Interkulturelle Kompetenzen im heutigen Polizeialltag. Bedeutung im multikulturellen Deutschland


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der Begriff „Interkulturelle Kompetenz“
2.1. Interkulturelle Kommunikation

3. Der multikulturelle Polizeialltag
3.1. Kommunikation als „Waffe“
3.2 Interkulturelle Kompetenz und die heutige Polizei

4. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zentrum dieser Hausarbeit steht das Fach „Interkulturelle Kompetenzen“ in Bezug auf die Bedeutung im heutigen multikulturellen Polizeialltag und wo diese ihren Platz findet.

Aus diesem Thema ergibt sich die Zielsetzung der Arbeit, nämlich die Beantwortung der Frage: Welche Bedeutung hat „Interkulturelle Kompetenzen“ im heutigen multikulturellen Polizeialltag?

Deutschland bekommt gerade auch aufgrund der Globalisierung und Flüchtlingskrise immer mehr Zuwachs aus dem Ausland. Dadurch kommen immer mehr verschiedene Kulturen, Religionen und auch Sprachen in Deutschland zusammen. Die Bevölkerung im deutschen Bundesgebiet mit Migrationshintergrund ist im Jahr 2017 um 4,4% (mind. Ein Elternteil selber mit Migrationshintergrund) gegenüber dem Vorjahr gestiegen und die Tendenz ist weiter steigend.1 Dadurch hat die Polizei immer mit mehr Kulturen als polizeiliches Gegenüber zu interagieren und ist bei dieser Bewältigung vor immer neue Aufgaben gestellt. Neben der alltäglichen Interaktion mit diesen Kulturen ist auch die Kommunikation ein Problem bei dieser Bewältigung.

Zur Klärung dieser Fragestellungen, wird zunächst der Begriff „Interkulturelle Kompetenz“ erläutert. Das setzt auch voraus, dass auf die Begrifflichkeit der „Interkulturellen Kommunikation“ eingegangen wird.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen aus den Begriffen wird sich dann an den multikulturellen Polizeialltag in Deutschland gewendet.

Darüber hinaus ist es notwendig, näher auf die Kommunikation von Polizisten einzugehen und die sich durch das (kulturelle) polizeiliche Gegenüber entstehenden Probleme aufzuklären.

Zum Schluss wird dann veranschaulicht, inwiefern bedeutend die interkulturelle Kompetenz bei der heutigen multikulturellen Polizeiarbeit ist und inwiefern sich diese auswirkt.

2. Der Begriff „Interkulturelle Kompetenz“

Der Begriff der „Interkulturellen Kompetenz“ hat zahllose Definitionen. Im Zuge der zunehmenden Globalisierung erlangt dieser Begriff auch eine immer größer werdende Bedeutung und die Anzahl der Definitionen für diesen Begriff steigt.

Eine Begriffserklärung bietet das Gesetz im § 4 des „Gesetzes zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein- Westfalen“ vom 24. Februar 2012 : „Interkulturelle Kompetenz im Sinne dieses Gesetzes umfasst 1. die Fähigkeit, insbesondere in beruflichen Situationen mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erfolgreich und zur gegenseitigen Zufriedenheit agieren zu können, 2. die Fähigkeit bei Vorhaben, Maßnahmen, Programmen etc. die verschiedenen Auswirkungen auf Menschen mit und ohne Migrationshintergrund beurteilen und entsprechend handeln zu können sowie 3. die Fähigkeit, die durch Diskriminierung und Ausgrenzung entstehenden integrationshemmenden Auswirkungen zu erkennen und zu überwinden.“ 2

Eine weitere, aber nicht gesetzliche Definition findet sich bei einem der führenden Kulturwissenschaftler in diesem Gebiet: Jürgen Bolten. Er hat bereits viele Werke über „Interkulturelle Kompetenz“ geschrieben und auch an vielen anderen mitgearbeitet.

Seiner Auffassung nach, leitet sich der Begriff „Interkultur“ von dem lateinischen Wort „inter“ ab, was „zwischen“ bedeutet. So könnte man sagen es handelt sich auch um die Zwischenkulturelle Kompetenz.

„Interkulturell“ ist seiner Meinung nach etwas, das sich zwischen unterschiedlichen Lebenswelten im Bezug auf die Beziehung untereinander abspielt. Dies geschieht immer dann, wenn Menschen unterschiedlicher Lebenswelten und Lebensweisen aufeinandertreffen und miteinander interagieren. Dadurch werden immer wieder Zwischenwelten erschaffen, die sich zwischen den mitgebrachten Lebenswelten aufbauen.3

Diese äußert sich laut Jürgen Bolten in drei unterschiedlichen Ebenen. Erstens auf der kognitiven Ebene, die sich aus Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und das Verstehen aufbaut. Auf der zweiten Basis findet sich die affektive Ebene, bei der Werte, Einstellungen und Empfindungen untergebracht sind. Als dritte Ebene spricht er von der verhaltensbezogenen Ebene, bei der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Handeln Gewicht haben. Diese drei Ebenen ergeben zusammen „Interkulturelle Kompetenz“ in der alltäglichen Praxis.4

Die interkulturelle Kompetenz beschreibt somit die Fähigkeit diese Ebenen auf Gruppen oder Individuen anderer Kulturen anzuwenden und erfolgreich mit ihnen zu interagieren. Dabei handelt eine Person erfolgreich interkulturell, wenn diese möglichst frei von Vorurteilen oder Berücksichtigung von früheren Erfahrungen, bei der Zusammenarbeit mit Menschen aus fremden Kulturen, ihre Kenntnisse erweitert.5

Laut Jürgen Boltens Theorie ist es wichtig, Kulturen als immer weiter wachsende Kommunikationssysteme zu sehen, die sich immer verändern. Nur so können diese nachvollzogen werden und Missverstände vorgebeugt werden. Aufgrund dessen, hat die „Interkulturelle Kommunikation“ untereinander eine sehr große Bedeutung.6

Es ist nun notwendig im folgenden Abschnitt festzustellen, was „Interkulturelle Kommunikation“ ist und worin sich diese auswirken kann.

2.1. Interkulturelle Kommunikation

Die interkulturelle Kompetenz lässt sich bei der interkulturellen Kommunikation wiederfinden. Dabei hat die interkulturelle Kommunikation auch wieder zahlreiche Definitionen. Alle in einen aber sind sich einig: Der Begriff „Interkulturelle Kommunikation“ bezeichnet die Verständigung zwischen Menschen, die verschiedenen Kulturen angehören.

Dabei ist zu erkennen, dass bereits Kinder verschiedene Verhaltensmuster der eigenen Kultur erlernen und so auch die Kommunikation untereinander in dieser Kultur prägen.

Der Prozess der Kommunikation läuft deshalb größtenteils unbewusst ab. Ein Problem dabei ist der Glaube darüber, dass alle anderen so kommunizieren würden, wie man selber. Die eigenen Standards der Kommunikation werden dabei auf den Gesprächspartner gegenüber projiziert.7

Die „Interkulturelle Kommunikation“ hat eine große Bedeutung für das Verstehen und Deuten von anderen Kulturen und somit auch anderer Verhaltensweisen, welche sich nicht nur in verbalen, sondern auch nonverbalen Äußerungen wie Mimik oder Gestik wiederfinden lässt. Durch diese Aspekte und das „Miteinander“ kann erst vollzogen werden, wie eine fremde Kultur nicht nur im Sinne des Informationsaustausches, sondern auch im zwischenmenschlichen Sinne agiert. So kann erst der Bezug zu einer fremden Kultur hergestellt und verstanden werden.

Ohne die Kommunikation könnten die eigenen Werte, Regeln und Normen nicht vermittelt werden oder beim Gegenüber zur fehlerhaften Interpretation führen.

Ohne die Kommunikation gäbe es keine (Inter-) Kulturen“ 8

Dabei ist die Sprache eine Barriere, die es zu überwinden gilt. Der Autor Knapp fasst diese Fehlinterpretation in einem Satz zusammen: „Risiko des Nichtverstehens, Missverstehens und völligen Scheiterns” 9

So können laut dieser Theorie verschiedene auch normalerweise einfach zu verstehende Sätze oder Anweisungen, gerade bei einer anderen Kultur falsch verstanden und fehlinterpretiert werden, was so wiederum zu Konflikten führen kann und das Gegenteil erreicht, welches man eigentlich beim Gegenüber erreichen wollte.10

Genau diese Herausforderungen lassen sich auf den heutigen Polizeialltag übertragen, weshalb im nächsten Punkt darauf eingegangen wird.

3. Der multikulturelle Polizeialltag

Der heutige Polizeialltag ist geprägt von dem multikulturellen Deutschland, welches auch aufgrund der Globalisierung und der Flüchtlingskrise immer weiter in diese Richtung gehend wächst. Laut Statistik leben in Deutschland im Jahr 2017 rund 19,3 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund. Anhand dieser Statistik ist ebenso zu erkennen, dass die Zahlen stetig ansteigen. So waren es 2009 noch 14,6 Mio. Menschen in Deutschland.11

Jeder Polizeibeamte/in12 wird deshalb mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund haben, da ein Polizist im Laufe seiner Karriere, mit allen in Deutschland lebenden oder sich dort temporär aufhaltenden Personen in Kontakt kommt.

Bei diesem polizeilichen Gegenüber ist festzustellen, dass eine große Diversität mit der Polizei zu tun hat. Jeder kann sozusagen „Kunde“ der Polizei werden. Das schließt nicht aus auch mit den verschiedensten Kulturen und Ansichten zu interagieren.13

Der möglichst konfliktfreie Umgang mit diesen Menschen aus anderen Kulturen ist heutzutage aufgrund dieser Tatsache nicht mehr auf eine kleine Anzahl von Menschen beschränkt, sondern betrifft damit nahezu fast jeden.14

Gerade deshalb haben sich Polizisten auf diesen Wandel in der Gesellschaft einzustellen um dahingehend vorbereitet zu sein.

Bereits seit den 1990er-Jahren begann eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Polizei und Fremde“. Dabei sind „Fremde“ nicht spezifisch definiert, sondern stellen hauptsächlich ausländische Mitbürger, Migranten, Zuwanderer usw. dar.

Grund dafür waren damals Rassismus und Diskriminierungsvorwürfe gegen die Polizei.

Infolge darauf hat die Polizei sich heutzutage bemüht das Verhältnis und den Umgang mit den Betroffenen Gruppen (Mitbürger mit Migration) zu verbessern. Im Vordergrund stand der Abbau von der rassistischen und fremdenfeindlichen Einstellung der Polizei, bzw. dem fehlerhaften Auftreten.15

Im heutigen 21. Jahrhundert liegt der Fokus der polizeilichen Arbeit mit fremden Kulturen weiter auf bei Maßnahmen zur Reduzierung von Diskriminierung der Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und noch viele mehr. Auch werden diese Ansätze von Gewaltprävention und Deeskalationsstrategien gestützt.

Die Polizei ist zu der Erkenntnis gekommen, dass sich durch interkulturelle und auch soziale Kompetenz, Konflikte gerade im Hinblick auf den Umgang mit Mitbürgern mit Migrationshintergrund leichter durchführen lassen und so das polizeiliche Ziel schneller erreicht wird.16 Da die Berührungspunkte mit den fremden Kulturen, immer weiter zunehmen werden, können teilweise seit 1994 auch Bürger der Bundesrepublik Deutschland auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft in den Polizeidienst einsteigen. Es wurde sogar verstärkt für die Bewerber mit Migrationshintergrund geworben, da das Potential der kulturellen Vielfalt erkannt wurde. Es wurde sich dadurch erhofft, dass mit steigender Kulturvielfalt in den eigenen Reihen auch die Kompetenz steigt andere Kulturen (oder die eigene) besser verstehen zu können und mit dieser dann zu interagieren. So könnte gemeinschaftlich anhand mehrerer Kulturen eine Lösung für das multikulturelle polizeiliche Gegenüber gefunden werden. Mit diesem Plan sollten die Defizite der Polizei, mit Hinblick auf die interkulturelle Kompetenz, von alleine gelöst werden.17

Wie schon bereits in Teil 2.1 erwähnt ist die interkulturelle Kompetenz anhand von der Kommunikation auszumachen. Diese ist unerlässlich, um interkulturelle Kompetenz aufzubauen und eine andere Kultur zu verstehen oder gar mit ihr in Kontakt zu treten. Deshalb ist es erforderlich nun auf die Kommunikation im heutigen Polizeialltag zu schauen.

[...]


1 Destatis. Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung vom 01.08.2018 „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“

2 Vgl.§ 4 des „Gesetzes zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen“ vom 24. Februar 2012

3 Jürgen Bolten (2007). Interkulturelle Kompetenzen, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. S. 22 (künftig zitiert: Bolten, 2007)

4 Vgl. Jürgen Bolten (2001). Interkulturelle Personalentwicklung im Zeichen der Globalisierung. S. 915 f. künftig zitiert: Bolten (2001)

5 Ebert, Helmut (2018). Praxishandbuch berufliche Schlüsselkompetenzen, Bochum, S.219 /24.1

6 Bolten (2001). S.9-22

7 Ebert, Helmut (2018). Praxishandbuch berufliche Schlüsselkompetenzen. Bochum. S.221 /24.3

8 Vgl. Bolten (2007). S.23-24/1.3

9 Vgl.Knapp und Knapp-Potthoff (1990). Interkulturelle Kommunikation. in: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung. S. 68

10 Ebd.

11 Destatis. Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung vom 01.08.2018; „Bevölkerung nach Migrationshintergrund und Geschlecht“

12 Auf eine Differenzierung des Geschlechts (Polizeibeamtin / Polizeibeamter) wird in dieser Hausarbeit verzichtet.

13 Hannes, Frank (2016). interkulturelle Kompetenz in der Polizeiausbildung. Frankfurt. S.71 (künftig zitiert: Frank, 2016)

14 Edith, Broszinsky-Schwabe (2017). Interkulturelle Kommunikation Missverstände und Verständigung 2. Auflage. Berlin. S.2-4 (künftig: Broszinsky-Schwabe, 2017)

15 Frank (2016). S.61-62

16 Ebd.

17 Frank (2016). S. 68-69

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenzen im heutigen Polizeialltag. Bedeutung im multikulturellen Deutschland
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V999736
ISBN (eBook)
9783346378163
ISBN (Buch)
9783346378170
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polizei, interkulturelle Kompetenzen, Alltag, multikulturell, interkulturell, interkulturelle Kommunikation
Arbeit zitieren
Roderic Zaak (Autor:in), 2019, Interkulturelle Kompetenzen im heutigen Polizeialltag. Bedeutung im multikulturellen Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999736

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