Der Einfluss von Peer-Groups auf die Entwicklung von Jugendlichen

Ein systematischer Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
1.4 Begründung für die Wahl des Themas

2. Peer-Groups in der Entwicklung von Jugendlichen
2.1 Definition Peer-Group
2.3 Zu welche Peer-Group fühlen sich Adoleszenten hingezogen?
2.3.1 Auswirkungen durch Eltern und das soziale Umfeld
2.3.2 Kontra Elternhaus Gedankenwelt
2.3.3 Bemerkenswerte Persönlichkeiten
2.3.4 Streben nach Gewinn
2.4 Wirken einzelne Jugendliche auf die Peer-Group ein und durch welche Faktoren werden sie beeinflusst?
2.4.1 Das Elternhaus
2.4.2 Das Internet und Soziale Netzwerke
2.4.3 Soziale Instanzen
2.5 Gruppendynamik
2.6 Hierarchien in Peer-Groups
2.7 Leader in Peer-Groups
2.7.1 Zwei Führertypen die in Kleingruppen gleichzeitig existieren
2.8 Wettbewerb und Austausch zwischen Gruppen
2.9 Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Adoleszenten
2.10 Kritische Reflexion der empirischen Erhebung

3. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Fazit

II Literaturverzeichnis
II.I Literatur
II.II Internetquellen

III Abbildungsverzeichnis
III.II Tabellen

IV Anhang

Seminararbeit

Zeitgeist im Wandel – Peer-Groups in der Entwicklung von Jugendlichen

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

In dieser Arbeit wird die Peer-Group hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Jugendliche untersucht, der einwirkende Zeitgeist wird ebenfalls mit in Betracht gezogen. Die Relevanz dieser Arbeit ist insbesondere deshalb gegeben, da ich bei meinen Recherchen auf keine Literatur mit derselben Fragestellung gestoßen bin.

Die Ausarbeitung wird sich speziell auf die soziale Rahmenbedingung und deren Auswirkung auf Peer-Groups beziehen. Des Weiteren wird darauf eingegangen, welche Protagonisten Einfluss auf Peer-Groups haben. Hierarchien und sogenannte Leader von Peer-Groups werden eine wesentliche Rolle in meiner Arbeit einnehmen.

Im Besonderen soll die Arbeit klären, welche Mechanismen dazu führen, dass Peer-Groups auf die Entwicklung von Jugendlichen einwirken und wie diese vom Zeitgeist beeinflusst werden.

1.2 Ziele der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Ausarbeitung ist die korrekte und fachgerechte Beantwortung der Fragestellung in 1.1, w elche Mechanismen führen dazu, dass Peer-Groups auf die Entwicklung von Jugendlichen einwirken und wie werden diese vom Zeitgeist beeinflusst?

Diese Frage wird in dieser Arbeit durch die Analyse und die Hinterfragung von Sekundärliteratur erörtert. Einen großen Teil meiner Seminararbeit nimmt außerdem die Ausarbeitung eines Fragebogens und dessen Auswertung ein.

1.3 Vorgehensweise

Nach einer umfassenden Recherchen zum Stichwort Peer-Group musste ich erkennen, dass es nur wenig Literatur zu genau dieser Thematik gibt. Nicht viele Bücher beschäftigen sich explizit mit diesem Thema, die meisten behandeln die Peer-Group nur am Rande oder beschreiben sie in kleinen Unterkapiteln. Nachdem ich passende Literatur gefunden hatte, begann ich damit den Umfang des Themas zu umreißen und machte mich an die Erarbeitung meiner Fragebögen. Ich habe zwei Fragebögen angefertigt, die im Anhang aufgeführt sind. Zwei verschiedene Umfragebögen waren erforderlich, um Jugendliche früher und heute vergleichen zu können. Die Befragung wurde mit fremden Personen in der Aalener Innenstadt, sowie in meinem näheren Bekanntenkreis durchgeführt. Nach der Auswertung begann ich mit einer engeren Eingrenzung des Themas und der schriftlichen Ausarbeitung.

1.4 Begründung für die Wahl des Themas

Als ich in einem Artikel auf den Begriff Peer-Groups gestoßen bin, weckte dies mein Interesse, doch konnte ich nie wirklich die Bedeutung von Peer-Groups einschätzen und werten. Der Seminarkurs gibt mir nun die Möglichkeit ein Thema zu untersuchen, dass meinem Interesse entspricht. Es ist ein Thema, dass uns im täglichen Leben begegnet und somit nicht realitätsfremd ist. Nach meiner Meinung ist es eine sehr interessante Thematik der Psychologie und Pädagogik, auch weil ich durch mein Alter der Thematik nicht fern bin. Zu verstehen, wie die Jugend im Kontext zur Peer-Group steht und deren Bedeutung zu untersuchen finde ich sehr spannend.

2. Peer-Groups in der Entwicklung von Jugendlichen

2.1 Definition Peer-Group

Bevor auf die in der Einleitung gestellten Fragen eingegangen werden kann, ist es zwingend erforderlich den Begriff Peer-Group zu objektivieren, daher folgt eine Definition der Begrifflichkeit, sowie ein Überblick über die Herkunft.

Der Begriffsteil peer ist englisch und bedeutet gleichgestellter oder gleichrangiger,1 er leitet sich ursprünglich vom lateinischen Wort par ab, was soviel wie gleich bedeutet.2 Im eigentlichen Sinn bezeichnet der Begriff eine Gruppe gleichaltriger Individuen, doch sind hier insbesondere Gruppen gemeint, „[…] deren Angehörige in den meisten Fällen aus ähnlichen sozialen Schichten stammen.“3

Der Begriff Peer-Group wurde in der US-amerikanischen Soziologie entwickelt, wobei soziologische, sozialpsychologische und psychologische Forschungsergebnisse belegten, dass Jugendliche ein sehr großes Interesse an Gruppen gleichaltriger aufweisen.4 Wenn von Peer-Groups gesprochen wird, ist ausschließlich die Phase der Adoleszenz gemeint.5 6

Irrtümlicherweise wird die Peer-Group oftmals als Clique oder Freundeskreis interpretiert. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sie weder als „[…] Gruppe der Altersgleichen bzw. Gleichaltrigen im Sinne der Alterskohorte7 8 noch als Freundschaftsgruppe zu definieren ist. Hierbei wäre die Alterskohorte zu umfassend und die Freundschaftsgruppe, zu klein um sie als Definitionsmerkmal zu nutzen.

Neben der Familie und Institutionen wie Bildungseinrichtungen, gilt die Peer-Group als weiterer elementarer Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung während der Phase der Adoleszenz. Des Weiteren gilt sie als wichtiges Bindeglied zwischen Familie, Politik, Wirtschaft und kulturellen Bereichen.9 Das Formenspektrum umfasst bei Peer-Groups spontan entstehende, mittelfristig anhaltende, bis hin zu situationsspezifisch gegründeten Gruppen. Außerdem reicht das Spektrum von Cliquen, bis hin zu festen sozialen Gefügen.10 „Je nach Intensität beruhen Peer-Beziehungen auf den bewussten Bemühungen der Mitglieder um ihren Erhalt und sind somit jederzeit ohne rechtliche, materielle oder praktische Konsequenzen auflösbar und kündbar.“11

Als eine Peer-Group bezeichnet man also eine Gruppe gleichaltriger jugendlicher Individuen, die meist aus einer sozial gleichen Schicht stammt und oftmals ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Ebenfalls weisen Mitglieder von Peer-Groups einen oftmals ähnlichen Status auf und haben gemeinsame Wertvorstellungen.12 Auf die durch diese Definition vorgenommene Eingrenzung des Begriffs Peer-Group werde ich mich im Folgenden beziehen, sie bildet die Basis und dient als Ausgangspunkt für die nachfolgenden Ausführungen.

2.2 Entstehung von Peer-Groups

Der erste Schritt in Richtung Eigenständigkeit ist der Eintritt in außerfamilialer Betreuungseinrichtungen. Schon in der Krippe, spätestens im Kindergarten werden Kinder mit Gleichaltrigen konfrontiert, hier werden sie zu Angehörigen eines Netzwerks Gleichaltriger. Bei dieser Zusammenführung von Kindern, die meist ähnliche, wenn nicht sogar gleiche Bedürfnisse und Interessen haben, erfüllt man das Verlangen von Präadoleszenten nach Zugehörigkeit und Beteiligung. Hier treten Kinder zum ersten mal aus dem Schutz ihrer Familie, von denen sie meist sowieso akzeptiert, respektiert und/oder geduldet werden. Ab diesem Zeitpunkt müssen sie sich in der Gesellschaft anderer Gleichaltriger zurechtfinden und sich behaupten. Im laufe der Kindheits- und Jugendphase wird der Stellenwert von Beziehung zu anderen Gleichaltrigen immer mehr zunehmen.13

Die Schule gilt als sehr wichtiges Element in der Sozialisation von Kindern, sie müssen weitestgehend auf sich alleine gestellt mit anderen Gleichaltrigen14 „[…] interagieren, kooperieren und konkurrieren […].“15 Somit ist sie ein wichtiger Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes, außerdem erlangt sie als Bildungseinrichtung einen immer höher werdenden Stellenwert. In der westlichen Gesellschaft wird die Jugendphase durch moderne Ausbildungssysteme der Industriegesellschaft und immer besser werdende und längere schulische Bildung fast künstlich hinausgezögert. Der Emanzipationsprozess von Jugendlichen setzt somit weitaus später ein, da der Eintritt in das Arbeitsleben einen weiteren grundlegenden Baustein in der Abkapselung vom Elternhaus bildet. Durch diese Verlängerung und die enorme Bandbreite unserer heutigen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf das kulturelle Angebot und die heutige Möglichkeit durch16 „[…] das Recht der freien Entfaltung [der] Persönlichkeit“17 gibt es nicht nur eine Trennung nach sozialen Kriterien, sondern auch andere Normen, wie kulturelle, ethnische sowie altersbedingte Merkmale die somit ausschlaggebend für Gruppenbildungen sind. Da Jugendgruppen die immer schneller werdenden gesellschaftlichen Veränderungen direkter, schneller und unmittelbarer reflektieren, sind Spannungen und Differenzen mit der Elterngeneration wahrscheinlicher. Jugendliche zeigen die auf sie einwirkenden Veränderungen unreflektierter, daher erkennt man den auf sie einwirkenden Zeitgeist ungefiltert und deutlich. Die Sehnsucht nach einer gewissen Emanzipation vom Elternhaus und einer eigenen Identität, sowie dem Anliegen etwas ohne das direkte Einverständnis der Eltern zu tun, haben alle Individuen in der Phase der Adoleszenz gemein.18

Hierbei bildet eine Gruppe gleichaltriger Individuen, mit analogem sozialem Gefüge und annähernd gleichen Wertvorstellungen eine gute Basis und einen wichtigen Orientierungspunkt für einen Adoleszenten. Ein solcher Jugendlicher kann hier bei der Bewältigung von Problemen oder anderen emotionalen Bedürfnissen, die im Zuge der Emanzipation vom Elternhaus nicht in der Familie thematisiert werden können, auf offene Ohren und gleichgesinnte Geister stoßen. Dies ist oft der Anlass für die Entstehung einer solchen Gruppierung Jugendlicher. Ein weiterer Faktor für die Entstehung von Peer-Groups ist die19 „[…] gesellschaftliche Differenzierung in Bezug auf die Auslegung von Werten und Normen.“20 Ausschlaggebend für die bewusste oder unbewusste Annäherung an eine bestehende Gruppe21 sind ebenfalls individuelle Gründe und Präferenzen.

Peer-Groups entstehen also durch den Wunsch von Jugendlichen einer Gruppe außerhalb des Elternhauses beizuwohnen, in der sie nicht nur akzeptiert werden, sondern auch auf Gleichgesinnte mit ähnlichen Problemen und Wertevorstellungen stoßen. Hierbei gibt es verschiedene Faktoren die dazu führen, dass man sich zu einer bestimmten Peer-Group hingezogen fühlt.

2.3 Zu welche Peer-Group fühlen sich Adoleszenten hingezogen?

Wie bereits erwähnt, existiert eine großes Spektrum an Faktoren, die einen Adoleszenten in der Wahl seiner Peer-Group beeinflussen. Die Wahl des Umgangs außerhalb des Elternhauses ist daher ein sehr komplexer und fassettenreicher Vorgang, deshalb sollen in dieser Arbeit nur die wichtigsten Bereiche erörtert werden.

2.3.1 Auswirkungen durch Eltern und das soziale Umfeld

Einen der wichtigsten Punkte in der Wahl der Peer-Group bilden die Eltern des Jugendlichen. Soziale Unterschiede wie Einkommen, Bildung oder sozialer Status führen zur Entstehung von sozialen Milieus. Nach wie vor hat der Faktor Einkommen einen hohen Stellenwert. Durch ihn zum Beispiel wird die Lage des Wohnortes bestimmt. Während Menschen mit niedrigem Einkommen sich fast zwangsläufig in der Nähe von Sozialen Brennpunkten mit geringerer Miete ansiedeln, trifft man Menschen mit hohem Einkommen in eher anderen Stadtteilen an, da bei ihnen die Miete eine bedeutend geringere Rolle spielt oder Wohneigentum vorherrscht. Diese Räumliche Trennung führt somit zu Unterschieden im Bezug auf die gesellschaftliche Struktur, und diese sozialen Milieus zeichnen sich durch Gemeinsamkeiten in Denken und Handeln aus. Adoleszenten die in solchen sozialen Milieus aufwachsen, werden durch ihre sozialen Hintergründe ausschlaggebend geprägt. Ihre Wertehaltung, sowie die Ansicht über ein erfülltes Leben ähneln sich daher auch maßgeblich. Diese sozialen Unterscheide bilden vermutlich den Hauptgrund dafür, dass sich Jugendliche nicht zu einer große Peer-Group zusammenballen, sondern sich zu kleineren Peer-Groups zusammenschließen. Jugendliche fühlen sich zu gleichaltrigen mit ähnlichen sozialen Gegebenheiten und vergleichbaren Problemen hingezogen.22

Prof. Dr. Dieter Baacke widmete sich mehrere Jahre der Jugend- und Medienforschung an der Universität Bielefeld. Anhand seiner Arbeit lässt sich belegen, dass sich meist Jugendliche zu Peer-Groups zusammenschließen, die ähnliche Probleme und soziale Hintergründe haben. Er geht davon aus, dass die meist männlichen Jugendlichen die Gewalt, die sie zuhause ausüben und/oder erfahren als ein Ausdruck von Männlichkeit interpretieren. Durch aggressives und rigoroses Verhalten gegen andere, erfahren sie oftmals Anerkennung und Respekt in ihrer Peer-Group, was sie in ihrem Verhalten bekräftigt.23

2.3.2 Kontra Elternhaus Gedankenwelt

Es kann in der Phase der Emanzipierung vom Elternhaus auch eine kontra Elternhaus Gedankenwelt entstehen. Das bedeutet, diese Adoleszenten finden beispielsweise die Musik (oder andere, oftmals stark ausgelebte kulturelle Ausdrucksformen) der Eltern schlecht und wählen deshalb eine absolut andere Musikrichtung, in der sie sich weitestgehend großen Abstand vom Elternhaus erhoffen. Außerdem wollen Jugendliche in dieser Phase gewisse Grenzen der Eltern suchen und diese auch austesten. Oftmals ist der Grund zur Annäherung an eine polarisierende Gruppe das überschreiten von Grenzen der Eltern und somit Provozieren oder auch die Sehnsucht neue Erfahrungen zu machen.

2.3.3 Bemerkenswerte Persönlichkeiten

Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen von der Redaktion entfernt.

Abbildung 1: Peer Group Leader aus: Cyber Technologies (2014): PEER GROUP LEARNING, http://www.raiseglobal.co.in/peergroup.html, (Abgerufen am: 18.05.2015)

Bemerkenswerte, ausgeprägte, vielleicht auch polarisierende Persönlichkeiten ziehen oft andere Menschen an. Solchermaßen angezogene Menschen kommen somit zwangsläufig in den Kontakt mit der Peer-Group dieser Persönlichkeit, sie nähern sich ihr unter der Gegebenheit von Faszination oder Sympathie zur dieser ausgeprägten Persönlichkeit in den meisten Fällen an.24

Wiederum schließen sich Jugendliche einer Gruppe bedeutend schneller und entschlossener an, wenn sie sich dadurch einen gewissen Vorteil erhoffen. John W. Thibaut und Harold H. Kelley haben sich diesem Phänomen langjährig gewidmet und die Ergebnisse in The Psychology of Groups veröffentlicht.25

2.3.4 Streben nach Gewinn

John W. Thibaut und Harold H. Kelley stellten in The Psychology of Groups mit der Solzialen Austauschtheorie – Das Streben nach Gewinn die Theorie auf, dass Adoleszenten unterbewusst immer den Gewinn durch die Gruppe abschätzen und sich somit für oder gegen sie entscheiden. „Die sonst differenzierten Bedürfnisse eines Individuums, zum Beispiel Bedürfnisse nach sozialem Vergleich, nach sozialer Bekräftigung, nach Nähe, Kooperation und Hilfe werden mit einem einzigen psychologischen Maßstab: der Höhe der Gewinne (Belohnung minus Kosten) gefaßt.“26 Ein Adoleszent vergleicht also die alternativen Gruppen die ihm zur Verfügung stehen auch hinsichtlich vergangener Erfahrungen und wählt die Gruppe, durch die er sich den größten Nutzen verspricht.27

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Motivation zum Anschluss an eine bestimmte Peer-Group nicht nur davon geprägt ist das Elternhaus abzulehnen, wie es oftmals fälschlich dargelegt wird. Der Erwerb von Anerkennung, Selbstbewusstsein und dem Wunsch eine gewisse Rolle in einem sozialen Gefüge zu spielen, ist ebenso ausschlaggebend für den Anschluss an eine Peer-Group.

2.4 Wirken einzelne Jugendliche auf die Peer-Group ein und durch welche Faktoren werden sie beeinflusst?

Einzelne Jugendliche wirken auf die Peer-Group mit einem gewissen Grad an Einfluss. Gerade ausgeprägtere Persönlichkeiten mit polarisierenden Tendenzen nehmen wie in Punkt 2.3.3 beschrieben, einen erhöhten Einfluss auf andere Personen und somit auch auf die ganze Gruppe. Dieser Einfluss wird wiederum vom gewissen anderen Faktoren mit begünstigt.

2.4.1 Das Elternhaus

Helmut Fend, ein Professor der Pädagogik, widmete sich dem derzeitigem Forschungsstand im Bezug auf die Einflusskonstellationen zwischen Peer-Group und Elternhaus. Neuere empirische Studien zeigten, dass gerade dieses Verhältnis nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Er stellte vier theoretische Modelle auf, die sich ergänzen um unterschiedliche Verhaltensweisen Einzelner zu erklären.28

> Synergiemodell

Das erste Modell ist das sogenannte Synergiemodell, es besagt das eine positive Beziehung zu den Eltern zwangsläufig zu einer positiven Beziehung zu Gleichaltrigengruppen führt und sich gegenseitig verstärkt. „In der Familie erlernte Kompetenzen und Werte, wie Höflichkeit, Verantwortung und Kompromissbereitschaft würden demnach auch in den Beziehungen zu Gleichaltrigen angewandt.“29

> Additionsmodell

Im Gegensatz dazu steht das Additionsmodell. In ihm wird beschrieben, das eine gute Beziehung zum Elternhaus keine extremen Auswirkungen auf die Eingliederung in die Peer-Group hat. Das Familien- und das Peerverhältnis wird hier fast als unabhängig gesehen, mit möglichen Transfereffekten die jedoch meist negativ sind.30

> Kompensationsmodell

Kompensationsmodell wird das dritte theoretische Modell genannt, es führt an, dass ein negatives Verhältnis zum Elternhaus eine positive Wirkung auf die Integration des Adoleszenten in die Peer-Group hat. Man geht in dieser Theorie davon aus, dass eine positive Auswirkung der Peer-Group das negative Verhältnis im Elternhaus kompensiert. Ebenso wird davon ausgegangen das ein stabiles Verhältnis zuhause eine mangelnde Integration kompensiert.31

> Modell der kumulativen Belastung

Das Modell der kumulativen Belastung ist die vierte und letzte Theorie. Sie beschreibt eine negative Beziehung zwischen dem Adoleszenten und dem Elternhaus aufgrund einer mangelnden Integration in die Peer-Group die wiederum durch eine negative Beziehung zwischen Adoleszent und Eltern hervorgerufen wird.32

Anhand dieser vier Modelle ist deutlich erkennbar, wie wichtig soziale Kompetenzen schon in einer so frühen Phase des Lebens sind. Wenn man das Synergiemodell sowie das Additionsmodell genauer betrachtet fällt hierbei auf, dass das soziale Umfeld in dem der Adoleszent aufwächst, auch Auswirkungen auf die Peer-Group hat. Das durch das Elternhaus geprägte Verhalten, wirkt sich somit indirekt auf die Gruppe aus. Das Kompensationsmodell besagt, wie oben beschrieben, dass Jugendlichen negative Erfahrungen von Seiten des Elternhauses durch die Gruppe kompensieren, dies wiederum, wirkt sich indirekt auch auf die Gruppe aus. Eine Spannungsphase zwischen Adoleszent und Elternhaus bewirkt also eine Reaktion der Gruppe.33 Ein Beispiel für eine Reaktion der Gruppe, die durch einen Einzelnen von dessen Elternhaus hervorgebracht wurde, wäre wenn es ein Vertrauensproblem im Elternhaus eines Einzelnen gibt, die Gruppe auf vergleichbare Instanzen ebenfalls mit Misstrauen reagiert. Die Erfahrung des Einzelnen überträgt sich in der Peer-Group auf andere Mitglieder, hier werden Erfahrungen meist weniger reflektiert und können sogar kumuliert werden.

[...]


1 Vgl.: Duden, o.V. (2013): Peer, http://www.duden.de/rechtschreibung/Peer_Adelstitel_House_of_Lords, (Abgerufen am: 23.03.2015).

2 Vgl.: Berger, Thomas (2009): Die „peer-group“ als Instrument der Sozialisation – Eine Betrachtung des Sozialisationsprozesses und der Identitätsentwicklung von Adoleszenten, 1. Auflage, Norderstedt 2009, S. 2.

3 Ebd.: S. 2.

4 Vgl.: Hanke / Konrad / Schwarz / König / Langer / Pflugfelder / Prillwitz (2004): Peer-groupe, http://www.sign- lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/framede.htm, (Abgerufen am: 23.03.2015).

5 Anm.: Die Phase der Adoleszenz (lateinisch: adolescere = heranwachsend) beschreibt den Zeitraum in der Entwicklung des Menschen, der von der späten Kindheit, über die Pubertät hin zum vollen Erwachsen sein reicht. Entnommen aus: Schrader, Sabine (2004): Großes Wörterbuch – Psychologie Grundwissen von A-Z, 3. Auflage, München 2004. S.8.

6 Vgl.: Arnold, W. / Eysenck, H. J. / Meili, R. (1980): Adoleszenz, Lexikon der Psychologie 1. Band. Freiburg 1982, S. 23.

7 Anm.: In der Soziologie werden Gruppen von Personen, die ein längerfristig prägendes Ereignis erleben (erlebt haben) als Kohorte bezeichnet. Hierbei gibt es bestimmte Abgrenzungskriterien die eine Alterskohorte definieren. Entnommen aus: Schrader, Sabine (2004): Großes Wörterbuch – Psychologie Grundwissen von A-Z, 3. Auflage, München 2004. S. 176.

8 Vgl.: Berger, Thomas (2009): S. 3.

9 Vgl.: Letzel, Franziska (2009): Familie vs. Peer-Group. Konkurrenz zweier Sozialisationsinstanzen, S. 7.

10 Vgl. Ebd.: S. 8.

11 Ebd.: S. 8.

12 Vgl.: Berger, Thomas (2009): S. 3.

13 Vgl.: Letzel, Franziska (2009): S. 7f.

14 Vgl. Ebd.: S. 8f.

15 Ebd.: S. 7.

16 Vgl.: Berger, Thomas (2009): S. 4.

17 Deutscher Bundestag (1949): www.bundestag.de/aufgaben/rechtsgebung/grundgesetz/gg_01.245122 (Abgerufen am: 25.03.2015).

18 Vgl.: Berger, Thomas (2009): S. 4f.

19 Vgl. Ebd.: S. 5.

20 Ebd.: S. 5f.

21 Anm.: Hier und im Folgenden werden Jugendgruppen und Gruppen auch als Peer-Group bezeichnet.

22 Vgl.: Berger, Thomas (2009): S. 7f.

23 Vgl.: Baacke, Dieter (2000): Die 13 - 18 Jährigen, 1. Auflage, München/Berlin, 2000, S. 28.

24 Vgl.: Schäfers, Bernhard (1980): Einführung in die Gruppensoziologie, 1. Auflage, Heidelberg 1980. S. 165f.

25 Vgl. Ebd.: S. 149.

26 Ebd.: S. 149.

27 Vgl. Ebd.: S. 150f.

28 Vgl.: Letzel, Franziska (2009): S. 13.

29 Ebd.: S. 13.

30 Vgl. Ebd.: S. 13.

31 Vgl. Ebd.: S. 13.

32 Vgl. Ebd.: S. 13.

33 Vgl. Ebd.: S. 14.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Peer-Groups auf die Entwicklung von Jugendlichen
Untertitel
Ein systematischer Überblick
Veranstaltung
Seminarkurs
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
31
Katalognummer
V999919
ISBN (eBook)
9783346383235
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peer-Groups in der Entwicklung von Jugendlichen, Zeitgeist im Wandel, Pädagogik, Psychologie, Zeitgeist, Adoleszenz, Jugend, Entwicklung, Peergroups, Peers, Verhalten, Umfrage, soziale Milieus, Milieus, Sozial, Reife, Bezugsgruppe, Elternhaus
Arbeit zitieren
Sebastian Görz (Autor), 2015, Der Einfluss von Peer-Groups auf die Entwicklung von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999919

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