Hochschule für Wirtschaft und Politik, Hamburg
Hausarbeit
Thema:
Egoismus und das marxistische Menschenbild -
Egoismus und Aspekte seines Einflusses auf die politischen Systeme des Marxismus am Beispiel der DDR und UDSSR
Student:
Lothar Mohrmann
Lehrgang:
Marxistische Wirtschaftstheorie
Semester:
Sommersemester 2002
Abgabedatum:
07.10.2002
Inhaltsverzeichnis
Kapitel
1. Einleitung 3
2. Annäherung an den Begriff des Egoismus 3
2.a. Die Evolution des Begriffs Egoismus 3
2.b. Die Struktur des Egoismus 5
3. Aussagen der marxistischen Sicht zum Bild des Menschen 7
4. Das Menschenbild der UDSSR und DDR und die Kritik daran 9
4.a. Interpretation und Anpassung eines marxistischen
Menschenbildes in der DDR und UDSSR 9
4.b. Kritik an dem Menschenbild der UDSSR und DDR 12
4.c. Schlussfolgerungen für das Scheitern der UDSSR und DDR 14
5. Schlussfolgerungen und Denkansätze 15
Literaturverzeichnis 18
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Egoismus und das marxistische Menschenbild -Egoismus und Aspekte seines Einflusses auf die politischen Systeme des Marxismus am Beispiel der DDR und UDSSR
1. Einleitung
Die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hat eine vielfältige Diskussion über die Umsetzbarkeit der marxistischen Grundideologie in ein politisches System ausgelöst. Allem voran stellt sich die Frage wie es zur Auflösung der DDR und das Scheitern der in ihr umgesetzten Form des marxistischen Sozialismus kam. Die Gründe hierfür sind sehr umfangreich und kaum innerhalb eines Aufsatzes befriedigend darzulegen. Diese Arbeit widmet sich daher einem Teilaspekt der Betrachtungsebene. Dargelegt werden soll ein Verständnis für den Begriff des Egoismus und sein möglicher Einfluss auf die Gesellschaft in der DDR und UDSSR. Im weiteren soll die Frage behandelt werden, wie der Egoismus zum Scheitern der politischen und wirtschaftlichen Systeme dieser Länder beigetragen hat und welche Konsequenzen sich hieraus für die gegenwärtigen politischen und sozialen Verhältnisse ergeben.
2. Annäherung an den Begriff des Egoismus
2.a. Die Evolution des Begriffs Egoismus
Der Begriff des Egoismus oder auch Egotismus oder Egomismus fand in diesen Bezeichnungen seine allgemeine Verbreitung im frühen 18. Jahrhundert. Das Lexikon der Wirtschaftsethik beschreibt Egoismus als das klassische Grundproblem der Ethik seit der Antike. Geschildert wird die übersteigerte Selbstliebe des Einzelnen, durch die ein Leben in der Gemeinschaft gestört oder unmöglich gemacht wird. Das friedliche Leben in der Gemeinschaft ist demnach nur möglich, wenn die Relativierung der Individuen zwischen notwendiger Selbsterhaltung und den Ansprüchen der Gesellschaft gelingt (1, S. 210 ff). Jedoch ist die Abwägung und Abgrenzung dieser Bedürfnisse und Ansprüche kaum eindeutig zu definieren und wechselnden äußeren Umständen unterworfen. In der Antike galt ein Bild des Zusammenlebens der Menschen welches durch Naturgesetze bestimmt sein sollte.
(1) Hrsg.: Georges Enderle, Karl Homann, Martin Honecker, Walter Kerber, Horst Steinmann - Lexikon der Wirtschaftsethik - Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1993 - Freiburg im Breisgau, Basel, Wien: Herder - 1993
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Das Recht des Stärkeren über den Schwächeren, welches erlaubt, diesen zu töten und zu beherrschen. Sklavenhaltung als Ausdruck der Freiheit seine eigene Existenz zu behaupten und zu stärken. Sklaven schufen durch ihre Arbeit für ihre Beherrscher den Freiraum, der dieser frühen Kulturen ermöglichte sich geistiger, statt körperlicher Arbeit zu widmen und erste philosophische Betrachtungen anzustellen. Nachdem sich das Christentum in Europa etabliert hatte, beschreibt die altkirchliche Literatur „amor sui“, also die Selbstliebe als Inbegriff der Sünde, während spätere, ebenfalls kirchliche Schriften der Reformationsepoche, die „curvitas animae“, das Verkümmert sein des „Ichs“ an sich selbst, also die Verleugnung der eigenen Bedürfnisse ebenso als menschliche Sünde an der göttlichen Schöpfung galten (1, S. 210 ff). Die philosophische Auseinandersetzung der Neuzeit weist mit Kant dem Begriff Egoismus eine ethische, statt einer erkenntnistheoretischen Bedeutung zu. Kant wandte sich gegen englische und schottische Aufklärer, die den Eudämonismus vertraten, welcher den Nutzen einer Handlung zum Kriterium seiner moralischen Qualität erhoben. Er erteilte ebenfalls dem Utilitarismus, also einer Nützlichkeits-Betrachtung eine Absage und begründete durch seine Haltung eine Gegenposition deutscher Ethiker zu den britischen Frühliberalen Adam Smith und J.St. Mill. Aus dieser Gegenposition erklärt Hegel die bürgerliche Gesellschaft zu einer „Sphäre des Egoismus“, in der ein permanenter Kampf „Aller gegen Alle“ stattfindet. Dieser sollte nach Hegel durch einen starken, religiös fundierten Rechtstaat aufgehoben werden. Marx schließlich beschreibt die Aufhebung des Wirtschaftsindividualismus durch die kommunistische Totalvergemeinschaftung des Privatwesens, hin, zu einem Gattungswesen (1, S. 210 ff). Parallel zu der industriellen Entwicklung in Europa und der zunehmenden Konzentration des Kapitals gewinnen die konfessionellen Organisationen dieser Länder die Überzeugung von der „Sozialpflichtigkeit des Eigentums“, also einer moralischen Pflicht, erworbenes Eigentum zum Nutzen der Gemeinschaft einzusetzen (1, S. 210 ff). Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse Charles Darwins und seiner These vom „Kampf ums Dasein“ finden neuerliche Fürsprecher der freien Selbstverwirklichung hierfür Argumente. Nietzsche veröffentlicht Überlegungen, welche als Fortführung der Schriften des frühen Philosophen Protagoras zu sehen sind. Diese erheben den Mensch zum Maß aller Dinge. Der Staat sei die Basis des Zusammenlebens für Menschen, die dem Geiste nach unbekümmert und frei seien. Nietzsche erweitert diese Überlegungen dahin gehend, dass der Mensch eine bewusste Entwicklung durchlaufe. Moral sei dem Staat dienlich, führe zur Sitte, zum freiwilligen Gehorsam und schließlich zum Zwang durch Gewohnheit. Gott sei tot, da er lediglich eine erzählte Vorstellung anderer Menschen darstelle, die, wenn der Zuhörer sie glaube, den Erzählenden über den Hörenden erheben würde, was unrecht sei. Plakativ unterteilt Nietzsche die sozialen Prinzipien mit den Aussagen, dass das Christentum „Einer für Alle“, der Sozialismus „Alle für Alle“ und der von ihm vertretene Individualismus „Alle für Einen“ bedeute. Dementsprechend unterteilt er Menschen in Mächtige und Machtlose und behauptete, dass die Mächtigen unterdrücken wollen.
(1) Hrsg.: Georges Enderle, Karl Homann, Martin Honecker, Walter Kerber, Horst Steinmann - Lexikon der Wirtschaftsethik - Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1993 - Freiburg im Breisgau, Basel, Wien: Herder - 1993
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Eine Verteidigung der Machtlosen fände nur, durch sich fließend verändernde Rechte dieser, ihr Gleichgewicht gegenüber den Mächtigen. Altruismus, also die gelebte Selbstlosigkeit, wäre lediglich versteckter Egoismus, um ein Bedürfnis nach moralischer Macht zu befriedigen. Tatsächlich existiere jedoch der Sozialdarwinismus, also der Kampf der Menschen um ihr Dasein, ihre soziale Position. Der Sozialismus nach Marx entziehe der Gemeinschaft somit die starke Energie des Intellekts durch erstrebtes, allgemeines Wohlleben. Egoismus brächte die Gemeinschaft letztlich weiter als der Sozialismus. In dieser extremen Argumentation schließlich behauptete Nietzsche, dass das Volk nur die Basis zur Möglichkeit der Züchtung eines überlegenen „Übermenschen“ sei (2, S. 18,19,23,32). Der Philosoph Max Stirner äußert sich vergleichbar klar zum Individualismus. Für Stirner sind Moral und das Urteil von Recht und Unrecht nur eine Vision. Diese kann jedoch nicht definiert werden, ebenso wenig, wie einem Blinden eine Farbe definiert werden könne. Daher gäbe es keine Gemeinschaft, sondern nur Einzelne mit ihren individuellen Betrachtungen und subjektiven Beurteilungen (2, S. 70). In der Zeit der industriellen und postindustriellen Gesellschaft wird Egoismus überwiegend als legitimes Selbstinteresse gesehen, welches innerhalb rechtlicher Ordnungen, die individuelle Selbstbezogenheit zu Interessen der Gemeinschaft transzendiert (1, S. 210 ff). Ein, allerdings nicht unumstrittenes Bild des „homo oeconomicus“ (in Folge: h.o.) hat sich durchgesetzt. Es beschreibt den Mensch der sucht, seinen Nutzen und den Nutzen der Welt um ihn herum, für sich zu erweitern. Die Basis hierfür bildet die Knappheit, der für ihn verfügbaren Mittel und Ressourcen. Pragmatisch sucht der h.o. Lösungen die ihn den Zielen, die er anstrebt, näher bringt. Gekennzeichnet wird der h.o. allerdings auch durch die Akzeptanz und relative Toleranz gegenüber den anderen Individuen, die wiederum ihre Position behaupten wollen. Diese Wechselbeziehung innerhalb der Gesellschaft sei gewachsen und wird flankiert und geschützt durch ein tradiertes, sich kontinuierlich veränderndes Rechtsystem, welches den Kräfteausgleich zwischen den diversen Machtebenen bewirken und schützen soll (1 S. 426 ff.).
2.b. Die Struktur des Egoismus
Um den Begriff des Egoismus eigenständig in seiner Struktur erfassen zu können, ist seine Verknüpfung innerhalb verschiedenen Forschungsbereiche erforderlich. Auf unterschiedliche Weise wird der Egoismus durch die Philosophie, Biologie, Soziologie, Psychologie und durch die Wirtschaftswissenschaften erforscht und beurteilt. Auch ist diesem Begriff die Verbindung mit den Arbeiten der Forschungszweige zu den Begriffen Instinkt, Selbsterhaltung, Aggression, Persönlichkeit, Charakter, Selbständigkeit, Individualismus, Freiheit und Selbstverwirklichung immanent.
(1) Hrsg.: Georges Enderle, Karl Homann, Martin Honecker, Walter Kerber, Horst Steinmann - Lexikon der Wirtschaftsethik - Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1993 - Freiburg im Breisgau, Basel, Wien: Herder - 1993 (2) Benedict Lachmann - Platz dem Egoismus! - 3. Auflage - Mackay-Gesellschaft, Freiburg/Breisgau - 1978
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Arbeit zitieren:
Lothar Mohrmann, 2002, Egoismus und das marxistische Menschenbild - Egoismus und Aspekte seines Einflusses auf die politischen Systeme des Marxismus am Beispiel der DDR und UDSSR, München, GRIN Verlag GmbH
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