird den ganzen Film hindurch Vorgänge charakterisieren, die sich innerhalb der Matrix abspielen. Selbst Trinity ist darin integriert: schwarze Haare, schwarze Kleidung und eine schwarze Sonnenbrille.

Außerhalb des Hotels, in dem sich die beschriebene Szene abspielte, treffen in typisch amerikanischer Polizeifilm-Manier - zahlreiche Polizeiwägen, blinkende Warnlichter, mittendrin Polizisten in Uniform - drei Agenten ein. Auffällig ist die deutliche Betonung eigentlich unauffälliger Geräusche: Das Fahrgeräusch des Wagens, das Quietschen der Bremsen, das Haltgeräusch der Reifen und das Schließen der Wagentüren. Beim Auftritt der Agenten verändert sich die Kameraperspektive: führte sie bis zu diesem Zeitpunkt objektiv, immer auf Gesichthöhe durch das Geschehen, kippt sie nun in eine leichte Aufsicht.

Agent Smith weist den Zuschauer mit seinem Satz „Nein, Lieutenant, Ihre Männer sind längst tot.“ (Matrix 1999 a: 01:40) auf zwei Spezifika der Situation hin: Zum Ersten: die Agenten scheinen über den Vorgängen zu stehen, da sie Aussagen über Dinge treffen können, die nicht in ihrer unmittelbaren, sichtbaren Umgebung stattfinden. Zum Zweiten: auch Trinity unterscheidet sich von den Polizeibeamten, da es ihr möglich scheint, unbewaffnet zwei Polizeieinheiten auszulöschen.

Schnitt zurück ins Hotelzimmer. Trinitys Kampf mit den Polizisten stellt die Realitätsnähe der dargestellten Szenen zum ersten Mal deutlich in Frage. Abbildung 3 zeigt Trinity, wie sie die Schwerkraft außer Kraft setzt und ihre Bewegungen in Zeitlupe ausführt. Gleich darauf läuft sie an einer senkrechten Wand entlang. Die Gründe für die Vorgänge bleiben zunächst unerklärt. Die Szene endet mit einer extremen Vogelperspektive, die Trinity inmitten der getöteten Polizisten zeigt (vgl. Abb. 5). Am linken Rand des Bildes ist schemenhaft die eingetretene Tür zu sehen, neben einem kleinen Fenster die einzige Öffnung des Raumes - dennoch scheint Trinity in der Leere des Raumes gefangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 - Trinity gefangen in einem leeren Raum (Quelle: Matrix 1999 b: Titel 1, Kap. 1)

Sie benutzt nicht die freie Tür, um zu fliehen, sondern ruft mit einem Handy Morpheus, ihren Anführer, an. Aus ihrem Gespräch wird deutlich, dass Morpheus sie bobachten kann, weiß, wo sie sich befindet und was in ihrer Nähe ist. Die Agenten stellen eine deutliche Bedrohung dar. Erst auf Morpheus’ Kommando begibt sie sich auf die Flucht, verfolgt von den Agenten und der Kamera. Die Verfolgungsjagd wird - entgegen der Erwartung des Zuschauers - von einer sehr ruhigen, zurückgenommen Kamera dargestellt, Zeitlupenelemente sind integriert. Der Zuschauer wird hier nicht emotional in das Geschehen einbezogen, sondern deutlich in die Position des unbeteiligten, allwissenden Beobachters gedrängt.

Der Sprung Trinitys von einem Hochhaus auf das andere, ebenso wie ihr Sturz durch ein weit entferntes Fenster (vgl. Matrix 1999 a: 02:43 ff) bestätigt - allerdings ohne Konkretisierungen - den Eindruck, dass hier nicht eine Welt dargestellt wird, die denselben Gesetzen unterliegt wie die Gegenwart des Zuschauers.

Die Szene endet so wie der Film begonnen hat: mit einem Telefonanruf. Ein öffentliches Telefon klingelt, Trinity verschwindet in dem Moment, in dem Sie den Hörer abnimmt. Selbst der LKW, den die Agenten direkt in die Telefonzelle steuern, kann ihr nichts mehr anhaben.

Dem Zuschauer wird hier eine Wirklichkeit gezeigt, die, oberflächlich betrachtet, einer ihm bekannten Welt ähnelt. Allerdings wird diese Vertrautheit, wie oben dargestellt, an mehreren Stellen von Ungereimtheiten durchbrochen, die vorerst nicht näher erläutert werden. Auch die Kameraführung trägt nicht dazu bei, dem Zuschauer das Gefühl zu geben, sich in der dargestellten Umgebung ohne Einschränkungen wiederfinden zu können. Es ergeben sich also zwei Ebenen: da ist zum einen die Welt der Polizisten, die dem entspricht, was der Zuschauer aus anderen Filmen und seinem eigenen Leben kennt und zum anderen die Welt von Trinity und den Agenten, die anderen Gesetzen zu folgen scheint.

Die nächste Einstellung zeigt die Nacht eines typischen Computerfreaks: der PC ist eingeschaltet, leise Hintergrundmusik läuft und ein junger Mann schläft auf seinem Schreibtisch. Er wacht auf, als auf seinem PC eine Nachricht für Neo, das Hacker-Pseudonym Thomas Andersons, erscheint. Ein Unbekannter kontaktiert ihn und gibt ihm die Anweisung, dem weißen Hasen zu folgen (vgl. Matrix 1999 a: 04:00 ff). Wiederum wird hier dem Ablauf des Films vorgegriffen, der Eindruck einer zweiten, höher geordneten Ebene verstärkt sich. Sobald Neo im Bild ist, der an der Tür mit einem Kunden spricht, wechselt die Kamera in eine ähnlich aufsehende Perspektive wie sie vorab bei den Agenten zu beobachten war.

Neo begleitet seine Kunden auf eine Party und trifft dort auf Trinity, die ihm offenbart, mehr über ihn und sein Suchen nach Morpheus und der Matrix zu wissen, als er selbst (vgl. Matrix 1999 a: 05:50). Sie warnt ihn vor den Agenten, die seine Suche, sein Hinterfragen bereits bemerkt haben.

Diese Vorhersage erfüllt sich am nächsten Tag im Büro von Thomas Anderson - Morpheus bemüht sich, ihn per Handy aus dem Gebäude zu lotsen. An diesem Punkt begegnet Thomas Anderson zum ersten Mal der Wahrheit: Morpheus existiert und er besitzt die Fähigkeit, die Welt des Thomas Anderson zu beobachten, vorherzusagen und zu manipulieren - es muss also eine weitere Ebene der Wirklichkeit existieren. Allerdings kann Thomas Anderson ihm noch nicht vertrauen, sein Fluchtversuch endet in Moment, da er die Verbindung zu Morpheus - das Handy - verliert und es in die Tiefe fallen sieht. Er wird in Handschellen von den Agenten abgeführt (vgl. Abb. 6).

Die Kameraführung versetzt den Zuschauer erneut in eine objektive Position und beobachtet Thomas Ander-son bei seinem zweifelhaften Ausbruch. Die Welt, die er versucht hinter sich zu lassen, ist repräsentiert von den unpersönlichen, identischen Arbeitsplätzen seines Großraumbüros, in denen man unerkannt bleiben kann, solange man den Kopf unten hält. In ihnen arbeiten namenlose Menschen für eine Firma - genauso wie die Menschen in Wahrheit für die Computer arbeiten. Die Kamerabewegung orientiert sich an der menschli-chen Wahrnehmung, sie ist nur von wenigen, kurzen Schwenks, mehr dagegen von Fahrten und Schnitten gekennzeichnet (vgl. Monaco 2000: 177). Wie bereits oben angedeutet, sind auch diese Szenen in ein grünli-ches Farbschema getaucht. Erst als Thomas Anderson - beobachtet von Trinity - von den Agenten aus dem Gebäude geführt wird, wechseln die Farben für kurze Zeit in natürlichere Farbtöne (vgl. Abb. 6). Ob damit angedeutet werden soll, dass diese Wirklichkeit auch in Zukunft die Wahrheit für Thomas Anderson bleiben soll, dass es also von nun an noch schwieriger werden wird, hinter die Wirklichkeit zu blicken, ist ein interes-santer Gedanke, muss allerdings Spekulation bleiben, da diese Überlegungen im Film nicht weiter aufgegrif-fen werden. Die Bedeutung der Wahrheit für Neo findet abschließend in Kapitel 3 Betrachtung.

[...]


1 Mein Videorekorder verfügt leider nicht über ein Zählwerk in Stunden, Minuten und Sekunden. Angegeben wird daher die Zählwerksposition. Angefangen wurde bei einem Zählerstand von 00:00, beendet ist der Film bei 46:30. Das Zählwerk zählt an jeder Stelle von 0 bis 9.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wahrheit und Wirklichkeit im Film Matrix
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Theater-/Film-/Videoinszenierungen im intermedialen Diskurs
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V9996
ISBN (eBook)
9783638165624
Dateigröße
1029 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inszenierung, Wirklichkeit, Wahrheit, Dramaturgie
Arbeit zitieren
Martina Korff (Autor), 2001, Wahrheit und Wirklichkeit im Film Matrix, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9996

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