In der Theorie des Neoinstitutionalismus bilden mimetische Prozesse ein zentrales Element, um die strukturelle Isomorphie in Organisationen zu erklären. Durch den Rückgriff auf bewährte Modelle reduzieren Akteure die Komplexität ihrer Umwelt und minimieren das Risiko des Scheiterns in unübersichtlichen Entscheidungssituationen. Dabei geht es weniger um die rein funktionale Effizienz, sondern primär um die Erlangung von Legitimität innerhalb eines spezifischen institutionellen Feldes. Die Forschung untersucht hierbei intensiv, wie durch diese Nachahmungsmuster kulturelle Normen und Standards verstetigt werden. Die wissenschaftliche Debatte befasst sich zudem mit der Frage, inwieweit diese Prozesse Innovationen hemmen oder durch die Standardisierung von Best Practices indirekt neue Entwicklungspfade eröffnen können. Es stellt sich die Problematik, ob die Imitation etablierter Akteure zu einer Erstarrung organisationaler Dynamiken führt oder ob mimetische Mechanismen als notwendige Antwort auf ökologische Unsicherheit fungieren. Neben der Organisationssoziologie finden diese Konzepte auch in der Evolutionsbiologie und der Kulturwissenschaft Anwendung, um die Übertragung von Verhaltensweisen und kulturellen Codes zu analysieren. Entdecke dazu wissenschaftliche Arbeiten bei GRIN, sofort als PDF und eBook, viele als Print-on-Demand.