[...] Ludwigs Extravaganz, seine Schönheit und sein mysteriöser Tod sind zu einem Mythos geworden, der bis heute Scharen von Touristen in seine Schlösser zieht. Stephan Barbarino, der Intendant der Musicals „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ hat ihm ein weiteres Denkmal gesetzt. Er hat in Zusammenarbeit mit der Architektin Josephine Barbarino ein Musicaltheater gebaut, das vor den Augen des Zuschauers eine Welt entstehen lässt, wie sie dem ‚Kini’ sicher gefallen hätte. Opulente Bilder – geschaffen von Heinz Hauser –, echte Pferde auf der Bühne und bunte Musik – komponiert von Franz Hummel – entführen das Publikum nicht nur für die drei Stunden der Aufführung auf den ewig schmalen Grat zwischen Herz und Verstand, Traum und Realität, Liebe und Sympathie. Die Geschichte wird im eigens erbauten Musicaltheater Neuschwanstein fortgeführt. Von dem Ufer des Forggensees können die Zuschauer aus den Fenstern des Theaters direkt auf die beiden Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau blicken. Den Zuschauern ist bei ihrem Besuch das vergönnt, was sich König Ludwig II. für seine eigenen Theaterbesuche so sehnlichst gewünscht hat: „Ich will selbst schauen, aber kein Schauobjekt für die Menge sein.“ (Ludwig II. zitiert in Linders / Gutjahr 2000: 12). Was sie sehen ist Phantasie – eine Welt, von der hiesigen ebenso losgelöst wie in ihr verankert, ein Reich der Sehnsucht und des Traumes.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Musical als „Gesamterlebnis“
3 Einblicke in die Mythostheorie
4 Zuschauerbefragung
4.1 Forschungs- und Testfragen
4.1.1 Fragen zum Musical
4.1.1.1 Gefallen des Musicals
4.1.1.2 Zielgruppe
4.1.1.3 Informationsverhalten
4.1.1.4 Musical als Kulturereignis
4.1.1.5 Musical als „Gesamterlebnis“
4.1.2 Fragen zur Mythosthematik
4.1.2.1 Historizität des Musicals
4.1.2.2 Mythosdefinition
4.1.2.3 Identifikations- und Projektionsprozesse
4.2 Methodik
4.3 Auswertung und Qualität der Daten
4.4 Ergebnisse und Interpretation
4.4.1 Bewertung des Musicals
4.4.2 Zielgruppe, Kartenerwerb und Erwartungen
4.4.2.1 Zielgruppe
4.4.2.2 Zuschauerstruktur
4.4.2.3 Informationskanäle
4.4.2.4 Erhalt der Eintrittskarten
4.4.2.5 Erwartungen zum Musical
4.4.3 Musical als „Gesamterlebnis“
4.4.3.1 Rahmenprogramm
4.4.3.2 Musicalhaus als künstlerisches Element
4.4.4 Historizität des Musicals
4.4.5 Vergleich Mythos und Ludwig
4.4.6 Identifikations- und Projektionsprozesse
4.5 Forschungsausblick
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Musical „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ aus der Zuschauerperspektive, um zu analysieren, wie das Werk als Kulturereignis wahrgenommen wird und inwiefern es als „Gesamterlebnis“ sowie als mythologisches Konstrukt fungiert.
- Wahrnehmung des Musicals durch die Zuschauer
- Das Musical als „Gesamterlebnis“ und „Gesamtkunstwerk“
- Analyse des Mythosbegriffs und dessen Übertragung auf König Ludwig II.
- Untersuchung von Identifikations- und Projektionsprozessen beim Publikum
- Explorative Fallstudie mit empirischer Datenerhebung
Auszug aus dem Buch
4.1.2.2 Mythosdefinition
In Kapitel 3 wurde die Hypothese aufgestellt, dass Ludwig II. nicht nur den Stoff für Geschichten lieferte, sondern sein Leben selbst mehr und mehr zu einer – mit typisch mythologischen Elementen verzierten – Geschichte inszenierte. Sein Lebenswandel liefert noch heute Projektionsfläche für Träume und Sehnsüchte verschiedenster Menschen. „Mythos“ – das haben die theoretischen Überlegungen gezeigt – ist in der heutigen Zeit ein sehr individuelles Konstrukt. Für eine allgemein Definition genügt es daher nicht, den Begriff lediglich als Durchschnitt aller Befragten abzubilden, es wird ein Vergleichwert benötigt. Diesen Wert liefert König Ludwig II.
Dafür gilt es, Dimensionen zu finden, die auf beide zutreffen und durch Eigenschaftspaare beschreibbar sind. Literaturrecherchen bei Lévi-Strauss (1991) und Holzapfel (1993) sowie eigene Überlegungen haben ergeben, dass in diesem Fall folgende fünf Dimensionen zutreffen: Sozialer Status, Charakter, Handeln, Schicksal und Zeitlichkeit. In diesen fünf Dimensionen werden je drei Eigenschaftspaare bestimmt, anhand derer die Zuschauer sowohl den Begriff „Mythos“ als auch die Person „Ludwig II.“ beschreiben können. Je eher die Zuschauer Ludwig II. mit einem Mythos assoziieren, desto näher sollten die beiden Kurven in der Auswertung beieinander liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Musicals „Ludwig II.“ als Besonderheit der deutschen Kulturlandschaft und Definition der Forschungsziele bezüglich des „Gesamterlebnisses“ und des Mythosbegriffs.
2 Das Musical als „Gesamterlebnis“: Theoretische Herleitung des Begriffs „Gesamtkunstwerk“ nach Richard Wagner und dessen Erweiterung zum „Gesamterlebnis“ durch die Einbettung des Musicaltheaters in die reale Umgebung der Schlösser.
3 Einblicke in die Mythostheorie: Definition und Interpretation des Mythosbegriffs im historischen Kontext sowie die Übertragung von Mythen auf moderne Identifikationsfiguren wie Ludwig II.
4 Zuschauerbefragung: Detaillierte Darstellung der explorativen Untersuchung, methodisches Vorgehen, Erhebung der Daten und Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Zuschauerwahrnehmung.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse, die bestätigt, dass das Musical erfolgreich als historisch fundiertes Gesamterlebnis wahrgenommen wird, welches Platz für individuelle Projektionen bietet.
Schlüsselwörter
Ludwig II., Musical, Mythos, Gesamterlebnis, Zuschauerbefragung, Gesamtkunstwerk, Identifikation, Projektion, Historizität, Neuschwanstein, Forggensee, Märchenkönig, explorative Fallstudie, Tourismus, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Musical „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ aus der Sicht der Zuschauer, um deren Wahrnehmung und Erwartungen an dieses spezifische Kulturereignis zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Musical als „Gesamterlebnis“, die theoretische Fundierung des Mythosbegriffs und deren Anwendung auf die Person König Ludwig II. sowie die empirische Untersuchung der Zuschauerreaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zuschauer die Geschichte des „Märchenkönigs“ wahrnehmen und inwiefern das Musical erfolgreich einen Mythos transportiert und für Projektionen nutzbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Fallstudie, bei der mittels eines Fragebogens quantitative Daten (Häufigkeitsauswertungen und Mittelwertberechnungen) erhoben und interpretiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsarbeit zu Mythos und Gesamtkunstwerk sowie eine umfassende empirische Zuschauerbefragung, die Themen wie Zielgruppenanalyse, Erwartungshaltungen und Identifikationsprozesse abdeckt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ludwig II., Mythos, Gesamterlebnis, Zuschauerbefragung, Identifikation, Historizität und die touristische Inszenierung am Originalschauplatz.
Warum ist das Musicalhaus als Veranstaltungsort für die Untersuchung relevant?
Das Musicalhaus fungiert als „Erlebnisraum“; seine Nähe zu den Originalschlössern unterstützt die Wahrnehmung des Musicals als ganzheitliches Ereignis, was durch die Befragung belegt wird.
Welche Rolle spielt der ungeklärte Tod von Ludwig II. für die Mythosbildung?
Der Tod des Königs gilt als zentrales Element, das den Stoff für den Mythos liefert und beim Publikum eine tragische, rätselhafte Komponente erzeugt, die im Musical besonders thematisiert wird.
- Quote paper
- Martina Korff (Author), 2002, Ludwig II. Musical - Explorative Fallstudie zum Musical und zum Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9997