„Das Wort "Globalisierung" begegnet uns nun beinahe täglich als Argument, als Argument allerdings für alles mögliche: Für radikale Bildungsreformen, für Englisch lernen schon im Kindergarten, aber auch für den Abbau von Arbeitsplätzen, für die Lockerung von ethischen Standards, zum Beispiel in der Gentechnik, für die Verlagerung von Firmensitzen, für den Zusammenschluss von Unternehmen - und schließlich als Grund dafür, dass es das ganze Jahr über Erdbeeren gibt. […] Aus der Geschichte wissen wir: Nichts, keine technische Erfindung, keine politische Entwicklung, keine gesellschaftliche Veränderung führt automatisch und für alle ausschließlich zum Schlechteren oder zum Besseren. Auch bei der Globalisierung kommt es darauf an, was wir aus den neuen Möglichkeiten machen.“
Und genau das ist es: „was wir aus den neuen Möglichkeiten machen“. Was der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2002 im Berliner Museum für Kommunikation sagte, ist in besonderem Maße für die Softwareentwicklung zutreffend. In der Welt der Softwareproduktion sieht man sich schon seit langem einem immer stärkeren globalen Wettbewerb „ausgeliefert“. Dies drückt sich in steigenden Anforderungen der Kunden aus, die sich nicht mehr mit verspäteter Lieferung oder unzureichender Qualität abfinden wollen. Unternehmen sind quasi „gezwungen“ den time-to-market so kurz wie möglich zu halten. Damit geht auch einher, dass Software sofort nach der Installation einwandfrei funktionieren muss. Der Bedarf einer nachträglichen Anpassung der Software an veränderte Gegebenheiten, was ebenfalls schnell und einfach möglich sein soll, ist auch sprunghaft gestiegen. Die Weiterentwicklung der Produkte selbst über Jahre hinweg muss effizient möglich sein.
Softwareunternehmen müssen sich anpassen: sie müssen auf kurz- und/oder langfristige Nachfrageschwankungen reagieren können und gleichzeitig die Qualität der Produkte auf hohem Niveau halten bzw. noch verbessern. Sie müssen auf scheinbar gegensätzliche Phänomene, wie steigende Entwicklungsaufwendungen und zunehmenden Preisdruck, geeignet antworten können.
Inhaltsverzeichnis
- 1.0 Einleitung
- 2.0 Kommunikationstheorie
- 2.1 Kommunikationsmodelle
- 2.2 Überblick über Kommunikationsmedien
- 2.3 Modelle der Medienwahl
- 2.4 Vor- und Nachteile elektronischer Kommunikation
- 3.0 Personelle Flexibilisierungskonzepte in der Softwareentwicklung
- 3.1 Externe Mitarbeiter
- 3.1.1 Zeitarbeit
- 3.1.2 Consulting
- 3.1.3 Freie Mitarbeiter
- 3.1.4 Vor- und Nachteile Externer Mitarbeiter
- 3.1.5 Probleme bei der Zusammenarbeit Externer und Interner
- 3.1.6 Zusammenfassung
- 3.2 Outsourcing
- 3.2.1 Begrifflichkeiten
- 3.2.2 Traditionelles und Software-Outsourcing
- 3.2.3 Pro & Kontra Outsourcing
- 3.2.4 Auswahl der Aufgabe
- 3.2.5 Auswahl des Outsourcing-Partners
- 3.2.6 Outsouring nur mit Unterstützung der Mitarbeiter
- 3.2.7 Aufbau- und Ablauforganisation des Outsourcing
- 3.2.8 Wissensmanagement in Outsoucingprojekten
- 3.3 Mitarbeiterpools
- 3.3.1 Poolarten
- 3.3.2 Pool als interner freier Markt
- 3.3.3 Möglichkeit zur Organisation eines Pools
- 3.3.4 soziale und psychologische Wirkungen
- 3.1 Externe Mitarbeiter
- 4.0 Notwendigkeit für verteilte und atmende Softwareentwicklung
- 4.1 Herausforderungen der Softwareentwicklung
- 4.2 Der Softwarelebenszyklus
- 4.3 Synthese der Flexibilisierungsempfehlungen
- 4.4 Open Source als Triebkraft
- 5.0 Verteilte und atmende Zusammenarbeit
- 5.1 Verteilt, atmend – virtuell?
- 5.2 SunTeams86 als Vorbild
- 5.3 Eigenschaften
- 5.4 Erfolgsfaktoren
- 5.5 Problemfelder
- 5.6 Vertrauensaufbau und -erhalt
- 5.7 Führung
- 5.8 Phasen virtueller Teams
- 5.9 Bedeutung von Rollen
- 5.10 Das ideale Teammitglied
- 5.11 Orte für virtuelle Teams
- 5.12 Ausgewählte Softwareentwicklungsmodelle
- 5.13 Training für virtuelle und atmende Teams
- 5.14 Zusammenfassung
- 6.0 Fazit & Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der für die Entwicklung komplexer IT-Systeme notwendigen Kommunikation. Sie analysiert die Herausforderungen der Softwareentwicklung und die Anforderungen an flexible und effiziente Arbeitsstrukturen in diesem Kontext.
- Kommunikationsmodelle und -medien in der Softwareentwicklung
- Personelle Flexibilisierungskonzepte wie Zeitarbeit, Consulting, Freie Mitarbeiter und Outsourcing
- Die Bedeutung von Mitarbeiterpools und ihre Auswirkungen auf die Organisation von Softwareentwicklungsteams
- Die Notwendigkeit für verteilte und atmende Softwareentwicklung
- Die Eigenschaften, Erfolgsfaktoren und Problemfelder von virtuellen Teams
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema der Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung ein und legt den Fokus auf die Relevanz effektiver Kommunikation für die Entwicklung komplexer IT-Systeme.
Kapitel 2 beschäftigt sich mit verschiedenen Kommunikationsmodellen und -medien sowie deren Vor- und Nachteilen im Kontext der Softwareentwicklung. Dabei werden auch Modelle der Medienwahl und die spezifischen Herausforderungen der elektronischen Kommunikation beleuchtet.
Kapitel 3 untersucht verschiedene personelle Flexibilisierungskonzepte, darunter Zeitarbeit, Consulting, Freie Mitarbeiter und Outsourcing. Die Vor- und Nachteile dieser Ansätze werden analysiert, sowie die Herausforderungen, die sich aus der Zusammenarbeit von externen und internen Mitarbeitern ergeben.
Kapitel 4 beleuchtet die Notwendigkeit für verteilte und atmende Softwareentwicklung und betrachtet die Herausforderungen, die sich aus dem Softwarelebenszyklus ergeben.
Kapitel 5 befasst sich mit den Eigenschaften, Erfolgsfaktoren und Problemfeldern von virtuellen Teams. Es werden verschiedene Aspekte wie Vertrauensaufbau, Führung, Phasen virtueller Teams, Bedeutung von Rollen und das ideale Teammitglied betrachtet.
Schlüsselwörter
Softwareentwicklung, verteilte Teams, atmende Teams, Kommunikation, Flexibilisierung, Outsourcing, Mitarbeiterpools, virtuelle Teams, Vertrauensaufbau, Führung, Erfolgsfaktoren, Problemfelder
Häufig gestellte Fragen
Was sind „atmende Teams“ in der Softwareentwicklung?
Atmende Teams sind personell flexible Einheiten, die durch den Einsatz von Externen, Consulting oder Mitarbeiterpools schnell auf Nachfrageschwankungen und Projektanforderungen reagieren können.
Warum ist Kommunikation für verteilte Teams so kritisch?
Bei räumlich getrennten Teams fehlen informelle Kontakte; daher müssen klare Kommunikationsmodelle und digitale Medien genutzt werden, um Missverständnisse bei komplexen IT-Systemen zu vermeiden.
Welche Vorteile bietet Software-Outsourcing?
Vorteile sind Kostensenkung, Zugriff auf spezialisiertes Expertenwissen und eine schnellere Time-to-Market durch globale Zusammenarbeit.
Wie baut man Vertrauen in virtuellen Teams auf?
Vertrauen entsteht durch Transparenz, klare Rollenverteilung, regelmäßigen Austausch und eine Führung, die auf Ergebnissen statt auf Präsenz basiert.
Was ist die Rolle von Open Source in der modernen Softwareentwicklung?
Open Source dient als Triebkraft für verteilte Zusammenarbeit und bietet Modelle für effiziente, gemeinschaftliche Entwicklungsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg.
- Quote paper
- Johannes Feierabend (Author), 2005, Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung. Die für die Entwicklung komplexer IT-Systeme notwendige Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48951