Wie entsteht echte Verbindung im Kita-Alltag – selbst dann, wenn Zeitdruck und Personalmangel den Takt vorgeben? In unserem Interview spricht die Autorin und Dozentin Manuela Christiansen über ihr Buch „Eine Verbindung, die trägt. Resonanz, Empathie und Mitgefühl in Krippe und Kindergarten“. Sie erklärt, warum Resonanz, Empathie und Mitgefühl aus ihrer Sicht das Fundament für gelingende Beziehungen, frühe Bildung und soziale Entwicklung bilden und wie sie damit auch einen Beitrag zu einem respektvollen Miteinander und demokratischen Werten leisten möchte.
Dabei geht es auch ganz konkret um umsetzbare Mikro-Praktiken: von der persönlichen Begrüßung über bewusstes Zuhören bis hin zur Frage, wie Pädagog:innen empathisch bleiben, ohne auszubrennen. Außerdem ordnet unsere Autorin die Rolle digitaler Medien ein und zeigt, wie Kinder vor „Resonanzverlust“ geschützt werden können, ohne Medien pauschal zu verbannen.
GRIN: Was ist die zentrale Botschaft Ihres Buches?
Die Kernbotschaft meines Buches ist, dass echte Verbindung – geprägt durch Resonanz, Empathie und Mitgefühl – das Fundament für gelingende Beziehungen und eine gesunde Entwicklung in der frühen Kindheit bildet.
GRIN: Was hat Sie persönlich dazu bewegt, ein Buch über Resonanz, Empathie und Mitgefühl in Krippe und Kindergarten zu schreiben?
Durch meine langjährige Tätigkeit als Dozentin sowie meine Arbeit mit Kindern und pädagogischen Teams habe ich erfahren, wie wesentlich Resonanz, Empathie und Mitgefühl für eine gelingende Gemeinschaft und erfolgreiche Sozialisation sind. Diese Werte bilden das Fundament für ein respektvolles Miteinander und eine lebendige Demokratie.
Gerade heute sind Resonanz, Empathie und Mitgefühl unverzichtbare Voraussetzungen, um globale und zwischenmenschliche Herausforderungen zu meistern. Mein Buch soll Wissen verständlich vermitteln und damit demokratische Werte, frühe Bildung sowie soziale Entwicklung unterstützen.
Gerade heute sind Resonanz, Empathie und Mitgefühl unverzichtbare Voraussetzungen, um globale und zwischenmenschliche Herausforderungen zu meistern.
Manuela Christiansen
GRIN: Welche Leser:innen möchten Sie mit Ihrem Buch am meisten ansprechen?
Mein Buch richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten sowie an Eltern, Auszubildende und alle weiteren Personen, die sich für die emotionale Entwicklung von Kindern sowie die Themen Resonanz, Empathie und Mitgefühl interessieren.
GRIN: Was war die größte Herausforderung bei der Recherche beziehungsweise beim Schreiben?
Die größte Herausforderung war, wissenschaftliche Erkenntnisse so zu verfassen, dass sie für den Alltag in der Kita umsetzbar sind.
GRIN: Der Begriff „Resonanz“ zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Buch. Wie würden Sie Resonanz beschreiben-insbesondere im pädagogischen Alltag?
Resonanz begegnet uns im täglichen Zusammenleben: Durch Blicke, ein Lächeln oder authentisches Zuhören entsteht sie ganz selbstverständlich. Sie ermöglicht eine Umgebung, in der sich Kinder wahrgenommen und verstanden fühlen – das stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Freude am Lernen. Zwischenmenschliche Beziehungen bauen immer auf Resonanz auf. Jeder Mensch benötigt Resonanz, da wir als soziale Wesen danach streben, gesehen zu werden und Verbindung aufzubauen. Wie Martin Buber es schon beschreibt, entwickeln Kinder sich durch das Du zum Ich.
GRIN: Welche Rolle spielt Resonanz als Grundlage für die Entwicklung von Empathie und Mitgefühl bei jungen Kindern?
Nur wenn Kinder erleben, dass ihre Gefühle wahrgenommen und angenommen werden, können sie auch Empathie für andere entwickeln. Resonanz und Empathie sind der Nährboden, auf dem Mitgefühl wachsen kann.
Resonanz und Empathie sind der Nährboden, auf dem Mitgefühl wachsen kann.
Manuela Christiansen
GRIN: Was können pädagogische Fachkräfte konkret tun, um Kindern im Alltag mehr Resonanz zu ermöglichen – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen?
Die Begrüßung ist der erste Schritt, um mit Kindern in Resonanz zu treten. Wenn ein Kind persönlich begrüßt und angesehen wird, entsteht schon zu Beginn die Chance, mit jedem Kind individuell in Kontakt zu kommen. Eine weitere konkrete Möglichkeit für pädagogische Fachkräfte, Kindern im Alltag mehr Resonanz zu ermöglichen, ist das bewusste Zuhören.
Auch unter schwierigen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Zeitdruck oder Personalmangel, können kleine Gesten wie ein aufmerksames Nicken, ein freundliches Lächeln oder das Wiederholen der Kinderäußerungen zeigen, dass die Kinder wahrgenommen werden. Die bereits erwähnte persönliche Begrüßung stellt dabei einen wichtigen ersten Schritt dar: Wird ein Kind individuell begrüßt und angesehen, entsteht gleich zu Beginn des Tages eine Resonanzbeziehung, die den weiteren Alltag positiv beeinflusst.
GRIN: Sie betonen die Bedeutung einer sicheren Bindung für die Entwicklung von Empathie. Welche Signale zeigen, dass sich ein Kind in einer Einrichtung wirklich sicher fühlt?
Ein Kind, das sich in einer Einrichtung wirklich sicher fühlt, zeigt dies durch verschiedene Signale. Es sucht aktiv Kontakt zu den Bezugspersonen, zeigt Freude an gemeinsamen Aktivitäten und bringt seine Bedürfnisse offen zum Ausdruck. Typisch ist auch, dass das Kind entspannt spielt, neugierig seine Umgebung erkundet und sich tröstend an Erwachsene wendet, wenn es Unterstützung benötigt. Diese Verhaltensweisen sind deutliche Anzeichen dafür, dass eine sichere Bindung besteht und das Kind Vertrauen in seine Umgebung entwickelt hat. So wird die Grundlage für Empathie und Mitgefühl gelegt.
GRIN: Empathie kann, wie Sie schreiben, auch überfordern. Welche Strategien empfehlen sie Pädagog:innen, um empathisch zu bleiben, ohne auszubrennen?
Um Empathie zu bewahren und gleichzeitig einer Überlastung vorzubeugen, sind regelmäßige Selbstreflexion, der offene Austausch im Team sowie gezielte Pausen und kleine Rituale im Alltag von besonderer Bedeutung. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, individuelle Grenzen wahrzunehmen, neue Energie zu gewinnen und die emotionale Belastung besser zu steuern. Es ist zudem ratsam, bewusst darauf zu achten, wie viele negative Nachrichten täglich aufgenommen werden. Ebenso wichtig ist es, positive Aspekte in das eigene Leben zu integrieren. Negative Gedanken wirken sich nicht nur auf die betroffene Person selbst aus, sondern beeinflussen auch das soziale Umfeld. Die daraus resultierende Angst kann Kreativität hemmen und die Entwicklung von Lösungsstrategien erschweren, was wiederum das Risiko eines Burnouts erhöht. Es gilt, einen realistischen Blick auf die Welt zu wahren, ohne positive Impulse aus den Augen zu verlieren. Besonders Pädagoginnen und Pädagogen haben eine prägende Rolle für junge Menschen; hier sind Hoffnung und Zuversicht wesentlich. Wie ich auch in meinem Buch darlege: Wenn Empathie zu Mitgefühl wird, stellt dies eine effektive Prophylaxe gegen Burnout dar.
Es ist zudem ratsam, bewusst darauf zu achten, wie viele negative Nachrichten täglich aufgenommen werden. Ebenso wichtig ist es, positive Aspekte in das eigene Leben zu integrieren.
Manuela Christiansen
GRIN: Was bedeutet eine empathische und resonante Haltung in der Zusammenarbeit mit Eltern – insbesondere in kulturell vielfältigen Kontexten?
Das aktive Zuhören, das Zeigen von Verständnis und die gemeinsame Lösungsfindung stellen zentrale Komponenten einer erfolgreichen Zusammenarbeit dar. Eine offene und wertschätzende Gesprächsatmosphäre schafft Vertrauen und fördert die konstruktive Kooperation zwischen allen Beteiligten. Es ist wesentlich, Eltern Gelegenheit zu geben, sich einzubringen und ihre Anliegen – etwa in Bezug auf ihr Kind, bestehende Ängste, Wünsche sowie Vorstellungen – zu äußern. Verfügen Eltern noch nicht über ausreichende Kenntnisse der in der Einrichtung gesprochenen Sprache, ist der Einsatz von Dolmetscher:innen oder Fachkräften mit entsprechenden Sprachkenntnissen besonders zu Beginn sowie bei spezifischem Gesprächsbedarf von großer Bedeutung. Eltern, die sich wahrgenommen und verstanden fühlen, zeigen erfahrungsgemäß eine höhere Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Gerade zu Beginn des Besuchs einer Krippe oder eines Kindergartens trägt eine vertrauensvolle Kommunikationskultur dazu bei, dass Eltern relevante Informationen über ihr Kind weitergeben und eine positive Bindung aufbauen können. Eine empathische und professionelle pädagogische Haltung manifestiert sich sowohl im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, Kindern und Eltern als auch in der Selbstreflexion.
GRIN: Ein Kapitel Ihres Buches widmet sich der Rolle digitaler Medien. Wie können wir Kinder heute vor digitalen Resonanzverlust schützen-ohne Medien komplett zu verbannen?
Kinder benötigen echte Begegnungen und Aufmerksamkeit. Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten bewusst bildschirmfreie Zeiten schaffen und gemeinsame Aktivitäten fördern, um Nähe und Austausch zu ermöglichen. Entscheidend ist dabei der Umgang der Erwachsenen mit Medien: Kinder, die von ihren Bezugspersonen Resonanz, Empathie und Mitgefühl erfahren und erleben, dass ihre Vorbilder sich nicht in digitalen Welten verlieren, sind am besten davor geschützt, selbst Resonanz, Empathie und Mitgefühl durch Medien zu verlieren. Medien gehören heute selbstverständlich zu unserem Alltag und erleichtern viele Dinge, können aber auch die Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler frühzeitig Medienkompetenz sowie das Erkennen von Fake News erlernen. Besonders in Krippe und Kindergarten brauchen Kinder für ihre gesunde Entwicklung viele Bewegungs- und Körpererfahrungen, um ihre Basissinne auszubilden. In diesen Einrichtungen sollten Medien daher nur sehr sparsam eingesetzt werden, um auch die Gehirnentwicklung der Kinder nicht negativ zu beeinflussen. Da wir alle nur ein Gehirn haben, sollten wir besonders zu Beginn des Lebens sorgsam damit umgehen.
Kinder benötigen echte Begegnungen und Aufmerksamkeit.
Manuela Christiansen
GRIN: Wie sind Sie darauf gekommen, als Selfpublisherin bei GRIN zu veröffentlichen?
Mit dem GRIN Verlag bin ich durch akademische Texte in Verbindung gekommen. Durch das Publizieren von Fachinformationen, Diplomarbeiten und Studienberichte hat der GRIN Verlag einen großen Pool von wissenschaftlich fundierten Beiträgen. Als Dozentin wollte ich aus diesem Grunde mein Buch im GRIN Verlag veröffentlichen.
GRIN: Welche Vorteile sehen Sie in einer Veröffentlichung bei GRIN?
Bereits beim ersten telefonischen Kontakt mit einem Mitarbeiter des GRIN Verlags war mir klar, dass ich mein Buch dort veröffentlichen möchte. Auch die spätere Zusammenarbeit hinsichtlich der Buchgestaltung mit einer Mitarbeiterin, die mein Projekt bis zur Fertigstellung betreute, zeichnete sich durch einen freundlichen und professionellen Umgang aus, was mich sehr beeindruckte. Die Kooperation bereitete mir große Freude, sodass ich auch mein nächstes Fachbuch bei GRIN veröffentlichen werde. Als Autorin bietet mir der Verlag die Möglichkeit, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen – insbesondere bei der Covergestaltung. Besonders gefreut hat mich, dass ich als Autorin des Titels „Resonanz, Empathie und Mitgefühl…“ diese Werte auch im Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des GRIN Verlags erleben durfte.
GRIN: Frau Christiansen, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Buch!
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