Die Ursache spekulativer Attacken ist ein in der jüngeren ökonomischen Literatur umfangreich diskutiertes Phänomen. Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Modellansätze zur Erklärung spekulativer Attacken verfolgt und verschiedene Möglichkeiten zu deren Vermeidung präsentiert. Einen wichtigen Vorstoß stellt in diesem Zusammenhang die Tobin-Steuer dar, bei der Finanztransaktionen mit dem Ausland mit einer geringen Steuer belegt werden. Indem im Rahmen dieser Arbeit traditionelle Modellansätze hinsichtlich der Tobin-Steuer modifiziert und analysiert werden, wird gezeigt, dass die Tobin-Steuer zwar ein geeignetes Instrument darstellt, Einnahmen zu erwirtschaften, die zum Beispiel zur Entwicklungshilfe verwendet werden können, jedoch zur Vermeidung spekulativer Attacken nur sehr bedingt geeignet ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Stabilisierende und destabilisierende Spekulation
2.1 Spekulation bei flexiblen Wechselkursen
2.2 Spekulation bei fixen Wechselkursen
2.3 Spekulation in einem einfachen spieltheoretischen Modell
3. Ökonomisches Modell einer spekulativen Attacke
3.1 Aufbau und Analyse des Grundmodells
3.2 Grundzüge der Tobin-Steuer
3.3 Analyse des Grundmodells unter Berücksichtigung der Tobin-Steuer
4. Kritische Beurteilung der Tobin-Steuer
4.1 Trennung von destabilisierenden und stabilisierenden Transaktionen
4.2 Optimale Höhe und Geltungsbereich der Tobin-Steuer
4.3 Verwaltung und Verwendung der Einnahmen der Tobin-Steuer
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, ob die Einführung einer Tobin-Steuer geeignet ist, spekulative Attacken gegen ein Festkurssystem zu verhindern oder zumindest abzumildern. Hierbei wird analysiert, wie sich die Steuer auf die Entscheidungssituation von Marktteilnehmern im Vorfeld einer Währungskrise auswirkt.
- Grundlagen der Währungsspekulation bei flexiblen und fixen Wechselkursen
- Spieltheoretische Modellierung von Spekulanten und deren Informationsstand
- Modellanalyse spekulativer Attacken nach Flood und Garber
- Wirkungsweise der Tobin-Steuer auf Finanztransaktionen und Zinsniveaus
- Kritische Beurteilung der Durchführbarkeit und Effektivität der Tobin-Steuer
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundzüge der Tobin-Steuer
Zunächst sollen zum besseren Verständnis die unmittelbaren Effekte der Tobin-Steuer bei Finanztransaktionen mit dem Ausland analysiert werden. Es wird angenommen, dass die Tobin-Steuer bei einer Auslandsanlage, die nach der Anlagedauer wieder vollständig zurückgetauscht wird – Tobin (1978) bezeichnet dies als „Round-Trip“ – zweimal fällig wird: Einmal beim Hin- und einmal beim Rücktausch.
Hierbei bezeichnet B den Betrag (B1 = nach der Anlagedauer), TT die Tobin-Steuer und d die Anlagedauer in Jahren. Aus dieser Gleichung wird ersichtlich, dass die Tobin-Steuer vor allem Anlagen von kürzerer Dauer trifft: Der Betrag, der als Tobin-Steuer zu entrichten ist, ist unabhängig von der Anlagedauer, während der Zinsertrag im Ausland natürlich von der Anlagedauer abhängt.
Es lässt sich relativ leicht berechnen, wie hoch die Zinsen im Ausland sein müssen, damit sich eine Anlage „trotz“ der Tobin-Steuer lohnt. Der Ertrag im Inland ist nur abhängig vom Inlandszins und der Anlagedauer, also B+Bid. Für B=1 gilt: 1+id. Wenn man nun den Inlandsertrag und den Auslandsertrag gleichsetzt und nach ia auflöst, erhält man den Zinssatz, der im Ausland herrschen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einführung in die Thematik der Währungskrisen und die steigende Relevanz der Tobin-Steuer als Instrument zur Begrenzung spekulativer Aktivitäten.
2. Stabilisierende und destabilisierende Spekulation: theoretische Abgrenzung zwischen Spekulation, die den Markt glättet, und solcher, die Wechselkursschwankungen verstärkt, inklusive einer spieltheoretischen Betrachtung.
3. Ökonomisches Modell einer spekulativen Attacke: Anwendung des Modells von Flood und Garber, um den Mechanismus einer Attacke und den Einfluss der Tobin-Steuer mathematisch zu analysieren.
4. Kritische Beurteilung der Tobin-Steuer: Diskussion praktischer Herausforderungen, wie der Abgrenzung von Transaktionen, der Festlegung der Steuerhöhe und der Verwendung der Einnahmen.
5. Fazit: Zusammenfassendes Ergebnis, dass die Tobin-Steuer spekulative Attacken in der Regel nicht verhindern, sondern lediglich zeitlich verzögern kann.
Schlüsselwörter
Tobin-Steuer, Währungsspekulation, spekulative Attacke, fixe Wechselkurse, Devisenreserven, Flood-Garber-Modell, Finanztransaktionen, Devisenmarkt, Kapitalmobilität, Wechselkursstabilität, Schattenwechselkurs, Geldpolitik, Währungskrise, Finanzderivate, Zinsparität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Zusammenhänge zwischen spekulativen Attacken auf Währungen mit fixen Wechselkursen und den möglichen Auswirkungen einer Tobin-Steuer als regulierendes Instrument.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Mechanismen der Devisenspekulation, die mathematische Modellierung von Währungskrisen sowie die ökonomische und politische Durchführbarkeit der Tobin-Steuer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine Tobin-Steuer spekulative Angriffe auf ein Festkurssystem effektiv verhindern oder abmildern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine analytische Modellierung, insbesondere basierend auf dem monetären Ansatz von Flood und Garber, sowie spieltheoretische Ansätze, um die Auswirkungen der Steuer auf das Verhalten der Marktteilnehmer herzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen der Spekulation definiert, anschließend das Flood-Garber-Modell ohne und mit Berücksichtigung der Tobin-Steuer formal analysiert und schließlich die praktische Umsetzung kritisch bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Tobin-Steuer, spekulative Attacke, fixe Wechselkurse, Währungskrisen, Devisenreserven und Kapitalmobilität.
Was versteht man unter "selbsterfüllenden Erwartungen" in diesem Kontext?
Es bezeichnet ein Phänomen, bei dem eine spekulative Attacke allein dadurch ausgelöst wird, dass die Marktteilnehmer fest an eine Abwertung der Währung glauben und entsprechend handeln, auch wenn die fundamentalen Wirtschaftsdaten eine Attacke noch nicht zwingend erzwingen würden.
Warum ist die Tobin-Steuer laut Fazit der Autorin nur begrenzt wirksam?
Die Autorin argumentiert, dass die Steuer bei den typischerweise sehr hohen Abwertungserwartungen im Falle einer spekulativen Attacke im Vergleich zu den möglichen Spekulationsgewinnen zu gering ist, um die Spekulanten von ihrem Vorhaben abzuhalten.
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- Nadine Hamacher (Author), 2002, Spekulative Attacken bei fixen Wechselkursen und die Tobin-Steuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9999